Sammlung alter Fotografien
So hat die baskische Bevölkerung vor etwa 100 Jahren gelebt. Eine Zusammenstellung alter Fotos, zeigt die vor allem ländlich geprägte baskische Vergangenheit. Das Fotografien-Album ist die Arbeit eines Anwalts aus Getxo, der die Langeweile der Pandemie damit bekämpfte, indem er Hunderte von Bildern aus der Geschichte des Baskenlandes sammelte und im Internet zusammenstellte: Landfrauen, Sardineras, Minenarbeiter, Landsport, Rudern, Pelotaris, Musiker, Bauern, Hirten, Krieg, Landschaften, Menschen.
“Wissen, woher wir kommen, um zu wissen, was wir sein wollen“ – so lautet das Motto eines 31-jährigen Basken aus Getxo, der aufgrund der Langeweile in Covid-Zeiten mit einer Foto-Sammlung begann, die in den sozialen Medien bereits 40.000 Follower vereint hat.
Mit dem Aufkommen der Digitalfotografie und der sozialen Netzwerke haben die Fotoalben aus Papier und Karton ausgedient und sind zu Relikten der Vergangenheit geworden, die oft auf Dachböden verstauben. Doch dieselben Technologien, die die Papierbilder verdrängt haben, können dazu genutzt werden, Schnappschüsse und Porträts aus anderen Zeiten und aus dem Leben unserer Vorfahren zu retten, zu konservieren, aufzumotzen und bekannt zu machen. Bilder, die von großem soziologischem, anthropologischem und historischem Interesse sind. (1)
Genau das ist das Leitmotiv von “Return to Basque“ (Rückkehr zum Baskischen), einem Fotoprojekt, bei dem alte Bilder vom Leben im Baskenland aus vergangenen Jahrzehnten, vom Ende des 19. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zusammenstellt wurden. Eine Aufgabe der Suche, des Aufspürens und der Verbreitung, die Javier Martín Apoita, von Beruf Rechtsanwalt und leidenschaftlicher Fotograf, vor fünf Jahren in Angriff nahm, um “ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen, das es uns ermöglicht, zu sehen, wie das baskische Leben in anderen Zeiten war“.
Er begann mit der Gestaltung des Projekts im Jahr 2020, mitten in der Pandemie, als er aus beruflichen Gründen in Madrid lebte. “Ich war eingesperrt, konnte keine Pläne machen und nicht auf die Straße gehen, und ich hatte großes Heimweh nach meiner Heimat. Und da ich mich für Fotografie und Schwarzweiß-Filme interessiere, begann ich, alte baskische Bilder zu recherchieren. Zu dieser Zeit gab es viele Accounts auf Twitter, die alte Fotos vom Mittelmeer und von europäischen Städten posteten, und ich fragte mich: “Warum schaust du dir Fotos von London an? Wenn wir im Baskenland ein beeindruckendes fotografisches Erbe haben, mit dem man sich viel besser identifizieren kann“.
“So kam ich auf die Idee, diese Bilder zu sammeln und zu verbreiten. “Ich begann damit, in Google und in digitalisierten Archiven zu stöbern und sie auf meinem persönlichen Account zu teilen. Als ich sah, dass sie eine große Anziehungskraft hatten, gründete ich “Return to Basque“ und vom ersten Moment an war es ein Volltreffer. Natürlich war es hilfreich, dass die Leute während der Pandemie Zeit hatten und zu Hause an ihren Handys und Computern klebten. In wenigen Monaten hatte ich 10.000 Follower und machte den Sprung zu Instagram, weil es ein visuelleres Netzwerk ist. (2)
In dieser Phase war das Archiv des Fotografen Indalecio Ojanguren (1887-1972) entscheidend, er ist bekannt als “Adler-Fotograf“ für seine Arbeit als Bergsteiger, das von der Provinzregierung von Gipuzkoa digitalisiert wurde. “Ojanguren ist mein Bezugspunkt, sowohl für seine dokumentarische Arbeit als auch für seine Qualität und Technik“, erklärt Javier Martín, der dessen Porträts des ländlichen Lebens und des Alltags im Baskenland vor einem Jahrhundert hervorhebt.
