Palästina ist überall
Wenn die spanische Rechte den 12. Oktober als “Begegnung der Kulturen“ oder als vor ultra-Nationalismus triefenden “Tag der Hispanität“ feiert, schalten viele Ohren im Baskenland auf Durchzug. Oder sie erinnern ausdrücklich an den Völkermord an den indigenen Ureinwohner*innen des amerikanischen Kontinents, der nach 1492 auf die “Entdeckung“ durch Kolumbus folgte. Eigentlich ein bezahlter Feiertag, den jedoch viele (auch Gewerkschafter) nicht wollen und deshalb ganz bewusst arbeiten gehen.
Der Monat Oktober beginnt mit einem Warnstreik bei CAF, einer Straßenbahnen-Fabrik in Gipuzkoa, die im Auftrag des Völkermord-Regimes Israel eine Bahn im besetzten West-Jordanland bauen soll. Die Belegschaft protestiert.
(2025-10-31)
MINDESTRENTE VON 1.100 EURO
Die sozial-liberale Koalitions-Regierung von Navarra und die Linkspartei EH Bildu haben sich auf einen Haushalt mit Mindestrente von 1.100 Euro geeinigt. Es handelt sich um die siebte Haushalts-Vereinbarung der Region, die EH Bildu mit ihrer Enthaltung bei der Abstimmung ermöglicht. Dass die Mindestrente in Navarra nunmehr diese Summe erreicht war eine der großen Forderungen der Verbände Rentnerinnen und Rentner und gleichzeitig eine der Prioritäten, die EH Bildu durch ihre Vereinbarung mit der Regierung von Navarra für den Haushalt 2026 erreicht hat.
Die beiden Delegationen erklärten, dass diese Unterzeichnung das Ergebnis “langer Verhandlungen” und „ein Ausdruck gemeinsamer Prioritäten” sei, da es die Umsetzung eines Haushaltsplans ermögliche, der die Bedürfnisse der Bürger Navarras berücksichtige. Der navarrische Minister für Wirtschaft und Finanzen erklärte, dass die Vereinbarung bedeutet, dass die Änderungsanträge der vier Fraktionen (PSN, Geroa Bai, Contigo-Zurekin und EH Bildu) unterstützt werden.
Um den Schachzug zu verstehen, muss daran erinnert werden, dass die Regierung in Navarra keine Mehrheit aufweist, EH Bildu ist nicht Teil der Regierung, aber für die Haushalte das Zünglein an der Waage. Dass Bildu nicht direkt an der Regierung beteiligt ist, hat mit der Geschichte von ETA zu tun und damit, dass die Sozialdemokraten noch nicht bereit sind, mit der offiziellen Repräsentation der baskischen Linken eine Regierung zu stellen, um nicht unter Druck der spanischen Rechten und Ultrarechten zu kommen, für die Bildu nach wie vor Eta darstellt, auch 24 Jahre nach deren Verschwinden. Gleichzeitig wird in der Hauptstadt Navarras – Iruñea-Pamplona – das erste „Experiment“ durchgeführt, bei dem die Sozialdemokraten einem Bildu-Bürgermeister ins Amt verholfen haben, nach dem Linkspartei zur stärksten Fraktion gewählt wurde.
Von Seiten der Linkspartei EHB wurde betont, dass diese Unterstützung sich in einer Enthaltung niederschlägt, da “dies nicht der Haushalt von EH Bildu ist”, es wurde jedoch hervorgehoben, dass es gelungen sei, Beiträge “in strategischen Bereichen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Gesellschaft Navarras” einzubringen, da es sich um einen Haushalt von “sozialem Charakter” handele.
“Wir haben eine Mindestrente von 1.100 Euro“ für Navarra erreicht, was bedeutet, dass die seit Jahren von den Verbänden der Rentner*innen geforderten 1.080 Euro erreicht und sogar übertroffen werden.“ Insgesamt belaufen sich die von EH Bildu vorgeschlagenen Maßnahmen auf einen Betrag von 15 Millionen Euro, der im Zeitraum der Änderungen am Haushalt um weitere vier Millionen Euro erhöht werden soll.
Ein weiterer Aspekt sticht ins Auge, im Vergleich der beiden baskischen Regionen Euskadi und Navarra. Während in Nafarroa die alte Forderung der Renten-Initiativen erfüllt wurde, lehnt die Regierung der Region Baskenland diese Forderung ab. Kürzlich wurden sogar 140.000 Unterschriften für eine außerparlamentarische gesetzgebungs-Initiative zurückgewiesen bzw. ignoriert. Das pikante an der Geschichte ist, dass die rechte PNV in Euskadi die Regierung stellt mit den Sozialdemokraten als Juniorpartner, in Navarra ist es umgekehrt, dort sind die Sozis stärkste Partei und stellen die Ministerpräsidentin, die PNV ist Juniorpartnerin. SO werden sich die Rentner*innen und Rentner, die seit bald acht Jahren wöchentlich für ihre Forderungen auf die Straße gehen, fragen, weshalb ihre Forderung in Navarra erfüllt wird und in Euskadi nicht – wo es sich doch um dieselben Entscheidungsträger handelt. (baskultur)
(2025-10-30)
SEXISTISCHE BELÄSTIGUNG
57% der Frauen zwischen 16 und 85 Jahren in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland (CAV) geben an, sexistische und wiederholte Belästigung sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Beziehung erlitten zu haben. Am Arbeitsplatz sind es immerhin noch 11,5%. Dies geht aus einer Studie hervor, die von der baskischen Regierung und dem Frauen-Institut Emakunde erstellt wurde.
57% der in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa lebenden Frauen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren haben irgendwann in ihrem Leben irgendeine Art von sexistischer und/oder wiederholter Belästigung innerhalb oder außerhalb ihrer Partner-Beziehung erlebt. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die von der Senatorin für Soziales, Jugend und demografische Herausforderung vorgestellt wurde. "Belästigung ist die normalste Form der Gewalt (...) und manchmal der Auftakt zu intensiverer Gewalt", warnte die Politikerin und betonte, dass es kein exaktes "Profil" von Angreifer oder Opfer gebe, da es sich um "strukturelle" Gewalt handele.
Insgesamt 4.500 Frauen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren nahmen an der Studie teil, die diesmal Cybermobbing, Gewalt am Arbeitsplatz, sexuelle Belästigung oder wiederholte Belästigung (Verhalten, bei dem eine Person plötzlich beleidigend oder bedrohlich wird) sowohl innerhalb als auch außerhalb der Partnerschaft analysiert. Den Angaben zufolge wurden 53,1% der befragten Frauen sexistisch belästigt, wobei die häufigsten Fälle aufdringliche Blicke (37,4%), unerwünschter Körperkontakt (30%), Exhibitionismus (22%) oder sexistische Witze (18,6%) waren. Siebzig Prozent der Fälle betreffen Frauen zwischen 16 und 29 Jahren, ein Prozentsatz, der bei Frauen über 65 Jahren auf 35 Prozent sinkt, während in vier von zehn Fällen der Angreifer eine unbekannte Person ist.
Was wiederholte Belästigung anbelangt, so gaben bis zu 24,5% der befragten Frauen an, diese erlebt zu haben. So geben 12% der Frauen an, verfolgt oder ausspioniert worden zu sein, und jede zehnte war Opfer obszöner Telefonanrufe. Den Daten zufolge ist die Tendenz zu Belästigungen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Partnerschaft bei Frauen mit "etwas höherer Bildung" und in Haushalten mit hohem Einkommen höher. Darüber hinaus haben 13,2% der befragten Frauen Gewalt oder Belästigung am Arbeitsplatz erlitten, wobei letztere in den meisten Fällen (37,4%) von Kollegen und in 29% der Fälle von einem Vorgesetzten ausging.
Belästigung am Arbeitsplatz
Was die sexistische Belästigung am Arbeitsplatz betrifft, so waren 11% der berufstätigen Frauen zu irgendeinem Zeitpunkt betroffen, fast 2% der Fälle ereigneten sich im letzten Jahr. 54,9% der Opfer wurden an einem anderen Arbeitsplatz belästigt als dem, den sie derzeit innehaben. Die Daten zeigen auch, dass 7,8% der Opfer eine Behinderung von mehr als 33% aufweisen.
"Der gemeinsame Nenner ist, dass die Täter Männer sind", betonte die Direktorin von Emakunde, die anmerkte, dass sich die Beschwerden über diese Vorfälle auf 4% der Fälle beschränken. Ebenso haben zwei von hundert Frauen körperliche Gewalt am Arbeitsplatz erlitten: Drohungen (1,8%), Schubsen oder Ziehen (1%). Von sexueller Gewalt (Berührungen) sind 1,4 % betroffen. Gleichzeitig gaben 14,3% der Befragten an, dass sie sexuelle Belästigung im Internet durch unangemessene Annäherungsversuche (9%), sexuell eindeutige oder unangemessene E-Mails oder Textnachrichten (6,3%) erlitten haben. Diese Zahlen betreffen 22,7% der Frauen, wenn von wiederholter sexueller Belästigung über das Internet ausgegangen wird. (naiz-baskultur)
(2025-10-29)
LOHNABZUG FÜR GAZA-SCHULEN
Am 15. Oktober 2025 fand im Baskenland (und im spanischen Staat) ein Generalstreik für das Ende des zionistischen Völkermordes und aus Solidarität mit dem palästinensischen Volk statt. Die Beteiligung war zwar unterschiedlich, der Unterricht in Euskadi und Nafarroa fiel jedenfalls komplett aus, weil sich unter den Lehrkräften ein besonders großer Teil für den Streik entschied. Damit ist das Thema jedoch noch nicht abgehakt. Denn Streik bedeutet Lohnabzug, die Regierungen haben also mehr Geld in der Kasse als dies vorherzusehen war. Was mit diesem Polster sinnvollerweise angefangen werden könnte, dazu hat in Nafarroa die Initiative “Lehrerinnen für Palästina“ einen Vorschlag gemacht. Die Gruppe hat die Regierung von Navarra aufgefordert, das “übrige Geld“ dem Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) zur Verfügung zu stellen für den Wiederaufbau der Schulen in Gaza.
Diese Initiative wurde vom Sprecher der Gruppe, Asier Azpilikueta, den Medien vorgestellt. Er wies darauf hin, dass "Israel alle Bildungsinfrastrukturen im Gazastreifen zerstört hat, von Kindergärten, Grund- und weiterführenden Schulen bis hin zu Universitäten. Sogar Schulen der Vereinten Nationen wurden bombardiert, weshalb die Kinder im Gazastreifen seit zwei Jahren nicht mehr zur Schule gehen können". “Auch wenn im Moment "die Priorität darin besteht, den Völkermord zu stoppen und humanitäre Hilfe zu leisten, müssen wir, sobald dies erreicht ist, und hoffentlich bald, die Bildungs-Infrastrukturen wieder aufbauen".
Dabei hoffen die Lehrer*innen, dass "das Geld, das die Regierung von Navarra den Lehrkräften, die am 15. Oktober den Streik in Solidarität mit dem palästinensischen Volk unterstützt haben, abgezogen hat, dem UNRWA-Hilfswerk für diesen Zweck zur Verfügung stellt". Azpilikueta betonte, dass "dieses Geld für Gehälter bestimmt war und, da es nicht für diesen Zweck verwendet wird, nun für den Wiederaufbau verwendet werden kann". In diesem Sinne erinnerte er daran, dass "Mitglieder der Regierung von Navarra Stellung bezogen haben, indem sie an Demonstrationen teilnahmen oder Erklärungen zur Solidarität mit dem palästinensischen Volk abgaben und den Völkermord anprangerten, und wir fordern sie auf, den Worten Taten folgen zu lassen und dieses Geld für die Schulinfrastruktur in Gaza zu verwenden".
Wie soll das geschehen?
Der Sprecher erklärte, welche Schritte unternommen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Zunächst bittet die Gruppe "die streikenden Lehrer, individuelle Anträge zu stellen, in denen alle einzeln darum bitten, den Teil ihres Gehalts, der einbehalten wurde, nach Gaza zu schicken". Dabei gibt es verschiedene Fälle, denn obwohl im Bildungsbereich ein Streiktag ausgerufen wurde, "streikten einige Lehrer drei oder vier Stunden lang". Aber in jedem Fall und unabhängig von der gewählten Methode wurde ihnen allen der entsprechende Teil ihres Gehalts abgezogen. Sobald der Antrag gestellt wurde, "muss jede Lehrkraft ihn persönlich im Bildungsministerium oder online einreichen". Darüber hinaus hat das Kollektiv "ein Standardschreiben für diesen Antrag erstellt, das die Lehrkräfte ausfüllen, dem Schreiben beifügen und an den Bildungs-Senator schicken muss". Es ist dann Sache der Abteilung, auf den Antrag der Lehrer zu antworten. (naiz-baskultur)
(2025-10-28)
GENERALSTREIK + ERSCHIESSUNGEN (1903/1937)
Vor 122 Jahren, am 28. Oktober 1903, wurde in Bizkaia der Kriegszustand ausgerufen. Der Generalstreik der Bergarbeiter im Großraum Bilbao wurde immer wilder. An diesem Tag besetzten die Arbeiter Bilbao und stellten die Stadt auf den Kopf. Es kam auch zu bewaffneten Zusammenstößen mit Toten und Verletzten. Nicht einmal die Führer der Sozialistischen Partei waren nicht in der Lage, die streikenden Bergarbeiter unter Kontrolle zu bringen, deshalb wurde die Armee auf die Straße geschickt, um den Streik einzudämmen. Drei Tage später, am 31. Oktober, wurde der Sieg der Arbeiter verkündet, ab dem 1. Januar sollten ihre Forderungen erfüllt werden: Sie sollten ihren Lohn wöchentlich erhalten und einkaufen können, wo sie wollten, nicht mehr in den teuren Economatos, den Unternehmens-eigenen Läden. Bis dahin hatten sie einen Teil ihres Lohns in Form von Gutscheinen erhalten, über die sie gezwungen waren, in diesen Läden “einzukaufen“, um die Gutscheine einzulösen. Das Ölgemälde von "Bizkaiko langileen greba" (Streik der Arbeiter Bizkaias) von Vicente Cutanda stammt allerdings aus dem Jahr 1892.
Franquistische Hinrichtungen
Vor 88 Jahren, am 28. Oktober 1937, erschossen Francos Truppen 42 baskische Gudaris (baskische Soldaten) im Gefängnis von El Dueso in der kantabrischen Stadt Santoña. Einige Monate zuvor hatten die Führer der baskisch-nationalistischen Partei PNV ein Abkommen mit den italienischen Faschisten unterzeichnet. Die baskischen Armee-Bataillone sollten sich ergeben, im Gegenzug sollten sie als italienische Kriegsgefangene verschont werden. Die spanischen Franquisten hielten sich jedoch nicht an das Versprechen der Italiener, als sie von der Vereinbarung erfuhren, stoppten sie die Operation und brachten die baskischen Kämpfer ins Gefängnis von El Dueso, wo später 42 von ihnen ermordet wurden. Diese Geschichte wurde später zum “Verrat der PNV von Santoña“. Die linken Milizionäre (Kommunisten, Anarchisten, ANV) hatten nicht kapituliert, sie waren weitergezogen, um Asturien zu verteidigen. (argia-baskultur)
(2025-10-27)
FÜR DIE KINDER IN GAZA
Tausende von Menschen nahmen an einem Marsch in Bilbao teil, um der Tausenden von minderjährigen Opfern des israelischen Völkermords zu gedenken und die Achtung der Rechte des palästinensischen Volkes und seine Freiheit "vom Fluss bis zum Meer" zu fordern. Unabhängig vom Ausgang der in Washington ausgehandelten Abkommen und der Roadmaps mit ungewisser Zukunft gehen die Initiativen der Solidarität mit Palästina und gegen den israelischen Völkermord im Gazastreifen im Baskenland weiter. Am Samstag gab es in Bilbao erneut eine große Mobilisierung für die palästinensischen Kinder, die Opfer des blutigen zionistischen Angriffs wurden - zwanzigtausend Tote, unzählige Verletzte.
Schuhe in tausend Farben und allen Größen stiegen im Takt der Sirenen am Rathaus in den Himmel, wo es in Strömen regnete. Das tat der Farbenpracht der Demonstration keinen Abbruch, an der viele Familien teilnahmen und die von mehreren Kindern eröffnet wurde, die eine palästinensische und eine baskische Flagge trugen. Neben ihnen belebten mehrere Clowns die Strecke und hinter ihnen eine Menge, die nicht aufhörte, Slogans wie "Boikot Israel, für ein freies Palästina", "Vom Fluss zum Meer, Palästina wird siegen" oder "Israel Mörder, Europa Helfer" zu skandieren.
77 Jahre Kolonisierung und ethnische Säuberung
Gefordert wurde, dass "die Führer des zionistischen Staates Israel wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen werden. Israel setzt weiterhin Hunger als Kriegswaffe ein, ermordet weiterhin Kinder, die Kolonisierung hört nicht auf". Es wurde auch darauf hingewiesen, dass nachrAngaben des israelischen Gefängnis-Behörde 360 palästinensische Minderjährige in israelischen Gefängnissen inhaftiert sind. Von diesen werden 147 ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Verwaltungshaft gehalten, die meisten von ihnen haben über Folter und Misshandlungen berichtet. Doch nach internationalem Recht, insbesondere dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes, hat "jeder Minderjährige das Recht auf Rechtsbeistand und auf Anfechtung der Rechtmäßigkeit seiner Inhaftierung".
