gasteiz01Die grüne Hauptstadt

Gasteiz ist mit 240.000 Einwohner/innen seit 1980 die Hauptstadt der aus den drei Provinzen Araba, Bizkaia und Gipuzkoa bestehenden Autonomen Region Baskenland (CAV). Die Stadt liegt im Zentrum der Hochebene Llanada Alavesa auf 520 m Höhe. Wie ganz Araba (Álava) hat Gasteiz ein kontinentales Klima, das heißt im Sommer heiß, im Winter kalt, Schnee ist in der Stadt keine Seltenheit. Tourismus ist nicht die Stärke der Stadt, die mit der umgebauten alten Kathedrale z.B. durchaus ihre Stärken hat.

Geschichte

(2015-12-06) Der Ort wurde 1181 vom navarrischen König gegründet, Gasteiz-Vitoria sollte ein navarrisches Verteidigungs-Bollwerk gegen die Angriffe von Kastilien werden, strategisch lag es günstig auf einem der wenigen Hügel der Llanada. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt bereits eine Mauer, die allerdings nicht verhindern konnte, dass sich Kastilien im Jahr 1200 den Ort einverleibte, wie die ganze Provinz Araba.

Doch bereits 600 Jahre zuvor, im Jahr 581, könnte Gasteiz schon einmal gegründet worden sein, von einem Westgoten-König der nachrömischen Epoche, doch ist die Interprätation des entsprechenden Dokuments nicht eindeutig. Gesicherter ist die Anwesenheit von Franken im 6. und 7. Jh. Einem Dokument aus dem Jahr 1025 ist zu entnehmen, dass der Ort „Gastehiz” Steuern an das Kloster San Millan entrichtete.

Bis zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung von der gesamten Halbinsel nach einem Edikt der Katholischen Könige im Jahr 1492, hatte Gasteiz eine starke jüdische Gemeinschaft, in Form des Judimendi-Parks ist der alte jüdische Friedhof erhalten, Judimendi ist der Name eines Stadtteils.

Die Jüdische Gemeinschaft

Bis zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung von der gesamten Halbinsel nach einem Edikt der Katholischen Könige im Jahr 1492, hatte Gasteiz eine starke jüdische Gemeinschaft, neben Tudela und Lizarra die größte und einflussreichste im Baskenland. Die „Judería“, wie die Gemeinschaften auf Spanisch bezeichnet wurden, hatte ihren Sitz im Stadtteil Judimendi (Judenberg). Nach der Eroberung der letzten maurischen Bastion in Cordoba ordneten die kastilischen Könige per Edikt die Vertreibung der geamten jüdischen Bevölkerung aus allen Territorien der Krone von Kastilien und Aragón zum 31. Juli des Jahres an, sofern sie bis dahin nicht zum Christentum übergetreten wären. Materielle Werte wie Gold oder Silber durften sie auf ihrem Exodus nicht mitnehmen, so waren sie gezwungen, innerhalb von 3 Monaten ihre Habe zu verkaufen. Manche verbrannten ihre Besitztümer. Aufgrund ihrer guten Beziehung mit der Stadtverwaltung in Gasteiz beschloss die jüdische Gemeinde, die Schenkung ihrer Ländereien anzubieten, auf denen sich auch eine Synagoge und der Friedhof befanden. Per Vertrag wurde dies festgehalten unter der Bedingung, dass der Friedhof niemals zu Weideland gemacht werden sollte. In Form des Judimendi-Parks ist der alte jüdische Friedhof erhalten, ein Monument erinnert daran. Judimendi ist bis heute der Name des Stadtteils.

