kolu78x00Doppelmoral

Vor 40 Jahren lehnte die Bevölkerung im Baskenland den Verbleib des spanischen Staates in der NATO ab, ähnlich in Katalonien, Nafarroa und auf den Kanaren. Doch die Mehrheit entschied das Gegenteil. Die friedenspolitischen Diskurse bei den anstehenden Gedenkveranstaltungen zum Krieg vor 89 Jahren (PNV) stehen in krassem Widerspruch zur Unterstützung der baskischen Rüstungs-Industrie durch dieselbe Partei. Für gutes Geld und das Argument der Arbeitsplätze wird jegliche Moral billig verscherbelt.

Triste Jahrestage im April: der Fall der Intxorta-Front, Legion-Condor-Bomben gegen Gernika – perverserweise arbeitet die baskische Rüstungsindustrie mit Regierungs-Unterstützung auf Hochtouren an europäischen Kriegsvorbereitungen.

(2026-04-30)

LGBTI-FEINDLICHKEIT IN IRUÑEA

kolu78x30Die Zahl der in Iruñea (spanisch: Pamplona) registrierten Vorfälle von LGTBI-Feindlichkeit hat sich im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, wie aus dem Jahresbericht der Beobachtungsstelle gegen LGTBI-Feindlichkeit der Stadtverwaltung der Hauptstadt Navarras hervorgeht. – LGBT-Feindlichkeit in Iruñea ist „anhaltend, nicht vereinzelt, manifestiert sich in vielfältiger Form (verbal, symbolisch, physisch, institutionell), weist eine ausgeprägte transphobe Komponente auf und wird durch Straffreiheit und gesellschaftliche Normalisierung verstärkt“. Dies sind die Schlussfolgerungen des vierten Jahresberichts der Beobachtungsstelle gegen LGBT-Feindlichkeit der Stadtverwaltung von Iruñea, basierend auf den im Jahr 2025 registrierten Vorfällen.

Das am Dienstag der städtischen Kommission für Bürger-Angelegenheiten vorgelegte Dokument zeigt, dass im vergangenen Jahr in der Stadt 44 Vorfälle im Zusammenhang mit LGBTI-Feindlichkeit registriert wurden, doppelt so viele wie im letzten Bericht und elf mehr als im Jahr 2023. Zudem wird hervorgehoben, dass im Jahr 2025 die beiden öffentlichen Einrichtungen in diesem Bereich in Iruñea, Harrotu und Kattalingune eine erhebliche Anzahl von Vorfällen zu verzeichnen hatten. Die Mitarbeiter*innen dieser Einrichtungen sind Beleidigungen und Beschimpfungen sowie anhaltenden und sehr aggressiven Hassreden ausgesetzt.

Die vorläufigen Ergebnisse dieses Berichts wurden dem LGTBI+-Stadtrat zur Analyse vorgelegt, um in diesem Gremium daran zu arbeiten, die Empfehlungen zur Bekämpfung von LGTBI-Feindlichkeit in der Stadt in konkrete Maßnahmen umzusetzen, d. h. um Maßnahmen zu entwickeln, die Ablehnung, Angst, Vorurteile oder Diskriminierung gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder ihres Geschlechtsausdrucks beseitigen, sowie deren häufigste Ausprägungen: körperliche und verbale Übergriffe oder direkte bzw. indirekte Diskriminierung. Die Website der Stadtverwaltung enthält einen eigenen Bereich zur Beobachtungsstelle gegen LGTBI-Feindlichkeit, der ein Formular zur anonymen und vertraulichen Meldung von Vorfällen umfasst, das keinen Anzeigecharakter hat. Dort sind auch die seit 2021 erstellten Berichte zu finden.

EIN ÜBERBLICK ÜBER TRANSPHOBE GEWALT

Die Beobachtungsstelle gegen LGBTI-Feindlichkeit ist ein permanentes Beobachtungs-System gegen Homophobie, Lesbophobie, Biphobie und Transphobie in Iruñea. Diese Einrichtung soll einen umfassenden Überblick über LGBTI-feindliche Übergriffe in der Stadt bieten und so die Präventions- und Sensibilisierungsmaßnahmen der Stadtverwaltung lenken. Grob gesagt war der Juli der Monat mit den meisten Vorfällen (sicher wegen der San Fermin Fiestas), auf den 25% der Fälle (elf) entfielen, und 50% ereigneten sich im öffentlichen Raum (22,50%), wobei unter öffentlichem Raum Bibliotheken, Cruising-Bereiche und Behördenbüros zu verstehen sind. Am Arbeitsplatz stieg die Zahl der Vorfälle von null im Jahr 2024 auf elf im Jahr 2025, insbesondere in den Zentren Harrotu und Kattalingune. Nach Stadtvierteln betrachtet war Alde Zaharra mit 38,6% (17) der Stadtteil mit den meisten Vorfällen, gefolgt von Mendillorri mit 13,6% (sechs). Im Jahr 2024 gab es in diesen Stadtvierteln fünf bzw. keine Übergriffe.

Von den 80 Arten von Gewalt, die als Bestandteile der 44 Vorfälle beschrieben wurden, handelte es sich bei acht (9,8%) um körperliche Gewalt und bei fünf (6,1%) um die Vertreibung aus dem Raum. Mehr als 50% waren verbaler oder symbolischer Natur (wie Graffiti mit faschistischer oder nazistischer Symbolik, Plakate, Zerstörung von LGTBI+-Bänken). In 71% der Fälle war der Angreifer ein Mann (31), der dem Opfer meist unbekannt war. Bei fast der Hälfte der Übergriffe liegen keine Angaben zur Gruppe vor, der das Opfer angehört. Nach den verfügbaren Daten richteten sich 38,5% der Übergriffe gegen Transpersonen, 26,9% gegen Schwule. Die am stärksten betroffene Altersgruppe waren Personen zwischen 30 und 49 Jahren (63,6%); im Jahr 2024 war die am stärksten betroffene Altersgruppe die der 18- bis 29-Jährigen mit 50% der Fälle.

Was die Herkunft der Informationen betrifft, so ist in 21 Fällen (47,7%) die meldende Person dieselbe, die den Übergriff erlitten hat, in 17 Fällen (38,6%) handelt es sich um die Bevölkerung selbst und in zwei Fällen (4,5%) ist die meldende Person ein Freund oder eine Freundin der angegriffenen Person. Was das Geschlecht der meldenden Person betrifft, so identifizieren sich 52,3% als Frau, 31,8% als Mann, 13,6% als nicht-binäre Person und 2,3% geben keine Antwort auf diese Frage. 34 der 44 im Jahr 2025 erfassten Vorfälle wurden über das Online-Formular oder persönlich im Harrotu-Büro gemeldet. (naiz-baskultur)

(2026-04-29)

MEHR ALS SEEZUNGEN IM AKW LEMOIZ

kolu78x29Die linksliberale Partei EH Bildu setzt bezüglich der AKW-Ruine Lemoiz auf einen umfassenden Plan für die gesamte Umgebung und möchte Einzelheiten zu den öffentlichen Investitionen erfahren, auf denen die vom baskischen Ministerpräsidenten angekündigte Fischzucht-Anlage basiert. EH Bildu lehnt die Fischzuchtanlage, die das alte Kernkraftwerk von Lemoiz wiederbeleben soll, grundsätzlich nicht ab. Sie sieht darin sogar vielversprechendes Potenzial. Doch hat die Unabhängigkeits-Partei große Zweifel hinsichtlich des tatsächlichen Umfangs des Projekts, das ab 2030 jährlich 3.000 Tonnen Seezunge produzieren soll. Der Sprecher der Koalition in Bizkaia, trat am Dienstag gemeinsam mit dem Bürgermeister von Lemoiz vor die Öffentlichkeit, beide forderten zweierlei: erstens, dass umfassend gehandelt wird und dabei nicht nur der Gebäudekomplex, sondern die gesamte Umgebung und die Grünflächen berücksichtigt werden; und zweitens, dass bei der Nutzung all dessen die Meinung der Bevölkerung durch Mechanismen der Bürgerbeteiligung einbezogen wird.

Der Bildu-Sprecher begann seine Rede mit einem Rückblick auf die Vergangenheit anhand zweier „jüngster Jahrestage“: der Bombardierung von Gernika und des Unfalls von Tschernobyl. „Wäre Tschernobyl Lemoiz gewesen, wären wir heute vielleicht nicht mehr als Land hier“, mutmaßte er. Gestern erwähnte der baskische Ministerpräsident Pradales die unheilvolle Vergangenheit des Kernkraftwerks und die fünf tödlichen Attentate, die ETA gegen dessen Eröffnung verübt hatte. Heute betonte der Sprecher von EH Bildu seinerseits, dass sich in dieser Vergangenheit „verschiedene Elemente vermischen“, er sprach vom „Volkskampf“ und von „dramatischen Elementen“. Deshalb sprach er sich dafür aus, dass in der Infrastruktur ein Raum für das „Gedenken“ und die „heilende Erinnerung“ vorgesehen wird.

Was den produktiven Aspekt angeht, wies der Sprecher der abertzalen Partei darauf hin, dass man, seit 2017 erstmals davon die Rede war, dort eine Fischzuchtanlage zu errichten, „konzeptionell nicht dagegen war“. Doch das Projekt, das nun in den Anfängen steckt, werfe „viele Fragen“ auf. Eine der wichtigsten sind die wirtschaftlichen Auswirkungen. „Es wird eine öffentliche Investition von mindestens 60 Millionen Euro geben, und man muss sehen, wie sich das auszahlt; wir müssen das Kleingedruckte kennen, um zu sehen, ob es uns überzeugt.“ Er sprach auch über die veröffentlichte Infografik, die zeigt, wie die Anlage in einigen Jahren aussehen wird: „Wir wissen nicht, wie realistisch sie ist, ob alle Gebäude genutzt werden, ob sie mit Solarzellen bedeckt sein werden, ob es eine große Ikurriña geben wird...“. Er betonte, dass sie diesem Projekt „nicht von vornherein kritisch gegenüberstehen“, aber mehr Informationen benötigen. In diesem Sinne zeigte er sich erfreut darüber, dass die baskische Regierung zu einem nächsten Treffen eingeladen hat, um detailliertere Informationen bereitzustellen.

Auf den ersten Blick fällt ihm ein „Mangel an Ganzheitlichkeit“ auf, da sich die Pläne offenbar auf die „40 Hektar Industriefläche“ konzentrieren, nicht aber auf die „140 Hektar Küstenlinie, angrenzende Hänge, den Sicherheitsbereich und den Stausee“. Das gesamte Gebiet müsse Teil der Umgestaltung sein. Er sieht Potenzial für einen „Motor“, doch dafür müsse es eine „landesweite Vereinbarung“ geben, für die sich Casanova offen gezeigt hat. Er sprach von anderen Nutzungsmöglichkeiten in dem Gebiet, die von Freizeit bis hin zur Erinnerung reichen, und erinnerte daran, dass Letzteres gestern auch von Pradales erwähnt wurde. Bei EH Bildu ist man der Ansicht, dass man auf die „Bürgerbeteiligung“ und die Mitwirkung der nächstgelegenen Verwaltungen setzen müsse. In diesem Zusammenhang wies der Bürgermeister von Lemoiz darauf hin, dass die Stadtverwaltung die städtebaulichen Kompetenzen habe und derzeit an der Ausarbeitung des Allgemeinen Stadtentwicklungs-Plans (PGOU) arbeite, zu dessen Fragestellungen auch gehöre, „was mit dem Kernkraftwerk geschehen soll“. Dies sei also der richtige Zeitpunkt, um das Thema anzugehen, was er für möglich hält, da „in den letzten Tagen ein Einstellungswandel“ bei der baskischen Regierung zu beobachten sei, im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen, so Arizmendi, Informationen in dieser Hinsicht nicht ohne Weiteres flossen seien.

DIE ÖKO-GRUPPEN GREENPEACE UND EGUZKI LEHNEN DAS PROJEKT AB – Die Umweltorganisationen Greenpeace und Eguzki lehnten gestern den Plan der baskischen Regierung und des Unternehmens Sea Eight ab, im alten Kraftwerk von Lemoiz eine Fischzucht-Anlage zu errichten. Beide sind der Ansicht, dass das Gelände renaturiert werden sollte, und bedauern, dass die Kosten für den Rückbau der Infrastruktur und die Renaturierung der Umwelt nicht vom Energie-Unternehmen Iberdrola getragen wurden, da es deren Vorgänger-Unternehmen Iberduero war, das in den 1970er und 1980er Jahren den Bau des AKW Lemoiz in durchgeführt hatte. (elcorreo-baskultur)

(2026-04-28)

KINDERARMUT

kolu78x28bIm Baskenland konzentriert sich die Gefährdung von Minderjährigen auf Kinder unter 14 Jahren. Jedes vierte Kind hat Schwierigkeiten, seine täglichen Bedürfnisse zu decken. Die Lebensbedingungen von Kindern sind einer der wichtigsten Indikatoren für das Wohlergehen und die Zukunft einer Gesellschaft. Der steigende Trend der Kinderarmut im Baskenland konfrontiert mit einer Besorgnis erregenden Realität, die konkrete Maßnahmen erfordert, um allen Kindern menschenwürdige Lebensbedingungen und gleiche Entwicklungschancen zu garantieren.

Armut ist kein klarer Begriff, es ist sinnvoll, dies zunächst zu klären. Es ist nicht dasselbe, über Einkommen zu sprechen oder über die tatsächlichen Lebensbedingungen. Daher ist über die Armut im monetären Sinne hinaus der sogenannte „Mangel an tatsächlichem Wohlbefinden“ besonders relevant, das heißt, jene Situationen, in denen die Lebensbedingungen unzureichend sind, ohne dass man formal als arm gilt. Vor diesem Hintergrund ist die Botschaft der jüngsten Umfrage zu Armut und sozialer Ungleichheit im Baskenland (EPDS) eindeutig: Die Gefährdung konzentriert sich insbesondere auf die Kindheit. Im Jahr 2024 lag die tatsächliche Armut bei Personen unter 14 Jahren bei 13,1%, gegenüber 5,2% bei der erwachsenen Bevölkerung. Mehr als doppelt so hoch. Doch die wirklich relevante Zahl ist eine andere: 23,1% der Minderjährigen befinden sich in einer Situation, in der es ihnen an echtem Wohlbefinden mangelt. Praktisch gesehen ist das jedes vierte Kind. Das verändert die Sicht auf das Problem. Es handelt sich um Kinder, die unter prekären Bedingungen leben, die Schwierigkeiten haben, ihre täglichen Bedürfnisse zu decken, Zugang zu bestimmten Grundgütern zu erhalten oder übliche Ausgaben normal zu bewältigen.

Betrachtet man die Altersgruppen, bestätigt sich diese Schlussfolgerung. Die Kindheit ist bei weitem die am stärksten gefährdete Lebensphase. Die tatsächliche Armut unter den unter 15-Jährigen liegt bei 13,3%, gegenüber 7,2% bei den Jugendlichen oder 1,6% bei den über 65-Jährigen. Es handelt sich also nicht um ein gleichmäßig verteiltes Problem, sondern um ein klar konzentriertes. Allerdings sind einige Veränderungen aus der näheren Vergangenheit gravierend und müssen mit fachlicher Vorsicht interpretiert werden. Die Verteuerung bestimmter Grundgüter könnte die Leistungsfähigkeit einiger Haushalte belasten, wobei jedoch zu bestätigen ist, inwieweit dieser Faktor die beobachtete Verschlechterung erklärt. In jedem Fall wiederholt sich das allgemeine Muster.

Ein weiterer Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden: Kinder im Haushalt stellen nach wie vor einen Faktor erhöhter Gefährdung dar. Die reale Armutsquote liegt bei Haushalten mit unterhaltsberechtigten Kindern bei 12%, gegenüber 3,8% bei Haushalten ohne Kinder. Betrachtet man das Wohlergehen, ist die Kluft sogar noch größer. Dies deutet auf ein strukturelles Problem hin: Die Kosten der Kindererziehung werden nicht ausgewogen verteilt. Am deutlichsten wird das Problem bei den Lebensbedingungen. Unter den in Armut lebenden Kindern hat mehr als die Hälfte mit grundlegenden Problemen zu kämpfen, die Deckung täglicher Ausgaben, Zugang zu lebensnotwendigen Gütern. Fast drei von zehn befinden sich in einer ernsten Lage. Jedes fünfte Kind hat keinen Zugang zu einer täglichen proteinhaltigen Mahlzeit, vier von zehn können sich keine neue Kleidung leisten. Hier hören die Zahlen auf, bloße Statistiken zu sein, sie werden zur Realität.

Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die politischen Schutzmaßnahmen nicht ausreichen oder nicht mit der erforderlichen Konsequenz umgesetzt werden. Wir sprechen hier nicht nur von armen Haushalten. Wir sprechen von Kindern mit weniger Chancen, von Bildungsungleichheit, von geringerem emotionalem Wohlbefinden. Das Risiko ist klar: Wenn wir es als normal ansehen, dass ein Teil der Bevölkerung sein Leben nicht stabil planen kann, akzeptieren wir eine Prekarität, die mit den Grundrechten unvereinbar ist. Wir dürfen diese Ergebnisse nicht nur als Folge der wirtschaftlichen Lage interpretieren. Das sind sie nicht. Doch wenn sich die Gefährdung auf Kinder konzentriert, schränkt sie das Lernen ein, beeinträchtigt die Entwicklung und verringert die Zukunftschancen. Kinderarmut ist nicht nur ein soziales Problem, sondern auch ein wirtschaftliches, da sie den künftigen Wohlstand gefährdet und Ungleichheits-Szenarien aufrechterhält.

Drei Schlussfolgerungen: Erstens muss die Sozialpolitik einen spezifischen Ansatz für Kinder beinhalten. Zweitens reicht es nicht aus, die Armut zu verringern, es ist notwendig, das tatsächliche Wohlergehen zu verbessern. Drittens muss der Fokus auf Haushalte mit Kindern gelegt werden, insbesondere auf diejenigen mit größerer prekärer Beschäftigungs-Situation oder unsicherer Wohnsituation. Letztendlich weist das Baskenland weiterhin ein hohes Maß an sozialem Zusammenhalt auf, mit insgesamt günstigen Sozial- und Einkommens-Indikatoren, doch dieser Zusammenhalt ist nicht homogen. Die Frage ist, ob wir rechtzeitig auf dieses Signal reagieren oder ob wir es im Gegenteil so lange normalisieren, bis es kein Alarmsignal mehr ist und zu einem strukturellen Merkmal wird. (Joseba Madariaga. Vorsitzender des UNICEF-Komitees des Baskenlandes) (elco-baskultur)

(2026-04-28)

DAS MANÖVER VON LEMOIZ

kolu78x28Aus der Atom-Ruine von Lemoiz (Bizkaia) soll eine Fischfabrik werden. Nach der vollmundigen gestrigen Ankündigung des baskischen Ministerpräsidenten kommen jetzt die finanziellen Details ans Tageslicht: die notwendige Investition kommt zu guten Teilen aus öffentlichen Kassen, damit am Ende Großkapitalisten profitieren können. Die baskische Regierung wird die 60 Millionen teure Sanierung des Lemoiz-Geländes finanzieren und Partner des Unternehmens werden, das Seezungen produzieren will. Die Regierung musste sich einschalten, damit Sea Eight sich dazu entschloss, sich im ehemaligen Kernkraftwerk niederzulassen, um Fische zu züchten. Die baskische Regierung musste ein gutes Angebot unterbreiten, damit Sea Eight, ein Lieferant der katalanischen Supermarkt-Kette Mercadona, bereit war, sich im ehemaligen Kernkraftwerk von Lemoiz anzusiedeln, um Seezungen zu züchten. Wie Quellen aus dem Ministerium für Ernährung, ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Fischerei bestätigten, fließen von den geplanten 170 Millionen Euro an öffentlich-privaten Investitionen 60 Millionen in die Bauarbeiten. Das heißt, in den Aufbau der Gebäude. Vollständig bezahlen wird das die Regionalregierung, die nach dem erwerb vor 10 Jahren auch Eigentümerin des Grundstücks und der beeindruckenden, aber baufälligen Gebäude ist.

Das Engagement der Regionalregierung wird damit nicht enden, denn „derzeit wird verhandelt, zu welchem Prozentsatz wir uns am Unternehmens-Kapital beteiligen“. Das beauftragte Unternehmen, Aquacría Basordas (Wasserzucht B), wird also vom bereits erwähnten Unternehmen Sea Eight geleitet, einem führenden Unternehmen in der Seezungenzucht, mit zwei Anlagen in Portugal und zwei weiteren in Spanien. Sea Eight ist Großlieferant der für seine Personalpolitik umstrittenen Mercadona-Kette. Es ist das Unternehmen, das sich nach mehreren gescheiterten Versuchen schließlich dazu entschlossen hat, das Projekt in Angriff zu nehmen. Der Direktor, Jaime León, hat betont, dass das Unternehmen seine eigenen Prozesse entwirft und Mechanismen entwickelt, damit mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die Produktion effizienter gemacht werden kann. Im Rahmen dieser Mission sollen „Synergien mit dem Produktionsgefüge des Baskenlandes“ entstehen, in einem Projekt, das er als „unglaublich spektakulär“ bezeichnete.

