Bauernopfer Charlie Kirk
Die Ermordung des Faschisten Charlie Kirk – das ist dessen korrekte Bezeichnung – im September 2025 markiert einen Kipp-Punkt im Prozess der Faschisierung der Vereinigten Staaten. Dabei werden die Bemühungen zur Etablierung einer rechten Diskurs-Hegemonie von offener Repression abgelöst. Das rechte Gerede von Meinungsfreiheit, mit dem jahrelang die Enthemmung und Barbarisierung des öffentlichen Diskurses legitimiert wurde, weicht der Tendenz zur offenen Unterdrückung dissidenter Meinungen.
Die Trump-Administration will nicht nur kritische Stimmen zum Schweigen bringen, es geht um die Kontrolle der Massenmedien, die auf Kurs gebracht werden sollen, sowie um Angriffe auf linke und linksliberale Bewegungen und Organisationen.
Die kommende Repression baut dabei auf dem weitgehend erfolgreichen rechten Hegemonial-Kampf der vergangenen Jahre auf. Wie weit die rechte Hegemonie entwickelt ist, wird an dem Umstand deutlich, dass der Faschist Kirk – der unter anderem buchstäblich der Sklaverei in den USA nachtrauerte [2] – inzwischen im Medien-Mainstream durchweg als “konservativer Aktivist“ bezeichnet wird. Die vergessenen Morde an demokratischen Abgeordneten in Minnesota, die von einem rechten Anti-Abtreibungs-Fanatiker umgebracht wurden, kontrastieren mit der Staatstrauer, die für den Faschisten Kirk verhängt wurde.
Ganz zu schweigen von den Reaktionen Trumps auf die Ermordung der Antifaschistin Heather Heyer während seiner ersten Präsidentschaft im Sommer 2017, die zur präsidialen Häme und einseitigen Schuldzuweisungen führte [3], während nun ein Denunzianten-System etabliert wird, mit dem faktisch Arbeitsverbote gegen all jene verhängt werden, die keine Empathie für den rechten Mann zeigen wollen, der zeitlebens jegliche elementare Regung zur Empathie in böser faschistischer Tradition als Teufelszeug verdammte. [4]
Die Häme, der Jubel, die Schadenfreude, mit der die Postlinke den Mord an Kirk (im Beisein seiner Kinder erschossen) begleitete, ist selbst ein Merkmal der prä-faschistischen Verrohung. Sie ist verwerflich, nicht nur aus blosser menschlicher Empathie heraus, die mensch sich vom Faschismus nicht nehmen lassen darf, sondern auch aus simplen politischen Erwägungen. Denn hier wird von der US-Rechten ein Märtyrer, ein Horst Wessel aufgebaut (*2), dessen gewaltsamer Tod den Katalysator der offenen Faschisierung der USA bildet. Mit der Designierung der dezentralen Basisbewegung “Antifa“ als “Terrororganisation“ will der Faschismus nicht nur die antifaschistische Bewegung kriminalisieren, zudem werden gezielt möglichst unklare Repressions-Optionen geschaffen, die alle möglichen oppositionellen Gruppen und Bewegungen treffen können.
Dabei ist die Racket Allianz, die wohl noch gewohnheitsmässig als “Trump-Administration“ bezeichnet wird, sich ihrer Lügen und Hirngespinste über den angeblichen “linken Terror“, der die USA im Würgegriff halten solle, durchaus bewusst. Das Justizministerium hat kurz nach dem Anschlag auf Kirk seine eigene Studie zu extremistischer Gewalt in den USA aus seiner Webpräsenz entfernt [5], der zufolge gut drei Viertel aller politischen Gewalttaten der letzten Dekaden auf das Konto der US-Rechten gingen. Der Einsatz der Nationalgarde in Städten, die von den Demokraten kontrolliert werden (Chicago, Portland), steht in keinem rationellen Zusammenhang mit den Protesten und lokal beschränkten Auseinandersetzungen, in die verzweifelte migrantische Communitys durch alltägliche Schikanen der ICE-Greiftrupps getrieben werden.