In den Chroniken heißt es, dass das Zusammenleben von Juden und Katholiken in Gasteiz gut funktionierte. Einer der wenigen gewaltförmigen Episoden spielte sich in Tolosa ab. Ein gewisser Gaón aus Gasteiz kam als königlich beauftragter Steuereintreiber in die gipuzkoanische Stadt und wurde von einer aufgebrachten Menge gelyncht. Berichtet wird auch, dass nach der Vertreibung der jüdischen Gemeinschaft in Gasteiz ein Mangel an Medizinern festgestellt wurde, denn die bisherigen Mediziner – Physiker genannt – waren Juden gewesen. Die Gesundheitsversorgung drohte zusammenzubrechen, dazu kam im selben Jahr ein Brand im Krankenhaus. Deshalb bat die Stadtverwaltung einen dieser „Physiker“, Antonio de Tornay mit Namen, doch zumindest eine Zeit länger in der Stadt zu bleiben, bis andere in den Beruf eingelernt wären.

Kriege

Anfang des 19. Jhs. erlebte Gasteiz den sog. Unabhängigkeits-Krieg, nachdem napoleonische Armeen eingedrungen waren. Der Krieg endete 1813 mit englischer Hilfe, Wellington siegte in der Schlacht bei Gasteiz über Joseph Bonaparte. Dieses Ereignis findet seinen Niederschlag in der Statue, die den zentralen Platz der Hauptstadt ziert: Virgen Blanca. Beethoven komponierte aufgrund der Nachricht von der Schlacht die „Siegessymphonie“.
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Karlisten und Franquisten

Bei den Karlisten-Kriegen (19. Jh.) stand Gasteiz auf liberaler Seite, im Gegensatz zum karlistischen Umland in Araba. Nach dem faschistischen Aufstand vom 18.Juli 1936 mit Franco an der Spitze fiel die Stadt kampflos an die „Nationalen“, weil sich die vorhandenen Sicherheitskräfte auf die Seite der Generäle Franco und Mola stellten. Aus diesem Grund wurde Araba von den Franquisten nicht wie Bizkaia und Gipuzkoa als „Verräter-Provinz“ markiert und bestraft. Die baskische Regierung versuchte in ihrer einzigen Militär-Offensive, Araba zurückzuholen, scheiterte jedoch in der Schlacht von Legutiano (Villareal) und am Alberti-Berg, wo bis heute am ersten Juli-Sonntag Gedenkfeiern stattfinden.

Für Tausende von Personen, die verhaftet wurden, weil sie auf der republikanischen Seite gewesen oder auch nur verdächtig waren, wurden Schulen, Klöster und Kasernen in Konzentrationslager und Gefängnisse umfunktioniert: die Schulen Santa María, Sagrado Corazon, das Kloster Carmen und die Kaserne der Guardia de Asalto, auch die Stierkampfarena und das Alte Seminar (Seminario Viejo) in der Altstadt. Sofern diese Gebäude noch stehen, haben sie eines gemeinsam: keine Informations-Tafel erinnert an die Ereignisse von 1936 bis zur jeweiligen Schließung der Zwangsanstalten. Ein Teil der Gefangenen musste Zwangsarbeit verrichten, zum Beispiel beim Eisenbahnbau in Agurain (Salvatierra), oder auf dem Gorbeia-Berg beim Anlegen von militärischen Stellungen. Die beiden Konzentrationslager Arabas lagen außerhalb, in Murgia (Murguia) und Langraiz Oka (Naclares de la Oca). Mitte 1937, als mit Bilbo die letzte baskische Stadt in die Hände der Faschisten fiel, gab es in Gasteiz bereits 4.000 Gefangene.

Aufarbeitung des Faschismus

Eine schlichte und kaum erkennbare Erinnerungstafel am Zaun des Friedhofs Santa Isabel von Gasteiz erinnert daran, dass an dieser Stelle der baskische Journalist, Poet und Armee-Kommandant Esteban Urkiaga „Lauaxeta“ von Faschisten erschossen wurde. Im Auftrag der baskischen Regierung hatte er nach der Bombardierung von Gernika ausländische Reporter in die Horrorstadt gebracht und war dabei festgenommen worden. Doch wurde an dieser Erschießungsmauer nicht nur Lauaxeta hingerichtet, sondern Dutzende von Personen, darunter Alfredo Espinosa, Republikaner und Minister der baskischen Regierung, oder José Placer, von der linksabertzalen ANV, Mitglied der Volksfront. In der La Paz Straße, wo sich heute das größte Kaufhaus der Stadt befindet, war das Provinz-Gefängnis, in dem u.a. der letzte Bürgermeister des Stadt seine letzten Tage verbrachte, bevor das Todesurteil gegen ihn vollstreckt wurde; dasselbe Schicksal erlitt der anarchistische Arzt Isaac Puente, dessen Leiche bis heute nicht gefunden wurde. Am Euskaltzaindia-Platz, wo heute die Straßenbahn vorbei fährt, wurde 2006 ein Denkmal zur Erinnerung an Lauaxeta aufgestellt, später aber wieder abgebaut.

