venta11Umwelt-Bewegung formiert sich

Bizkaia befindet sich in einer kritischen Phase. In den letzten Jahren gab es eine wahre Lawine von Genehmigungs-Anträgen für den Bau von Straßen- und Eisenbahn-Infrastrukturen, von umweltschädlichen Unternehmen, berühmten Museen, Windparks, Photovoltaik-Anlagen und anderen. Vorangetrieben werden diese teilweisen gigantischen Projekte von der baskischen Regierung und der Provinzial-Verwaltung Bizkaias, allen voran ein zweites Guggenheim-Museum, diverse Windanlagen und eine Fluss-Untertunnelung.

Gegen gigantomanische anti-ökologische Großprojekte in der baskischen Provinz Bizkaia, die die Lebensgrundlagen in Frage stellt und eine öffentliche Verschuldung auf Jahrzehnte bedeutet, formiert sich derzeit eine breite Umwelt-Bewegung

Die fraglichen Bau-Projekte sind praktisch über die gesamte Provinz Bizkaia verstreut und betreffen Gebiete wie Meatzaldea, Enkarterri, Ezkerraldea, Bilbo, Duranguesado, Uribe Kosta, Busturialdea-Urdaibai, Arratia, Deba und Lea-Artibai. Einige dieser Projekte erstrecken sich auch auf die baskische Nachbarprovinz Araba und berühren Gebiete wie Aiaraldea.

venta22Umstrittenstes Projekt in der Westprovinz ist ein doppeltes Guggenheim-Museum, dass mitten im Biosphären-Reservat Urdaibai bei Gernika gebaut werden soll, um dem Guggenheim-Hype die Krone aufzusetzen. Geplant ist, mit einem Laufsteg quer durch das Feuchtgebiet zwei Museums-Standorte miteinander zu verbinden, eines in Gernika in einer ehemaligen Fabrik, das zweite in einer Werft, die aufgekauft und geräumt werden soll. Für das bekannte Vogelschutz-Gebiet wären die angelockten Massen der Todesstoß. Obwohl es noch keine offizielle Genehmigungen gibt und ökologische Studien den Verzicht auf das Projekt empfehlen, wurde kürzlich bereits mit dem Abriss des Fabrikgebäudes begonnen. Just zum Fest der Amtseinführung des neuen Ministerpräsidenten in Gernika, der sich als bisher führender Verwaltungs-Angestellter einen Namen gemacht hat als Antreiber des Projekts.

Zweites Großprojekt ist ein Verkehrstunnel an der Nervion-Flussmündung, mit dem die Städte Getxo und Portugalete aufwändig miteinander verbunden werden sollen, um die historische Bizkaia-Hängebrücke (Colgante) zu entlasten. Dazu kommt – in allen baskischen Provinzen – eine ganze Serie von Plänen, die Berge mit Windrad-Anlagen zu bestücken. Bislang wurden diese ökologischen Streitpunkte meist lokal abgehandelt, es gab wenig Bemühungen, die Widerstands-Initiativen miteinander zu verbinden. Für die Plattform gegen ein Guggenheim in Urdaibai kam die Amtseinführung insofern ganz gelegen, um mit einem breit unterstützten Manifest auf den Museums-Konflikt hinzuweisen. Gleichzeitig wurden bei einer gemeinsamen Demonstration verschiedener Gruppen in Bilbao die übrigen Streitpunkte zum Thema gemacht.

Manifest

Viele dieser Infrastrukturen, so ist im Manifest zu lesen, wurden zum Nutzen privater Investoren entworfen, die wiederum von großen Investment-Fonds und multinationalen Unternehmen unterstützt werden. Sie werden einen großen Teil des Bizkaia-Territoriums beanspruchen, und sie werden Natur- und Lebensräume von großem ökologischen, landschaftlichen, historischen und kulturellen Wert unwiderruflich beeinträchtigen und zerstören. Gleichzeitig werden diese Projekte land- und viehwirtschaftliche Gebiete, die für die Sicherung der Nahrungsmittel-Produktion unerlässlich sind, ihrer bisherigen Funktion entreißen. Einige davon werden mit Sicherheit auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. (1)

Die meisten dieser Bauprojekte zielen darauf ab, Milliarden von Euro aus dem europäischen "Next Generation"-Fonds einzusacken, und gleichzeitig die öffentliche Hand zu verschulden, womit die Rechte zukünftiger Generationen beeinflusst und konditioniert werden. “Bizkaia ist unsere Heimat, auf diesem Gebiet basiert unsere Zukunft, unser Erbe. Es ist ein wesentlicher Bestandteil unserer kollektiven Identität. Und wir vergessen auch nicht, dass es der wesentliche Rahmen für die vielfältigen wirtschaftlichen Aktivitäten ist, die unsere Zukunft garantieren.“

venta33“Wir alle, die wir heute hier sind, sind uns seiner Kraft als Territorium, aber auch seiner Verletzlichkeit bewusst. Deshalb müssen wir lernen, unsere Umgebung zu schätzen und zu schützen. Obwohl neue Arten der Nutzung in diesem Gebiet entstehen werden und müssen, sollten wir immer versuchen, unserer Verpflichtung nachzukommen, die Qualität dieses Gebietes zu erhalten. Die politische Entscheidung, Bizkaia in ein Gebiet an der wirtschaftlichen Spitze Europas zu verwandeln, ist eine Art von Flucht nach vorn. Eine solche Entscheidung zielt darauf, ein unmögliches und unsinniges Wirtschafts-Wachstum in einer Welt der endlichen Ressourcen zu erlangen. Dies bedeutet die Fortsetzung der derzeitigen anti-ökologischen und umweltzerstörenden Lebensweise. Dieses Entwicklungs-Modell ist nichts anderes als eine Fortsetzung des Raubbaus, dem diese Provinz seit dem letzten Jahrhundert unterworfen ist.“