Anmerkung zum Verständnis: In der Politik, besonders in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno), bezeichnet Racket eine Form der Herrschaft, die auf Gewalt und Erpressung beruht, ähnlich krimineller Banden (Racketeering), die sich über Zwang und Korruption finanzieren, um politische Macht zu sichern; es steht für undurchsichtige, eigennützige Strukturen von Eliten, die staatliche Macht ausnutzen, oft im Neoliberalismus, wo es Oligarchien, Steuerflucht und die Plünderung öffentlicher Güter beschreibt. Ursprünglich aus der US-Slang-Sprache für Schutzgeld-Erpressung, wurde der Begriff erweitert, um die grundlegende politische Praxis herrschender Klassen zu beschreiben, die sich dem Staat bedienen, um ihre Interessen durchzusetzen, oft im Gegensatz zu echten demokratischen Zielen.
Begleitet wird das Anziehen der Daumenschrauben durch Säuberungen im Staatsapparat, der mit Rechtsextremisten oder trump-hörigen Opportunisten saturiert wird. [6] Beim FBI, das inzwischen vom trumpschen Terrorclown Kash Patel geführt wird, wurden in mehreren Wellen Ermittler entlassen [7], die den Putschversuch Trumps 2021 untersuchten. Die verhasste Migrationsbehörde ICE, die unter Führung des Rechtsextremisten Stephen Miller [8] zu einer faktisch extralegal operierenden, dem Präsidenten verpflichteten Miliz umgebaut wird, durchlief neben weitgehenden Neueinstellungen im Oktober 2025 ähnliche Säuberungen bei den vielen Führungspositionen. [9] Ziel ist hier, alle Kräfte zu beseitigen, die einer Eskalation der faschistischen Terrorangriffe [10] auf migrantisch geprägte, pauperisierte Stadtteile und Bevölkerungsschichten im Weg stehen.
Der Justizapparat – der längst von der amerikanischen Rechten dominiert wird [11] – fungiert inzwischen in Gestalt der General-Staatsanwältin Pam Bondi als ein direktes Machtinstrument Trumps, um mittels Anklagen die Gegner des Präsidenten auszuschalten. Es ist ein Rachefeldzug, wie er charakteristisch ist für autoritäre Oligarchien, in denen die Funktion des Staates als “ideeller Gesamtkapitalist“ zunehmend erodiert und der Staat zur Beute von Rackets und Oligarchischen Seilschaften verkommt, die ihn für ihre Partikularinteressen instrumentalisieren. Auch das Militär wird gerade von der Trump-Administration auf faschistische Linie gebracht, indem dessen Einsatz gegen den “Feind im Innern“ öffentlich propagiert wird [12] – erste Resignationen führender Militärs laufen bereits ab, gerade im Zusammenhang mit dem illegalen Vorgehen des US-Militärs bei der Eskalation gegenüber Venezuela. [13]
Erweiterung der Repressionszone
Die Repression wird somit parallel zur Machtkonsolidierung im Staatsapparat erweitert – zuerst waren es Migranten und “Illegale“, nun ist es die Opposition, die ins Fadenkreuz gerät – gar nicht mal exklusiv die Linke, auch schlicht liberale, nicht-rechte Bewegungen und Gruppierungen stehen auf der Abschussliste, selbst bieder kapitalistisch-demokratische Strukturen wie die Soros-Foundation. Die Rückkehr des vom Disney-Konzern auf Weisung der Trump-Administration geschassten Komödianten Jimmy Kimmel, der nach einer Boykott-Kampagne wieder auf Sendung ist, stellt einen symbolischen Pyrrhussieg dar. Seine Show sei nicht wichtig, so Kimmel bei seiner Rückkehr, entscheidend sei, ob die Meinungsfreiheit Bestand haben werde.