„Die Apartheid gegen das palästinensische Volk hat nicht vor zwei Jahren begonnen", erklärte der Sprecher von Gure haurrak ere badira und erinnerte daran, dass "der zionistische Staat seit 77 Jahren Kolonisierung und ethnische Säuberung betreibt". Sie betonten die Notwendigkeit, die zerstörten Bildungs-Infrastrukturen im Streifen wieder aufzubauen und den Minderjährigen sowohl psychologische Betreuung als auch ihr Recht auf Bildung zu garantieren. Sie warnten auch, dass "humanitäre Hilfe niemals zu einem Instrument der Erpressung werden darf".
"Hört nicht auf, über Palästina zu sprechen"
Sie erinnerten an die im Parlament von Gasteiz verabschiedeten Forderungen: "ein Ende der Besetzung Palästinas in Übereinstimmung mit der internationalen humanitären Gesetzgebung zu fordern und die Rückkehr der Flüchtlinge zu garantieren; die baskischen Institutionen aufzufordern, alle Beziehungen zu Israel und seinen institutionellen Vertretern abzubrechen; und einen festen Betrag im Haushalt für Notfälle und den Wiederaufbau der schulischen Infrastruktur in Gaza und im Westjordanland bereitzustellen". Angekündigt wurde, dass diese Forderungen auch im Parlament von Iruñea (Nafarroa) vorgelegt werden.
Im Gedenken an alle von der israelischen Armee ermordeten Kinder, aber auch mit Blick "auf diejenigen, die diesen Völkermord überlebt haben", setzte die Demonstration ihren Marsch zum Rathaus fort, wo sie von einem heftigen Regenschauer begleitet ankam. Nachdem alle Schuhe auf den Stufen gestapelt waren, die an die tägliche Tragödie in Gaza erinnerten, bat ein Mädchen palästinensischer Herkunft die Anwesenden, "nicht aufzuhören, über Palästina zu sprechen". (naiz-baskultur)
(2025-10-26)
MILITÄR-FLUGPLATZ IN NAVARRA
Ablitas ist der kleine Bruder des riesigen Schießplatzes Bardenas in Süd-Navarra und steht dem spanischen Militär zudem kostenlos zur Verfügung. Der Flugplatz von Ablitas ist eine militärische Einrichtung, die den Schießplatz von Bardenas zu Ausbildungs-Zwecken ergänzt. Er befindet sich auf staatlichem Grund und Boden, das Verteidigungs-Ministerium muss daher keine Entschädigung an die lokalen Behörden zahlen, anders als im Fall von Bardenas, wo es einen Pachtvertrag gibt. Die antimilitaristische Bürgerinitiative Bardenas Libres (Freie Bardenas) und Errigora (kommunaler Lebensmittel-Vertrieb) haben vergangenen Samstag (25-10-2025) eine Protest-Demonstration durchgeführt.
Die Plattform Bardenas Libres hat mit Unterstützung von Errigora einen Marsch zum Flugplatz Ablitas durchgeführt, einer militärischen Infrastruktur in der süd-navarrischen Landschaft Erribera, die den Schießplatz von Bardenas ergänzt. Der Marsch ist der Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen, die im Laufe dieses Monats auf dem Flugplatz organisiert wurden und Teil der Dynamik sind, die in Gang gesetzt wurde, damit die Gemeinde Bardenas den Pachtvertrag für den Schießplatz, der 2028 ausläuft, nicht an die spanische Luft- und Raumfahrtarmee verlängert:
Der Flugplatz von Ablitas wird für die Ausbildung von Besatzungen militärischer Transport-Flugzeuge oder für Fallschirm- und Frachtabwürfe genutzt. Er wird als Ergänzung zum 22 QKM großen Schießplatz Bardenas betrachtet, der ein weitläufiges Ziel für Schieß- und Bombentraining ist. Die Teilnehmer an den Trainings-Einheiten an beiden Standorten in Navarra kommen vom Luftwaffen-Stützpunkt Zaragoza.
Die Aktivitäten auf dem Flugplatz Ablitas haben in letzter Zeit zugenommen und erreichen eine durchschnittliche Nutzung von 200 Tagen pro Jahr. Angesichts steigender Militär-Ausgaben ist zu erwarten, dass die Nutzung weiter zunehmen wird. Der Flugplatz verfügt über eine 1.800 Meter lange Start- und Landebahn, die einzige ihrer Art der spanischen Luftwaffe.
1937 für die Legion Condor gebaut
Im Gegensatz zum Schießplatz Bardenas, der 1951 eingerichtet wurde und für den die Armee eine jährliche Gebühr an die Gemeinde Bardenas zahlt, wurde der Flugplatz Ablitas 1937, mitten im Spanienkrieg, für die Nutzung durch die Legion Condor der Nazis gebaut. In Navarra gab es keinen Krieg, weil sich die dortgien Behörden sofort dem faschistischen Militäraufstand angeschlossen hatten. Republikanische politische Gefangene bauten die ersten Infrastrukturen. Der Staat enteignete das 149 Hektar (1,4 QKM) große Gelände im Jahr 1967. Seitdem gehört es direkt dem Staat, der im Gegensatz zum Schießplatz nichts an die lokalen Behörden zahlt, in diesem Fall wäre die Stadtverwaltung von Ablitas zuständig. Die Ablitas-Anlage stand immer außerhalb des Medieninteresses und im Schatten der Proteste, die den Schießplatz von Bardenas begleitet haben.
Da Ablitas nicht zur Gemeinde Bardenas gehört, erhält es keinen Ausgleich für die militärischen Aktivitäten. Dies betonte der Bürgermeister dieses Ortes, Carlos Bonel von der rechten Partei UPN, der als Zuhörer an einer von Bardenas Libres in Tutera (span: Tudela) organisierten Diskussions-Veranstaltung teilnahm. "Es wäre viel besser für uns, das Land zurückzubekommen, das uns während des Bürgerkriegs enteignet wurde, als dafür bezahlt zu werden, wie es in anderen Orten getan wird. Ich will keine 400.000 Euro im Jahr, wie dies in Bardenas der Fall ist, sondern ich will unser Land zurückgewinnen, auf dem wir eine Viehzucht oder eine Tätigkeit ausüben kann, die uns einen Gewinn bringt", sagte Bonel, der sich von der Position seiner Partei in Bezug auf den Schießplatz radikal unterscheidet.
45% des Gemeindegebiets von Ablitas sind geschütztes Steppenland. Nur wenige Meter davon entfernt werden nach Ansicht Bardenas Libres militärische Aktivitäten ohne jegliche Kontrolle durchgeführt. In diesem Zusammenhang hat Bardenas Libres zu einem Marsch zum Flugplatz von Ablitas aufgerufen, der von der Organisation Errigora unterstützt wird, die ihre Kampagne in der Stadt am Flussufer gestartet hat. Bei dem Marsch wurde angeprangert, dass der Schießplatz von Bardenas und der Flugplatz von Ablitas "Teil derselben militaristischen Infrastruktur sind, die das Franco-Regime hinterlassen hat und die im Dienst der imperialistischen und kapitalistischen Interessen steht".
"2028 ist das Jahr, in dem der Vertrag mit dem Verteidigungs-Ministerium neu verhandelt werden wird. So wie wir gegen Völkermord und imperialistische Kriege mobilisiert haben, müssen wir gegen diese militärischen Infrastrukturen mobilisieren. Es ist an der Zeit, eine entschlossene Antwort zu geben, um zu verhindern, dass eines der wichtigsten Naturgebiete Navarras weiterhin Teil der Strategie der Aufrüstung und Militarisierung ist. Wir wollen nicht zu diesen Kriegen beitragen, die nur die Interessen der Rüstungs-Unternehmen auf Kosten der Völker der Welt darstellen", forderte Bardenas Libres.
Kennzeichnung als Ort der Erinnerung
Die Partei Contigo-Zurekin (Podemos) hat ihrerseits im Parlament von Nafarroa eine Initiative eingebracht, auf dem Flugplatz von Ablitas Schildern anzubringen, die daran erinnern, dass er einen Ort der Erinnerung an die Sklavenarbeit in Francos Diktatur darstellt. "Obwohl der Flugplatz von Ablitas in das Netz der Erinnerungsorte des Instituts für das Gedenken in Navarra aufgenommen wurde, gibt es noch immer keine öffentlich sichtbaren Hinweise, die seinen Ursprung erklären", sagte der Sprecher von Contigo-Zurekin. "Die öffentliche Anerkennung dieser Orte ist eine Frage der Würde und der Gerechtigkeit. Die Erinnerung an die Sklavenarbeit würdigt die Opfer und stärkt eine Demokratie, die auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung beruht", fügte er hinzu. (naiz-baskultur)
(2025-10-25)
EIN KOMPLIZE DES VÖLKERMORDES
B
ei allem ultrarechten Lawfare, der von der spanischen Justiz gegen Regierungs-Kreise geführt wird, liefert diese Justiz trotzdem noch Überraschungen. Die berüchtigte Audiencia Nacional untersucht einen der wichtigsten baskischen Geschäftsleute in einer Untersuchung im Zusammenhang mit Waffenverkäufen an Israel: José Antonio Jainaga, Präsident der Metallfabrik Sidenor. Ihm wird vorgeworfen, Stahl für Rüstungszwecke an Israel verkauft zu haben, ohne bei der spanischen Regierung eine Genehmigung einzuholen oder sich registrieren zu lassen. Der Richter des Nationalen Gerichtshofs Francisco de Jorge ermittelt gegen Jainaga und zwei weitere Führungskräfte wegen des Verkaufs von Stahl an den Waffenhersteller Israel Military Industries (IMSI) wegen "Schmuggels" und der "Komplizenschaft bei einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit" oder "Völkermord".
Nach Angaben der Audiencia Nacional ist der Richter der Ansicht, dass die Angeklagten in vollem Bewusstsein gehandelt haben, dass das Material für die Herstellung von Waffen verwendet werden würde. Der Richter hat gestern die Geheimhaltung des Verfahrens aufgehoben, er weist darauf hin, dass der Verkauf des Stahls erfolgt sei, ohne die entsprechende Genehmigung bei der Regierung beantragt zu haben und ohne sich in das entsprechende Register einzutragen, wie es in einem offiziellen Bericht des Allgemeinen Informations-Kommissariats vom 10. September heißt. Jainaga ist einer der wichtigsten baskischen Geschäftsleute, der sehr gute Verbindungen zur baskischen Regierung hat.
Für den Untersuchungsrichter sind die Ereignisse in Gaza sowohl durch die täglich in den Medien veröffentlichten Informationen als auch durch die vorläufige Einstufung als Verbrechen durch den Internationalen Strafgerichtshof und die Beschwerden der UN-Sonder-Berichterstatterin Francesca Albanese sowie des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) und anderer Personen und Organisationen allgemein bekannt. Seiner Meinung nach erfüllen diese Tatsachen den Straftatbestand des Schmuggels nach dem Organgesetz zur Bekämpfung des Schmuggels und den Straftatbestand der Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach den Artikeln 29 und 607 bis des Strafgesetzbuches oder alternativ den Straftatbestand der Beihilfe zu einem Verbrechen des Völkermords nach Artikel 607.
Der Richter ist der Ansicht, dass der Sachverhalt auch der Handelsgesellschaft Clerbil SL zuzurechnen ist, die die Position des alleinigen Verwalters der Sidenor Holdings Europa innehat.
Die palästinensische Gemeinschaft Kataloniens hatte am 1. Juli Anzeige gegen Sidenor wegen "möglicher Begehung eines Schmuggeldelikts" erstattet und "dringende Maßnahmen" wie die Durchsuchung des Containers des Schiffes ZIM Luanda im Hafen von Barcelona, in dem sich das Material befand, und dessen Beschlagnahmung gefordert, was zu einer Untersuchung durch den Obersten Gerichtshof Spaniens führte. Nach Angaben der Organisation Prou Complicitat Amb Israel hatte das Schiff angelegt, um 40 Stahlblöcke von Sidenor zu laden, mit denen es den Hafen von Haifa anlaufen sollte. In der Beschwerde wird auch die Auffassung vertreten, dass "ein Verbrechen des Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorliegen könnten".
Am selben Tag kündigte Sidenor an, den Verkauf von Stahl nach Israel einzustellen, und begründete dies damit, dass die spanische Regierung im April beschlossen habe, "den Kaufvertrag" mit Israel auszusetzen. Wie das Unternehmen damals mitteilte, "machten die Geschäftsbeziehungen von Sidenor mit israelischen Unternehmen im Jahr 2024 weniger als 0,5% seines Gesamtumsatzes aus". Diese Ereignisse fielen am 1. Juli mit einem Medien-Auftritt der Gewerkschaften ELA, LAB, ESK und der BDZ-Plattform, um das Stahlunternehmen aufzufordern, die Handelsbeziehungen mit Israel auszusetzen und die für denselben Tag geplante Verschiffung von Stahl aus dem Hafen von Barcelona zu stoppen. Die BDZ-Bewegung (Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen Israel) kritisierte die Tatsache, dass Sidenor, wie auch andere baskische Unternehmen wie CAF oder Metro Bilbao, Handelsbeziehungen mit dem hebräischen Land unterhielt.
BDZ Euskal Herria erklärte, dass die Untersuchung "bestätigt, was wir seit Jahren anprangern: die Beteiligung baskischer Unternehmen an der wirtschaftlichen, technologischen und industriellen Unterstützung des Besatzungs- und Apartheidsystems, das Israel dem palästinensischen Volk auferlegt". In einer Erklärung wies sie darauf hin, dass "der Fall Sidenor keine Ausnahme darstellt. Unternehmen wie CAF, das am Bau und der Instandhaltung der Jerusalemer Straßenbahn beteiligt ist, die durch die besetzten palästinensischen Gebiete führt, AMC Mecanocaucho, das Komponenten für Projekte im Zusammenhang mit dem israelischen Militärkomplex liefert, Metro Bilbao und Osakidetza, die Sicherheitsdienste mit dem israelischen Unternehmen I-Sec unter Vertrag genommen haben, sind Teil eines Netzes wirtschaftlicher Zusammenarbeit, das gegen die Grundprinzipien einer ethischen Investitionspolitik und die Achtung der Menschenrechte verstößt". "Alle Beziehungen mit dem Kolonial- und Apartheidsystem der zionistischen Regierung müssen abgebrochen werden. Die Regierungen müssen handeln und nicht nur Versprechen einhalten, das Justizsystem muss handeln und wir in der Volksbewegung müssen weiterarbeiten". (naiz-baskultur)
(2025-10-24)
KRIEGSOPFER IDENTIFIZIERT
Die Wissenschafts-Gesellschaft Aranzadi hat im Auftrag der baskischen Regierung auf dem Friedhof von Zornotza (Amorebieta) eine Menge von Leichen geborgen, eine davon wurde mittlerweile als die eines Milizionärs aus der Provinz Araba identifiziert: Jesús Arratibel. Er stammte aus der Gemeinde Zalduondo und ist die sechste Person, die anhand von DNA-Proben identifiziert wurde. Bislang wurden auf dem Friedhof die sterblichen Überreste von 157 Personen geborgen, wobei es sich um eine vorläufige Zahl handelt, da die forensische Analyse aller Überreste noch nicht abgeschlossen ist.
Dieser Milizionär des Malatesta-Bataillons der anarchistischen CNT starb im Dezember 1936 im Alter von 21 Jahren im Militärkrankenhaus der Bizkaia Stadt. Die Familie wurde bereits über die Identifizierung informiert und wird die sterblichen Überreste von Jesús Arratibel in den kommenden Wochen entgegen nehmen. Der Prozess wurde vom Biomics-Labor der EHU durchgeführt, das die von der Familie gespendete genetische Probe mit der Probe der Skelettreste verglich.
Die Gruppe Euskal Prospekzio Taldea (Prospektions-Gruppe Baskenland), die für die Lokalisierung möglicher Grabstätten von Opfern zuständig ist, hat sich ebenfalls an diesem Suchprogramm nach Personen beteiligt, die während des Krieges von 1936 verschwunden sind. Auch die Wissenschafts-Gesellschaft Aranzadi, die die Exhumierungen und die forensische Analyse der Überreste durchgeführt hat, ist beteiligt.
Auch fast 90 Jahre nach dem Krieg von 1936 sind noch nicht alle Massengräber untersucht und geleert. Im Baskenland gibt es davon nicht viele, hier sind die Kriegsopfer in kleineren Gräbern verteilt, nicht zuletzt in Sammelgräbern auf Friedhöfen wie Zornotza. Zu lange war jegliche Aufarbeitung verboten, im Franquismus, danach bestand in Verwaltungen und Regierungen lange kein Interesse. Eine Basis-Bewegung leistete Pionierarbeit und zwang die politisch Verantwortlichen ab 2005,sich ebenfalls an der Aufarbeitung und den Exhumierungen zu beteiligen.
