
Eigenbeschuss und Lynchjustiz
Das Bild der Nazi-Luftwaffe Legion Condor im Baskenland ist untrennbar mit Gernika verbunden. Die Junkers und Heinkel, die Brandbomben, die flüchtende Bevölkerung und die verwüstete Stadt gehören zu den universellen Bildern von den Kriegen des 20. Jahrhunderts. Doch die Intervention der Nazis zur Unterstützung der Putschisten des 18. Juli 1936 hatte auch eine weniger bekannte Seite. Etwa dreißig der von Hitler geschickten Soldaten verloren auf baskischem Gebiet in geheimer Mission ihr Leben.
Kein zeitgenössischer baskischer Historiker hat sich bei der Aufarbeitung der baskischen Geschichte des 20. Jahrhunderts mehr Verdienste erworben wie Iñaki Egaña – vom Spanienkrieg bis zum ETA-Anschlag gegen Carrero Blanco.
Die von Hitler entsandten Condor-Soldaten waren nicht unverwundbar. Ihre Flugzeuge stürzten ab, einige Männer gerieten in Gefangenschaft, andere kamen bei Unfällen, unter republikanischem Beschuss oder durch die Bomben ihrer eigenen Verbündeten ums Leben. Etwa dreißig von ihnen verloren auf baskischem Gebiet ihr Leben. Ausgangspunkt für die Rekonstruktion dieser Geschichte ist die Arbeit, die Xabier Herrero und Josu Santamarina 2018 in der Zeitschrift „Sancho el Sabio“ veröffentlichten: „Sterbe für Spanien: Die Verluste der Legion Condor im Baskenland (1936–1937)“ Die Autoren trugen Informationen aus Archiven, der Fachliteratur und der damaligen Presse zusammen und bezifferten die Zahl der Todesfälle auf baskischem Gebiet auf 31. Darunter ein Flieger, der noch vor der offiziellen Gründung der Einheit ums Leben kam. Eine spätere Überprüfung weiterer deutscher Berichte ermöglicht es, einige Daten und Schreibweisen zu korrigieren, wirft jedoch auch Fragen zu bestimmten Identitäten und zur endgültigen Opferzahl auf. (Bei einem Teil dieser Überprüfung wurde Iñaki Egaña vom deutschen Historiker Ingo Niebel unterstützt.) (*)
Das erste Paradoxon taucht bereits auf, noch bevor die Legion Condor offiziell existierte. Deutsche Soldaten hatten bereits begonnen, heimlich als vermeintliche Touristen nach Spanien einzureisen. Sie kamen nicht, um Sehenswürdigkeiten oder Strände zu besuchen. Sie begleiteten zerlegte Flugzeuge, Waffen und militärisches Material. Die touristische Fiktion ermöglichte es Berlin, den Schein zu wahren, während die Nazis gleichzeitig gegen die Politik der Nichteinmischung verstießen.
Gasteiz, Alonsotegi, Otxandio …
Einer dieser „Touristen“ war Ekkehard Hefter. Am 28. September 1936 stürzte er mit seiner Heinkel He-51 in Gasteiz ab. Über die Ursachen kursierten unterschiedliche Versionen: mechanisches Versagen, Unachtsamkeit und sogar Alkohol. Bezeichnend war, was danach geschah. Da das Flugzeug das Hakenkreuz trug, versuchten Mitarbeiter der Stadtverwaltung, dieses mit roter Farbe zu übermalen. Die deutsche Intervention war präsent, ein Flugzeug mitten in der Stadt zerschmettert, doch man musste weiterhin so tun, als gäbe es die Nazis nicht. Herrero und Santamarina beziehen Hefter in ihre Bilanz mit ein, obwohl die Legion Condor zu diesem Zeitpunkt offiziell noch nicht gegründet worden war.
Mitte November 1936 verfügte die neue deutsche Streitmacht bereits über mehrere tausend Mann, mehr als hundert Flugzeuge, Panzer, Flugabwehr-Artillerie und Fernmeldeeinheiten. Der baskische Krieg sollte zu einem ihrer Versuchsfelder werden. Am 4. Januar 1937 musste Bilbao feststellen, dass auch deutsche Flugzeuge abstürzen konnten. Eine Ju-52 wurde während eines Luftkampfs von einem republikanischen Jagdflugzeug getroffen, das vom sowjetischen Flieger K. A. Baranchuk gesteuert wurde. Der Bomber stürzte schließlich in der Gegend von Alonsotegi ab, Herbert Barowski, Hans Schüll und Paul Ziepek kamen in den brennenden Trümmern ums Leben.