Das Projekt wird jedoch mit öffentlichen Mitteln finanziert und unter Beteiligung von Universitäten, Forschungszentren, Unternehmen aus dem Biotechnologie-Sektor sowie allen Akteuren, die mit der Lebensmittel-Verarbeitung zu tun haben. Der Agrar- und Lebensmittel-Sektor ist angesichts des weltweiten Bevölkerungs-Wachstums und der begrenzten Ressourcen zur nachhaltigen Ernährung der Weltbevölkerung einer der Sektoren mit der größten globalen Bedeutung. Was die Nutzung der Grundstücke und Gebäude betrifft, die ebenfalls in öffentlichem Besitz sind, „ist zunächst ein Mietmodell vorgesehen“, dessen Höhe noch nicht bekannt ist, oder aus politischen Gründen verschwiegen wird.

KOMPLIZIERTER ZUGANG – Nach fast einem Jahrzehnt der Suche nach einer Lösung für Lemoiz, die bisher eher von Enttäuschungen als von Erfolgen geprägt war, war es absehbar, dass private Investoren eine öffentliche Beteiligung fordern würden, damit das Projekt attraktiv wird und „bestimmte Schwächen“ ausgleicht. Branchenquellen zufolge muss berücksichtigt werden, dass das alte Kernkraftwerk über eine komplizierte Anbindung an das Straßennetz verfügt, was logistisch gesehen ein Nachteil ist. Hinzu kommt die Entfernung zu großen Verkehrs-Knotenpunkten, obwohl das Projekt eine internationale Ausrichtung hat. Als Stärken hinsichtlich der Auswirkungen auf das wirtschaftliche und soziale Gefüge hebt die baskische Regierung hervor, dass „dieses Projekt auf einer ganzheitlichen Entwicklungs-Strategie basiert, die die Generierung von Wissen und Innovation in Zusammenarbeit mit Technologiezentren, Berufsbildungs-Einrichtungen und Universitäten umfasst; die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze sowohl in der Bauphase als auch im Betrieb der Anlage; sowie die Förderung eines Netzwerks lokaler Zulieferer“. (elcorreo-baskultur)

(2026-04-27)

ETA IN DER TAGESPOLITIK

kolu78x27Die baskische Untergrund-Organisation ETA hat vor 17 Jahren einen Gewaltverzicht erklärt, vor 10 Jahren die Waffen abgegeben und sich vor 8 Jahren aufgelöst. Die andere spanische Konfliktpartei hat dies nicht getan. Trotz der Jahre spielt ETA – oder ein Gespenst derselben – nach wie vor eine enorme Rolle, in der Gedankenwelt rechter Politiker („ETA ist in Madrid angekommen“) und deren medialen Gefolgschaft. Thema von heute (dem Tag nach dem Jahrestag der Bombardierung von Gernika, für die Franco zusammen mit den Nazis verantwortlich zeichnete) sind verschiedene Entführungen, die ETA in den 1990er Jahre durchführte. „Er war 34 Jahre alt, als er von ETA entführt wurde, die ihn nach 232 Tagen Gefangenschaft freiließ“. Die Rede ist vom Anwalt Cosme Delclaux, der ausgerechnet am Gernika-Tag gestorben ist. „Er starb am Samstag in Bilbao, wenige Monate vor dem 30. Jahrestag seiner Entführung durch die ETA im Jahr 1996, der sich am kommenden 11. November jährt. Als Sohn des Industriellen Álvaro Delclaux aus Bizkaia, der in den 1960er Jahren Vizepräsident der Provinzregierung war (im Franquismus also) und als bedeutender Unternehmer in der Glasbranche tätig war, verbrachte er 232 Tage in Gefangenschaft in einer winzigen Zelle, die kaum anderthalb Meter breit, drei Meter lang und 1,80 Meter hoch war.“ Wie Gefängnisse eben so sind. Er wurde am 1. Juli 1997 freigelassen, gefesselt an einen Baum in der Gegend von Elorrio, wenige Stunden bevor die Guardia Civil in Mondragón José Antonio Ortega Lara befreite. Dieser Ortega Lara war Gefängnis-Wärter, seine Entführung dauerte mehr als 520 Tage. Er war einer der Gründer der faschistischen VOX-Partei, stellvertretend für die Kollegen seiner Zunft.

„Die Entführung des jungen Anwalts, der 34 Jahre alt war, als ein ETA-Mitglied ihn nach Feierabend im Technologiepark von Zamudio mit einer Waffe bedrohte, prägte eine Epoche in der Geschichte der ETA. Mitte der 90er Jahre führte ETA eine Reihe langwieriger Entführungen durch, mit denen sie nicht nur ihre Finanzierung sichern, sondern auch die Rückführung der politischen Gefangenen ins Baskenland in den Vordergrund rücken wollte“, schreibt die größte rechte Tageszeitung im Baskenland. Diese Gefangenen waren nämlich illegalerweise auf den ganz Staat verteilt, was für die Angehörigen eine Strafe bedeutete, die zu Knastbesuchen Tausende von Kilometern fahren mussten (16 kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben). Auf die Entführung des Industriellen José María Aldaia im Jahr 1995 folgten 1996 die Entführungen von Ortega Lara und Delclaux, die zu einer intensiven Mobilisierung in der baskischen Bevölkerung führte. Das Besondere damals war, dass die ETA-Gegner das Symbol der „blauen Schleifen“ oder „blauen Armbänder“ ins Leben riefen, wodurch jede willige Einzelperson ihre Ablehnung zeigen konnte. Die Gegenseite reagierte mit „roten Bändern und Schleifen“ – man traf sich beim Brotkaufen in der Bäckerei.

„Für mich waren alle Tage gleich“, erklärte der Anwalt vor Gericht fünf Jahre nach seiner Freilassung. Eine Plastikmatratze, ein Campingtisch und ein Klappstuhl bildeten das spärliche Mobiliar, das ihm seine Bewacher zur Verfügung stellten. „Delclaux kochte sich alle drei Mahlzeiten selbst, las zensierte und veraltete Ausgaben der linken Tageszeitung EGIN und führte von Zeit zu Zeit Gespräche mit einem seiner Entführer. Sein Vater räumte vor dem Nationalen Gerichtshof ein, das Lösegeld gezahlt zu haben, doch ETA hörte nicht auf, die Familie zu schikanieren“ – keine Kapitalisten-Familie, die im Franquismus eine wichtige Rolle gespielt hatte. Den Befehl zur Entführung gaben angeblich José Javier Arizkuren „Kantauri“ und Dolores López Resina „Lola“. Ausgeführt wurde sie von zwei legalen ETA-Aktivisten, die in Irun eine Wohnung mieteten. Den 30. Jahrestag seiner Entführung hat Cosme Delclaux also nicht erlebt, beerdigt wird er am heutigen Montag in Neguri, einem bekannten Stadtteil der Küstenstadt Getxo, der als Wohnsitz vieler Mitglieder der baskischen Oligarchie bekannt geworden ist. An keinem anderen Ort gab es so viele Attentate wie in Neguri. Und ETA ist zeitlos geworden. (baskultur)

(2026-04-26)

GERNIKA ERINNERT AN DIE NAZI-BOMBEN

kolu78x26Bei verschiedenen Veranstaltungen in der baskischen Stadt Gernika wurde am 89. Jahrestag der Bombardierung durch die Legion Condor der Nazis einmal mehr zum Frieden auf der Welt aufgerufen (26-04-1937). In diesem Aufruf steckt einerseits eine wohlgemeinte Absicht, gleichzeitig ist es angesichts der weltweiten Kriege und Völkermorde in Sudan, Palästina, Iran und Ukraine völlig absurd, von Frieden zu sprechen. Vielleicht von der Beendigung der direkten militärischen Auseinandersetzungen. Denn wie ein vereinbarter „Waffenstillstand“ aussieht, macht Israel jeden Tag deutlich: seit dem Abkommen wird Gaza weiter bombardiert, weitere Tausend Palästinenser*innen wurden umgebracht, darunter humanitäre Helfer und Presseleute. Doch in Gernika ist heute Frieden das Hauptwort.

Aus Anlass des Jahrestages des Kriegsverbrechens (die Nazis attackierten nicht militärische Ziele, sondern die Zivilbevölkerung) wurde die Stadt von der Zentralregierung zum „Ort der Erinnerung“ erklärt. An einem Tag voller offizieller Veranstaltungen versammelten sich Behördenvertreter und politische Führungskräfte in der Stadt, um der Opfer des Massakers zu gedenken und in einer Zeit großer internationaler Unruhen einen Aufruf zum Frieden zu starten. Eines der wichtigsten Ereignisse war die Einweihung der Skulptur „Puerta de la Paz“ (Tor des Friedens) auf. Das vier Meter hohe Denkmal befindet sich im Stadtzentrum, in der Nähe der Skulptur „Agonía de fuego“ (Agonie des Feuers) von Nestor Basterretxea, die an der Stelle steht, an der die erste Nazi-Bombe einschlug. Die Skulptur wurde vom spanischen Staatssekretär für Demokratisches Gedenken eingeweiht, der versicherte, dass „das beste Gegenmittel“ gegen die aktuellen Bedrohungen der Demokratie sei „die Erinnerung“. Martínez verteidigte die Notwendigkeit, sich an die Vergangenheit zu erinnern, um eine Wiederholung „traumatischer Ereignisse“ zu vermeiden. Er warnte vor den aktuellen neofaschistischen Tendenzen. Im Übrigen hat weder seine Regierung (Pedro Sanchez) noch alle vorangegangenen „demokratischen“ Regierungen sich jemals zum Verbrechen in Gernika geäußert, geschweige denn als Nachfolge deS Franquismus um Entschuldigung gebeten. Man kommt eben nach Gernika und spielt sich als Verteidigung von Demokratie und Antifaschismus auf, ohne den Franquismus ernsthaft aufgearbeitet zu haben. Spanische Verhältnisse.

In seiner Rede betonte der Vertreter der Zentralregierung, dass die Bombardierung von Gernika ein „Massaker“ war, das von den Aufständischen mit Unterstützung ausländischer Mächte wie der nationalsozialistischen Legion Condor und der italienischen Luftwaffe verübt wurde, mit dem Ziel, „die Zivilbevölkerung zu terrorisieren“ und „die Identitätsmerkmale des baskischen Volkes anzugreifen“. Zudem erinnerte er daran, dass die Erklärung von Gernika zum Ort der Erinnerung der Umsetzung des Gesetzes zur Demokratischen Erinnerung entspricht, und erklärte, dass diese Ausweisung einen doppelten Zweck verfolge: einen pädagogischen und einen auf Wiedergutmachung ausgerichteten. „Es ist von grundlegender Bedeutung, dass die jungen Generationen wissen, was geschehen ist, dass sie wissen, dass diese Stadt bombardiert und zerstört wurde, und dass sie das verursachte Leid verstehen“, betonte er. Bei der Veranstaltung wurde er vom Bürgermeister von Gernika, und weiteren Funktionsträgern begleitet.

ÜBERFÜHRUNG VON PICASSOS BILD - Der Tag wurde mit einer Ehrung des Journalisten George L. Steer fortgesetzt, der mit seinen Berichten in der „London Times“ die Welt über die Bombardierung der Stadt informierte. Anschließend wurden die Gernika-Preise für Frieden und Versöhnung verliehen und „Friedenstauben“ freigelassen. Diese Zeremonie wurde vom Bürgermeister von Gernika und den Botschaftern von Bosnien und Herzegowina, Aserbaidschan und Armenien sowie Vertretern der Global Summit Flotilla begleitet. Am Nachmittag fanden auf dem Friedhof von Zallo Andacht und Kranzniederlegung für die Opfer des Angriffs statt, an denen der baskische Ministerpräsident Imanol Pradales und die Präsidentin des baskischen Parlaments teilnahmen. Vertreter der PNV und von EH Bildu kamen nach Gernika, um an den verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. Der PNV-Präsident Aitor Esteban nutzte die Symbolik des Tages, um erneut darauf zu drängen, Picassos „Guernica“ vorübergehend ins Guggenheim zu verlegen, trotz der Ablehnung durch die Zentralregierung und das Museum Reina Sofía aufgrund des empfindlichen Zustands des Gemäldes.

Den jährlich vergebenen Gernika-Preis für besondere Leistungen im Bereich Menschenrechte erhält in diesem Jahr die privat organisierte Schiffsflotte, die mehrfach versucht hat, die zionistische Blockade von Gaza zu durchbrechen – unter Beobachtung der Weltöffentlichkeit. Vor wenigen Tagen machte sich wieder eine solche Flottilla auf den Weg, mit baskischer Beteiligung. Ob dieser Preis den Vertreter*innen der Partnerstadt Pforzheim besonders gefallen wird, darf bezweifelt werden. Denn in Deutschland wird jegliche Kritik am zionistischen Krieg und am Völkermord bekanntlich als Antisemitismus verteufelt. Die anwesenden Deutschen müssen sich wie im „Sündenpfuhl“ fühlen – vielleicht ein Anlass, über die Fortführung der Städtepartnerschaft mit den „Antisemiten“ nachzudenken. Damit würde auch eine unsägliche Gleichsetzung beendet, die diese Partnerschaft seit Beginn begleitet: Pforzheim und Gernika seien Orte mit demselben Schicksal. Das von Gernika ist bekannt, im Fall von Pforzheim muss daran erinnert werden, dass die süddeutsche Stadt von den Alliierten im Stil von Dresden bombardiert wurde: nicht als militärische Operation, sondern als Strafaktion. Diese Bombardierung war ein reines Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung, eine Gleichsetzung ist dennoch eine Geschichtsfälschung. Gernika wurde von Nazis vernichtet, Pforzheim wurde bombardiert, weil es zum Regime der Nazis gehörte.

NACHTRAG: Der Sprecher von EH Bildu warnte vor dem „Szenario eines globalen Krieges, in den man uns treiben will“, was „eine existenzielle Bedrohung für die Zivilisation und den gesamten Planeten“ darstelle. „Es ist an der Zeit, sich für Frieden, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und die Souveränität der Nationen auszusprechen“, fügte er hinzu. (baskultur)

(2026-04-25)

STRASSENKÜNSTLER PROTESTIEREN

kolu78x25Die baskische Guggenheim- und Tourismus-Stadt Bilbao strebt weiterhin zielstrebig zur Aufnahme in die Liste der meistgehassten Orte. Die ehemalige Arbeiterstadt kleidet sich in Kunst und Architektur, also Kultur. Doch wird diese Kultur ziemlich eng gefasst, wünschenswert sind elitäre Beiträge, die viel Geld kosten oder einbringen, die kostenlose Straßenkultur hingegen soll in hohem Bogen rausgeworfen werden. Deshalb haben sich Straßenkünstler in Bilbao versammelt, um gegen die städtische Verordnung zu protestieren, die sie „de facto“ aus dem Zentrum von Bilbao vertreibt. Sie fordern einen Dialog, da das Lärmproblem nicht dadurch gelöst wird, dass die Straßenkunst, die für die Bürger zugänglichste Form des kulturellen Ausdrucks, unterbunden wird. Sie protestieren, um angesichts der vom Stadtrat von Bilbao vorläufig verabschiedeten Verordnung „mit drastischen Verboten für die Straßenkunst“ einen Dialog zu fordern.

Hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Bilboko kaleak denonak dira. Bilbaos Straßen sind für alle“ haben Künstler verschiedener Disziplinen, die sich im Kollektiv SOS Bilboko Kaleko Artistak zusammengeschlossen haben, ihre Werke ins Stadtzentrum gebracht. Musikalische Darbietungen und Zirkuskunst folgten aufeinander in „einer Demonstration dessen, was die Straßenkunst Bilbao bringt und was auf dem Spiel steht, das verloren gehen könnte“. Wie sie in Erinnerung riefen, regelt der Stadtrat von Bilbao im Rahmen einer Terrassen-Verordnung den öffentlichen Raum und verbietet beispielsweise Auftritte in den meistbesuchten Straßen. Die neue Verordnung verbietet die Verwendung von Verstärkern, Lautsprechern oder aufgezeichneter Musik, sofern keine ausdrückliche Genehmigung vorliegt, untersagt Auftritte von mehr als drei Personen und – was für die Gruppe besonders schmerzlich ist – verbietet Auftritte während der Aste Nagusia, einem Raum, in dem die Künstler*innen mit Bilboko Konpartsak die Auffassung teilen, dass die Straße ein Ort des kulturellen Ausdrucks ist.

Bei einem Rückblick auf die Ereignisse der letzten Monate, seit sie am 31. Januar über die Presse von den neuen Bestimmungen erfahren hatten, hat das Künstlerkollektiv betont, dass es keine Beschwerden in einer Anzahl gegeben habe, die eine Reaktion dieser Größenordnung rechtfertigen würde, und hat die Bemühungen hervorgehoben, einen Dialog mit den Vertretern der Stadtverwaltung herzustellen. In diesem Zusammenhang wurde konkretisiert, dass ein Treffen mit der PNV stattgefunden habe, zusätzlich zu der Mitte Februar an den PNV-Stadtrat Asier Abaunza gerichteten Bitte um ein Treffen. SOS Bilboko Kaleko Artistak hat sich zudem „mit dem Verein getroffen, der sich über Veranstaltungen, Straßenaufführungen, Demonstrationen, Versammlungen, Diskotheken, Bars und Lärm beschwert hat, die durch das Leben oder Arbeiten im Stadtzentrum entstehen können“. „Obwohl wir mit mehreren Vorschlägen zu dem Treffen gingen, zeigte sich der Verein unnachgiebig gegenüber der Idee, auf die vom Stadtrat festgelegten Verbote zu verzichten“, erklärten sie.

UNTERSTÜTZUNG DURCH EH BILDU UND ELKARREKIN PODEMOS – Wie sie erklärten, haben die Fraktionen von EH Bildu und Elkarrekin Podemos ihre Ablehnung der „unverhältnismäßigen Vorschriften“ zum Ausdruck gebracht und Anträge zu deren Korrektur verteidigt. Bildu schlug vor, unter Einbeziehung der Straßenkünstler einen Leitfaden für bewährte Praktiken zu erarbeiten, um ein Gleichgewicht zwischen der Nutzung des öffentlichen Raums und dem kulturellen Ausdruck auf den Straßen zu erreichen. Inmitten der Debatte über die Nutzung des öffentlichen Raums und die angeblich damit verbundenen Belästigungen hat die Künstlergruppe dargelegt, dass „das Lärmproblem nicht dadurch gelöst wird, dass die Straßenkunst unterbunden wird“, bei der „wir eine der am wenigsten geschützten Gruppen sind“, während die Institutionen „Großveranstaltungen mit mehr als 100 Dezibel“ planen und bewerben, die sogar den städtischen Dienstbetrieb lahmlegen. Absolut lächerlich ist, dass seit 2023 ganze vier Anzeigen wegen Verstößen gegen die Vorschriften bei der Stadtpolizei eingegangen sind, vier, die beweisen sollen, dass Straßenkünstlerinnen das Leben in der Stadt unmöglich machen. Eine Stadt mit autoritärem Modell, indem nur Geld und millionenschwere Kultur zählt. (naiz-baskultur)

(2026-04-23)

WIEDERAUFFNAHME VON FOLTERANZEIGEN

kolu78x23Gefordert wird, dass sieben vom Straßburger Gerichtshof verurteilte Folterfälle in Spanien wieder aufgenommen werden. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte GEBehatokia hat bekannt gegeben, dass sie bei den zuständigen spanischen Gerichten die Wiederaufnahme von sieben Folterfällen beantragt hat, die vom Straßburger Gerichtshof verurteilt wurden, da sie von der spanischen Justiz nicht untersucht worden waren. Sollte diesem Antrag nicht stattgegeben werden, werde man sich an internationale Instanzen wenden. (Foto von der Veranstaltung, bei der die Forderung nach der Wiederaufnahme von sieben nicht untersuchten Folterfällen angekündigt wurde, für die der spanische Staat in Europa verurteilt wurde. FOKU) - 

GEBehatokia hat beantragt, dass sieben der zehn Folterfälle, für die der spanische Staat vom Straßburger Gerichtshof wegen unterlassener Ermittlungen verurteilt wurde, von den zuständigen Gerichten, die dies seinerzeit versäumt hatten, wieder aufgenommen werden. Dies wurde auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben, an der Iratxe Urizar, Anwältin der genannten Beobachtungsstelle, Oscar Sánchez, Rechtsanwalt, und Martxelo Otamendi, eines der Opfer, teilnahmen. Dort erklärte Urizar, dass die Personen, die sich zu diesem Schritt entschlossen haben, Oihan Ataun Rojo, Patxi Arratibel Garciandia, Mikel San Argimiro Isasa, Martxelo Otamendi, Xabier Beortegi Martínez, Iñigo González Etayo und Beatriz Etxebarria Caballero sind. In den anderen drei Fällen, die in Europa verurteilt wurden, „ist die Sachlage anders“. Die Anwältin erinnerte daran, dass nach den genannten europäischen Urteilen „absolut nichts geschah und es sich nicht um einen Ausnahmefall handelt, sondern um ein Verhaltensmuster“, und dass „weder die Richter noch die Staatsanwaltschaft von Amts wegen tätig werden, noch ergreift die spanische Regierung eine Initiative. Es wird eine Vogel-Strauß-Politik betrieben“. So „werden die Täter geschützt und eine Struktur aufrechterhalten, in der jedes Glied notwendig ist, um diese Straflosigkeit aufrechtzuerhalten“. Da jedoch die Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vollstreckt werden müssen, „ist es an der Zeit, zu überprüfen, was hinter der vorgetäuschten Schließung der Folteranzeigen steckt, mit der den Opfern Gerechtigkeit verweigert wurde“, erklärte Sánchez.