Nach Angaben von Gogora wurden die sterblichen Überreste von 157 Personen geborgen, von denen bisher folgende Personen identifiziert wurden: Adolfo Cengotitabengoa Izurza aus Muskiz (Bizkaia), Jaime Iñiguez Nieva aus Ortuella (Bizkaia), Enrique Contreras aus Linares (Jaén) und wohnhaft in Aretxabaleta (Gipuzkoa), Benigno Hierro Pinedo aus Ortuella (Bizkaia), Jacinto Polo Ríos aus Donostia (Gipuzkoa) und Jesús Arratibel Ruiz de Alegría aus Zalduondo (Araba). (naiz-baskultur)
(2025-10-23)
KLAGE WEGEN FASCHISTEN-AUFMARSCH
Die Antifaschistischen Memoria-Gruppen werden die baskische Regierung verklagen wegen ihrer Entscheidung, die Falange-Veranstaltung am 12. Oktober in Gasteiz zuzulassen und zu schützen. Die Gruppen sind der Ansicht, dass diese Zulassung gegen die Gesetze zur historischen und zur demokratischen Erinnerung verstößt (Ley de Memoria Historica, Democrática). Die rechte PNV und die sozialdemokratische PSE argumentieren, dass sie die Veranstaltung nicht verbieten konnten.
Insgesamt 14 Memoria-Gruppen haben eine Untersuchung und gegebenenfalls Sanktionen gegen die Polizeieinsätze der Ertzaintza-Polizei und der Stadtpolizei von Gasteiz bzw. gegen den Senator für Sicherheit (Bingen Zupiria) und einen Stadtrat gefordert, weil sie die Aktion der spanischen Falange am 12. Oktober zugelassen und geschützt haben. In einem gemeinsamen Kommuniqué haben diese Verbände ihre Absicht bekundet, eine Beschwerde bei der Direktion für Menschenrechte und Opferhilfe der Regierung von Lakua einzureichen, da sie der Ansicht sind, dass das Nichtverbot der Falange-Veranstaltung gegen das Gesetz über das historische und demokratische Gedächtnis der Region verstößt.
Noch bevor es zu Ausschreitungen mit Antifaschisten kam hatten die Faschisten gleich gegen mehrere Regeln und Verbote verstoßen: Führergrüße und verbotene faschistische Symbole wären längst Grund genug gewesen, die Veranstaltung sofort abzubrechen und spätestens nach ihrem Beginn aufzulösen. Doch bekanntlich tut sich die baskische Polizei gegen Ultrarechte und Faschisten immer sehr schwer – was im krassen Gegensatz zu ihrem Verhalten gegenüber Linken und Antifaschisten steht, die bei der kleinsten Regelverletzung sofort mit schwerem Gerät angegriffen werden. Abgesehen davon war es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorhersehbar, dass es von Seiten der Falange zur Verherrlichung von Faschismus kommen würde.
Während der Faschisten Veranstaltung kam es in Gasteiz dann zu schweren Zwischenfällen, zu direkten Auseinandersetzungen zwischen Faschisten und Antifaschisten. Dabei kam es zu Sachbeschädigungen, 19 Verhaftungen und 40 Verletzten, am heftigsten traf es den Antifaschisten Aritz Ibarra, dem mit einem Polizeigeschoss aus nächster Nähe der Kiefer gebrochen und mehrere Zähne ausgeschossen wurde.
Nach Ansicht dieser 14 Verbände wollte die Falange durch das Zeigen von franquistischen Symbolen und Gesten ihre "Verachtung und Demütigung für die Opfer der Diktatur" zeigen und "Konfrontation" in einer Stadt schaffen, die "den Schrecken der franquistischen Repression" und des "späten Franquismus" erlebt hat. Damit gemeint sind die Angriffe der franquistischen Polizei, bei denen am 3. März 1976 fünf Menschen ermordet wurden. Die Memoria-Gruppen wiesen darauf hin, dass diese Ereignisse nach den baskischen und staatlichen Gesetzen zum historischen Gedenken ein Vergehen darstellen und dass beide Gesetze die gemeinsame Verantwortung derjenigen, die diese Art von Verhalten begehen, sowie derjenigen, die es zulassen, beinhalten. Die baskischen Sicherheitsbehörden haben sich somit selbst schuldig gemacht.
Das Gesetz bestraft diejenigen, die "mitwirken" und "nicht verhindern"
Das baskische Gesetz verweist auf Artikel 46.3, der besagt, dass "Personen, die bei der Ausführung einer Handlung mitwirken, ohne die sie nicht ausgeführt worden wäre, und diejenigen, die der durch eine Rechtsnorm auferlegten Pflicht, die Begehung der Straftat durch eine andere Person zu verhindern, nicht nachkommen, ebenfalls als Täter angesehen werden". Klarer geht’s nicht.
Artikel 62.1.d der staatlichen Verordnung betrachtet es als schwerwiegende Straftat, "wenn nicht die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden, um zu verhindern oder zu unterbinden, dass an öffentlich zugänglichen Orten oder in öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen persönliche oder kollektive Handlungen zur Verherrlichung des militärischen Aufstandes, des Krieges oder der Diktatur vorgenommen werden". Noch Fragen?
In diesem Sinne prangerten sie die "Untätigkeit" der regionalen und kommunalen Polizeibehörden an, die "die verwaltungstechnische Möglichkeit hätten, diese Handlungen zu verhindern, entweder durch den Entzug der Demonstrations-Genehmigung oder durch die Verhinderung ihrer Fortsetzung und/oder die Auflösung der Versammlung". Nichts davon geschah.
PNV und PSE, die Parteiender Regierung, argumentierten in diesen Tagen, dass sie die Veranstaltung nicht verhindern konnten, während die linke Fraktion EH Bildu daran erinnert, dass sie sehr wohl die Macht gehabt hätten, Zwischenfälle zu verhindern, und dass diese Regierung 2008 eine ähnliche Falange-Veranstaltung, ebenfalls am Ultra-National-Feiertag 12. Oktober, verboten hat. Bildu wies auch darauf hin, dass es die Möglichkeit gab, die Veranstaltung in weit entfernte Gebiete zu verlegen. Sie durfte jedoch mitten in der Stadt abgehalten werden – sichtbar, so wie die Faschisten das wollen. Zudem haben die Verbände angemerkt, dass die Polizeibeamten die Falangisten und ihre illegalen Aktivitäten "geschützt haben".
Sie kamen zu dem Schluss, dass das Versäumnis der Ertzaintza und der lokalen Polizei, Maßnahmen zu ergreifen, um das Verhalten, das gegen die Gesetze der Erinnerung verstößt, zu verhindern oder zu beenden, "sie ebenfalls zu Tätern der Ereignisse macht“, deshalb seien sie für die oben genannten Straftaten haftbar zu machen".
Aus diesem Grund fordern die Gruppen, dass gegen die Organisatoren der Veranstaltung und die Verantwortlichen der städtischen und regionalen Polizeieinsätze Ermittlungen eingeleitet und gegebenenfalls entsprechende Sanktionen verhängt werden, und dass andernfalls der für die Sicherheit zuständige Stadtrat von Gasteiz und der Senator für Sicherheit angezeigt werden. Außerdem wurde die Regierung von Lakua aufgefordert, bei der Zentralregierung die Einleitung eines Verfahrens zur Illegalisierung und Auflösung der Partei Falange Española wegen wiederholter Nichteinhaltung der baskischen und spanischen Gesetze zu beantragen.
Die unterzeichnenden Vereinigungen sind die Vereinigung der Opfer des 3. März, Gernika Batzordea / GEBehatokia / Goldatu / Intxorta 1937 kultur elkartea / Sanfermines 78 Gogoan / Asociación 6 de marzo por Juan Gabriel Rodrigo Knafo / Ateneo Republicano de Álava Eraiki - Arabako Errepublikar Ateneo Elkartea / Gogoan Sestao Elkartea-Recuperación de la Memoria Histórica / Comisión Memoria Histórica CNT Euskadi / Asociación Nicolás Guerendiain (Irun) / Kepa Ordoki / Oroituz Andoainen und Tolosako Errepublikanoak-Foro Republicano de Tolosa. (naiz-baskultur)
(2025-10-22)
BEHINDERUNG BASKISCHER SEE-NOT-RETTUNG
Aita Mari ist der Name eines baskischen Rettungsschiffes, das im Mittelmeer nach Boatpeople und schiffbrüchigen Flüchtlingen sucht, um sie in sichere Häfen zu bringen. Angesichts der rassistischen und migrations-feindlichen Haltung von rechten, ultrarechten und faschistischen Parteien und Gruppierungen in halb Europa ist es kein Wunder, dass sich die Verantwortlichen der Aita Mari mit ihrem humanistischen Geist viele Feinde gemacht haben. Denn die versammelte Ultrarechte will Migrant*innen loswerden und nicht für eine sichere Ankunft sorgen: “Kein Interesse, was mit denen auf dem Meer passiert“. In Italien wird das Schiff schikaniert, wenn gerettete Flüchtlinge an Land gebracht werden sollen: Wochenlang keine Anlege-Genehmigung, wenn dann in entfernten Häfen; Sicherheits-Inspektionen, die technische Mängel en masse feststellen, obwohl gerade die Generalinspektion durchlaufen wurde. Staatlicher Rassismus, auch wenn die Zahlen der Verschwundenen und Ertrunkenen steigt.
Als gemeinnütziges Projekt ist das Schiff Aita Mari von der Zahlung von Liegegebühren in spanischen Häfen befreit. Doch die ultrarechte Regierung PP-VOX nach dem Wechsel 2023 kennt keine Gemeinnützigkeit, die nicht den Stierkampf betreffen würde, und wollte dem Rettungs-Projekt 80.000 Euro abknöpfen. Dem hat das Wirtschafts-Verwaltungsgericht von Valencia (TEAV) einen Riegel vorgeschoben. Sie hat die von der Generalitat Valenciana (Regionalregierung) gegen die NGO Salvamento Marítimo Humanitario (SMH, Betreiberin des Rettungsschiffs Aita Mari) verhängte Gebühren-Abrechnung für nichtig erklärt und hat die gesetzlich vorgeschriebene Befreiung für ihre humanitäre Arbeit bestätigt. Die Generalitat hatte zunächst 63.000 in Rechnung gestellt, dann wurden weitere 13.000 gefordert. In einer Erklärung erklärte die SMH, dass die Abrechnungen, die zwischen Juli und August 2024 von der Rechts-Ultrarechts-Regierung ausgestellt wurden, den Aufenthalten des Schiffes Aita Mari in den Häfen von Burriana und Vinaròs während der letzten drei Jahre entsprechen.
Sie erinnerte daran, dass die Generalitat diese Gebühren seit 2016 nicht mehr in Rechnung gestellt hatte, da das Gesetz ausdrücklich die Gebührenbefreiung für Schiffe humanitärer, und gemeinnütziger Einrichtungen vorsieht, die sich aufgrund ihrer Tätigkeit im öffentlichen Hafenbereich befinden müssen. SMH beklagte, dass die Erhebung der Gebühren "ein Versuch ist, die humanitäre Arbeit zu kriminalisieren und zu behindern, indem die Regierung dem Diktat des offen fremdenfeindlichen und rassistischen Diskurses der extremen Rechten folgt".
Die derzeitige PP-Regierung zielt nach den Regierungs-Vereinbarungen mit VOX darauf ab, die NGOs aus Valencia zu "vertreiben", und wendet ein illegales rückwirkendes Kriterium an, indem sie die geltenden Vorschriften der letzten drei Jahre in einer Weise uminterpretiert, die gegen das Gesetz verstößt, um die Zahlung der Gebühren zu erzwingen".
Reaktion auf Versuche der Rechtsbeugung
Die SMH "bedauert zutiefst, dass der unverschämte menschenrechts-feindliche, irrationale und populistische Diskurs, der von der extremen Rechten geführt und von der PP eng begleitet wird, als selbstverständlich hingenommen wird. Dieser Diskurs zielt darauf ab, Menschen mit anderen Kulturen und Religionen ihrer Menschlichkeit zu berauben und gefährdet die Grundwerte der valencianischen Gesellschaft".
Angesichts dieser Situation hat die SMH angemerkt, dass sie "als eine Einrichtung, die die Menschenrechte verteidigt", "gegenüber direkten Angriffen und Versuchen, ihre Tätigkeit zu kriminalisieren, immer standhaft bleiben wird. Eine Tätigkeit, die völlig legitim ist und heute angesichts einer tiefen humanitären Krise notwendiger denn je ist". "Trotz der Angriffe bekräftigt Salvamento Marítimo Humanitario sein Engagement. Deshalb werden wir unsere Tätigkeit in den Häfen der Region Valencia mit größtmöglicher Sichtbarkeit fortsetzen und unsere Sensibilisierungs- und Bildungsarbeit für den sozialen Wandel intensivieren. Das Ziel ist klar: die Werte der Solidarität und Brüderlichkeit, die unsere Gesellschaft auszeichnen, zu bewahren und dem Diskurs des Hasses die Praxis der Menschenrechte entgegenzusetzen", erklärte SMH. (naiz-baskultur)
(2025-10-21)
ELITÄRER FRESS-TOURISMUS
Was für ein Wort - Gastronomy Open Ecosystem – kann sich darunter jemand etwas vorstellen? Offenes Gastronomie-Ökosystem … je unverständlicher die Titel, desto neugieriger die Kundschaft, mögen sich die Erfinder desselben gedacht haben. Tatsache ist, dass dieses Gastronomy Open Ecosystem (GOe), am 20. Oktober 2025 im Donosti-Stadtteil Gros eingeweiht wurde, es handelt sich um den neuen Sitz des Basque Culinary Centre – das hört sich gleich etwas vertrauter an: Baskisch Kulinarisches Zentrums (BCC) – es muss etwas mit Nahrungsaufnahme zu tun haben.
Und weil das Teil einen so monströsen Namen hat, kann es sich nicht einfach um ein Restaurant handeln, sondern … an der Eröffnungs-Veranstaltung nahmen der baskische Ministerpräsident, der spanische Minister für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung, sowie weitere VIPs teil. Damit hat das BCC bereits zwei Einrichtungen, denn im BCC selbst werden Eliteköche ausgebildet, während es im neuen GOE um Forschung gehen soll – sicher nicht im Interesse der armen Leute der Stadt.
Begleitet wurde die Elite bei ihrem Akt von Protesten sozialer Gruppen und Nachbarschafts-Vereinigungen, denn ganz so sozial-ökologisch ist das GOE-Ökosystem offenbar nicht. Für den großspurigen Bau musste ein Park weichen, der beliebte Manteo-Park, auf dem die Nachbarschaft die Freizeit verbracht und die Hunde spazieren geführt hat. Die Protestierenden nannten den Park-Entzug eine "Plünderung", die zu einer völlig unbeliebten, weil elitären städtebaulichen Maßnahme geführt hat.
Dutzende von Menschen, darunter Ratsmitglieder von EH Bildu, Elkarrekin Donostia und Ezker Anitza-IU, versammelten sich Minuten vor der offiziellen Einweihung vor dem Gebäude und trugen Schilder mit dem Slogan "Ez dugu nahi, ez dugu behar" (Wir wollen das nicht, wir brauchen das nicht). “Baskisches Kulinarisches Zentrum: eine Ausplünderung".
Beklagt wurde, dass dieses Projekt "den Verlust des einzigen öffentlichen Raums, mit einer Grünfläche von 13.000 QM bedeutet“, der vorher dazu bestimmt war, "öffentliche Einrichtungen und Wohnungen für Jugendliche und ältere Menschen zu beherbergen, für die es jedoch weiterhin keine Finanzierung gibt, obwohl sie im geltenden Generalplan seit 15 Jahren vorgesehen sind". Ein doppelter Verlust also. Stattdessen dieser elitäre Prachtbau, in den die Stadtteil-Bewohner*innen voraussichtlich nie einen Fuß setzen werden. "Die Stiftung Baskisches Kulinarisches Zentrum ist als Nutznießerin dieser Ausplünderung zu einer großen Lobby geworden, die sich aus bekannten Millionärsköchen und Sponsoren zusammensetzt, um Vergünstigungen und öffentliche Mittel für ihre privaten und exklusiven gastronomischen Betriebe zu erhalten". Die Protestierenden verurteilten die "Missachtung" der Stadtverwaltung gegenüber den zahlreichen Protesten der Anwohner*innen und "die Beseitigung jeglicher Andeutung von Bürgerbeteiligung, um über die Zukunft des öffentlichen Raums über die Bedürfnisse der Stadtviertel Gros und Ulia entscheiden zu können".