Um an die Geschichte all dieser Orte des Terrors angemessen zu erinnern hat die Historiker-Gruppe Memoria-Gasteiz Vorschläge unterbreitet, an den verschiedenen Stellen der Stadt Erklärungstafeln aufzustellen, die schildern, was dort vor 80 Jahren geschah. Außerdem fordert sie, verschiedenen Militärs, Politikern und Bischöfen, die Teil des dikatatorischen Systems waren, oder mit ihm kollaborierten, ihre Ehrenbürger-Titel zu entziehen (in Bilbao geschah das 2015). Nach wie vor tragen fünf Straßen der Stadt die Namen von Faschisten: Pintor Vicente Abreu, José Lejarreta, Pedro Orbea, Obispo Ballester, Bueno Monreal – diese Namen sollen ersetzt werden. Das auf der Olariztu-Anhöhe neben der Stadt 1951 errichtete Kreuz hat ebenfalls faschistischen Symbolcharakter, an seinem Sockel befand sich eine Inschrift, die den „National-Katholizismus“ verherrlichte, die tragende Ideologie des Franquismus. Auch dieses Kreuz soll, wenn nicht abgebaut, dann beschildert und mit seiner ganzen Geschichte erklärt werden. Unvergessen ist das Massaker an 16 Gefangenen aus Gasteiz (unter anderem der Bürgermeister), die am 31. März 1937 am Azazeta-Pass bei Maeztu ermordet wurden (siehe Kapitel 4.3.1 Maeztu).

Legion Condor

In der Nähe von Gasteiz, im heutigen Grüngebiet von Salburua, hatte die nazi-deutsche Legion Condor eine ihrer Luftwaffen-Basen. Von hier aus wurde der verheerende Angriff auf die bizkainische Stadt Gernika geflogen, der erste in der Militär-Geschichte, der die systematische Vernichtung eines nicht-militärischen Ortes zum Ziel hatte. 

Bevölkerungswachstum

Bis in die 50er Jahre des 20. Jh. war Gasteiz (das während des Franquismus nur Vitoria genannt werden durfte) eine Kleinstadt, in der viele Priester und Militärs lebten, und Kasernen und Klöster das Stadtbild dominierten. Das änderte sich in den 50er Jahren radikal, denn eine starke Industrialisierung setzte ein, die wiederum einen Schub von Einwanderung aus anderen Teilen Spaniens zur Folge hatte. Die Stadt wuchs von 49.000 Bewohner/innen im Jahr 1950 auf 205.000 (1990), eine Entwicklung, die im staatlichen Rahmen alle Rekorde sprengte. Aus der konservativen Verwaltungs- und Dienstleistungs-Stadt wurde eine Arbeiterstadt. Nach dem Ende des großen Stahlwerks Sidenor sind an multinationalen Konzernen und großen Arbeitgebern Michelin und Daimler-Benz übrig. Daimler kaufte sich 1972 in eine alte Autoproduktion ein, bei der auch DKW, Auto Union, Borgward und Volkswagen im Spiel gewesen waren, seit 1995 wird dort der nach der Stadt Vitoria benannte Vito-Bus gebaut.
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Opfer polizeilicher Gewalt

