
Wochenend-Schicht geplant
Während in Deutschland etwa 50.000 Entlassungen im Raum stehen, hat Volkswagen in Navarra eine Stellenbörse eröffnet, um 1.000 Zeitarbeitskräfte einzustellen. Mit dem Ziel, im Jahr 2027 eine Wochenend-Schicht aufzubauen und mehr zu produzieren. Die baskische Gewerkschaft LAB warnt jedoch, dass dieses Angebot sei voller Ungewissheiten. Diese neue Schicht steht sowohl Festangestellten als auch Zeitarbeitern offen. Tatsächlich könnte die Maßnahme dazu beitragen, den Anteil der Stammbelegschaft zu reduzieren.
Der Volkswagen-Konzern entlässt in Deutschland und stellt in Navarra ein. Aber nur Hilfskräfte, die zur beweglichen Personal-Masse werden könnten. Die Geschäfts-Leitung macht Geheim-Politik.
Die Bewerber*innen für die Zeit-Arbeitsplätze müssen sich auf der Website des Unternehmens registrieren. Dadurch erhalten sie Zugang zu einer Stellenbörse. Die ist zwar „in der vor einigen Jahren unterzeichneten Beschäftigungs-Vereinbarung geregelt, sie ist aber undurchsichtig, da sie nicht der Kontrolle des Betriebsrats unterliegt. Wir wissen nicht, wer sie zusammenstellt. Sie wird angeblich von einer Zeitarbeits-Firma verwaltet“, kritisiert der LAB-Vertreter bei Volkswagen Navarra in einer Stellungnahme.
Grundsätzlich geht es darum, tausend Aushilfskräfte in die derzeitige Belegschaft aufzunehmen, das sind nicht unbedingt Arbeitskräfte über Zeit unternehmen. „Konkrete Zahlen werden aber nicht genannt, derzeit werden etwa 350 Aushilfskräfte zur Unterstützung bei der Markteinführung neuer Modelle eingesetzt sind, die am 31. Dezember enden würde. Daher stünden diese Aushilfskräfte im kommenden Jahr weiter zur Verfügung, sei es in der neuen Wochenend-Schicht oder als Vertretung für Festangestellte, die an den Wochenenden arbeiten“.
In dieser neuen Schicht würden also sowohl Festangestellte als auch Aushilfskräfte beschäftigt sein. Es gäbe zwei Auswahlverfahren, wie der LAB-Sprecher erklärt: „Die Stellenbörse wird für zukünftige Einstellungen geöffnet, gestartet wird aber auch ein weiteres Auswahlverfahren für technische Berufe, für qualifiziertes Personal wie Wartungstechniker, Karosseriebauer, Elektromechaniker, das nach einem anderen System, jedoch über die Zeitarbeitsfirma läuft“.
Es ist noch unklar, ob die Unterschiede noch weiter gehen werden, wie der LAB-Vertrauensmann bei Volkswagen warnt. „Wir kennen derzeit nur die Bedingungen für die festangestellten Mitarbeiter, die in diese Schicht aufgenommen werden, mehr oder weniger genau. Sie würden freitags acht Stunden, samstags zehn Stunden in der Frühschicht und sonntags zehn Stunden in der Nachtschicht arbeiten. Und sie würden ungefähr dasselbe verdienen, was sie derzeit für eine 40-Stunden-Woche erhalten.“

Unterschiedliche Bedingungen befürchtet
Diese sehr präzisen Bedingungen stehen jedoch „im Gegensatz zum Mangel an Informationen über die Bedingungen der Zeitarbeitskräfte. Wir haben bei der Besprechung mit der Geschäftsleitung ausdrücklich danach gefragt, aber keine Antwort erhalten. Wenn Volkswagen nur von einer Gruppe spricht und die andere außen vor lässt, befürchten wir, dass die Zahlungs-Bedingungen nicht dieselben sein werden.“ In diesem Zusammenhang fügt er hinzu: „Wir wissen nicht, ob die Leiharbeiter nur 28 Stunden arbeiten werden, und wir wissen nicht, welchen Lohn sie erhalten werden. Die Geschäftsleitung versichert, dass sie den Tarifvertrag und die Lohntabellen weiterhin einhalten wird. Natürlich wird man nicht absichtlich einen verschiedenen Lohn für diese Leute aus dem Ärmel schütteln. Aber sie haben uns nicht gesagt, was sie ihnen zahlen wollen.“
