ogro0150 Jahre Tyrannenmord

Ein halbes Jahrhundert ist vergangen seit dem tödlichen Attentat auf Admiral Luis Carrero Blanco, Präsident der franquistischen Regierung. Nach dem Burgos-Prozess 1970 erschien ETA durch diesen Tyrannenmord auf internationaler Ebene als stärkste Opposition gegen die franquistische Diktatur. Das Baskenland stand plötzlich auf der europäischen Tagesordnung. Zudem löste das spektakuläre Attentat bei der bewaffneten baskischen Organisation eine Lawine von Aktivismus aus, Hunderte wollten sich anschließen.

Luis Carrero Blanco (1904-1973) war spanischer Marineoffizier und Politiker, graue Eminenz des Franquismus, rechte Hand von Diktator Franco, ab 1973 Regierungschef. Sein Tod durch einen ETA-Anschlag am 20. Dezember 1973 war für den Franquismus ein harter Schlag, der den Verlauf der Geschichte änderte.

Vorgeschichte

Der Prozess von Burgos gegen 13 ETA-Aktivisten und drei Aktivistinnen hatte die bewaffnete Organisation auf die europäische Tagesordnung gebracht. Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft des Kontinents hatten sich gegen den Prozess ausgesprochen und die verkündeten Todesurteile abgelehnt. Diese Positionierung brachte das franquistische Regime, das sich eigentlich in der Offensive sah, plötzlich in die Defensive. Drei Aufsehen erregende Entführungen (Beihl, Zabala und Huarte) hatten ETA zusätzlich ins Gespräch gebracht und ihren Wiederaufbau gefördert. Unter der Führung von Eustakio Mendizabal "Txikia" wurde die Organisation durch den Eintritt von zweihundert jungen Leuten verstärkt.

1972 stabilisierte sich die Struktur der Organisation, die Führung ergriff verschiedene Straf-Maßnahmen gegen Aktivisten. Zwei von ihnen wählten angesichts der Schikanen gegen Flüchtlinge in Ipar Euskal Herria als Zufluchtsort Madrid: José Miguel Beñaran "Argala" und Iñaki Pérez Beotegi "Wilson". Beñaran hatte am Bau eines Tunnels mitgewirkt, der fast zur Flucht der in Burgos zum Tode Verurteilten geführt hätte, und Pérez Beotegi war zur gleichen Zeit in London verhaftet worden, weil er eine spanische monarchistische Flagge verbrannt hatte.

ogro02Über Mikel Etxeberria "Makauen", der zu dieser Zeit als Flüchtling in Kuba lebte, nahmen die beiden in Madrid Kontakt auf zu mehreren Mitgliedern des Unterstützungs-Komitees für die Angeklagten von Burgos und zu einigen baskischen Studenten. Vor allem Argala knüpfte ein kleines Unterstützungsnetz, das innerhalb eines Jahres zu einer Infrastruktur für die ETA und für mögliche Aktionen werden sollte: Schriftsteller, Intellektuelle, Feministinnen, ehemalige PCE-Kämpfer und CCOO-Gewerkschafter.

Anfang 1973 traf sich Argala mit Txikia in Lasarte und berichtete ihm über den Stand des Netzwerks in der Landeshauptstadt. Die ETA-Führung zog die Möglichkeit in Betracht, ein Attentat auf den Journalisten Jorge Semprún zu verüben, der für seine Ablehnung gegenüber ETA bekannt war. Später entschied man sich jedoch, den Stellvertreter Francos und designierten Nachfolger, Luis Carrero Blanco, der seit 1967 Vizepräsident der Regierung war, als Ziel zu wählen. Der Admiral besuchte jeden Morgen die Messe in der Madrider Kirche San Francisco.

Die Entführung

Die Erfolge bei drei vorangegangenen Entführungen und die Erwartung von zwei weiteren in Nizza und Brüssel veranlassen die ETA, eine Entführung des Admirals zu planen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Infrastruktur der baskischen Organisation bereits sechs sichere Wohnungen in den Außenbezirken Madrids, insbesondere in Alcorcón, und zudem ein Bekleidungsgeschäft gekauft, um den Entführten einzusperren.

