nucnac1aDie Neonazi-Vorhut von Vox

Die spanische Faschisten-Partei Vox begnügt sich nicht mehr damit, die Unsicherheit und Frustration, die ein zerfallender Kapitalismus hinterlässt, in Wählerstimmen umzuwandeln. Nach letzten Umfragen ist diese Mission dank der Inkompetenz, wenn nicht gar der Komplizenschaft der demokratischen Parteien erfolgreich abgeschlossen. Nächstes Ziel der Partei von Santiago Abascal besteht darin, insbesondere die Jugend in eine Art faschistischen Sturmtrupp zu verwandeln, die sich der Gewalt verschreibt.

Wegen Hassverbrechen ermittelt die Guardia Civil gegen die faschistische Organisation Nucleo Nacional (Nationaler Kern). Die fordert eine "Remigration" und versucht, faschistische Schwadronen aufzubauen, mit Verbindungen zu Vox.

Gewaltbereite Sturmtrupps sind nichts Neues, aber angesichts des Aufschwungs neonazistischer Bewegungen in Europa im Zuge der Islamophobie hat Vox in Gruppen, die traditionell weißem Überlegenheitswahn nachhängen, eine Option gefunden, die rassistischen Diskurse, auf die diese ihre politische Strategie stützen, zu beschönigen und zu institutionalisieren. Dies zeigt sich deutlich im Engagement für das Konzept der "Remigration", im Grunde ein Aufruf zur ethnischen Säuberung, den ultrarechte Elemente des Vox-Umfelds nach Spanien brachten und den sich die Partei schließlich selbst zu eigen machte, nachdem ihre Präsenz normalisiert worden war. Der Núcleo Nacional (Nationaler Kern) ist die Speerspitze dieses Projekts (*).

Núcleo Nacional ist Vox

Diese explizit pro-nazistische Organisation, die in der Hitze der Proteste vor dem Madrider PSOE-Parteisitz Ende 2023 entstand, hat versucht, unter dem Deckmantel der Modernität und der Anpassung an die Codes des neuen digitalen Aktivismus die Konstellation der traditionell zersplitterten und unkoordinierten faschistischen und neonazistischen Gruppen zusammenzuführen.

Trotz ihres ausgesprochen antidemokratischen und gewalttätigen Charakters wurde ihr im August 2024 vom Innenministerium der Status eines landesweiten juristischen Vereins unter der Bezeichnung Kultur- und Sportvereinigung verliehen. Auf der Grundlage dieser institutionellen Anerkennung versuchen die Leader von Núcleo Nacional, sich von Vox zu distanzieren. Erstens, weil die direkte Abhängigkeit von einer politischen Partei nicht mit ihrem Diskurs vereinbar wäre, und zweitens, um die neo-franquistische Partei mit der Verantwortung für die ausdrücklichen Aufrufe zum Staatsstreich und die von NN begangenen Hassverbrechen nicht zu belasten. Doch die Realität ist anders.

nucnac2Die Organisation machte ihre ersten Schritte unter dem Namen Noviembre Nacional (Nationaler November), ein Name, der sich direkt auf die erwähnten Proteste in Madrid bezieht, Vox-Vertreter wie Jorge Buxadé (Europa-Parlament) feierten ihre Geburt. Der Schlüssel zum Verständnis der Beziehung zwischen der Partei und dem gesamten Ambiente, aus dem NN hervorging, liegt in der Koordinierung dieser von Nazis organisierten Demonstrationen durch die damals neu entstandene Bewegung Revuelta (Revolte). Kaum einen Monat alt, setzte sich diese Organisation an die Spitze des rechtsextremen Aktivismus in Spanien, eine Leistung, die leicht verständlich ist unter dem Gesichtspunkt, dass sie wie NN aus den Eingeweiden von Vox hervorgegangen ist, gedopt durch deren Ressourcen.

Das Gründungsmanifest - im Sold von Vox

Das Gründungsmanifest von Revuelta wurde über das persönliche Google-Konto von Pablo González Gasca ins Internet gestellt, der auch für die Unterzeichnung der Dokumente zuständig war, die bei der Regierungs-Behörde Anträge für die Genehmigung von Kundgebungen in der Nähe des PSOE-Sitzes einreichte. González Gasca steht nicht nur für die digitale Propaganda im Sold von Vox, sein Bekanntheitsgrad innerhalb der Partei wächst parallel zur Radikalisierung durch Núcleo Nacional. Sie sind Teil der gleichen Strategie. Ein weiterer Beweis dafür, dass Revuelta zu Vox gehört, ist ihr Präsentationsvideo, das auf dem YouTube-Kanal der DENAES-Stiftung hochgeladen wurde, die 2014 von Santiago Abascal gegründet wurde.

