Zionismus und Faschismus
Der weltweite Aufschrei gegen Völkermord, Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser, und die Vertreibungs-Pläne des zionistischen Regimes hat die Protagonisten nicht in die Defensive gebracht. Im Gegenteil, nach dem Motto “ist der Ruf erst ruiniert, mordet man völlig ungeniert” wird der Krieg auf das West-Jordanland ausgedehnt. Die radikale zionistische Organisation “Betar” und ihre faschistischen Verbündeten wollen mit “allen nötigen Mitteln” gegen die internationale Palästina-Solidarität vorgehen.
Die fanatisch zionistische Organisation Betar ruft offen zum Völkermord an Palästinensern auf, kooperiert mit Faschisten und verspricht in der aktuellen Situation Krieg gegen alle Palästina-Sympathisanten und linken Juden.
Die erschütternden Zahlen getöteter Säuglinge in Gaza kommentierte “Betar” mit den Worten “Nicht genug”. Die rechts-zionistische Organisation feiert die Zerstörung und ethnische Säuberung Gazas. Besonders in den USA gilt: Wo “Free Palestine!” und ein Ende des Massenschlachtens der israelischen Armee verlangt wird, tauchen “Betarim” auf, grölen Hassparolen der nationalreligiösen Siedlerbewegung und traktieren palästina-solidarische Demonstranten mit Fäusten, Knüppeln und Pfefferspray. Im Januar 2025 unterbrachen ihre Anhänger in New York City sogar eine Mahnwache zum ersten Todestag des von israelischen Soldaten erschossenen Kindes Hind Rajab. (1)
Hintergrund:”Betar”
Die rechte Jugendorganisation wurde 1923 von dem Führer der revisionistischen Zionisten, Zeev Jabotinsky, in Riga gegründet. “Betar” ist das Akronym für “Hebräischer Jugendbund im Gedenken an Joseph Trumpeldor” (ein Zionist, der nach seinem Tod in der Schlacht von Tel Chai 1920 zum Symbol heldenhafter jüdischer Selbstverteidigung wurde). Ihr Wirkungszentrum war Polen, bereits 1929 schaffte sie den Sprung in die USA, Anfang der 1930er Jahre nach Südafrika, verbreitete sich in Westeuropa, etwa in Großbritannien, und erreichte vor dem Zweiten Weltkrieg eine Größe von 70.000 Mitgliedern.
Die revisionistischen Zionisten waren von Mussolinis faschistischem Italien beeinflusst. Den Kern ihrer Ideologie bildete der Imperativ, in Palästina eine “eiserne Mauer aus jüdischen Bajonetten” zwischen Arabern und Juden zu errichten. In Israel erlebt die Bewegung seit Jahrzehnten durch die Likud-Partei und Regierungspolitiker wie die Ministerpräsidenten Menachem Begin, Jitzchak Schamir, vor allem durch Benjamin Netanjahu, aber auch durch den Sportverband “Betar” mit dem Fußballverein “Beitar Jerusalem”, enormen Aufwind.
Ihre ultrarechte Flanke bilden die Anhänger von Meir Kahane (2). Der US-amerikanische Rabbiner hatte 1968 in New York City die “Jewish Defense League” (JDL) und drei Jahre später in Israel nach dem Vorbild von Jabotinskys paramilitärischer Truppe “Irgun” (sie verübte 1948 das Massaker im palästinensischen Dorf Deir Jassin) die Partei und Organisation “Kach” gegründet – Vorgänger von Otzma Jehudit des heutigen Polizeiministers Itamar Benw-Gvir. Besonders die kahanistischen Organisationen kennzeichnet ein militanter Antikommunismus und Rassismus sowie eine extreme Gewaltbereitschaft; auf ihr Konto gehen zahlreiche Bombenanschläge, Morde und andere schwere Gewaltverbrechen vorwiegend gegen Zivilisten. (1)
Seit Donald Trump Präsident ist und die Verfügung zur Bekämpfung von Kritikern der israelischen Regierung mit dem irreführenden Titel “Additional Measures to Combat Anti-Semitism” unterzeichnet hat, engagiert sich “Betar US” intensiv für die Massenabschiebung von unliebsamen arabischstämmigen Migranten. Dabei agieren sie gemeinsam mit Spionage- und Überwachungsnetzwerken, die Kopfgelder ausschreiben, wie dem von einem Techunternehmer in Florida finanzierten Shirion Collective. So übergeben sie den Einwanderungsbehörden regelmäßig schwarze Listen mit Namen ausländischer Studenten, die sie verdächtigen, propalästinensisch ausgerichtet zu sein; bekannt wurde der Fall Mahmoud Khalil mit ständigem Wohnsitz in den USA.