BIS ZUM ENDE GEHEN – Mit diesem Ziel „starten wir heute eine gerichtliche Initiative, um die Wiederaufnahme jener Verfahren zu beantragen, die im Sande verliefen, damit wir diesmal, mit Urteilen in der Hand bis zum Ende gehen können“. Es geht darum, dass „die in diesen Urteilen genannten Gerichte nun die Folterfälle untersuchen, die sie zuvor nicht untersucht haben, und Verantwortlichkeiten festlegen, indem sie die Polizeibeamten vor Gericht stellen und sie, wenn möglich, für die begangenen Straftaten verurteilen“, erklärte der Anwalt. Es gehe darum, „die Verfahren wieder aufzunehmen, nicht von vorne anzufangen, und die Ermittlungen durchzuführen, die damals nicht durchgeführt wurden“. Sánchez und Urizar haben angekündigt, dass sie für den Fall, dass ihrem Antrag nicht stattgegeben wird, bereit sind, „sich an internationale Instanzen wie die Vereinten Nationen zu wenden, damit dem Mandat des Straßburger Gerichtshofs nachgekommen wird“.

EINE „UNAUSWEICHLICHE“ REALITÄT – Sie haben „den Mut der gefolterten Menschen, die diesen Schritt wagen“, gewürdigt, was bedeutet, „diese schreckliche Realität, die sie erlitten haben“, erneut durchleben zu müssen. In ihrem Namen erinnerte der ehemalige Journalist Martxelo Otamendi daran, dass „Folter nicht ungestraft bleiben darf“ und dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte „zwischen den Zeilen“ der spanischen Justiz „mitgeteilt hat, dass sie die Folter nicht länger leugnen darf, da es sich um eine unausweichliche Realität handelt. Dass sie die Foltervorwürfe sehr ernst nehmen und unter Einhaltung aller Garantien prüfen muss“. Denn „in diesen Fällen hat die spanische Justiz den Folterern jede nur erdenkliche Komplizenschaft zukommen lassen. Sie hat die Foltervorwürfe nicht angemessen untersucht, und wenn das keine Komplizenschaft ist, was dann?“. Er schloss seine Rede mit dem Hinweis, dass „die gefolterten Menschen doppelte Opfer sind: Opfer der Polizei durch die Folter und Opfer der Justiz, weil diese die Vorwürfe nicht untersucht wurden“. (naiz-baskultur)

(2026-04-22)

MEHR POLIZEI – WENIGER MIGRANTEN

kolu78x22In den größeren Städten des Baskenlandes existieren Nachbarschafts-Initiativen, die seit Jahrzehnten für die Behebung der lokalen Probleme und für Integration kämpfen – im besten Sinne von Volks-Initiativen, organisiert von unten gegen oben. Diese Gruppen haben über die Jahre viel von ihrer klassenkämpferischen Dynamik verloren, sind aber als Vertretung der Unter- oder Arbeiterklassen und der Migrantenschaft dennoch wichtige Faktoren in der Kommunalpolitik geblieben. Für manche sicher zu nahe an der Bevölkerung, zu sehr basis-orientiert. Zum Beispiel im Arbeiterviertel San Francisco von Bilbao, der ehemaligen Bergbauzone der Stadt. Dort gibt es neben der alten Nachbarschafts-Gruppe eine zweite, die einen anderen Diskurs pflegt. „Wir kämpfen gegen Drogen, Verschmutzung und rücksichtsloses Verhalten in San Francisco“, heißt es in deren Verlautbarungen, dabei fehlt eigentlich nur noch „gegen Migration“. Denn für „Drogen, Schmutz und Rücksichtslosigkeit“ werden in der Regel Migrant*innen verantwortlich gemacht.

Auzokideak nennt sich die Gruppe, das ist Baskisch und bedeutet „Mitglieder der Nachbarschaft“. Sie versucht seit längerem, mit ihrem Diskurs in der Nachbarschaft Fuß zu fassen. Was nicht einfach ist, denn tatsächlich leben dort viele Migrant*innen, die für solche Thesen nicht empfänglich sind (weil es gegen sie geht) und linksorientierte Personen, die jenes Gedankengut ebenfalls eher ablehnen. So kam es zu einer Konfrontation, die am Ende nicht stattfand. Auzokideak hatte zu einer Versammlung im Bürgerzentrum aufgerufen, um über die besagten „Probleme“ zu diskutieren. Als dies bekannt wurde, riefen „die anderen“ zu einer Kundgebung auf (an der auch Migrant*innen teilnahmen, um vor dem xenophoben Diskurs zu warnen. Auzokideak sagte daraufhin ihre Versammlung ab, „aus Verantwortungsbewusstsein“ und „angesichts der Gegendemonstration gegnerischer Gruppen“ und bekam in der rechten Presse ausreichenden Raum, sich als „Opfer der Intoleranten“ darzustellen.

„Wir haben die von uns einberufene, unpolitische Nachbarschafts-Versammlung, bei der wir über die Probleme des Stadtteils sprechen wollten, aus sozialer Verantwortung abgesagt. Wir können die Anwohner keinem Risiko aussetzen. Aber wir werden sie zu einem späteren Zeitpunkt an einem anderen Ort nachholen“, erklärt der Vorsitzende des Vereins Sanfran Auzokideak gegenüber einer Zeitung, die für ihre migrations-unfreundliche Berichterstattung bekannt ist. Die Anwohner sagten die im Bürgerzentrum geplante Veranstaltung ab, da zur gleichen Zeit und am gleichen Ort eine Gegendemonstration von „system-kritischen Gruppen“ organisiert worden war, die ihnen vorwarfen, „Rassisten“ zu sein und „den faschistischen Parteien in die Hände zu spielen“. Obwohl der Aufruf nicht unterzeichnet war, wurde er in den sozialen Netzwerken von den Gruppen Azet Sindikatua, Kontseilu Sozialista Bilbao und dem Kulturzentrum Bilboko Zaharreko Kultur Etxea verbreitet. Die Stadtpolizei und die Ertzaintza hatten in Erwartung von Spannungen im Stadtteil einen besonderen Einsatz vorgesehen. Was lernen wir daraus? Gegen Migration zu sein ist unpolitisch, wer nicht dieser Meinung ist, ist ein „Systemgegner“ und muss von der Polizei gebremst werden.

Jene Anwohner von Auzokideak haben bei Instagram mit Videos „den ungestraften Drogenhandel und fortwährende Verstöße gegen die öffentliche Ordnung sowie den illegalen Markt in der Calle Cortes“ angeprangert, was laut eigenen Angaben „große Resonanz“ gefunden hat – eine eher subjektive Interpretation, denn gegen Drogendealer geht die Polizei vor und der Flohmarkt stört niemanden außer Touristen, die dort zu ihren Airbnb-Wohnungen gelangen wollen. Insofern reduzierte sich die „große Resonanz“ erneut auf die willige Rechtspresse. Auzokideak hat nach eigenen Angaben Gespräche mit der Stadtverwaltung von Bilbao aufgenommen, um nach Lösungen zu suchen – es kann davon ausgegangen werden, dass sie dort mit offenen Armen empfangen worden sind. Denn alle, die mehr Kontrolle und Polizei fordern, weniger Drogen und Migranten, werden hofiert, weil man im Rathaus dasselbe will.

Nach dem Versammlungs-Aufruf von Auzokideak in den sozialen Netzwerken, um dabei künftige Aktionen vorzubereiten, tauchten in den benachbarten Arbeitervierteln Flugblätter auf, in denen sie als „Rassisten“ beschuldigt wurden. Auzokideak wurde vorgeworfen, eine „von Parteien, Medien und Agitatoren in den sozialen Netzwerken angeheizte Kampagne gegen Migranten“ zu starten – was nicht von der Hand zu weisen ist, denn der Diskurs passt perfekt ins Konzept von rechten und ultrarechten Parteien, von der baskischen PNV bis zur spanisch-faschistischen VOX. Die Versammlungs-Teilnehmer hätten den Platz, auf dem die Gegendemonstration geplant war, durchqueren müssen, um zum Bürgerzentrum zu gelangen, „was zu einer angespannten Atmosphäre hätte führen können. Ältere Menschen hatten ihre Absicht bekundet, daran teilzunehmen, während andere es aus Angst vorzogen, nicht hinzugehen“. Auzokideak ging selbstverständlich davon aus, „dass es zu einer Schlägerei kommt, dass es Beleidigungen gibt“, das hört die Polizei immer gerne, um ihre eigene, häufig rassistisch motivierte Gewalt zu rechtfertigen.

Auf die Vorwürfe der Fremdenfeindlichkeit antwortet der Vorsitzende von Sanfran Auzokideak, ein Wirtschaftsingenieur, dass er „aus beruflichen Gründen 25 Jahre lang in sieben verschiedenen Ländern leben musste, darunter Saudi-Arabien, Ägypten, die Türkei, China, Mexiko, Peru und vier Jahre in Indien“. Er beherrscht neben Spanisch drei weitere Sprachen: Marathi, einen Dialekt des Hindi, Englisch und Italienisch. Er hat eine Patenschaft für ein indisches Mädchen übernommen und einen Sahraui aufgenommen. Schlussfolgerung: er kann gar kein Rassist sein! Vor vier Jahren kaufte er eine Wohnung in San Francisco, in die sich seine Familie „verliebte“. Sofort nahm er Kontakt zu anderen Bewohnern auf, um das Viertel zu verbessern. Dies im bestehenden Nachbarschafts-Verein zu tun, kam nicht in Frage, die veranstalten ja das Fest „Reisegerichte der Welt“ zu dem sich bis zu 4.000 Migrant*innen aus vier Kontinenten einfinden, darunter womöglich Drogenhändler.

Was die Polarisierung in San Francisco angeht, so denkt der Weltenbummler, dass „man uns vorwirft, dass wir den Schutz der Sicherheitskräfte fordern. Aber wer soll den sonst den Drogenhandel ausmerzen, die Nachbarn etwa, die NGOs?“ Also fordert Auzokideak vom Stadtrat und der Polizei, „entschlossen zu handeln, um die Kriminalität zu bekämpfen und die Eröffnung von Geschäften (nicht von Migranten) sowie die Ansiedlung von Aktivitäten zu erleichtern, die eines der am stärksten heruntergekommenen Wohngebiete im Norden der Halbinsel trotz seiner zentralen Lage wiederbeleben.“ Gentrifizierung also, mehr noch als ohnehin schon in Gang ist.

In der von den „Anti-System“-Gruppen verbreiteten Erklärung wird der Polizei „Schikane“ vorgeworfen. „Die Polizei geht täglich gegen Migranten vor, mit ständigen Kontrollen und unaufhörlichen Übergriffen. Eine verstärkte Polizeipräsenz und Repression wird das Problem nicht lösen, sondern nur das Klima der Spannung und des Elends verschärfen.“ Wer sich von diesem Polizeirassismus ein Bild machen will, muss nur einmal durch das Quartier gehen und die ständigen Razzien beobachten. Auzokideak bedauert, dass „die Drogenhändler unsere Straßen in Beschlag genommen haben“ und dass „die Unsicherheit in den letzten Monaten zugenommen hat, mit Übergriffen, Messerstechereien und Provokationen gegenüber der Polizei“. Sie fordern die Einleitung von Verfahren gegen Lokale, die gegen die Vorschriften verstoßen und den Drogenhandel dulden, die Einrichtung einer Leitstelle für die Videoüberwachung sowie die Verlegung der Schrott-Annahmestelle in ein Nicht-Wohngebiet. In dieser Annahmestelle liefern migrantische Männer aus Marokko oder Senegal den Schrott ab, den sie aus den Viertel-Containern gefischt haben, weil die wohlhabenderen weißen Bewohnerinnen zu Mülltrennung und Recycling nicht in der Lage sind. Von den dafür bezahlten paar Euros müssen sie dann leben. Doch Auzokideak will sie nicht haben – raus! Allerdings ist die große Mehrheit der dortigen Bevölkerung anderer Meinung. Und das ist gut so. (baskultur)

(2026-04-21)

WOZU FASCHISTEN GRÜSSEN?

kolu78x21Große Ereignisse werfen nicht nur ihre Schatten voraus, hinterher werden die Anekdoten gesammelt, die sich in der zweiten und dritten Linie abgespielt haben, um das Ereignis medial auszuquetschen. Die Rede ist (wie gestern) vom spanischen Fußball-Pokalfinale, das die Basken aus Donostia gegen die Atleticos aus Madrid gewinnen konnten. Die folgende Anekdote spielte sich nach dem Spiel ab. Mikel Oyarzabal ist der Team-Kapitän der Basken und gleichzeitig spanischer Nationalspieler. Die sozialen Netzwerke explodierten am Sonntag nach dem Finale, als sie eine Szene der Ereignisse zeigten, und zwar keine, die mit dem Spiel selbst zu tun hatte: Der Kapitän von Real Sociedad San Sebastian aus dem baskischen Donostia ging bei der Siegerehrung an der Präsidentin der Autonomen Gemeinschaft Madrid, der ultrarechten PP-Politikerin Isabel Díaz Ayuso, grußlos vorbei, als er auf dem Laufsteg zur Medaillenübergabe stand, auf dem sich die „Würdenträger“ (Euphemismus) befanden. Die Bilder ließen keinen Zweifel: Der Spieler von Real Sociedad reichte der Madrider Politikerin nicht die Hand, sei es aus Aufregung in diesem Moment oder absichtlich. Doch nun sind neue Bilder aufgetaucht, die zeigen, dass dasselbe auch mit dem andalusischen Präsidenten geschah, auch ihn grüßte Oyarzabal bei der Medaillenübergabe nicht. Zwei Mal Aufregung ist unwahrscheinlich. Die beiden Szenen aus dem Pokalfinale zwischen bleiben nicht unbemerkt, sie verbreiten sich in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer.

Nach einer Partie, in der Atlético Madrid zwar den attraktiveren Fußball spielte als Real Sociedad, der jedoch nicht ausreichte, um sich auf der Anzeigetafel durchzusetzen, ging das Spiel mit einem 2:2 in die Verlängerung. Die bot wenig Höhepunkte, abgesehen von einem schönen Schuss von Julián Álvarez an den rechten Pfosten des baskischen Torhüters, der im anschließenden Elfmeterschießen zum Helden avancierte, als er zwei Schüsse parierte. Seine Mitspieler verwandelten vier ihrer fünf Elfmeter, und das baskische Team sicherte sich den Titel. Bei der Siegerehrung grüßte Oyarzabal weder die ultrarechte Präsidentin der Region Madrid noch den Präsidenten der Regionalregierung von Andalusien. Einige Nutzer verbreiteten die Szene mit der Madrider Präsidentin sofort, begleitet von Spekulationen darüber, wie dies geschehen konnte. Der Ultrafrau Ayuso blieb nichts anderes übrig, als den Stürmer des spanischen Fußball-Nationalteams anzustarren. Doch kurz darauf entdeckten andere Internetnutzer, dass die Geste gegenüber der Madrider Präsidentin nicht die einzige gewesen war, sondern dass sich eine identische Szene auch mit dem andalusischen Amtsträger Juanma Moreno Bonilla von der rechten Partei PP abgespielt hatte.

Unter den Anwesenden auf der Tribüne befanden sich die Madrider Präsidentin, der baskische Ministerpräsident Imanol Pradales, der andalusische Präsident wegen Sevilla als Austragungsort des Endspiels, und der spanische König, weil der Pokal nach ihm benannt ist: Copa del Rey, Königspokal. Dem war kein Entkommen, er übergab den Pokal und hatte es weggesteckt, dass die spanische Hymne vor dem Spiel ausgepfiffen wurde, wie immer, wenn baskisches Publikum beteiligt ist. Eine weitere Präsenz sorgte für Stirnrunzeln: die des Vorsitzenden der rechten Partido Popular, Alberto Núñez Feijóo, der derzeit kein offizielles institutionelles Amt bekleidet. Einige Nutzer fragten sich in den sozialen Netzwerken: „Was hat Feijóo dort zu suchen?“ Die Antwort von dieser Stelle: der war zum Wahlkampf anwesend, denn Mitte Mai sind Regionalwahlen in Andalusien, da lässt die Rechte keine Gelegenheit aus, auf einem Foto zu erscheinen. Seltsamerweise verschwand die Publikation nach einem Tag von der Webseite elplural. (baskultur)

(2026-04-20)

KOLLEKTIVER FB-WAHN 

kolu78x20Wer sich als ausgesprochene Gegnerin des Massenphänomens Fußball betrachtet, sollte derzeit um die baskische Stadt Donostia (von Spaniern San Sebastian genannt) einen weiten Bogen machen. Denn nach dem spanischen Pokalfinale ist die Stadt in einen Zustand des kollektiven Wahns gefallen. Die in Blau-Weiß spielenden Donostiarras, nur zur Hälfte Basken, der Rest Weltauswahl, haben überraschenderweise den Titel gewonnen, und das auch noch mit einem us-amerikanischen Trainer. Schlimmer geht’s nimmer. Weil dies in der Vereinsgeschichte von 120 Jahren nur vier Mal vorkam, ist die Cholera umso deftiger. Dabei ging alles unglaublich einfach. Wie immer wurde die spanische Hymne, die zum Glück nicht auch noch einen Text aufweist, mit Pfiffen begleitet, so sind die Basken eben. Aber dann …

Nach dem Anstoß ein Rückpass, ein langer Pass nach vorne, wie Liverpool in seinen besten 1980er-Tagen, drei Gegner reiben sich noch den Schlaf aus den Augen und es steht Eins zu Null für die Außenseiter. Nach genau 16 Sekunden, Rekord in der Pokalgeschichte von 123 Jahren, Eintrag ins Guinness-Buch. Die Blau-Roten aus Madrid nahmen es gelassen, der Ausgleich war eine Frage der Zeit. Eine Frage der Psychologie war der Aussetzer des Madrider Torwarts, der einen Angreifer umrannte als wäre er beim American Football, der resultierende Elfmeter bedeutete erneut die Führung für das Team aus der Concha-Stadt. Die zweite Halbzeit war ein einziger Sturmlauf der Favoriten, nicht Real Madrid, sondern ein von emigrierten Bilbainos gegründeter Club mit ultrarechter Tradition und dem Namen Atletico. Deren argentinischer Superstar machte das Tor des Tages zum zweiten Ausgleich, doch dabei blieb es denn auch. Nicht einmal die ermüdende Verlängerung brachte den Spielstand aus dem Gleichgewicht. Also mussten die Penaltys entscheiden. Nervenversagen, Glück, der bessere Elfmetertöter, Arroganz – unklar, was genau zum Endergebnis führte, dem Positiven aus baskischer Sicht.

Auch aus der Sicht der baskischen Rüstungs-Industrie. Denn Jokin Aperribay, der Unternehmens-Präsident von Real Sociedad San Sebastian (Königliche Gesellschaft SS – man muss sich diesen Namen gelegentlich ins Gewissen rufen) ist gleichzeitig oder vor allem der Eigentümer von SAPA (Anonyme Gesellschaft Plasencia der Waffen), einer der größten baskischen Rüstungs-Unternehmen. Von jener Sorte also, die an jedem Krieg und Völkermord mitverdienen, egal ob im Sudan, in Palästina, im Irak oder in der Ukraine. Der kritische Geist legt die Frage nahe, wie viele der in großer Zahl anwesenden Donosti-Zuschauer*innen sich im Freudentaumel dieser Tatsache bewusst war, oder spätestens dann, als der Präsi den überreichten Pokal auch einmal anfassen durfte: ein Prozent? Null Komma fünf Prozent? Oder gar niemand!

Aguafiestas, Spielverderber, wird dem kritischen Geist nachgerufen, doch der lässt sich nicht kleinkriegen und verweist auf eine weitere hässliche Szene: das SS-Maskottchen, um es polemisch auszudrücken. Dies besteht aus einem hässlichen Phantasie-Tier in den Vereinsfarben, das oben eine Krone sitzen hat. Eine Krone, Symbol der Monarchie, der spanischen Monarchie, abgesehen vom mittelalterlichen Charakter dieses Herrschafts-Modells eine durch und durch korrupte Institution, die in der baskischen Gesellschaft mehrheitlich abgelehnt wird. So kam neben dem Rüstungs-Sektor dann auch noch das Königshaus zu Ehren. „Es lebe der König!“, der den Pokal übergeben durfte, der nach ihm benannt ist: Copa del Rey, der Königspokal. Wenn es zu Beginn nur die Fußball-Verächter*innen waren, die in radikaler Ablehnung schwelgten, dann dürften es nach diesen Zeilen zwei oder drei mehr werden, Fußball hin oder her. (baskultur)

(2026-04-19)

PALÄSTINENSISCHE HÄFTLINGE IN PAMPLONA

kolu78x19Öffentliche Performance in Iruñea, um die Bevölkerung auf die Lage von 10.000 palästinensischen Häftlingen aufmerksam zu machen. Mehr als 50 Personen nahmen an einer Performance auf der Plaza del Castillo teil, bei der sie palästinensische Gefangene und israelische Soldaten darstellten, während aus Lautsprechern reale Berichte über Folter und die Lage im Gazastreifen zu hören waren (eine Aufführung von Yala Nafarroa, um auf die mehr als 100.000 palästinensischen Gefangenen aufmerksam zu machen. Foto: foku). „Habt keine Eile. Nehmt euch Zeit. Das ist Theater, Theater braucht Zeit. Rennt nicht, um den Satz zu sagen, rennt nicht. Wo ist die vierte Undercover-Agentin? Weißt du, wann du dran bist?“ Der Regisseur der Performance gibt Anweisungen. Er steht in der Mitte des Kiosks auf der Plaza del Castillo. Um ihn herum stehen 54 Personen; einige sind als israelische Soldaten verkleidet, die übrigen tragen weiße Kleidung und Make-up, das Prellungen vortäuscht. Letztere stellen die palästinensischen Gefangenen dar. Nach den letzten Ratschlägen klatschen sich alle gegenseitig Beifall zu und feuern sich mit Schulterklopfen an, um ihre Nervosität abzuschütteln. Dann begeben sie sich auf ihre zugewiesenen Plätze.