Die direkte Beteiligung von Vox an den PSOE-Protesten über ein Netz von Tarn-Organisationen stellt eine eindeutige Verbindung zwischen der Ultra-Gruppe und der Bewegung Nationaler Novembers dar. Die Namensänderung in Núcleo Nacional soll diese Verbindung nun verwässern.

Nazi-Postulate in digitaler Sprache

"14. April 2024, Madrid. Niemand passt mehr hinein". Die Gruppe Núcleo Nacional beendete ihre öffentliche Präsentation mit diesem Posting auf seinem X-Account, begleitet von einem Video der Veranstaltung, die an einem von faschistischen und philo-nazistischen Gruppen frequentierten Ort stattfand: "Espacio Ardemans" (Ardemanns Saal). Zu den sichtbaren Gesichtern dieser Inszenierung gehören mehrere historische Figuren der neonazistischen und rassistischen Bewegung im spanischen Staat: Enrique Lemus von der Ultrapartei Nationale Demokratie und derzeitiges Mitglied der NN-Führung; Carlos Paz, rechtsextremer Aktivist, Falangist, Antisemit und Befürworter des Iran, der immer wieder in subventionierten Pseudo-Medien wie Periodista Digital oder Informa Radio (EDA TV) auftritt; und der Ultra-Youtuber Gallego Despotricando, einer der wichtigsten Sprecher der Gruppe, der in einem Interview versicherte, dass "die von NN vorgeschlagene Lösung eher antidemokratisch als demokratisch" sei.

Unter den vermummten Mitgliedern ist Iván Rico Olivares, alias UnaRanaBaneada, eine Schlüsselfigur für das Verständnis der Eigenheiten und Bestrebungen dieses neuen neonazistischen Zusammenschlusses. Dieser offen nazistische Twitterer und Holocaustleugner, der seit den Anfängen der Organisation als einer ihrer Anführer gilt, steht für den strategischen Wandel, den Núcleo Nacional für den rechtsextremen Raum in Spanien vorschlägt: eine starke Betonung der Präsenz in den sozialen Netzwerken, des digitalen Aktivismus und der Qualität der audiovisuellen Inhalte mit dem Ziel, Heranwachsende anzusprechen.

Soziale Netzwerke und Qualität audiovisueller Inhalte

Das Pseudonym, mit dem Rico seine Identität zu verbergen versuchte, bis sie aufgedeckt wurde, stammt von der historischen Figur Pepe der Frosch und symbolisiert den Typus der neuen Generation von Ultra-Aktivisten. Die Aneignung und Kapitalisierung dieser Figur als "virtuelles Maskottchen" durch die extreme Rechte im Internet bedeutet eine Art global akzeptierter Ersatz für die historischen Symbole des Faschismus. Ein Zeichen der neuen Codes des weißen Überlegenheitswahns in den sozialen Netzwerken, das es ihnen nicht nur ermöglicht, Regeln zu umgehen, sondern auch eine Gemeinschaft in der Digital-Welt zu schaffen, durch eine eigene Sprache und eine eigene Bilderwelt, die von Profilen wie dem von Rico dominiert wird.

Ein weiteres Unterscheidungs-Merkmal in der Propaganda-Strategie von Núcleo Nacional ist die Sorgfalt, mit der die audiovisuellen Inhalte behandelt werden. Verantwortlich für diesen Bereich ist Iváns Bruder David Rico Olivares (@donkanielieloutis), ein Spezialist für Grafikdesign und Videobearbeitung. David, der ebenfalls neonazistische und rassistische Ideologie vertritt, ist Moderator des rechtsextremen Podcasts "En Primera Línea", in dem bereits alle Führungs-Mitglieder der Organisation zu Gast waren. Er ist auch verantwortlich für die audiovisuelle Abteilung des Núcleo Nacional, dessen filmische Ästhetik und Produktions-Qualität darauf abzielen, ein akzeptables und politisiertes Profil über die Leinwand zu verbreiten. Im November 2024 twitterte David Rico Olivares nach einem Bericht über die Wirtschaftshilfe Spaniens für Entwicklungsländer: "Denkt daran, was ich euch sage, im Jahr 2025 werde ich im Gefängnis landen".

Die Organisation hat als Hauptsprecher und Förderer Namen wie Alberto Gonzalo de Juan "Pugilato", einen Neonazi-Sänger, der 2018 wegen Hassverbrechen verurteilt wurde und NN bereits im November 2023 ein Lied gewidmet hat, oder die bekannte Anführerin von Bastión Central Isabel Peralta, die kürzlich an einer Veranstaltung zur Vorstellung des neuen Hauptsitzes in Madrid teilgenommen hat.