Ziel der Operation, die bereits den Namen "Operation Ogro" trug (Operation Menschenfresser), war der Austausch des Admirals gegen baskische Gefangene, die zu mehr als zehn Jahren Haft verurteilt waren. Die Freilassung ihrer Kämpfer aus den Gefängnissen war für die ETA zu einer Obsession geworden. Im Jahr 1973 gab es 150 Gefangene, die mehr als zehn Jahre verbüßt hatten, 34 Gefangene hatten Strafen von mehr als 30 Jahren vor sich, darunter Eduardo Uriarte, Jokin Gorostidi, Venancio Etxeberria, Mario Onaindia, Lontxo Egia, José María Iartza, Kepa Fernández Trincado und Garratz Zabarte, die fast hundert Jahre Gefängnis absitzen sollten.

Für die Entführung plante die ETA eine Operation, an der drei Kommandos beteiligt waren. In der Zwischenzeit errichteten sie unter Einbeziehung der Erfahrung der uruguayischen MLN-Tupamaros zwei Entführungs-Verstecke: in einem Laden, den sie in der Nähe des Fußballstadions von Real Madrid erworben hatten, und in einem sicheren Haus in Alcorcón. Mehrere Aktivisten reisten in die spanische Hauptstadt, um an der Vorbereitung teilzunehmen. Iñaki Mujika, "Ezkerra", wurde als Verantwortlicher und Kurier für die Führung bestimmt.

Mendizabals letztes Treffen vor seiner Ermordung im April 1973 in Algorta in einem Hinterhalt der Polizei getötet fand mit Ezkerra statt, der ihm nach seiner Ankunft aus Madrid über den Stand der Vorbereitungen berichtete. Mendizabals Tod war ein harter Schlag für die ETA, die das Entführungs-Projekt wieder aufnahm und es auf den Vorabend des 18. Juli legte, einem Feiertag, an dem die Franquisten den Beginn ihres Regimes mit großem Pomp feierten (Jahrestag des Militärputschs von 1936).

Am 9. Juni 1973 wurde Carrero Blanco vom Regime zum Regierungs-Präsidenten gewählt, während Franco Staatschef blieb. Diese Ernennung brachte die Pläne der ETA durcheinander, es wurde beschlossen, das Entführungs-Projekt abzubrechen. Denn Carreros Bewegungen in Madrid waren nicht mehr wie gewohnt, und wie zu erwarten war, verdoppelte er seine Leibwache. Mit Ausnahme von Argala kehrten die übrigen Aktivisten ins Baskenland zurück. Javier Larreategi, "Atxulo", diente weiterhin als Verbindung.

Tyrannenmord

ogro03Das abgelaufene Jahr war besonders repressiv gewesen. Die Polizeikräfte hatten sieben ETA-Aktivisten und drei Zivilisten bei Straßensperren getötet, ein Gefangener war auf einer Polizeiwache an den Folgen der erlittenen Folter gestorben. Seit 1968, als der Polizei-Kommissar und Gestapo-Kollaborateur Meliton Manzanas bei einem Anschlag getötet wurde, hatte die ETA keine Todesopfer mehr verursacht, mit Ausnahme zweier nicht geplanter Schießereien, bei denen ein Polizist in Galdakao und ein Taxifahrer in Bilbo getötet wurden. Und ihre fast 200 Aktionen seit 1961 fanden in Hego Euskal Herria statt, im südlichen Baskenland (Euskadi und Navarra).

Ende Oktober beschloss die ETA-Führung, eine energische Antwort auf die Repression zu geben, und reaktivierte das Projekt "Operation Menschenfresser", wobei aus der Entführung nun eine Hinrichtung werden sollte. Sie schickte Jesús Zugarramurdi, "Kixkur", als Leiter des Kommandos nach Madrid, der von Atxulo und Argala unterstützt wurde. Als Vorbild für die Operation wählten sie das gescheiterte Attentat von Anarchisten auf den portugiesischen Diktator Oliveira Salazar, über das der Journalist António Araújo in einem Buch geschrieben hatte. Und beim Graben von Tunneln stützten sie sich auf die Erfahrung von Argala.

Am 15. November 1973 mietete das Kommando einen Keller in der Calle Claudio Coello, wo das Auto des Admirals mit seiner Eskorte üblicherweise vorbeifuhr, um an der Messe teilzunehmen. Am 7. Dezember begannen die Bauarbeiten für den Tunnel unter der Straße, der in sechseinhalb Tagen fertiggestellt wurde. Am 13. desselben Monats brachte ein anderes Kommando mit Txomin Iturbe das Dynamit nach Burgos, von dort wurde es in den Madrider Keller gebracht. Der Sprengstoff, der Monate zuvor aus einem Steinbruch in Hernani gestohlen worden war, wurde an den Enden des T-förmigen Tunnels angebracht, und am 17. wurden entsprechende Tests durchgeführt. Die Installation funktionierte.

