kolu64a00Kalt wie Grönland

Der Februar ist nicht so kalt wie er sein müsste, aber der August war schließlich auch heißer als er sein müsste. Keine Logik, heiß und kalt. Ein kalter Ofen sorgt in Laudio (Araba) für heiße Gemüter, weil ein US-Multi die Glas-Herstellung einfrieren will, 171 Arbeitsplätze schmoren dabei weg. Auch die Streiks in den Schulen gehen in die heiße Phase, zu viel Stress und Schülerinnen, zu wenig Personal. Bei so viel Kälte sorgt nur noch die Kathedrale San Mames für akzeptable menschliche Wärme.

Otsaila, kalt und mörderisch. Otso und hil bedeuten des Wolfes Tod. Monat der scharfen Laute: hotz für kalt, txotx für Sidra, bihotz für Herz, motz für kurz, Anartz der Name.

(2025-02-28)

DER LETZTE SOLDAT

kolu64a28Gudari ist ein positiv besetzter baskischer Begriff für Soldat. Sowohl die Kämpfer im Spanienkrieg alsauch Leute von ETA werden so genannt. Miguel Arroyo war der letzte lebende Gudari des Gernika-Bataillons, eine aus Basken bestehende Einheit innerhalb der französischen Widerstands-Armee, die sich im Kampf gegen die Nazi-Besatzer einen Namen gemacht hat. Nun ist Miguel Arroyo im nordbaskischen Angelu im Alter von 100 Jahren gestorben. Geboren wurde er im Juni 1924 in Burgos, seine Familie ließ sich in Bizkaia nieder, als er zwei Jahre alt war. Während des Krieges von 1936 ging er mit seiner Mutter ins Exil nach Baiona. Ende des 2. Weltkriegs war er dann alt genug, um als Gudari zum Einsatz zu kommen. Im Alter von 19 Jahren meldete er sich als Freiwilliger zum Bataillon Gernika, das unter dem Kommando von Kepa Ordoki (von der Partei ANV) im französischen Staat gegen die Nazis kämpfen sollte.

“Ich war der erste, der mit einem Maschinengewehr aus dem Graben kam, und an der Pointe de Grave, Médoc, am linken Ufer der Garonne-Mündung“. Dort hatten sich die Nazis eingebunkert und die französische Befreiungs-Armee hatte keinen Plan, wie das Faschistennest ausgeräuchert werden könnte. “Es gelang es mir, vier Deutsche gefangen zu nehmen. Das ist die Wahrheit, ich schwöre es. Ich übergab die Nazis an die französischen Soldaten. Später weiß ich nicht, was sie mit ihnen gemacht haben, oder wenn ich es wüsste, würde ich es nicht sagen, denn das sind Dinge des Krieges“, erinnerte sich Arroyo in einem Bericht von Iban Gorriti, der 2023 in der Wochenend-Beilage Zazpika veröffentlicht wurde. In jenem Bericht wurde auch Javier Brosa erwähnt, ein zweiter Gudari, der noch lebte, aber am 20. Januar 2024 starb.

Arroyo erinnerte sich in dem Zazpika-Bericht daran, dass sie anfangs eine blaue französische Uniform trugen, später aber “braun, nicht grün, und einen englischen Plattenhelm auf dem Kopf“. In jenen Tagen traf er den Lehendakari José Antonio Agirre (baskischer Ministerpräsident von der PNV im Exil). “Er fragte mich nur, wie es mir ginge, und ich sagte ihm, dass es mir gut ginge, mehr nicht“, erklärte er und schloss mit seinen Eindrücken: “Wenn man in den Krieg zieht, weiß man nicht, ob man da wieder herauskommt. Als es vorbei war, arbeitete ich als Klempner und hatte meine Angestellten. Außerdem wurde ich als Kriegsveteran anerkannt, ich habe noch die Papiere, auf denen steht: Für die Zugehörigkeit zum Gernika-Bataillon“. Dieses Bataillon ist in der baskischen Geschichte zu einer halben Legende geworden. Vor 10 Jahren wurde in Gernika eine Erinnerungstafel angebracht, auf der alle Gefallenen des Bataillons erwähnt sind.

Kommando von Kepa Ordoki

Das Gernika-Bataillon wurde 1944 von der baskischen Regierung unter José Antonio Agirre aufgestellt, um im französischen Staat gegen die Nazis zu kämpfen, nachdem eine Vereinbarung mit Charles de Gaulle, dem Führer der Freien Franzosen, getroffen worden war. Das Bataillon wurde von Major Kepa Ordoki, einem Kämpfer der links-nationalistischen ANV angeführt, die baskische Ikurriña war ihre offizielle Flagge. Im April 1945 (nur einen Monat vor dem offiziellen Kriegsende) kämpfte das Bataillon in der Schlacht von Pointe de Grave am südlichen Gironde-Ufer gegen die Nazis. Später nahmen Soldaten des Gernika-Bataillons an der Siegesparade im befreiten Bordeaux teil und trugen die Ikurriña. De Gaulle würdigte ihren Beitrag zum Sieg über die Nazis mit den Worten: “Frankreich wird niemals die Anstrengungen vergessen, die ihr Basken zur Befreiung unseres Territoriums unternommen habt“. Aber es blieb nicht bei Worten. Es war nämlich geplant, Ordoki den Orden der Ehrenlegion zu verleihen, die bekannteste und wichtigste Auszeichnung des französischen Staates, aber es kam nicht zur Ausführung. Heute ist die heldenhafte Leistung des Gernika-Bataillons im französischen Staat längst vergessen. Nur in Gernika wird noch daran erinnert, vor Jahren wurde ein Dokumentarfilm gedreht, in dem die Schlacht von Pointe de Grave nachgespielt wurde. (naiz-baskultur)

(2025-02-27)

BRIEFMARKEN KAUFEN

kolu64a27“Zehn Briefmarken vom Typ A für Inland, bitte“, sagte der Kunde vor mir im Tabakladen, in dem auch Fahrscheine und eben Briefmarken verkauft wurden. Die Verkäuferin machte keine Anstalten, zum entsprechenden Regal an der Rückwand zu gehen, sondern sagte trocken: “Nur vom König“. Offenbar kannte sie den Kunden und wusste von seinen Vorlieben, oder von seinen Antipathien. Der Kunde gab einen unverständlichen Negativlaut von sich und antwortete: “Auf keinen Fall!“ und nach einem kurzen Pause: “Dann gib mir zehn Stück vom B-Typ“. – “Die fürs Ausland?“ fragte die Verkäuferin zurück. “Jaaaa“ antwortete der Kunde in breitem Ton. “Ich klebe lieber die teuren Marken auf meine Briefe, als diesen Hurensohn!“. – “Hurensohn …“, kicherte der Kunde hinter mir und ergänzte: “Der Hurensohn vom Hurensohn“. – “Haltet euch zurück mit Beleidigungen gegen Huren und Prostituierte“, rief eine ältere Frau dazwischen, den eben in den Laden getreten war. “Die Huren könnt ihr nicht in den selben Topf werfen wie …“, sie suchte nach einem Begriff … “wie diese degenerierten Borbonen, die haben hundert Mal mehr Ehrgefühl“. Niemand widersprach, insgeheim schloss ich mich der Idee mit den teuren statt den billigen Marken an, meinem Freund im Knast wollte ich nicht mit einem Monarchen auf dem Couvert schreiben. “Die bringen mir, was sie wollen und nicht, was ich bestelle“, entschuldigte sich die Verkäuferin, die diese Art von Situation zur Genüge kannte. “Das hab ich denen schon hundert Mal gesagt“. Dutzende von Marken-Motiven waren wohl im Umlauf, aber die von der Post lieferten nur die bei vielen Basken verhassten Marken an die Tabakläden. Vielleicht war der Lieferant ein ultrarechter Monarchist, oder die bei der Post wussten, dass noch mehr Leute bereit waren, statt der billigen die teuren Briefmarken aufzukleben. “Wann gibt die baskische Regierung endlich eigene Marken raus“, beendete der Kunde vor mir die Debatte. “Zum Beispiel Xabi Alonso, Valverde oder Aduriz …“ sinnierte er. “Oder wie wäre es mit Urkullu, Arzalluz oder Atutxa sein“, mischte sich die die Dame von hinten noch einmal ein. Der Typ vor mir drehte sich um, um zu schauen, von wem der sarkastische Unterton stammte. (baskultur)

(2025-02-26)

IM LANDE DER WÖLFE

Wer von Donostia aus über die Grenze fährt, sieht auf der Höhe des Grenzortes Irun in nicht allzu weiter Ferne einen Berg auf sich zukommen: der 905 Meter hohe Larrun (oder Französisch: La Rhune), dessen Name vom Baskischen übersetzt “gute Weiden“ bedeutet. Weil an seiner Flanke eine Bimmelbahn zum Gipfel hinauffährt, ist der Larrun schon lange ein beliebtes Ausflugziel für Bask*innen nördlich und südlich der Grenze. Die Nachricht von einem neuen Bewohner hat die Schafhirten auf den guten Weiden aufgeschreckt.

Denn die Landwirtschafts-Gewerkschaft EHNE hat vor der möglichen Präsenz eines Wolfs in den Ausläufern des Larrun-Berges gewarnt. Diese Meldung hält die Schäfer der Gegend in Alarmbereitschaft. EHNE-Nafarroa bittet um Klärung des Wahrheitsgehalts des Falls, fordert Informationen von den zuständigen Behörden und ruft zur Wachsamkeit auf. Die Gewerkschaft hat die Schäfer aufgefordert, gegenüber streunenden Tieren äußerst wachsam zu sein, und die zuständigen Behörden gebeten, sie über die laufenden Untersuchungen zu informieren.

Der Alarm wurde ausgelöst, nachdem ein Wanderer am vergangenen Freitag die Anwesenheit eines wolfsähnlichen Tieres in den Ausläufern des Berges Larrun zwischen Lapurdi und Nafarroa auf Video festgehalten hatte. Kurz darauf hat das französische Amt für Biodiversität eine Untersuchung vor Ort eingeleitet, um Hinweise zu finden, die jedoch nichts ergeben haben, obwohl die Möglichkeit, dass es sich um einen Wolf oder einen verwilderten Hund handelt, nicht ausgeschlossen werden kann.

Obwohl es sich um einen ungewöhnlichen Fall handelt, bleiben die Behörden vorsichtig, nachdem das Umweltministerium der Regierung von Navarra den Fall eines einsamen Wolfs untersucht hat, der im November im süd-navarrischen Bardenas-Gebiet entdeckt wurde. Zur Vorsicht hat EHNE-Nafarroa die Hirten mit freilaufendem Vieh aufgerufen, ihre Wachsamkeit zu erhöhen.

EHNE will nichts und niemand verunsichern, doch ist hinlänglich bekannt, dass Wölfe mitunter lange Strecken zurücklegen. Die Pyrenäen, wo ihre Präsenz verbürgt ist, sind nicht weit entfernt. Asturien, Kantabrien und Burgos, sowie der baskische Süd-Landkreis Enkarterri (Bizkaia) sind bekannte Wolfsgegenden, die eher dicht besiedelte Bidasoa-gegend bisher nicht. Die Gewerkschaft fordert, dass die zuständigen Behörden sie über die Entwicklung der Untersuchungen in Lapurdi (Name der Larrun-Provinz) auf dem Laufenden halten, während gleichzeitig die Überwachung in Navarra durchgeführt wird, “da diese Tierart keine Verwaltungsgrenzen kennt“.

“Schon viel zu lange haben wir festgestellt, dass der Wolf kommen wird, und jetzt ist er da. Er hat sich im westlichen Teil von Araba und Bizkaia niedergelassen, und angesichts der jüngsten Beobachtungen scheint seine Präsenz in Navarra immer näher zu rücken“, so die Landwirtschafts- und Viehzucht-Gewerkschaft abschließend. Der daraus resultierende Konflikt ist alt: wenn Tiere von Wölfen gerissen werden, erleiden die Hirten wirtschaftliche Schäden, die nur zu geringen Teilen von den Behörden ausgeglichen werden. Deshalb sind viele für den Abschuss der Jäger. Tierschützer laufen gegen solche Forderungen hingegen Sturm. (baskultur)

(2025-02-25)

FRITZ TEPPICH: BRIGADIST OHNE BRIGADEN

kolu64a25Wer war Fritz Teppich, der vor 13 Jahren starb und heute 106 Jahre alt wäre? Fritz Teppich war ein deutsch-jüdischer Journalist und antifaschistischer Widerstandskämpfer. Die Besonderheit seiner Biografie aus baskischer Sicht ist, dass er sich im Jahr 1936 als Freiwilliger der Verteidigung des Baskenlandes und der spanischen Republik anschloss, gegen die franquistischen Putschisten und den international immer stärker werdenden Faschismus.

Aufgewachsen in einer liberalen jüdischen Familie in Berlin, schloss sich Fritz Teppich (geboren am 26. November 1918 in Berlin) linken jüdischen Jugendgruppen an. Seine Mutter – 1943 in Auschwitz ermordet – schickte ihn als 14-Jährigen zusammen mit seinem älteren Bruder Hans (der später in die USA emigrierte, als US-Soldat überlebte und bis zu seinem Tode 1999 mit seiner Familie als Künstler und Lehrer in New York lebte) mit Hilfe der Familie Kempinski zur Kochausbildung nach Paris und rettete ihnen damit das Leben.