Unter dem Kiosk markieren Seile den Raum in Form eines römischen Theaters, hinter denen sich das Publikum aufstellt. Eine Freiwillige geht umher und verteilt Plakate mit verschiedenen von BDS markierten Namen: FIFA, Eurovision, Axa, McDonalds... an jeden, der ihr die Hand entgegenstreckt. Es gibt drei Zelte, die ebenfalls die Szene begrenzen und mit Schildern gekennzeichnet sind: Gaza, Westjordanland und Jerusalem. Das Lied „Olive Branch“ von Elyanna ertönt. Das Stück hat begonnen. Zwei der weiß gekleideten Personen malen mit dicken Kreiden auf dem Boden violette Linien. Die Linien trennen sich zunächst und wenn sie sich wieder vereinen, entsteht auf den Fliesen die Landkarte Palästinas. Die Maler gehen und aus dem Zelt „Gaza“ tritt ein Paar von Gefangenen mit Prellungen, Blut und Schürfwunden, das von israelischen Soldaten, die Plakate von mit dem Zionismus kollaborierenden Unternehmen tragen – in diesem Fall Teva und Google –, unter Schlägen und Stößen weggeführt wird. Die Gefangenen knien nieder. Die Soldaten bedecken ihre Köpfe mit einem schwarzen Sack. Elyanna hat bereits aufgehört zu spielen. Nun sind echte Berichte von Gefangenen zu hören, die überlebt haben, einige ins Baskische, andere ins Spanische übersetzt.

Der erste erzählt, dass er versucht habe, sich umzubringen, indem er sich mit einer Schnur erhängen wollte, die jedoch riss, und sich anschließend die Pulsadern aufschnitt. Aber er bereut es nicht, am Leben geblieben zu sein. Die Stimme eines Kindes folgt ihm auf Baskisch und erzählt: „Es gibt keinen sicheren Ort in Gaza, überall wird man angegriffen. Der Tod ist überall.“ „Jetzt koche ich jeden Tag mit einer Gruppe von Nachbarn, um so viele Menschen wie möglich zu versorgen. Wir jonglieren, damit alle etwas zu essen bekommen, ohne sich den israelischen Posten zu nähern.“ Dann hört man einen Arzt, der im Al-Awda-Krankenhaus gefangen genommen wurde, nachdem er sich geweigert hatte, seine Patienten im Stich zu lassen. „Im Gefängnis bist du kein Mensch. Ich erinnere mich an jede Minute. Das Einzige, was sie wollen, ist, dass du nicht mehr leben willst, sie wollen einfach, dass du aufhörst zu sein. Ich wollte raus, um wieder fühlen und wieder schlafen zu können. Jetzt bin ich frei und ich werde ihnen keine Minute mehr meines Lebens schenken.“ Die Zeugenaussagen folgen nacheinander. Immer mehr Gefangene kommen heraus. Soldaten mit Plakaten von Coca-Cola, Zara, Carrefour und dem Davidstern zwingen sie, sich innerhalb der Kreidezeichnung auf die Knie zu begeben. Sie ziehen ihnen schwarze Säcke über den Kopf und lassen sie dort zurück.

In der dritten Reihe der Gefangenen sind Kinder, und in der vierten gehen Kinder und alte Menschen zusammen, mit Kabelbindern gefesselt. Auch sie schleppen ihre Füße bis ins Innere der Markierung. Jetzt hört man Hunde bellen. Ein paar Mädchen, ebenfalls ganz in Weiß, stürmen herein und schreien: „Papa, Papa!“. Die Soldaten packen sie und werfen sie zu den anderen auf den Boden. Sie stülpen ihnen den schwarzen Sack über den Kopf. Die Berichte über Folter über die Lautsprecher kehren zurück. „Sie schrien uns an: ‚Fresst vom Boden wie Tiere, ihr Hamas-Huren!‘ Und wir aßen, wenn auch nicht wie Tiere, sondern wie Palästinenserinnen“, erzählt eine weitere Frauenstimme. Die Karte ist nun fast vollständig mit Dutzenden von Gefangenen aus den drei Zelten gefüllt. Das Wetter ist sehr schön, auf der Plaza del Castillo herrscht reger Verkehr, und das Geschehen zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Teil der Passanten schließt sich dem Publikum an. Das Stück funktioniert, und das merkt man nicht nur an der Ansammlung von Schaulustigen. Vor allem spürt man es in der emotionalen Stille, die entsteht, als die Aufnahme mit den Zeugenaussagen zu Ende geht. „Ihr müsst damit aufhören! Der Zionismus hat euch eure Menschlichkeit geraubt“, ruft eine Frau mit gebrochener Stimme aus dem Publikum. „Ich habe es auch satt. Was macht ihr da? Und ich, hier auf diesem Platz, was kann ich tun?“, fragt eine andere. „Ich werde nicht mit denen zusammenarbeiten, die das hier finanzieren. Ich werde nicht bei Carrefour einkaufen.“ Sie tritt einen Schritt vor und zerreißt das Plakat, das man ihr gegeben hatte.

Die Undercover-Aktivisten stürmen aus den hinteren Reihen herein und überraschen das Publikum. Einige Spontane trauen sich, sich der Performance anzuschließen, zerreißen das Plakat und rufen: „Ich auch!“ Anderen, die das Plakat entgegengenommen haben, fällt es schwer, diesen Schritt nach vorne zu machen und sich von den anderen ansehen zu lassen, aber auch sie zerreißen das Plakat von McDonald’s, Airbnb oder CAF auf diskretere Weise, genießen es dabei aber dennoch. Tatsache ist, dass sich ein Teil des Publikums dazu entschließt, die Soldaten herauszufordern, die ihre Reihen schließen und ihnen entgegen treten. „Boykottiert Teva!“, „Boykottiert Coca-Cola“, „Scheiß auf den Eurovision Song Contest!“, rufen sie, bis sie die Soldaten einschüchtern. Die Gefangenen nutzen die Unaufmerksamkeit ihrer Entführer, um die Kabelbinder durchzuschneiden, die Säcke von ihren Köpfen zu ziehen und aufzustehen. Als die Soldaten es bemerken, stehen alle mit im Wind wehenden palästinensischen Flaggen da. Freiwillige von Yala Nafarroa kommen mit ihrem Transparent heraus, und die Leute applaudieren. Das Stück endet mit Danksagungen und einer Rede, in der Zahlen zu den Gefangenen genannt werden. Schätzungen zufolge befinden sich zwischen 10.000 und 11.000 Palästinenser in israelischen Gefängnissen, darunter 86 Frauen und 350 Minderjährige. Schätzungen zufolge befinden sich zwischen 10.000 und 11.000 Palästinenser in israelischen Gefängnissen, davon 3.550 in Verwaltungshaft, 86 Frauen und 350 Minderjährige. Eine junge Frau mit Kopftuch und einem Kinderwagen überquert gerade die Plaza del Castillo. Sie sieht nur die Fahnen und die kostümierten Laienschauspieler. Etwas von der abschließenden Euphorie muss sie wohl erreicht haben, denn sie lächelt und wirft ihnen aus der Ferne einen Kuss zu, ohne anzuhalten. (naiz-baskultur)

(2026-04-18)

SICHER FÜHLEN IM BASKENLAND

kolu78x18Die politische Rechte präsentiert immer wieder Statistiken, deren Haupt-Aussage darin besteht, dass sich die Menschen immer mehr von Kriminalität bedroht fühlen und das Leben insgesamt von tausend Gefahren bedroht ist – weshalb unbedingt mehr Kontrolle, mehr Observations-Kameras und mehr Polizei eingesetzt werden müssen. Resultat ist der Überwachungsstaat, der seit Orwell keine Fiktion geblieben, sondern längst Realität geworden ist. Das Prinzip ist allgemein bekannt, mit Katastrophen-Stimmung lässt sich dieses autoritäre Modell gut verkaufen. Was aber wäre, wenn die Bedrohung gar nicht so wäre wie behauptet? Ein Grund etwa, Polizisten zu entlassen und Kameras abzumontieren? Die Soziometer-Erhebung der baskischen Regierung ergibt ein ganz anderes Meinungsbild: 84% der Einwohner der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes (CAV) halten ihren Ort oder ihre Stadt für sicher oder sehr sicher, wie aus dem mit 3.030 Befragungen erstellten Soziometer hervorgeht.

Nur 16% der Einwohner*innen der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes hingegen empfinden ihr Dorf oder ihre Stadt als unsichere Umgebung, 13% als unsicher und 3% als völlig unsicher, während 52% sie als sicher und ein weiteres Drittel als völlig sicher ansehen. Mit der Umfrage wird die Einschätzung der Bürger zu ihrer persönlichen Situation sowie zu den wichtigsten sozialen und politischen Problemen erfasst, wobei wie üblich das Thema Wohnen ihr Hauptanliegen ist. Was die Wahrnehmung zum Thema Sicherheit betrifft – ein Thema, auf das die politischen Parteien immer wieder ihre Diskurse konzentrieren, so zeigt sich, dass das Gefühl der Unsicherheit in den Städten und bei Menschen des rechten Spektrums größer ist, während es bei jungen Menschen, über 65-Jährigen und den Bewohnern kleiner Ortschaften geringer ausgeprägt ist.

WOHNRAUM, DAS HAUPTPROBLEM – Der Zugang zu Wohnraum ist für 57% nach wie vor das am häufigsten genannte Problem, mit Aufwärtstrend, dieser Prozentsatz ist innerhalb eines Jahres um fünf Punkte gestiegen. Es folgen Probleme auf dem Arbeitsmarkt (47%), dem Gesundheitswesen (26%, vier Prozent weniger), wirtschaftliche Probleme (20%, fünf Prozent mehr), die Unsicherheit in der Gesellschaft (19%, zwei Prozent weniger) und die Einwanderung (12%, ein Prozent weniger). Was persönliche Probleme betrifft, die den Alltag der Bürger am stärksten beeinflussen, stehen wirtschaftliche Probleme (29%) und solche im Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt (26%) an erster Stelle, gefolgt von Problemen im Zusammenhang mit Wohnraum (20%), dem Gesundheitswesen (20%) und der öffentlichen Unsicherheit (11%).

BEMERKENSWERT IST DIE PERSÖNLICHE SITUATION - Die Bevölkerung von Araba, Bizkaia und Gipuzkoa bewertet ihre persönliche Situation insgesamt mit durchschnittlich sieben von zehn Punkten – ein Wert, der gegenüber 2024 und 2025 unverändert geblieben ist und den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung darstellt. Die Einwohner bewerten die allgemeine Lage der drei Provinzen mit 6,1, während die des spanischen Staates weiterhin mit 4,8 Punkten unterdurchschnittlich abschneidet. Zudem ist eine allgemeine Verschlechterung der Erwartungen für das kommende Jahr zu beobachten, da die Bürger sowohl in der Region Baskenland als auch im spanischen Staat – was ungewöhnlich ist – die Gegenwart positiver bewerten als die nahe Zukunft. Was das „Funktionieren der Demokratie“ betrifft, so geben im Baskenland 62% an, sehr oder ziemlich zufrieden zu sein, während 36% wenig oder gar nicht zufrieden sind. In Bezug auf den Staat ist die Zufriedenheit der Bevölkerung in den drei Provinzen deutlich geringer: 35% geben an, sehr oder ziemlich zufrieden zu sein, während 63% wenig oder gar nicht zufrieden sind.

SORGE UM KRIEGE – Die Besorgnis über Kriege und internationale Konflikte ist unter den Einwohnern der Region Baskenland sehr hoch. 78% der Bevölkerung äußern große Besorgnis über die möglichen Folgen von Kriegen in den kommenden Monaten, und 64% sehen diese Besorgnis auch in drei Jahren noch auf dem gleichen Niveau. Diese Besorgnis beruht zum Teil auf der Wahrnehmung möglicher negativer Auswirkungen der Konflikte: 92% halten einen Preisanstieg oder eine Wirtschaftskrise für wahrscheinlich / sehr wahrscheinlich. 73% denken, dass sich die Kriege ausweiten werden. Bei der Analyse der Sympathie der Bevölkerung gegenüber den wichtigsten internationalen Akteuren sticht die Europäische Union (EU) mit einem Durchschnitt von sechs Punkten als am besten bewertete Option hervor, gefolgt von China (4,6). Am anderen Ende der Skala stehen die USA und Russland mit 2,4 bzw. 2,6 Punkten, da ein erheblicher Teil der Bevölkerung keinerlei Sympathie für diese beiden Mächte bekundet.

DAS INTERESSE AN POLITIK STEIGT – Das Interesse an Politik nimmt weiter zu und befindet sich weiterhin auf dem höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1995: 48% der Bevölkerung geben an, ziemlich interessiert zu sein, was leicht unter dem Anteil derjenigen liegt, die weiterhin wenig oder gar kein Interesse zeigen. Die PNV führt die Sympathie der Bürger mit fünf von zehn Punkten an, gefolgt von der PSE (4,5) und EH Bildu (4,3). Mit größerem Abstand folgen Sumar (3,5), die PP (2) und Vox (1,1). Was die Bewertung der politischen Führungskräfte angeht, erhält der Lehendakari, Imanol Pradales, die beste Note (5,7 von 10), gefolgt von Pello Otxandiano (EH Bildu) mit 5,4. Dahinter liegen Eneko Andueza (PSE) mit 4,5, Jon Hernández (Sumar) mit 4,3, Amaia Martínez (Vox) mit 3,2 und Javier de Andrés (PP) mit 2,9. Nur der Lehendakari, Otxandiano und De Andrés finden bei ihrer eigenen Wählerschaft Zustimmung. Was die Identitätsfrage angeht, fühlen sich 43% der Bevölkerung ausschließlich als Basken oder eher als Basken denn als Spanier, 39% sowohl als Basken als auch als Spanier und 10% eher oder ausschließlich als Spanier. Was schließlich eine mögliche Unabhängigkeit betrifft, so ist ein Anstieg der Befürworter und ein Rückgang der Ablehnung zu beobachten: Derzeit sind 37% dagegen, 24% dafür und 32% geben an, dass sie eine Unabhängigkeit je nach den Umständen unterstützen könnten oder auch nicht. (naiz-baskultur)

(2026-04-17)

STREIK IM GESUNDHEITSWESEN 

kolu78x17Das nach außen hin als vorbildlich geltende, im Inneren aber von Privatisierung und Prekarität geprägte baskische Gesundheits-System leidet seit Langem an Personalmangel, langen Wartezeiten, Überlastung des vorhandenen Personals mit den entsprechenden Risiken für Patient*innen. Deshalb sind verschiedene Bereiche von Osakidetza im Streik. Um Geld geht es nicht, sondern um bessere Arbeitsbedingungen, die letztlich auch den Patient*innen zu Gute kommen. Doch die Zeichen stehen auf Privatisierung und nicht auf Neueinstellungen, auch wenn klar ist, dass zum Beispiel 200 Kinderärzt*innen fehlen. Nun geht die Regierung in die Gegenoffensive, mit einem seltsamen Argument. Der Gesundheits-Minister gab zum Besten, dass die seit Monaten andauernde Streikwelle verschiedener Gruppen im Gesundheitswesen die Wartezeit für Operationen „um mindestens 20 Tage“ verlängert habe. DA haben wir es: nicht fehlendes Personal ist schuld an den unerträglichen Wartezeiten, sondern die Streikenden. Der Gesundheitsminister versicherte, dass der Gesundheitsdienst die Wartezeiten im Durchschnitt „auf 54 Tage begrenzt“ hatte, dass aber die Reihe von Arbeitsniederlegungen von Fachkräften, Pflegehelfern und seit Herbst auch Ärzten die Wartezeiten für Operationen im baskischen öffentlichen Gesundheitswesen erheblich verlängert hat. Der Minister versichert nun, dass „wir alle Mittel ausschöpfen werden, um die Auswirkungen“ der bevorstehenden Streiks zu mildern – das klingt wie eine Drohung, nicht wie ein Versprechen.

Die Ärzte haben bis Juni eine Woche Streik pro Monat angekündigt – der nächste beginnt am 28. April. Hinzugefügt haben sie die Entscheidung, nachmittags keine Überstunden mehr zu leisten, um einen Teil der Behandlungsarbeit zu erledigen, die während der regulären Arbeitszeit nicht durchgeführt werden konnte. Diese Extraarbeiten sind bisher freiwillig. Die Ärzte unternehmen diesen neuen Schritt im Rahmen der seit Monaten vorangetriebenen Maßnahmen, um vom Ministerium ein eigenes Rahmenstatut und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen zu fordern, von denen einige direkt von den Ministerien der Autonomen Gemeinschaften abhängen, da die Zuständigkeiten im Gesundheitswesen auf die Gemeinschaften übertragen wurden. Martínez betonte, dass „die Auswirkungen des Streiks im Baskenland größer sind als in anderen Regionen“ wie Madrid oder Katalonien, wo private Dienste bereits einen deutlich größeren Anteil an der regulären medizinischen Versorgung haben. Der Minister betonte, dass er zwar mehrere Forderungen der Ärzte teile, das „Engagement“ der baskischen Regierung jedoch „den Patienten gelte“ – als wäre das ein Widerspruch, dahinter steckt die Absicht, Patienten und Ärzte gegeneinander auszuspielen. Aus diesem Grund wolle er „alle Mittel ausschöpfen, um die Auswirkungen des Streiks zu mildern“. Wie dies Maßnahmen aussehen soll, hat er nicht konkretisiert, aber er versichert, dass Osakidetza „so weit gehen wird, wie es das Gesetz zulässt“. Dies könnte eine Anhebung der Mindest-Dienstleistungen bei künftigen Streikaufrufen bedeuten oder Gespräche mit den Fachärzten, damit diese sich nicht beteiligen. Auszuschließen ist nicht, dass das Gesundheits-Ministerium beschließt, die Überweisungen an private Einrichtungen zu erhöhen, um einen Teil der aufschiebbaren Arbeit zu bewältigen. Faule Tricks, schmutziger Krieg.

Was die Entscheidung der Ärzte betrifft, keine Überstunden mehr am Nachmittag für Operationen und Sprechstunden zu leisten, erklärte der Minister, dass man die Auswirkungen davon nicht abschätzen könne und dass man sie nicht verhindern könne, da es sich um freiwillige Arbeitsstunden handele. Er kündigte jedoch an, dass man „nach Alternativen suchen“ werde, um diese Aufgaben zu bewältigen. In einigen Einrichtungen von Osakidetza gibt es zudem spezielle Nachmittags-Schichten für verschiedene Operationen. Der Minister forderte gestern erneut vom Ministerium und vom Streikkomitee „Verantwortungs-Bewusstsein“ und die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Gleichzeitig lehnte er es ab, Bereitschaftsdienste als freiwillig zu definieren, da er sie für die Gewährleistung einer 24-Stunden-Gesundheitsversorgung für notwendig hält. Allerdings öffnete er die Tür dafür, dass in großen Krankenhäusern die Dienste in Schichten organisiert werden können, um den Bereitschaftsdienst abzuschaffen. (elcorreo-baskultur)

(2026-04-16)

STREIT UM DIE TERRASSEN-VERORDNUNG

kolu78x16Noch vor 20 Jahren gab es im Baskenland (vielleicht mit Ausnahme von Donostia) noch keine Straßencafes und Terrassen. Mit dem einsetzenden Massen-Tourismus hat sich dies gravierend geändert. Vorher wurde im Stehen und Gehen konsumiert, bei dem mittlerweile vorhandenen Terrassen-Angebot setzen sich die Baskinnen ebenfalls. Vor allem die Altstädte haben sich deshalb in unzugängliche Terrassen-Dschungel verwandelt, für Notfallwagen, Feuerwehr, Sehbehinderte oder Putzkolonnen gibt es kaum einen Durchgang mehr, der Lärmpegel wächst stetig, die Wohn- oder Lebensqualität der Anwohner*innen sinkt beträchtlich. Dem Rathaus war es egal, Hauptsache die Kasse stimmt, bis die Beschwerden zu viel wurden. Jetzt soll eine Terrassen-Verordnung die Probleme lösen. Aber wie so oft wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die neuen Regeln treffen nicht nur die kritischen Punkte, sondern – weil sie völlig realitätsfremd formuliert sind – auch die entlegenden Barrios, in denen es bisher keinerlei Probleme gab. Feuer unterm Dach.

