pensi1Rückblick eines Gründers

Kurz vor dem siebten Jahrestag der Gründung der baskischen Bewegung der Rentnerinnen und Rentner am 15. Januar 2024 blickt einer ihrer Gründungsmitglieder, Karlos Ruiz aus Bilbao, auf die Anfänge und die Vorgeschichte zurück. Ein Rückblick auf die fatale Rentenpolitik der spanischen Rechten, auf die etwas chaotischen ersten Mobilisierungen, auf die Gründung von Gaurgeroa (Heute-Später) als programmatisches Rückgrat der Bewegung und auf entscheidende Versammlungen in der Geschichte dieser Bewegung.

Seit dem 15. Januar 2018 gehen baskische Rentnerinnen und Rentner jeden Montag auf die Straße: für eine Erhöhung ihrer Renten, für Respekt und eine würdige Existenz für die älteste Generation. Bündnispolitik mit Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen ist in diesen 7 Jahren zum Markenzeichen der Bewegung geworden.

Einige von uns, die heute in der Rentner*innen-Bewegung des Baskenlandes tätig sind, haben bereits seit 2008 an Initiativen im Rentenbereich mitgewirkt, manchmal aus gewerkschaftlicher Sicht und manchmal, um verschiedene Rentner*innen in pluralen Plattformen zusammenzubringen. So entstand die Renten-Plattform des Baskenlandes für soziale Rechte, mit der wir eine Reihe von Demonstrationen durchführten.

Der Koordinierungsausschuss

pensi2Schon bald erkannten wir die Notwendigkeit, die verschiedenen Initiativen, die in den vier Regionen des Baskenlandes (Araba, Bizkaia, Gipuzkoa, Nafarroa) entstanden waren, zu koordinieren. Wir sahen eine große Offensive der spanischen Rechten (mit der postfranquistischen PP an der Regierung), der Medien, der Banken, von Europas ... Sirenengesänge, die zu tiefgreifenden Reformen des gesamten Renten-Verteilungs-Systems führten.

Es war ein großer Schritt, aus einer globalen Perspektive die Notwendigkeit zu erkennen, den Rentensektor zu organisieren und ihm eine Richtung zu geben, die der Zeit entspricht, in der wir leben. Wir entwickelten einen Vorschlag als Richtschnur, die Charta der Grundrechte älterer Menschen und Rentner*innen (2012), in der die Bestrebungen des Rentensektors enthalten waren: Forderungen nach einem würdigen Leben, einem ausreichenden Einkommen, einer Mindestrente von 1080 Euro, wie sie bereits in der Europäischen Sozialcharta festgeschrieben war, einem öffentlichen und qualitativ hochwertigen Pflegesystem, dem Schutz vor einer Verschlechterung des Gesundheits-Wesens sowie anderen Fragen im Zusammenhang mit dem Wohnen.

Die Volks-Gesetzgebungs-Initiative 2017

Es gab viele Mobilisierungen, die wir aus verschiedenen Gründen gefördert haben. Die wichtigste Initiative dieser Zeit war unser Vorschlag an die Parlamente von Gasteiz (Baskenland) und Iruñea (Nafarroa) für eine Gesetzgebende Volksinitiative, die 71.000 Unterschriften in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland und fast 9.000 in Navarra zusammenbrachte. Ihr Inhalt war die Forderung nach einem Zuschlag zur Mindestrente in Höhe von 1080 € und einem eigenen System des Schutzes und der sozialen Sicherheit.

Die spontanen Renten-Bewegung (15-01-2018)

pensi3Über soziale Netzwerke entstand spontan eine starke soziale Mobilisierung von Rentner*innen in Städten und Hauptstädten des Baskenlandes. Es wurde dazu aufgerufen, die Briefe zu zerreißen, die der Minister für Arbeit und soziale Sicherheit der PP (Partido Popular) an uns geschickt hatte und in denen eine Rentenerhöhung von 0,25% angekündigt wurde, bei einer ständig steigenden Verbraucherpreis-Index (VPI). Dem vorausgegangen waren zwei Jahre des Einfrierens der Renten. Wir waren dabei und erkannten bald die Notwendigkeit, dieser Bewegung einen genaueren Zeithorizont zu geben, damit sie von Dauer ist und die Forderungen der Rentner klar definiert werden. Wir definierten klar, dass der Horizont darin bestand, den in der Europäischen Sozialcharta festgelegten Betrag zu erreichen: 1080 € Mindestrente. Es gelang uns, die 0,25% zu kippen, und der Verbraucherpreis-Index wurde als Bezugsgröße für den Rentenanstieg eingeführt.

