erlapiku1Neue Funde in Bizkaia

In Gamiz-Fika (kleiner Ort zwischen Bilbao und Gernika) wurde eine prähistorische künstliche Höhle entdeckt, die mit Höhlenmalereien verziert ist. Die Fundstätte wurde am 26. Juni 2025 entdeckt und gilt als die erste dokumentierte gemischte unterirdische Begräbnisstätte in der kantabrischen Region. In der Archäologie von Bizkaia “gibt es immer noch Überraschungen, und wir werden auch weiterhin Überraschungen erleben”. So Juan Carlos López Quintana am 17. September die Präsentation seiner Entdeckung.

Die Höhlen-Entdeckung von Erlapiku schließt eine Lücke in der Erforschung der fernen Vergangenheit des Gebiets, eine Lücke in der Zeit, die Fachleute mit dem verwirrenden Begriff der “jüngeren Vorgeschichte” bezeichnen.

Bei den Malereien handelt sich um die postpaläolithische Höhlenkunst (nach der Altsteinzeit, bis 10.000 v.Chr.), die in einem Zeitraum entstand, der üblicherweise zwischen der Jungsteinzeit (10.000 bis 5.000 v.Chr.) und der Bronzezeit (5.000 bis 1.500 v.Chr.) angesiedelt ist. Von ihr gab es bisher in Bizkaia keine Spuren. Der Fund in der Höhle von Erlapiku in Gamiz-Fika füllt diese Lücke. Dazu kommt eine weitere wichtige Tatsache: die Beschaffenheit der Höhle selbst. Denn Erlapiku ist keine natürliche Höhle. Oder zumindest nicht ganz. Es handelt sich um ein Hypogäum, einen künstlichen unterirdischen Raum, der irgendwann aus einer echten Höhle geschaffen wurde. (1) Der Archäologe Carlos López Quintana erklärte all dies während der Präsentation der Entdeckung im Arkeologia Museoa in Bilbao, begleitet von der Senatorin für Baskisch, Kultur und Sport, der Bürgermeisterin von Gamiz-Fika und dem Archäologen Iñaki Intxaurbe, der außerdem die neuen Funde paläolithischer Höhlenmalereien in der Höhle Armintxe in Lekeitio vorstellte.

Häufig stecken hinter Entdeckungen prähistorischer Kunst kuriose Geschichten. Erlapiku bildet dabei keine Ausnahme. Es war der 26. Juni des Jahres 2025. “Wir waren mit einem Projekt zur Aufwertung der Kapelle San Pedro de Atxispe beschäftigt. Ein Dorfbewohner, Juan Carlos Izagirre erzählte uns, dass er diese Berge oft besuchte. Auf einem seiner Ausflüge hatte er zwei Löcher gefunden, die wir zunächst für Schutzräume aus dem Spanienkrieg hielten. Am 26. Juni stiegen wir zum Ort Erlapiku hinauf. Dort gibt es einen Sandsteinfelsen mit etwas, das wie eine “kleine Tür” aussah. “Ehrlich gesagt”, gesteht López Quintana, “ich dachte, dass es etwas Mittelalterliches sein könnte”. Denn nicht weit entfernt, “gibt es in San Pedro de Atxispe einen Tempel aus dem Hochmittelalter mit in den Fels gehauenen Elementen”. Erlapiku hätte dazu gepasst. “Aber sobald wir die Köpfe in die Höhle steckten und die Taschenlampe anmachten, verschwand dieser erste Eindruck: Wir sahen vor uns einige rote Figuren, es verschlug uns den Atem”. Das Licht beleuchtete Figuren, die an andere aus der post-paläolithischen schematischen Kunst erinnerten, die man an einigen Fundstätten in Araba (sp: Álava), im Westen Kantabriens oder in Soria sehen kann. Das war nicht mittelalterlich, sondern prähistorisch.