Verschoben

Am ausgewählten Tag, dem 18. Dezember, wurde die Polizeipräsenz in Madrid erhöht und das Kommando beschloss, die Aktion zu verschieben. Grund dafür war, dass Henry Kissinger, der US-Außenminister, nach Paris gereist war, um sich mit dem nordvietnamesischen Politiker Le Duc Tho zu treffen und die von Washington nicht eingehaltenen Friedens-Vereinbarungen zu Vietnam zu retten. Kissinger nutzte die trans-ozeanische Reise, um sich mit dem Diktator Franco, dem Außenminister López Rodó, dem damaligen Prinzen (und jetzt abgedankten) Juan Carlos Borbón und mit Carrero Blanco zu treffen. Laut der gemeinsamen Mitteilung von Washington und Madrid wurden die Unterstützung Spaniens für NATO-Bewegungen erörtert und die Haltung des Regimes zum Jom-Kippur-Krieg (Ägypten-Syrien-Israel, zu einer Zeit, als Spanien mit den arabischen Ländern verbündet war). Dieser Besuch brach mit der üblichen politischen Routine in der Hauptstadt.

Das Attentat

Am 20. fuhr Carrero wie üblich erneut zum Gottesdienst. Das Kommando zündete mit Hilfe eines Kabels den Sprengsatz im Tunnel und wartete darauf, dass ein weiterer Sprengsatz in einem in zweiter Reihe geparkten Morris-Auto dasselbe tat, damit die Detonationen das Fahrzeug in die Luft sprengen sollte. Stattdessen flog der Dodge des Präsidenten 35 Meter in die Höhe und landete im nebenan liegenden Jesuiten-Altersheim.

Drei Umstände waren dafür ausschlaggebend, dass das Attentat zu einer unerwarteten Inszenierung wurde. Erstens waren die Wände des Tunnels aufgrund der Erfahrungen beim Anschlag auf Salazar mit Erdsäcken verstärkt worden, um eine seitliche Explosion unter der Erde zu vermeiden. Zweitens war das Auto nicht gepanzert, wie die Kommando-Mitglieder angenommen hatten. Und drittens war die Sprengladung angesichts der Vermutung, dass das Dynamit nicht mehr in bestem Zustand war, größer als ursprünglich geplant. Der Sprengstoff gleicher Herkunft und mit der gleichen Befürchtung bezüglich der Qualität wurde Wochen zuvor bei einem Anschlag in Donostia gegen ein Etablissement verdoppelt, seine Kraft sprengte auch das angrenzende Hotel in die Luft, ohne dass es dabei Tote gab.

Die Folgen

ogro04Nach der Explosion ging das Kommando davon aus, dass das Auto den Sprengpunkt unversehrt passiert hatte. Erst über Radiosender erfuhren sie von dem Erfolg ihrer Aktion. Atxulo holte Kixkur und Argala mit einem in einer Nebenstraße geparkten Auto ab. Nachdem sie anschließend das Fahrzeug gewechselt hatten, suchten sie einen Monat lang Zuflucht in einer Sicherheits-Wohnung im Madrider Stadtteil Alcorcón, die erst ein Jahr später von der Polizei entdeckt wurde. Ende Januar reisten sie nach Hondarribia und setzten mit einem kleinen Boot nach Hendaia über. Auf dem Campingplatz von Biarritz, der von dem baskischen Anarchisten Félix Likiniano betrieben wurde, einem Kriegsflüchtling, der das ETA-Symbol mit Axt und Schlange entworfen hatte, organisierten sie ein Wiedersehens-Essen. Der Informant der Tages-Routine Carrero Blancos hatte am Tag vor dem Anschlag seine Heimat Madrid verlassen und war ins Exil gegangen, er kehrte erst 1978 ins Baskenland zurück.

Die Polizei ging zuerst von einer Gasexplosion aus, aber nach einiger Zeit und nachdem der Tod Carreros bestätigt wurde, stellten sie fest, dass es sich um einen “kommunistischen Anschlag“ handelte, da am selben Tag in Madrid ein Prozess gegen führende Vertreter der kommunistischen Gewerkschaft Comisiones Obreras (CCOO) stattfand. Auch gegen die bewaffnete Organisation FRAP gab es Verdachtsmomente. Angesichts dieser Zweifel gab die ETA noch in derselben Nacht ein von Eduardo Moreno "Pertur" verfasstes Kommuniqué heraus, das von Radio Paris ausgestrahlt wurde und in dem ETA die Absichten ihres Ziels klarstellte: "Die Repression hat eindeutig den faschistischen Charakter bewiesen, mit dem das Regime diejenigen verhaftet, eingesperrt, gefoltert und ermordet hat, die für die Freiheit ihres Volkes kämpfen".