Versammlung in Gasteiz (09-04-2019)

Parallel zur Entwicklung der Mobilisierungen und der Zunahme der Zahl der Städte, die sich ihnen anschlossen, wurde diese Bewegung mit einem ständigen Koordinierungs-Ausschuss ausgestattet, um sicherzustellen, dass die Mobilisierungen nicht nachlassen. Die Plattformen, die bereits Erfahrung mit der kontinuierlichen Arbeit unter den Rentner*innen hatten, einigten sich auf die Notwendigkeit, eine Rentner*innen-Versammlung in Vitoria-Gasteiz einzuberufen. An dieser Versammlung nahmen mehr als 400 Rentner*innen aus dem gesamten Gebiet teil, die über die Papiere und den Namen der Plattform Gaurgeroa diskutierten und abstimmten (Gaurgeroa ist Baskisch und bedeutet Heute-Später).

Die Vorträge

pensi4Es wurde ein Ausschuss für die Vorträge und ein weiterer für die Organisation der Veranstaltung gebildet. Der Versammlung wurden drei Papiere vorgelegt: Eine kurze Geschichte der Rentner*innen-Plattformen, ein Vorschlag für Grundsätze und ein Organisationsmodell.

Die Unterstützung

Die Versammlung, die den Weg in die Zukunft beschloss, sowie die anschließende Entwicklung des Organisations-Modells, das die Organisation der künftigen Rentner*innen-Bewegung ermöglichte, waren der Schlüssel zum Überleben der Bewegung in den sieben Jahren ihres Bestehens. Ohne die von Gaurgeroa geleistete stille Arbeit, die Fähigkeit, Vorschläge zu machen und Arbeitspläne zu entwickeln, wäre die Existenz der Rentner*innen-Bewegung des Baskenlandes, wie wir sie heute kennen, undenkbar. Gaurgeroa ist der Ausdruck und die Summe der Plattformen Pentsionistak Martxan (Pensionärinnen in Bewegung) von Bizkaia und Nafarroa, Duintasuna (Würde) von Gipuzkoa und Arabako Pentsionistak Lanean (Renterinnen bei der Arbeit) von Araba, die die Versammlung und ihre spätere Entwicklung unterstützt haben. Unabhängig von den Entscheidungen, die die Bewegung selbst autonom für ihre Zukunft treffen wird, darf diese Kraft, die Gaurgeroa darstellt, nicht vergeudet werden.

Der Name Gaurgeroa

Als wir über den Namen der Plattform nachdachten, dachten wir an die damalige Gegenwart, und an die Zukunft von heute, und an das, was danach kommt. Dieser Ansatz führte zum Namen Gaurgeroa (Baskisch: Heute-Später) steht.

Website von Gaurgeroa

Eines der Instrumente mit großem Potenzial, die wir von Gaurgeroa aus geschaffen haben, ist die Website, die als informatives Fenster für Nachrichten, Meinungs-Artikel und Mobilisierungen dienen soll, die die Bewegung angesichts des Boykotts der verschiedenen öffentlichen und privaten Medien entwickelt hat. Dieses Fenster (das im April 2020 geschaffen wurde und bei seiner ersten Veröffentlichung 118 Besuche hatte) hat in den vergangenen 5 Jahren Informationen publiziert, die von keinem anderen Medium übermittelt wurden, mit mehr als 2.500 interessanten Nachrichten-Formaten, 1.500 Meinungsartikeln von Personen der Bewegung, 2.000 Fotoreportagen und mehr als 702.000 Besuchen seit seiner Schaffung. Die Webseite war die treibende Kraft für den Zusammenhalt der Bewegung und ein obligatorischer Bezugspunkt für Informationen. Euskal Herria, Dezember 2024.

pensi5Baskultur-Berichterstattung

Baskultur hat in der Vergangenheit mehrfach über die baskische Bewegung der Rentnerinnen und Rentner berichtet, eine der beeindruckendsten und integrativsten sozialen Bewegungen, die das Baskenland – Euskal Herria – in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Die Redaktion Baskultur hat vielfach die Aktivitäten der Bewegung mit Fotoreportagen, Übersetzungen und organisatorischer Hilfe begleitet. Zuletzt beim Renten-Kongress in Bilbao im Mai 2024. Im Folgenden eine Aufzählung der Baskultur-Reportagen in der chronologischen Reihenfolge ihres Erscheinens:

(2022-03-07): Bewegung der Rentner*innen – Im Unruhestand (LINK). 

(2023-01-18): Für angemessene Renten – Fünf Jahre auf den Straßen (LINK). 

(2023-05-26): Marsch der 1000 Renterinnen – Rentenprotest in der Hauptstadt (LINK). 

(2024-05-30): Renten-Konferenz Bilbao - Gegen Kürzung und Privatisierung (LINK). 

(2024-08-31): Renten-Bewegung (1) – Kampf gegen Alters-Armut (LINK). 

(2024-09-10): Renten-Bewegung (2) – Würdige Existenz im Alter (LINK).


ANMERKUNGEN:

(1) “Una mirada a Gaurgeroa desde su creación” (Ein Blick auf Gaurgeroa seit seiner Gründung), Webseite der baskischen renten-Bewegung, Autor: Karlos Ruiz, 2024-12-22 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Renten-Bewegung (Foto Archiv Txeng)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-12-24)

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