Von digitalisierten Archiven und Fotos bis hin zum Erhalt von unveröffentlichten oder verlorenen Bildern direkt aus Familienalben oder Sammlungen: “Ohne dass ich darum gebeten hätte, begannen mir Anhänger Fotos von ihren Wohnorten zu schicken, und es waren viele interessante Aufnahmen dabei, so dass ich anfing, sie um Erlaubnis zu bitten, sie weiterzugeben, was einen Anruf-Effekt auslöste. Es gab Spitzenzeiten, in denen ich Hunderte von Fotos erhielt, insbesondere aus der Region Gipuzkoa und dem Norden Navarras“.
Aus diesem Grund bemüht sich der Projektträger von “Rückkehr zum Baskischen“, mehr Fotografien aus Bizkaia zu erhalten. “Ich habe festgestellt, dass sich das Projekt, ohne es zu wollen, ein wenig auf das ländliche oder traditionelle Umfeld konzentriert. Aber ich möchte, dass das Leben in der Vergangenheit in allen Facetten dargestellt wird, auch in städtischen Umgebungen“, wie zum Beispiel in Bilbao auf dem Höhepunkt des industriellen Aufschwungs zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Pionier*innen
Neben den hervorragenden Aufnahmen von Indalecio Ojanguren erwähnt Javier Martín auch Policarpo Elósegui (1870-1948) und Eulalia Abaitua (1853-1943), letztere eine echte Pionierin dieser Kunst im Baskenland. Ihre dokumentarischen Sammlungen befinden sich im Baskischen Museum in Bilbao. “Abaitua praktizierte bereits in ihrer Jugend Ende des 19. Jahrhunderts die Fotografie, wandte sich aber später anderen Dingen zu. Elósegui seinerseits zog durch die Dörfer von Tolosaldea und machte Porträt-Aufnahmen“. Zu dieser Zeit gab es auch Künstler mit einem eher urbanen Stil, wie Ricardo Martín und Pascual Marín in San Sebastián. Nicht zu vergessen den ebenfalls in Tolosa aktiven Jesús Ramón Elosegi Irazusta (1907-1979).
Es waren nicht nur angenehme Porträts oder ländlich-idyllisch wirkende Bilder. Auch soziale Konflikte spiegeln sich in den Fotografien wider. “Ich habe Bilder von Demonstrationen oder Unruhen und Fotos von Verteidigungs-Anlagen während des Bürgerkriegs gefunden. Bei Indalecio Ojanguren gibt es zum Beispiel Fotos vom ‘Eisernen Gürtel', aber ich habe keine Fotos von Kämpfen gefunden“, erklärt Martín, der auch Fotos von Privatpersonen erhalten hat, die ihm Fotos von ihren Großeltern oder Urgroßeltern in Gudari-Uniformen (baskisch: Soldat) oder von Feldzügen an der Front geschickt haben.
Auch diese “Amateur“-Fotos haben ihren Wert. “Technisch gesehen vermitteln sie mir auch etwas, einige dieser Bilder haben einen künstlerischen Aspekt, der sehr interessant ist“, sagt er. “Vielleicht denken die Leute: Wer interessiert sich schon für diese Fotos? Nun, zunächst einmal ich und was ich gesehen habe, wenigstens weitere 40.000 Menschen“. Der Bericht schließt mit einem Aufruf an Menschen in Bizkaia‚ mehr Fotos zu schicken.
ANMERKUNGEN:
(1) “Así vivíamos los vascos: las fotos antiguas que revelan nuestro pasado” (So haben wir Basken früher gelebt: alte Fotos, die unsere Vergangenheit zeigen), Tageszeitung El Correo, Autor: Miguel Aizpuru, 2025-03-25 (LINK)
(2) Return to Basque, Instagram (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Return to Basque (instagram)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-03-29)
