Von Republikanern zu Demokraten
In den Nord-West-Staaten der USA gibt es große Gemeinschaften von baskischen Migranten, die im 19. Und 20. Jahrhundert in den weit entfernten Westen ausgewandert sind. Weil Bask*innen die Gewohnheit haben, ihre Sprache und Traditionen zu bewahren, gibt es dort eine Reihe von Kulturzentren, Euskal Etxeak, zu denen die baskische Regierung wiederum enge Beziehungen pflegt. Auch in die Politik haben sich Basken eingemischt, bei Republikanern und Demokraten. Für die rechte PNV keine einfachen Kontakte.
Baskische Migranten in den USA haben sich im Laufe der Zeit auch politisch situiert, in den beiden einzigen relevanten bürgerlichen Parteien des US-Panoramas. Die konservative Baskisch Nationalistische Partei, EAJ-PNV, stand lange der Republikanischen Partei nahe. Das hat sich geändert.
Vor knapp 20 Jahren vollzog der damalige PNV-Vorsitzende (und heutige Repsol-Chef) Josu Jon Imaz eine 180-Grad-Wende in der Außenpolitik der Partido Nacionalista Vasco. Im August 2004 nahm er als Präsident des Parteivorstands Euzkadi Buru Batzar am Parteitag der Demokraten in Boston teil, auf dem John Kerry zum Präsidentschafts-Kandidaten dieser Partei ausgerufen wurde, der bei den Wahlen später George Bush Jr. unterlag.
Jene Anwesenheit von Josu Jon Imaz hatte einen wichtigen symbolischen Wert. Nicht nur, weil es das erste Mal war, dass ein EBB-Vertreter an der Veranstaltung teilnahm, sondern auch, weil mit diesem Besuch historische Bande gebrochen wurden. Denn bis dahin war die Republikanische Partei die wichtigste politische Orientierung der PNV auf US-amerikanischem Parkett, und zwar nicht gerade deren liberalster Sektor.
Der Besuch des aktuellen Partei-Vorsitzenden Andoni Ortuzar im August 2024 bei der Konvention der Demokratischen Partei in Chicago, bei dem die Ernennung von Kamala Harris offiziell gemacht werden soll, ist eine Fortsetzung der Geste von Imaz, die in der Zwischenzeit mehrfach wiederholt wurde. Ortuzar persönlich war 2016 in Philadelphia, als Hillary Clinton zur Kandidatin proklamiert wurde.
Doch bevor es zu diesem Kurswechsel kam, hatte die PNV andere Wege eingeschlagen, die deutlich weiter nach rechts führten. In der Verbindung der Jeltzales (Spitzname der PNV) mit dem ultra-konservativen Sektor der Republikanischen Partei spielten zwei Namen eine übergeordnete Rolle: Pete Cenarrusa und die Familie Laxalt. Ersterer war einer der einflussreichsten Politiker in Idaho, einem Staat, in den im 19. Jahrhundert viele Bask*innen kamen. Der 2013 im Alter von 96 Jahren verstorbene Pete Cenarrusa war der Sohn von zwei Auswanderer*innen aus Gernika und Munitibar.
Der zutiefst konservative Cenarrusa war einer der wichtigsten Verfechter der nationalistischen Sache in den Vereinigten Staaten. Als die Debatte über den Ibarretxe-Plan im Jahr 2005 in vollem Gange war, gelang es ihm, den Kongress von Idaho dazu zu bringen, einen Antrag zugunsten des Selbstbestimmungsrechts des Baskenlandes zu verabschieden. Ein Text, der einen diplomatischen Sturm mit der Regierung von José María Aznar auslöste. Sein Verhältnis zu dem ehemaligen baskischen Minister-Präsidenten Ibarretxe war ausgezeichnet. Trotz seiner konservativen Ideologie wurde er nach seinem Tod auch von der nationalistischen Linken für seinen "Einsatz für die Freiheit des baskischen Volkes“ gelobt.
Pete Cenarrusa
Sein großer Einfluss und seine zahlreichen Kontakte machten Cenarrusa in den Vereinigten Staaten zu einem wichtigen Akteur für die PNV. Cenarrusa war selbst ein Lobbyist. Im Jahr 2001 erhielt er den Sabino-Arana-Preis der PNV-Partei-Stiftung und 2010 wurde er zur Ehrenperson von Bizkaia ernannt. Cenarrusa, der sich dem Viehhandel verschrieben hatte, gehörte zu einer Gruppe von Republikanern, deren baskische Vorfahren sich in Idaho und Nevada niedergelassen hatten und die sich wirtschaftlich und in der Welt der Politik eine Zukunft aufbauen konnten. Sie waren stets eng mit der PNV verbunden und sehr konservativ.
Die aus dem französischen Baskenland stammende Familie Laxalt gehörte zum gleichen Umfeld. Und innerhalb des Familien-Stammbaums stechen Paul und sein Enkel Adam hervor. Der Großvater war einer der engsten Vertrauten von Ronald Reagan und zusammen mit Cenarrusa einer der Architekten der größten Errungenschaft der PNV und der baskischen Regierung in den Vereinigten Staaten: dass Präsident Reagan 1988 den damaligen baskischen Präsidenten José Antonio Ardanza im Weißen Haus empfing. Kein anderer Vertreter von Ajuria Enea (baskischer Regierungssitz) hat so viel erreicht. Paul Laxalt, der später Gouverneur von Nevada wurde, hatte Reagan bei seinen Wahlkampagnen unterstützt. Er war Anwalt und hatte Verbindungen zu Kasinos in Las Vegas.
Urkullu und John Garamendi
Adam Laxalt, Enkel von Paul Laxalt, setzte die konservative Tendenz der Familie fort. Er ist ein überzeugter Anhänger von Donald Trump und einer der Organisatoren von “The Basque Fry“, einer Messe, die seit mehreren Jahren in Nevada veranstaltet wird und die baskischen Wurzeln bewahren soll.
Die wichtigsten Vertreter der ultrakonservativen amerikanischen Rechten haben an dieser Veranstaltung teilgenommen, bei der volkstümliche Speisen, Reiterparaden und Bilder der amerikanischen Flagge und der Ikurriña (baskische Flagge) kombiniert werden. Dies sind Verbindungen, von denen sich die PNV seit Jahren distanziert. So bezeichnete Parteichef Andoni Ortuzar selbst die Position von Trump vor einigen Jahren als “billigen Populismus“.
Eine der wichtigsten Referenzen der Jeltzale-Partei in jüngster Zeit ist John Garamendi, ein Kongress-Abgeordneter aus Kalifornien und prominentes Mitglied der Demokratischen Partei. Sein Großvater väterlicherseits stammte aus Ispaster in Bizkaia und kam 1906 in die Vereinigten Staaten. John Garamendi traf sich 2013 mit Iñigo Urkullu und empfing 2018 eine Delegation des baskischen Parlaments.
ANMERKUNGEN:
(1) “El viaje americano del PNV” (Die amerikanische Reise der PNV), Tageszeitung El Correo, 2024-08-20 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Euskal America (facebook)
(2) Cenarrusa, Ibarretxe (elcorreo)
(3) Garamendi, Ibarretxe (eus.kultura)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-08-20)