26 Millionen Euro, 24 Millionen öffentliche Mittel
Der Direktor des BCC sah das selbstverständlich ganz anders, er betonte, dass "GOe mit dem Ziel gegründet wurde, durch die Gastronomie zu einer köstlichen Zukunft beizutragen, gesunde und nachhaltige Lebensmittel zu fördern, Spitzenforschung, Unternehmertum und Fortbildung zu unterstützen“. BCC werde mit Lebensmittel-Unternehmen zusammenarbeiten, um “echte und anwendbare Lösungen zu entwickeln". Er wies darauf hin, dass das Ziel aller an dem Projekt beteiligten Fachleute nicht darin besteht, "Mega-Experten in einer Sache zu sein, sondern Experten in vielen", indem sie verschiedene Wissensbereiche miteinander verbinden. "Es geht darum, Netzwerke und Gemeinschaften zu weben", betonte er und verteidigte die öffentlich-private Kooperation – bei der die Privaten Ideen beisteuern und die öffentliche Hand das Geld. Das Gebäude hat 26 Millionen Euro gekostet, von denen Lakua 18 Millionen, die Provinzregierung von Gipuzkoa 6 Millionen und BCC 2 Millionen beigesteuert haben. Es wurde in Rekordzeit von einem Jahr gebaut, um Tatsachen zu schaffen.
"Das Zentrum wird einen umfassenden Ansatz bieten, der Produktqualität, Humankapital, Prozess-Innovation und Digitalisierung miteinander verbindet. Wir dürfen nicht vergessen, dass der baskische Lebensmittel- und Gastronomie-Sektor einer der strategischen Motoren unserer Wirtschaft ist, der 10% zum BIP beiträgt und rund 133.000 Arbeitsplätze schafft", betonte der Ministerpräsident. (naiz-baskultur)
(2025-10-20)
EH BILDU BRICHT MIT ISRAEL
Die sozialdemokratisch gewendete baskische Linkskoalition EH Bildu hat ihre Entscheidung bekannt gegeben, alle Beziehungen zu Israel in den von ihr verwalteten Stadträten und Einrichtungen abzubrechen. Die Befürworter der baskischen Unabhängigkeit gehen davon aus, dass dies "der wirksamste Weg ist, das palästinensische Volk zu schützen". Sie versichern, dass sie nicht "das Spiel der Äquidistanz" gespielt haben und dies auch in Zukunft nicht tun werden.
EH Bildu will "die wirtschaftlichen, kommerziellen, diplomatischen und politischen Beziehungen zu Israel" abbrechen, solange "der Völkermord andauert", in allen Einrichtungen, die sie regiert. Diese Ankündigung machte die Bürgermeisterin von Bermeo, Nadia Nemeh, nach einer Sitzung der Stadträte von EH Bildu, die in Arrasate stattfand. Die in Palästina geborene Bürgermeisterin erklärte, dass "wir von heute an damit beginnen werden, die Beziehungen und Verbindungen unserer Verwaltungen zu Israel zu analysieren, wir werden die entsprechenden Schritte unternehmen, um sicherzustellen, dass diese Entscheidung so weit wie möglich umgesetzt wird".
„Wir sehen zwei unterdrückte Völker, zwei befreundete Völker. Hier in Euskal Herria ist für uns klar: mehr denn je stehen wir an der Seite Palästinas.“ Nemeh erklärte, dass der Waffenstillstand eine "positive Nachricht" sei, aber dass "wir die Realität und die Zukunft mit Vorsicht betrachten müssen". EH Bildu "begrüßt das Abkommen, aber wir wissen nicht, welche Position Israel einnehmen wird und ob es den Willen hat, das Abkommen überhaupt einzuhalten", fügte sie hinzu.
Der Völkermord geht weiter
"Der Völkermord geht weiter, das dürfen wir auf keinen Fall vergessen. Die tägliche Realität hat sich nicht geändert: Tausende von Toten und Verwundeten, Hunderttausende von Vertriebenen, zerstörte Schulen, Krankenhäuser, Universitäten, der größte Teil des Territoriums zerstört, Hunger und Krankheiten, Mangel an Grundversorgung, die Notwendigkeit und Verweigerung humanitärer Hilfe? Solange diese Zustände nicht beseitigt sind, haben wir es mit einem Völkermord zu tun", stellte Nemeh fest.
Die Bürgermeisterin von Bermeo kündigte an, dass ihre Partei "sich darüber im Klaren ist, dass wir jetzt mehr denn je die Solidarität fortsetzen müssen. Wir müssen Palästina unterstützen, Palästina zuhören und alles in unserer Macht Stehende tun, um zum Wiederaufbau und zur Wiederbelebung Palästinas beizutragen und Israel zu isolieren", weshalb es jetzt an der Zeit sei, "Verpflichtungen einzugehen". Sie ist der Ansicht, dass das Baskenland "ein Beispiel und eine Vorreiterrolle in der Welt" in Bezug auf die Solidarität mit Palästina gespielt hat und dass EH Bildu "in Übereinstimmung mit den Forderungen der baskischen Gesellschaft und ihren Werten sowohl in den Institutionen als auch auf der Straße in dieser Richtung gearbeitet hat".
"EH Bildu hat nicht das Spiel der Äquidistanz gespielt und wird dies auch in Zukunft nicht tun. Wie bisher werden wir weiterhin unsere Solidarität und Unterstützung zeigen und uns in allen Institutionen, in denen wir vertreten sind, für Palästina einsetzen." (naiz-baskultur)
(2025-10-19)
BASKISCHE POLIZEI AN DER SEITE DER FASCHISTEN
Falange-Faschisten haben in Vitoria-Gasteiz am 12. Oktober (spanisches Ultra-National-Fest) verbotene faschistische Symbole gezeigt, Führergrüße, Franco-Flaggen, und sie haben antifaschistische Gegendemonstranten angegriffen. Die baskische Polizei ging „“dazwischen“, verletzte Antfaschist*innen schwer, nahm 19 von ihnen fest, während die Faschisten ohne eine Schramme, Anzeige und Verhaftung die Stadt wieder verlassen konnte. Das nennt sich neutrale Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.
In einem Land mit einer starken antifaschistischen Linken bleibt das nicht ohne Antwort. Hunderte von Menschen haben jetzt in Gasteiz auf dem Los Fueros Platz die “brutale und unverantwortliche Haltung der Ertzaintza” angeprangert, die am 12-O gegen diejenigen vorging, die gegen eine Veranstaltung der Falange protestierten. Es wird beklagt, dass die Ertzaintza “an der Seite der Faschisten” gehandelt und dabei etwa dreißig Menschen verletzt habe. Kritisiert wird, dass die Uniformierten “gemeinsam mit den Faschisten” handelten, mit der “einzigen Absicht, so viel Schaden wie möglich anzurichten”.
Sie kritisierten, dass die Falangisten überhaupt erst “mit Zustimmung der baskischen Regierung und der Stadtverwaltung gekommen seien”. Angesichts dessen, wofür die faschistische Partei steht, beschlossen Hunderte von Personen, sich zu mobilisieren, dagegen ging die Ertzaintza fahrlässig und gewaltsam vor: Sie griffen Menschen an, die am Boden lagen, schlugen ihnen mit Schlagstöcken auf Kopf und Gesicht, schossen mit Gummigeschossen auf Gesicht und Kopf und begingen willkürliche Übergriffe mit Transportern”.
“In Anbetracht der Tatsache, dass diese Handlungen schwerwiegende, lebensbedrohliche Folgen haben konnten, ist klar, dass ihnen das von ihnen verursachte Risiko egal war“. Hervorgehoben wurde, dass “laut Videos und zahlreichen Zeugenaussagen die Ertzaintza mehr als einmal gemeinsam mit faschistischen Gruppen gegen diejenigen vorging, die versuchten, die Mobilisierung zu boykottieren, und zwar nicht mit der Absicht, die Auseinandersetzungen zu verhindern oder die Sicherheit der Bürger zu schützen, sondern mit der alleinigen Absicht, so viel Schaden wie möglich anzurichten“.
Etwa dreißig Personen wurden verletzt, mit zahlreichen Knochenbrüchen, Prellungen und Schnittwunden. Dem Demonstranten Aritz Ibarra wurde mit einer Schaumstoffkugel der Kiefer gebrochen, er musste notoperiert werden, ein weiterer junger Mann erlitt ein schweres Augentrauma. “Viele konnten aus Angst keine medizinische Versorgung in Anspruch nehmen, da Personen, die sich zur Behandlung ins Krankenhaus begaben, festgenommen und identifiziert wurden“. Es wurde darauf hingewiesen, dass “Straflosigkeit nicht akzeptiert wird und beendet werden muss“.
“Angesichts dieser Tatsachen können wir nicht schweigen. Deshalb fordern wir von den Behörden: die Einstellung des Verfahrens; die Einleitung interner Ermittlungen innerhalb der Ertzaintza, damit die Straflosigkeit und Gewalt Konsequenzen haben und die verursachten Schäden nicht ungestraft bleiben; und die Beendigung jeglicher institutioneller Komplizenschaft mit dem Faschismus und anderen Formen von Hass“.
“Außerdem appellieren wir an die baskische Bevölkerung: Bleiben wir diesen Ungerechtigkeiten gegenüber nicht gleichgültig. Unsere Gesellschaft verdient diese Art von Gewalt nicht, es liegt in der Verantwortung aller, sich dessen bewusst zu werden und sie an allen Fronten anzuprangern“, wurde betont. “Das Geschehene kann nicht akzeptiert werden“. (naiz-baskultur)
(2025-10-18)
WALFÄNGER-NACHBAU 16. JAHRHUNDERT
Das Wrack des baskischen Walfänger-Schiffs San Juan wurde 1978 in Red Bay (Labrador, Kanada) entdeckt, dank der Forschungen der Historikerin Selma Huxley und des Unterwasser-Archäologischen Dienstes in Kanada. Die Nao war im 16. Jahrundert vor der kanadischen Küste in einem Sturm gesunken. Die Bergung und Katalogisierung Tausender von Fundstücken ermöglichte es, den Rumpf und die Bautechniken des 16. Jahrhunderts genau zu studieren, wodurch die San Juan zu einem internationalen Bezugspunkt für die Unterwasser-Archäologie wurde. Die Albaola-Museums-Werft in Pasaia begann vor mehr als 10 Jahren mit dem Bau einer Nachbildung, nachdem der detaillierte Bericht aus Kanada einging.
Albaola Itsas Kultur Faktoria arbeitet jetzt an den letzten Details für den Stapellauf der Nao San Juan, der am 7. November stattfinden soll. Damit wird die Bauphase an Land abgeschlossen, es beginnt die Seephase. Nach ihrem Stapellauf am 7. November wird die San Juan zu einem besuchbaren Museumsschiff, 2027 wird sie Kurs auf Kanada nehmen. Xabier Agote, Präsident von Albaola: “Die Herausforderung des Nachbaus war immens. Im Rückblick bewegt es mich, wenn ich daran denke, wie viele Menschen und Einrichtungen ihre Zeit, ihr Fachwissen und ihr Vertrauen in dieses Projekt gesteckt haben.“ Seinen Worten zufolge wurde “vergessenes Wissen wiederbelebt”, da das Projekt unter Anwendung von Techniken aus der Zeit vor 500 Jahren durchgeführt wurde. “Wichtig ist das lebendige Erbe, die kulturelle Wiederbelebung. Wir wollen der Gesellschaft ihre Seefahrts-Tradition erhalten. Jetzt stehen wir vor der letzten Phase: das Schiff seetüchtig zu machen und es wieder ins Meer zu bringen”.
Vom Bau bis zur See
Der Stapellauf des Rumpfes leitet die Bauphase auf dem Wasser ein, die vollständig in der Bucht von Pasaia durchgeführt wird. Die komplette Ausrüstung des Schiffes wird auf dem Wasser vorgenommen: ca. 4 km Tauwerk, 2 Segelsätze (jeweils 600 qm), geschmiedete Anker, Walfangboote, Kupferkessel, Fässer und andere Ausrüstungs-Gegenstände, die mit Materialien und Techniken aus der damaligen Zeit nachgebaut wurden und eine baskische Galeone aus dem 16. Jahrhundert mit höchster historischer Genauigkeit bilden. Wenn diese Arbeit zu Ende ist, wird das Schiff als Museum begehbar, um dem Publikum die Gelegenheit zu geben, die Schiffbau-Technik des 16. Jahrhunderts und das Leben der Seefahrer an Bord im Detail kennenzulernen. Im Jahr 2027 wird das Schiff dann mit einem umfangreichen Veranstaltungs-Programm Kurs auf Kanada nehmen. (naiz-baskultur)
(2025-10-17)
ABRISS ODER ERINNERUNG
Los Caídos – die Gefallenen – ist ein Gebäude in Iruñea (Pamplona), das die Franquisten zur Ehren ihrer Gefallenen in den 1950er Jahren errichteten, zur Verherrlichung ihrer Taten. Auch nach dem offiziellen Ende des spanischen Faschismus wurde das Prachtgebäude im Zentrum noch als Mausoleum genutzt, es beherbergte die Gräber von wichtigen Figuren des Franquismus. Eine Diskussion über die Zukunft des Gebäudes begann erst, als die navarrische Rechte zum ersten Mal abgewählt und ein linker Bürgermeister eingesetzt wurde. Es gelang, die Gräber herauszunehmen und dem Komplex seinen direkt faschistischen Charakter zu nehmen. Doch was tun mit Los Caídos nach dem ersten erfolgreichen Schritt. Eine Einigung scheint schwierig. Die einen fordern den definitiven Abriss des Gebäudes, die anderen eine pädagogische Umwidmung.
Ein Experten-Team im Auftrag der linken Stadtverwaltung schlägt ein Gedenkmuseum für Los Caídos vor, um “mit der Botschaft, die das Gebäude verkörpert, zu brechen”, anstatt es abzureißen, was “die Erinnerung an die Täter begünstigen würde, da Beweise für das Geschehene zerstört würden”. Ein Gedenkmuseums wäre eine Lösung”. Der Bericht wurde im Empfangssaal des Rathauses von Iruñea vorgestellt, in Anwesenheit der Fachleute, die an der Ausarbeitung beteiligt waren.
Bürgermeister Joseba Asiron räumte ein, dass das Thema “Los Caídos” „komplex ist, da es sich um ein Symbol handelt, das mit Schmerz und Kontroversen behaftet ist” und “eine symbolische Dominanz über die Stadt ausgeübt hat”.
Er erklärt, dass “es nicht in Frage kam, alles beim Alten zu belassen” und wies darauf hin, dass “wir eine neue Etappe in der Geschichte eines Denkmals einläuten, die einen Bruch mit den Werten, die es verkörperte, bedeutet und vor dem Wiederaufleben des Faschismus warnt”.
Was bedeutet das “Verschwinden” des Denkmals
Drei der Experten wurden mit der Erklärung beauftragt. Der Direktor des Dokumentationsfonds für historische Erinnerung in Navarra der Universität machte deutlich, dass der Umwidmungs-Vorschlag “das Verschwinden des faschistischen Symbols bedeutet“, und das Entstehen “eines Ortes der demokratischen und antifaschistischen Erinnerung, der Wechsel von einer Verherrlichung der Täter zu einer Anklage der Verbrechen; von einer Verherrlichung des Krieges zu einer Förderung der Kultur des Friedens”. Der Ausschuss schlägt vor, ein oder mehrere Nebengebäude zu errichten, “die zusammen mit dem bestehenden Gebäude einen architektonisch stimmigen Komplex bilden”, in dem verschiedene temporäre Aktivitäten stattfinden können.
Darüber hinaus soll es eine Dauerausstellung geben, die sich um drei Themenbereiche dreht. Eine davon soll sich mit der Geschichte des Gebäudes befassen, eine andere mit den faschistischen Tätern, mit der ideologischen Konstruktion des Begriffs “Gefallene” und der Realität der Opfer des Franco-Regimes. Und eine dritte “mit der Kriegskultur rund um den Begriff des faschistischen Kreuzzugs und den Schäden kriegstreiberischer politischer Kulturen”. Der Bericht schlägt vor, “ein Bildungsinstrument erster Ordnung, eine Art Laboratorium für demokratisches Bewusstsein” zu schaffen und “Erinnerungs-Instrumente” zu bieten, “die von sozialen Gruppen genutzt werden können”.
Ein weiterer Autor des Berichts, der Historiker Cristian Dürr, der für die Gedenkstätte Mauthausen in Österreich arbeitet, hob drei “Schlüssel-Maßnahmen“ in diesem Transformations-Prozess hervor, um Mechanismen für die Bürgerbeteiligung zu schaffen, und “eine archäologisch-architektonische Bestandsaufnahme des Gebäudes mit all seinen Veränderungen“ durchzuführen.
Die “symbolische Gewalt“ der Kuppel
Eines der Hauptziele dieser Neudeutung wäre laut der Direktorin der Forschungs-Gruppe für öffentliche Kunst die Kuppel des Gebäudes. Sie räumte ein, dass dies “eine enorme Herausforderung“ sei, da die Kuppel ebenso wie die darin befindlichen Gemälde “symbolische Gewalt“ ausüben, und all dies in einem “äußerst konfrontativen“ Gesamtkontext. Deshalb wird vorgeschlagen, dass die Kuppel “sowohl nach außen als auch nach innen an Bedeutung verlieren” sollte. Auch die Beseitigung der Arkaden und die Entfernung der Marmorplatten mit den Listen der “Gefallenen“ und anderen Inschriften werden in Betracht gezogen.