Als nach dem Putsch faschistischer Generäle der Spanienkrieg begann, arbeitete Teppich in einem Hotel in Belgien in der Nähe der französischen Grenze. Die Nachricht aus Spanien motivierte ihn, nach Wegen zu suchen, sich dem Widerstand gegen den Faschismus anzuschließen. Er ging zunächst nach Frankreich, dann beim baskischen Irun über die Grenze in den spanischen Staat und kämpfte im links-nationalistischen Azaña-Bataillon. In den Bergen zwischen Bizkaia und Araba erlebte er die Zerstörung der Stadt Gernika durch die nazideutsche Legion Condor.

Nach der republikanischen Niederlage im Baskenland ging er nach Frankreich und über Katalonien zurück in den Spanienkrieg. Den Rest des Krieges kämpfte er als Adjutant in einem republikanischen Armeekorps. Nach der Niederlage der republikanischen Truppen wurde Teppich mit anderen Kämpfern in einem Internierungslager gefangen gehalten. Auf dem Transport ins Deutsche Reich in ein KZ floh er und schlug sich über Spanien nach Portugal durch, wo er bis Kriegsende in Ericera am Atlantik interniert wurde.

Teppich kehrte 1946 nach Berlin zurück. Ein Großteil seiner Familie wurde im Holocaust ermordet, sein jüngster Bruder im April 1945 bei Neuruppin auf einem Todesmarsch von der SS erschossen. Der parteilose überzeugte Kommunist arbeitete in Ost-Berlin als Journalist und bis Mitte 1966 bei ADN, siedelte jedoch wegen Widersprüchen zum DDR-Sozialismus in den Westen über. Ab Ende der siebziger Jahre war Fritz Teppich in der Friedensbewegung aktiv. Er gilt als Begründer der Westberliner Friedenskoordination. Fritz Teppich war im Verein Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939 aktiv.

Seine Schwester Mela war verheiratet mit Hans Kempinski, dem letzten Besitzer der großen Berliner Hotel- und Restaurations-Betriebe Kempinski, bevor sie von den Nazis “arisiert“ (enteignet) wurden und die Besitzer nach England emigrieren mussten.

Im Jahr 2012 sollte Fritz Teppich am Jahrestag der Zerstörung Gernikas den Alternativen Friedenspreis der baskischen Memoria-Gruppe Ahaztuak (Die Vergessenen) erhalten. Die Einladung zum Besuch in Gernika erreichte ihn kurz vor seinem Tod, den Gedenkpreis musste schließlich sein Sohn Helmut entgegennehmen. (wikipedia-baskultur)

(2025-02-24)

DIE ILLEGALE STRASSENBAHN

kolu64a24Die baskische Kampagne Boycott, Divestment, Sanctions, BDZ Euskal Herria, hat öffentlich beklagt, dass das Unternehmen CAF mit Sitz in Beasain-Gipuzkoa (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles – Konstruktion und Zubehör für Eisenbahnen) auf palästinensischem Gebiet zusammen mit einigen Niederlassungen in Navarra seit fünf Jahren eine Straßenbahn baut, und dass dieses Projekt “gegen internationales Recht verstößt und nicht der baskischen öffentlichen Meinung entspricht“.

Das Thema ist nicht neu: CAV baut eine Straßenbahn durch palästinensisches Gebiet im Westjordanland, die von Palästinensern selbst jedoch nicht genutzt werden kann. Die UNO hat das Projekt aus diesem Grund als ausgrenzend bezeichnet und schon vor Jahren eine entsprechende Resolution verabschiedet. Israel-Kritiker bezeichnen die Straßenbahn wegen des Ausschlusses nach ethnischen Kriterien als Apartheid-Projekt. Doch stören sich an dieser Resolution weder der Auftraggeber Israel, noch der Auftragnehmer CAF. Das Thema kocht im Baskenland bereits lange vor dem 7. Oktober, auch der Betriebsrat des Unternehmens hat sich für eine Beendigung des Auftrags ausgesprochen.

In Pamplona und Donostia wurden zu diesem Zweck separate Pressekonferenzen abgehalten. Vor den Toren des Unternehmens Orbital, das zu CAF gehört, forderten sie die Regierung von Navarra auf, ihre Zusammenarbeit mit dem Unternehmen einzustellen, “nachdem die Regierung in den letzten 15 Monaten eine korrekte Haltung eingenommen hat“. Wie von BDZ erklärt wurde, würde dies erlauben, “die internationale Legalität einzuhalten, wenn sie nicht mehr mit Unternehmen zusammenarbeiten, die an der Besetzung und Apartheid in Palästina beteiligt sind“.

Darüber hinaus argumentiert BDZ, dass auf diese Weise „das Mandat“ der navarrischen Gesellschaft erfüllt werden kann, weil mehrheitlich “ein Ende des israelischen Völkermordes am palästinensischen Volk gefordert wird“. “Wir hoffen, dass die Regierung von Navarra so schnell wie möglich und in Übereinstimmung mit dem geltenden Völkerrecht handelt“, so die BDZ-Sprecher.

Hinzugefügt wurde, dass der Internationale Gerichtshof in Den Haag “klargestellt hat“, dass es keine wirtschaftlichen und sozialen Argumente gibt, die die Verwendung öffentlicher Gelder zur “Subventionierung eines Unternehmens rechtfertigen, das aktiv mit der illegalen Besetzung Palästinas zusammenarbeitet und davon profitiert“. Klare Worte gegen jede Art von Beteiligung an Apartheid-Projekten in Palästina und überall. (naiz-baskultur)

(2025-02-22)

LÜCKE IN DER FRANQUISTISCHEN STRAFLOSIGKEIT

Nach Francos Tod wurden im spanischen Staat alle Kriegs- und Menschenrechts-Verbrechen des Franquismus mit einer Amnestie aus dem Weg geräumt. Das heißt in 50 Jahren “Demokratie“ wurden nie ein Faschist vor Gericht gestellt. Für die UNO ist dies ein Unding, weil bestimmte Verbrechen nicht verjähren und nicht amnestiert werden können. In Spanien: egal. Aus diesem Grund versuchen verschiedene antifaschistischen Gruppen, in Argentinien gegen den Franquismus zu klagen.

kolu64a22Ein kleiner Lichtblick sind fünf Klagen, zwei davon aus dem Baskenland. Das gab das baskische Menschenrechts-Forum Euskal Herriko Giza Eskubideen Behatokia (GEB) bekannt. Gerichte in Donostia und Madrid haben die Klagen wegen des Todes von Josu Múgica Ayestaran und Txomin Letamendi Murua wegen Polizei-Schüssen und Folter zugelassen. Vielleicht ein kleiner Riss im “Justizbunker“? Nachdem in Spanien bereits 120 Klagen wegen gewaltsamer Todesfälle während der Franco-Diktatur eingereicht wurden, sind bisher nur fünf zur Bearbeitung zugelassen worden, zwei davon betreffen baskische Bürger.

GEB hob die Bedeutung der beiden Gerichtsentscheidungen hervor, zu denen drei weitere kommen, die vom Koordinations-Komitee zur Unterstützung der argentinischen Klage gegen die Verbrechen des Franquismus (CEAQUA) unterstützt und von den Gerichten in Madrid, Elda und Paterna zugelassen wurden. GEB versichert, dass damit “eine mehrheitliche Tendenz unter den spanischen Richtern gebrochen wird, wenn auch zaghaft. Die hatten bisher alle strafrechtlichen Ermittlungen verweigert und verhindert, dass franquistische Verbrecher vor Gericht gestellt werden“.

GEB beklagt, dass “manche Richter als Franco-Befürworter zu Bett gegangen und als Demokraten aufgestanden sind, und in der späteren Demokratie einen regelrechten Justizbunker der Verleugnung der schweren Menschenrechts-Verletzungen gebildet haben, die zwischen den 1940er und 1970er Jahren vom Franco-Regime begangen wurden“. GEB ergänzt, dass sich diese Gerichte gegenüber dem Gesetz 20/2022 über die demokratische Erinnerung “taub stellen“ und sich “am vor-konstitutionellen Amnestiegesetz 46/1977 orientieren und so die Straffreiheit des faschistischen Staatsapparates garantieren“.

Die Kläger argumentieren, dass diese fünf Verfahrenszulassungen “unsere These bestätigen, dass es sich bei diesen Taten zweifellos um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelt und sie daher unaufschiebbar und unanfechtbar sind“, wie es das internationale Recht und das oben genannte Gesetz 20/2022 vorsehen. In diesem Zusammenhang seien “auch einige Sondervoten des Verfassungsgerichts selbst hervorzuheben, in denen die Einleitung von Ermittlungen und ein proaktives Vorgehen der Gerichte in Übereinstimmung mit diesem Gesetz gefordert wird“, fügen sie hinzu.

Zweiter Weg vor der UNO

GEB hat mitgeteilt, dass bereits im Mai letzten Jahres ein zweiter Weg eröffnet wurde, um zu versuchen, die mehrheitliche Haltung der spanischen Richter zu Fall zu bringen, in diesem Fall vor der UNO. Konkret wurde in Zusammenarbeit mit CEAQUA eine gemeinsame Mitteilung an die UN-Berichterstatter für außergerichtliche Hinrichtungen, den Berichterstatter für Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung sowie an die Arbeitsgruppe für das Verschwindenlassen von Personen eingereicht, damit diese eine Analyse der Urteile dieser Gerichte vornehmen können.

GEB kritisiert, dass es der spanische Staat selbst war, der “die Verbrechen, die unter seiner Verantwortung begangen wurden, gedeckt und ihnen absolute Straffreiheit gewährt hat“. Im Fall von Múgica und Letamendi sei eine “inakzeptable Re-Viktimisierung“ für die Familien entstanden, wird beklagt, während GEB gleichzeitig versichert: “wir wollen den Weg der Wahrheit und der Gerechtigkeit gehen, indem wir die im Staat vorhandenen und, wenn nötig, die internationalen juristischen Kanäle nutzen“. Bei dieser Aufgabe vermisst die GEB, im Februar auf ein erstes Jahr als “soziale Staatsanwaltschaft“ zurückblickt, die juristische Unterstützung der baskischen Institutionen, insbesondere der Regierungen von Euskadi und Nafarroa. (naiz-baskultur)

(2025-02-21)

LOHNGEFÄLLE MÄNNER - FRAUEN

kolu64a21Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in der Autonomen Region Baskenland (CAV) beträgt 16,47% und in Navarra 18,54%. Einem Bericht des Fraueninstituts zufolge ist das Lohngefälle bei den unter 20-Jährigen (28,64%) und bei den über 65-Jährigen (25,57%) am stärksten ausgeprägt, während der Unterschied in den Altersgruppen 25-29 (9,81%) und 30-34 (12,93%) geringer ist. Anlässlich des Tages der Lohngleichheit, der am 22. Februar begangen wird, hat das Fraueninstitut, ein Organ des spanischen Gleichstellungsministeriums, eine Studie veröffentlicht mit dem Titel “Das Lohngefälle existiert, lassen Sie sich nicht täuschen“.

Im Bericht wird hervorgehoben, dass das Lohngefälle im spanischen Staat insgesamt bei 17,09% liegt, wie aus den jüngsten Daten der Lohnstruktur-Erhebung für 2022 hervorgeht. Männer hatten ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 29.381,84 Euro, während das von Frauen bei 24.359,82 Euro lag, was einer Differenz von 5.022,02 Euro entspricht.

Der Lohnunterschied hat seinen Ursprung in einem Arbeitsmarkt, auf dem Frauen schlechtere Arbeitsbedingungen haben: ein höherer Grad an Prekarität, der sich aus mehr befristeten und partiellen Verträgen ergibt, größere Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit mit Kindererziehung und mangelnde Mitverantwortung von Männern, die dazu führen, dass sie Urlaub nehmen und sich für Pflegefälle freistellen lassen, größere Präsenz in weniger geschätzten Berufen, niedrigere Löhne in fast allen Tätigkeitsbereichen und schlechtere Berücksichtigung von als weiblich angesehenen Fähigkeiten. Viele dieser Aspekte ließen sich auch mit dem Begriff “patriarchalische Zustände“ beschreiben.

Die Studie bietet Daten, die nach autonomen Gemeinschaften aufgeschlüsselt sind. So liegt der Unterschied in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa insgesamt unter dem staatlichen Durchschnitt, in der CAV verdienen Frauen 16,47% weniger als Männer, in Navarra liegt der Unterschied um zwei Punkte höher bei18,54%. Der Bericht weist darauf hin, dass auch das Alter eine Rolle spielt, da es bei den unter 20-Jährigen und den über 65-Jährigen stärker ausgeprägt ist, während der Unterschied in den Altersgruppen 25-29 und 30-34 geringer ist.

25% erhalten den Mindestlohn oder weniger

In seiner Monographie erklärt das Fraueninstitut, dass Männer auf staatlicher Ebene in fast allen Wirtschaftszweigen ein höheres Durchschnitts-Einkommen erzielen als Frauen und dass die größten Lohnunterschiede bei Verwaltungstätigkeiten (26,69%) und bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Tätigkeiten (26,07%) zu finden sind. Darüber hinaus wird hervorgehoben, dass 24,8% der Frauen ein Einkommen erzielen, das dem inter-professionellen Mindestlohn (SMI) entspricht oder darunter liegt, während dieser Prozentsatz bei den Männern nicht einmal 11% erreicht.