Zwei weiteren Besatzungsmitgliedern gelang es, mit dem Fallschirm abzuspringen. Adolf Hermann landete im Bilbao-Stadtteil San Adrián, wo er von einer wütenden Menschenmenge gelyncht wurde. Karl Gustav Schmidt hatte mehr Glück. Der Wind trug seinen Fallschirm in Richtung Enekuri, wo es ebenfalls Menschen gab, die ihn töten wollten. Zu denen, die dazu beitrugen, ihn zu schützen, gehörte ausgerechnet ein sowjetischer Flieger, der gerade noch gegen ihn gekämpft hatte. Schmidt wurde in die Obhut der baskischen Regierung übergeben und später ausgetauscht.
Die größten deutschen Verluste begannen mit der Offensive gegen Bizkaia im Frühjahr 1937. Am 1. April stürzte in Marin (Eskoriatza) die Heinkel-51 von Wilhelm August Blankenagel ab. In denselben Tagen verursachte in Urbina die vorzeitige Explosion einer 88-Millimeter-Flugabwehr-Kanone zahlreiche Verluste unter den Deutschen selbst. Karl Rettenmaier starb am 2. April im Krankenhaus von Gasteiz, Emil Creutz verstarb zwei Tage später und Johann Fischer, ebenfalls schwer verletzt, am 20. April. Ihre Namen wurden auf einem in Urbina errichteten Gedenkstein verewigt, anhand dessen sich die Schreibweise von „Rettenmaier“ im Gegensatz zu anderen Varianten, die in deutschen Aufstellungen auftauchen, noch heute bestätigen lässt.
Am 5. April ereignete sich einer der aufschlussreichsten Vorfälle des Feldzugs. Vier Deutsche, die mit dem Auto unterwegs waren, drangen versehentlich in die republikanischen Linien in der Nähe von Otxandio ein. Der Fahrer kam bei dem Schusswechsel ums Leben. Hier ergibt sich aus den Quellen ein Identifizierungs-Problem: Herrero und Santamarina nannten ihn Carsten Woolf Harling, während eine deutsche Liste der Mitglieder der Legion Condor unter den Gefallenen der J/88 Leutnant Christian von Harling aufführt. Angesichts dieser Diskrepanz ist es am sinnvollsten, ihn einfach als den Offizier von Harling zu bezeichnen.
Im selben Auto befand sich Paul Freese, ein Deutscher, der seit Jahren in Zarautz lebte und als Dolmetscher eingesetzt wurde. Er wurde schwer verletzt und starb später im Militärkrankenhaus von Bilbao. Auch seine Zugehörigkeit zur deutschen Struktur scheint nicht mehr zweifelhaft zu sein: In den deutschen Berichten wird er als Dolmetscher von J/88 aufgeführt. Die beiden anderen Insassen, Walther Kienzle und Gottfried Schulze Blanck, wurden gefangen genommen. Ihre Dokumente, ihre Aussagen und das persönliche Tagebuch von einem der beiden wurden zu materiellen Beweisen für das, was Nazi-Berlin noch immer zu verbergen suchte: die direkte Beteiligung deutscher Soldaten am Spanienkrieg.
Zehn Tage später, am 15. April, ereignete sich ein weiterer Todesfall, der in den Zusammenfassungen des Feldzugs meist übersehen wird. In Santa Águeda (Arrasate) wurde der Soldat Erich Zschetzsching verletzt. Er gehörte der motorisierten Flugabwehrgruppe F/88 an, als eine Granate, mit der er hantierte, explodierte. Er starb am nächsten Tag. Er war nicht vom Feind niedergeschossen worden. Wie in anderen Fällen forderte die Kriegsmaschinerie selbst einen ihrer Söldner als Opfer.
Am 18. April griffen mehrere republikanische Jagdflugzeuge eine Formation deutscher Bomber an. Eine der Dornier Do-17 stürzte in der Umgebung von Galdakao, Basauri und Arrigorriaga ab. Hans Sobotka, Otto Hoffmeister und Friedrich Müller kamen dabei ums Leben. Sobotkas Geschichte nahm in Deutschland eine fast groteske Wendung. Sein Vater Camillo wollte später das Grab seines Sohnes besuchen, der in Berlin mit allen Ehren beigesetzt worden war. Das NS-Regime hatte den in Bizkaia gefallenen Flieger zum Helden erhoben, betrachtete jedoch die väterliche Familie als jüdisch. Als Camillo zu reisen versuchte, wollten die Behörden ihm die für Juden vorgesehene Kennzeichnung auferlegen und ihm den zweiten Vornamen „Israel“ hinzufügen. Derselbe Staat, der den Sohn ehrte, wandte gegenüber dem Vater die Rassengesetze des Reichs an.