Journalisten, die kritisch über “Betars” Straßenterror berichten, werden als “getarnte Dschihadisten” denunziert und ihnen wird angedroht, dass ihnen das Gleiche widerfahren werde wie den palästinensischen Reportern, die in Gaza von den israelischen Streitkräften umgebracht wurden. Nachdem der Mossad im Libanon bei einer Aktion gegen die Hisbollah Tausende von Pagern zur Explosion gebracht und viele Menschen getötet hatte, versprach “Betar” jedem eine Prämie von 1.800 US-Dollar, der der palästinensischen Aktivistin Nerdeen Kiswani so ein Gerät überreicht. Der Politikwissenschaftler Norman Finkelstein, ein scharfer Kritiker israelischer Besatzungspolitik, bekam im Februar einen Pager in seine Jackentasche geschoben, als er in New York an einer Ampel wartete.
Jüdische Linke und Linksliberale finden sich ganz oben in “Beitars” Hass-Ranking. Der Autor Peter Beinart wird als “Verräter” angeprangert, die Komikerin Katie Halper als “Kapo”, “Betar” hat ihr, wie vielen anderen, die Einreise nach Israel “verboten”. Selbst die netanjahu-hörige und anti-muslimisch ausgerichtete Anti-Defamation League ist in ihrem Visier, seit sie “Betar” in ihre Datenbank “rechtsextremistischer Gruppen” aufgenommen hat.
Zu Recht. Denn “Betar”, die in den USA von dem PR-Manager und Trumpisten Ronn Torossian geführt wird, bewegt sich nicht nur am rechten Rand des MAGA-Lagers, sie lädt auch White-Supremacy-Milizen wie die “Proud Boys” zur Kooperation ein. Da die Bedingung für eine Mitgliedschaft nur das Bekenntnis zum Zionismus ist, umgarnt sie auch Antisemiten. Als der Influencer Steve Bannon “progressive jüdische Milliardäre”, die die Gegner von Netanjahu und MAGA unterstützen, zum “größten Feind” Israels erklärte, spendete “Betar” Applaus. Zu ihren engsten Verbündeten gehört die kahanistische “Jewish Defense League” (JDL), zionistische Faschisten, die im FBI-Report von 2000/2001 als “rechtsgerichtete Terrorgruppe” geführt wurden. Die JDL fällt seit Jahren wieder durch Prügelattacken auf (zum Beispiel 2017 in Washington, D. C., gegen einen US-amerikanisch-palästinensischen Professor), die meist von der Justiz ungeahndet bleiben.
Auch in Europa veranstaltet “Betar” Hetzjagden. Als im November 2024 die rassistischen Ausfälle von Maccabi-Tel-Aviv-Hooligangruppen in Amsterdam auf die Gegenwehr von Migranten stießen, orchestrierte sie dort Riots und eine Medienkampagne, die die Vorgänge zum “antisemitischen Pogrom” zurechtlog. Kurz danach griff ein “Betar”-Mob bei einem Länderspiel in Paris nach Buhrufen bei der israelischen Nationalhymne französische Fußballfans an.
“Betar” und die JDL, die von den Sicherheitsbehörden als “inaktiv” eingestuft worden ist, wollen “alle Mittel, die nötig sind” einsetzen (“Get a gun and learn to fight!”) und den israelischen Krieg in die Metropolen der westlichen Welt tragen. “Betar” baut seit rund zwei Jahren ihre Netzwerke im großen Stil aus – besonders in den USA, wo sie seit Juli 2024 als gemeinnützig anerkannt ist und mit der Israel-Lobbygruppe AIPAC nahestehenden republikanischen Senatoren wie John Fetterman und Ted Cruz mächtige Förderer hat. Nach eigenen Angaben ist “Betar” mittlerweile international auf 35 Sektionen angewachsen. Die JDL unterhält seit langer Zeit wieder aktive Ableger in Kanada, auch in Europa, etwa in Großbritannien mit Verbindung zu “Tommy Robinson”, in Frankreich mit der als besonders brutal geltenden “Ligue de défense juive”. (1)
“Jüdische Volksgenossen”
“Betar Germany” unterhält Verbindungen zur neofaschistischen AfD und kokettiert mit völkischer Ideologie. Die zionistischen Ultrarechten wollen auch in Deutschland israelische Zustände herstellen. Im April demonstrierte eine mit Shirts der kahanistischen “Kach” und der IDF bekleidete Gruppe in Berlin für die Abschiebung palästina-solidarischer Migranten. “Betar Germany”, aus deren Umfeld sie mutmaßlich stammt, tritt mit dem Schlachtruf “Free Germany from Free Palestine!” auf. Sie fordern lautstark, “Hamasniks” müssen “dezimiert” werden – gemeint sind Muslime, Linke und die Friedensbewegung, oder: “Flughäfen statt leere Worte! Polizeihundertschaften statt Solidarität!” Die Jabotinsky-Jünger, darunter Kahane-Fans und IDF-Veteranen, hielten im September 2024 ihr erstes Treffen als “Betar Germany” in der Bundesrepublik ab. (3)
EDA – ein Magazin der Jüdischen Studierenden-Union Deutschland (JSUD) im Zentralrat der Juden – berichtet von rassistischen Entgleisungen in der Whats-App-”Jewish debate group (uncensored)”, aus der “Betar Germany” entstanden sein und der auch Artur Abramowitsch, Bundesvorsitzender der “Juden in der AfD”, angehört haben soll. Die in diesem Milieu verwendete Anrede “jüdischer Volksgenosse” und die Vokabel “Untermensch” für jüdische Kommunisten, die Verharmlosungen des genuin deutschen Antisemitismus und Tiraden gegen “Schuldkult” indizieren, dass “Betar Germany” einen zionistischen Faschismus mit völkischen und anderen nazistischen Elementen anstrebt.