ETA bekennt sich

Einige Tage später gaben fünf Personen, die im Namen der ETA auftraten, in der Nähe von Bordeaux eine Pressekonferenz, auf der sie die Verantwortung von ETA bestätigten und als Beweis die Existenz des Fahrzeugs anführten, das nicht explodiert war und mit der Ladung zu einem Polizeidepot gebracht worden war.

Bereits in den Untergrund-Zeitschriften "Zutik" und in "Hautsi" (Aufrecht, Geschlagen) hatte die ETA ihre Autorenschaft bekräftigt. In Hautsi wurde der Grund für die Wahl des Opfers enthüllt: "weil er der zweite Befehlshaber war". Gleichzeitig widersprach ETA der Vorstellung, dass sich das Regime nach Carreros Tod zurückziehen würde: "Das Verschwinden von Carrero Blanco bedeutet nicht, dass der Franquismus und noch weniger das faschistische System in die Krise geraten sind". Im Gegenteil, die USA gingen davon aus, dass der eher liberale General Díaz Alegría der Nachfolger von Carrero sein würde.

Die Realität sah jedoch anders aus. Franco ernannte Arias Navarro zum Präsidenten, einen Vertreter des ultrarechten Sektors, der eine harte Repressionsperiode einleitete, mit Hunderten von Verhaftungen und Folterungen im Baskenland, zahlreichen gerichtlichen und außergerichtlichen Hinrichtungen (Puig Antich, Georg Welzel, Jon Paredes, Angel Otaegi, Ramón García, José Luis Sánchez und Humberto Baena) und verschiedenen tödlichen Schüssen an Straßensperren und Kontrollstellen, darunter die Deutsche Alexandra Leckel im April 1974.

Repression

ogro05Nach dem Anschlag startete die Polizei eine Groß-Razzia, der Dutzende von baskischen Studenten und jungen Männern zum Opfer fielen, die in Madrid ihren Militärdienst leisteten. In der spanischen Hauptstadt tötete die Polizei den 19-jährigen Pedro Barrios, den sie mit Iñaki Mujika Arregi, "Ezkerra" verwechselten. In der offiziellen Mitteilung heißt es, er sei "einer der militärischen Führer der ETA", der bei der Explosion verletzt worden sei. Sechs Jahre später wurde die Mutter des Opfers durch ein Urteil entschädigt, in dem der Staat verurteilt wurde. In Baiona, Hendaia und Donibane Lohizune (Saint Jean de Luz) wurden Dutzende von Flüchtlingen verhaftet und unter Wohnarrest gestellt. Einige wurden inhaftiert.

Im Mai 1974 enthüllte die ETA in der Zeitschrift "Zutik" 64 einige Details des Tyrannenmordes, einschließlich gezielter Fehlinformation. Viele dieser Informationen wurden einen Monat später in einem unter dem Pseudonym Julen Agirre und später von Eva Forest herausgegebenen Buch mit dem Titel "Operación Ogro" zusammengefasst. Das in Spanien und Frankreich verbotene Buch fand eine spektakuläre Verbreitung und wurde in kurzer Zeit von großen Verlagen in mehreren Sprachen veröffentlicht. Die Fehlinformationen im Buch wurden Argala zugeschrieben, der bereits im Keller der Claudio Coello Straße falsche Hinweise hinterlassen hatte. So zum Beispiel die Behauptung von Atxulo, er habe bei der Vorbereitung der Operation in Madrid einen Schulfreund getroffen, den er nicht zu kennen behauptete. In Wirklichkeit war dies Javier Salutregi, späterer Redakteur der baskischen linken Tageszeitung "Egin", den er erkannte und mit dem er sich mehrmals traf, ohne dass der Journalist von seinen Absichten wusste. Nach dem Anschlag flüchteten Salutregi und seine Partnerin Maite Collado in den baskischen Küstenort Ea, wo sie eine Woche später verhaftet wurden, um mehrere Monate in den Gefängnissen Carabanchel und Yeserías inhaftiert zu werden.