Eines der düsteren Kapitel des sogenannten „demokratischen Übergangs“ von der Diktatur zur Demokratie (transición), der im ganzen Land Hunderte von Toten durch Polizeigewalt forderte, spielte sich im Stadtteil Zaramaga ab. Denn auch nach dem Tod des Diktators im November 1975 blieben die Franquisten in der Regierung und schickten ihre Polizeieinheiten gegen Volksbewegungen. So wurde Gasteiz zum Schauplatz eines Polizeimassakers. Im März 1976 schossen Uniformierte neben einer Kirche auf streikende Arbeiter, die sich zum Protest versammelt hatten, fünf Arbeiter wurden ermordet, hunderte wurden verletzt. Bis heute streiten die Opfer und Hinterbliebenen um Entschädigung und Verurteilung der Verantwortlichen.

Hauptstadt

Dass Gasteiz im Mai 1980 zur Hauptstadt der Region wurde, erklärt sich damit, dass die Stadt im Verhältnis zu den Metropolen Bilbo (Bilbao) und Donostia (San Sebastián) aufgewertet werden sollte. Dies drückt sich auch in einem deutlich unverhältnismäßigen Wahlverfahren aus, nach dem alle drei Provinzen im baskischen Parlament die gleiche Anzahl von Abgeordneten stellen, obwohl die Bevölkerungszahl im Verhältnis 1 zu 4 auseinander geht. Das heißt, in Bizkaia sind vier Mal so viele Stimmen nötig, um einen Abgeordneten zu erhalten, die konservative Tendenz in Araba fällt somit vier Mal mehr ins Gewicht. Als dreifacher Regierungssitz (Region, Provinz, Stadt) ist Gasteiz in Anbetracht des industriellen Rückgangs wieder zur Beamtenstadt geworden.

Tourismus

Für das Jahr 2012 konnte Gasteiz – als dritte europäische Stadt überhaupt – den Titel „Umwelthauptstadt Europas“ oder „Grüne Hauptstadt“ erlangen, der jährlich von der Europäischen Kommission verliehen wird. Die Vergabekriterien sind: Umweltschutz, wirtschaftliches Wachstum und Lebensqualität der Einwohner/innen auf besondere Weise zu verbinden. Dass ein solcher Titel auch ein touristisches Zugpferd darstellt, versteht sich von selbst. Tatsächlich hat die Stadt einen „grünen Ring“ vorzuweisen, der aus halbnatürlichen Parks besteht, die untereinander verbunden sind und von der UNO ausgezeichnet wurden. Dazu gehören derzeit fünf Parks: Río Zadorra, das Salburua-Feuchtgebiet, der Botanische Garten von Olárizu, der Park des Armentia-Waldes und der Zabalgana-Park. Alle Grüngebiete sind vom Zentrum der Stadt aus gut zu erreichen und mit Wegen zum Spazieren und Radfahren ausgestattet. Auch im Zentrum selbst gibt es viel Grün: der Florida-Park ist eine Art Botanischer Garten mit 35.000 qm Fläche und Bäumen aus allen Kontinenten. Es schließen sich die Jardines del Obispo Fernández de Piérola und der San Martín Park mit 85.000 qm an, sowie der Parque del Norte, Salburua und der Judimendi-Park. Weiter geht es über den Arriaga-Park, den Prado, den Aranbizkarra-Park und die La Senda Promenade.

In der modernen Stadt ist der mittelalterliche Kern sehr gut erhalten, um die alte Kathedrale herum verlaufen gepflasterte Gässchen, in denen keine Autos verkehren. Eine Cholera-Epidemie wurde 1856 zum Anlass genommen, die Stadttore abzureißen. Dennoch sind im Stadtkern viele architektonische Juwelen erhalten. Wie keine andere baskische Stadt wurde Gasteiz flächendeckend mit Bürgerzentren und Sporteinrichtungen versehen. Bei Ausgrabungen in der Santa Maria Kathedrale wurden 2001 Reste der Stadtmauer entdeckt, die ursprünglich auf 900 m Länge die Stadt umgab. Mehrfach erhielt die Stadt internationale Preise für den sorgsamen Umgang mit historischem und architektonischem Kulturerbe. Nach offiziellen Angaben erhielt Gasteiz 2011 von den 2,5 Millionen Besucher/innen im Baskenland 115.000. Obwohl dabei ein Anstieg verzeichnet wurde, machen die Zahlen den Unterschied zu den Küstenstädten deutlich. Als Green Capital wurden diese Ziffern erneut überboten, bewegen sich im Vergleich zu Bilbo und Donostia jedoch in eher bescheidenem Rahmen.
gasteiz04Kathedrale Santa María