Und da hat er gewissermaßen recht. Wichtig ist die Kontrolle über den Medienapparat, über die spät-kapitalistische Kulturindustrie – und hier geht die autoritäre Transformation gerade rasend schnell vonstatten. Der Trump-Mann in der Medien-Regulierungs-Behörde FCC, Brendan Carr, machte die neuen Spielregeln klar, als er den Entzug von Lizenzen für Sender androhte, die trump-kritische Sendungen ausstrahlen. Ähnlich äußerte sich auch Trump, der explizit negative Berichterstattung mit dem Entzug von Medienlizenzen bestraft sehen möchte. [14]
Diese Drohung wird ihre Wirkung weiter entfalten – die Medienkonzerne werden darauf achten, geschäfts-schädigendes Verhalten, das zunehmend mit Trump-Kritik assoziiert werden wird, zu minimieren. Die Medienschaffenden werden schlicht karriere-schädigendes Verhalten einstellen, was über die Ausweitung der üblichen Reflexe zur Selbstzensur gegenüber der Person des “Präsidenten“ führen wird. Jegliche Systemkritik im Medienbetrieb wird abgetötet. Zensur lebt von der Drohung gegenüber Mittelschichts-Angehörigen, die etwas zu verlieren haben, nicht von der permanenten Anwendung von Zwangsmaßnahmen.
Entscheidend sind aber die Umwälzungen, vor denen die spätkapitalistische Kulturindustrie in den USA steht. Im Hintergrund bahnen sich gigantische Konzentrations-Prozesse auf dem US-Medienmarkt an, die diesen nahezu vollständig der Kontrolle der US-Rechten ausliefern könnten. Eine oligarchische Eigentums- und Machtstruktur, wie sie aus Russland, der Ukraine, Ungarn oder dem staatskapitalistischen China bekannt ist, zeichnet sich deutlich ab. Das rechtsextreme Fox-News Imperium des reaktionären Milliardärs Ruppert Murdoch [15] dürfte bald Konkurrenz vom Trump-Kumpel und Tech-Milliardär Larry Ellison bekommen [16], dem aufgrund eines direkten Drahts ins Weiße Haus beste Aussichten eingeräumt werden, sein Konzern-Konglomerat (unter anderem CBS, Paramount und Skydance) um CNN, HBO/Warner Bros. und Anteile bei TikTok zu erweitern.
Ellison lässt bereits den Sender CBS nach rechts rücken [17] und die trump-kritische “The Late Show with Stephen Colbert“ auslaufen [18] – nicht unähnlich den ideologischen Denkverboten (keine Kritik der “freien Märkte“), die der Besitzer der Washington Post (WP), Jeff Bezos, dem einstigen Vorzeigeblatt der US-Presse beim Trumps Machtantritt verpasste. [19] Inzwischen legitimiert die WP in ihren Kommentaren die Abrissarbeiten Trumps am Ostflügel des Weißen Hauses, die unter anderem von Amazon finanziert werden. [20]
Oligarchischer Staatskapitalismus?
Die rechte Diskurs-Hegemonie in den USA ist somit weitgehend vollzogen, da zentrale Forderungen der Rechten – etwa die Abschottung gegenüber Fluchtbewegungen – zum Mainstream gemacht wurden, den selbst postlinke Ikonen wie Bernie Sanders teilen. [21] Schon längst läuft ein guter Teil der politischen Auseinandersetzung in den USA innerhalb der sich ausdifferenzierenden Rechten ab – was auch die Mutmaßungen verständlich macht, der Faschist Charlie Kirk sei von konkurrierenden rechtsextremen Rackets wie den offen antisemitischen und faschistischen Groypers [22] [23] ermordet worden. Der Antisemitismus als ideologische Manifestation des krisenbedingt manifesten gesellschaftlichen Fetischismus, vom Israel- bis zum Epstein-Komplex, bildet die entscheidende ideologische Frontlinie in der amerikanischen Rechten – wie auch die Querfront-Brücke in die regressive Postlinke der USA, die Figuren wie Marjorie Taylor Greene personifizieren.[24]
In manifesten Krisenphasen gewinnen zudem Tendenzen zum Staatskapitalismus generell Oberhand, indem der Staat seine Ressourcen und Machtmittel zur Stützung und Aufrechterhaltung des stockenden Verwertungs-Prozesses aufwenden muss. Dies geschieht unabhängig von der politischen Färbung der Funktionseliten, was etwa die Parallelen in der Wirtschaftspolitik der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zwischen Nazideutschland und Roosevelts USA erklärt. In den USA scheint diese Krisentendenz im 21. Jahrhundert in der Form eines oligarchischen Staatskapitalismus abzulaufen. Eine Verfilzung von Oligarchie und Staat läuft ab, bei der persönliche Kontakte, politische Gefolgschaft, politische Verbindlichkeiten und Schmiergelder entscheidend werden für wirtschafts-politische Weichenstellungen.