Die Nachbarschaftsvereine von Bilbao bereiten deshalb den Kampf gegen die Terrassenverordnung vor. Sie werden eine Reihe von Einwänden vorbringen, da sie der Ansicht sind, dass die Anwohner nicht geschützt werden, der Verkehr auf den Straßen behindert wird und die Verordnung nicht an die Situation der einzelnen Stadtteile angepasst ist. Die Vereinigung bereitet eine Reihe von Einwänden vor, die sowohl allgemeine Aspekte als auch Besonderheiten, die verschiedene Stadtteile betreffen, in Frage stellen. Die Flut von Vorschlägen könnte letztendlich den Zeitpunkt der endgültigen Verabschiedung des Textes beeinflussen, da diese geprüft und beantwortet werden müssen, was den Prozess verzögern wird, unabhängig davon, ob sie berücksichtigt werden oder nicht. Grundsätzlich ist die neoliberale und toruismus-freundliche Regierungskoalition aus PNV und PSE bestrebt, die Verordnung noch vor dem Sommer zu verabschieden, doch gibt es diesbezüglich keine Gewissheit. Ein Großteil der Einwände der Opposition deckt sich mit den Argumenten, die nun von den Nachbarschaftsvereinen vorgebracht werden.

Konkret gibt es laut Marisa Fernández, Sprecherin der FAVB in dieser Angelegenheit, drei entscheidende Punkte, auf die sie ihre Einwände konzentrieren werden. „Das Wichtigste ist, dass die Stadtverwaltung die gesamte Stadt über einen Kamm schert, dabei ist die Situation in Abando, Casco Viejo oder Marzana nicht dieselbe wie in Otxarkoaga oder San Ignacio“. Gleiche Lösungen für die ganze Stadt zu finden, garantiere ihrer Meinung nach, dass das Problem in den von Tourismus und Gastronomie überlasteten Gebieten nicht gelöst werde. Sie nennt ein Beispiel: „Der vorgeschriebene Abstand von 2,90 Metern zwischen Fassade und Terrassen mag an manchen Orten ausreichen, aber nicht an anderen, wo der Fußgängerverkehr viel dichter ist“, erklärt sie. Außerdem erinnert sie daran, dass in diesem Punkt alle Oppositions-Parteien denselben Standpunkt wie die Nachbarschaftsvereine vertreten haben.

Ein zweiter Streitpunkt ist die Regulierung der Außenbars und jener Vordächer, die immer mehr Lokale an den Fassaden ihrer Betriebe anbringen. Die Sprecherin der Anwohner versichert, dass solche Elemente bisher toleriert wurden, obwohl damit öffentlicher Raum ohne Genehmigung belegt wird. Die Tatsache, dass die neue Verordnung ihre Existenz anerkennt und ihre Nutzung regelt, legitimiert sie nach Ansicht der Anwohner. Das sei ein Problem „für Menschen mit Sehbehinderung, die die Fassaden als Orientierungspunkt nutzen“, für „den Fußgängerverkehr im Allgemeinen“ und verschärft das Lärmproblem, da „das Trinken im Stehen gefördert wird“. Drittens weist die FAVB darauf hin, dass die Gesamtfläche der Terrassen pro Straßenabschnitt nicht berücksichtigt wird. Das heißt, dass die Nutzung jedes einzelnen Gastronomiebetriebs individuell geregelt wird, ohne zu berücksichtigen, ob er sich in einem stark frequentierten Abschnitt befindet – dort, wo sich der Tourismus oder der einheimische Poteo besonders konzentriert.

Damit sind die Einwände noch nicht erschöpft. Die verschiedenen Nachbarschaftsgruppen halten derzeit Sitzungen ab, um ihre Vorschläge zu präzisieren und weitere Änderungen zu fordern. Zum Beispiel „die Vergrößerung des Abstands zwischen der Terrasse und dem Bordstein, wenn es einen Parkstreifen gibt, der derzeit nur dreißig Zentimeter beträgt, sodass man die Tür kaum öffnen kann“. Nach Ansicht von Marisa Fernández besteht diese Regelung schon seit „vielen Jahren, als die Autos noch kleiner waren“, sodass sie ebenso veraltet ist wie „die Abmessungen der Parkplätze“, wie sie veranschaulicht. Sie werden auch einen effizienten Kontrollservice fordern, denn „wenn es keine Überwachung und Kontrolle gibt, nützt eine Verordnung nichts“.
Der Verband der Nachbarschaftsvereine wird sich Zeit nehmen, um seine Stellungnahmen vorzubereiten, und diese kurz vor Ablauf der Frist, die Ende Mai endet, einreichen. Zusammenfassend geht es darum, „das Recht der Bürger auf Ruhe und freie Durchfahrt zu verteidigen und die am stärksten belasteten Bereiche von Bilbao von Terrassen zu entlasten“.

Wo es Tourismus gibt, werden die Interessen der Einheimischen vernachlässigt, Venedig, Barcelona, Amsterdam, überall. Tourismus bedeutet. Lärm, Kosten, Dreck und Gentrifizierung, Gentrifizierung ist Vertreibung. Übrig bleiben charakterlose Viertel, voller Kneipen, Hotels und Souvenir-Shops, die über billige Folklore die einheimische Fahne hochhalten. Angesichts dieser Vertreibung ist Tourismus-Phobie die einzige Logik. (correo-baskultur)

(2026-04-15)

ÜBERALTERUNG DER GESELLSCHAFT

kolu78x15Die Überalterung der Bevölkerung im Baskenland und ihr moderates Wachstum, das durch die Einwanderung gestützt wird, machen eine Überprüfung der öffentlichen Politik erforderlich. Das Baskenland wird im Jahr 2045 ein stark verändertes demografisches Profil aufweisen, dass eine Überprüfung der öffentlichen Politik erforderlich macht, um den Wandel zu bewältigen. In nur zwanzig Jahren wird die Bevölkerung einen Umbruch erleben, der auf zwei in modernen Gesellschaften sensiblen Variablen beruht. Sie wird dank der Einwanderung moderat wachsen, sowohl aufgrund deren Anteil – sie wird 25% der Gesamtbevölkerung der Region ausmachen, ein Plus von 250.000 Menschen – als auch aufgrund deren Geburtenraten, die höher liegen als die der einheimischen Bevölkerung. Das andere Phänomen mit direkten Auswirkungen auf das Sozial-System wird die starke Überalterung sein, die die Bevölkerungs-Pyramide in den gefürchteten „Krug“ verwandeln und die Entwicklung der Region bremsen wird: 35% der Bevölkerung werden älter als 65 Jahre sein, während die Zahl der Jugendlichen und der Menschen im erwerbsfähigen Alter zurückgeht.

Das Baskenland kann es sich deshalb nicht leisten, Talente, Arbeitskräfte und Stärke zu verlieren (wie dies derzeit der Fall ist), wenn es gegenüber anderen benachbarten und weit entfernten Gebieten wettbewerbsfähig bleiben will. Daher lassen sich die großen Herausforderungen, laut der gestern von Eustat veröffentlichten Prognose dahingehend zusammenfassen, wie das Gesundheitswesen, die Sozialdienste, das Bildungswesen und der Arbeitsmarkt an die neuen Bedürfnisse angepasst werden können, die unmittelbar bevorstehen. Es handelt sich um tiefgreifende Veränderungen, die ohne Verzögerung analysiert werden müssen, um den Auswirkungen vorzubeugen. Der Bevölkerungszuwachs – 77.000 Menschen mehr in den nächsten zwei Jahrzehnten – wird in einem sozialen Kontext stattfinden, in dem die Lebenserwartung deutlich über 85 Jahre steigt. In einem Baskenland, dessen Einwohnerzahl auf 2,3 Millionen ansteigen wird, wird Bizkaia langsamer wachsen als die übrigen Provinzen, trotz seines größeren Beitrags zum baskischen BIP. Die Demografie stellt eine der großen Herausforderungen dar, auch für den spanischen Staat und Europa insgesamt – eine strategische Herausforderung mit tiefgreifenden Auswirkungen. Die Tatsache, dass ihre Entwicklung mit der Migration zusammenhängt, verleiht ihr eine größere Bedeutung, vor allem in Hinsicht auf die weitgehend ablehnend bis rassistischen Diskurse, die vor allem von rechter Seite geführt werden. (baskultur)

(2026-04-14)

FRANQUISTEN-MAUSOLEUM ABREISSEN

kolu78x14Memoria-Organisationen fordern zum Jahrestag der Spanischen Republik den Abriss des im Franquismus gebauten Denkmals „Los Caídos“. – An einem Tag wie heute vor 95 Jahren wurde die Zweite Spanische Republik ausgerufen. Anlässlich dieses Jahrestages haben Gedenkvereine in Iruñea den Abriss des Denkmals „Los Caídos“ gefordert, um „die Würde der Opfer des Franco-Regimes zu gewährleisten“. Wie sie bei der Kundgebung vor dem Rathaus von Iruñea in Erinnerung riefen, wurde „die Hoffnung auf soziale Rechte und eine bessere Welt“ durch „den faschistischen Putsch von 1936“ zunichte gemacht. „Mehr als 3.500 Menschen wurden ermordet und mehr als 30.000 wurden Opfer von Repressalien“, betonten sie und fügten hinzu, dass „Faschisten, Karlisten und aufständische Militärs“ zur zusätzlichen Verhöhnung „unser Land mit Franco-Symbolen und -Denkmälern übersät“ hätten. So wiesen sie darauf hin, dass „Los Caídos“ „das größte Werk war und ist“, ein Symbol „für den Terror und die Macht Francos“ in Navarra. Deshalb haben die Opferverbände und Erinnerungs-Gruppen erneut vom Stadtrat den Abriss des Denkmals gefordert, als „beste Anerkennung der Würde der Menschen, die vom Franco-Regime ermordet und unterdrückt wurden“. (Kundgebung vor dem Rathaus von Iruñea, um den Abriss des Denkmals für die Gefallenen zu fordern / Iñigo Uriz | foku)

VON PALMA NACH IRUÑEA - Dabei stützen sie sich auf ein Beispiel. Wie berichtet, ordnete das spanische Ministerium für Demokratisches Gedenken am 26. März an, dass die Stadtverwaltung von Palma de Mallorca das Denkmal für die Gefallenen (des franquistischen Kreuzers „Baleares“, der im März 1938 im Gefecht von der Republik versenkt wurde) in Übereinstimmung mit dem Gesetz über das Demokratische Gedenken entfernen müsse. Dass das Denkmal „als Teil und Beispiel des vom Franco-Regime entwickelten Kultes um die Gefallenen zu verstehen ist“, dass seine Form „dem typischen Gedenkstil diktatorischer Bauten entspricht, die an die Gefallenen der aufständischen Seite erinnern sollen“ und dass sein formaler Wert „weder autonom noch neutral ist“, waren die vom Ministerium vorgebrachten Argumente für seine Entfernung. Mit den Stimmen von PP und Vox hatte der Stadtrat von Palma das Denkmal geschützt, um dessen Abriss zu verhindern, während „die linken Parteien“ dagegen gestimmt haben. Vor diesem Hintergrund haben die Memoria-Verbände darauf hingewiesen, dass „die gleichen Gründe, die das Ministerium für die Anordnung der Entfernung des Denkmals für die „Baleares“ anführt, auch für „Los Caídos“ in Iruñea gelten“. Ihrer Ansicht nach ist eine „Umdeutung nicht möglich“. „Auch wenn man die Franco-Tafeln entfernt und es neuen Verwendungszwecken zuführt, wird ‚Los Caídos‘ weiterhin ein Franco-Denkmal bleiben“.

„EIN GROSSER WIDERSPRUCH“ - Nach Ansicht der Verbände stellt es „einen großen Widerspruch“ dar, die Entschlossenheit „der PSOE-Regierung bei der Anordnung des Abrisses des Denkmals für die Balearen auf Mallorca und die Weigerung der PSN, die Caídos in Pamplona abzureißen“, zu sehen. „Es überrascht auch, dass die abertzale Linke 2006 beim Verwaltungsgericht Berufung einlegte gegen die Weigerung der damaligen Rechts-Regierung, das Denkmal ‚Los Caídos‘ abzureißen, und nun EH Bildu sich weigert, es abzureißen“. In diesem Zusammenhang kritisierten sie, dass PSOE, EH Bildu und PNV „das Gesetz zur Demokratischen Erinnerung im Kongress verabschiedet haben und es nun nicht auf Los Caídos anwenden wollen“. Daher betonten sie, dass „die Stadtverwaltung von Pamplona die Anordnung des Ministeriums an die Stadtverwaltung von Palma zur Kenntnis nehmen muss“. „Wir fordern die Dreierkoalition auf, das Theater der möglichen Umdeutung aufzugeben und die Formalitäten für die Entfernung des Denkmals für die Gefallenen einzuleiten, ohne auf Anweisungen des Ministeriums zu warten“.

Wie die Verbände mitteilten, stellte das Verwaltungsgericht von Navarra vor einem Monat fest, dass „das kommunale Denkmalschutz-Verzeichnis nicht in Kraft ist“. Daher „steht das Denkmal für die Gefallenen nicht unter Denkmalschutz und kann ohne weitere Formalitäten abgerissen werden“, fügten sie hinzu. So erinnerten sie daran, dass die UPN im Jahr 2002 „den Beschluss gefasst hat, das Denkmal für die Gefallenen als Symbol des Franco-Regimes unter Denkmalschutz zu stellen, dabei jedoch einen formalen Fehler machte, weshalb es nicht geschützt ist“. „Es wäre unerträglich, wenn dieser progressive Stadtrat den Fehler der UPN korrigieren würde. Indem er einen Beschluss von vor 24 Jahren korrekt veröffentlicht und das Gebäude zum ersten Mal unter Denkmalschutz stellt“, kritisierten sie. Die Kundgebung wurde von den Gewerkschaften ELA, ESK, CCOO, CGT, CNT, Solidari und Steilas sowie den Kollektiven Mugarik Gabe, Zabaldi, Sare Antifascista, Lunes Lilas, Gerezi Lilas, Movimiento Socialista de Iruñerria, Koordinadora Jardun und Haritu unterstützt. (naiz-baskultur)

(2026-04-13)

DIE DUNKLE SEITE VON EH BILDU

kolu78x13Die Stadtverwaltung von Iruñea, in Händen der links-liberalen Koalition EH Bildu, blockiert erneut die Eintragung von Obdachlosen aus dem Maghreb in das Einwohnerregister und lehnte kürzlich die Eintragung von 30 obdachlosen Personen maghrebinischer Herkunft ab, die sich in Begleitung von der Gruppen Negu Gorriak, Matalaz, Elhadji, Katakrak und Bakearen Etxea sowie der Gewerkschaften STEILAS und CGT in den Büros des Einwohnerregisters gemeldet hatten. Fünf soziale Kollektive aus Iruñea hatten sich am 9. April 2026 vor den Büros des Einwohner-Meldeamtes eingefunden, begleitet von etwa 50 Personen, die sich vor der Tür versammelt hatten, darunter etwa 30 Obdachlose. Die Stadtverwaltung hat fast alle Anträge abgelehnt und damit ein Vorgehen fortgesetzt, das das Verwaltungsgericht von Navarra im Februar für rechtswidrig erklärt hatte. Das Gericht hatte den Gruppen Recht gegeben, die gegen frühere Ablehnungen Einspruch erhoben hatten. Die Stadtverwaltung hat bislang noch keine öffentliche Erklärung zu den Gründen für die Ablehnung abgegeben. Die Gewerkschaften CGT und STEILAS sowie die sozialen Einrichtungen Katakrak, Bakearen Etxea, Matalaz und Elhadji, die die Initiative gemeinsam mit Negu Gorriak/ Derecho a Techo vorangetrieben haben, wiesen darauf hin, dass die meisten Betroffenen im Kloster Aranzadi oder anderen prekären Siedlungen leben und dass es sich größtenteils um junge Menschen maghrebinischer Herkunft handelt, die seit Monaten versuchen, Zugang zu einem Verfahren zu erhalten, das nach geltendem Recht als verfassungsmäßiges Recht anerkannt ist.

„DIE STADTVERWALTUNG WEISS GANZ GENAU, DASS SIE IHRE PFLICHTEN VERLETZT“ – Leyre Ardanaz, Sprecherin von Negu Gorriak/ Derecho a Techo, bezeichnete die Reaktion der Stadtverwaltung als „vorsätzliche Verwaltungs-Gewalt“. „Das Gericht hat ihnen mitgeteilt, dass ihr Vorgehen rechtswidrig ist. Der Bürgerbeauftragte hat ihnen gesagt, dass ihr Vorgehen illegal ist. Der Verband der Gemeinden und Gemeinderäte von Navarra sagt, dass sie verpflichtet sind, jede Person, die dies beantragt, in das Melderegister einzutragen, auch wenn sie auf der Straße lebt. Dennoch verweigern sie weiterhin die Bearbeitung. Das ist keine bürokratische Fehlfunktion: Es ist eine politische Entscheidung“, erklärte Calvo. Julen Ariztegi, ebenfalls Sprecher der Kampagne, hob den Vergleich mit anderen Gemeinden hervor. „Die von der rechten PNV geführte Stadtverwaltung von Bilbao führt seit Jahren von Amts wegen eine Einwohnermeldung in städtischen Einrichtungen durch. Eine Stadtverwaltung, die sich in Iruñea als links bezeichnet, kann keine restriktiveren Positionen vertreten als die Mitte-Rechts-Partei PNV. Die einzige Erklärung ist, dass sie wollen, dass diese Menschen administrativ nicht existieren, dass sie nicht zählen, dass sie keine Kosten verursachen und nicht in Statistiken auftauchen“, erklärte er. Die Sprecher erinnerten zudem daran, dass die Stadtverwaltung selbst von Amts wegen Personen in ihren Sozialämtern registriert, wenn sie dies beschließt. „Das Problem ist nicht rechtlicher Natur. Das Problem ist, dass sie es für diese konkreten Personen, mit dieser konkreten Herkunft und in dieser konkreten Situation nicht tun wollen. Das hat einen Namen“, fügte er hinzu: Rassismus. Bei der Kundgebung waren auch mehrere Mitglieder der Genossenschaft Katakrak anwesend, dem sozialen Zentrum, das seine Räumlichkeiten den ganzen Winter über als selbstverwaltete Unterkunft zur Verfügung gestellt hat, sowie Mitglieder von Matalaz – die eine der selbstverwalteten Suppenküchen des Netzwerks betreiben – und ein Vertreter von Bakearen Etxea, dem antimilitaristischen Zentrum der Stadt, das nun ebenfalls zu einer provisorischen Unterkunft umfunktioniert wurde.

EINE BLOCKADE OHNE WIRKSAME RECHTLICHE KONSEQUENZEN – Das Urteil des Gerichts vom Februar verpflichtet die Stadtverwaltung, alle Anträge auf Eintragung in das Einwohnerregister zu bearbeiten und die maximalen behördlichen Wartefristen einzuhalten, die die Stadtverwaltung durch Berichte des Sozialdienstes unrechtmäßig verlängert hatte. Allerdings sieht der Gerichts-Beschluss weder Geldstrafen noch Entschädigungen für die Betroffenen vor, was der Stadtverwaltung keinen wirklichen Anreiz bietet, eine Praxis zu korrigieren, die nach Angaben der anwesenden Gruppen allein zwischen Mai 2025 und Januar 2026 mehr als 500 Anträge blockiert hat. Die Kampagne von Negu Gorriak/ Derecho a techo versichert, dass sie nach neuen Wegen suchen wird, um Druck auf die Stadtverwaltung auszuüben. „Es ist unvorstellbar, dass eine Stadtverwaltung wie die von Bilbao, die weitaus höhere Obdachlosenzahlen aufweist als Pamplona, in der Lage ist, ihren grundlegenden Verpflichtungen gegenüber ihren Bürgern und den grundlegenden Menschenrechten nachzukommen, und dass eine fortschrittliche Stadtverwaltung wie die unsere sich gegenüber der Eintragung von Menschen aus dem Maghreb völlig verschließt“, schloss Ardanaz in Bezug auf die „soziale Registrierung“ in städtischen Gebäuden, die die Stadtverwaltung von Bilbao seit Jahren praktiziert. (elsaltodiario-baskultur)

(2026-04-12)

BASKISCHES TRAINER-DUELL AUF DER INSEL

kolu78x12Neben dem ewigen Katalanen Pep Guardiola dominieren zwei baskische Fußball-Lehrer die englische Kicker-Liga: Mikel Arteta beim Titel-Favoriten Arsenal London und Andoni Iraola vom bescheidenen Küstenclub Bornemouth. Nun haben die Bescheidenen die Favositen besiegt, auch noch auf deren Rasen: „Iraola besiegt Arteta und stellt die Premier League auf den Kopf“, so heißt es in einer Sportzeitung. Durch diese Niederlage hängt der Gewinn der Premier League nun allein von Manchester City ab, das zwei Spiele weniger absolviert hat und noch das Duell gegen Arsenal vor sich hat. Andoni Iraola hat Mikel Arteta im Duell der baskischen Trainer jedenfalls besiegt. Die 1:2-Niederlage der Gunners gegen die Cherries in einem schwachen Spiel von Arsenal lässt Manchester City nun allein auf sich gestellt um den Premier-League-Titel kämpfen. Das Team von Mikel Arteta liegt weiterhin neun Punkte vor dem von Pep Guardiola, hat aber zwei Spiele mehr absolviert als die Citizens und das Duell Manchester City gegen Arsenal in der kommenden Woche steht noch aus.

