
Schüsse auf Migranten
In Donostia (San Sebastián) wurde ein Migrant von einem Balkon aus mit einem Luftgewehr angeschossen und verletzt. Harrera Sarea (Empfang für Migrantinnen) verurteilt den rassistischen Übergriff im Stadtteil Egia und erinnert daran, dass diesen Sommer ein weiterer Migrant von einem Altstadt-Balkon aus in den Rücken geschossen wurde. In den letzten Monaten haben extremistische Gruppen zu Gewalt gegen obdachlose Migranten und Frauen mit Einkaufswagen aufgerufen, die kostenlose Sandwiches austeilen.
Das Verbot von Essensausgabe an obdachlose Migrant*innen in Donostia durch das Rathaus hat zu einer Zunahme rassistischer und faschistischer Aktivitäten und Übergriffe geführt.
Ein Migrant wurde im Stadtteil Egia im Zentrum von Donostia dreimal angeschossen. Das Opfer saß direkt gegenüber. Einer der Schüsse traf den Mann im Gesicht, wo das für eine Luftdruckwaffe typische Projektil stecken blieb. Die beiden anderen Verletzungen, wegen derer er medizinisch versorgt werden musste, hatten er am Rücken davongetragen. Die Parolen und Drohungen verschärften sich vor zwei Jahren mit Aufrufen zur Organisation von „Razzien“ durch mit Eisenstangen bewaffnete Gruppen, um „Migranten zu jagen“ – was von den Anwohnern des Pasaia-Stadtteils Trintxerpe weitgehend verurteilt wurde. Seitdem gelangen solche Botschaften über die Kanäle von Telegram und WhatsApp weiterhin auf die Straße und werden durch Markierungen auf X und Instagram noch verstärkt. (*)
Kürzlich berichtete Hordago, dass nach dem Verbot der Solidaritätsessen in der Hauptstadt von Gipuzkoa nicht nur Migranten im Visier der Rassisten standen, sondern auch jene ehrenamtlich tätigen Nachbarinnen, die auf der Straße Sandwiches verteilten und die von der örtlichen Polizei auf Anordnung des PNV-Bürgermeisters Jon Insausti verfolgt wurden. Der ultrarechte Agitationskanal „Lo que no te cuentan de Donosti“ (was sie dir von Donosti nicht erzählen), der kürzlich eine Unterschriften-Aktion von der rechtsradikalen Organisation Hazte Oír verbreitete, hatte Videos von zwei älteren Frauen veröffentlicht, die zwei jungen Migranten Essen überreichten. Was sich am Mittwoch, dem 10. September, gegen 12:00 Uhr ereignete, ist kein Einzelfall. Harrera Sarea hat darauf hingewiesen und daran erinnert, dass im selben Sommer eine weitere Migrantin in der Altstadt von Donostia auf ähnliche Weise angegriffen wurde. Damals wurde sie von hinten angeschossen, ebenfalls von einem Balkon aus.
„Sobald es passiert war, rief er uns an, um uns mitzuteilen, dass auf ihn geschossen worden war“, erklärte Garazi Montuschi, Mitglied von Harrera Sarea, gegenüber der Tageszeitung Berria. Das Hilfsnetzwerk ist der Ansicht, dass beide Vorfälle eine besorgniserregende Eskalation der Gewalt gegen Migranten in der Stadt zeigen. „Wir dürfen diese Übergriffe nicht normalisieren oder wegschauen“, betont die Initiative, die davor warnt, dass der rassistische Hass „weiter geht“. In der Telegram-Gruppe „Was man dir über Donosti nicht erzählt“ wird offen zu Gewalt gegen Migrant*innen aufgerufen. Harrera Sarea fordert eine Reaktion auf die Vorfälle und warnt davor, dass solche Angriffe zum Alltag in Donostia werden: „Wir dürfen die rassistische Hetzjagd nicht normalisieren“.

Baskenland von der rechtsextremer Entwicklung nicht verschont
In einer bei Hordago (baskische Redaktion des linken Zeitungs-Projekts El Salto Diario) veröffentlichten Recherche wurde in der Telegram-Gruppe „Was man dir über Donosti nicht erzählt“ offen davon gesprochen, Migranten zu verfolgen und Gewalt gegen sie auszuüben. In einem Austausch zwischen mehreren Teilnehmern der Gruppe hieß es: „Ein Taser ist auch eine gute Idee“ - „Sie mit Stromschlägen vollpumpen“ - „Stimme voll und ganz zu, aber man müsste näher herangehen und bräuchte eine Gasmaske“ - „Ein Molotow-Cocktail ist einfacher“ - „Besser Pfefferspray und Schläge“ - „Ich habe immer eine dicke Fahrradkette dabei. Ich kann es kaum erwarten, sie zum ersten Mal einzusetzen. Dabei habe ich gar kein Fahrrad“ - „In England haben sie eine Moschee angezündet“ - „Lies, was da in Rot steht; sie werden es dir nicht schicken. Auf nach Baiona, um die mit den Teleskopstöcken zu holen.“
Neben der Verfolgung von Migranten in Trintxerpe (zuvor hatte es bereits in den Donosti-Stadtteilen Martutene und Morlans rassistische Vorfälle dieser Art gegeben) und dem Kampf dagegen, dass Obdachlose eine warme Mahlzeit zu sich nehmen konnten, haben sich die Ultra-Gruppen im Baskenland durch weitere Übergriffe und Graffiti bemerkbar gemacht. Ende 2024 musste der Bürgermeister von Muskiz Alarm schlagen, da er sich überfordert sah, weil er einen „Anflug“ von „Nachbarschafts-Patrouillen“ wahrnahm. In Arrigorriaga, wie Hordago Anfang des vergangenen Jahres berichtete, schlug eine Gruppe von Männern den Besitzer eines chinesischen Basars zusammen, und die Ertzaintza nahm einen 20-Jährigen als Haupttäter des Übergriffs fest. In Baiona wurde eine Frau von einem Mann beschimpft und mit Tränengas angegriffen, der ihr zurief: „Jetzt verschwinde, du dreckige Schwarze.“
Auch der selbstverwaltete Raum „Lakaxita“ in Irun, der in den letzten Jahren wichtige Arbeit geleistet hat, um Migranten zu helfen, die an der Grenze ankommen, um ihre Reise in andere europäische Länder fortzusetzen, wurde mit rassistischen, fremdenfeindlichen und homophoben Graffiti beschmiert: „Verteidigt Europa“, „Weißer Stolz“, „Stoppt LGBTI“, „Krieg ohne Gnade“ oder „Weg mit den Entarteten“. (In der vergangenen Woche wurden in den navarrischen Orten Leitza, Lekunberri und in der Hauptstadt Iruñea faschistische Graffitis an linken Projekten entdeckt).
ANMERKUNGEN:
(*) „In Donostia wird ein Migrant von einem Balkon aus mit einer Luftpistole angeschossen und verletzt“ (Original-Titel: „Disparan desde un balcón y hieren a un migrante en Donostia con una pistola de aire comprimido“, Magazin El Salto, 2026-09-11 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Soli-Initiative KAS (elsalto)
(2) Faschisten-Graffitits (argia)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-09-14)