Das Fraueninstitut weist darauf hin, dass sich die Mutterschaft negativ auf die Beschäftigungsfähigkeit von Frauen auswirkt. Die Erwerbsquote der Frauen zwischen 24 und 54 Jahren liegt bei 83,63 %, die der Männer bei 91,67%. Beurlaubungen werden von Frauen zu 88% in Anspruch genommen und 92,4% der Frauen entscheiden sich für eine Teilzeitbeschäftigung oder werden durch äußere Umstände dazu gezwungen. Zusätzlich zu diesen Daten weist das Institut darauf hin, dass Frauen täglich 4 Stunden und 7 Minuten für Pflege- und Haushalts-Tätigkeiten aufwenden, Männer dagegen nur 1 Stunde und 54 Minuten. (naiz-baskultur)

(2025-02-20)

TOD EINES GEFOLTERTEN AKTIVISTEN

kolu64a20bElías Anton, ehemaliger Stadtrat von Iruñea für die ehemalige abertzale Wahl-Koalition Herri Batasuna, ist gestorben. Wegen seines unermüdlichen Einsatzes in der baskischen Linken und für die baskische Unabhängigkeit wurde er mehrmals verhaftet und gefoltert. Seine Geschichte wurde zu einer der 17, die der Stadtrat von Iruñea (Pamplona) zur Unterstützung der so genannten Argentinischen Klage ausgewählt hatte.

Elías Antón war ein unermüdlicher Aktivist, ein Idealist, der für seine Vorstellungen kämpfte und dafür einen hohen Preis bezahlte. Das erste Mal wurde er im Alter von 19 Jahren vom berüchtigten Polizisten Melitón Manzanas gefoltert, den er später als “Sadist“ bezeichnete, obwohl diese Misshandlung, wie er später sagte, nicht die schlimmste war. Die Folterung durch den Gestapo-Kollaborateur Melitón Manzanas fand 1966 statt, nachdem Elías in Alto de Beraun (Pasaia) von Mitgliedern der Franco-Garde verhaftet worden war, als er mit anderen zusammen auf einem Hügel eine baskische Ikurriña-Fahne entrollen wollte. Melitón Manzanas wurde im Juni 1968 zum ersten gezielten Attentatsopfer der Untergrund-Organisation ETA.

1968 wurde er erneut in Urbasa verhaftet, als er versuchte, eine EGI-Ikurriña aufzustellen, er wurde in die Olazagutia-Kaserne gebracht, wo er erneut misshandelt wurde. Die übrigen Häftlinge betonten, dass er besonders häufig misshandelt wurde. Ende der 1970er Jahre war Elías der Gründer von Gestoras pro Amnistia in Nafarroa, eine Organisation zur Unterstützung der baskischen politischen Gefangenen. Antón war 1981 Stadtrat für HB, als er verhaftet wurde, als er in Madrid in seiner Funktion als Stadtrat an einem Symposium über Müllbeseitigung teilnahm. Nach dieser Verhaftung musste er ins Exil nach Iparralde gehen und jenseits des Bidasoa-Flusses Zuflucht suchen. Bei seiner Übergabe an die spanischen Behörden im Jahr 1986 erlebte er eine Folterung, die nach seinen Worten schlimmer war als die, die er durch Manzanas erlitten hatte.

1989 hatte er die Ehre, den Chupinazo zu zünden (die Startrakete zu den Fiestas abzufeuern), mit dem die Sanfermines in jenem Jahr begannen. Nach Patxi Zabaleta und Iñaki Beorlegi war er das dritte HB-Ratsmitglied, das die Lunte zündete. Von Beruf war er Polsterer, seine Werkstatt hatte er im Donibane-Viertel von Pamplona. Sein Bericht über die Folter durch Melitón Manzanas, worüber er mehrere Interviews gab, war eines der Zeugnisse, die vom Stadtrat von Iruñea ausgewählt wurden, um die argentinische Klage gegen die Verbrechen des Franquismus zu unterstützen. Erst zwei Tage vor seinem Tod schickte er einen letzten Beitrag an die Presse, anlässlich der Kontroverse um das Gebäude Los Caídos, da er ein entschiedener Verfechter des Abrisses war. (naiz-baskultur)

(2025-02-19)

UNIVERSITÄT UNTERTSTÜTZT VÖLKERMORD

kolu64a19Bei einer Kundgebung vor der Ingenieur-Abteilung der öffentlichen baskischen Universität UPV/EHU wurde deren Zusammenarbeit mit Unternehmen angeprangert, die mit Israel Geschäfte machen. Die Anwesenheit der Unternehmen CAF, ITP Aero und Sener beim Tag der Beschäftigung und der Unternehmens-Präsentation der UPV/EHU hat eine Reaktion in Form einer Kundgebung mehrerer Gruppen provoziert, denn all diese Unternehmen stehen mit Projekten im kolonialen Israel in Verbindung und sind somit in der einen oder anderen Form an der “Förderung des Völkermordes“ in Palästina beteiligt.

Die Gruppen Ongi Etorri Errefuxiatuak, KEM-MOC Bilbao, Kakitzat, BDZ und Palestina Uribe-Kosta haben am Dienstag in Bilbao zu einer Kundgebung gegen die Zusammenarbeit der UPV/EHU mit Unternehmen aufgerufen, die Beziehungen zu Israel unterhalten. Die Demonstrant*innen versammelten sich vor der Ingenieurschule der UPV/EHU. “Wir verurteilen es, dass Studenten Praktika in Unternehmen machen, die mit Völkermord, Krieg und Tod Geschäfte machen“, heißt es in einer Erklärung.

In diesem Zusammenhang erinnerten sie daran, dass CAF aus Beasain (Eisenbahnen und Straßenbahnen) sich am Ausbau der Stadtbahn beteiligt hat, die den westlichen Teil Jerusalems mit den Siedlungen in Ostjerusalem verbindet, und damit zum Komplizen der Besatzung geworden ist“. Den Unternehmen ITP Aero und Sener wird vorgeworfen, am “industriellen Teil des Krieges“ beteiligt zu sein.

Während ITP das Triebwerk für das Kampfflugzeug Eurofighter herstellt und am A400M- und MTRI-Flugzeugprojekt beteiligt ist und zudem das Triebwerk für den Tiger-Hubschrauber entwickelt, ist Sener mit einem Teil seiner Produktion im Bereich der Verteidigung aktiv. Die Gruppen wandten sich an den neuen Rektor Joxerramon Bengoetxea, um ihn daran zu erinnern, dass er vor seinem Amtsantritt erklärt hat, dass “die Universitäts-Gemeinschaft dem Krieg, dem Vormarsch der extremen Rechten und den Hassreden entgegentreten muss“, weshalb “wir angesichts des Völkermords in Palästina nicht wegschauen können“. Aus diesem Grund haben sie die UPV/EHU aufgefordert, keine Vereinbarungen zu treffen und nicht mit Universitäten, Regierungen und Unternehmen zusammenzuarbeiten, die “Völkermord“ fördern oder damit Geschäfte machen.

Nach einem Bericht des Kollektivs Gasteizkoak vom vergangenen Dezember hat sich die Zahl der Unternehmen, Zentren oder Einrichtungen in Hego Euskal Herria, die mit der Rüstungsindustrie verbunden sind, in weniger als 20 Jahren verdreifacht, von 70 im Jahr 2005 auf 206 im Jahr 2024. Nach den von Gasteizkoak zusammengestellten Daten sind 187 dieser 206 Einrichtungen Unternehmen, 11 davon sind Technologie- oder Forschungszentren, fünf sind Universitäten und drei sind Finanzinstitute. (ecuador etxea-baskultur)

(2025-02-18)

TOURISMUS KONTROLLIEREN

kolu64a18Die Stadtrats-Fraktion EH Bildu hat einen Vorschlag zur Regulierung der touristischen Aktivitäten in Bilbao insgesamt vorgelegt, einschließlich Hotels und anderer Einrichtungen. Darin wird die Stadt drei Zonen aufgeteilt: gesättigte Zonen, von Sättigung bedroht, und die übrigen. Festgelegt werden sollen zwei Indikatoren, auf deren Grundlage spezifische Maßnahmen ergriffen werden, “um mittel- und langfristig umfassende Lösungen zu bieten“.

Die Initiatorinnen des Vorschlags warnten davor, der Vorschlag der Stadtverwaltung beschränke sich nur darauf, einige Bereiche der Stadt zu regeln, nicht alle. “Das wird einen Ölteppich erzeugen, der dazu führen wird, dass sich die Touristenwohnungen auf den Rest der Stadtteile ausbreiten, insbesondere auf die angrenzenden“. Sie erklärten, dass die aktuelle Tourismus-Politik “sich darauf beschränkt, Ferienwohnungen in bestimmten Gebieten zu regeln, ohne das gesamte touristische Angebot zu berücksichtigen und dem Bau neuer Hotels freie Hand zu lassen“. Das sei sehr vage, stehe im Widerspruch dazu, dass Bilbao zu einem Gebiet mit Wohnungsknappheit erklärt werde. Offen bliebe die Frage: Wo liegt die Tourismus-Grenze von Bilbao?

Festlegung einer Belastungsgrenze

So kündigte Renedo an, dass EH Bildu mit seinem Vorschlag zwei Indikatoren vorschlägt, die in das Europäische System der Tourismusindikatoren aufgenommen wurden, das auf die Förderung nachhaltiger Reiseziele abzielt. „Mit dem ersten Indikator soll die Tragfähigkeit oder die maximale Anzahl von Touristen ermittelt werden, die gleichzeitig in der Stadt übernachten können, ohne dass die Lebensqualität der Einwohner von Bilbao beeinträchtigt wird. Beim zweiten Indikator geht es darum, den Wohnpark zu schützen, um das Recht auf Wohnen zu gewährleisten“, erklärte er.

EH Bildu wies darauf hin, dass das touristische Gesamtangebot auf maximal 10 Betten pro 100 Einwohner festgelegt werden müsse, um eine Überbelegung zu vermeiden. Dies sei der Indikator, den Donostia anwenden wolle. Den übertreffe Bilbo in der Altstadt und in Abando bereits, in Uribarri fast. EH Bildu schlägt daher vor, in Stadtvierteln, die diesen Indikator überschritten haben, keine neuen Unterkunfts-Genehmigungen mehr zu erteilen und in Zukunft “die Genehmigungen durch Nichtverlängerung zu reduzieren“.

Schutz des Wohnparks

Mit dem zweiten Indikator soll die touristische Nutzung des in der Stadt vorhandenen Wohnparks auf 2% begrenzt werden, ein Prozentsatz, der in Olabeaga, Casco Viejo, Bilbao La Vieja, San Francisco, Zabala, Iturralde und Atxuri schon längst überschritten wird. Also keine neuen Tourismus-Wohnungen, die alten reduzieren. Darüber hinaus schlägt EH Bildu vor, besondere Maßnahmen für Viertel zu ergreifen, in denen die Gefahr einer Sättigung besteht, in denen bereits mehr als 1% des Wohnungsbestands an den Tourismus geht. Dort sollen die Tourismus-Objekte einen unabhängigen Zugang von der Straße aus haben, nicht über das Portal. Diese Regelung ist von der Stadtverwaltung nur für die am stärksten gesättigten Gebiete vorgesehen.

Für den Rest von Bilbao soll gelten: das Verbot von Hotels in Wohngebäuden, die Festlegung einer Höchstzahl von Touristen-Unterkünften pro Wohngebäude, die Einhaltung der Lärmschutz-Vorschriften für neue T-Wohnungen. „Unser Ziel ist es, ein Instrument zu schaffen, das sowohl heute als auch in Zukunft nützlich ist, da das touristische Angebot in Bilbao zunehmen wird und es unerlässlich ist, Mechanismen zu schaffen, die es uns ermöglichen, uns an die neuen Gegebenheiten anzupassen“.

Derzeit gibt es in Bilbao 17.939 legal registrierte Touristen-Unterkünfte verschiedenster Art: Touristenwohnungen und -zimmer, touristische Einrichtungen wie Hotels, Pensionen, Herbergen, Hostels. Nach Schätzungen der Stadtverwaltung werden zu dieser letzten Gruppe in den nächsten zwei Jahren mehr als 2.200 hinzukommen – alle per Genehmigung des Rathauses. Zu berücksichtigen ist, dass die Hotel-Übernachtungen in Bilbao jährlich um 10,9% ansteigen – beängstigende Zahlen.

Die Zahl der Touristenunterkünfte und -zimmer ist in den letzten sechs Jahren um 757% gestiegen, 2024 hat sie 5.201 Betten erreicht, wobei sich die Zahl allein in den letzten beiden Jahren verdoppelt hat. In diesen Zahlen sind illegale Unterkünfte nicht berücksichtigt, so dass das Ausmaß des Problems nicht wirklich bekannt ist. (naiz-baskultur)

(2025-02-15)

BEDEUTUNG DER EINWANDERUNG IN NAFARROA

kolu64a15Die Senatorin für Migrationspolitik von Navarra antwortete auf eine parlamentarische Anfrage, dass “Navarra in die 1950er Jahre zurückfallen würde, wenn die Migranten das Land verlassen würden“. Sie versicherte, dass die Migranten doppelt so viel zurückgeben, wie in sie investiert wird. - Die Regional-Senatorin für Wohnungswesen, Jugend und Migrationspolitik, sagte am Donnerstag, dass Navarra in die 1950er Jahre zurückversetzt würde, wenn die Migranten die Region verlassen würden, es handele sich um 133.000 Menschen, die “für jeden in sie investierten Euro zwei Euro zurückbrächten“ – eine vielleicht wohlgemeinte aber etwas unmenschlich ausfallende Rechnung. Sie wies darauf hin, dass die Migranten 19,1% der Bevölkerung Navarras ausmachen, während es 2002 noch 5,6% waren, und sagte voraus, dass es in 20 Jahren mehr als 200.000 Menschen sein werden.

“Das heutige Navarra wäre ohne die Einwanderer undenkbar, es wäre sehr viel ärmer“, so die Senatorin. Außerdem legte sie Daten aus dem Bericht der Regierung vor. Sie bedauerte, dass sie trotz der Daten nicht in der Lage seien, “das Ruder rechtsextremer Diskurse herumzureißen“.