Das Duell der baskischen Trainer, das für die Gunners im Titelkampf entscheidend hätte sein können, begann nicht so, wie Mikel Arteta sich gewünscht hätte. In der 17. Minute endete ein spektakulärer Steilpass mit einer Flanke, die ein Verteidiger abfälschte und so zu einer unfreiwilligen Vorlage am zweiten Pfosten wurde, wo ein völlig freistehender Bornemouth-Angreifen den Ball nur noch ins Netz schieben musste. Ein Tor, das in diesem Moment die Premier League auf den Kopf stellte: Arsenal sah seinen Vorsprung in Gefahr, mit City auf der Lauer und der Möglichkeit, den Abstand am nächsten Spieltag im direkten Duell zwischen beiden Teams deutlich zu verkürzen. Der Treffer war ein echter Schlag für die Londoner. Sie reagierten jedoch und hatten nur drei Minuten später den Ausgleich in Reichweite. Ecke, Kopfball, Schuss, knapp drüber. Beim zweiten Versuch klappte es: Erneut nach einer Ecke der Ausgleich. Handspiel im Strafraum und Elfmeter, verwandelt in der 35. Minute. Ein Tor, das die Nerven bei Arsenal erst einmal beruhigte.

Doch Arsenal brauchte mehr im Rennen um die Premier League, und Arteta ließ die Bank rotieren. Dreifachwechsel, um eine sofortige Reaktion zu erzielen und vor allem alle drei Punkte zu holen. Die Wechsel zeigten nicht die erhoffte Wirkung. Bournemouth dominierte durch Ballbesitz, gab das Tempo vor und kontrollierte das Spiel. Arsenal gelang es kaum, für Gefahr zu sorgen. Artetas Team kam langsam in Schwung, doch im besten Moment kam der entscheidende Gegenschlag: Eine perfekte Vorlage brachte einen Angreifer allein vor dem Tor, Bornemouth ging erneut in Führung. Arsenal suchte verzweifelt den Ausgleich, vergeblich, den Gunners gelang es in den letzten Minuten der Partie nicht, klare Torchancen zu kreieren. So wurde die Niederlage von Arsenal besiegelt. Baskisches Duell: Arteta gegen Iraola eins zu zwei. (marca-baskultur)

(2026-04-11)

VOM KRIEG PROFITIEREN

kolu78x11Das Baskenland verzeichnet durch den Krieg einen Gewinnsprung: 28% mehr, während die Bürger den Gürtel enger schnallen. Der Antimilitaristische Marsch des heutigen Samstag verdeutlicht anhand von Zahlen das industrielle Modell im Baskenland: Milliarden für Waffen gegenüber Kürzungen im Sozialbereich. Bericht von David von Ecuador Etxea, Bilbo, 11. April 2026 – Der „18. Fahrrad-Marsch gegen Krieg, Militärausgaben und Rüstungsindustrie“ führte durch den Großraum Bilbao, um gegen die steigenden Militärausgaben und die öffentlichen Subventionen für baskische Rüstungsunternehmen zu protestieren. Organisiert von anti-militaristischen, ökologischen und internationalistischen Gruppen wie Biziz Bizi, Biraka, Eguzki, Ekologistak Martxan, Kakitzat, KEM-MOC und Komite Internazionalistak, hat die Mobilisierung erneut die Rolle des Baskenlandes in der globalen Rüstungsindustrie in den Fokus gerückt. Der Marsch startete am Sitz der Provinzregierung von Bizkaia und führte durch verschiedene Punkte des Ballungsraums, und endete in Getxo, nachdem er vor einigen der wichtigsten Unternehmen der Branche Halt gemacht hatte. Die Route richtete sich direkt gegen ITP Aero in Barakaldo und SENER in Getxo als Symbole der militärischen Produktion in der Region.

Die Organisator*innen forderten „ein Ende der Militärausgaben und der Waffenfabriken und setzten sich für die Umstellung der Produktion auf zivile Zwecke ein“ – eine Forderung, die den gesamten Tag prägte. Entlang der Route wurde die zunehmende institutionelle Verstrickung in den Sektor der Militär-Industrie angeprangert: „Es werden immer mehr Mittel für den Militarismus bereitgestellt, während bei wesentlichen Dienstleistungen wie dem Gesundheitswesen, den Renten oder dem Zugang zu Wohnraum gekürzt wird“, betonten sie. Nach Angaben der Gruppen gibt es im Baskenland 206 Unternehmen, die mit der Rüstungsindustrie verbunden sind und einen Jahresumsatz von rund 6 Milliarden Euro erzielen, womit die Region nach Madrid und Andalusien an dritter Stelle der spanischen Regionen in der militärischen Produktion steht. Einer der zentralen Momente des Protests fand vor ITP Aero statt, wo die Teilnehmer anprangerten, dass das Unternehmen Komponenten für Programme wie den Airbus A400M oder den Eurofighter herstellt. Das Unternehmen verzeichnete einen Rekordumsatz von 1,882 Milliarden Euro und einen Gewinnanstieg von 28% – Zahlen, die laut den Organisatoren den Boom des Rüstungsgeschäfts belegen.

Der Marsch führte weiter nach Portugalete über die Hängebrücke und endete vor dem Firmensitz von SENER, einem Unternehmen, das auf Steuerungssysteme und Technologien für Raketen wie TAURUS, IRIS-T oder METEOR spezialisiert ist. Die Organisatoren hoben dessen herausragende Stellung im europäischen Verteidigungssektor hervor sowie dessen Zusammenarbeit mit internationalen Rüstungsunternehmen, darunter auch israelische Firmen. In diesem Zusammenhang prangerten die Gruppen an, dass baskische Unternehmen Beziehungen zu Firmen wie Rafael, Elbit oder Israel Aerospace Industries unterhalten und an gemeinsamen Rüstungsprogrammen arbeiten. Zudem wiesen sie darauf hin, dass 80% der baskischen Militärproduktion in Länder wie Israel, Saudi-Arabien, Marokko, die Vereinigten Staaten oder Spanien exportiert werden, was ihrer Ansicht nach eine direkte Mitverantwortung an internationalen Konflikten bedeutet. Der Protest erinnerte auch an andere Unternehmen der Branche, die nicht in den Marsch einbezogen waren, wie SAPA in Andoain oder Aernnova in Vitoria, und hob deren Bedeutung innerhalb des staatlichen militärisch-industriellen Komplexes hervor. Als Alternative forderten die Organisatoren die Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile Produktion und führten als Beispiel den Fall von Orbea an, das vor Langem von der Waffenherstellung auf die Produktion von Fahrrädern umgestellt hat. „Es ist möglich, ein auf Krieg basierendes Industriemodell in ein anderes umzuwandeln, das Leben und Wohlbefinden fördert“, schlossen sie. (ecuadorextea-baskultur)

(2026-04-10)

ANE LINDANE ORGANISIERT „ATHEISMUS-TAG“

kolu78x10aDie Komikerin Ane Lindane hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die Kosten für ihre Verteidigung in dem Verfahren zu decken, das aufgrund ihrer Performance in der Kirche von Arberatze-Zilhekoa auf Antrag der „Abogados Cristianos“ (Christliche Anwälte) angestrengt wurde. Und am 19. lädt sie den bekannten Schauspieler Willy Toledo ins Hika Ateneo ein. Im Dezember letzten Jahres sagte die aus Bilbao stammende Schauspielerin und Komikerin Ane Lindane vor dem Gericht in Bilbao als Beschuldigte aus, aufgrund der von der Spanischen Stiftung christlicher Anwälte eingereichten Anzeige, in der ihr vorgeworfen wird, sich eines Verstoßes gegen § 525 des spanischen Strafgesetzbuches schuldig gemacht zu haben, mit Strafandrohung zwischen 8 und 12 Monaten Haft. Die Anzeige erfolgte, nachdem in den sozialen Netzwerken ein Video verbreitet wurde, das während ihres Auftritts beim Festival Euskal Herria Zuzenean (EHZ) aufgenommen worden war. In dieser Performance, die sie am Hauptaltar der Kirche von Arberatze-Zilhekoa aufführte, täuschte sie vor, sich mit einem Kruzifix zu befriedigen.

Die Schauspielerin und Komikerin hatte gehofft, dass der Richter die Anzeige zu den Akten legen würde, doch dies ist nicht geschehen, das Gerichtsverfahren läuft. „Das Verfahren läuft weiter, es gibt noch keinen Termin für die Verhandlung, falls es überhaupt zu einer kommt. Ich musste einen Anwalt beauftragen, und ich bin eine Komikerin, die von ihrer Arbeit lebt“, erklärte Lindane. „Diese katholischen Fundamentalisten wissen, dass das Gericht ihnen nicht Recht geben wird, aber sie setzen auf Zermürbung, Stigmatisierung, Schikane und wirtschaftliche Unterdrückung“, sagt sie. Aus diesem Grund hat sie eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Gofundme gestartet, um die mit ihrer Verteidigung verbundenen Kosten zu decken und „einen Widerstandsfonds zu schaffen, auf den Künstler*innen und Aktivist*innen zurückgreifen können, die in Zukunft von diesen Katholiken angezeigt werden“, erklärt sie.

„Ich bin die Komikerin Ane Lindane. Der rechtsextreme Verein Abogados Cristianos hat mich wegen eines Auftritts in einer Kirche angezeigt, was einen klaren faschistischen Angriff auf die Meinungsfreiheit darstellt. Helft mit, die damit verbundenen Kosten zu decken“, heißt es im Text der Kampagne. Parallel dazu hat sie für Sonntag, den 19. April, im Hika Ateneo in Bilbao eine Veranstaltung organisiert, die sie als „atheistische Veranstaltung“ bezeichnet: einen Tag von 11.00 Uhr morgens bis mittags, mit einer Podiumsdiskussion mit dem Schauspieler und Aktivisten Willy Toledo oder dem Investigativ-Journalisten Román Cuesta – ergänzt durch die Moderatorin Laia Ramiro, die Anwältin Bea Ilardia und Fernando García Regidor. Mit Verkauf von atheistischer und antifaschistischer Literatur und Material sowie einem kleinen Sexshop „mit Kruzifixen und anderen Spielzeugen, mit denen man mystische Ekstase erreichen kann“, heißt es. Diese „Konferenz gegen christliche Unterdrückung“ endet mittags mit einem Auftritt von Ane Lindane selbst. (naiz-baskultur)

(2026-04-09)

POLIZEI-RASSISMUS

kolu78x09Es überrascht nicht, dass die parlamentarische Anfrage der faschistischen Vox-Partei zur Herkunft der von der Ertzaintza festgenommenen und untersuchten Personen zu alarmierenden Schlagzeilen geführt haben, in der rechten Presse. Dort wurde hervorgehoben, dass 61% der im vergangenen Jahr von der Ertzaintza in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa festgenommenen Personen Ausländer sind – wobei unter Einheimischen alle im spanischen Staat Geborenen verstanden werden. Es ist auch nicht verwunderlich, dass diese Schlagzeile mit Genugtuung in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde. Die vom baskischen Sicherheits-Ministerium an das Parlament in Gasteiz übermittelten Daten lassen sich jedoch auch anders interpretieren, sofern man sich ein wenig Mühe gibt, den Rassismus aus der Gleichung herauszunehmen. Ein Ausländer hat doppelt so hohe Chancen, bei Verdacht festgenommen zu werden. Die Zahlen des Ministeriums spiegeln die diese Doppelmoral wider, mit der die Polizei vorgeht. – (Demonstration gegen Rassismus zwischen Pasaia und Donostia am 22. März / foku)

Es mag stimmen, dass 61% der Festgenommenen außerhalb Spaniens geboren sind. Aber bedeutet das, dass alle Festgenommenen schuldig sind und verurteilt wurden? Wir wissen es nicht; es wäre wünschenswert, wenn die Ertzaintza auch die juristischen Folgen dieser Festnahmen veröffentlichen würde. Was wir auf jeden Fall wissen, ist, dass sich das Bild stark verändert, wenn wir den Fokus nicht auf die Festgenommenen, sondern auf die Ermittlungen richten, früher wurden diese Personen als Beschuldigte bezeichnet. Das heißt, Personen, gegen die die Ertzaintza ermittelt und die wegen einer Straftat angeklagt wurden. Während im vergangenen Jahr insgesamt 9.222 Personen festgenommen wurden, waren es 32.615 Ermittlungen. Und von diesen sind plötzlich nur noch 42% außerhalb Spaniens geboren. Man muss schon ein großes Interesse an kriminalisierenden Schlagzeilen haben, um den Unterschied zwischen Festgenommenen und Ermittlungen zu übersehen. Denn wenn wir von Straftaten sprechen, ist es wesentlich aussagekräftiger, die Zahl der Ermittlungen zu betrachten als die der Festgenommenen. So gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen den 61% der inhaftierten Ausländer und den 42% der unter Verdacht stehenden Ausländer.

Man muss auch nicht besonders scharfsinnig sein, um zu erkennen, dass bei dem Verhältnis zwischen Inhaftierten und Verdächtigen etwas nicht stimmt. Es ist eine Tatsache, dass nicht alle Inhaftierten später unter Verdacht stehen oder vor Gericht gestellt werden, und es ist offensichtlich, dass viele Verdächtige zuvor nicht inhaftiert wurden. Wenn jedoch die polizeilichen Maßnahmen für alle gleich wären, müsste davon ausgegangen, dass das Verhältnis zwischen Beschuldigten und Festgenommenen für im spanischen Staatsgebiet Geborene und außerhalb Geborene ähnlich sein sollte. Das ist jedoch nicht der Fall. Im Jahr 2025 gab es 3.567 im spanischen Staatsgebiet geborene Festgenommene und 18.716 Ermittlungen, was ein Verhältnis von 0,2 Festgenommenen pro Ermittlung ergibt. Bei den außerhalb Spaniens Geborenen hingegen gab es 5.654 Festgenommene, während die Zahl der Verdächtigen bei 13.874 lag. Das bedeutet 0,4 Festgenommene pro Verdächtigen. Doppelt so viel. Zusammenfassend lässt sich aus den Daten ableiten, dass eine Person, die im Verdacht steht, eine Straftat begangen zu haben, doppelt so hohe Chancen hat, festgenommen zu werden, wenn sie im Ausland geboren wurde. Dabei ist nicht von Personen aus Frankreich, Polen oder Holland die Rede, sondern von Afrika, Asien, die Hautfarbe ist entscheidend. Diese Daten sagen weniger über die Neigung von Ausländern zur Kriminalität, als vielmehr über die Doppelmoral, mit der die Polizei in der Regel arbeitet.

DIE HÄLFTE DES EINKOMMENS – Jenseits der bloßen Zahlen, die das Ministerium liefert und mit denen Interpretationen untermauert werden, die jeder Partei je nach politischem Standpunkt gelegen kommt, steht der Kontext, in dem die Straftaten und Festnahmen stattfinden. Auch hier muss jeder für sich entscheiden, ob er davon ausgeht, dass Ausländer eine angeborene bösartige Veranlagung haben, die sie zur Straftat treibt, oder ob es im Gegenteil die konkreten Umstände und Nöte sind, die eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einer Straftat treiben, unabhängig davon, wo sie geboren wurde. Dabei ist bereits der Begriff „Straftat“ relativ, ein Beispiel sind die so genannten „Teppich-Verkäufer“, die gefälschte Fußball-T-Shirt verkaufen, weil sie keine andere Einnahmequelle haben und keine offizielle Arbeit annehmen dürfen? Sie klauen nicht, sie betrügen nicht, sie vermindern nur den Profit von großen Unternehmen der Klamotten-Branche. Solche, denen es am wenigsten weh tut und die sich schämen sollten, wegen ein paar T-Shirts so einen Lerry zu machen. Doch das ist Kapitalismus: ohne Rücksicht auf die Ärmsten. Selbstverständlich gehen die wegen solcher „Straftaten“ Festgenommenen in die oben genannte Statistik ein, auch wenn sie niemand wirklich geschadet haben, im Gegenteil, Teppich-Verkäufer sind sehr beliebt in der Bevölkerung. Somit nutzt die Statistik nur den Faschisten mit ihren xenophoben Theorien und der rechten presse, die im Windschatten segelt. 

Für diejenigen, die noch Zweifel haben (ohne in tiefgründigere Analysen einzusteigen), liefert eine schnelle Suche in der Datenbank von Eustat aufschlussreiche Zahlen. Das durchschnittliche persönliche Einkommen in der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes (CAV) lag im Jahr 2023 bei 26.271 Euro. Für die außerhalb Spaniens geborenen Einwohner liegt es jedoch bei 12.456 Euro. Das ist nicht einmal die Hälfte des Durchschnitts. Die Teppich-Verkäufer tauchen in dieser Statistik gar nicht erst auf, weil ihre Tätigkeit ja nicht steuer-relevant ist, sie würden den Durchschnitt noch deutlich nach unten drücken. (naiz-baskultur)

(2026-04-08)

DAS ERBE DES ROMA-VOLKES

Das Baskenland würdigt das Erbe des Roma-Volkes (Gitanos genannt) und begeht dessen Internationalen Tag. Das südliche Baskenland hat mit verschiedenen Veranstaltungen in Pamplona, Donostia und Bilbo an die mehr als 600-jährige Geschichte der Ansiedlung des Volkes erinnert. In Nafarroa wurden zwei Gedenktafeln zur Würdigung des Erbes der Roma-Gemeinschaft angebracht und die Flusszeremonie am Arga abgehalten. Am Mittag begaben sich verschiedene Gruppen und Familien aus verschiedenen Teilen der Stadt zu den Fußgängerbrücken über den Fluss Arga. Von navarrischen Institutionen wurden zwei Gedenktafeln angebracht. (Einweihungszeremonie der Gedenktafeln am Tag der Roma in Iruñea / foku)

kolu78x08Sowohl Medienvertreter als auch Besucher der Veranstaltung suchten Schutz vor der strahlenden Frühlingssonne. Ricardo Hernández nutzte von der Föderation Gaz Kaló die ersten Minuten, um die Vertreter und Mitglieder des Stadtrats zu begrüßen, damit die Veranstaltung beginnen konnte. Die begann kurz darauf mit einer Rede der Stadträtin Maider Beloki. Sie hob den Beitrag der Roma-Bevölkerung hervor und erklärte, dass diese „zum Aufbau einer pluralistischeren, offeneren und humaneren Gesellschaft beigetragen“ habe und ein wesentlicher Teil der gemeinsamen Geschichte von Iruñea sei. Ebenso lud sie die Anwesenden dazu ein, zu feiern, aber auch über die Herausforderungen nachzudenken, denen diese Gemeinschaft weiterhin gegenübersteht, wie Ungleichheit, Diskriminierung und Stereotypen. Nach der Rede zogen Vertreter verschiedener Roma-Familien der Stadt den roten Vorhang zurück, und enthüllten eine Botschaft, die in Spanisch, Baskisch und Romani auf lackierten Stahlplatten eingraviert war: „Die Stadtverwaltung von Pamplona in Anerkennung des Roma-Volkes für seine 600-jährige Geschichte auf der Iberischen Halbinsel und sein historisches, kulturelles und soziales Erbe in unserer Stadt.“ Einige der Vertreter zeigten sich stolz über diese Anerkennung und dankten der Stadtverwaltung für diese symbolische Geste: „Diese Gedenktafel hilft dabei, Jahrhunderte der Vernachlässigung unseres Volkes wiedergutzumachen.“

Nach der Enthüllung der Tafeln folgte ein Gruppenfoto, auf dem mehrere Roma-Familien stolz vor den Tafeln posierten und die Flagge des Roma-Volkes zeigten. Die Veranstaltung wurde mit der Verlesung eines Manifests fortgesetzt, das die Geschichte des Roma-Volkes von seiner Ankunft auf der Halbinsel vor nunmehr sechs Jahrhunderten bis in die Gegenwart nachzeichnete. Ebenso wollten die Personen, die das Manifest vorlasen, an einige verstorbene Mitglieder erinnern. Die Veranstaltung endete mit der Hymne des Roma-Volkes, „Gelem, Gelem“, die a cappella gesungen wurde. Der Abschluss leitete die traditionelle Flusszeremonie ein, bei der Roma-Familien Blütenblätter und Blumen ins Wasser werfen, als Metapher für Freiheit und die Abwesenheit von Grenzen. Um derer zu gedenken, die vor ihnen gingen, werden am Ufer des Flusses auch Kerzen angezündet. Daher begaben sich die Anwesenden zum Fluss Arga, um der Verstorbenen und der Opfer des Völkermords an den Roma während des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.

KAMPF GEGEN VORURTEILE IN DONOSTIA UND BILBAO – Die Stadtverwaltung von Donostia hat eine eigene Gedenkveranstaltung abgehalten und Vertreter lokaler Roma-Vereinigungen im Plenarsaal empfangen. Dort würdigten Bürgermeister Insausti und der Stadtrat für Bildung den kulturellen, historischen und sozialen Reichtum des Roma-Volkes. Zudem betonten sie die Bedeutung von Inklusion, Vielfalt und Respekt als Grundpfeiler eines echten und dauerhaften Zusammenlebens in der Stadt. In Bilbao hat der Verband der Roma-Frauen des Baskenlandes (AMUGE) im Stadtteil Otxarkoaga die erste Sitzbank eingeweiht, die mit der Roma-Flagge bemalt ist. Die Vorsitzende von AMUGE wies darauf hin, dass „es nach wie vor Stereotypen, Vorurteile und Antiziganismus gibt“ und dass es in der Verantwortung aller liege, „den Antiziganismus zu beenden, die Menschenrechte in den Mittelpunkt zu stellen und weiter für eine gerechtere, gleichberechtigtere Gesellschaft zu arbeiten, in der alle Menschen ein Leben in Würde und Freiheit führen können“. (naiz-baskultur)

(2026-04-07)

BASKET-AUSNAHME-ZUSTAND

So macht Sport besonders Spaß: Vor einem Basketball-Spiel kommt es zu einem umfangreichen Einsatz der baskischen Ertzaintza-Polizei bei einem Spiel ohne Zuschauer. Gegenüber stehen werden sich das Team aus Vitoria-Gasteiz, Baskonia und Maccabi Tel Aviv. Damit ist schon fast alles gesagt: israelische Staatswerbung ist im Baskenland nicht gerne gesehen. Und weil der arabische Club Maccabi (Israel gehört zum Kontinent Asien) im Europa-Cup spielen muss (warum eigentlich nicht in Teheran?) kommt es bei solchen „Begegnungen“ regelmäßig zu Protesten, vor der Halle, in der Halle, vor dem Spiel, während des Spiels. Die Ertzaintza hat deshalb für diesen Dienstag ein umfangreiches „Sicherheits-Aufgebot“ anlässlich des Euroleague-Spiels vorbereitet, das heute Abend (21h) stattfinden soll. Wie bereits vor zwei Wochen anlässlich des Besuchs des ebenfalls israelischen Teams Hapoel Tel Aviv wird die Partie hinter verschlossenen Türen ausgetragen, ohne Fans in der Buesa Arena erhalten, mit Ausnahme einiger Mitarbeiter des Mossad, versteht sich. Damit werden die Vorgaben der zuständigen Behörden eingehalten.