Das historisch-architektonische Prunkstück der Stadt ist die Kathedrale Santa María, auch „Alte Kathedrale“ genannt. Gebaut wurde sie als Kirche auf dem Friedhof des ursprünglichen Dorfes Gasteiz. Nach einem Stadtbrand 1202 wurde sie als Kirchenfestung wieder aufgebaut, die nicht nur religiösen, sondern als Waffenkammer auch militärischen Zwecken diente. Zudem befand sich hier einer der Eingänge in die Stadt. In den vergangenen Jahren wurde eine gründliche Restaurierung und Befestigung des labilen Kirchen-Komplexes durchgeführt. Dazu wurde die Kathedrale geschlossen, Ausgrabungen ergaben hochinteressante Resultate, die es möglich machen, die einzelnen Epochen der Geschichte nachzuvollziehen. Um einen Teil der Restaurierungskosten zu bezahlen, wurde aus der Not eine Tugend gemacht: während des gesamten Arbeitsprozesses wurden Führungen durch die Baustelle angeboten, bei denen die Geschichte, die jeweiligen Bauetappen und die archäologischen Funde erklärt wurden. Dieses einmalige Konzept hatte großen Erfolg, machte das Gebäude weltberühmt und inspirierte den walisischen Schriftsteller Ken Follett zu seinem Roman „Die Tore der Welt“ (World Without End, 2007), den zweiten Teil des Historienromans „Die Säulen der Erde“ (The Pillars of the Earth, 1990). Wer sich heute zu einer Führung durch das Gebäude entschließt, erlebt eine einzigartige Zeitreise durch die verschiedenen Lebensetappen der Kirche, von den Wurzeln des alten Ortes bis zur gotischen Neugestaltung im 20. Jh.

Sehenswertes

„Gaztetxe“ werden die Häuser im Baskenland genannt, die von meist jüngeren Leuten besetzt werden, um als selbstverwaltete Jugend- und Kulturzentren genutzt zu werden. „Gazte“ bedeutet Jugend, „etxe“ ist Haus, so erklärt sich das Wort. In Gasteiz gibt es ein besonders altes Exemplar dieser Art. Obwohl die Stadt lange Jahre von der ultra-konservativen Volkspartei regiert wurde, die nicht gerade besetzer-freundlich ist, konnte das am höchsten Punkt der Stadt liegende Gaztetxe 2015 seinen 27. Geburtstag feiern. Denn organisiert wird dort nicht nur alternative (Sub-)Kultur, auch die Nachbarschafts-Vereine sind dort vertreten und aktiv. 

Religiöse Gebäude: * In der im 20. Jh. gebauten neugotischen Kathedrale María Inmaculada, die 1969 in Gegenwart des Diktators Franco eingeweiht wurde, hängt zum Ärger von Antifaschisten bis heute ein großes franquistisches Wappen. Die Kirchenbehörden weigern sich, das Symbol zu entfernen wie es das Erinnerungs-Gesetz vorschreibt. * Kirche San Pedro Apóstol aus dem 14. Jh. * Kirche Erzengel San Miguel aus dem 16./17. Jh. * Kirche Märtyrer San Vicente, 15./16. Jh. * Carmen Kirche (gebaut 1897-1900). * Basilika San Prudencio im Ortsteil Armentia, Schmuckstück des baskischen Romantizismus, dem Provinzheiligen von Araba gewidmet, aus dem 12. Jh. In den vergangenen Jahren wurden bei architektonischen Untersuchungen hinter doppelten Wänden interessante Entdeckungen gemacht. * Kirche San Martín de Abendaño, 13. Jh. * Klarissenkloster San Antonio, 1608 gegründet. * Dominikanerkloster Santa Cruz aus dem 16. Jh. Paläste: Palacio de los Marqueses de la Alameda. Palacio Villa Suso, spätgotisches Adelshaus aus dem 16. Jahrhundert. Palacio Escoriaza-Esquivel. Hurtado de Anda Turm. Casa del Cordón. Palacio Montehermoso, 16. Jh, heute Kulturzentrum. Palacio Ajuria Enea (1918), seit 1980 Sitz des baskischen Ministerpräsidenten. * Portalón: mittelalterliche Pension (15. Jh.), eines der ältesten Häuser der Stadt, heute Restaurant. 