“Wenn die Migranten morgen beschließen würden, das Land zu verlassen, würde die Wirtschaft zusammenbrechen und wichtige Arbeitsplätze würden unbesetzt bleiben“, fügte sie hinzu. In Bezug auf den Diskurs gegen die irreguläre Einwanderung, die als “illegal“ bezeichnet werde, sagte sie, dass “viele der 133.000, die sich jetzt in einer regulären Situation befinden, einmal in dieser illegalen Lage waren, das ist das universelle Gesetz der Migration“.

Sie räumte ein, dass es “immer, wenn sich Kulturen kreuzen, zu Konflikten kommt“, aber dass es zwei Möglichkeiten gebe, damit umzugehen: “die Konflikte zu schüren oder zu versuchen, sie zu löschen und die Grundlagen für ein vernünftiges interkulturelles Zusammenleben zu schaffen“. - “Es stimmt, es gibt viel Geld, um die Strategie der Rechtsextremen zu finanzieren“, räumte sie ein, aber sie sei überzeugt, dass die Gesellschaft Navarras sich nicht für deren Hassdiskurse entscheiden wird. “Wir arbeiten daran, das multikulturelle Netzwerk zu konsolidieren, zu vermitteln, den Unterricht in Kastilisch und Baskisch zu verstärken, Ratschläge zu geben und rassistisches Verhalten anzuprangern. Niemand verlässt freiwillig sein Land und lässt seine Familie zurück“, sagte sie.

Nicht nur nicht rassistisch, sondern antirassistisch

Der Podemos-Parlamentarier, der die Senatorin befragt hatte, wies darauf hin, dass “Rassismus tagtäglich existiert, er ist eine Geißel, die durch oberflächliche Reden und Hassbotschaften, die auch in diesem Saal von unverantwortlichen Politikern zu hören waren, noch verstärkt wird“. - “Hass ist nicht neutral, er ist ein Angriff auf die Menschenrechte. Wir müssen uns unserer Rolle bewusst sein, es reicht nicht aus, nicht rassistisch zu sein, wir müssen antirassistisch sein“, sagte er.

Er wandte sich gegen die Hassreden derjenigen, „die glauben, dass sie aufgrund ihrer Nationalität besser sind.

Eine Abgeordnete der rechten Partei UPN wies darauf hin, dass die Verteidigung der Menschenrechte für ihre Partei von grundlegender Bedeutung sei, stellte jedoch klar, dass die Politik der Regierung nicht funktioniere. “Diese bessere Zukunft hängt von organisierten Migrationsströmen ab, und wenn diese nicht geregelt werden, könnte dies ein Problem für die Migranten und die Aufnahmeländer darstellen“, sagte sie. Vorsichtig ausgedrückt, Faschisten wie Vox gibt es im navarrischen Parlament nicht. Vielleicht noch nicht.

Im Namen der sozialdemokratischen PSN wurde bekräftigt, dass moderne, fortschrittliche Gesellschaften dank der Migration entstanden seien: “Das ist die treibende Kraft des Fortschritts in Navarra, ein wichtiger Beitrag“. Ein Vertreter von EH Bildu erinnerte daran, dass “in der Migrationspolitik der EU und des spanischen Staates entschieden wurde, eine Person als illegal zu betrachten und Migranten zurückzuschicken“. Außerdem wies er darauf hin, dass “wir in Nafarroa keine Souveränität über diese Gesetzgebung haben, die Migranten ohne Schutz lassen“. - “Wir müssen Fortschritte bei der zügigen Registrierung in den Meldeämtern machen und den Zugang zu Ressourcen ermöglichen, ohne dass ein Wohnsitz erforderlich ist“, fügte er hinzu.

Geroa Bai erklärte, dass “wir uns auf die Aufnahme und Integration konzentrieren müssen, es gibt Konflikte und um diese zu vermeiden, ist das Rezept der Ultrarechten nicht das beste und es ist einfach, dieses Rezept in der Gesellschaft zu verbreiten“. Die PP-Abgeordnete erinnerte daran, dass “der Staat die Zuständigkeit hat und die Migrationskrise schwerwiegend ist“. Sie forderte “Maßnahmen zum Schutz unserer Bürger und derjenigen, die hierher kommen“. Der Vertreter von Vox sagte, seine Partei sei für eine “legale Einwanderung, die die spanische Realität respektiert“. Er sagte weiter, dass es “Menschen gibt, die auf der Straße leben, aufgrund der Unverantwortlichkeit der Progressiven“. (naiz-baskultur)

(2025-02-14)

GIGANTISCHE SUMMEN FÜR KEINEN ZUG

Der spanische Verkehrs-Minister ist ein Freund klarer Worte: Die Kosten des im Bau befindlichen Hochgeschwindigkeits-Zuges (AHT-TAV) durch das Baskenland (das “baskische Y“) haben bereits 5 Milliarden Euro erreicht und werden laut Minister Puente auf 9 Milliarden ansteigen. Dabei sind die neuen Bahnhöfe in Bilbao und Gasteiz nicht eingerechnet, weil sie “noch in Planung“ sind. Der Minister für Verkehr und nachhaltige Mobilität, Óscar Puente, hat zusammen mit dem Donosti-Bürgermeister, Eneko Goia, die Arbeiten am neuen Bahnhof besucht.

Der Minister erklärte, dass 2025 der letzte große Schub für die Fertigstellung der Abzweigungen sein wird. Abgesehen von einigen Details. Das glaubt niemand, andere sprachen bereits von 2027 als Termin für die Fertigstellung des Projekts, das im Flug über das Baskenland hinweg zieht, außer den Hauptstädten keine Haltestellen bietet und somit keinerlei Lösung der Transportprobleme darstellt. 9 Milliarden für die Verbindung von Paris nach Madrid, den Preis bezahlt die baskische Landschaft, die mit Tunnels, Brücken und Hochterrassen übersät wird. 9 Milliarden aus den Staatskassen ohne positiven Effekt für das betroffene Gebiet.

Er teilte mit, dass die Investitionen in die Hochgeschwindigkeitsstrecke bereits 5 Milliarden Euro von den geplanten Gesamtkosten in Höhe von 9 Milliarden Euro erreicht haben, „wobei die Bahnhöfe Bilbao und Vitoria noch in der Planung sind“ und dass „sie den Höhepunkt“ dieser Infrastruktur darstellen werden.

In einem Bericht des Europäischen Rechnungshofs wurde die Kostenüberschreitung des “baskischen Y“ im Jahr 2020 auf 54,7% gegenüber den ursprünglich veranschlagten 4,2 Milliarden Euro geschätzt. Puente rechtfertigte die erforderliche Gesamtinvestition von 9 Mrd. Euro als “Antwort auf die Einzigartigkeit der baskischen Orographie“, wobei “80% des Y (wegen der Form des Streckenverlaufs) aus Tunneln oder Viadukten bestehen“, was “eine technische Meisterleistung“ voraussetze, zu der “viele umweltbedingte Faktoren“ hinzukämen. Meisterleistung in den Augen der einen, komplette Verschandelung der Landschaft für andere.

Auf jeden Fall sei die Plattform dieser Infrastruktur bereits “praktisch fertig“ und man arbeite “an den Projekten zur Elektrifizierung und zum Einbau von Gleisen“ im Rahmen der Realisierung des gesamten Atlantik-Korridors und “mit dem Ziel, die von der Europäischen Kommission gesetzten Fristen für die Fertigstellung des europäischen Verkehrsnetzes, des TEN-V-Netzes, bis 2030 einzuhalten“. Spanien werde diese Verpflichtung einhalten, versicherte er.

Im Hinblick auf die Bahnhñfe in Bilbao und Gasteiz erklärte er, dass die Regierung sich verpflichtet habe, “die Ausführung zu beschleunigen“. Es gäbe “bereits Studien und Projekte für den neuen Bahnhof von Bilbao-Abando (ein Spekulationsobjekt ohne Vergleich mit Luxus-Wohnungen und Gentrifizierung von Arbeitervierteln), das Projekt für Gasteiz und die Strecken-Kreuzung, die der eigentliche Engpass war, der den endgültigen Fortschritt des baskischen Y verhindert hat und der nun glücklicherweise beseitigt wurde“.

Ebenso verwies er auf die acht Kilometer lange HG-Strecke im angrenzenden Burgos, die „bald“ für mehr als 400 Millionen Euro ausgeschrieben werden soll – sicher werden auch daraus später zwei Milliarden. Gleichzeitig laufen die Arbeiten an der Verbindung des Y mit Nafarroa mit den notwendigen geotechnischen Untersuchungen.

Der Verkehrsminister erklärt, dass das “baskische Y“ im Jahr seiner Inbetriebnahme schätzungsweise 65 Personenzüge und 7 Güterzüge pro Richtung und Tag befördern kann, was jedoch von den Unternehmen abhänge, die ihre Dienste auf dieser Strecke anbieten wollen – öffentliche Finanzierung, private Angebote und Profite, so funktioniert Kapitalismus.

In den Bahnhof Donostia Nord wurden bislang 93 Millionen Euro investiert, es sei der erste Bahnhof in der Autonomen Region Baskenland der fertiggestellt sei, wenn der HGZ fertig sei. Die beiden anderen Bahnhöfe also nicht. Mehr als 20 Jahre Geldverschwendung ohne Nutzen für die Bevölkerung. Die baskischen Gewerkschaften fordern ebenfalls seit 25 Jahren einen “sozialen Zug“ mit Haltestellen und mehr Güterverkehr – vergeblich. (baskultur)

(2025-02-13)

TAG GEGEN DIE FOLTER

kolu64a13Der 26. Juni ist seit 1997 “Internationaler Tag der Vereinten Nationen zur Unterstützung von Folteropfern“ – Folter gilt als “Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und verjährt somit nicht … außer es handelt sich um einen Staat, in dem die schlimmsten Kriegs- und Menschenrechts-Verbrechen (Franquismus) mit einer politischen Amnestie (1977) vom Tisch gefegt werden. Was der UNO der 26. Juni, ist den Bask+innen der heutige 13. Februar: “Tag gegen die Folter“ – ein massiver Trauertag ganz kurz von dem Valentin der Liebe. Massiv deshalb, weil geschätzte 10.000 Baskinnen und Basken seit den 1960er Jahren die “tormenta“ erlitten haben, ein etwas verschleiernder Begriff für die Folter. 5.400 davon sind politisch anerkannt, zumindest in baskischen Gefilden, der Rest-Staat schaut staunend und/oder ablehnend zu.

An diesem “Tag gegen die Folter“ ergriff der Generalsekretär der abertzalen Koalition Arnaldo Otegi in den sozialen Netzwerken das Wort und schrieb von seinen Tagen der Haft und den erlittenen Qualen. In einer Art von Tagebuch der Misshandlungen und Demütigungen, die er in der Kaserne der Guardia Civil in Intxaurrondo in Donostia und in der General-Direktion der Guardia Civil von Madrid im Juli 1987 erlitten hat.

Dass Folter nicht einfach nur körperliche oder psychische Misshandlung ist, wurde einmal mehr am 13. Februar 1981 deutlich, damals starb der ETA-Aktivist Joxe Arregi im Gefängniskrankenhaus von Carabanchel an den Folgen der Folter, der er von spanischen Polizeibeamten der General-Direktion für Sicherheit in Madrid ausgesetzt war. Er war weder der erste noch der letzte, dessen Leben auf diese Art beendet wurde. Die letzten von ihm überlieferten Worte waren “oso latza izan da“ (es war brutal), was blieb waren die Fotos seines zerschundenen Leichnams, die das Baskenland erschütterten. Auch in Zukunft wird der 13. Februar ein Aktionstag gegen die Folter sein.

Und aus diesem Anlass hat der Generalsekretär von EH Bildu, Arnaldo Otegi, beschlossen, in den sozialen Netzwerken einen Beitrag zu verfassen, in dem er Tag für Tag von seiner Verhaftung und seiner Zeit in der Kaserne der Guardia Civil in Intxaurrondo und der Kaserne in Madrid im Juli 1987 berichtet.

Dies ist sein Bericht:

Tag 1: Sie steckten mich in eine Zwangsjacke und tauchten mich immer wieder in die Badewanne. Das machten sie immer wieder, bis ich das Bewusstsein verlor.

Tag 2: Wieder und wieder die Badewanne, aber begleitet von der Anwendung von Elektroschocks. Den ganzen Tag lang.

Tag 3. Jetzt kommen Schläge hinzu und lange Verhöre mit Drohungen gegen meinen Sohn und meine Familie. Todesdrohungen.

Tag 4. Die Tortur geht weiter. Elektroschocks, die Badewanne und Drohungen. Am vierten Tag wird mir eine Pistole auf den Tisch gelegt und ich werde aufgefordert, sie zu nehmen und zu fliehen.

Tag 5. Aussage mit einem Anwalt. Ich weiß nicht, ob es ein Anwalt ist oder einer von der Guardia Civil. Sie sagen mir, ich solle alles unterschreiben oder wir würden wieder von vorne anfangen. Ich lehne alles ab und unterschreibe nicht.

Tag 6. Ich gehe ins Gefängnis und zeige die Folter an. Meine Anzeige geht bis zu den Vereinten Nationen.

(Interview Otegi 2005)

F: Sie wurden in Frankreich verhaftet und der Guardia Civil übergeben. Wie hat man Sie behandelt?