Deutsche waren auch auf Kettenfahrzeugen im Einsatz. Die Imker-Gruppe stellte den franquistischen Truppen Panzer I zur Verfügung. Am 12. Mai starb Adalbert Butz auf der Straße zwischen Gernika und Morga, als er in einem dieser Panzer unterwegs war und getroffen wurde. Am 23. Mai fiel Karl Hol während der Kampfhandlungen rund um Durango und die Peñas de Mañaria.

Gerettet von Joseba Elosegi
Am 13. Mai war Hans Joachim Wandel über dem Bizkargi abgeschossen worden. Er sprang mit dem Fallschirm in der Nähe von Goikolegea in Larrabetzu ab. Mehrere baskische Kämpfer begannen, auf ihn einzuschlagen, doch Joseba Elosegi, Hauptmann des Saseta-Bataillons, griff ein, um zu verhindern, dass er getötet wurde. Wandel wurde vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt, jedoch nie hingerichtet. Als Bilbo kurz vor dem Fall stand, gelang es ihm, in das Gebiet der Franco-Truppen zu gelangen (eine andere Version besagt, dass er von der baskischen Regierung entlassen wurde, um dem faschistischen Feind „guten Willen“ zu zeigen). Er kehrte nach Deutschland zurück, kämpfte später im Zweiten Weltkrieg und fiel 1942 an der Ostfront.
Die größte Zahl von Gefallenen erlitten die Nazis in den entscheidenden Tagen des Durchbruchs des „Eisernen Gürtels“ (Schutzwall um Bilbao). Am 11. Juni kam August Wilmsen in der Nähe von Larrabetzu ums Leben. Sein Flugzeug wurde getroffen und stürzte östlich der Ortschaft ab. Am selben Tag traf eine republikanische Granate ein Fahrzeug des Fernmelde-Bataillons Ln/88. Dabei kamen Paul Fehlhaber, der Techniker Oscar Wiegand, Wilhelm Aldag und Willi Oblau ums Leben.
„Eigenbeschuss“
Vierundzwanzig Stunden später ereignete sich einer der ungewöhnlichsten Vorfälle des gesamten Feldzugs. Eine in Mungia stationierte deutsche Flugabwehr-Batterie wurde von einer Bombe getroffen, die von einer Savoia der italienischen Legionärs-Luftwaffe abgeworfen worden war. Friedrich Bauer, Felix Claus, Richard Steeg und Martin Hoffmann kamen durch diesen „Eigenbeschuss“ ums Leben. Vier Angehörige der Legion Condor wurden somit von einem Teil der Luftwaffe erschossen, die auf derselben Seite kämpfte. Am 16. Juni schoss die republikanische Flugabwehr über Zeberio eine Heinkel-70-Aufklärungs-Maschine ab. Fritz Heerschlag, Siegfried Gottanka und Helmut Hildemann kamen in dem Flugzeug ums Leben. Drei Tage später fiel Bilbao in die Hände der Franco-Truppen.
Doch das Ende der baskischen Front bedeutete nicht das Ende von deutschen Toten im Baskenland. Am 14. Juli kam in Santo Domingo, Bilbao, der Dolmetscher Felix Wolf von der Flugabwehr-Gruppe F/88 bei einem Autounfall ums Leben. Herrero und Santamarina weisen darauf hin, dass bei demselben Unfall zwei weitere Mitglieder des Fernmelde-Bataillons Ln/88 starben, nennen jedoch keine Namen. Dies ist einer der Punkte, die es erschweren, eine lückenlose Namensliste zu erstellen. Im Jahr 1938 kam es zu zwei weiteren Todesfällen. Franz Wolf wurde unter Umständen, die die Quellen nicht vollständig klären, tot in einer Garage in Zarautz aufgefunden. Walter Hintelmann starb in Deba, als sein Auto mit einem Lastwagen zusammenstieß. Zu diesem Zeitpunkt war die Kriegsfront von diesen Orten schon weit entfernt, doch die Deutschen hielten sich weiterhin dort auf.
Etwa dreißig
Die Zahlen ermöglichen es, den Feldzug für einen Moment aus einer anderen Perspektive zu betrachten, auch wenn dabei eine gewisse Vorsicht angesagt ist. Herrero und Santamarina ermittelten 31 Todesfälle im Zusammenhang mit der Legion Condor auf baskischem Gebiet, einschließlich Hefter. Sie schätzten, dass diese etwa 17% aller Verluste der Luftwaffen-Einheit während des Bürgerkriegs ausmachten. Hinzu kamen mindestens zwanzig Verwundete, vier Gefangene, sechs abgeschossene Flugzeuge und mehrere Notlandungen.