Am 6. April 1974 veröffentlichte der Boletín Oficial del Estado (Amtsblatt der Franquisten) die Vorladungen der ersten Angeklagten, 17 Personen, von denen 14 zu diesem Zeitpunkt auf der Flucht waren. Einige von ihnen, wie José Félix Azurmendi und Josu Urrutikoetxea, waren nicht an der Ausarbeitung des Projekts beteiligt. Die Untersuchung wurde am 29. Januar 1975 abgeschlossen. Als die Militärgerichtsbarkeit den Fall ein Jahr später übernahm, wurden weitere 11 Angeklagte in die Liste der Beschuldigten aufgenommen. Zu einem Prozess kam es nicht, da das postfranquistische Amnestie-Gesetz von 1977 den Fall beendete.

Außerjuristische Rache

Doch der Schatten des Staates war lang. Und die Grundlage der paramilitärischen Aktivitäten war genau die des Verfahrens mit dem Aktenzeichen 142/73 und der entsprechenden Anklageschrift 3/1977. Von den Angeklagten wurden José Miguel Beñaran (Argala) und Tomás Pérez Revilla bei tödlichen Anschlägen ermordet. Jesús Zugarramurdi erlitt schwere Verletzungen bei einem Angriff, bei dem sein Kollege Rafa Goikoetxea starb. Josu Urrutikoetxa und Txomin Iturbe entkamen unverletzt, während der Zivilist Segundo Marey in der Annahme entführt wurde, er sei José Miguel Lujua, ein ETA-Aktivist. Das Haus der Familie von Iñaki Mujika wurde in Brand gesteckt. Ohne in der Anklageschrift aufzutauchen, wurde “Pertur“, der Autor des Bekenntnisschreibens und der Texte von "Zutik" und "Hautsi", entführt und wird bis heute noch immer vermisst. Jokin Apalategi, der die Journalisten bei der Pressekonferenz der Verantwortlichen versammelte, wurde von den GAL-Todesschwadronen angegriffen. José Manuel Pagoaga, "Peixoto", der die früheren Kontakte von Txikia weiterführte, wurde bei einem Angriff der GAL-Paramilitärs schwer verletzt.

Der Film "Operation Ogro" von Gillo Pontecorvo, der den Anschlag, die Explosion und der Flug des Präsidenten-Fahrzeugs detailliert rekonstruierte, trug zur Legendenbildung bei. Dem kolumbianischen Schriftsteller Gabriel García Márquez wurde das Ende seines Buches "Der Herbst des Patriarchen" verdorben, es lag im Entwurf vor, ähnelt jedoch der "Operation Menschenfresser" zu stark. Er bat um ein Treffen mit ETA in Paris, bei dem er letztendlich nicht erschien. Im Baskenland wurde "Yup lala", das Lied von Etxamendi und Larralde, zum Symbol für eine ganze Generation.

Literatur

“Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit das Txikia-Kommando der ETA den Tyrannenmord an Francos Ministerpräsidenten, Admiral Luis Carrero Blanco, verübte. Das Attentat hatte außergewöhnliche Auswirkungen, sowohl in Bezug auf die Ausführung als auch auf die Figur des Opfers. Jahrzehntelang wurden die Einzelheiten der Vorbereitung des Attentats und dem Tod von Francos designiertem Nachfolger dem Buch "Operation Menschenfresser" zugeordnet, das die Autoren Monate später schrieben.“ So lautet die Vorstellung des gleichnamigen Buches, das der baskische Historiker Iñaki Egaña wenige Wochen vor dem 50. Jahrestag des historischen Anschlags vorlegte, mit dem Untertitel “Tatsachen und die Konstruktion eines Mythos“, erschienen bei Txalaparta (Originaltiel: Operación Ogro. Hechos y construcción del mito).

“Jetzt, 50 Jahre später, erlauben uns neue Enthüllungen, den Tyrannenmord zu rekonstruieren und Fragen zu klären, die damals aus offensichtlichen Gründen verschwiegen wurden. Dieses Buch befasst sich mit der Aufarbeitung der Geschichte dieses Ereignisses und seiner Verwandlung in einen historischen Mythos. Fünfzig Jahre nach seinem Tod wird Carrero, obwohl eine der wichtigsten Figuren der faschistischen Diktatur, immer noch geschätzt, seine Kritiker werden verunglimpft. Er war nicht irgendwer, er verkörperte das Wesen des Regimes.“

ANMERKUNGEN:

(1) “Carrero Blanco: 50 años del tiranicidio” (Carrero Blanco: 50 Jahre nach dem Tyrannenmord), Tageszeitung Gara, 2023-12-20 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Carrero-Attentat (gara)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2023-12-22)

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