Gegen kapitalistische Wachstums-Ideologie

Die unterzeichnenden Nachbarschafts- und Umwelt-Gruppen halten es für dringend notwendig, dieser Situation und seiner beabsichtigten Fortsetzung Einhalt zu gebieten: “Wir können nicht weiterhin eine Wirtschaftspolitik zulassen, die ihre ökologischen und sozialen Konsequenzen nicht berücksichtigt. Wir müssen uns vielmehr für eine wirtschaftliche Entwicklung einsetzen, deren Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie irgend möglich ist. Eine Entwicklung, die auf die Befriedigung der kollektiven Bedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtet ist und nicht auf die Anforderungen einer Handvoll Unternehmen. Aus diesem Grund haben wir heute hier demonstriert. Wir demonstrieren für die ökologische Zukunft von Bizkaia.“

Im Manifest, das anlässlich der Mobilisierungen in Gernika publiziert wurde, werden die verantwortlichen Politiker*innen und Verwaltungen des Provinz-Regierungen aufgefordert, die Bedürfnisse und Notwendigkeiten der ansässigen Bevölkerung nicht zu vergessen, und sich immer vor Augen halten, dass es sich um eine Lebenswelt handelt und nicht um ein Spekulationsobjekt. Aus diesem Grund sollten wirtschaftliche Kriterien und die Interessen von Großunternehmen auf keinen Fall über die Interessen der Bevölkerung in Bizkaia und speziell im Urdaibai-Gebiet gestellt werden.

“Unsere Gesundheit, unser Recht auf eine unzerstörte Umwelt, unsere Lebensqualität müssen über allen anderen Interessen stehen. Deshalb fordern wir ein Ende der Spekulation und des Raubbaus an unserem Land. Wir fordern den Respekt vor unserem natürlichen und kulturellen Erbe. Und wir fordern Respekt für unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Noch ist Zeit, diese unsinnigen Pläne, diesen Wahnsinn, diesen Unsinn zu stoppen.“

venta44Die lange Liste der Unterzeichner-Gruppen weist darauf hin, dass es nicht allein um das wahnwitzige Museums-Projekt im Urdaibai-Gebiet geht, sondern auch um viele andere schädlichen Projekte, die nicht nur Unternehmen nützen, sondern auch und vor allem der Bau-Industrie, die mit solchen Bauvorhaben Millionen und Milliarden verdient. Zu hoffen ist, dass diese Liste ein Zeichen dafür sein möge, den Kampf für eine lebenswerte Umwelt nicht nur auf lokaler eben gegen lokal Bedrohungen zu führen, sondern einen Zusammenhang zu sehen, so wie es auch die neoliberalen Verwaltungen und politischen Vertretungen praktizieren. Im besten Fall der Beginn einer neuen Ökologie-Bewegung in Bizkaia und im Baskenland.

“Wir werden für ein Bizkaia kämpfen, das uns die vergangenen Generationen, unsere Großmütter und Großväter, hinterlassen haben, damit künftige Generationen, unsere Töchter, Söhne, Enkelinnen und Enkel es erben und darin leben können. Niemand soll vergessen, dass Bizkaia den Menschen gehört ... und wir haben nicht die Absicht, unsere Zukunft zu verkaufen. Bizkaia ez dago salgai! Bizkaia steht nicht zum Verkauf!“

Aufrufer*innen

Der Aufruf für die Demonstration in Gernika stammt von der “Plattform Stopp der Umgehungs-Straße Las Karreras“ (Plataforma Stop Variante Las Karreras). Demonstration und Manifest wurden unterstützt von:

Anticoke (gegen eine neue Anlage in der Petronor-Rafinerie in Muskiz). Artea Herriko Benta. Barakaldo Naturala. Bere Ahotsa. Butroi. Eguzki (während des Kampfes gegen das AKW Lemoiz entstandene baskische Umweltschutz-Organisation). Eguzkiola Kultura Elkarte. Ekologistak Martxan (baskischer Zweig einer auf spanischer Ebene arbeitenden Umweltschutz-Organisation). Elkarterri Bizirik Elkartea (Bizkaia-Landkreis Enkarterri- Encartaciones). Enkarterrin Makroeolikorik Ez (gegen Windkraft-Anlagen im Landkreis Enkarterri-Encartaciones). Ezkerralde Antifaxista. Friday for Future. Guggenheim Urdaibai Stop (Initiative zur Verhinderung der Urdaibai-Zweigstelle des Guggenheim-Museums). Haria. Jausi Ekosoziala (Initiative für Öko-soziale Wirtschaft). Kima Berdea. Lurraren Defentsan EH Bizirik. Makatxak Arratiako Ekologistak. Meatzaldea Bizirik. Mendietan Ez. Mendietan Ez Barakaldo. Sader Ez Ortuella. Sader Profesa. Serantes Salba Dezagun. SOS Gaztelugatxe (Gruppe zur Verteidigung der Kapellen-Insel nahe Bermeo gegen Massentourismus). Stop Tala Deusto (gegen das Fällen der alten Bäume inm Bilbo-Stadtteil Deustu). Subflubiala Ez (gegen die Fluss-Unterführung von Getxo nach Portugalete). Sukar Horia.

ANMERKUNGEN:

(1) Manifest ökologischer Gruppen in Bizkaia gegen große Bauprojekte, anlässlich einer Demonstration zum Amtsantritt des neuen Ministerpräsidenten Pradales in der Region Baskenland. 2024-06-22

ABBILDUNGEN:

(*) Ökologie-Mobilisierungen Bizkaia

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-06-22)

Für den Betrieb unserer Webseite benutzen wir Cookies. Wenn Sie unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies. Mehr Information