Rote und schwarze Malereien

erlapiku2Diese Art von Fundstätte war im östlichen Kantabrien bislang unbekannt, betonte López Quintana. Das Innere der Höhle Erlapiku, einem kleinen Raum von etwa 5 auf 2 auf 1,75 Metern reicht fast aus, darin aufrecht zu stehen. Er ist zugänglich über in den Fels gehauene Stufen und einen etwa 50 Zentimeter breiten Eingang, darin sind etwa 25 Zeichnungen zu sehen. Sie sind sehr schematisch und in fünf Gruppen angeordnet. Ihre Echtheit wurde von zwei unabhängigen Forscher*innen, und führenden Expert*innen für Höhlenkunst bestätigt: Diego Garate Maidagan von der Universität Kantabrien und Primitiva Bueno von der Universität Alcalá de Henares). Ihre Berichte enthalten verschiedene Feststellungen: der Grad der Abnutzung einiger Figuren, die mit Kalkablagerungen bedeckt sind, die Überlagerung roter Figuren über schwarzen auf einer der Darstellungen ermöglichen es, das Alter der Darstellungen zu bestätigen. Dagegen spricht auch nicht die Beschädigung einiger Tafeln durch Feuer und das Vorhandensein von Kreuzen, die über einigen der Figuren eingraviert wurden und relativ neu aussehen.

Gleichzeitig weisen die verwendete Maltechnik (in Wasser verdünnte natürliche Pigmente, die mit den Fingern aufgetragen wurden) und die Ikonografie der Darstellungen darauf hin, dass die Malereien aus einem noch zu präzisierenden Zeitpunkt der jüngeren Vorgeschichte stammen, aus der Zeit etwa zwischen 5.000 und 1000 vor Christus. Die Überlagerungen deuten darauf hin, dass die Höhle zu verschiedenen Zeitpunkten oder in verschiedenen Phasen bemalt wurde. Dies könnte auch die Existenz verschiedener Pigmentarten erklären und die Unterschiedlichkeit der dargestellten menschlichen Formen. Hervorzuheben sind zwei Szenen: eine mit schwarz gezeichneten menschlichen Figuren, die gleichmäßig in einer Reihe angeordnet sind, und eine andere Szene mit sieben Figuren in blassem Rot, die ebenfalls in einer linearen Anordnung dargestellt sind und alle ihre Arme erhoben haben, wobei drei verschiedene Figurentypen zu erkennen sind. Unter den isolierten anthropomorphen Figuren wiederholen sich einige dieser Formen, während es sich bei den übrigen um andere Arten schematischer Figuren handelt, darunter auch eine eher naturalistische Figur.

Zu den dargestellten Figuren gibt es Parallelen in einigen Fundstätten an der kantabrischen Küste wie Peña Tú in Asturien und El Castillo in Kantabrien, sowie in einigen Höhlen in Araba wie Socuevas de San Miguel oder Las Yurdinas. Doch die direktesten Beispiele für schematische Kunst stammen aus Portugal, aus der kastilischen Meseta oder aus Andalusien.

Neue Gravuren in Armintxe

Bei derselben Präsentation wurde auch die Entdeckung neuer Höhlenmalereien in der Höhle von Armintxe von Lekeitio bekannt gegeben. Diese Fundstätte mit paläolithischer Höhlenkunst wurde 2016 vom Höhlenforscher-Verein ADES entdeckt und von Juan Carlos López Quintana (Agiri) und César González Sainz (Universität Kantabrien) untersucht. Seit 2024 führt das Team unter der Leitung von Iñaki Intxaurbe (Universität Bordeaux) hier ein von der Provinzregierung von Bizkaia und der Stadtverwaltung von Lekeitio gefördertes Forschungsprojekt durch, um eine hochpräzise dreidimensionale Rekonstruktion der Höhle, ein sogenanntes digitales Abbild zu erstellen.

Im Zuge der dreidimensionalen Datenerfassung wurde in der oberen Galerie von Armintxe eine bisher unbekannte Gruppe von Tiergravuren entdeckt. Es handelt sich um eine aufsteigende Ziege, einen großen Bison und zwei weitere kleinere Tierfiguren, wahrscheinlich einen Bison und eine Hals-Rücken-Linie eines anderen, nicht identifizierten Tieres.

Diese Figuren wurden mit den Fingern oder einem stumpfen Werkzeug in die Lehmschicht eingraviert, die sich auf der Kalksteinwand gebildet hat. Sie sind etwa 19.000 bis 16.000 Jahre alt. Die detaillierte Topografie und die Untersuchungen über die Entstehungs- und Entwicklungs-Prozesse der Höhle ermöglichen es, eine genauere Einschätzung der Überschwemmungs-Prozesse der Höhle, ihrer Auswirkungen auf die Höhlenmalereien und der Maßnahmen zu ihrer optimalen Erhaltung vorzunehmen.