Der Staat tritt zunehmend in den Vordergrund, doch zugleich verliert er seine Funktion als “ideeller Gesamtkapitalist“, der mittels Gesetzgebung die gesamt-gesellschaftliche Optimierung des Verwertungsprozesses zur Maxime hat, um zunehmend zur Beute von Rackets, Seilschaften, etc. zu werden. Autoritäre Formierung und staatliche Erosion sind nur zwei Seiten derselben Medaille. Das Racket schützt auch seine Leute – Trump lässt nicht nur seine persönlichen Gegner durch den Staatsapparat verfolgen, er hat auch eine Rekordzahl von Gefolgsleuten begnadigen lassen und lässt Verfahren gegen korrupte Verbündete – wie den ehemaligen ICE-Chef Tom Homan – einstellen. [25]
Es sind nicht nur die staatlich forcierten Bemühungen zur “Reindustrialisierung“ der USA und die mitunter direkten Staatsbeteiligungen an strauchelnden Wirtschafts-Giganten wie Intel [26] – das Weiße Haus übernimmt auch die politische Kontrolle über zuvor bewusst neutral funktionierende Regulationsmittel. Neben der Medien-Regulierungs-Behörde FCC, die nun mittels drohenden Lizenzentzug politischen Druck ausübt, ist es vor allem die FTC, die Föderale Handels-Kommission, deren Interventions- und Aufsichts-Befugnisse künftig machtpolitisch instrumentalisiert werden dürften. [27] Die FTC, zu deren Aufgaben der Verbraucher- und Wettbewerbs-Schutz gehört, insbesondere die Genehmigung von Fusionen, wurde überparteilich geführt. Trump hat diese festgeschriebene überparteiliche Besetzung der Behördenleitung, in der sich immer Republikaner und Demokraten befanden, jüngst aufgekündigt und diese mit seinen Leuten besetzt.
Das Weiße Haus kann nun direkt in die Konzentrations-Prozesse des Kapitals in den USA intervenieren, was die vielen generösen Spenden von Titanen der US-Wirtschaft für die lächerlichen (in einem neo-stalinistischen Zuckerbäcker-Stil abdrifteten) Bauprojekte Trumps erklärt [28], wie auch die großzügigen Einigungen bei all den Prozessen des US-Präsidenten, die er gegen CBS oder Google führte. Der gute, mit Millionen oder Milliarden ummantelte Draht ins Weiße Haus ist nun essenziell für wirtschaftlichen Erfolg in den Vereinigten Staaten – was nicht zufällig an staats-oligarchische Machtstrukturen erinnert, wie sie in Russland oder in China herrschen.
Hinzu kommt die direkte Korruption, bei der die Mitglieder des Trump-Klans – ganz getreu dem autoritären Motto “Der Staat, das bin ich“ – unter Rückgriff auf Milliarden alliierter Golf-Despotien ihre ökonomische und politische Machtstellung ausbauen. Electronic Arts, einer der größten und umstrittensten Spiele-Produzenten der Welt, wird nun von einem Konglomerat von Investmentfonds übernommen, an dem das saudische Regime, wie auch der Schwiegersohn Trumps, Jared Kushner, beteiligt sind. [29] Geschäft, Geopolitik und Propagierung faschistischer Ideologie – für die die toxische Gamer-Kultur besonders empfänglich ist – fallen bei solchen Deals zusammen.