A: Meine Folterbeschwerde muss noch in einem Gericht herumliegen. Wie hat man mich behandelt? Damals gab es eine Art Pakt zwischen der französischen und der spanischen Regierung, der besagte, dass diejenigen, die ausgeliefert wurden, nicht länger als drei Tage in der Kaserne bleiben durften. Ich war fünf Tage lang dort, zwischen Intxaurrondo in Donostia und Guzmán el Bueno in Madrid. Ich glaube, mein Freund Agustín Azkarate war am längsten dort, sieben Tage lang. Er ist jetzt in Kuba. Ich erinnere mich an ihn, weil wir immer scherzten, dass er ein Goldmedaillen-Gewinner war und ich ein Silbermedaillen-Gewinner unter denen, die ausgeliefert wurden. Vor meiner Übergabe an der Grenze ließen mich die Gendarmen allein in einem Raum zurück, ohne zu wissen, dass es dort ein Telefon gab, so dass mitteilen konnte, dass ich ausgeliefert werden würde, wann, wo und an wen. Die französische Polizei sagte mir, dass sie mich an die spanische Polizei übergeben würde, aber als ich sah, dass die UAR (Unidad Antiterrorista Rural – Ländliche Antiterror-Einheit) an der Grenze auf mich wartete, wusste ich, dass sie mich der Guardia Civil übergeben würden. Als ich ins Auto stieg, sagten sie als erstes zu mir: “Du weißt, wer wir sind, wir sind die Guardia Civil, nur damit du weißt, wer wir sind. Mit wem ich in Intxaurrondo zusammen gewesen war, wurde mir klar, als die Tageszeitung El Mundo begann, die GAL-Verschwörungen aufzudecken und ein Foto von Galindos Männern veröffentlicht wurde, auf dem ich viele von ihnen wieder erkannte. Sobald ich nach Intxaurrondo kam, steckten sie mich in einen Raum mit einem Tisch, etwas Papier und einem Stift. Zu dieser Zeit war die Fernsehsendung “Un, dos, tres“ in Mode, einige Teilnehmer spielten die Rolle der “Leidenden“. Sie sagten zu mir: “Hier kannst du als Teilnehmer oder als Leidender mitmachen. Du hast zehn Minuten Zeit, um alles aufzuschreiben, was du weißt. Deine ganze Organisation war in diesem Raum und alle haben über dich gesprochen. Es liegt an dir, auf Biegen und Brechen“. Das war die harte Tour.

Welchen Zweck erfüllt die Folter? Um Informationen zu erhalten, um Selbstbezichtigungen zu erlangen oder um einen ganzen gesellschaftlichen Bereich in Angst und Schrecken zu versetzen?

Eine Kombination aus allem. Der kleinste Teil ist die Beschaffung von Informationen. Ein anderer Teil ist reine Rache. Und ein weiterer Teil besteht darin, einem breiten sozialen Sektor mit den Schrecken der Folter zu drohen. Es werden Menschen gefoltert, von denen man weiß, dass sie keine Aktivisten sind und keine Informationen haben, das dient nur zur Selbstbefriedigung des Täters, einem Psychopathen. Oder damit er dem Verlassen der Polizeiwache verbreiten kann, was er drinnen gemacht hat, um zu versuchen, so viel Angst wie möglich unter den Menschen zu verbreiten und sie daran zu hindern, Kompromisse einzugehen.

Wie sollte die Frage der Folter, der Polizeirazzien, der Todesfälle an den Kontrollpunkten usw. in einem Konfliktlösungs-Prozess behandelt werden?

Deshalb habe ich vorhin die Frage der Opfer erwähnt. Hier gibt es einen Teil der Opfer, der sich Gehör verschafft, und einen anderen Teil, der sich im Moment noch nicht zu Wort meldet. Aber in einem Konfliktlösungs-Prozess muss nach Ansicht der baskischen Linken ganz Euskal Herria als Opfer zweier Staaten betrachtet werden. Wir werden über die Opfer sprechen müssen, die die Staaten in diesem Land verursacht haben, und sie werden in irgendeiner Weise entschädigt werden müssen. Die Polizeirazzien, Folterungen und Kriegseinsätze der Besatzer müssen von Anfang an neutralisiert werden. Das ist das Mindeste, was man fordern kann. Dann wird es eine Zeit geben, in der wir über den Abzug dieser Kräfte aus Euskal Herria sprechen müssen.

Sollte die Einrichtung von Wahrheits-Kommissionen in irgendeiner Form gefördert werden, oder ist es besser, das die Sache zu vergessen?

Wir sind nicht dafür, zur Tagesordnung überzugehen. Eine andere Sache ist es, die Opfer gegen den Prozess auszunutzen oder eine bestimmte Art von Rache zu suchen. Dies entspricht nicht unserer Position. Aber wir sind auch nicht für das Vergessen. Wir wollen weder vergessen noch vergeben als Mauer gegen den Lösung Prozess. Aber wir vergessen nicht. // (Die Fragen und Antworten wurden vor 20 Jahren gestellt und beantwortet.) (naiz-baskultur)

(2025-02-12)

WASSER IN DER ERINNERUNGS-KIRCHE

kolu64a12Die Regierung in Madrid kündigte vor einigen Wochen an, dass sie im März 2025 die Kirche San Francisco de Asís in Vitoria-Gasteiz (VG) und die blutigen Ereignisse des 3. März 1976 im Rahmen der Veranstaltungen zum 50. Jahrestag des Todes von Francisco Franco als Ort der Erinnerung anerkennen wird. Gleichzeitig warten die baskischen Behörden auf den Abschluss der bürokratischen Verfahren, damit das Gebäude im Arbeiterviertel Zaramaga als Gedenkstätte für das Massaker an Arbeitern bei der Niederschlagung des Streiks von 1976 eingerichtet werden kann.

Doch in der Zwischenzeit verfällt die Kirche von innen und außen. Ein im Jahr 2022 in Auftrag gegebenes architektonisches Gutachten kam bereits zu dem Schluss, dass das Gebäude strukturelle Schäden aufweist, deren Behebung eine Investition von 1,5 Millionen Euro erfordert. Nach Aussagen von Zeugen, die Zugang zu den Innenräumen hatten, ist die Situation sogar deutlich schlimmer. Bisher hat sich keine Institution um die Räumlichkeiten gekümmert. Während das bürokratische Labyrinth der Eigentumsverhältnisse, der Satzung und Namen der Stiftungsmitglieder weitergeht, verschlechtert sich die Situation im Inneren des Gebäudes, was eine baldige Eröffnung als Gedenkstätte schwieriger, kostspieliger und unwahrscheinlicher und macht.

3. März 1976

Worum geht es in der Gedenkstätte? Nach Diktator Francos Tod im November 1975 kämpften große Teile der baskischen und spanischen Gesellschaft für radikale Veränderungen im Staat. Nicht zuletzt die Arbeiterbewegung spielte dabei eine große Rolle. Gewerkschaften und Parteien gab es Anfang 1976 noch nicht, sie waren weiterhin verboten, die Bewegung in den Fabriken nahm ihre Interessen selbst in die Hand und organisierte sich basisdemokratisch in Vollversammlungen. In VG wurde mehrere Generalstreiks ausgerufen, mit arbeitstechnischen und politischen Forderungen, die Industrie stand still, die Versammlungen fanden in der modernistischen Kirche San Francisco de Asís statt.

Doch der spanische Faschismus war noch nicht geschlagen, die alten Schergen bei Militär, Justiz und Polizei hatten noch die Befehlsgewalt. Sie schickten die Nationalpolizei (Los Grises) zur SF-Kirche, um sie zu räumen. Erst wurden Rauchbomben durch Fenster geworfen, als die Versammlung nach draußen flüchtete, wurde scharf geschossen. Es kam zu fünf Toten und Hunderten von Verletzten: das Massaker vom dritten März in VG.

Lange Zeit lag die Erinnerungs-Arbeit in den Händen der Nachbarn und Angehörigen von Zaramaga. Erst mehr als 40 Jahre nach dem Massaker übernahm die spanische Regierung einen Teil dieser Verantwortung. Die Kirche ist mittlerweile keine Kirche mehr und soll nach schwierigen Verhandlungen zum Erinnerungs-Museum werden. Versteht sich von selbst, dass diese offizielle Anerkennung von staatlichem Terror nicht allen passt, denn die spanische Rechte hegt nach wie vor Sympathien mit dem Franquismus (ganz zu schweigen von den Vox-Neofaschisten) und will von Erinnerung nichts wissen. Für sie waren die Streikenden kriminelle Arbeitsverweigerer, die zur Ordnung gerufen werden mussten.

Vom Ort des Massakers zum Memoria-Museum

Auch wenn die Umwidmung beschlossen ist, mahlen die Mühlen langsam. Jahrelange Vernachlässigung führte zu einer Verschlechterung des Gebäude-Zustands. Undichte Fenster und Dächer, Pfützen im Inneren. “Es gibt mehr Bereiche als vor einem Jahr, in die Wasser eindringt, überall Lecks, viele Wände sind völlig durchnässt, auch da, wo Kabel durchlaufen. Einige dieser Lecks führen direkt auf Kirchenmöbel und Bänke“. Von besonderer historischer Bedeutung ist, dass einige dieser Lecks sehr nahe an den Fenstern liegen, wo sich Einschusslöcher von 1976 befinden, die zur Veranschaulichung der Ereignisse unbedingt erhalten werden sollen. Das äußere Erscheinungsbild der Kirche ist “desolat“. In der Tat sind Teile des Daches abgefallen und diejenigen, die bereits beschädigt waren, sind größer geworden“.

Jahre und Geld verloren

Im Jahr 2014 hatte das Bistum Gasteiz beschlossen, die Kirche San Francisco de Asís für Gottesdienste zu schließen, zu diesem Zeitpunkt wurde bereits die Einrichtung einer Art Gedenkstätte in Erwägung gezogen. Im Februar 2021 wurde zwischen der baskischen Regierung, dem Provinzrat, der Stadtverwaltung und dem Bistum ein Absichtsprotokoll zur Einrichtung einer Gedenkstätte unterzeichnet. Es wurden Schritte zur Gründung einer Stiftung unternommen, die jedoch noch nicht registriert ist.

Der baskischen Fraktion von EH Bildu im spanischen Parlament ist es bei den Verhandlungen über den allgemeinen Staatshaushalt gelungen, einen Posten von 600.000 Euro zur teilweisen Finanzierung der Renovierungs-Arbeiten einzuplanen. Dieser Posten wurde jedoch nicht ausgeführt, wann zur Trockenlegung übergegangen werden soll, ist unklar. Die Erinnerung schwimmt weg, die Faschisten reiben sich die Hände, den Demokraten mit ihrem Memoria-Versprechen geht jegliche Glaubwürdigkeit verloren. (naiz-baskultur)

(2025-02-11)

SECHS JAHRE MIGRANTEN-EMPFANG

kolu64a11Woher der Name kommt, weiß niemand mehr so recht, doch die Einrichtung wird Martin Etxea, Martin-Haus genannt und besteht seit nunmehr sechs Jahren im kleinen Bergbauort Gallarta. Zusammen mit einem breiten Netzwerk von Freiwilligen nimmt die Einrichtung Menschenrechtler*innen auf, die wegen Bedrohung aus ihren Ländern fliehen mussten, und begleitet sie. In sechs Jahren wurden 45 Personen aus Kolumbien, Guatemala, El Salvador, Sahara, den Gebieten Rif und Atlas, Marokko und Palästina aufgenommen.

Die Einrichtung mit Sitz in Gallarta, Bizkaia, kann 21 Personen aufnehmen und setzt sich dafür ein, dass Schutzbedürftigen ein autonomes Leben außerhalb der Einrichtung führen können. Ein Netz von Freiwilligen hilft dabei, Begleitung und öffentliche Anklage gehören zur Arbeit. Geschaffen werden Begegnungs-Möglichkeiten zwischen den Bewohner*innen und der baskischen Gesellschaft in Form von Gesprächen, Erfahrungen und Nachbarschafts-Arbeit (Auzolan).

In diesen sechs Jahren wurden insgesamt 45 Menschen aufgenommen, seit das Projekt 2019 in der Nachbarschaft von Santa Juliana de Gallarta in der Bizkaia-Gemeinde Abanto begann. Nachdem der Stiftung Mundu Bat (eine Welt) ein Haus vererbt wurde, startete sie das Schutzprojekt in Zusammenarbeit mit dem Freiwilligen-Netzwerk Ongi Etorri Errefuxiatuak (Herzlich Willkommen Flüchtlinge). Zunächst mit einer Kapazität von 12 Plätzen und später, nach der Vereinbarung über die Abtretung eines neuen Raums im selben Viertel, wurde es auf die derzeitigen 21 Plätze erweitert.

Begleitung und Förderung von Menschenrechten

Wie die Projektträger erläutern, erhalten die aufgenommenen Personen, die im Durchschnitt anderthalb Jahre bleiben, eine individuelle Begleitung, um ihre Situation zu regeln, sich beruflich weiterzubilden, sich um ihre Gesundheit zu kümmern und die Agenda der internationalen Organisationen, die sie unterstützen, zu fördern. “Es geht nicht nur darum, sie aufzunehmen, sondern sie professionell zu begleiten, damit sie ihr Leben und ihre Angelegenheiten wieder selbst in die Hand nehmen können“, betont Eneko Gerrikabeitia, Mitglied des Teams von Martin Etxea. Nach dieser Zeit können sie ihr Leben und ihre Projekte selbständig und unabhängig weiterführen.

Die Einrichtung hat Vereinbarungen mit den wichtigsten Berufsbildungs-Zentren der Region getroffen, sowohl für die Ausbildung der Menschen, die sie beherbergt, als auch für den Austausch von Erfahrungen zur Sensibilisierung der übrigen Schüler*innen der Zentren und ihrer Lehrer*innen.