Die Überprüfung der deutschen Quellen bestätigt einen Großteil der genannten Protagonisten, veranlasst jedoch zur Änderung einiger Schreibweisen – Barowski statt Barowsky, Schüll statt Schull, Ziepek statt Ziepp, Hoffmeister statt Hofmeister, Bauer statt Bauser. Der Check wirft auch Unstimmigkeiten auf, wie beispielsweise die Identität des Soldaten von Harling. Zudem lenkt sie die Aufmerksamkeit auf Paul Freese, Erich Zschetzsching und Felix Wolf. Daher erscheint es sinnvoller, von etwa dreißig Toten zu sprechen, als eine definitive Liste mit 31 Namen vorzulegen. Die Zahl von Herrero und Santamarina bleibt weiterhin die Referenz, doch die Dokumentation lässt es nicht zu, sie als endgültige Liste zu betrachten.
Nicht alle starben im Kampf. Es gab Abschüsse, Unfälle, eigene Fehler und Beschuss durch eigene Truppen. Diese unterschiedlichen Todesursachen erinnern daran, dass die Legion Condor nicht ausschließlich aus Piloten bestand. Es gab Flugabwehr-Artilleristen, Mechaniker, Funker, Dolmetscher, Panzerbesatzungen und technisches Personal. Sie waren die menschlichen Rädchen einer modernen Militärmaschinerie, die Deutschland in einem fremden Krieg erprobte.
Am Ende gibt es noch eine letzte Szene, die zwar nichts mehr mit dem Krieg zu tun hat, aber mit der deutschen Militärpräsenz an den baskischen Küsten verbunden ist. Am 31. März 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, trug das Standesamt von Getaria mehrere Todesfälle deutscher Flieger ein, deren Leichen an die Küste gespült worden waren. Die später von der Wissenschaftlichen Gesellschaft Aranzadi veröffentlichten Urkunden identifizieren zwei von ihnen als „Thaus Moeller“ und „Harald Sautler“ und geben als Todesursache „Ertrinken im Wasser“ an. Neben ihnen tauchte auch Georg Markert auf.
Anhand deutscher Luftfahrtunterlagen lässt sich ihre Identität besser rekonstruieren. Alle drei gehörten zur Besatzung derselben Focke-Wulf Fw 200C-4 „Condor“ mit der Baunummer 0192 und dem Kennzeichen F8+ER der 7./KG 40, die am 24. März 1943 über dem Atlantik verschwand. In diesen Unterlagen werden sie als Georg Markert, Copilot; Hans Moeller oder Möller, Funker, und Harald Santler, zweiter Funker, aufgeführt. Daher die Abweichungen zu den in Getaria vermerkten Schreibweisen. Zur Besatzung gehörten außerdem der Pilot Werner Böck, der Flugmechaniker Hans Müller und der Bordschütze Walter Rettke. Eine Woche nach dem Verschwinden des Flugzeugs spülte das Meer die Leichen einiger dieser Männer an die baskische Küste.
Es handelte sich also nicht um Gefallene der Legion Condor, deshalb sollten sie nicht zur Bilanz des Spanienkriegs hinzugerechnet werden. Ihr Schicksal stellt einen kaum vorstellbaren Epilog dar. Sechs Jahre, nachdem die ersten deutschen Flugzeuge das Baskenland als Versuchsfeld für einen Krieg genutzt hatten, der noch bevorstand, kehrten die Leichen mehrerer Flieger des Reichs, vom Atlantik angespült, an die baskische Küste zurück. Das Flugzeug, mit dem sie geflogen waren, hieß ebenfalls „Condor“.
Gernika ist zu Recht nach wie vor das große Symbol für die deutsche Intervention im Baskenland. Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Es gab Flugplätze, Artilleriebatterien, Panzer, Funkanlagen, Gefangene, Leichen und Flugzeugwracks von Gasteiz bis Bilbao, von Urbina bis Larrabetzu, von Zeberio bis Zarautz. Sie kamen heimlich als „Touristen“ an. Sie kamen, um dabei zu helfen, einen Krieg zu gewinnen, und gleichzeitig zu lernen, wie sie den nächsten Krieg am besten führen könnten. Das Baskenland war eines ihrer Versuchslabore. Für etwa dreißig von ihnen war es auch der Ort, von dem sie nie zurückkehrten.
ANMERKUNGEN:
(*) “Die Toten der Legion Condor in Euskal Herria” (Original: Los muertos de la Legión Cóndor en Euskal Herria), Tageszeitung Gara, Autor: Iñaki Egaña, 2026-08-23 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Legion Condor (naiz)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-08-23)