Und die Zweifel gehen noch weiter. Bei LAB fragt man sich: „Gilt das nur für ein Jahr oder soll es eine Dauerlösung sein? Wenn sie bleiben, unter welchen Bedingungen? Werden sie immer am Wochenende arbeiten? Es gibt viele Unklarheiten, die Volkswagen ausräumen muss. Denn es könnte Menschen geben, die einen festen Arbeitsplatz haben, sich beruflich weiterentwickeln wollen und sich entscheiden, das Risiko einzugehen und zu Volkswagen zu wechseln. Und was passiert, wenn sie nach einem Jahr auf der Straße stehen?“
Tatsächlich wurde bei dem Treffen zwischen dem Unternehmen und dem Betriebsrat über einen allgemeinen Rahmen von Anforderungen gesprochen, der bei der Unterzeichnung einer Vereinbarung im September oder Oktober konkretisiert werden soll, sobald das Produktionsvolumen feststeht, das grundsätzlich darauf abzielen würde, im Jahr 2027 die Marke von 340.000 montierten Fahrzeugen zu überschreiten. Wie der LAB-Sprecher betont: „Derzeit gibt es keine Vereinbarung. Es gibt lediglich einen Zeitplan, den man uns vorgelegt hat, aber ohne Produktionszahlen. Unterdessen erleben wir extrem strenge Flexibilisierungs-Maßnahmen.“
Der LAB-Vertreter äußert sein Misstrauen gegenüber dem Unternehmen, da „Volkswagen frühere Vereinbarungen untergraben hat. Zum Beispiel, als begonnen wurde, am Wochenende zu arbeiten. Es waren 20 von 40 Stunden, aber (die spanischen Gewerkschaften) UGT und CCOO haben zugelassen, dass die Zahl von 20 auf 28 erhöht wurde, und die Aushilfskräfte haben diese 28 Stunden plus die restlichen Stunden bis zu 40 unter der Woche in den entsprechenden Werkstätten gearbeitet. Das ist eine ungeheure Prekarisierung. Jetzt ist nichts davon festgeschrieben.“ Bei der Gewerkschaft ist man sich ganz klar darüber, dass „wenn die Wochenend-Schicht gestrichen wird und im folgenden Jahr Bedarf besteht, diese tausend Personen natürlich ab sofort einen unbefristeten Vertrag haben. Die nächsten festen Mitarbeiter können nur diese Leute sein.“
Strategische Fehlentscheidungen
Während in Navarra die Stellenbörse für die Einstellung von tausend Zeitarbeitern eröffnet wurde, gehen die Nachrichten von Volkswagen in Deutschland in die entgegengesetzte Richtung: Die deutsche Geschäftsführung rechnet mit etwa 50.000 Entlassungen, die LAB als „freiwillige Abgänge und vereinbarte Vorruhestands-Regelungen“ betrachtet, „auch wenn es sich dennoch um Entlassungen handelt“. Die Unternehmensleitung begründet diese Entlassungen mit der Notwendigkeit, „die Rentabilität wiederherzustellen“. Der LAB-Vertreter räumt ein, dass „die Produktionskosten aufgrund der Gaspreise und anderer Faktoren in Deutschland in die Höhe geschossen sind“. Er ist jedoch der Ansicht, dass „sie nicht behaupten können, die Chinesen würden ihnen die Aufträge wegnehmen, denn sie haben es zugelassen. Bei den Elektro-Autos kamen sie zu spät und in schlechter Form. Und das, obwohl sie Millionen an Strafen für den Dieselgate gezahlt haben. Sie haben damals nicht auf die Elektro-Autos gesetzt und hinken nun den anderen hinterher.“ Zu dieser mangelnden Weitsicht kommt hinzu, was er als „einen Wandel im Geschäftsmodell bei Volkswagen“ bezeichnet. „Sie entkapitalisieren das Unternehmen. Sie verkaufen es stückweise und schütten Dividenden aus, anstatt dieses Geld in die Elektro-Produktion und die Modernisierung der Werke zu investieren.“
ANMERKUNG:
(*) „VW Navarra eröffnet eine Stellenbörse voller Ungewissheiten, um tausend befristete Mitarbeiter einzustellen“ (Original: „VW Navarra abre una bolsa de trabajo plagada de incógnitas para incorporar mil eventuales“, Tageszeitung Gara, 2026-08-26 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) VW Navarra (okdiario)
(2) VW Navarra (cad.ser)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-08-29)