Zu diesen Vorschlägen erklärte der Bürgermeister, dass es sich um “erste Überlegungen handelt, die weiterentwickelt werden müssen“. In Bezug auf den Architekturwettbewerb, der diese Möglichkeiten definieren soll, erklärte er, dass dieser Anfang November beginnen, drei bis vier Monate dauern und im ersten Halbjahr 2026 “abgeschlossen sein“ werde.
Forderung nach Abriss
Bevor der Bericht des Expertenkomitees vorgelegt wurde, hat sich die Vereinigung der Memoria-Verbände für den Abriss besonders kritisch gegenüber dem Plan geäußert und erklärt, dass diese Studie „nur dazu dient, das Grab zu beschönigen“. Mehrere Personen versammelten sich vor dem Rathaus mit einem Transparent mit der Aufschrift “Gefallene, sofortiger Abriss!“, während Sprecher den Medien auf Baskisch und Spanisch erklärten, dass es Zweifel gäbe, dass das es bei der Bildung des Ausschusses “zu Unregelmäßigkeiten“ gekommen sei. Sie kündigten eine Berufung an. Sie riefen die Bevölkerung Navarras erneut dazu auf, sich an der Demonstration für den Abriss des Denkmals zu beteiligen, die am 8. November in Iruñea stattfinden wird. (naiz-baskultur)
(2025-10-16)
CABACAS GRÜSST AUS DEM GRAB
Der unsäglich Hispanidad-Feiertag, eine faschistische Mobilisierung in Vitoria-Gasteiz und die Verteidigung der Ultras durch die baskische Polizei hat vergangenen Samstag zu Ausschreitungen geführt, die bis heute Konsequenzen haben. In der Zwischenzeit meldete die Rechtspresse, die “Randalierer“ bekämen auch noch Geld für ihre Aktionen, dann protestierte überraschend EH Bildu gegen die Gleichsetzung von Faschisten und Antifas durch die baskische Regierung und schließlich meldete sich fünf Tage später ein Demonstrant, dem die Ertzaintza mit einem Plastik-Geschoss den Kiefer und Zähne zertrümmerte.
Als wäre das nicht bereits genug: es gibt eindeutige Videoaufnahmen, die zeigen, dass der Schuss aus weniger als zehn Metern Entfernung direkt auf den Kopf des Demonstranten abgefeuert wurde. Solche Bilder erinnern im Baskenland sofort an das Schicksal von Iñigo Cabacas. Der friedliche Fußball-Fan von Athletic wurde vor 13 Jahren nach einem Spiel ebenso aus nächster direkt getroffen, sein Gehirn wurde zerschmettert, er starb vier Tage darauf. Damals waren es noch Gummi-Geschosse mit Metallkern, die die baskische Polizei benutzte, dieses tödliche Material wurde ersetzt durch so genannte Foam-Plastik-Geschosse, die nicht weniger gefährlich sind. Vor allem, wenn sie direkt eingesetzt werden, der Beobachter einer Besetzungs-Räumung in Bilbo verlor durch Direktschuss einen Hoden. Interne Polizei-Protokolle verbieten eigentlich ausdrücklich einen solchen direkten Einsatz. Aber egal, im Falle von Zuwiderhandlung gibt es die berühmte Straffreiheit für polizeiliche Gewalttäter. Der Polizeimord an Cabacas wurde juristisch nie aufgearbeitet, weil der oder die Schützen „nicht ausfindig gemacht werden konnten“. Polizeiliches Versteckspiel.
Die Bilder von den Verletzungen sind derart brutal, dass sie in sozialen Medien sofort zensiert werden. Zudem sind wir nach zwei Jahren Völkermord in Gaza an grenzenlose Brutalität ohnehin gewöhnt. Nachdem seine Verletzungen halbwegs erträglich waren, hat der junge Antifaschist aus Gasteiz die Folgen der Aggression durch die baskische Polizei am vergangenen Sonntag bekannt gemacht, als die autonome Polizei eine Veranstaltung der Falange Española schützte. Dabei ging die Ertzaintza gegen die Protestierenden vor, nicht jedoch gegen die Faschisten, die verfassungsfeindliche Symbole zeigten den Führergruß praktizierten und Antifaschisten angriffen. Es ist allgemein bekannt, dass mittlerweile viele baskische Polizisten Sympathien hegen für faschistische Ideologie.
Eine linke Tageszeitung zeigte ein Foto vom Mundbereich des Verletzten, das Bild war so schockierend, dass es von einigen sozialen Netzwerken zensiert wurde und in einer unschärferen Version verbreitet werden musste, um deren Filter zu passieren.
In seiner Darstellung der Ereignisse sprach der Innensenator der baskischen Regierung nur von verletzten Polizisten, von verletzten Demonstranten wisse er nichts, auch nichts von dem mörderischen Schuss. Stunden später hatte der stellvertretende Senator die Antifaschisten als “baskische Faschisten” bezeichnet. Erst Tage später kündigte er die Einleitung eines Verfahrens gegen die Falange an.
Ungeachtet der Folgen der Aggression steht der Betroffene zu seiner Teilnahme gegen die spanische Ultra-Mobilisierung: „Die sich schämen sollten, sind diejenigen, die diese beleidigende Mobilisierung zugelassen und gewaltsam verteidigt haben”.
Die Ertzaintza hatte insgesamt 19 Personen festgenommen, allesamt Antifaschisten, während die Mitglieder der Falange ohne Probleme an ihre Herkunftsorte zurückkehren konnten. Bei den Angriffen gab die autonome Polizei an, Schaumstoffkugeln eingesetzt zu haben. Ein Material, das weniger schädlich ist als die Gummigeschosse, die nach der Tötung von Iñigo Cabacas aus dem Einsatz genommen wurden, über deren Folgen jedoch ebenfalls wiederholt gewarnt wurde. Der Innensenator erklärte, dass die vorliegenden Informationen analysiert würden, um rechtliche Schritte gegen die Falange einzuleiten, wegen möglicher Verstöße gegen das Sicherheitsgesetz und gegen das Gesetz zur demokratischen Erinnerung.
Von EH Bildu hieß es, die Vorfälle seien “schwerwiegend”. Denn “auf den Bildern ist zu sehen, dass das Projektil aus kurzer Entfernung abgefeuert wurde und entgegen den polizeilichen Vorschriften oberhalb der Hüfte einschlug. Alles deutet darauf hin, dass es sich erneut um ein rechtswidriges Vorgehen der Polizei handelt”. Der Sprecher wies darauf hin, dass “jetzt der Eindruck entsteht, dass einige versuchen, sich ihrer Verantwortung zu entziehen”, er betonte, das Problem sei, dass diese Versammlung überhaupt zugelassen worden sei. “Wir fordern, dass die Institutionen Verantwortung übernehmen, Selbstkritik üben und konkrete Maßnahmen ergreifen, damit sich so etwas nicht wiederholt. Dies war eine inakzeptable Fahrlässigkeit.“ (naiz-baskultur)
(2025-10-15)
DER UNEIGENNÜTZIGE GENERALSTREIK
Das Baskenland gilt gemeinhin als ausgeprägt nationalistisch. Nationalisten sind solche, denen das Eigeninteresse viel oder alles bedeutet und das Interesse der anderen wenig bis gar nichts. Nichts ist weiter von der Realität entfernt. Am heutigen Mittwoch, 15. Oktober riefen die baskischen Gewerkschaften (die spanischen ebenfalls) zum Generalstreik auf. Aber nicht aus irgend einem Eigeninteresse, seien es Lohnerhöhungen, die Verkürzung der Arbeitszeit oder die Lösung des Wohnproblems. Es ging um Solidarität mit einem geschundenen Volk, das weit weg existiert, dessen Bewohner*innen eine andere Religion haben (den in der spanischen Ultrarechten verhassten Islam): Palästina.
Auch der von imperialistischen Mächten auferlegte “Friedensplan“ (welch ein Wort: Frieden) über die Köpfe der Palästinenser*innen hinweg, konnte die Motivation zu Streik und Mobilisierungen auf der Straße nichtschmälern. Die Haupt-Einkaufs-Straße in Bilbao wurde zu eng, die Schulen fanden nicht statt und vor Fabriktoren standen Streik-Komitees. „“Freiheit für Palästina“ ist die generelle Forderung, konkret jedoch geht es darum, dass auch baskische und spanische Firmen mit Israel Geschäfte machen, also am Genozid beteiligt sind und blutige Finger haben. “No al negocio con el genocidio“ war folgerichtig die Parole auf dem vordersten Transparent: Nein zum Geschäft mit dem Völkermord. “Ibaitik itsasora“ wurde gerufen – selbstverständlich – vom Fluss bis zum Meer. Denn eine Lösung des Problems in Palästina kann nicht allein in Gaza gesucht werden, sondern im ganzen Gebiet, das den alten Namen trägt: Palästina.
In England oder Deutschland hätten diese Demonstrationen gar nicht stattgefunden, oder wenn, dann unter der Fessel strenger Auflagen. In jenen Ländern zählen Menschenrechte immer weniger, Völkermorde werden ignoriert oder legitimiert, internationale Haftbefehle werden unterlaufen. Ganz so weit ist das Baskenland noch lange nicht. Zehntausende von Menschen mobilisierten in Bilbao, Donostia, Iruñea und Gasteiz an einem Tag, der die Unterstützung für Palästina im Baskenland vervielfachte. Die Streiks hatten seit den frühen Morgenstunden eine große Anhängerschaft, und in den Schulen und Bildungs-Zentren lief fast nichts.
An diesem Mittwoch zeigte das Baskenland erneut seine Solidarität mit Palästina und seine Anprangerung des Völkermordes und setzte damit die kontinuierliche Dynamik der letzten zwei Jahre fort, diesmal jedoch in einem neuen Format: einem Tag der Streiks und Demonstrationen. Auf Initiative praktisch aller Gewerkschaften und der verschiedenen Organisationen, die sich für Palästina einsetzen, haben sich Zehntausende auf die eine oder andere Weise beteiligt, die meisten von ihnen legten für drei bis vier Stunden ihre Arbeit nieder und gingen zu den Demonstrationen. Die Medien sprechen von 110.000 Personen, allein in Bilbo waren es 55.000 – an einem normalen Arbeitstag um die Mittagszeit! Sogar mit Transparenten war es schwierig, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen. In Bilbo wurde die gesamte geplante Demo-Route besetzt, denn als die Spitze des Marsches das Ende der Strecke erreichte, befanden sich immer noch Menschen am Ausgangspunkt und besetzten die gesamte Gran Vía. Gora Palestina. Vom Fluss bis zum Meer. (baskultur)
(2025-10-14)
DIE ERSTE HYPOTHEK BEZAHLEN
Junge Menschen müssten 64,2% ihres Gehalts für die Zahlung der ersten Hypothekenrate aufwenden. Laut dem Bericht “Schlüssel zur Emanzipation im Baskenland“ beträgt das Durchschnittsgehalt von Jugendlichen zwischen 18 und 34 Jahren 1.564 Euro. Um die erste Hypothekenrate zu zahlen, gehen zwei Drittel des Gehalts drauf. Der Bericht wurde vorgestellt dem Baskischen Jugend-Observatorium. Das durchschnittliche Alter der Emanzipation in der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes liegt bei 29,8 Jahren, dreieinhalb Jahre über dem europäischen Durchschnitt (26,2 Jahre). Von den eigenständigen Jugendlichen leben die meisten unter 30-Jährigen zur Miete, während bei den 30- bis 34-Jährigen der Kauf eine beliebte Option ist. Darüber hinaus lebt die Mehrheit der eigenständigen Jugendlichen (18 und 34 Jahren, 60,8%) in einer Partnerschaft.
Ab einem Alter von 25 Jahren möchte die Mehrheit der Jugendlichen emanzipiert leben, doch die Verlängerung des Studiums, die komplexen Arbeitsbedingungen oder die hohen Wohnkosten erschweren dies. Tatsächlich müsste ein junger Arbeitnehmer zwischen 18 und 34 Jahren im Falle des Erwerbs einer Immobilie über Kredit 64,2% seines Nettogehalts für die Zahlung der ersten Hypothekenrate aufwenden (bei einem Kreditanteil von 80% des Gesamtwerts der Immobilie). Dieser Wert (64,2%) ist das Doppelte der von den Finanzinstituten festgelegten maximalen Verschuldungsgrenze für die Gewährung eines Kredits, die bei 30% des Monatsgehalts liegt.
Wer alleine zur Miete wohnt, zahlt dafür 52,4% des Nettogehalts. Dieser Betrag liegt erneut über der akzeptablen maximalen Verschuldungsgrenze. Junge Frauen haben zudem niedrigere Durchschnitts-Gehälter als junge Männer. Dadurch fallen für sie sowohl beim Kauf als auch bei der Miete von Wohnraum höhere Kosten an.
Was den Wohnraumbedarf angeht, so sagen mehr als 58.000 junge Menschen (18 bis 34) mit eigenem Einkommen, also 16,3% dieser Altersgruppe, dass sie eine erste Wohnung suchen. Bei der Wohnhilfe Etxebide gingen im Jahr 2024 ca. 37.300 Wohnungsanträge von jungen Menschen ein.
Einstieg in den Arbeitsmarkt
Darüber hinaus ist die Quote der Hochschul-Absolventen in den letzten zehn Jahren um mehr als zehn Prozentpunkte gestiegen. Im Jahr 2024 hatte 67,8% der Bevölkerung im Alter von 25 bis 34 Jahren einen Hochschul-Abschluss. Doch obwohl eine längere Ausbildungsdauer die Beschäftigungsfähigkeit verbessert, verzögert sie den Einstieg in den Arbeitsmarkt, was wiederum den Prozess der Emanzipation verzögert. Was die Arbeitsbedingungen betrifft, so arbeiten 32,2% der jungen Leute zwischen 16 und 29 Jahren in Teilzeit und 40% haben einen befristeten Arbeitsvertrag. Beide Ziffern nehmen ab einem Alter von 30 Jahren deutlich ab.
Psychische Gesundheit und Geburtenrate
Der Bericht enthält eine Reihe von Indikatoren zur psychischen Gesundheit und Geburtenrate, die in direktem Zusammenhang mit der Emanzipation junger Menschen stehen. Denn die Verzögerung der Eigenständigkeit führt zu emotionalen Problemen bei jungen Menschen. Unter den 25- bis 29-Jährigen schätzen diejenigen, die denken, dass sie sich innerhalb eines Jahres nicht emanzipieren können, ihre psychische Gesundheit schlechter ein als diejenigen, die optimistisch sind. Letztere bewerten ihre psychische Gesundheit mit 7,2 von 10 Punkten, während erstere sie mit 6,8 Punkten bewerten.
Die Verzögerung der Mutter- und Vaterschaft ist eine weitere Folge der späten Emanzipation. 32% der 15- bis 29-Jährigen, die noch keine Kinder haben, aber in Zukunft Eltern werden möchten, denken, dass es ihnen nicht möglich ist, im gewünschten Alter (mit 30 Jahren) Kinder zu bekommen. Der Index für späte Elternschaft ist in den letzten Jahren gestiegen, er liegt bei Frauen (36%) etwas höher als bei Männern (29%).
Unterstützung der Emanzipation
„Im Ministerium für Soziales, Jugend und demografische Herausforderungen sind uns darüber im Klaren, dass Emanzipation von einer Reihe von Faktoren abhängt. Aus diesem Grund haben wir 2024 die Hotline Emantzipa zur Unterstützung ins Leben gerufen. Diese Hotline hat im Jahr 2024 mehr als 6.000 Anfragen erhalten, und im Jahr 2025 sind bereits mehr als 3.000 eingegangen”, erklärt der Direktor für Jugend der baskischen Regierung. “Das Ziel ist klar: jungen Menschen zu helfen, sich zu emanzipieren und das Emanzipations-Alter zu senken. Deshalb werden wir 2026 das Antragsalter für Hilfsprogramme auf 23 Jahre senken. Dazu kommen neue Bürgschaftslinien für den Kauf einer Erstwohnung und ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens junger Menschen. (naiz-baskultur)
(2025-10-13)
DIE KIRCHE SORGT SICH UM DAS GUGGENHEIM
Guggenheim Urdaibai. Die Diözese Vitoria interessiert sich für ein ökologisches Problem in Vizcaya: Das Naturschutzgebiet Urdaibai. Es handelt sich um ein Gebiet, das auch die Soziallehre der Kirche betrifft. Die Region Urdaibai, die sich unter Naturschutz steht, leidet unter Entvölkerung, da es an Ressourcen und Bedingungen mangelt, um neue Generationen dazu zu bewegen, dort weiter zu leben.