Faschismus oder Knast
Die evidente Korruption, die in der Form einer Trump-Meme-Währung sogar monetäre Formen annimmt [30], ein öffentlich propagierter autoritärer Abriss der Überreste spätkapitalistischer Demokratie – die Trump-Racket-Allianz in- und außerhalb der Überreste des Weißen Hauses hat den Rubikon Richtung Faschismus endgültig überschritten, es gibt kein Zurück mehr. Das bedeutet, dass die Machthaber in Washington die kommenden Wahlen nicht mehr verlieren dürfen, wollen sie nicht riskieren, schlicht im Knast zu landen (einzig Trump genießt dank des von der rechts-dominierten US-Verfassungsgerichts weitgehende Immunität).
Zum einen werden die bereits gegebenen Bemühungen zur Manipulation der Wahlergebnisse intensiviert, die durch das Zuschneiden der Wahlbezirke entlang republikanischer Mehrheiten realisiert wird. Unter juristischer Flankendeckung des reaktionären Verfassungs-Gerichts [31] führt diese vor allem in republikanischen Bundesstaaten ablaufende Restrukturierung – bei der demokratische Wahlbezirke zerstückelt und in republikanische Wahlbezirke eingegliedert werden – dazu, dass bei der kommenden Wahl die Demokraten mit “zwei oder drei Prozent“ gewinnen müssten (New York Times) [32], um tatsächlich die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzuerobern.
Gewissermaßen findet gerade ein autoritärer Wettlauf gegen die Zeit statt – zuerst bis zu den Zwischenwahlen 2026. Trump will sich dabei alle Optionen offen halten, falls das sogenannte Gerrymandering [33] nicht ausreichend sein sollte, um die republikanische Mehrheit in Washington zu halten. Die öffentlichen Ankündigungen zum Armeeeinsatz im Innern, die Trump vor versammelter Militärführung in Virginia machte [34], die provokativen Übergriffe von weitgehend rechtsextremen ICE-Milizen in migrantischen Bezirken [35], der rechtlich umstrittene und umkämpfte Einsatz der Nationalgarde in demokratischen Städten – diese Militarisierung der Innenpolitik bereitet den Boden für die Verzerrung oder gar Verhinderung einer freien Wahl 2026. Die Krise, die Eskalation soll notfalls provoziert, sie soll herbeigeführt werden, um einen Machtverlust im Wahlverlauf gewaltsam zu verhindern, falls die rechten Mehrheiten aufgrund der sich rapide verschlechternden sozialen Situation der Bevölkerungs-Mehrheit nicht zustande kommen sollten.
Der Notstand würde mal wieder als Geburtshelfer des Faschismus fungieren, wie es an den Angriffen des Weißen Hauses auf demokratische Städte wie Chicago [36] oder Portland [37] ersichtlich wird: Trumps Gerede von einem Bürgerkrieg, von “brennenden Städten“ – das sind einerseits die üblichen projektiven Terrorfantasien der extremen Rechten, in denen der Wille zur terroristischen Aufrechterhaltung des Kapitals auch in dessen existenziellen Krisen sich ideologisch verkleidet. Notfalls wird eine Krise, werden Auseinandersetzungen mittels Gewalt herbeigeführt, um die scheinbaren Wahnbilder Realität werden zu lassen.
Neben der Eskalation gegen den „inneren Feind“ bleibt noch die bewährte imperialistische Methode der äußeren militärischen Eskalation, die Trump im Rahmen seiner pan-amerikanischen Dominanz-Strategie gegenüber Venezuela verfolgt. Der Faschismus treibt auch hier die gegebenen krisen-imperialistischen Methoden ins Extrem. Er operiert bewusst und offen im rechtsfreien Raum, er gibt sich kaum noch Mühe, seine imperialistischen Ziele im hohlen Gerede von Demokratie und Menschenrechten zu verkleiden, er propagiert bewusst Brutalität und Entmenschlichung. [38]
Doch auch die faschistische Ideologie, wie sie Trump mit seinen bizarren Verschwörungs-Theorien personifiziert, birgt Anteile verzerrter Realität. Das Gerede vom Kriegszustand und Chaos in Amerikas Städten, die von Antifa und Migranten verursacht würden, spiegelt den Krisenprozess, auf den der Faschismus seine systemimmanent-terroristische Antwort liefert.