Mitgründer von “Betar Germany” ist ein Mitarbeiter des AfD-nahen Krawallportals Nius von Ex-Bild-Chef Julian Reichelt: Amir Makatov, ein ehemaliger “Antideutscher”, der unter dem Namen “Morgenthau” auftritt, trommelt dort seit 2023 gegen “Abschiebungs-Saboteure” und “gefährliche linke Ideologie” im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD. Den “marxistischen Sozialismus” und posthum die DDR als Berater “bei arabischen Vernichtungsfeldzügen gegen Israel” mit Aussicht auf einen “zweiten Holocaust” hat er zum Oberfeind erklärt. Für den Neonazi Denis “White Rex” Kapustin, Anführer des für die Ukraine kämpfenden “Russischen Freiwilligenkorps”, hingegen hat Makatov nur Bewunderung übrig. Schließlich betrachtet Kapustin Israel als “Vorbild für jeden Nationalstaat in Wehrhaftigkeit und der Liebe zur Remigration”.
Kompromittierend für das zionistische Establishment der jüdischen Gemeinschaft: Makatov war drei Jahre Schatzmeister des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), das mit Unterstützung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gegründet wurde und mit Steuermitteln gefördert wird (im Juni 2024 ist er zurückgetreten). Nicht das einzige Problem: Hanna Veiler, bis vor kurzem Vorsitzende der JSUD, beklagte in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen rechte Infiltrationsversuche und Radikalisierungstendenzen im Umfeld ihres Verbandes. Dieser hat sich von “Betar Germany” öffentlich distanziert, und Veiler hofft, dass der Vorstand “diese Brandmauer aufrechterhalten” kann. Eine Mission impossible – JSUD und der Zentralrat haben sie selbst eingerissen durch ihre bedingungslose Unterstützung einer israelischen Regierung, für die “Betar” als verlängerter Arm fungiert.
Als Botschafter genozidaler Großisrael-Politik in Deutschland erhalten sie Rückendeckung von namhaften Ultras im Heiligen Land, die mit der AfD und Neuen Rechten flirten. Netanjahus Bruder Iddo gratulierte zur Gründung von “Beitar Germany” und wünschte sich von ihnen “Stärkung des Staates Israel, auch durch Alija” (Aufstieg durch Einwanderung). Das Verhältnis von “Betar Germany” zur World Zionist Organisation (WZO) ist noch unklar. Mittlerweile gelöschte Fotos, die im Januar 2025 bei einem Treffen in Amsterdam aufgenommen worden sein sollen (wo ihre Anhänger zwei Monate vorher bei den Krawallen von Maccabi-Tel-Aviv-Hooligans mitgemischt haben), zeigen Anführer von ihnen beim warmen Händedruck mit dem WZO-Vorsitzenden und “Betar Israel”-Mitglied Yaakov Hagoel. (3)
ANMERKUNGEN:
(1) “Get a gun and learn to fight”, Tageszeitung Junge Welt, Autorin: Susann Witt-Stahl, 2025-06-02 (LINK)
(2) “Der ultrarechte Rabbi Kahane – Alptraum Groß-Israel”, Baskultur.info, 2025-03-06 (LINK)
(3) “Jüdische Volksgenossen”, Tageszeitung Junge Welt, Autorin: Von Susann Witt-Stahl, 2025-06-02 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Betar (zionist.presse)
(2) Betar (jw-imago) Anhängerin von “Betar” während eines Protestes rechter Zionisten gegen eine palästinasolidarische Demonstration in Washington.Tom Hudson, zuma press wire / imago (25.4.2025)
(3) Betar (jw-ap) Betar-Mitglieder besetzten am 18. Februar 1976 das Büro der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS in New York. Dave Pickoff / picture alliance / associated press
(4) Betar-Konvention 2019 (jerusalem post)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-06-03)