Der Sicherheitsring, der jede Bewegung des israelischen Teams umgibt, ist im Zentrum von Gasteiz seit Stunden deutlich zu sehen. Maccabi traf gestern, am Montag, verspätet in der Hauptstadt ein. In den letzten Stunden wurden das Hotel und die Umgebung der Unterkunft, in der die Zionisten-Delegation untergebracht ist, von Ertzaintza-Polizeikräften abgeriegelt. So werden die Bürger, die heute Vormittag die Straße Ramón y Cajal und den Park La Florida entlanggehen, von der Anwesenheit einer großen Anzahl von Beamten, Fahrzeugen der Sicherheitskräfte – Transporter, Streifenwagen und Motorräder der örtlichen Polizei – sowie Mitgliedern des Sicherheitsteams vom Geheimdienst Mossad überrascht, das Maccabi stets begleitet. Die Alten aus der Bevölkerung der Stadt werden sich vielleicht an franquistische Verhältnisse und den diktatorialen Ausnahmezustand erinnert fühlen. Sicher nicht zu Unrecht.

Der Club Baskonia traf die Entscheidung, „aufgrund der aktuellen Lage“ – im Klartext: Völkermord in Gaza und Vernichtungskrieg gegen Iran – ohne Zuschauer auf den Tribünen zu spielen, wie aus einer Mitteilung hervorgeht, die Mitte letzten Monats veröffentlicht wurde. Die zunehmend angespannte internationale politische Lage besteht weiterhin, ebenso die umstrittene Anordnung, die in dieser Saison bei den Spielen von zionistischen Teams auf baskisch-spanischem Boden angewendet wurde. Nur Valencia Basket wich bei Maccabis letztem Besuch von dieser Haltung ab, wo zumindest den Dauerkarten-Inhabern Zutritt gewährt wurde. In Gasteiz bleibt die Ausnahmesituation (der politische Ausnahmezustand) mit leeren Tribünen und strengen Sicherheitsmaßnahmen heute Abend bestehen. Der Zutritt ist beschränkt auf Sportler, Trainerstab, Schiedsrichter, Tischoffizielle, Funktionäre und Familienangehörige, akkreditierte Journalisten sowie die Techniker der Fernsehübertragung. Der Parkplatz rund um die Halle wird teilweise abgesperrt, eine beträchtliche Anzahl von Stellplätzen dürfen nicht genutzt werden. Angst um den iranischen Geheimdienst? Es handelt sich um ein identisches Sicherheitskonzept wie beim Spiel gegen Hapoel. Außerdem werden mehr als fünfzig Beamte der Ertzaintza im Einsatz sein, die sich mit dem Sicherheitspersonal von Maccabi abstimmen.

Grundsätzlich ist für heute keine Protestkundgebung angekündigt; anders als am 27. März im Vorfeld des Spiels gegen Hapoel. Damals demonstrierten mehr als tausend Menschen unter dem Motto „Maccabi eta Hapoel kanpora“ (M + H raus). Das Spiel hinter verschlossenen Türen „ist eine Folge der Mobilisierung vom letzten Jahr“. Denn bei Auftritt von israelischen Sportlern, Sängerinnen oder Tanzgruppen geht es nicht um Sport oder Kultur, sondern um eine direkte Werbung für einen Völkermord und systematische Folter an Palästinenserinnen betreibenden Staat, der solche internationalen Auftritte finanziert und von ihnen profitiert. Ein Auftritt ohne Proteste wäre ein Zeichen von Normalität. Angesichts von täglichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit wäre es völlig zynisch, von Normalität zu sprechen. (baskultur)

(2026-04-06)

KAMPF GEGEN DEN ITOITZ-STAUSEE

kolu78x06aDer ökologische Kampf gegen das Itoitz-Stausee-Projekt hatte eine lange geschichte, er ging bereits auf sdas ajhr 1985 zurück. Doch markierte der 6. April 1996 (heute vor 30 Jahren) ein Vorher und Nachher: Acht Mitglieder von „Solidarios con Itoitz“ führten in den frühen Morgenstunden des 6. April 1996 eine Protestaktion durch, die einen Wendepunkt beim Bau des Itoitz-Stausees sowie für die weitere Entwicklung des zivilen Ungehorsams markieren sollte. Nach monatelanger Vorbereitung durchtrennten acht Aktivisten, begleitet von Pressevertretern, die das Geschehen dokumentierten, die Seile, mit denen der Beton zur Baustelle transportiert wurde. Es war ein Sabotageakt, der in die Geschichte eingehen sollte und den die linke Zeitung EGIN mit einer Schlagzeile auf ihre Titelseite brachte: „Itoitz, gestoppt“.

Ein Journalist war Zeuge des Geschehens und berichtete auf den ersten Seiten der Zeitung darüber. Die Sabotage war lange im Voraus und mit Bedacht geplant worden. Aus dem späteren Bericht geht hervor, dass unter den Anwesenden Nervosität herrschte. Und große Vorsicht, denn das Ziel war klar: die Bauarbeiten lahmlegen, ohne Menschen zu verletzen. Festgestellt werden kann, dass die Solidarios dieses Ziel erreichten. Der Journalist selbst erinnerte sich in dem anlässlich des Jahrestags dieser Aktion veröffentlichten Bericht detailliert an die Ereignisse. Kälte und Dunkelheit in einer bergigen Gegend in der Nähe der Baustelle. Eine Gruppe von acht Aktivisten, gekleidet in Overalls und weißen Kapuzen, führte die Journalisten zu dem Ort, von dem aus sie Zeugen der Sabotage wurden. Von dort aus sahen sie, wie sie den Wachmann außer Gefecht setzten und ihm seine Dienstwaffe nahmen, um sich anschließend dem Kern der Aktion zuzuwenden: den Seilen.

Mit einer Säge in der Hand und mit Schutzbrillen vor den Augen durchtrennten die „Solidarios“ die Seile, mit denen täglich etwa 4.200 Kubikmeter Beton transportiert wurden, um den Staudamm aufzufüllen. Die Protagonisten erinnern sich noch genau an jedes Detail, einschließlich der genauen Eigenschaften der Kabel, die sie durchtrennten. Sechs spiralförmige Stahlseile mit einem Durchmesser von 6,25 cm und einer Länge von 800 Metern, die Lasten von bis zu 140 Tonnen tragen konnten. Nach einigen Minuten voller Lärm, Feuer und Chaos beendeten die Solidaritäts-Aktivisten die Sabotage. Dies sollte eine monatelange Unterbrechung der Bauarbeiten bedeuten. Und wie zu erwarten war, ließ die Reaktion gegen die Urheber des Protests gegen das, was viele bereits als „Staatsangelegenheit“ bezeichneten, nicht lange auf sich warten. (naiz-baskultur)

(2026-04-05)

TOD IN ZWEI ETAPPEN

Es hätte ein Tag für die Geschichte werden können – er wurde es auch, aber nicht zum Feiern, sondern zum Trauern. Gerade hatte Athletic Bilbao gegen Schalke 04 das Rückspiel im Europa-Cup erfolgreich bestanden, die Fans feierten auf der Straße, als die baskische Polizei eine gespannte Situation im öffentlichen Raum falsch interpretierte, von einem weit entfernten Büro aus, mit großer Wahrscheinlichkeit bewusst falsch. Eine Interpretation mit Todesfolge.

kolu78x05aStell dir vor, du stehst mit tausend anderen auf der Straße, vor einer Kneipe durch deren Fenster das Spiel gezeigt wird. Irgendwo in der Nähe soll es eine Schlägerei gegeben haben, aber davon weißt du nichts. Auch nichts davon, dass dieses Gerücht zu einem Polizeieinsatz führt. Dein Team hat die nächste Runde erreicht, allein das zählt. Die Stimmung könnte nicht besser sein, bis ein Polizei-Kordon aufzieht vor der Kneipe. Niemand versteht warum, dennoch könnte es der geeignete Zeitpunkt zum Rückzug sein, man weiß ja nie bei diesen unberechenbaren Typen in Uniform (die das Spiel nicht sehen durften, weil sie im Dienst sind. Aber Rückzug geht nicht, weil dich die die Kneipe in einer Sackgasse befindet, der einzige Ausweg wäre nach vorne.

Die Situation wird hässlich, hinter dir spürst du Angst vor etwas, das niemand vorhersehen kann, die Uniformierten formieren sich und reagieren auf einen Befehl, von dem du erst viel später aus der Presse erfährst. “Geht rein, mit allem was ihr habt!“ Alle drücken nach hinten, um Distanz zu schaffen zu der vorne auftretenden Gewaltkulisse. Keine Chance, die Sackgasse ist so dicht wie eine volle Flasche, in die jemand den Korken drückt. Bei den Uniformen bewegt sich etwas, Gewehre mit Gummigeschossen werden in Stellung gebracht, hinter dir hörst du Stimmen: “Ist doch gar nichts passiert!“ oder “Dreht bloß nicht durch hier!“. Von ganz hinten soll eine Flasche geflogen sein, aber das erzählen dir die andern erst später. Die Spannung ist am Höhepunkt, kein Rückweg, ruhig bleiben könnte der einzige Auswegsein. Scheiße.

Die Bullen stehen kaum 10 Meter entfernt und fangen an, mit ihren Gummi-Knarren in die Sackgasse zu schießen, erst nach oben, dann tiefer. Du duckst dich weg, besser am Arm erwischt werden als auf der Brust. Ausgerechnet jetzt in der verfluchten ersten Reihe! Der Junge neben dir sackt in sich zusammen, was ist los, Chaos, einige beginnen wirklich die Flucht nach vorne. Andere beugen sich über den Zusammengebrochenen, was ist mit ihm? Er blutet aus dem Kopf. “Hier gibt es einen Schwerverletzten!“ schreit eine Frauenstimme so laut, dass sie alles andere übertönt, so verrückt das klingen mag. Du siehst die Bullen nicht mehr, alles rennt durcheinander, einige beugen sich immer noch über einem bewegungslosen Körper. Du nimmst wahr, dass dein Körper intakt ist, keine Schläge oder Einschläge, kaum zu glauben. Blut auf der Straße. Wer ist der Junge? Kennt ihn jemand? Sirenen ertönen, du kannst nicht unterschieden, ob von der Polizei oder von Krankenwagen. Wo vorher die Bullen standen, öffnet sich eine Schneise, Sanitäter in leuchtendgelb kommen angerannt und kümmern sich, nach einigen Momenten liegt der leblose Körper auf einer Trage und wird zum Bulli getragen. Die Atmosphäre von greller Angst weicht der von hitzigen Wortgefechten. Was ist passiert.

So nah du auch am Geschehen warst, erst die Tageszeitung des nächsten Tages klärt dich auf, was du selbst erlebt hast. Du liest deine Geschichte und die des reglosen Fußball-Begleiters, den du nicht kanntest. Er liegt bewusstlos im Krankenhaus, das Geschoss traf in voll am Kopf. Hinter den beschönigenden Formulierungen ist zu verstehen, dass er keine Chance hat, mehr noch, dass der Bullentreffer Schäden im Gehirn hinterlassen hat. Tatsächlich überlebte der junge Mann nicht. Er: Iñigo Cabacas, so steht es in der Zeitung, der Junge neben dir bekommt plötzlich einen Namen. Vier Tage danach, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, wird aus dem Koma ein Tod. Fünfter April 2012, ein teuer bezahlter Sieg. Der Beginn eines Polizei-Skandals, die nie aufgeklärt werden soll. Lügen, Presse-Aufdeckungen, Ausreden, Bullen vor Gericht, keine Urteile. Du kanntest den Typ neben dir auf der Straße nicht, wenig später kennst du sogar seine Freunde und Eltern. Fina, Manu. (baskultur)

(2026-04-04)

HOTELS KRITISIEREN TOURI-TAXE

kolu78x04aIn absehbarer Zeit will die baskische Regierung eine gestaffelte Tourismus-Steuer einführen, nachdem die Kritik am herrschenden Tourismus-Modell immer stärker wurde. Die Kritiker*innen sind nur wenig befriedigt, die Reisenden zahlen oder bleiben eben weg, die Branche kritisiert die Mehrkosten, weil sie auf ungezügelten Massentourismus setzen. Die Hotel-Branche, zum Beispiel, bekräftigt ihre Ablehnung der Steuer, da sie der Ansicht ist, dass es in Bizkaia „kein Problem mit Überfüllung oder Menschen-Ansammlungen gibt“ – allein die Formulierung zeigt das völlig fehlende Problem-Bewusstsein, die Hotelbetreiber leben schließlich auch nicht in der Altstadt, sondern in irgendeiner Villa auf Mallorca oder in Miami.

Die Hoteliers hatten dies bereits bei der Vorstellung der Steuer beanstandet und bekräftigten ihre Kritik an Ostern, nachdem die Provinzregierung einen weiteren Schritt zur Umsetzung unternommen hatte. Die Hotels in Bilbao sprachen sich gestern erneut gegen die Steuer aus, die es den Gemeinden ab dem kommenden 1. Januar ermöglicht, von jedem Touristen bis zu 7,5 Euro pro Nacht extra zu kassieren. Der Sprecher des Verbandes Destino Bilbao (Reiseziel Bilbao) kritisierte die Abgabe, die in allen Gemeinden des Baskenlandes gleichzeitig eingeführt wird, da sie die Branche gegenüber den angrenzenden Regionen „benachteilige“. Im Gegensatz zum Baskenland erheben weder Kantabrien noch Kastilien-León (die keinen Massen-Tourismus erleiden) eine Übernachtungssteuer für Touristen. Andere Regionen wie Galicien (dort wird sie in Santiago de Compostela und A Coruña erhoben), die Balearen und Katalonien tun dies hingegen durchaus, der Vergleich hinkt also. In Asturien steht die Abgabe ebenfalls zur Debatte, wurde jedoch noch nicht verabschiedet. „Die Tatsache, dass es sie in den übrigen Regionen nicht gibt, kann einen Wettbewerbsnachteil darstellen“, argumentierte er. Sol soll es auch sein, sagen die Tourismus-Kritikerinnen, die ihre Städte immer weniger wiedererkennen, weil sie immer mehr zu störenden Fremdkörpern werden.

Der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands von Bizkaia ist jedoch zuversichtlich, dass diese zusätzlichen Kosten, die auf die Besucher zukommen, „nicht ausschlaggebend für die Entscheidung sind, ob man reist oder nicht“, räumt jedoch ein, dass „es Momente geben kann, in denen Vergleiche angestellt werden. An bestimmten Orten im Baskenland könnte dies Auswirkungen haben“, warnte er. Er erinnerte daran, dass sich die Branche von Anfang an gegen die Abgabe ausgesprochen habe, da sie der Ansicht sei, dass es in Bizkaia „kein Problem mit Überfüllung oder Massen-Ansammlungen“ gebe, eine völlig weltfremde Wahrnehmung. Wie anders sind 120.000 Personen bei einem Rockfestival oder 80.000 zu einem Sportfinale zu interpretieren? Da die Steuer jedoch im nächsten Jahr in Kraft treten wird, fordert der Verband weiterhin, dass die eingenommenen Gelder zur Verbesserung der Branche verwendet werden – nicht zur Linderung der Probleme, die der Massen-Tourismus verursacht. Im Doch ist die Steuer so konzipiert, dass sie von den Gemeinden erhoben wird, die völlige Freiheit haben, dieses zusätzliche Geld nach eigenem Ermessen zu investieren.

Die baskische Regierung betont ihrerseits, dass das Ziel dieser Abgabe darin besteht, dass Besucher, die ins Baskenland kommen, „zu dessen Verbesserung beitragen“. Auch die Generalabgeordnete Etxanobe räumte ein, dass „viele“ Gemeinden die Steuer als „Ausgleich“ für die zusätzlichen Ausgaben positiv bewerten, die ihnen entstehen, um die öffentlichen Ressourcen in den Monaten mit dem größten Besucherandrang sicherzustellen. Ziel der drei Provinzialräte ist es, dass die Steuer im Juni in den Generalversammlungen verabschiedet wird. Zuvor muss sie jedoch von den Oppositions-Fraktionen diskutiert werden. Während Bizkaia über eine Mehrheit verfügt, um den Text ohne Komplikationen durchzubringen, ist dies in Gipuzkoa und Álava nicht der Fall. In beiden Gebieten müssen die Provinzialräte Vereinbarungen mit mindestens einer Fraktion treffen, um den Text zu verabschieden, was zu Änderungen führen könnte. Abgesehen von den Änderungen, die sich aus den Verhandlungen ergeben, bleibt noch zu klären, welchen Steuersatz die Gemeinden innerhalb der festgelegten Preisspanne auf die einzelnen Betriebe anwenden werden. (elcorreo-baskultur)

(2026-04-03)

DAS GRAUSAME MARTYRIUM

kolu78x03aNirgendwo im spanischen Staat ist die katholische Kirche derart in der Defensive wie im Baskenland, wo sich die Kirchen leeren und die Spielhallen und Fußball-Stadien füllen. Was nicht heißt, dass die Kirchenleiche Momente von „Auferstehung“ erlebt. Zum Beispiel an Ostern, wenn zehntausende an den Straßen stehen und glotzen, wie barfüßige Gläubige in Ku-Kux-Klan-Verkleidung Heiligenfiguren durch die Gegend schleppen. Ein Spektakel wie Turmspringen vor dem Guggenheim. Dass es bei den Prozessionen zu üblen Szenen kommt – als hätten wir nicht schon genug von den Genozid-Szenen aus Gaza – gehört mit zum Spektakel. In Balmaseda zum Beispiel, wo nicht nur Heiligenfiguren bemüht werden, sondern die ganze Kreuzigung nachgespielt wird, so realistisch wie es eben geht. Mit Peitschenhieben und Blutstropfen. Erst Schläge, dann die Dornenkrone, das Kreuz aufgeschnallt, der Jesus konnte sich auf seinem Leidensweg kaum gerade halten, die Römer peitschten weiter. Und wrikliche Kinder schauten zu.

In Arkotxa, einem Viertel von Zaratamo, wurde die „Passion Jesu“ auf schonungslose Weise nachgestellt, organisiert wurde „eine lebende Passion“, die erneut „durch ihre schonungslose Darstellung beeindruckt hat“ (Tagespresse). Die Härte der Peitschenhiebe und der Realismus des Leidensweges Jesu Christi sind einige der Themen, über die diejenigen am meisten sprechen, die diese Darstellung zum ersten Mal gesehen haben. Kinder zum Beispiel, die große Augen machten über das was sie sahen. „Etwa 80 Personen haben die verschiedenen Figuren zum Leben erweckt, die an den letzten Stunden Jesu beteiligt waren. Alex, 27 Jahre alt, spielte den Christus. Sein Fall ist ein besonderer, bis vor vier Jahren war er nie bei diesem Schauspiel. Jetzt tat er es auf Bitten seines Onkels, der an ALS leidet“. Verfluche Familie. Für Alex war der Weg auch deshalb etwas Besonderes, weil zwei seiner Stürze in der Nähe der Häuser stattfanden, in denen seine Großmütter leben. Seine Mutter spielte die Rolle der Jungfrau Maria. Betonung auf Jungfrau.