Das Elend, die krisenbedingte Marginalisierung, sie produzieren die entsprechende Gewalt, die Racket-Bildung in Slums, die auch in den USA einen Bürgerkrieg niederer Intensität aufkommen lässt. Die Wochenenden in Chicago sind mörderisch [39], viele verarmte Stadtteile erinnern an die Dritte Welt. Und es ist diese tatsächlich ablaufende soziale Erosion, die von der faschistischen Ideologie in ihren Feindbildern (Migranten, Linke, Liberale) verdinglicht und personifiziert wird.
Der sozioökologische Krisenprozess, in dem sich der Kapitalismus befindet, erklärt erst das Phänomen Trump – es steht ja bereits auf den lächerlichen roten Baseball-Caps dieser faschistischen Bewegung, die nur deswegen Amerika wieder groß machen will, weil es nach Dekaden der Deindustrialisierung und sozialer Zerrüttung [40] nicht mehr groß ist. Faschismus ist im Kern die terroristische Krisenform faschistischer Herrschaft, weshalb der Begriff des Faschismus adäquat den Charakter der MAGA-Bewegung wiedergibt. Es ist keine bloße Oligarchie, kein neuer Bonapartismus, oder Ähnliches – die Systemkrise, in der sich das Kapital befindet, verschafft dem Faschismus als einem Extremismus der Mitte im 21. Jahrhundert denselben Auftrieb, wie es in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts nach dem Crash von 1929 der Fall war.
Und selbst das Bürgerkriegs-Gerede Trumps ist mehr nur als faschistische Projektion – es zeigt den unausweichlichen Transformations-Kampf, in den das spätkapitalistische Weltsystem in seiner Agonie eintritt. Es gibt kein Zurück zur bürgerlichen Demokratie, zum Sozial- oder Wohlfahrts-Staat, zum Verfassungs-Staat, zur Globalisierung oder zur liberalen “Offenen Gesellschaft“, da der Krisenprozess irreversibel ist. Es gibt nur noch die Option des emanzipatorischen [41] Transformations-Kampfes [42] um das, was nach der kollabierenden subjektlosen Kapitalherrschaft kommen soll.
ANMERKUNGEN:
(*1) Quelle: “Oligarchischer Staatskapitalismus. Horst Wessel reimagined“, Autor: Tomasz Konicz, Untergrundblättle, 2025-11-03 (LINK)
(*2) Horst Wessel: Horst Wessel (* 1907 / Tod 23. Februar 1930 Berlin), deutscher Paramilitär der SA, den die nationalsozialistische Propaganda zum wichtigsten “Märtyrer der Bewegung“ stilisierte. Kurz nachdem er 1930 von einem KPD-Mitglied getötet worden war, wurde das von ihm verfasste Kampflied “Die Fahne hoch!“ zur Partei-Hymne der NSDAP erklärt. Nach der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933 wurde verordnet, dass das in der Folge Wessel-Lied genannte Stück immer im Anschluss an die erste Strophe der deutschen Nationalhymne gespielt werden sollte. Während des Nationalsozialismus bis 1945 wurde um Wessel ein intensiver propagandistischer Personenkult betrieben, der ihn zum Nationalhelden glorifizierte – daher der Vergleich mit Charlie Kirk. (LINK)
FUSSNOTEN IM TEXT:
Die im Text in eckiger Klammer angegebenen Fußnoten sind im Artikel-Original zu finden.
ABBILDUNGEN:
(1) US-Faschismus (stern)
(2) US-Faschismus (nzz)
(3) US-Faschismus (nyt)
(4) US-Faschismus (faz)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-12-28)