Plätze: Virgen Blanca: Denkmal Schlacht von Vitoria. Plaza Nueva: rechteckiger Platz mit Bogengang aus dem 18. Jh. Plaza de los Fueros: moderner Platz von Eduardo Chillida mitgestaltet. 

Museen: Artium, das baskische Museum für Moderne Kunst, das Spielkarten-Museum Fournier, das Museum der Schönen Künste (Gebäude 14./16. Jh.), das Museum für Kirchenkunst (Arte Sacro), ein Naturwissenschaftsmuseum, das Waffenmuseum im Mendoza-Turm, das Wappen-Museum, das Archäologie-Museum, das Straßenlaternen-Museum.

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Musik

* Das Internationale Festival de Jazz Vitoria-Gasteiz: findet seit 1977 im Juli statt, eines der bedeutendsten Jazz-Festivals weltweit, mit der international bekannten Crème de la Crème an Künstler/innen. * Azkena Rock Festival: findet seit 2002 jeweils im Juni statt, überregional bekannt. * Das Internationale Straßentheater-Festival „Kaldearte“: findet seit 2006 im Juni statt.

Kultur

* Gasteiz ist bekannt als Graffiti-Stadt, seit Jahren werden viele öffentliche und private Häuser mit großflächigen Graffitis versehen, auch in der Innen- und Altstadt. U.a. Sportler, Musiker, Schauspieler sind hier verewigt. Herausragend das Graffiti, das an den 3. März 1976 erinnert, an das Polizei-Massaker gegen streikende Arbeiter. Zu finden ist es im Stadtteil Zaramaga, es ziert die Seitenfassade eines ganzen Häuserblocks. * Vom 4. bis 9. August findet die Fiesta Virgen Blanca statt, neben dem offiziellen Programm gibt es ein alternatives Programm auf dem Campus der Universität. * Bekannte Musikgruppen: Hertzainak, Soziedad Alkoholika, Betagarri, Cicatriz, Potato. * Über die Stadt verteilt ist eine Vielzahl von Monumenten, Statuen und Kunstobjekten, besonders auffällig der „Caminante“ in Bahnhofsnähe.

Euskara

In mehrfacher Hinsicht gehen in Araba und seiner Hauptstadt Vitoria-Gasteiz die Uhren etwas anders als im übrigen Baskenland, nicht zuletzt, was das Euskara betrifft, die baskische Sprache. Erst in den zwanzig Jahren zwischen 1981 und 2001 hat sich der Anteil der Baskisch-Sprechenden um 11,2% erhöht, dennoch sind fast 65% der Bevölkerung nur einsprachig. 75% der Baskisch-Sprachigen haben das Euskara nicht von Kindesbeinen an, sondern erst später gelernt und selbst bei den Jugendlichen unter 15 Jahren, die eigentlich alle die Möglichkeit haben, Baskisch zu lernen und zweisprachig ins Leben zu gehen, sind nur 50% zweisprachig. Der Grund dafür ist, dass Leben und Kultur in Gasteiz sich stärker an Spanien orientieren als dies in den nördlichen Provinzen der Fall ist, und dass die Mentalität in Araba sehr konservativ geprägt ist.