“Wir beenden den Monat, in dem sich die Kirche mit der Schöpfung, der Ökologie und der Enzyklika von Franziskus beschäftigt hat. Unter dem Motto ‘Frieden mit der Schöpfung‘ (Sorkuntzarekiko Bakea) organisierte die Kommission für integrale Ökologie der Diözese Vitoria im September verschiedene Aktivitäten zur Sensibilisierung und Reflexion über verschiedene Themen im Zusammenhang mit Ökologie und der Sorge um unser gemeinsames Haus.“
Kürzlich wurde die Plattform “Guggenheim / Urdaibai / STOP” (GUS) eingeladen, einen Vortrag über die Situation dieses Biosphären-Reservats zu halten, das derzeit durch eine Reihe von Gesetzen auf lokaler, regionaler, staatlicher, europäischer und internationaler Ebene geschützt ist. (UNESCO 1984, Ramsar-Konvention 1993, Gesetz zum Schutz des Urdaibai-Reservats der baskischen Regierung 1989, Natura 2000-Netzwerk, Küstengesetz des Ministeriums für ökologischen Wandel und demografische Herausforderungen, Raumordnungs-Richtlinien der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes 1993). Alle diese Gesetze schützen dieses Gebiet ausdrücklich.
Um den Reichtum dieses Gebiets ein wenig zu verstehen, mögen folgende Zahlen hilfreich sein: Im Naturschutzgebiet Urdaibai leben 821 Pflanzenarten und 729 Tierarten (darunter der heute vom Aussterben bedrohte Europäische Nerz). Seit einigen Jahren ist dieses Gebiet jedoch durch ein Projekt bedroht, hinter dem die Guggenheim-Stiftung steht.
Eider Gotxi von GUS erläuterte ausführlich die Chronologie der Anerkennung und des Schutzes des Naturschutzgebiets Urdaibai, einem geschützten Naturraum mit eigenen Vorschriften, in dem das Überleben der dort lebenden Flora und Fauna durch das Projekt zum Bau von zwei Museen der Firma Guggenheim gefährdet ist. eines in Gernika und eines in Murueta, die durch eine Fußgängerbrücke oder einen Pfahlbau verbunden werden sollen, der durch das Herz dieses Naturschutzgebiets verlaufen würde.
Projekt Urdaibai Guggenheim
Sie wies darauf hin, dass die beiden für die Errichtung der Museen ausgewählten Standorte aufgrund der dortigen oder früheren gewerblichen Aktivitäten einer vorherigen Dekontaminierung der Böden von Metallen bedürfen. Diese Dekontaminierung wird mit öffentlichen Mitteln finanziert. Gotxi wies auf ein weiteres Problem hin, das seit den 1940er Jahren besteht, als die Franco-Regierung 1943 eine Konzession für 75 Jahre für öffentliche Grundstücke an die Werft Murueta vergab, die derzeit im Besitz der Bank BBVA und der Familie Arana Vidarte ist. Die Konzession lief 2018 aus, wobei in der Übertragungs-Vereinbarung die Verpflichtung festgelegt war, die Grundstücke in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Die Werft bringt jedoch auch heute noch Schiffe auf den Markt und hat nicht nur die Grundstücke nicht zurückgegeben, sondern auch Teile des Feuchtgebiets zu ihrem eigenen Vorteil trockengelegt.
Werft
Eider prangerte weitere Missstände an, denn die Region Urdaibai, die sich für den Schutz ihres Naturreichtums einsetzt, leidet auch unter Entvölkerung, da es an Ressourcen und Bedingungen mangelt, die für die jüngeren Generationen attraktiv sind, um dort zu bleiben. Diese Bedürfnisse werden durch ein Megaprojekt, das Massentourismus anzieht, der bereits an anderen touristischen Orten seine Auswirkungen zeigt, nicht gedeckt werden. Anscheinend führt die Rolle und das Management der Institutionen, die “seit jeher” von der Baskischen Nationalistischen Partei kontrolliert werden, dazu, dass die Partei Stimmen verliert und diese an linke Parteien abwandern, die dem Guggenheim-Projekt eher ablehnend gegenüberstehen. Aber im Moment hat die PNV noch immer die Oberhand.
Es kamen nicht viele Menschen zu der Versammlung, aber alle, die kamen, sympathisieren mit der Sache. Der letzte Schritt wäre, die Stimme dieser Gruppe nach Europa zu tragen, obwohl dies nicht notwendig wäre, wenn der gesunde Menschenverstand und die Verteidigung des gemeinsamen Hauses vorherrschen würden. Je weiter die Referentin in ihrem Vortrag voranschritt, desto größer wurde das Interesse am Thema und die Verwunderung darüber, dass diejenigen, die die Gesetze machen, auch die Regeln umgehen – pardon! Ich meine natürlich die Gesetze, mit denen die Bedingungen so angepasst werden können, dass das, was heute illegal ist, morgen nicht mehr illegal ist.
Aber die Überraschung hörte damit nicht auf. Am Ende des Vortrags fragte ich nach der Unterstützung, die die Sache von der Kirche erhielt, im Einklang mit der gesamten Rede, die auf der Enzyklika Laudato Sí von Papst Franziskus basierte. Eider Gotxi sagte, dass sich in der Kirche in Vizcaya, in der Diözese Bilbao, niemand für das Thema interessiert habe und dass die Initiative und die Einladung der Delegation für integrale Ökologie der Diözese Vitoria die erste Reaktion der Kirche seit der Gründung der Plattform vor zwei Jahren gewesen sei. Anscheinend hatte lediglich ein älterer Priester als Privatperson an einigen Vorträgen der Plattform teilgenommen.
Auch wenn das Thema des Guggenheim-Projekts in Urdaibai eher politische und wirtschaftliche als ökologische Aspekte hat, ist es doch eine Tatsache, dass Menschen in einem Gebiet mit großer Artenvielfalt von dem Projekt betroffen sind, das durch ein unnötiges Tourismusprojekt bedroht ist, von dem nur wenige profitieren werden und das zu einer Verteuerung der Grundstücke und Dienstleistungen für die dort bereits lebenden Menschen führen wird. Es handelt sich um ein Gebiet, das nicht nur die Laudato Sí, sondern auch die Soziallehre der Kirche betrifft. “Ich lade die Mitglieder und Verantwortlichen der Kirche in Bilbao ein, sich die Argumente und Ausführungen der GUS-Gruppe anzuhören, einer Plattform, die darauf abzielt, die bestehenden Gesetze und die Meinung von Experten und Forschern durchzusetzen, die das Museumsprojekt einstimmig ablehnen. Und mit dem Evangelium in der Hand Licht in diese offene Debatte zu bringen, die heute in verschiedenen Bereichen geführt wird. (rel.digi-baskultur)
(2025-10-12)
DIE KOLUMBUS-GESCHICHTE
Kein spanischer Feiertag ist derart umstritten wie der 12. Oktober, geschichts-beladen wie kein zweiter. Am selben Tag vor 533 Jahren schickten die kastilischen Könige (Fernando, Isabel) einen gewissen Kolumbus auf Expedition, um vermeintlich den Weg nach Indien zu finden. Gefunden wurde zwar nicht Westindien, aber ein Kontinent. Der wurde “entdeckt“ und erobert, es folgte ein Jahrhunderte langer Völkermord an den Eingeborenen.
Heute wird der Tag mit einem Militär-Aufmarsch in Madrid begangen, der die Herzen der Ultra-Nationalisten und Faschisten höher schlagen lässt. Überall Führergrüße und faschistische Symbolik, obwohl eigentlich verboten. Das Baskenland ist davon weniger betroffen, üblicherweise, doch nicht in diesem Jahr. Die Falange Española marschierte in Gasteiz auf – im Baskenland bleiben solche Provokationen in der Regel nicht ohne Antwort. Es folgten Straßenschlachten, Container brannten.
Die Ertzaintza-Polizei hat in Gasteiz gegen jene geschossen, die gegen eine Veranstaltung der Falange Española protestierten, mindestens 17 Personen wurden festgenommen. Nur eine starke Polizeipräsenz konnte die Umgebung abschirmen, um die faschistische Veranstaltung zu ermöglichen. Die in Netzwerken angekündigte Kundgebung der Ultras – eine Nachfolge-Organisation von Francos Falange – hat eine kleine Gruppe von etwa fünfzig Personen mit spanischen Fahnen mobilisiert, die über Megaphon faschistische Parolen riefen. Zahlreiche Menschen versammelten sich in der Nähe, um die Anwesenheit der Faschisten an deren Lieblingstag, dem 12. Oktober anzuprangern.
Für Linke und Humanisten sind die Feiern schon seit jeher völlig unverdaulich. Zu Beginn wurde der Event “Tag der Rasse“ genannt, in Erinnerung an die angebliche “Begegnung der Rassen“, die tatsächlich einen Genozid darstellte. Weil die “Rassen-Interpretation“ auf Dauer nicht vertretbar war, kam es zur Umbenennung in “Tag der Hispanität“, verbunden mit dem martialischen Auftritt der ebenfalls von Faschisten durchsetzten Armee-Einheiten.
Die Polizeieinsätze in Gasteiz begannen kurz nach Beginn der Veranstaltung. Der Platz wurde durch ein starkes Polizeiaufgebot abgeschirmt, der Protest konnte sich nicht annähern, selbst Medien durften den Polizeikordon in der Nähe der Plaza de la Virgen Blanca nicht passieren.
Auf jede Parole der Falangisten reagierten die Versammelten mit Sprechchören wie "Alde hemendik, utzi pakean" (Raus hier, lasst uns in Ruhe) oder "Gora Gasteiz antifaxista" (Es lebe das antifaschistische Gasteiz). An verschiedenen Stellen wurde auch "Eusko Gudariak" (Baskische Soldaten) und "Que se vayan" (Abhauen) gerufen. Nach der Veranstaltung wurden an verschiedenen Stellen der Stadt Feuerbarrikaden errichtet, die von der Feuerwehr gelöscht wurden. Nach Angaben der Sicherheitsabteilung der Regierung ist die Zahl der Personen, die wegen des Werfens von Gegenständen und wegen "öffentlicher Unruhe" festgenommen wurden, auf 17 gestiegen. Viele in den Reihen der bürgerlichen Politik wollen es nicht wahrhaben, doch Faschisten sind aus dem Baskenland nur mit entschlossenem Widerstand fernzuhalten. Dass sie Polizeischutz brauchen, ist ein gutes Zeichen, an anderen Orten des Staates treten Faschisten bereits in aller Selbstverständlichkeit auf. (naiz-baskultur)
(2025-10-11)
SKLAVENHÄNDLER UND PIRAT
Heute vor 200 Jahren wurde in Bermeo (Provinz Bizkaia) ein Mann mit Namen Fermín Antonio Mundaka Maretxaga geboren (11. Oktober 1825). Im Verlauf seines nicht allzu langen Lebens (er wurde 55 Jahre) agierte Mundaka unter anderem als Pirat, Entdecker, Söldner und Sklavenhändler. Auf der Flucht vor dem Gesetz suchte er 1854 Schutz in der Kolonialstadt Isla Mujeres (Frauen-Insel) auf der gleichnamigen Insel, die zum mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo gehört, nahe der Yukatan-Halbinsel. Seine Hacienda (Wohnsitz) “Hacienda Mundaca“ und sein leeres Grab sind dort noch erhalten.
Mundaka soll Architektur und Navigation studiert haben. Die ersten Informationen über ihn im mexikanischen Raum stehen im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel. Es scheint, dass er Maya und afrikanische Bürger als Sklaven nach Kuba transportierte, um sich dort auf großen Plantagen arbeiten zu lassen. Er geriet in Konflikt mit dem Gesetz und tauchte 1855 auf der Isla Mujeres unter. Allerdings hatte er gute Beziehungen zur Regierung von Yucatan, war reich und gründete auf der Insel die Farm "Vista Alegre", die heute als Hacienda Mundaca bekannt ist. Dort konnte man einige Inschriften lesen wie: “Nautíco y piloto“ (Seemann und Steuermann), “El fomentador (Unternehmer) Fermín Antonio de Mundaca y Marecheaga“, oder “El árbol de Guernica (Der Gernika-Baum). Diese Werke wurden von dem aus der Provinz Bizkaia stammenden Baumeister aus der Stadt Bermeo geschaffen“. Er kaufte fast die Hälfte der Insel, um die 40%, einschließlich des fruchtbarsten Landes und hatte einen ganz besonderen Ruf: Es hieß, dass er immer arbeitete und nur wenige Beziehungen zur Bevölkerung hatte. Er ließ verschiedene Gebäude, Skulpturen und Gärten auf der Insel errichten. Auf dem Friedhof der Insel ist ein Grab mit seinem Namen, aber es ist leer: Als er krank wurde, brachte ihn ein Freund nach Mérida in der spanischen Provinz Extremadura, wo er 1880 starb, manche Quelle sprechen von 1882. Ein genaues Todesdatum ist nicht überliefert.
Es existiert eine Liebesgeschichte über Fermín Mundaka. Angeblich lernte er 1862, während der mexikanischen Bürgerkriege, ein schönes fünfzehnjähriges Mädchen kennen, das auf derselben Insel Zuflucht suchte. Martiniana Gómez Pantoja "La Trigueña" (die Weizenfarbene) verliebte sich in einen anderen Mann, der jünger war als Fermín, und er blieb einsam. Als er sich auf dem Friedhof sein eigenes Grab errichten ließ, wurden zu seinem Gedenken folgende Worte eingraviert: Wie du bist, so war ich. Wie ich bin, wirst du sein. Auf der Insel erzählt man sich Legenden über Mundaka, zum Beispiel über den Schatz, der auf seinem Anwesen versteckt sein soll. Einmal im Jahr treffen sich die Kinder der Insel, um ihn zu suchen. Für La Trigueña hingegen gibt es eine Skulptur im Dorf, die ihr gewidmet ist. (wikipedia-baskultur)
(2025-10-10)
MILITÄR-INDUSTRIE – ISRAEL – SUBVENTION
Auf einer Kundgebung vor dem Carlton Hotel in Bilbao wurde die "institutionelle Unterstützung" der baskischen Rüstungsindustrie angeprangert, die im aktuellen Kriegskontext weiterhin Waffen an Israel verkauft. Die antimilitaristische Koordinations-Gruppe Kakitzat prangerte die Tatsache an, dass die Regierung diese Unternehmen mit 100 Millionen Euro aus dem Haushalt subventioniert.
Laut Kakitzat ist das Baskenland nach Madrid und Andalusien die autonome Gemeinschaft Spaniens mit dem dritthöchsten Umsatz in der Militärindustrie. In ihrem Kommuniqué weisen sie darauf hin, dass es 206 baskische Unternehmen gibt, die sich der militärischen Produktion widmen und einen Jahresumsatz von etwa 6.000 Millionen Euro erzielen, und dass die baskische Regierung diesen Sektor mit 100 Millionen Euro "über die öffentlichen Haushalte" subventioniert.
Zu den genannten Unternehmen gehört SAPA, eines der wichtigsten Rüstungsunternehmen des Landes, das neben seinen Geschäften mit der israelischen Armee 200 Millionen Euro in das ebenfalls R`stungs-Unternehmen Indra investiert hat, "um das Kriegsgeschäft auszubauen". Zitiert erden auch andere Unternehmen wie Ecia Xemein (Markina), ITP Aero (Barakaldo und Sestao) oder Sener (Getxo), die beschuldigen werden, "sich durch den Verkauf von Waffen im aktuellen Kriegskontext zu bereichern".
Kakitzat erinnert daran, dass viele dieser Unternehmen Beziehungen zu den wichtigsten israelischen Rüstungs-Unternehmen wie Rafael, Elbit oder Israel Aerospace Industries (IAI) unterhalten, um gemeinsame Waffen-, Luftfahrt- und Raketenprogramme durchzuführen. In diesem Sinne sind sie der Ansicht, dass der aktuelle Kontext von Krieg und Völkermord in Palästina das Engagement für den antimilitaristischen Kampf "gegen die Armee, Militärausgaben und Strukturen wie die NATO" und für die Umwandlung der Militärindustrie in eine zivile Industrie verstärkt.
Der Koordinator verweist auch auf frühere Äußerungen des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Ministers für Wirtschaft, Arbeit und Beschäftigung, Mikel Torres, der 2023 die baskische Rüstungsindustrie als "mächtig" verteidigte, während er, so Kakitzat, "die Budgets für Bildung, Wohnungsbau, soziale Dienste und Sozialleistungen kürzt". Für das Kollektiv spiegelt diese Politik einen klaren Widerspruch zwischen dem Diskurs der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Engagement für die Menschenrechte wider.
In Erklärungen, die von Radio Popular aufgegriffen wurden, beklagte die Sprecherin von Kakitzat, dass "die Kriegsherren mit dem baskischen Label" von der institutionellen Unterstützung profitieren und forderte die baskische Regierung auf, die Finanzierung der Herstellung und des Exports von Waffen einzustellen. "Es ist zynisch, von einer mächtigen Industrie zu sprechen, wenn sie auf Zerstörung und Tod aufgebaut ist", sagte sie. Bei Redaktionsschluss hatte die baskische Regierung noch keine öffentliche Stellungnahme zu Kakitzats Anschuldigungen oder zu den Inhalten des Runden Tisches im Hotel Carlton abgegeben. (baskultur)
(2025-10-09)
WENIGER TOURISMUS IM BASKENLAND
Am Wochenende 24. und 25. Oktober 2025 findet in Donostia eine Tagung statt zum Thema “Negativ-Wachstum des Tourismus im Baskenland“. Die Einladung lautet wie folgt:
Der Tourismus nimmt verschiedene Formen an, je nach dem von der Tourismus-Industrie geförderten Tourismus-Modell und den wirtschaftlichen, institutionellen und medialen Kräften, die in jedem Winkel des Baskenlandes in ihrem Dienst stehen: in der Stadt, an der Küste, auf dem Land, in der Gastronomie, in der Kultur, bei den Eliten, bei den Parteien ... Aber überall hat er schwerwiegende negative Folgen: steigende Wohnungspreise, Zerstörung der Natur, Elitisierung, Arbeitsplatzunsicherheit. Angesichts all dessen ist es an der Zeit, mit vereinten Kräften Alternativen zu schaffen, um den Tourismus zurückzudrängen.