Martin Etxea ist auch Teil von La Vía Campesina (Der bäuerliche Weg, internationale Organisation) zur Förderung agrar-ökologischer und ernährungs-autonomer Projekte im großen Bio-Gemüsegarten und dem Hühnerstall, die das Haus zur Selbstversorgung und für freiwillige Aktivitäten besitzt. In dieser Zeit fanden hier verschiedene Workshops der Landwirtschafts-Gewerkschaft EHNE Bizkaia zum Thema Unternehmens-Gründung auf dem Lande statt.

Ort der Begegnung

Der Bio-Gemüsegarten und der Hühnerstall sind strategische Orte der Begegnung zwischen den aufgenommenen Personen und dem breiten Netz von Freiwilligen. Jeden Monat findet ein Auzolan-Tag zur Pflege und zum kulturellen Austausch statt.

“Wir wollen ein Treffpunkt sowohl für das Netzwerk der Freiwilligen als auch für die Gesellschaft von Gallarta, Bizkaia und Baskenland im Allgemeinen sein. Wir sind überzeugt von der Machbarkeit von Alternativen, es ist möglich, Migranten aus anderen Teilen der Welt in unseren Städten aufzunehmen und denjenigen Zuflucht zu gewähren, die aufgrund der Konflikte in ihren Herkunftsländern ihr Leben retten müssen“, bemerkt Gerrikabeitia.

Neue Website und erneuerte Partnerschaften

In diesem Jahr hat sich Martin Etxea als Verein konstituiert und eine neue Website eingerichtet, um neue Personen kennenzulernen, die im Rahmen verschiedener Aktivitäten mit dem Projekt zusammenarbeiten möchten. Der Verein erneuert auch die Allianzen mit den Organisationen, mit denen die Stiftung Mundu Bat seit 30 Jahren im Rahmen ihrer Kooperations-Projekte zusammenarbeitet, um auf die historische Forderung zu reagieren, verfolgten Führungs-Persönlichkeiten Zuflucht zu gewähren. Die Zusammenarbeit bezieht sich auf die Stiftung Mundubat, Ongi Etorri Errefuxiatuak, Agharas Association, Freytter Elkartea Association (AJAFR), Rif Euskal Herria, La Vía Campesina, sowie Organisationen, die die Westsahara und Palästina unterstützen. (naiz-baskultur)

(2025-02-10)

ARBEITSUNFÄLLE VERSCHLEIERT

kolu64a10Ein Großteil der tödlichen und nichttödlichen Arbeitsunfälle wären mit größerer Vorsicht und der Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen vermeidbar. Doch Stress und Zeitnot, Subunternehmen, fehlende Gurte und Unkenntnis sorgen für das Gegenteil: die Zunahme der Unfälle. Unternehmen haben nicht die Sicherheit ihrer angestellten und die Vermeidung von Unfällen im Hinterkopf, sondern die Anhäufung von Profiten. Mit fatalen Resultaten.

Verschiedene Gewerkschaften beschuldigen die Regierung von Navarra, Daten über Todesfälle am Arbeitsplatz zu verheimlichen. Die Gewerkschaften LAB, CGT/LKN, Steilas, ESK, EHNE-Etxaide und Hiru haben der Regierung von Navarra vorgeworfen, einen Teil der Todesfälle bei Arbeitsunfällen zu verschweigen, insbesondere bei Transportarbeitern oder solchen, die sich auf dem Weg zum Arbeitsplatz oder bei Arbeiten an anderen Orten ereignen.

Diese Gewerkschaften sind heute in Iruñea-Pamplona erschienen, um ihren Bericht über Arbeitsunfälle in Navarra vorzustellen, so wie sie es letzte Woche für das gesamte Baskenland getan haben. In dem Bericht heißt es, dass im Jahr 2024 in Nafarroa 26 Arbeitsunfälle mit tödlichem Ausgang zu verzeichnen waren, die höchste Zahl in den letzten zehn Jahren.

In Bezug auf die Todesfälle, die nicht in die offiziellen Listen aufgenommen wurden, wird ein besonderer Fall erwähnt: Am 16. September stürzte ein 42-jähriger Arbeiter auf einer Baustelle in Irunberri vom Gerüst und erlag seinen schweren Verletzungen. Ursprünglich wurde dieser Fall offiziell als Arbeitsunfall behandelt, aber der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit erhielt die Daten der von Osasunbidea durchgeführten Autopsie und bestritt, dass es sich um einen Arbeitsunfall handelte.

Netzwerk der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften haben betont, dass sie dank ihres Netzwerks von angeschlossenen Personen Zugang zu Informationen über die Arbeitsunfälle hatten. Daher sind die ihnen bekannten Fälle höher als die von der Regierung Navarras angegebenen. Während die Gewerkschaften von 26 Todesfällen ausgehen, sind es nach den Angaben der Regierung nur 22. Sie wiesen auch darauf hin, dass im Jahr 2024 die Unternehmen und Versicherungen in Navarra 24.000 Arbeitsunfälle meldeten, von denen mehr als die Hälfte zu einem Arbeitsausfall von mehr als einem Tag führten. In diesem Bereich gehen sie auch davon aus, dass es viele Unfälle gibt, die nicht registriert werden, so dass die Zahl viel höher sein könnte.

“Nebelkerzen bei Krankmeldungen“

In diesem Sinne beklagten sie “die Vernebelung der Fehlzeiten durch Krankmeldungen, die sowohl von den Arbeitgebern wie von der rechten Politikern als ‘Absentismus‘ (blau machen) genannt wird und als üble Kampagne ständig in den Meiden präsent ist“. Sie betonten, dass “das Hauptproblem die Gefahren am Arbeitsplatz sind, also die Risiken, die die Arbeitgeber unter Missachtung der Rechtsvorschriften schaffen“.

Aus diesem Grund haben sie an gekündigt, dass sie weiterhin Protest- und Mobilisierungs-Aktionen durchführen werden und fordern die Veröffentlichung der Versicherung-Papiere, die Ermächtigungen des Instituts für öffentliche Gesundheit und Arbeitsmedizin in Nafarroa (Ispln) zur Verhängung von Bußgeldern und eine Erhöhung der Zahl der Arbeits-Inspektoren gefordert. (naiz-baskultur)

(2025-02-09)

DER EUSKO - ALTERNATIVES GELD

kolu64a09Der EUSKO ist eine alternative Währung, die in Iparralde, dem Baskenland auf französischer Seite, viel genutzt wird. In Hegoalde, dem baskischen Süden, ist ein ähnliches Zahlungsmittel in Arbeit, der EKHI, das Projekt ist bisher jedoch verfangen in administrativen Schlingen. Aufgrund seiner erfolgreichen Benutzung in Iparralde zieht der EUSKO nun auch die grenznahen Gebiete von Hego Euskal Herria an, konkret das Baztan-Tal in Nord-Nafarroa und Oarsoaldea in Gipuzkoa. Eine Debatte über die Schaffung einer grenzüberschreitenden lokalen Währung fand diesen Samstag in Baigorri statt.

Euskal Moneta (Baskische Währung) nutzte die Gelegenheit, um zwei Pilotprojekte vorzustellen, die gemeinsam mit den Bezirken Baztan und Oarsoaldea durchgeführt wurden. Vorgestellt bei der Konferenz “Auf dem Weg zu einer grenzüberschreitenden lokalen Währung“ in Baigorri, Grenzstadt in Iparralde. Anwesend waren auch institutionellen Vertreter wie der Bürgermeister von Baiona und Vorsitzende des baskischen Gemeindeverbands “Euskal Hirigune Elkargoa“ (EHE).

Gewählte Repräsentanten aus dem nördlichen und südlichen Baskenland, Mitglieder der Vereinswelt, Geschäftsleute und Händler nahmen am Samstag in Baigorri an einem Seminar teil, das von den Verbänden Euskal Moneta und Gizartearen Moneta (Gesellschafts-Währung) organisiert wurde, um eine Debatte über die Entwicklung eines gemeinsamen Eusko zwischen den sieben Provinzen anzustoßen. Zwei erste Versuchsprojekte in Nafarroa und Gipuzkoa wurden der Öffentlichkeit vorgestellt und näher erläutert.

Zwei unterschiedliche Territorien

In diesem Zusammenhang versicherte der Koordinator von Euskal Moneta, Nikolas Blain, dass “wir nicht plötzlich von Iparralde nach Hegoalde gehen können“. Ohne vorläufig sagen zu können, wann der EUSKO in ganz Euskal Herria verfügbar sein wird, schränkte der Koordinator von Euskal Moneta ein: “In den letzten Monaten haben wir im Hinterzimmer an der Verbreitung des Projekts gearbeitet“. Vor etwa fünfzig Zuhörern stellte der Verein seine Arbeit vor, mit der der Übergang des EUSKO nach Hego Euskal Herria einzuleiten.

Für ein Pilotprojekt wurden zwei unterschiedliche Gebiete ausgewählt, um es später in allen vier Süd-Provinzen zu wiederholen. Zum einen das Baztan-Tal (Nafarroa), ein ländliches Gebiet, das von landwirtschaftlichen Aktivitäten geprägt ist und eine relativ geringe Bevölkerungsdichte aufweist. Andererseits Oarsoaldea (Gipuzkoa), das aus vier Gemeinden besteht, Errenteria, Lezo, Oiartzun y Pasaia, die in einem städtisch-industrialisierten Gebiet gemeinsame Wirtschaftsprojekte durchführen.

Das Ziel besteht derzeit darin, “die Schritte in Baztan und Oarsoaldea zu strukturieren, damit sich lokale Gruppen der Herausforderung der Schaffung einer lokalen Währung im Südbaskenland stellen“, fasst Nikolas Blain zusammen. Es wird an der rechtlichen Frage gearbeitet, insbesondere mit der spanischen Staatsbank, da der EUSKO bisher nur dem französischen Rechtssystem angepasst ist: “Es wird an alles gedacht, damit die beiden Währungen verschmolzen werden können, damit der EUSKO der EUSKO bleibt, wo immer er zirkuliert“.

Die Geschichte des Projekts

“Als der EUSKO vor zwölf Jahren ins Leben gerufen wurde, dachten wir an die Möglichkeit, dass er eines Tages im gesamten Baskenland zirkulieren könnte“, sagt Blain, Koordinator von Euskal Moneta. Nachdem die Idee sich in den ersten Jahren der Entwicklung und Stabilisierung des EUSKO auf das Nord-Baskenland konzentriert hatten, tauchte der Gedanke einer gesamt-baskischen Währung in Zeiten der Pandemie wieder auf, um “die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen zu fördern“.

Der Verband hat einen Tauschhandel, ein Bargeld-Austausch zwischen Unternehmen. Eine von EHE und Udalbiltza ko-finanzierte Studie ergab jedoch, dass die wirtschaftliche Masse von Ipar Euskal Herria nicht ausreichte, um dieses System mit dem Eusko zu unterstützen. “Das hat uns wieder zum Nachdenken gebracht“, erklärt Nikolas Blain.

Erste grenzüberschreitende Lokalwährung in Europa?

Die Anwesenheit von Politikern wie Jean-René Etchegaray, Präsident des Verbandes Baskischer Gemeinden EHE, und Ana Ollo, Vizepräsidentin der Regierung von Navarra, macht deutlich, dass “die Institutionen zur Weiterarbeit bereit sind“. Ein Antrag auf europäische Unterstützung im Rahmen des Poctefa-Programms ist in Arbeit (europäisches Programm für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, das die nachhaltige Entwicklung des Grenzgebiets zwischen Spanien, Frankreich und Andorra fördern soll). Der EUSKO würde dann die erste grenzüberschreitende lokale Währung in Europa werden. (NAIZ-baskultur)

(2025-02-08)

STREIT UM FASCHISTEN-GEBÄUDE IN PAMPLONA

kolu64a08Stadtauswärts am Ende der breiten Fußgängerzone von Iruñea (Pamplona) steht seit 1942 ein Prachtgebäude, das bislang den Namen Monumento de los Caidos trug: Das Denkmal für die Gefallenen. Der offizielle Name war "Navarra für seine Toten im Kreuzzug". Mit Kreuzzug gemeint war der gegen die Republik von 1936 und den vermeintlichen Kommunismus, der in einen Militärputsch mündete und zu einem 3-jährigen Krieg führte. Die Region Navarra stand dabei von Beginn an auf der Seite der Faschisten. Der Palast diente als Mausoleum für verschiedene Faschisten und Ultrarechte und war nach dem Ende des Franquismus das Haus mit dem etwas unverdächtigeren Namen Conde de Rodezno bekannt, nichtsdestotrotz war dieser Conde ebenfalls ein Faschist.

Bis 2016 wurde das Gebäude als Mausoleum genutzt, erst nach komplizierten Verhandlungen mit den Nachkommen des Generals Mola und der Kirche wurde das Grab exhumiert. Seither läuft die Diskussion, was aus dem Gebäude werden soll. Eine Reihe von antifaschistischen Memoria-Gruppen plädiert für den Abriss, weil das Gebäude mit der franquistischen Diktatur unteilbar verbunden ist. Andere Antifaschisten schlagen eine neue Nutzung des alten Gebäudes vor. Auch die spanische Rechte und Podemos sind für Abriss.

Nun hat der Stadtrat von Iruñea mit den Stimmen von EH Bildu, den Sozialdemokraten und der rechten Koalition Geroa Bai (die auch die Regional-Regierung bilden) die Erklärung angenommen, die die Vereinbarung über die Umwidmung von Los Caídos unterstützt. Gleichzeitig haben die Memoria-Vereine ihre Ablehnung deutlich gemacht. Es soll ein Expertenausschuss eingesetzt werden, der ein Konzept für ein Interpretations-Zentrums erarbeiten soll, das mit den Zielen des von der Regierung geförderten Erinnerungs-Instituts übereinstimmt. Gleichzeitig soll ein Projektwettbewerb mit Bürgerbeteiligung ausgeschrieben werden, um ein Projekt von Qualität zu konzipieren.