Die Darstellung fand erstmals 1965 statt und wurde 2026 zum Kulturgut erklärt. In all den Jahren wurde sie nur dreimal nicht aufgeführt: 2019 wegen mangelnder Teilnehmer, 2020 und 2021 aufgrund der Pandemie. Wichtigste Anekdote des vergangenen Jahres war, dass der Jesus-Darsteller vom Kreuz fiel. Das passierte nicht wieder, doch heute stürzte die Jungfrau Maria, und das gleich zwei Mal. „Für einige Augenblicke herrschte gewisse Besorgnis, da es sich um einen heftigen Sturz handelte, doch die Darstellung konnte fortgesetzt werden. Schließlich wurden bei den Hexenprozessen vergleichsweise folgenreichere Opfer geleistet. „Es war bewegend“, betonte die Vorsitzende des organisierenden „Kulturvereins“ – richtig gehört: Kultur soll das sein. Für sie war die ergreifendste Szene der Moment, als die Jungfrau den Leichnam Jesu umarmte, nachdem er vom Kreuz genommen worden war. Wie die Mütter in Gaza nach einer die vielen Bombardierungen. (baskultur)

(2026-04-02)

ABER NATURSCHUTZ ZUERST !

kolu78x02bDas unsägliche Schicksal eines Museums mit Massenandrang im Naturschutzgebiet ist eben am Biosphären-Reservat Urdaibai vorbeigegangen, und nachdem dieser Konflikt die Parteien nicht mehr spaltet, ist es einfacher sich in Ruhe Gedanken zu machen, wie sonst die Gegend wirtschaftlich zu beleben wäre. Eines ist den meisten klar, der Niedergang soll aufgehalten werden, aber ohne dabei die Biodiversität zu beeinträchtigen. Der von den Institutionen initiierte Befragungsprozess der Bewohner*innen macht deutlich, dass es keine einzige Stimme gegen den Schutz des Naturschutzgebiets gibt. Diese von der Provinzregierung und der baskischen Regierung in Auftrag gegebene Befragung, mit dem die Meinung der Bewohner von Busturialdea zu einer möglichen Erweiterung des Guggenheim-Museums im Herzen von Urdaibai ermittelt werden sollte, ergab, dass die Ablehnung des Projekts durch die Bevölkerung die “vorherrschende“ Haltung der Bevölkerung war. Die Schlussfolgerungen des Berichts, der beim Agirre Lehendakaria Center (ALC) und der Columbia University in New York in Auftrag gegeben wurde, haben jedoch auch deutlich gemacht, dass eine tiefgreifendere Debatte über den Wandel der Region stattgefunden hat.

So hat nach der Erhebung von mehr als tausend Meinungen niemand die Notwendigkeit in Frage gestellt, die sozio-ökonomische Entwicklung voranzutreiben, um den Niedergang des Landkreises Busturialdea aufzuhalten und zu verhindern, dass die Region hinter dem Rest von Bizkaia zurückbleibt. Der Schutz des Biosphären-Reservats steht jedoch außer Frage. “Im Gegensatz zu früher, als dies als Hemmnis für die Entwicklung angesehen wurde, gab es keine Stimmen, die sich gegen den Erhalt von Urdaibai aussprachen“, versicherte Gorka Espiau, Direktor des Agirre Lehendakaria Center, bei seiner Anhörung vor dem Ausschuss für Industrie, Energiewende und Nachhaltigkeit des baskischen Parlaments. “Es gibt in der Region keine Umwelt-Verachter. Wie bei dem internationalen Seminar festgestellt werden konnte, gibt es weltweit nicht viele ähnliche Konflikte, bei denen eine so breite Einstimmigkeit herrscht“, erklärte er. “Dieser Konsens bietet eine einzigartige Grundlage, um ausgehend von der Vielfalt eine gemeinsame Zukunft in der Region aufzubauen“, betonte er.

REGIERUNGS-MODELL - Die Studie stellt zudem fest, dass sowohl die Bevölkerung wie sozialen Akteure, die das Projekt zur Erweiterung des Museums abgelehnt haben, als auch diejenigen, die es unterstützt haben oder Zweifel hatten, sich darin einig sind, dass Busturialdea handeln, sich bewegen und strategische Entscheidungen treffen muss, um aus der Vernachlässigung herauszukommen. “Vom anfänglichen ‘Not In My Back Yard‘ – ‘Nicht in meinem Hinterhof‘ – das viele Projektgegner an den Tag legten, hat sich eine Haltung entwickelt, die stärker auf die Zukunft von Urdaibai ausgerichtet ist“, erklärte er. “Das heißt, sie haben sich für alternative Szenarien geöffnet, sofern diese den Kriterien des Umweltschutzes und der territorialen Kohärenz entsprechen.“

In diesem Sinne sehen die Bevölkerung von Busturialdea den Tourismus nicht mehr als einen absolut positiven Wert an. “Was früher als Motor des Wohlstands interpretiert wurde, wird heute als Risiko für Wohnraum, Mobilität und sozialen Zusammenhalt gesehen“, erklärte er. Die Mehrheit fordert eine ausgewogenere Entwicklung mit stabilen Arbeitsplätzen, lokalen Erträgen und Begrenzungen des touristischen Drucks. Eine weitere wichtige Schlussfolgerung von ALC ist, dass der Zuhörprozess als Instrument der kollaborativen Regierungsführung gedient hat. “Insbesondere in den Sektoren, die der Erweiterung des Museums am stärksten ablehnend gegenüberstehen, hat der Prozess einen Raum geöffnet, in dem sie sich Gehör verschaffen, ihre Bedenken einbringen und diskutieren können“, erläutert Gorka Espiau. Gleichzeitig “konnten die Institutionen erfahren, wie bereichernd ihr Engagement für direkte Interaktionskanäle mit den Bewohner*innen war“.

“ICH BIN FÜR DAS MUSEUM, WIR MÜSSEN ETWAS TUN“ – Nach dem Anhörprozess haben sich unter den Bürgern von Busturialdea fünf unterschiedliche Meinungsströme herauskristallisiert, darunter auch diejenigen, die ihre Unterstützung für die Erweiterung des Museums bekundet haben. Die Aussage “Ich bin dafür, wir müssen etwas tun“ entspringt einem strukturellen Veränderungsbedarf und dem Gefühl, dass es in der Region schon zu lange keine transformative Initiative mehr gegeben hat. Es haben sich unterschiedliche Profile versammelt, von Menschen mit einer gewissen wirtschaftlichen und beruflichen Stabilität und Unternehmen aus dem Tourismussektor bis hin zu Anwohnern in prekären Lebenssituationen, die im Gastgewerbe und in der Pflege arbeiten, Migranten und Bewohner*innen kleiner Dörfer im Landesinneren, die einen gravierenden Niedergang spüren. (elcorreo-baskultur)

(2026-04-02)

MÜLL-SKANDAL OHNE ENDE

Die jüngere Geschichte der Mülldeponie Zaldibar ist die eines unendlichen Skandals, mit Beteiligung eines kapitalistischen Unternehmens und der Unfähigkeit der Regierung. Zur Erinnerung: vor sechs Jahren war der ungesicherte Müllberg auf die nahe Autobahn gerutscht und hatte zwei Arbeiter mitgerissen, beide tot, eine Leiche wurde nach Monaten gefunden, die andere nie. Es folgten Prozesse wegen illegaler Deponie, fahrlässigem Betrieb, Nichteinhalten von Sicherheits-Maßnahmen mit Todesfolge. Millionen Strafen und Gefängnis. Die Deponie wurde dem Unternehmen entzogen, dennoch bleibt es verantwortlich für die Instandhaltung. Die Regierung ließ die Deponie versiegeln. Die Behörden, die die Kontrollen vernachlässigt hatten und die sich nicht um die Einhaltung der geforderten Verbesserungen gekümmert hatten, standen nie vor Gericht, auch an den Wänden ihrer Büros klebt das Blut der Toten. Und heute? Verter Recycling vernachlässigt die Deponie in Zaldibar, die baskische Regierung leitet erneut kein Verfahren ein. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der linksliberalen Koalition EH Bildu räumte die baskische Regierung ein, dass seit September 29 Probleme auf der Deponie in Zaldibar festgestellt wurden, mit „unvorhersehbaren Folgen wie dem unkontrollierten Austritt von Sickerwasser oder einer verminderten Stabilität“. Das Unternehmen hat dennoch nichts unternommen, nicht einmal ein Sanktionsverfahren wurde eingeleitet. (Bild der abgedeckten Deponie. Im Bericht von Lakua sind die Details der zahlreichen Versäumnisse bei der Instandhaltung aufgeführt / Gorka Rubio / foku)

BERICHT ÜBER DIE INSPEKTION IM SEPTEMBER -  Eine parlamentarische Antwort des Industrie-Ministeriums spiegelte nach einer Inspektion am 9. September 2025 einen beklagenswerten Zustand der Instandhaltung der Deponie von Zaldibar wider, die 2020 zusammenbrach und den Tod von Joaquín Beltrán und Alberto Sololuze verursachte. Auf eine weitere Anfrage hin gab Minister Jauregi jedoch zu, dass bis zum 31. März dennoch „kein Sanktionsverfahren eingeleitet wurde“. Der Bericht der im September durchgeführten staatlichen Inspektion listet 29 Abweichungen von den in der Umweltgenehmigung der Deponie vorgesehenen Betriebsbedingungen auf. Der schwerwiegendste Verstoß besteht darin, dass der Betreiber, Verter Recycling 2002, keine „Wartungsarbeiten zur Vorbeugung und Vermeidung von Umweltschäden“ durchführt. In dem Dokument wird auf eine „allgemeine Verschlechterung der kritischen Anlagen der Deponie, wie beispielsweise des Entwässerungssystems für Sickerwasser (stark verschmutzende Flüssigkeiten)“, hingewiesen, heißt es in dem Bericht. In dem Schreiben wurde detailliert dargelegt, dass weder die Kontrolle von Geräten wie Durchflussmessern noch das Mähen der Deckschicht durchgeführt wird, was dazu führt, dass Unkraut wächst, das die Abdichtung beschädigen könnte.

Die Antwort der Regierung fügte hinzu, dass „diese mangelnde Instandhaltung bereits zu einer Ansammlung am Auslass des Bodenablaufs (dem Sickerwasser-Ableitungs-System) führt und dass, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, das Wasser möglicherweise einen Stau mit unvorhersehbaren Folgen verursacht, wie beispielsweise das unkontrollierte Auslaufen von zersetztem Abfall, vermischt mit Regenwasser, oder eine verminderte Stabilität aufgrund der Ansammlung desselben“ , wie die Inspektoren berichteten. Hinzu kommt, dass „die Sickerwasser in die Wasserläufe sickern, weil das Pumpsystem keinen Strom hat und das Unternehmen es nicht repariert. Im letzten Jahr wurden die Grenzwerte für Toxizität, Phenole und Stickstoff wiederholt überschritten“. Vor allem aber ist festzustellen, dass Verter Recycling, das Unternehmen, das die Deponie betrieb, sich in Liquidation befindet und die Instandhaltung der Deponie aufgegeben hat; es verfügt weder über eine Haftpflichtversicherung noch über ausreichende Mittel oder ein Umweltmanagement.

WEDER ANTWORT NOCH SANKTIONEN – Ein Abgeordneter von EH Bildu fragte nach dem Sanktionsverfahren gegen das Unternehmen, die Antwort im Regionalparlament besagt wörtlich: „Zum Zeitpunkt der Antwort wurde kein Sanktionsverfahren eingeleitet.“ Als Entschuldigung oder Erklärung führt Minister Jauregi an, dass „zu beachten ist, dass gemäß den Bestimmungen der Neufassung des Gesetzes über die integrierte Vermeidung und Bekämpfung von Umweltverschmutzung die Verjährungsfrist für Verstöße bei sehr schweren Verstößen drei Jahre, bei schweren Verstößen zwei Jahre und bei leichten Verstößen sechs Monate beträgt“. Das Ministerium gibt an, es habe versucht, Verter Recycling über die Ergebnisse seiner Inspektion und die Auflagen zu informieren, doch die Zustellung kam nicht zustande und wurde stattdessen am 30. Dezember im BOPV veröffentlicht. Der Exekutive ist nicht bekannt, ob das Unternehmen „irgendwelche Maßnahmen in Bezug auf diese Anlage ergriffen hat“. Sanktionen gibt es keine, die Zeitbombe tickt, in der Gegend leben Tausende und vergiftetes Wasser macht vor keiner Stadtgrenze Halt. (naiz-baskultur)

(2026-04-01)

DURANGO GEDENKT DER BOMBEN VON 1937

kolu78x01bDie Stadt in Bizkaia wurde am 31. März 1937 von der Legion Condor und der italienischen Luftwaffe angegriffen und hat am 89. Jahrestag an den Schrecken erinnert. Erinnerung, um nie zu vergessen. Über die Zahl dedr Opfer wird bis heute gestritten, je nach politischem Standpunkt ist von 200 oder 400 die Rede, die Verniedlichung des Kriegsverbrechens dauert bis heute. Der Gedenktag begann früh mit dem Läuten der Alarmglocke des ersten Luftangriffs, gefolgt vom Entzünden einer Fackel zum Gedenken an die Opfer. Nach der Kranzniederlegung auf dem Friedhof fand im Ort die offizielle Gedenkfeier für die Opfer der Bombenangriffe in Durangaldea statt. Anwesend waren Überlebende der Bombenangriffe auf Durango und Gernika, das vier Wochen später in Schutt und Asche gelegt wurde. Lange Zeit war davon ausgegangen worden, dass die Bombardierung allein auf das Konto der italienischen Faschisten ging, bis vor wenigen Jahren eine Forschungsarbeit belegte, dass auch die Nazis mit ihrer Legion Condor beteiligt waren.

Bewegend war, als eines der Opfer, Mikel Aretxaga, das Wort ergriff. „Ich wurde 1932 in Durango geboren. Der erste Luftangriff am Morgen überraschte uns alle zu Hause, wir hörten den Alarm der Glocken, die Sirenen vom Kirchturm, und der Schrecken begann. Voller Angst und ohne zu wissen, was wir tun sollten, rannten wir aus dem Haus und suchten Zuflucht in einem alten Ofen, in dem mein Vater Leonardo und sein Bruder Anselmo ihre Töpfe brannten. Auf der Straße hörten wir, dass die Angriffe wiederkommen könnten, und so machten wir uns auf den Weg ins nahe Goiuria. Tatsächlich wurde Durango zwischen 17 und 17.30 Uhr erneut bombardiert. „Wir sahen alles, was die Flugzeuge abwarfen, die Geschosse, es war schrecklich“, erklärte er bewegt vor dem ehemaligen Lehendakari Iñigo Urkullu. Aretxaga erzählte, dass er, nachdem er mehrere Monate bei Verwandten in Bilbao verbracht hatte, zusammen mit seiner Familie nach Durango zurückgekehrt sei. „Wir fanden das Haus zerstört vor, eine Granate war seitlich eingedrungen, innen war es völlig zerstört. Da packte ich meine Mutter am Arm und fragte sie: ‚Mama, sollen wir hier leben?‘ Und in diesem Moment begann sie untröstlich zu weinen“, berichtete er.

Die Bürgermeisterin erklärte: „Es ist ein bedeutender Tag; wir müssen allen Opfern gedenken. Es ist ein Tag des kollektiven Gedenkens. Wir erinnern an die Opfer aus der gesamten Region und haben versucht, eine Städtepartnerschaft mit Gernika zu organisieren, das hat bislang keine Früchte getragen.“ Von Seiten der Opposition erinnerte EH Bildu: „Seit die Faschisten unser Dorf und viele andere bombardiert und Hunderte von Toten verursacht haben, ist Erinnerung unerlässlich, um eine gerechte und friedliche Zukunft aufzubauen. Dies gilt umso mehr in den Zeitenmit einer Offensive der extremen Rechten und des Faschismus: Die Faschisten von gestern und heute stehen uns gegenüber. Wir müssen als Volk auf das reagieren, was kommt. Wir müssen breite Fronten bilden, um die Rechte, die Freiheiten und die Demokratie zu verteidigen, um den Faschisten die Stirn zu bieten und weiter am Aufbau von Euskal Herria zu arbeiten“. Die Stadt erlitt zwei Luftangriffe durch Mussolinis und Hitlers Luftwaffe. Ein Angriff am Morgen, während die Leute in der Messe und auf dem Markt waren. Das wiederholte sich am Nachmittag, mit Kampfflugzeugen, die Flüchtende aus der Luft verfolgten, um sie zu ermorden. „Wir müssen Jahr für Jahr daran erinnern und die Erinnerung bewahren sowie weiter für Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und der Verteidigung der Menschenrechte arbeiten, damit so etwas nie wieder geschieht“. (baskultur)

(2026-04-01)

89 JAHRE AZAZETA-MASSAKER

kolu78x01aAm letzten Märztag wurde in Vitoria-Gasteiz an das Massaker von Azazeta erinnert, die beteiligten Parteien wollten den Anlass nutzen und „eine breite Front gegen den Faschismus schmieden“: Anwesend waren EH Bildu, Podemos Euskadi, IU-Ezker Anitza, Berdeak (Grüne) und Sumar. Sie haben der 16 Personen gedacht, die am 31. März 1937 in Azazeta von den Faschisten extralegal hingerichtet wurden, darunter der demokratisch gewählte republikanische Bürgermeister. Die Veranstalter haben sich dafür ausgesprochen, „breite Bündnisse und Mindestprogramme auf der Grundlage eines fortschrittlichen, pluri-nationalen Projekts zu bilden, das breite demokratische Kreise anzieht“. Das hört sich stark nach Wahlen an, zuletzt war auf staatlicher Ebene von einem gemeinsamen (links-sozialdemokratischen) Wahlprojekt die Rede. „Dieser Prozess wird republikanisch, demokratisch, föderalistisch, kommunalistisch und internationalistisch sein, er wird die sozialen, kollektiven und nationalen Rechte schützen und der Straflosigkeit und Korruption ein Ende setzen“, betonten die Vertreter*innen bei einer Veranstaltung in Gasteiz, zum Gedenken an die Opfer des faschistischen Massakers, zu denen Teodoro Gónzalez de Zárate gehörte, der Bürgermeister der Hauptstadt der Provinz Álava und Mitglied der Republikanischen Linken.

Das Massaker wurde verübt von einer Gruppe aus Requetés, Falangisten und Zivilgardisten, darunter der Polizist Bruno Ruiz de Apodaca, dem der Tod von insgesamt 108 Menschen in Araba zugeschrieben wird. Er wurde nie vor Gericht gestellt, während der Diktatur wurde er zum Chef der örtlichen Polizei von Gasteiz ernannt – einer Zeit, die von „Misshandlungen, Folter und dem Tod von Personen in Gewahrsam“ geprägt war. „Er hat sich mit seinen Verbrechen gebrüstet und spazierte ungestraft durch die Straßen“, betonten sie und wiesen darauf hin, dass „es kein Zufall war, dass sich der Terror am 31. März 1937 über Gasteiz und Araba ausbreitete“. „General Mola (Befehlshaber der Nordfront) selbst hatte wenige Tage zuvor die Hauptstadt der Provinz Araba besucht und die Befehlshaber aufgefordert, das Tempo der franquistischen Repression zu erhöhen“. Auch wurde darauf hingewiesen, dass am selben Tag Flugzeuge der Legion Condor und der italienischen Luftwaffe die Orte Elorrio und Durango bombardierten. Monate zuvor hatte die franquistische Luftwaffe Otxandio angegriffen, und drei Wochen später folgte die Bombardierung von Gernika.

„Auf den faschistischen Militärputsch von 1936 folgten 40 Jahre Diktatur. 89 Jahre später beobachten wir mit Sorge, dass sich der Aufstieg des Autoritarismus über den Globus ausbreitet. Auch im spanischen Staat breitet er sich ungehindert aus und beeinflusst Regierungen. Deshalb müssen wir zurückblicken und den Kampf jener Menschen würdigen, die vor fast einem Jahrhundert von einer gerechteren und solidarischeren Gesellschaft träumten. Das ist der Weg. „Gegen den Faschismus: mehr Rechte und mehr Freiheiten“, betonten sie. „Es ist an der Zeit, demokratische Alternativen zu schaffen, die den Bürgern ein würdiges Leben garantieren und auf die Demokratisierung des Staates in allen Bereichen setzen“. Das soll geschehen mit der Anerkennung der historischen Nationen und dem Respekt von Minderheiten im Staat, mit der Gewährleistung der bürgerlichen Freiheiten und Rechte.

„Denn damals wie heute träumen wir von einem gerechteren, würdigen Leben, dass Freiheit bedeutet, jeden Tag mit der Gewissheit aufzuwachen, ein würdiges Leben führen zu können. Angemessene Renten und Löhne, ein öffentliches Gesundheits- und Bildungswesen von hoher Qualität, ein Sozialsystem, das die Menschen schützt und sie in den Mittelpunkt der öffentlichen Politik stellt, während es gleichzeitig seine Arbeitnehmerinnen schützt, der notwendige ökosoziale Wandel oder die Verwirklichung einer vielfältigen und feministischen Gesellschaft. Dies sind unsere Werte, und zu ihrer Verteidigung werden wir Bündnisse schmieden“. Eindeutig ein Wahlprogramm, doch bis dahin ist noch eine Durststrecke zu bewältigen, denn einige der Aufrufer sind sich wenig Freund, um nicht zu sagen verfeindet.

Der Veranstaltung ging eine weitere vom Stadtrat von Gasteiz organisierte Gedenkfeier zum Gedenken an die Opfer des Franco-Regimes voraus. Daran nahmen Stadträte, Mitglieder des Regionalparlaments und Abgeordnete aller politischen Kräfte teil, mit Ausnahme der Vox-Faschisten. Nicht dabei war die sozialdemokratische Bürgermeisterin Maider Etxebarria. Die stellvertretende Bürgermeisterin Beatriz Artolazabal von der rechten PNV betonte gegenüber den Medien, wie wichtig es sei, alle Opfer des Franco-Regimes zu würdigen, „die ihr Leben für Freiheit und Demokratie gegeben haben“. „Denn sich zu erinnern bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu verharren. Es bedeutet, aus dem Geschehenen zu lernen, um es nicht zu wiederholen. Es bedeutet, die Freiheit, das Zusammenleben und die Rechte zu verteidigen, die wir heute haben“, bekräftigte sie. Auf die Abwesenheit der Bürgermeisterin angesprochen, räumte Artolazabal ein: „Ich habe keine Ahnung, wo die Bürgermeisterin ist.“ (baskultur)

FOTOS:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-04-01)

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