(*) Sonnenfinsternis 1860 (ser)
Der Vorläufer von 1860

Am 18. Juli 1860 fand eine totale Sonnenfinsternis statt, die – wie am 12. August 2026 – die baskische Provinz Araba (Álava) für einen Augenblick in Dunkelheit hüllte. Die „erste große Sonnenfinsternis“ in der Geschichte der Astronomie, so der Experte Javier Armentia, der 31 Jahre lang das Planetarium von Pamplona leitete. In jenem Jahr gelang dem britischen Astronomen Warren de la Rue in Rivabellosa die erste Bilderserie dieses astronomischen Phänomens. Ein Foto enthüllte eines der Rätsel der Sonne.

Bei einer der letzten Sonnenfinsternisse im Baskenland im Jahr 1860 wurden von einem englischen Techniker-Team spektakuläre Aufnahmen gemacht, die neue wissenschaftliche Erkenntnis über die Sonne brachten.

in jenem Jahr 1860 standen bereits genügend technische Hilfsmittel zur Verfügung, um vorherzusagen, wo und zu welcher genauen Uhrzeit zu beobachten sein würde, wie der Mond die Sonne verdeckte. Deshalb kamen mehr als dreißig wissenschaftliche Expeditionen aus elf europäischen Ländern in die Region. Darüber hinaus ermöglichte die Entwicklung der Fotografie, dass in Rivabellosa (das heute zur Gemeinde Ribera Baja gehört) die erste Momentaufnahme einer totalen Sonnenfinsternis im spanischen Staat aufgenommen wurde. Urheber der Fotografie war Warren de la Rue, Leiter der britischen Expedition, die aus mehr als sechzig Personen bestand und ihr Lager in Ribera Baja aufschlug.

Doch Rivabellosa war weder die erste noch die zweite Option, die dieser Pionier der astronomischen Fotografie in Betracht gezogen hatte. Der Ingenieur Charles Blacker Vignoles begleitete ihn und empfahl ihm „nachdrücklich“, auf die Südseite der Pyrenäen zu wechseln, um den Morgennebel zu vermeiden. Nach einem Blick auf die Karte Spaniens, auf der der genaue Verlauf des Mondschattens eingezeichnet war, entschied sich De la Rue zunächst für Santander. Er hielt diesen Ort für einen „sehr geeigneten Hafen für die Anlandung und den Aufbau der Instrumente, die er aller Wahrscheinlichkeit nach für fotografische Beobachtungen benötigen würde“.

Später entschied sich De la Rue für Miranda de Ebro, doch Vignoles, Chef-Ingenieur der Eisenbahn-Gesellschaft Tudela-Bilbao (von dem es Berichte gab, wonach er an der Schlacht von Vitoria-Gasteiz gegen die Truppen Napoleons teilgenommen habe) drängte ihn, sich für das Dorf in Araba zu entscheiden. „Es war ein Glücksfall, dass ich meinen Standort von Santander nach Rivabellosa verlegte, da viele Astronomen, die Santander gewählt hatten, aufgrund der atmosphärischen Bedingungen daran gehindert waren, die Sonnenfinsternis zu beobachten“, freute er sich im Nachhinein.

Die britische Expedition brach am 7. Juli 1860 um zehn Uhr morgens vom Hafen von Plymouth aus an Bord der HMS Himalaya nach Bilbao auf. Das Schiff ging am Morgen des 9. Juli in Portugalete vor Anker und erreichte zwei Tage später über das benachbarte Miranda den kleinen Ort Rivabellosa. Nach „einer Reise, die unsere Chronometer auf eine harte Probe stellte“. Die britische Gruppe quartierte sich im Palacio de los Sáenz de Santa María auf der Plaza Mayor des Ortes ein. Das benötigte Wasser wurde von einem Dorfbewohner bereitgestellt, der es in Glaskanistern auf dem Rücken eines Esels zum Ort transportierte.

Dort angekommen, erkundete er die Umgebung, um einen Ort für die Errichtung seiner Sternwarte zu finden. „Schließlich entschied ich mich für eine der Getreideflächen, die es in den offenen Feldern dieser Gegend in Hülle und Fülle gibt“, berichtete De la Rue in seinen Reisetagebüchern. Das Gelände war „flach, extrem hart und trocken“. An einer Stelle lobte der Wissenschaftler die Freundlichkeit des Grundstücks-Eigentümers. „Kaum hatte ich den Ort ausgewählt, erfuhr ich mit einiger Besorgnis, dass die Ernte begonnen hatte und der Eigentümer beabsichtigte, das Gelände am nächsten Tag für die Drescharbeiten zu nutzen – eine Aufgabe, die nach lokalem Brauch unmittelbar nach der Ernte durchgeführt wird. Als der Eigentümer erfuhr, dass sein Grundstück für meine Zwecke der am besten geeignete Ort von allen war, die ich gesehen hatte, stellte er es mir sofort zur Verfügung. Obwohl er dadurch gezwungen war, sein Getreide an einen anderen Ort zu transportieren, lehnte er jede Vergütung ab“, erklärte der Wissenschaftler.