EH Bildu-Stadtrat erklärte, die Stadt befinde sich in Bezug auf Los Caídos “in einer Sackgasse“. Er erläuterte “die rechtliche Unmöglichkeit, den von einem Teil der Öffentlichkeit geforderten Abriss vorzunehmen. Dieses Gebäude ist neutral, es ist nicht im Gesetz zur demokratischen Erinnerung enthalten. Das Gesetz schreibt den Abriss nicht vor. Die eigentliche Debatte heute ist nicht, ob man abreißen oder umgestalten soll, sondern ob man umgestalten oder alles so lassen soll, wie es ist, was die Rechte fordert“.

Ein Abgeordneter von der Geroa Bai sagte: “Es ist das schändlichste Gebäude der franquistischen Verherrlichung. Es ist ein Gebäude, das nicht umgewidmet wurde. Wann immer wir versucht haben, etwas zu verändern, sind wir an den Gerichten gescheitert“. Die Sozialdemokraten treten dafür ein, “diesen Raum in einen Referenzpunkt für Bildung in Europa zu verwandeln. Er muss als soziale Reflexion über unsere Geschichte dienen, um daraus zu lernen. Es geht darum, zu lernen, damit sich so etwas nicht wiederholt“. Podemos bezeichnet das Abkommen als “historischen Fehler“. Das Denkmal sei “eine Hommage an die Mörder von Opfern, die nie Gerechtigkeit erfahren haben. Es wurde mit der totalen Ablehnung der Opfer errichtet“.

Einrichtung des Zentrums Maravillas Lamberto

Im Einklang mit der in der Vereinbarung eingegangenen Verpflichtung haben die Fraktionen von EH Bildu, PSN-PSOE und Geroa Bai in der Kammer von Iruñea einen Vorschlag zur Änderung des Gesetzes 33/2013 zur Anerkennung und moralischen Wiedergutmachung der ermordeten Personen in Navarra und der Opfer der Repression nach dem Militärputsch von 1936 eingereicht. “Durch diese Änderung werden wir Rechtssicherheit und Schutz für die vereinbarte Umwandlung bieten und gleichzeitig die Verpflichtung gegenüber den Bürgern erfüllen“.

Dabei soll dem Regional-Gesetz 33/2013 eine neue Bestimmung hinzugefügt, die den Abriss der mit faschistischer Symbolik des Gefallenen-Denkmals verbundenen Elemente und die Einrichtung eines antifaschistischen Interpretations-Zentrums für das demokratische Gedenken im Gebäude ermöglicht. “Angesichts der zunehmenden Tendenz der extremen Rechten und neuer Formen des Faschismus wird diese Umwandlung Iruñea und Nafarroa zu einem Ort machen, der die historische Erinnerung, die Verteidigung der Demokratie und der Menschenrechte fördert“, wird von der abertzalen Linken argumentiert.

In der vorgeschlagenen Zusatzbestimmung wird darauf hingewiesen, dass das Denkmal “auch nach den Exhumierungen und der Beseitigung des größten Teils der Symbolik der Franco-Ära die totalitäre Propaganda der Verherrlichung des faschistischen Aufstands und des folgenden Franco-Regimes widerspiegelt“, deshalb müssten Maßnahmen ergriffen werden. Vorgeschlagen wird, die Gebäude-Nutzungen einzuschränken, es soll “nur genutzt werden dürfen, um die schweren Menschenrechts-Verletzungen während des Krieges und der Diktatur öffentlich zu machen und auf die Gefahren von neuen Formen des Faschismus aufmerksam zu machen“. In dem Text wird außerdem gefordert, “die symbolischen Teile, die den Sieg des Franco-Regimes verherrlichen, zu entfernen und die Gemälde im Inneren der Kuppel zu verbergen“. (naiz-baskultur)

(2025-02-06)

BASKISCHE KRIEGS-VIDEOS AUS LOS ANGELES

kolu64a06Die Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) hat auf ihrer Website bisher unveröffentlichte Videos über den Spanienkrieg von 1936 veröffentlicht, darunter mehrere Streifen, die damals in südbaskischen Orten wie Iruñea, Donostia, Irun, Bilbo und Lekaroz gedreht wurden. Sie zeigen die Kämpfe zwischen Aufständischen udn republikanischen Verteidigern und ihre Folgen. Die Filme sind eine Schenkung des Presse-Magnaten William Randolph Hearst an die Universität, von der UCLA wurden sie an das Packard Humanities Institute weitergegeben. Das Filmmaterial der Hearst-Nachrichten-Agentur wurde gereinigt und restauriert und ist von außergewöhnlicher Qualität.

Ein Teil des Filmmaterials wurde bereits öffentlich verwendet, aber ein erheblicher Teil des Materials wurde einst aussortiert und bis jetzt eingelagert, ohne der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden, was dem Material einen zusätzlichen Wert verleiht. Das dokumentierte Foto zeigt die Kämpfe in Gipuzkoa, bei denen baskische Milizionäre (Gudaris) versuchen, den Vormarsch der aufständischen faschistischen Truppen zu stoppen.

Eines der ersten Videos spielt in Iruñea (Pamplona), er zeigt den Plaza del Castillo voller aufständischer Truppen von unterschiedlicher politischer Couleur: Karlisten, Falangisten und Armeesoldaten. Das Video beginnt mit einem Aufmarsch um den hölzernen und schmiedeeisernen Kiosk, der damals die Mitte des Platzes schmückte, gefolgt von Zivilgardisten, Requetés und jungen Männern in Uniform, die mit Gewehr über den Schultern an die Front gehen. Es fehlt auch nicht an weiblicher Präsenz in Form von Falangistinnen, Requeté-Schwestern und jenen, die begeistert applaudieren, wenn die Aufständischen vorbeimarschieren. (naiz-baskultur)

(2025-02-05)

ATHLETIC ALS RASSISMUS-DETEKTOR

kolu64a05Athletic Bilbao hat in der Winterpause einen neuen Spieler verpflichtet, was in Athletic-kritischen Kreisen zu allerhand Polemik geführt hat. Um diese Polemik zu verstehen sind zwei Tatsachen Voraussetzung. Erstens, dass Athletic der einzige Verein in Europa ist, in dem ausschließlich einheimische baskische Kicker spielen. Als solche gelten alle, die im Baskenland geboren wurden oder hier das Kicken gelernt haben, egal wo geboren. Zweitens, der jetzt unter Vertrag genommene Spieler Maroan Sannadi aus Gasteiz ist in Marokko geboren.

Wie schon bei anderen Gelegenheiten wird die Personalpolitik beim Verein mit Argusaugen beobachtet, dazu kommt (nicht zum ersten Mal) auch ein leichter Hauch von Rassismus. Leicht, um es vorsichtig auszudrücken, denn wenn man die Nase nah genug heranführt, stinkt es, wie in Durango vor der Papierfabrik wenn und der Wind in Richtung Autobahn weht.

Es scheint unvermeidlich: wenn der rot-weiße Klub beschließt, einen Spieler mit etwas dunklerer Hautfarbe als der Durchschnitt im Baskenland in seine Reihen aufzunehmen, taucht die Moralpolizei des Fußballs auf, um den Club das Was, das Wie und jetzt sogar das Wann vorzuwerfen. So geschehen bei Sannadi Maroan. Die Winterverpflichtungen anderer Vereine sind zulässig, unsere die in Bilbao nicht. Athletic hat sich zu einem höchst zuverlässigen Rassismus-Detektor entwickelt. Die Verpflichtung der Spieler Sannadi, Djaló, Adama oder den Williams-Brüdern ist eine unfehlbare Methode, um alle rassistischen Komplexe einer ganzen Reihe von Hassern aufzudecken.

Und warum sind alle, die in den sozialen Medien Hass verbreiten, rassistisch? Das ist leicht zu erklären. Viele von ihnen berufen sich auf die “Philosophie“, jene selbst auferlegte Regel, nach der Athletic nur Fußballer unter Vertrag nimmt, die in Euskal Herria (Baskenland, Navarra und Iparralde) geboren oder aufgewachsen sind. Dazu kommen jene, die in den Jugendakademien der Clubs in diesen Gebieten ausgebildet wurden. Die Hass-Kritiker behaupten, dass der rot-weiße Klub jetzt die Einwanderung ausnutzt, um seinen Kader zu vervollständigen. Das ist selbstverständlich richtig.

Aber dieses Argument verleiht dem Ganzen den rassistischen Anstrich, denn das “Ausnutzen“ (in Anführungszeichen!) der Einwanderung hat Athletic im Laufe seiner Geschichte praktiziert. Nur waren die Einwanderer in anderen Epochen weißhäutig und kamen aus anderen Teilen der Halbinsel. Niemand hat je in Frage gestellt, dass Manolo Sarabia, einer der Stars der Meister-Teams der achtziger Jahre, der Sohn von Leuten aus Jaén war. Oder dass die Eltern von Dani ebenfalls von weit her kamen, um ihr Leben als Bauern aufzugeben. Oder dass Vivián, Sohn eines Galiciers, im aktuellen Team spielt, oder Unai Simón, dessen Familie aus Zamora stammt, der gleichen Abstammung wie die Eltern von Javier Clemente, die sich in Barakaldo niederließen, um ein besseres Leben zu finden.

Niemand hat die Stimme erhoben, als Ernesto Valverde, der in einem Dorf in der Extremadura geboren wurde, bei Athletic unterschrieb; oder Patxi Ferreira, in Salamanca geboren, oder Luis Fernando, der aus einem Dorf in Zamora stammt, oder Lorenzo Juarros, den niemand nach seinem baskischen Personalausweis fragte, obwohl er in Mambrillas de Lara in Burgos geboren wurde. Das heutige Infragestellen ist Rassismus mit allen Buchstaben. Die Hasser sollen wissen: Die Philosophie von Athletic hat sich nicht geändert. Was sich geändert hat, ist die Demographie. Früher kamen die Einwanderer aus Zamora, heute kommen sie aus Marokko, wie die Familie von Maroan Sannadi.

(2025-02-03)

GERNIKA UND DAS ANDALUSISCHE MASSAKER

kolu64a03In der Gemeinde Calahonda in Granada wurde am vergangenen Sonntag ein Schössling der Eiche von Gernika gepflanzt, um der Opfer zu gedenken, die bei dem als “Desbandá-Flucht“ bekannten Militärangriff ums Leben kamen, der als das größte Massaker des Franco-Regimes an der Zivilbevölkerung während des Krieges von 1936 gilt. Anfang Februar 1937 wurde die andalusische Zivilbevölkerung von den faschistischen Putsch-Truppen auf der so genannten “Todesstraße“ (der N-340) angegriffen, als Tausende von Menschen aus Málaga vor dem Vormarsch der Franco-Truppen flohen. Dieses Massaker an der andalusischen Zivilbevölkerung fand einige Monate vor der Bombardierung und Zerstörung von Gernika statt.

Anlässlich des 88. Jahrestages dieses tragischen Massenmordes pflanzten verschiedene Gedenk-Gruppen in Zusammenarbeit mit der Provinz-Regierung von Bizkaia und der Stadtverwaltung von Calahonda ein junges Exemplar des Baumes von Gernika im Rahmen einer Gedenkveranstaltung. Die Zeremonie begann mit einem Aurresku, das von einem Mitglied einer baskischen Gruppe vorgetragen wurde.

Auf Ersuchen der “Asociacion 14 de abril para la recuperación de la memoria histórica de la costa de Granada“ und in Zusammenarbeit mit dem in ganz Spanien tätigen ehrenamtlichen Gedenkkollektiv “Somos la Huía“ (Wir sind die Flucht) schickte die Bizkaia-Kammer einen dieser Bäume, um das Andenken an die Opfer zu ehren, einen Schössling mit Echtheitszertifikat, das bescheinigt, dass der gepflanzte Baum ein direkter Nachkomme der aktuellen Eiche der Casa de Juntas ist.

Neben dem Baum wurde folgende Inschrift angebracht: “Bäume gegen das Vergessen. Ein Schössling der Eiche von Gernika, Symbol des Widerstands gegen die faschistische Barbarei. Mit dieser Eiche erkennt Euskal Herria den Schmerz des andalusischen Volkes an, das ebenfalls das Massaker an der Zivilbevölkerung erlitt, die auf der N-340 von Málaga nach Almeria floh. Ein Mandelbaum wird ihn immer begleiten, um mit seinen Blüten die Erinnerung an jedes der Opfer zu bezeugen“.

Zwischen 3.000 und 5.000 Tote

Die “Desbandá“ fand zwischen dem 7. und 10. Februar 1937 statt, als Tausende von Andalusiern, vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen, eine verzweifelte Flucht entlang der Küstenstraße von Málaga in Richtung Almería unternahmen. Unterwegs erwartete sie ein vom Putschisten-Offizier Queipo de Llano inszenierter Angriff, der von italienischen und deutschen Faschisten unterstützt wurde.