Am 24. und 25. Oktober finden in Donostia / San Sebastián Treffen von Personen und Gruppen statt, die sich gegen die aktuelle massen-touristische Entwicklung der Städte, Gemeinden und Regionen des Baskenlandes wehren. Die Ziele lauten wie folgt:
Gegenseitiges Kennenlernen und Aufbau von Beziehungen zwischen Personen und Gruppen, die sich gegen die Touristisierung der Gebiete, Städte und Gemeinden des Baskenlandes einsetzen.
Verschaffen eines Überblicks über das Baskenland, Kennenlernen und Austausch von Informationen über die laufenden Initiativen, Kämpfe, Projekte und Vorschläge.
Gemeinsames Nachdenken über die Touristifizierung und den Rückgang des Tourismus.
Identifizierung von Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Schaffung von Grundlagen für die künftige Zusammenarbeit.
Das zweitägige Programm bietet Raum zum Lernen, Diskutieren und Entwickeln von Strategien; es werden Vorträge, runde Tische und Workshops organisiert.
PROGRAMM
FREITAG, 24. Juli // 18:30 KONFERENZ: Vorstellung der Meetings zum Thema Gegenwachstum im Tourismus // 19:00 RUNDER TISCH: Touristifizierung und Wohnungsnot
SAMSTAG, 25. Juli // 10:00 RUNDER TISCH: Auf der Suche nach bewohnbaren Städten und Territorien // 11:30 PAUSE // 12:00 WORKSHOPS: Vom Tourismus bedrohte Stadtviertel / Was trägt der Tourismus zur baskischen Sprache bei? / Vom Tourismus leben, im Prekariat leben? // 14:00 MITTAGESSEN // 16:30 WORKSHOPS: Ist ein anderes Urlaubsmodell möglich? / Stadt der Kultur, Land der Gastronomie, Land des Sports ... sind wir eine Marke? // 18:15 WORKSHOP: Was kurz-, mittel- und langfristig zu tun ist // 19:45 SCHLUSS // 21:30 PARTY
Praktische Informationen
Die Teilnahme an den Sitzungen ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Alle Konferenzen und allgemeinen Sitzungen werden simultan in Baskisch, Spanisch und Französisch gedolmetscht. An verschiedenen Stellen des Programms werden mehrere Workshops gleichzeitig angeboten. Obwohl wir uns bemühen werden, ist es nicht sicher, dass der Zugang zu allen Sprachen in allen Sitzungen gewährleistet werden kann.
Die Organisation wird versuchen, den Bedarf an Unterkünften und Kinder-Betreuung zu ermitteln und die entsprechenden Mittel bereitzustellen.
Im Rahmen der Sitzungen wird am Samstag, den 25. Oktober um 12 Uhr ein beliebtes Mittagessen stattfinden. Es wird eine für alle Teilnehmer geeignete Mahlzeit zu einem möglichst niedrigen Preis angeboten.
Die Treffen werden in Auzolan (Nachbarschafts-Arbeit) organisiert. Damit in den Wochen vor dem Treffen und an den Tagen des Treffens alles so reibungslos wie möglich abläuft, sind wir auf die Mitarbeit und Verfügbarkeit der Teilnehmer angewiesen. Wenn Sie in irgendeiner Weise helfen möchten, schreiben Sie bitte an This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.. Sexistische, rassistische oder diskriminierende Äußerungen sind nicht gestattet. (baskultur)
(2025-10-08)
MONBAR, INBEGRIFF VON STAATS-TERRORISMUS
Im September 1985 verübte ein Kommando von bezahlten Söldnern in Bayonne (Baiona) in der Gaststätte Monbar ein Attentat, vier Anwesende aus dem Süd-Baskenland wurden erschossen. Im Auftrag von Politikern der höchsten Ebenen in Spanien. Dieser Anschlag in Baiona vor nunmehr 40 Jahren markierte nicht nur den Höhepunkt der Grausamkeit der GAL-Terrortruppe, sondern ist bis heute auch ein Zeichen für politische Straffreiheit, da nur zwei bezahlte Killer verurteilt wurden. Es ist auch ein Beispiel für die Diskriminierung der Angehörigen der Ermordeten.
Zum 40. Jahrestag des “größten Massakers der GAL” veranstaltete das südbaskische Memoria-Institut Gogora eine Podiumsdiskussion, die den Anschlag von Monbar und den Staatsterrorismus im Allgemeinen beleuchten sollte. An der Diskussion nahmen eine Vertreterin von Egiari Zor teil, ein Professor für Strafrecht an der baskischen Universität, und ein Experte aus Madrid, der sich mit Staatsterrorismus befasst und Zeugenaussagen von Opfern der GAL gesammelt hat. Daneben Angehörige der baskische Flüchtlinge, die bei dem Massaker ums Leben kamen.
“Wir sprechen hier nicht nur über Geschichte, sondern über offene Wunden”, betonte die Moderatorin, die darlegte, dass mit den GAL Staatsterrorismus entstanden sei aufgrund deren organisierten Charakters. Der Strafrechtler relativierte diese These sofort: “Die GAL sind nicht aus dem Nichts entstanden, es gab eine Kontinuität”, sagte er und wies darauf hin, dass seit 1960 “aufgrund polizeilicher und paramilitärischer Aktivitäten” mindestens 167 Tote zu verzeichnen sind.
Der Madrider Experte ordnete die GAL in den Plan ZEN ein, den Auftsands-Bekämpfungs-Plan der sozialdemokratischen Gonzalez-Regierung im Baskenland, demzufolge mit allen Mitteln gegen die rebellischen Zustände im Baskenland vorgegangen werden sollte, legal oder illegal. Der Plan ZEN (Zone Especial Norte) “normalisierte den Ausnahmezustand. Die Jahre 1984 und 1985 waren besonders brutal, weil Spanien Druck auf Frankreich ausüben wollte, die baskischen Flüchtlinge abzuweisen. Die Aussage des verurteilten Polizisten José Amedo, der sich damit brüstet, ist wirklich erschütternd.“ Er wies übrigens darauf hin, dass der französische Staat aufgrund seines Wegsehens bei diesen Anschlägen eine Schuld hat, ebenso wie der spanische Staat gegenüber den Opfern französischer Staatsangehörigkeit, die im Stich gelassen wurden.
“Die Opfer mussten mit völliger staatlicher Ignoranz leben“, betonte die Vertreterin von Egiari Zor (Der Wahrheit geschuldet), als sie nach den Erfahrungen der Opfer von Monbar gefragt wurde. “Sie erhielten keinerlei institutionelle Unterstützung, weder vom französischen noch vom spanischen Staat noch von den baskischen Institutionen. Sie hatten Probleme, ihre verstorbenen Angehörigen zu sehen oder sie nach Hause zu überführen, sie konnten sich nicht von ihnen verabschieden, wie sie es sich gewünscht hätten, ihre Dörfer wurden von der Polizei besetzt“.
In den 90er Jahren wurde begonnen, von Opfern staatlicher politischer Gewalt zu sprechen, aber diese blieben weiterhin ausgegrenzt, und man ging davon aus, dass die Opfer “es verdient hätten“, weil sie politisch auf der falschen Seite standen. Egiari Zor beklagte, dass wir nach so vielen Jahrzehnten immer noch “in einem Prozess der Anerkennung sind, und zwar in einem noch am Anfang“. Auch heute noch wird ihnen das Recht auf Wahrheit verweigert, und zwar “ganz offiziell durch das Gesetz über Staatsgeheimnisse. Sie behandeln uns wie Kleinkinder, denn welche Geheimnisse könnte es denn heute noch geben, die ein Sicherheitsrisiko darstellen? Das geschieht nur, um die Straffreiheit der Verantwortlichen zu gewährleisten.“ Der Madrider Experte wies darauf hin, dass die politisch Verantwortlichen für diesen Staatsterrorismus auf die in anderen Ländern übliche Praxis gegenüber ihren Polizeibeamten zurückgegriffen haben: “Ich weiß nichts. Ich lasse dir freie Hand, aber erzähl mir nicht, was du tust“.
Nur drei Urteile der “zweiten Ebene“
In Bezug auf die Straffreiheit warnte der baskische Dozent vor dem Versuch, aktuell den Eindruck zu erwecken, dass im Fall der GAL “mehr oder weniger Gerechtigkeit geübt wurde“ (was verschiedene Führungskräfte der PSOE und des baskischen Ablegers PSE zum Ausdruck gebracht haben). Doch in Wirklichkeit gibt es nur wenige Urteile. Der Dozent hat dargelegt, dass im Fall von Monbar lediglich zwei bezahlte Killer verurteilt wurden: „Aber es herrscht Blindheit gegenüber den Instanzen, die weiter oben standen, den Auftraggebern“. Gemeint ist der so genannte Mister X, hinter dem sich der damalige Regierungs-Chef Felipe Gonzalez verbirgt. Er erklärte, dass es tatsächlich nur drei Urteile gibt, die mehr oder weniger “die zweite Verantwortungs-Ebene“ erreichen (die Fälle Amedo-Domínguez, Segundo Marey und Lasa-Zabala). Und darüber hinaus gibt es keine weiteren Urteile. “Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Verbrechen des Staates straffrei bleiben, dass alles im Dunkeln bleibt. Als Gesellschaft ist das ein Besorgnis erregendes Symptom“, bekräftigte Ainara Esteran. (naiz-baskultur)
(2025-10-07)
GEIERFONDS IN BILBO
Bewohner*innen von Bilbaos Altstadt bei einer Pressekonferenz gegen den Geierfonds Mazabi: "Raus mit euren Geschäften aus unseren Häusern". Nachbar*innen der Straßen Zabalbide und Santos Juanes fordern von der Stadtverwaltung dringende Maßnahmen, um die Spekulation zu stoppen. - Am vergangenen Dienstag begann in Bilbo ein neues Kapitel im Krieg um den Wohnraum. Diesmal wurde der Schauplatz in die Altstadt verlegt, wo Dutzende von Bewohner*innen der Häuser Zabalbide 10 und Santos Juanes 1, 3 und 5 zusammen mit der Vertretung für Wohnungsbau der Gewerkschaft LAB auftraten. Das Thema: den Geierfonds Mazabi, der mittlerweile mehrere Erdgeschosse im Viertel besitzt, anzuzeigen und deutlich zu machen, dass er alles andere als willkommen sei.
Die Pressekonferenz vor einem der Gebäude-Blöcke, die Mazabi bereits erworben hat, war voller direkter Botschaften: "Verschwindet aus unseren Häusern. Wir wollen euch nicht und wir sind organisiert. Es gab keine Verhandlungen: Was auf dem Spiel steht, ist unser Recht, weiterhin in unserem Viertel zu leben.“ Die Beschwerde ist nicht unbedeutend. Nach Ansicht der Nachbar*innen verwandelt sich Casco Viejo in ein spekulatives Schachbrett, auf dem die Preise in die Höhe schießen und die Mieten zum russischen Roulette werden. Investment-Fonds kaufen Erdgeschosse auf, um sie in Designer-Wohnungen, Tourismus-Wohnungen oder Saison-Wohnungen umzuwandeln, ein Geschäft, das zwar lukrativ ist, aber immer weniger Raum für das Leben im Viertel lässt.
"Der Zugang zu Wohnraum ist zu einem großen sozialen Problem geworden und eine der Hauptursachen für die Verarmung der Arbeiterklasse", so die Organisator*innen. Doch die Kritik beschränkte sich nicht nur auf die Fonds. Es gab auch einen klaren Adressaten: den Stadtrat von Bilbao, von dem eine energische öffentliche Politik gefordert wird, um diesen Trend zu stoppen. "Es ist an der Zeit, das Geschäft zu zerschlagen", betonten sie. Übersetzt heißt das: die spekulativen Kauf- und Verkaufs-Operationen einzuschränken und zu gewährleisten, dass der Wohnraum seine primäre Funktion erfüllt: bewohnbar zu bleiben. Die Pressekonferenz diente auch als Appell an andere betroffene Stadtteile: "Wer auch immer mit Wohnraum Geschäfte machen will, wir werden ihm gemeinsam entgegentreten. Wir sind nicht die Ersten und wir werden nicht die Letzten sein", warnten sie.
Die Gewerkschaft LAB erinnerte daran, dass sie Anfang des Jahres ihre Entscheidung bekannt gegeben hatte, das Recht auf Wohnen auf die Tagesordnung gewerkschaftlicher Auseinandersetzungen zu setzen. Seitdem hat sie Verhandlungen zur Senkung der Mieten geführt, Familien bei Zwangsräumungen unterstützt und ist gegen missbräuchliche Klauseln vorgegangen. Nun kam die erste öffentliche Aktion im Rahmen dieser Strategie: der Beginn eines neuen Kampfes, der für Gesprächsstoff sorgen wird. Unterdessen schweigt Mazabi. Vielleicht, weil zwischen Pressekonferenzen und Transparenten deutlich wird, dass es in der Altstadt schwierig werden wird, einen Themenpark für Investoren durchzusetzen. (ecuadoretxea-baskultur)
(2025-10-06)
UNBEZAHLTE ÜBERSTUNDEN
Die baskische Rechtspresse lässt keine Gelegenheit aus, sich über den Krankenstand im Baskenland zu echauffieren, der höher liegt als anderswo im spanischen Staat, dabei wird zwischen den Zeilen nahegelegt, dass die Kranken nicht krank sind, sondern sich eine Schippe Urlaub extra nehmen. Doch gibt es auch andere Statistiken, die von der Unternehmer-freundlichen Presse weniger gerne zum Druck gegeben wird, zum Beispiel: Mehr als die Hälfte der im Baskenland geleisteten Überstunden sind unbezahlt. Laut einer Studie der Gewerkschaft CCOO (ehemals kommunistisch, heute sozialdemokratisch) ist das Baskenland die Gemeinschaft mit dem höchsten Prozentsatz an unbezahlten Überstunden.
"Auch wenn wir einen festen Zeitplan haben, geht es darum, die Arbeit zu erledigen und das war's, und vielen Kollegen geht es genauso". Diese Aussage von Iker, einem Mitarbeiter eines auf IT-Beratung spezialisierten Unternehmens, ist kein Einzelfall, sondern spiegelt die Realität wider: dass durchschnittlich 20.463 baskische Arbeitnehmer jede Woche unter den Überstunden leiden, die sie an ihren jeweiligen Arbeitsplätzen leisten, für die sie keinen Lohn erhalten und für die keine Versicherungs-Beiträge gezahlt werden. Diese fatale Zahl geht aus einer von CCOO durchgeführten Studie hervor, die auf Daten der vom INE veröffentlichten Arbeitskräfteerhebung (EPA) beruht.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Dokuments ist, dass das Baskenland die Region mit der höchsten Rate an unbezahlten Überstunden ist. Von den 246.598 Überstunden, die Basken jede Woche leisten, werden nur 118.606 korrekt bezahlt, 51% unbezahlt, nicht einmal die Hälfte korrekt. Nur die Gemeinschaft Madrid kommt mit einem Prozentsatz von 47,2% Nichtbezahlung heran. Auf der anderen Seite der Medaille stehen die Kanarischen Inseln (21,6%), Extremadura (22,6%) und Navarra (31,3%). Der staatliche Durchschnitt liegt bei 40,5% nicht bezahlter Überstunden. Ein Problem, das vor allem die Büroangestellten betrifft, aber auch im Bildungswesen, in der Informations- und Kommunikations-Branche, im Verkehrswesen und im Hotel- und Gaststätten-Gewerbe verzeichnet wird.
Es ist nicht einfach, den Grund für diesen deutlichen Unterschied zwischen den Gemeinschaften zu finden, auf jeden Fall ist eine der Hauptaussagen, dass das 2019 in Kraft getretene Zeitregister, das die Unternehmen dazu verpflichten soll, sowohl die Eintritts- und Austrittszeit jedes Arbeitnehmers als auch seine Pausen zu registrieren, wegen seiner Ineffizienz eine Welle von Gewerkschafts-Protesten ausgelöst hat, die bei vielen Gelegenheiten missbräuchliche Arbeitszeiten anprangern.