Am Tag der Sonnenfinsternis, einem Mittwoch (wie auch im Jahr 2026), brach der Morgen „hoffnungslos bewölkt“ an. Aus dem Text lässt sich erahnen, mit wie viel Stress De la Rue dieses Ereignis erlebte: „Wir alle beobachteten den Himmel mit größter Spannung, und ich gestehe, dass meine Nerven in einem Zustand fieberhafter Erregung waren.“ Erst gegen zehn Uhr morgens zeigte sich der erste Lichtschimmer, als „ein Streifen klaren Himmels für die erste schwache Hoffnung sorgte“.

Zwanzig Minuten vor Beginn des Phänomens „ereignete sich etwas, das beinahe alle Bemühungen zunichte gemacht hätte“. Damit die Nachbarn die Sonnenfinsternis sehen konnten, räucherte der Wissenschaftler ein Stück Glas mit einem Streichholz ein, sodass der Ruß eine undurchsichtige Oberfläche bildete. Einer von De la Rues Bediensteten namens Juan bereitete mehrere weitere Exemplare vor, doch „die Nachfrage war bald so stark, dass er kaum noch hinterherkam. Schließlich geriet er so in Aufregung, dass er die Streichhölzer ungelöscht wegwarf und einige davon, als sie auf den Mais fielen, diesen in Brand setzten“. Glücklicherweise verhinderten der Wind und ein schnelles Eingreifen mit Wasser, dass die Katastrophe größere Ausmaße annahm.

(*) Sonnenfinsternis 1860 (ser)

Unwissenheit

Gegen drei Uhr nachmittags kam es zu einem Tumult. Etwa zweihundert Menschen strömten zu dem Feld, auf dem sich De la Rues Observatorium befand, und viele machten deutlich, dass sie diese astronomischen Phänomene nicht kannten. „Sie schienen zu glauben, dass die Sonnenfinsternis nur von meinem Standort aus zu sehen sei. Es kostete mich einige Mühe, einige davon zu überzeugen, sich auf eine nahegelegene Anhöhe zu begeben“, berichtete er.

Einige Tage zuvor hatte der Bürgermeister von Miranda de Ebro dem Expeditions-Chef De la Rue „so viele Zivilgardisten angeboten, wie er für notwendig erachtete, um Störungen zu vermeiden“. Doch angesichts der Rücksichtnahme, die die Dorfbewohner*innen an den Tag gelegt hatten, hielt er „einen oder zwei für mehr als ausreichend“. Doch die Leute von Rivabellosa „waren oft versucht“, zu dem Ort zu kommen, wo die Geräte aufgebaut waren. De la Rue führte das auf eine „verständliche Neugierde, das Geschehen zu beobachten“ zurück. Denn was eine Sonnenfinsternis sei, entzog sich dem Vorstellungsvermögen der einfachen Bauersleute. Schließlich war es Civilio Guinea, der Bürgermeister von Rivabellosa, „dem ich dafür danke, dass er unsere Arbeiten ermöglicht hat“. Der half dem Wissenschaftler, die Ordnung im Bereich der improvisierten Sternwarte aufrechtzuerhalten. Als schließlich der Moment der völligen Sonnenfinsternis kam, hielten sowohl Wissenschaftler als auch Anwohner*innen den Atem an. Bis zu diesem Moment, so beschreibt De la Rue, „erfüllte das Gemurmel von Gesprächen in verschiedenen Sprachen die Luft. Doch dann, in einem Augenblick, war die Stille so plötzlich, dass sie wahrhaft ergreifend war“. Der Klang der Dorfglocken „trug in hohem Maße zur feierlichen Erhabenheit des Anlasses bei“.

Eine Woche voller Veranstaltungen

Die Ergebnisse wurden als „äußerst zufriedenstellend“ bewertet. Während der Sonnenfinsternis sowie davor und danach wurden mehr als vierzig Fotos aufgenommen. Zwei davon entstanden während der Totalitätsphase und „zeigen die leuchtenden Protuberanzen mit einer Präzision hinsichtlich Kontur und Position, die durch visuelle Beobachtung unmöglich zu erreichen ist“. Sie wurden mit einem Heliographen des Spezialisten Kew aufgenommen, dem weltweit ersten Teleskop, das speziell für die Sonnenfotografie entwickelt wurde. Mit diesem hatte De la Rue zwei Jahre zuvor die roten Strahlen eingefangen, die aus der Mondscheibe austraten – bei der Sonnenfinsternis stammten sie jedoch von der Sonne und nicht vom Mond.