Drei Tage lang wurde die Menschenkolonne aus Tausenden von Zivilisten in einer gemeinsamen Aktion der deutschen Legion Condor, der italienischen Luftwaffe und der nationalistischen Schiffe zu Lande, zu Wasser und aus der Luft niedergemacht. Neueste Forschungen gehen von 300.000 Menschen aus. Die Zahl der bei dem Massaker getöteten Menschen ist bis heute unbekannt. Der Historiker Paul Preston schätzt die Zahl auf 3.000 bis 5.000. (NAIZ)

(2025-02-02)

700 EURO FÜR EIN ZIMMER

Die hohen Mietpreise zwingen Arbeitnehmer und Familien dazu, eine Wohnung mit Menschen zu teilen, die sie nicht einmal kennen. Inmitten der Wohnungskrise, mit einem knappen Angebot und exorbitanten Preisen, ist das Mieten von Zimmern für viele Leute in Bilbao die einzige Möglichkeit geworden, unabhängig zu leben. Dabei handelt es sich nicht um Studenten, Hochschulabsolventen, junge Leute, die frisch von der Universität kommen, oder Berufstätige, die in einer neuen Stadt ankommen (die bisher üblichen Profile in diesem Markt-Sektor), sondern um Familien, Erwachsene oder Arbeitnehmer mittleren Alters, die sich keine Vollmiete leisten können und mit einem Zimmer auskommen müssen.

kolu64a02Allein in Bizkaia hat Caritas im vergangenen Jahr 4.289 Personen bei der Unterbringung in einem Zimmer unterstützt. Davon waren 38% Familien mit Kindern, meist Alleinerziehende. Insgesamt 1.617 Caritas-Kontakte berichten, auf diese Weise in der Region zu leben. “Die Zimmervermietung hat stark zugenommen. Wir finden mehr Arbeiter als Studenten und sogar Menschen zwischen 50 und 60 Jahren, die nach einer Scheidung eine neue Wohnung suchen“, sagt Ainara von einer Immobilien-Agentur. Die meisten von ihnen, so die Experten, mieten ein Zimmer nicht “zum Vergnügen“, sondern weil sie sich “die Kosten für eine Wohnung nicht leisten können“. In Bilbao liegen die Wohnungs-Mieten (60qm) in vielen Fällen über 885 Euro.

Zu diesem Schluss kommt auch die baskische Regierung in ihrem jüngsten Bericht. In dem Dokument, in dem das Profil der Bewerber für eine Sozialwohnung analysiert wird, wird davor gewarnt, dass die “Verknappung auf dem Markt“ das “Prekaritäts-Niveau“ der Personen auf der Suche nach einer Sozialwohnung “verschärft“ hat. Cáritas bestätigt, dass 113.000 Basken in einer “Situation der Armut leben, nachdem die Miete oder die Hypothek abbezahlt ist“.

Die Exekutive stellt fest, dass 38% der Basken, die sich zwischen Januar 2023 und Juni letzten Jahres bei Etxebide (Vermittlung von Sozialwohnungen) gemeldet haben, in einem Gemeinschafts-Zimmer oder einer Wohn-Gemeinschaft leben. Das sind etwa 5.200 Personen. In Bilbao steigt der Prozentsatz auf 47,4%. Dazu kommen noch 2.600 Personen, die nicht bei der baskischen Wohnungsbehörde gemeldet sind, die aber ähnliche Mietverträge haben. Ein Mitarbeiter der Immobilienagentur Erreka berichtet, dass “die Nachfrage brutal ist“. Idealista hat errechnet, dass das Interesse an einem Zimmer in Bilbao um 72% gestiegen ist. Und wie auf anderen Märkten hat der Anstieg der Bewerber vor allem zur Folge, dass auch die Preise steigen. Die Exekutive schätzt, dass die Einwohner Bilbaos durchschnittlich 357 Euro pro Monat für ein Zimmer ausgeben (5% mehr als 2022), ein Preis, den einige Immobilien-Portale auf 400 oder 600 Euro ansetzen.

Einem aktuellen Bericht des Portals Fotocasa zufolge ist Bilbao die zweit-teuerste Stadt Spaniens, wenn es um die Miete eines Zimmers geht. Nach den im Dezember von der digitalen Plattform erhobenen Preisen lag der Durchschnittspreis bei 621 Euro. Idealista senkt diese Berechnung auf 420 Euro im vierten Quartal. Baelo bestätigt, dass sich die Preise innerhalb eines Jahres verdoppelt haben. “Früher haben wir Zimmer an Durchreisende vermietet, aber jetzt rufen auch Alleinerziehende bei uns an. Es gibt viele Leute, vor allem Alleinstehende, die sich 1.000 Euro für eine Wohnung nicht leisten können“, fügt er hinzu. Die Anzeigen in den Online-Portalen bestätigen die Aussagen des Maklers. Die günstigsten Angebote in der Hauptstadt bewegen sich zwischen 300 und 400 Euro, die teuersten gehen bis zu 700 Euro, Nebenkosten inklusive.

“Flexibilität“ für Eigentümer

Die Vizepräsidentin des Verbandes der Immobilienmakler von Bizkaia, räumt ein, dass sich der Markt in einer “brutalen“ Situation befindet, angesichts des mangelnden Angebots und des stetigen Anstiegs der Immobilienpreise, aber auch in Anspielung auf die Bedingungen, zu denen viele Menschen in Bilbao zu leben verdammt sind. Obwohl ihre Immobilienagentur En Casa de Ana normalerweise keine Zimmer vermietet, erinnert sie sich an die Wirkung eines Angebots, das sie vor Monaten publizierte. “Ein Zimmer im Stadtteil Santutxu. 375 Euro ohne Nebenkosten. Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich 100 Personen bei uns, und 90% der Interessenten waren Arbeiter oder Ausländer, da dies die einzige Wohnmöglichkeit ist, zu der sie Zugang haben“.

Die befragten Experten sagen, dass es Vermieter gibt, die es vorziehen, Zimmer aus “Rentabilitätsgründen“ zu vermieten. “Stellen wir uns eine Wohnung für 1.200 Euro mit vier Schlafzimmern vor. Der Eigentümer würde 300 Euro pro Zimmer erhalten. Wenn er die Zimmer hingegen einzeln vermietet, kann er sie für 400 anbieten und mehr verdienen“, erklärt Jon Ander von der Immobilienagentur Deusto. Es gibt sogar Leute, die “das Wohnzimmer in ein anderes Zimmer umwandeln“, um ihr Einkommen zu erhöhen. Diese Praxis findet sich in mehreren der 300 Zimmerinserate in Bilbao, die auf Idealista zu sehen sind. In einigen Beschreibungen wird direkt darauf hingewiesen, dass die Wohnung “kein Wohnzimmer hat“ und die Gemeinschaftsräume auf Küche, Bad oder Flur reduziert sind.

Andere Vermieter wollen nicht nur ihren Gewinn steigern, sondern entscheiden sich für die Vermietung von Zimmern, weil die Verträge “nicht wie die übrigen Vermietungen durch das städtische Mietrecht, sondern durch das Zivilgesetzbuch geregelt sind“, erklärt Acasuso. Was bedeutet das? Erstens, dass der Vermieter “mehr Flexibilität“ hat, um seine Wohnung wieder freizukriegen. Die Vertragsdauer wird zwischen den Parteien vereinbart, ohne dass eine Mindestlaufzeit oder Verlängerungen festgelegt werden müssen, während bei regulären Mietverträgen eine Vertragsdauer von fünf Jahren mit der Möglichkeit der Verlängerung um zwei weitere Jahre vorgeschrieben ist. Ebenso sind befristete Mietverträge, da sie nicht im Wohnungsbau-Gesetz enthalten sind, von der Verpflichtung befreit, die Preise von einem Jahr zum nächsten zu begrenzen. Außerdem sind die Vermieter von Zimmern nicht verpflichtet, die Kaution im amtlichen Register zu hinterlegen, wie dies bei anderen Mietverträgen der Fall ist.

Immobilienmakler weisen auf einen weiteren Faktor hin. Dass es “Vermieter gibt, die die Meldepflicht für Zuwanderer ausnutzen“, um die Preise in die Höhe zu treiben. Obwohl diese Art der Vermietung in der Stadt “weit verbreitet“ ist, ist sie vor allem im Stadtteil Bilbao La Vieja “sehr verbreitet“, weil “Menschen aus anderen Kulturen das als normal ansehen“.

Das Vermieten von Zimmern hat jedoch auch seine Schattenseiten. Líbano ist der Meinung, dass “Im Zusammenleben werden viele Probleme verursacht“. Das Modell müsste stärker reguliert werden“. Wenn sich die Mieter nicht kennen, entstehen viele Probleme. „Die sozialen Netzwerke sind voll von Anzeigen, die Vermieter ermutigen dazu, Einzelzimmer zu vermieten, aber das ist ein echter Stress. Gute Mieter akzeptieren die von manchen Vermietern gestellten Bedingungen nicht“. (EC)

(2025-02-01)

DIE APOKALYSE

“Der Weltuntergang, meine Damen und Herrn, wird nach dem, was man heute so weiß, etwa folgendermaßen vor sich gehen“ … sang in den 70er Jahren sarkastisch ein Schweizer Liedermacher. Sicher nicht der Einzige, der sich zum Thema Gedanken machte. Manche gründen Sekten auf diesem Fundament, andere betrinken sich sinnlos, weil ohnehin alles zu spät ist: schmerzfrei in die Katastrophe, unter Drogen stirbt es sich leichter. Ganz ernst nahmen es 1947 (zwei Jahre nach Holocaust und dem letzten ganz großen Krieg) ein paar Wissenschaftler, indem sie die “Doomsday Clock“ schufen, die “Weltuntergangs-Uhr“, mit der sie den jüngsten Tag zu berechnen suchten. Zur Abwechslung auf ganz und gar nicht biblische Weise. Eine baskische Tageszeitung erinnert sich an diese skurrile und doch immer realer werdende Geschichte.

kolu64a01Die Stunde der Apokalypse rückt laut besagter Uhr “immer näher“. Denn “die Menschheit und der Planet selbst, wie wir ihn kennen, stehen am Abgrund“. Darauf weist die Weltuntergangsuhr hin, ein Instrument, das vor 78 Jahren geschaffen wurde, um symbolisch die Möglichkeit unserer eigenen Auslöschung anzuzeigen. Ihre Macher warnen: “Die Welt ist auf sofortiges Handeln angewiesen“. Jene Countdown-Uhr, ein symbolisches Instrument, das von Wissenschaftlern entwickelt wurde, um die Wahrscheinlichkeit des Untergangs der Menschheit zu veranschaulichen, steht in diesem Jahr 89 Sekunden vor Mitternacht, so nah wie noch nie in ihrer fast achtjährigen Geschichte.

Das “Bulletin of the Atomic Scientists“ ist das Sprachrohr der Organisation, die die Uhr seit ihrer Gründung im Jahr 1947 verwaltet. Darin wurde mitgeteilt, dass die angezeigte Stunde, die die Zeiger markieren, mit den aktuellen Katastrophen-Ereignissen zu tun haben: dem Krieg in der Ukraine, dem Konflikt im Nahen Osten und der Aufrüstung der Atomwaffen-Arsenale der Großmächte. “Die Vereinigten Staaten, China und Russland tragen die Hauptverantwortung dabei, die Welt vom Abgrund zurückzuholen. Wir sind auf sofortiges Handeln angewiesen“, warnte das Gremium.

Der Uhrzeiger ist in diesem Jahr vorgerückt, nachdem die Uhr in den letzten zwei Jahren noch 90 Sekunden vor Mitternacht angezeigt hatte. Das Fortschreiten von nur einer einzigen Sekunde “sollte als Hinweis auf extreme Gefahr und als unmissverständliche Warnung verstanden werden, dass jede Sekunde Verzögerung bei der Umkehrung des Kurses die Wahrscheinlichkeit einer globalen Katastrophe erhöht“, warnte die Organisation, die gegründet wurde, um die Welt vor der Gefahr einer nuklearen Katastrophe zu warnen. Zu ihren Mitgliedern gehören Dutzende von renommierten Wissenschaftler*innen, einstmals auch Albert Einstein und Robert Oppenheimer.

Aus der Beobachtungsstelle wird davor gewarnt, dass der Krieg in der Ukraine, der sich im dritten Jahr befindet, “aufgrund einer übereilten Entscheidung oder einer Fehlkalkulation jederzeit in einen Atomkrieg umschlagen könnte“. Oder, dass “der Konflikt im Nahen Osten ohne Vorwarnung zu einem größeren Krieg zu werden droht“. Gleichzeitig bauen verschiedene Länder immer mehr Atomwaffen und verstärken ihre Arsenale. “Der Prozess der nuklearen Rüstungskontrolle bricht zusammen, die hochrangigen Kontakte zwischen den Atommächten sind angesichts der real existierenden Gefahren völlig unzureichend“, wird beklagt.

Im Bulletin wird auch daran erinnert, dass “die Auswirkungen des Klimawandels im vergangenen Jahr deutlicher geworden sind“, dass “neu auftretende Krankheiten weiterhin die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Sicherheit der Welt bedrohen“ und dass technologische Fortschritte im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz “die Welt gefährlicher gemacht haben“.

“Wir richten einen leidenschaftlichen Appell an alle führenden Politiker: Es ist an der Zeit, gemeinsam zu handeln! Die existenziellen Bedrohungen, mit denen wir konfrontiert sind, können nur durch Partnerschaft auf globaler Ebene angegangen werden“, sagte der ehemalige kolumbianische Präsident Santos (2010-2018), Friedensnobelpreisträger 2016, bei der Vorstellung der Uhr. In der Notiz wird darauf hingewiesen, dass die derzeitige Situation auf der Erde schlimmer ist als 1953, als die Uhr in einer der angespanntesten Phasen des Kalten Krieges (Korea-Krieg) zwei Minuten vor Mitternacht schlug, als sowohl die Sowjets als auch die US-Amerikaner ihre ersten thermonuklearen Waffentests durchführten. Seitdem hat die Menschheit alle möglichen Situationen erlebt, doch die globale kapitalistische Gesellschaft ist dem Rand des Abgrunds immer näher gekommen. (NAIZ-baskultur)


ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-02-01)

Für den Betrieb unserer Webseite benutzen wir Cookies. Wenn Sie unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies. Mehr Information