Zu den Mitgliedern des Núcleo Nacional gehören auch Vertreter des öffentlichen Lebens, wie der Stadtrat der Madrider Gemeinde Velilla de San Antonio, Pedro Jesús Espada, ein gewählter Vertreter der ultrarechten Partei "Hacer Nación" (Nation machen), einer der institutionellen Säulen der Organisation. Neonazi-Gruppen wie "Juventudes Canillejas" (C-Jugend), "Skin Moncloa" und "Ultras Sur", von denen sich einige bereits wieder aufgelöst haben, sind weitere Gruppierungen, die diesen gemeinsamen Raum der radikalsten Rechtsextremen bilden, denen es gelingt, einen Teil der spanischen Gesellschaft mit ihrem Hass zu vergiften.

Hassverbrechen in einem Start-up-Büro

nucnac3Obwohl ihre Versammlungsfähigkeit und ihre Aktivitäten auf der Straße nicht über kleinere Kundgebungen und gescheiterter oder fast anekdotischer Vandalenakte hinaus kamen, zeigt die direkte und wiederholte Aufstachelung zu Hass und Gewalt über ihre sozialen Netzwerke kriminelle Anzeichen, die den illegalen Charakter einer Organisation offenbaren, deren Wesen nichts mit der kulturellen und sportlichen Tätigkeit zu tun hat, für die sie als Verein zugelassen wurde.

Starke finanzielle Unterstützung

Im vergangenen April leitete die Guardia Civil eine Untersuchung gegen die Organisation ein, weil sie über ein Video in ihren sozialen Netzwerken rassistische Botschaften verbreitete, die zur Gewalt gegen Migranten aufriefen. In diesem Video forderten die Mitglieder von Núcleo Nacional andere Organisationen und soziale Sektoren mit der gleichen Ideologie auf, "die Straßen aktiv zu verteidigen" und "gemeinsam zu kämpfen" gegen die ausländische "Invasion" des Staates. Nachdem die Ermittler in den gewalttätigen und fremdenfeindlichen Äußerungen der Neonazis Anzeichen für eine Straftat sahen, erstatteten sie Anzeige bei der Staatsanwaltschaft für Hassverbrechen, die anschließend an das Gericht Nr. 4 von Valladolid verwiesen wurde, da Núcleo Nacional dort seinen juristischen Sitz hat.

Nachdem die Ermittlungen in diesem Fall öffentlich gemacht wurden, die bisher im Rahmen eines geheimen Schnellverfahrens durchgeführt wurden, hat das Aktionsbündnis gegen Hass (Acción Contra el Odio, ACO) einen Antrag auf Zulassung als Volksklage in einem offenen Gerichtsverfahren gestellt. Mit diesem Antrag strebt ACO nicht nur eine Verurteilung der Neonazi-Gruppe wegen Hassverbrechen an, sondern auch die Illegalisierung der "Vereinigung", ihre Auflösung und die Förderung einer Rechtsprechung, die klare und zwingende Kriterien für den Schutz bestimmter Äußerungen im Rahmen der Meinungsfreiheit festlegt.

Während die Justizbehörden ihre Ermittlungen durchführen, gewinnt diese faschistische Organisation weiter an Medienpräsenz und Ressourcen. Am 31. August kündigte sie in ihren sozialen Netzwerken die Eröffnung ihres Hauptquartiers im Herzen des Madrider Stadtteils Fuencarral an. Die moderne Ästhetik steht im Kontrast zu den Gegenständen, die die Wände und Regale füllen, voll mit faschistischer Symbolik aller Art, darunter ein Porträt von Adolf Hitler. Die mehr als 400 Quadratmeter großen Räumlichkeiten dürften rund 4.000 Euro Miete im Monat kosten, wenn man die Preise für Büros mit denselben Merkmalen in diesem Stadtteil zum Maßstab nimmt.

Woher die Finanzierung des Núcleo Nacional kommt, ist eines der großen Rätsel. Klar ist, dass die Vereinigung eine starke finanzielle Unterstützung erhält, die es ihr ermöglicht, nicht nur ihre politische Tätigkeit aufrechtzuerhalten, sondern auch die Räumlichkeiten, in denen für einen Beitrag von nur 10 Euro im Monat sportliche Aktivitäten, Vorträge und Austausch über die Ultra-Radikalisierung angeboten wird.

NOTAS:

(*) “Núcleo Nacional, la avanzadilla neonazi de Vox” (Nationaler Kern, die Neonazi-Avantgarde von Vox), Medienportal CTXT, 2025-09-21, Autor: Carlos H. de Frutos, Journalist. (LINK)

IMAGENES:

(1) NN (gedar)

(2) NN (elmundo)

(3) NN (diario barcelona)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-09-29)

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