Nun, so viele Jahre später, kehrt dieses damalige Ereignis in den baskischen Ort zurück. Die Initiative Lagunak Erribera Beitia erhilt Zugang zu den Originalfotos, die während jener Expedition aufgenommen wurden. Die Aufnahmen werden in den Tagen der Sonnenfinsternis im soziokulturellen Zentrum „Verde“ der Stadt ausgestellt. Daneben ist ein astronomischer Vortrag geplant mit dem Thema „Tauche ein in den Schatten der Sonnenfinsternis“, der vom Astronomischen Verein Mirandesa Orión gehalten wird und sich mit den Ursachen dieser Phänomene sowie der Geschichte um das Jahr 1860 befasst. Ein Phänomen, das im Baskenland in Vergessenheit geraten war und dessen wissenschaftliche Bedeutung im Laufe der Zeit verloren gegangen war. Gerade durch die Veröffentlichung eines Artikels der Sociedad Landázuri erfuhren sie von dem neuerlichen Ereignis, und der Verein machte sich auf die Suche nach Unterlagen. „Wir gingen den direkten Weg. Wir schrieben einen Brief an die Royal Astronomical Society in London“, erklären die Mitglieder. Dank des Bibliothekars Peter Hingley, der einen Artikel zu diesem Thema verfasst hatte, gelang es ihnen, die Unterlagen zu beschaffen, die nun ausgestellt werden.

Technische Details von 1860

Der englische Herr Warren de la Rue war bei seiner Arbeit nicht alleine, er hatte sein Team dabei, jeder hatte seine ganz spezielle technische Aufgabe. Mister Beckley mass die Zeit mit der Stoppuhr. Mr. Clarke hielt eine brennende Kerze bereit, um die Schnur zu verbrennen, die den Verschlussmechanismus auslöste. Mister Reynolds hielt einen Plattenhalter bereit, um ihn einzusetzen und die nächste Aufnahme zu machen. Mister Dowes war für die Vorbereitung der Foto-Platten und deren Entwicklung zuständig.

Der Photoheliograph – der damalige Fotoapparat – war von De la Rue selbst entwickelt worden. Diese Vorrichtung war ein spezielles astronomisches Instrument, das aus einer angepassten Kamera und einem Teleskop bestand. Es wurde entwickelt, um detaillierte Fotografien der Sonne aufzunehmen, beispielsweise von Sonnenflecken oder der Sonnenoberfläche. Das berühmteste frühe Modell war der Kew Photoheliograph, der in den 1850er-Jahren in England gebaut wurde und als eines der ersten Instrumente speziell für die Himmels-Fotografie galt.

Statt Foto-Negativen wurden foto-empfindliche Glasplatten benutzt. Das standardisierte Format von 9-Zoll-Glasplatten (22,8 Zentimeter) wurde für die Belichtung am häufigsten verwendet, obwohl auch einige größere Abzüge für wissenschaftliche Messungen angefertigt wurden. De la Rue gelang es, die ersten Aufnahmen der totalen Sonnenfinsternis zu machen, die endgültig bewiesen, dass die Sonnenprotuberanzen zur Sonne und nicht zum Mond gehören.

De la Rue sandte das folgende Telegramm von der Station Miranda de Ebro: „Voller Erfolg. Ich habe zwei Aufnahmen der roten Protuberanzen gemacht, die beweisen, dass sie zur Sonne gehören, sowie viele weitere von verschiedenen Phasen des Phänomens.“ Tatsächlich wurde die astronomische Debatte darüber, ob die roten Protuberanzen zur Sonne gehörten oder ein optischer Effekt waren, erst beendet, als sie mit den Aufnahmen verglichen wurden, die in der Wüste von Las Palmas (Castellón) gemacht worden waren; diese schlossen jegliche optische Anomalie der Instrumente von De la Rue aus.

Baskultur.info

Vor wenigen Tagen publizierte baskultur.info bereits einen Artikel zum Them unter dem Titel: „Baskische Sonnenfinsternis - Einmal im Leben“ (LINK)

ANMERKUNGEN:

(*) Einige Informationen wurden dem Artikel “El precedente del eclipse total” entnommen, Tageszeitung El Correo, 2026-08-10

ABBILDUNGEN:

(*) Sonnenfinsternis 1860 (ser)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-08-11)



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