Auf der Grundlage dieser Forschungsarbeiten wurde ein autonomes Umwelt-Überwachungssystem installiert, das von der Firma LabCertis entworfen und implementiert wurde: drei Multiparameter-Sensoren für Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und CO2, drei hydro-statische Pegelsonden und eine zentrale Fernsteuerungs-Einheit, die für die kontinuierliche Erfassung und Übertragung der Daten zuständig ist. Dieses System liefert wichtige Informationen, um Risiken vorzusehen, die sich sowohl aus der hydro-geologischen Dynamik des Flusses als auch aus den mikro-klimatischen Bedingungen ergeben, die die Erhaltung der Felskunst beeinträchtigen. (1)

Virtueller Besuch in Erlapiku

erlapiku3Das dreidimensionale Modell, das mit neuer Technologie geschaffen wurde, ermöglicht es, das Innere des Hypogäums von Erlapiku zu erkunden, ohne es physisch zu betreten. Denn in der einzig bekannten Höhle dieser Art sind Beispiele prähistorischer schematischer Kunst der baskischen Region erhalten. Die Höhle von Erlapiku, die am 26. Juni 2025 in Gamiz-Fika entdeckt wurde, ist ein so genannter gemischter Kultur-Raum. Das heißt, es handelt sich um eine natürliche Höhle, die von Menschen für einen Zweck umgestaltet wurde, der noch immer ein Rätsel ist und Gegenstand zukünftiger Forschungen sein wird. Bisher bekannt ist, dass sie außergewöhnliche Beispiele post-paläolithischer Höhlenkunst beherbergt, die zu einem oder mehreren Zeitpunkten der jüngeren Vorgeschichte (5.000 bis1.000 v. Chr.) entstanden sind. (2)

Erlapiku, entdeckt von Juan Carlos López Quintana und Juan Carlos Izagirre, beherbergt fünf Tafeln mit Malereien, die insgesamt mindestens 25 Bilddarstellungen zeigen. Wie für die Höhlenmalerei dieser Zeit typisch, handelt es sich um schematische Figuren, größtenteils handelt es sich um Darstellungen von Menschen, die auf das Wesentliche reduziert sind. Einige der Darstellungen zeigen nur den Körper und die Arme, die ausgestreckt sind oder einen Kreis über dem Kopf der Figur bilden. Ihre Bedeutung und ihr Sinn sind bisher rätselhaft. Zu sehen ist, dass sie alt sind, weil sie in einigen Fällen von Kalzium-Karbonat-Ablagerungen überzogen sind. Andere wurden erst in neuerer Zeit mit Kreuzen markiert, die Höhle war also nicht völlig unbekannt und erlebte bereits vor ihrer “Entdeckung“ Besucher. Nicht alle Malereien sind leicht zu erkennen, manche weisen eine verblasste Farbe auf. Mit digitalen Bildbearbeitungs-Techniken lassen sie sich besser erkennen.

Die Malereien sind in zwei Rot-Tönen und in Schwarz angebracht. Möglicherweise wurden die schwarzen Malereien mit Holzkohle angefertigt, was eine Datierung mittels der C14-Methode ermöglichen würde, wenn das Material dafür geeignet ist und eine minimale Menge entnommen werden kann, ohne die Figuren zu beschädigen. Dies wird Teil der zukünftigen Forschungen an der Fundstätte sein, die auch weiter ausgegraben werden soll.

Die Figuren in der Höhle von Erlapiku finden Parallelen in weiteren Fundstätten an der kantabrischen Küste. Erlapiku ist allerdings “die erste Fundstätte mit schematischer Kunst in Bizkaia”. Außerdem ist es die „erste gemischte Hypogäum, das heißt, eine Höhle, die aus einer natürlichen Felsöffnung entstanden ist, aber bearbeitet und für einen ganz bestimmten Zweck hergerichtet wurde”. Die Entdeckung ist deshalb “eine große Neuheit und Chance, um zu erfahren, wie diese Gesellschaften der ersten Bauern und Viehzüchter in der Region des heutigen Baskenlandes waren”. (2)


ANMERKUNGEN:

(1) “Descubren en Gamiz-Fika una cueva artificial prehistórica decorada con arte rupestre” (Prähistorische künstliche Höhle mit Felszeichnungen in Gamiz-Fika entdeckt), El Correo, 2025-09-18 (LINK)

(2) “Entramos en la cueva de Erlapiku, el último descubrimiento arqueológico en Bizkaia”( Wir betreten die Höhle von Erlapiku, die neueste archäologische Entdeckung in Bizkaia) El Correo, El Correo, 2025-09-18 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Erlapiku Höhle (elcorreo)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-09-19)

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