Vogelbeobachtung

Salburua gehört zum Ring von Parks, die Gasteiz umgeben. Im Osten der Stadt gelegen bewegt sich die Bebauung langsam auf dieses Gebiet zu. Vor 15 Jahren lag es noch weit außerhalb, mittlerweile grenzen Häuserblocks an die Grünflächen, die eine wichtige Zone der Vogelbeobachtung darstellen. Denn Salburua ist ein Feuchtgebiet mit Wiesen, Pappeln und einem kleinen Eichenwald. Die Sparkasse von Gasteiz hat sich dort einen futuristischen Bau erstellen lassen, daneben die Birding-Station. Nachbarn sind auch die Basketballer mit ihrer Arena. Zwei Rundwege führen durch Salburua: Balsa de Arkaute mit 5,4 km, sowie Balsa de Betoño mit 3,1 km. Vor Jahrzehnten war in Salburua auch ein Flugplatz, den unter anderem die Legion Condor für ihre Vernichtungs-Einsätze benutzte.

Transport

Der Flughafen Foronda wurde gebaut mit der Prämisse, zentrale Station im Norden zu sein und Bilbao abzulösen. Dieses Ziel wurde verfehlt, dennoch liegt Foronda, das nur wenige Passagierflüge aufweist, an dritter Stelle unter den spanischen Güter-Flughäfen. Dass er noch nicht geschlossen wurde, hat er dem Standort Mercedes-Benz zu verdanken. * Gasteiz ist von Bilbo und Donostia aus über die Autobahn und mit dem öffentlichen Bus gut zu erreichen, von und nach Pamplona (bask: Iruñea) gibt es Bus- und Bahnverbindungen. Derzeit (2016) wird mit europäischen Mitteln ein für den innerbaskischen Transport unsinniger Hochgeschwindigkeits-Zug gebaut, der die Hauptstädte (u.a. Gasteiz) verbinden, nicht aber kleinere Orte anfahren soll. Sein Zweck ist die europäische Fernverbindung, ökologisch und haushaltstechnisch zahlt das Baskenland einen hohen Preis dafür, das Konzept ist äußerst umstritten, die Fertigstellung verzögert sich immer mehr. * Innerhalb des Stadtgebiets von Gasteiz sind zur Beförderung Straßenbahn und Bus zu empfehlen.
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Sport

Der Fußballclub Deportivo Alavés (2016 in der 2.Liga) ist im Stadion Mendizorrotza zu Hause. Seinen größten Erfolg feierte der Verein am 16. Mai 2001, als er unlängst aufgestiegen das Finale des UEFA-Cups erreichte und im Endspiel in Dortmund gegen den FC Liverpool mit 4:5 nach Verlängerung verlor. Mittlerweile ist Dortmund Partnerstadt von Gasteiz. * Saski Baskonia ist ein seit Jahren in der europäischen Spitze mitspielender Basketballverein aus Gasteiz, der mehrfach spanischer Meister und Pokalsieger wurde, gespielt wird in der Fernando Buesa Arena (ehemals Araba Arena), neben dem Vogelschutzgebiet Salburua. * Der Bergsteiger Juanito Oiarzabal ist einer der wenigen, der alle vierzehn 8000er bestiegen hat.

ABBILDUNGEN:

(1) Gasteiz-Vitoria, Wintergarten am Blanca-Platz (FAT - Foto Archiv Txeng)

(2) Gasteiz-Vitoria, Graffiti in der Altstadt (FAT - Foto Archiv Txeng)

(3) Gasteiz-Vitoria, futuristische Basketball-Halle am Vogelschutz-Park (FAT - Foto Archiv Txeng)

(4) Gasteiz-Vitoria, Internationalistische Graffiti in der Altstadt (FAT - Foto Archiv Txeng)

(5) Gasteiz-Vitoria, Graffiti zum Polizeimassaker von 3.März 1976 (FAT - Foto Archiv Txeng)

(6) Gasteiz-Vitoria, Artium Museum moderner Kunst (FAT - Foto Archiv Txeng)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-12-06)

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