Neues digitales Register
Nachdem die wichtigste Maßnahme dieser Legislaturperiode, die von Yolanda Díaz vorangetriebene Arbeitszeitverkürzung, Anfang September im Abgeordnetenhaus gescheitert war, hat die Arbeitsministerin das Tempo erhöht, indem sie die dringende Bearbeitung des neuen obligatorischen digitalen Zeitregisters beschleunigt hat. Dabei handelt es sich um eines der zentralen Elemente des Projekts zur Verkürzung der Arbeitszeit, das nicht vom Parlament gebilligt werden muss, obwohl Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo das letzte Wort haben wird. Die wichtigste Neuerung wird ein digitaler Stempel sein. "Keine blanko unterschriebenen Papiere und keine Unterschrift mehr, wenn der Chef es sagt", so Díaz.
Wenn diese Verordnung angenommen wird, müssen alle Unternehmen und Selbstständigen eine zuverlässige digitale Aufzeichnung der Arbeitszeiten ihrer Angestellten führen und die Überstunden abrechnen, um Betrug zu vermeiden. Die Eile, mit der Díaz diese Maßnahme verabschiedet hat, führt jedoch dazu, dass die Strafen für Unternehmen, die dieser Verpflichtung nicht nachkommen, nicht erhöht werden können, da es unmöglich ist, diese Regelung per Dekret zu ändern. Das heißt, ohne die Zustimmung des Parlaments werden die Bußgelder bei einer Spanne von 751 bis 7.500 Euro bleiben (letztere Zahl ist die häufigste), pro Unternehmen und nicht für jeden Arbeitnehmer, den das betreffende Unternehmen beschäftigt, was eine der wichtigsten Pläne der Arbeits-Ministerin war. (ec-baskultur)
(2025-10-05)
BEGINN DER OKTOBER-REVOLUTION
Vor 91 Jahren, am 5. Oktober 1934, begann im spanischen Staat ein revolutionärer Generalstreik und die Regierung erklärte den Kriegszustand. In Asturien bildeten die Arbeiter Milizen und übernahmen die Kontrolle über fast das gesamte Gebiet, so dass die Kasernen der Guardia Civil in den Bergbau-Regionen kapitulierten. So begann die asturische Revolution. Zeitgleich mit dem Eintritt der Rechten in die Regierung riefen Sozialisten (UGT) zum revolutionären Streik auf, sie gingen vom Ende der parlamentarische Herrschaft aus. In Asturien wurde der am stärksten befolgt, da sich Anarchisten und Kommunisten dem Streik anschlossen. Der revolutionäre Versuch wurde von der Regierung mit aller Härte unterdrückt, was zu Tausenden von Toten und Verhaftungen führte.
Eibar
Im Baskenland wurde der Streik vor allem in Eibar, Arrasate und dem Bergbau-Gebiet nahe Bilbao unterstützt. In Eibar besetzten die Streikenden fast die gesamte Stadt, einschließlich Rathaus und Bahnhof. Es gelang ihnen jedoch nicht, den Widerstand einiger Werkstätten und der Guardia Civil zu überwinden. Letztere flüchteten mit Verstärkung aus den Nachbarstädten in die Kaserne. Die schwersten Schießereien fanden am Morgen des 5. Oktober statt und forderten den Tod von fünf Personen - vier Revolutionäre und ein Wachmann. Am selben Morgen wurde der Karlisten-Führer Carlos Larrañaga, der aus der Kirche kam, auf der Straße ermordet. Der Zivilgouverneur von Gipuzkoa, Emeterio Muga, setzte einen Plan in die Tat um, um den Aufstand in Eibar zu beenden: Er ließ Wachen aus Donostia / San Sebastián und Bilbao in gepanzerten Fahrzeugen mit Maschinengewehren und aus Vitoria-Gasteiz zwei Kompanien Infanterie kommen.
Darüber hinaus unternahm die Guardia Civil mehrere Einsätze und überraschte die Revolutionäre. So drangen Gardisten und Soldaten am Nachmittag in die Stadt ein, und der Sozialistenführer Toribio Etxebarria handelte die Kapitulation der aufständischen Arbeiter aus. Etwa 170 Bürger von Eibar wurden wegen ihrer Beteiligung an der Revolte vor ein Kriegsgericht gestellt.
Bilbao und das linke Ufer
Vom 5. bis 11. Oktober wurden 16 Menschen getötet: 15 Streikende und ein Ladenbesitzer. Der Ladenbesitzer wurde von einem Streikposten im Verlauf einer Auseinandersetzung getötet, als er den Laden öffnen wollte. In Portugalete gab es drei Tote, zwei Arbeiter und einen Wachmann.
Arrasate
Am 5. Oktober 1934, nahmen die Streikenden von Arrasate die Stadt während der Oktoberrevolution ein und verhafteten die Behördenvertreter. Sie riefen die Sozialistische Republik aus und griffen die Kaserne der Guardia Civil an. Die ersten Nachrichten, die von außen eintrafen, waren pessimistisch und der Aufstand stand kurz vor dem Scheitern. Während der kritischen Phase wurden der karlistische Abgeordnete Marcelino Oreja (Großonkel des ultrarechten PP-Politikers Jaime Mayor Oreja) und der Stellvertreter der Radikalen Republikanischen Partei, Dagoberto Rezusta, ermordet. Die baskische Politik wurde durch diese Morde stark beeinflusst. An der Revolte waren vor allem Mitglieder der PSOE und der UGT beteiligt, aber auch einige Mitglieder der PCE und der ANV. Zu den Konsequenzen gehörten: gewaltsame Unterdrückung, ein sechsmonatiger Kriegszustand, 200 inhaftierte oder zur Flucht gezwungene Bürger, von denen viele gefoltert wurden, 100 Arbeiter des Unternehmens Unión Cerrajera wurden entlassen und die Beziehungen zwischen der rechts-nationalistischen PNV und den Karlisten brachen vollständig ab. (argia-baskultur)
(2025-10-04)
BILLIGER ABGANG DES BÜRGERMEISTERS
Eher im Nebensatz hat der Bürgermeister von Donostia, Eneko Goia von der rechten Baskenpartei PNV, die Öffentlichkeit darüber informiert, dass er in zwei Wochen zurücktreten werde, weil 10 Jahre Amt schon immer das Limit in seiner Vorstellung gewesen seien. Schlechte Formen, um schlimmere Hintergründe zu verbergen. Die letzten zehn Jahre waren wie ein halbes Jahrhundert für Donostia, das heute, wie es heißt, nicht wiederzuerkennen ist und vielen seiner Bewohner*innen fremd geworden ist.
Die Altstadt wurde völlig dem Tourismus preisgegeben, die Stadtviertel sind der Immobilien-Spekulation ausgesetzt, es gibt eine wachsende Anonymität, wachsende soziale Ungleichheit, Verkehrschaos ... und einen allgegenwärtigen Klassismus: Während man diejenigen, die gezwungenermaßen auf einem Hügel leben, vertreiben will und Solidaritätsessen verhindert, hat sich der Umbau der Arena von Illunbe um 65 Millionen verteuert, nur um drei Stierkämpfe pro Jahr zu sehen. Dazu die übliche Vetternwirtschaft (Klientelismus): überall Bauarbeiten, die sich ewig hinziehen, während das umstrittene Basque Culinary Center BCC im Stadtteil Gros in einem Jahr gebaut worden ist.
Nichts von alledem hat Goia bei seiner Verabschiedung thematisiert, obwohl sein designierter Nachfolger mit all dem zu tun haben wird. Auch nicht, dass er bei den letzten Kommunalwahlen 10.000 Stimmen verloren hat oder dass er bei allen Umfragen der am schlechtesten bewertete Bürgermeister der Hauptstadt war. Wenigstens hat er nicht auf den abgedroschenen Joker der “persönlichen Gründe“ zurückgegriffen. Aber auch das wirft ein schlechtes Licht: Nicht die Partei hätte "vor einiger Zeit" wissen sollen, dass er nach der Hälfte der Legislaturperiode aus dem Amt scheiden würde, sondern die Bürger*innen, die ihn (noch) gewählt haben, und die, die es nicht getan haben. Aber alles egal, Hauptsache, die Hotelketten-Besitzer und Immobilienbüros sind zufrieden über ihre Millionengeschäfte. Dass die halbe Stadt wegen Dauerrummel nicht mehr schlafen kann, ist dem Politiker wurscht. Heute mehr denn je. (baskultur)
(2025-10-03)
DIE VEREINHEITLICHUNG DES EUSKERA
Vor 57 Jahren, am 3. Oktober 1968, begann im Kloster Arantzazu die geheime Versammlung von Euskaltzaindia, die eine Vereinheitlichung der baskischen Sprache, das Euskara Batua, beschließen sollte. Im Kloster bei Oñati wurde bis zum 5. Oktober auf der Grundlage des Berichts von Koldo Mitxelena die Batua-Vereinheitlichung der baskischen Sprache vorangetrieben. Die neue Einheits-Sprache stützte sich auf das vor allem in Gipuzkoa gesprochene Zentralbaskische. Die Motivation für diesen historischen Schritt war, die Probleme der Verständigung zu überwinden und den Gebrauch der Sprache zu regeln.
Bis dahin gab es die Euskalkis, die lokalen und provinziellen Euskara-Dialekte, die sich teilweise ähnlich waren, bisweilen aber auch große Unterschiede aufwiesen. Dazu kam die Tatsache, dass während der franquistischen Diktatur die Benutzung des Euskara streng verboten war und die Zahl der Sprecher*innen dramatisch zurückging. Treibende Kräfte für die Entwicklung des Batua (das Gemeinsame) waren die Literaten Gabriel Aresti, Txillardegi, Luis Villasante und Koldo Mitxelena als wichtigste Befürworter, die Kirche und einige euskaldune Priester spielten eine wichtige Rolle. Das Thema eines Einheits-Euskara, ohne die Dialekte in Frage zu stellen, war nicht unumstritten in der intellektuellen Euskara-Gemeinschaft, die sich aufgeteilt hatte in Traditionalist*innen, die ein Batua ablehnten und Modernisierer*innen, für die ein Batua die einzige Chance darstellte, als Kultursprache zu überleben. Denn die Entwicklung einer baskischen Literatur war mit den sechs unterschiedlichen Euskalkis völlig undenkbar, auch die Lehre des baskischen in einer künftig legalen Situation (nach dem Franquismus) war schwer vorstellbar. So setzten sich die Modernisierer durch.
Das Foto zeigt unter anderem Imanol Berriatua, Manuel Lekuona, Antonio María Labaien, José Antonio Arkotxa Martixa, Julita Berrojalbiz, Koldo Mitxelena, Joxe Luis Zurututza, Karmelo Etxenagusia, Andoni Amutxategi, Ambrosio Zatarain, Gabriel Aresti, Ibon Sarasola, Mikel Zarate und Julene Azpeitia. (Quelle: Koldo Zuazo, Euskara batua: ezin ekinez egina, Elkarlanean). Euskaltzaindia, die Akademie der Baskischen Sprache (wörtlich übersetzt: Hüter der Baskischen Sprache) wurde 1918 gegründet von den vier süd-baskischen Provinzen Nafarroa, Araba, Gipuzkoa und Bizkaia, mit dem Ziel, die baskische Sprache zu regeln, zu erhalten und zu pflegen. Zwischen 1937 und 1976 war die Akademie im spanischen Staat verboten und konnte nur im französischen weiter existieren. (argia-baskultur)
(2025-10-02)
TOURISMUS-WOHNUNGEN LIMITIEREN
Die Höchstdauer von Touristenwohnungen wird von 120 auf 90 Tage reduziert. Der Rat der baskischen Gemeinden im französischen Staat (Iparralde) stimmte am 27. September für eine Verschärfung der Vorschriften für Kurzzeit-Vermietungen und nahm damit die im Gesetz "Le Meur-Echaniz" vorgesehene Maßnahme an. Im Bild ein Protest in Biarritz gegen die Situation, die durch die immer weiter ausufernde touristische Vermietungen unter Umgehung des Gesetzes entsteht. (Archivbild)
Die Umwidmung von Wohnraum für touristische Zwecke hat in Tourismus-Gebieten derart zugenommen, dass die es für Einheimische zunehmend schwierig wenn nicht unmöglich geworden ist, Mietobjekte zu finden – ein Phänomen, das sich in vielen von Massentourismus betroffenen Gegenden wiederholt. Dem versucht der Rat der Gemeinden nun entgegenzuwirken.
Am 19. November 2024 wurde in Paris das Gesetz "Le Meur-Echaniz" verabschiedet. Am vergangenen Samstag, dem 27. September, stimmte der Euskal Hirigune Elkargoko Kontseilua über das Abkommen zur Verschärfung der Regeln für die Vermietung zu touristischen Zwecken ab, um sich an den vom französischen Parlament verabschiedeten Text anzupassen. Demnach kann eine Privatperson ihr Haus oder ihre Wohnung für diese Art der Nutzung für maximal 90 Tage im Jahr vermieten. Bislang konnten Eigentümer nach den geltenden Vorschriften im Nord-Baskenland eine Wohnung 120 Tage lang für die Beherbergung von Touristen nutzen.
Die jüngste Entscheidung der Vereinigung Baskischer Gemeinden über die touristische Vermietung betrifft vorerst 24 Gemeinden an der Küste der Provinz Lapurdi, auch wenn das Spannungsfeld für Immobilien erweitert werden soll. Gleichzeitig wird die Körperschaft des Nordbaskenlandes im Anhang eine neue Maßnahme formulieren, in dem Wissen, dass einige Eigentümer verschiedene Arten von Sondervermietungen nutzen, um die Maßnahmen zur Regulierung der Mietpreise zu umgehen. Bisher galt nur die Regelung für die Änderung der Nutzung für Privatpersonen. Künftig gilt sie bei Mischvermietungen, die sich an Studierende richten, auch für juristische Personen. (kazeta.eus-baskultur)
(2025-10-01)
SCHUTZ- UND WOHNRAUM-BEDÜRFTIG
Die Zahl der schutzbedürftigen Menschen mit materiellen und psychischen-Problemen, die in Bizkaia in Unterkünften und städtischen Wohnungen untergebracht sind, ist in zwei Jahren um 21% gestiegen – ein Spiegel der um sich greifenden Armut und der sozialen Ausgrenzung in der baskischen Gesellschaft. Die Provinz bietet offiziell 2.410 Übernachtungsplätze, die 2024 durchschnittlich von 1.934 Personen pro Nacht genutzt werden. Die Nutzung der Plätze ist allerdings an strenge Bedingungen geknüpft. Im Jahr 2023 waren es mit 1.528 noch 21% weniger Bedürftige, und 88% mehr als vor zehn Jahren, als es kaum mehr als tausend Personen waren. In dieser Zeit wurden die Zahl der Plätze in den Unterkünften und das Budget erhöht auf 46,2 Mio. Euro, wovon 91,1% aus öffentlichen Mitteln, vor allem von Gemeinden und Provinzialräten finanziert werden.
Die alle zwei Jahre gemeinsam von Eustat und INE veröffentlichten Statistiken über Obdachlose zeigen, dass 45% der Personen, die in der Region Baskenland in Unterkünften übernachten und 45,3 % der in Gemeinden verfügbaren Betten auf Bizkaia entfallen. Damit war Bizkaia die Provinz, die auf staatlicher Ebene die meisten Schlafplätze anbot, nämlich 13,3% der Gesamtzahl (im Vergleich: die Region Baskenland stellt 3% der spanischen Bevölkerung).
Ein Teil der Obdachlosen sind Migranten. Das Baskenland gilt als Grenzregion, die Migranten anzieht, die nach Frankreich wollen, Minderjährige werden in das regionale Schutznetz aufgenommen. Die Bedürftigen konzentrieren sich in den Städten. So bietet Bilbao trotz Warnung vor Nichtversorgung 81,9% der Plätze in Bizkaia, in Vitoria-Gasteiz sind es 95,5 % der Plätze der Provinz Araba und Donostia stellt 43,4% der Plätze in Gipuzkoa.
Spezialisierte Einrichtungen
46 Einrichtungen arbeiten ohne vorrangige Zielgruppe, die sich "an die verschiedenen Notlagen" anpassen, und 78 spezialisierte Einrichtungen, darunter 34 für Migranten, 21 für Menschen mit psychischen Störungen, 18 für Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt, die ihre gewohnte Wohnung verlassen müssen, und 20 für Menschen mit Suchtproblemen. Obdachlose werden als Personen betrachtet, die keinen Zugang zu einer Standard-Unterkunft haben, dazu kommen Personen, die persönlichen Schutz benötigen, sowie jugendliche Migranten. Die meisten Nutzer*innen sind nach den von Behörden verwalteten Daten nicht wirklich "obdachlos".
Versuche, die Zahl der Bedürftigen präventiv zu vermindern, gibt es wenige, es fehlt an Mitteln und an politischem Willen, auch in einer relativ “wohlhabenden“ Region wie dem Baskenland. Nicht erfasst ist ein Großteil der Personen, die ohne jeglich Hilfe auf der Straße leben, in verlassenen Fabrikgebäuden etc. Viele davon sind erwachsene Migranten, die keinerlei anspruch auf Unterstützung haben und die zudem immer wieder vertrieben werden, wie aktuell im Bau- und spekulations-Gebiet Zorrotzaurre, wo eine Fabrik abgerissen werden soll in der um die 100 Personen leben. (baskultur)
FOTOS:
(*) Tagespresse
(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-10-01)
