Asturien und Baskenland
Der Mazucu-Berg liegt 168 Kilometer von der baskischen Westgrenze entfernt in der Region Asturien. Jedes Jahr im September machen sich antifaschistische Unentwegte aus Bilbao auf, um am Mazucu an einer Gedenk-Veranstaltung teilzunehmen. Denn vor fast 90 Jahren fanden während des Spanienkriegs am Mazucu-Berg entscheidende Schlachten statt, die durch die militärische Überlegenheit der nazi-deutschen Flugstaffel Legion Condor entschieden wurden. Baskische und asturische Soldaten verloren dort ihr Leben.
Während des Spanienkriegs und in den ersten Septembertagen 1937 führte die Offensive der aufständischen Faschisten gegen Asturien zum Verschwinden der Nordfront, die bis dahin von republik-treuen Kräften kontrolliert wurden. Die zwei Wochen andauernden Gefechte von El Mazuco fand in diesem Zusammenhang statt.
Baskischer Rückzug
Die Schlachten von Mazucu haben eine baskische Vorgeschichte. Am 19. Juni fiel Bilbao in die Hände der Faschisten, die baskischen Truppen zogen sich nach westen zurück. In Santoña (nahe Santander) verhandelte ein Teil der Basken (die Bataillone der PNV) eine falsche Kapitulation, die übrigen zogen am 25. August 1937 weiter, um Asturien zu verteidigen, dem letzten Gebiet in Nordspanien, das der Regierung der Zweiten Spanischen Republik treu geblieben war. Am selben 25. August wurde in Xixon (spanisch: Gijón) der Souveräne Rat von Asturien und León gegründet, der die Autonomie der asturischen Region gegenüber dem Rest der republikanischen Zone festlegte.
Der Rat verfügte über knapp 5.000 Soldaten und waren zahlenmäßig den Truppen der aufständischen unterlegen. Es fehlte Munition und angemessener Bewaffnung, Luftschutz gab es so gut wie nicht. Das von ihnen kontrollierte Gebiet beschränkte sich auf zerklüftetes und unwegsames Gelände zwischen dem Kantabrischen Gebirge und dem Meer, das natürlichen Schutz bot.
Die Schlacht
Ab dem 1. September 1937 stießen die Aufständischen von ihren Stellungen in Santander aus nach Westen vor und überquerten die Bergpässe der Picos de Europa, um nach Asturien vorzudringen. Die Schlacht von El Mazuco begann am 5. September 1937, als die Faschisten versuchten, über den El Mazuco-Pass vorzudringen (südlich der Küstenstadt Llanes). Dieser Pass war der Zugang zum zentralen Teil Asturiens. Nach der Eroberung von Llanes wurden die Aufständischen trotz einer Übermacht von 33.000 Mann von den 5.000 republikanischen Soldaten aufgehalten. Die folgende Schlacht war eine der blutigsten des Krieges.
Die anfänglichen Angriffe der franquistischen Luftwaffe, vornehmlich der nazi-deutschen Legion Condor war wenig effektiv; die Condor-Flugzeuge griffen von Anfang an ein, um die republikanischen Verteidigungsanlagen so schnell wie möglich zu zerstören, und legten “Bombenteppiche“ gegen militärische Ziele, wahrscheinlich das erste Mal war, dass diese Strategie gegen eingesetzt wurde. Die republikanischen Truppen hielten vorläufig stand, wurden aber bis zum 20. September zermürbt und besiegt.
Mazucu-Gedenken
Die Gedenk-Veranstaltung am Mazucu-Berg ist eine Hommage an die Asturier und Basken, die in der Schlacht im Osten Asturiens gekämpft haben. Als der Faschismus begann, die Welt zu verwüsten, war Spanien ein Laboratorium für das, was später in anderen Ländern geschehen sollte. Bei den Kämpfen im Osten Asturiens besiegte der Faschismus mit Hilfe der Legion Condor Luftwaffe der Nazis tausende von Basken und Asturiern, die bis zum Ende Widerstand leisteten. (1)
In jener Schlacht vom 5. Bis zum 20. September 1937 war El Mazucu ein Ort des entschiedenen Widerstands, angeführt von Anarchisten, baskischen Gudaris (Soldaten), Sozialisten, Kommunisten und republikanischen Kräften im Allgemeinen. Sie alle stellten sich dem Faschismus entgegen, damit Asturien nicht das Schicksal erleiden sollte, der später das Leben von vielen zerstörte, die sich voller Hoffnung für die damalige Republik eingesetzt hatten.
Seit 18 Jahren (2006) machen der Asturische Verband der Erinnerung und der Republik (FAMYR) und die baskische Erinnerungs-Organisation Ahaztuak 1936-1937 zusammen mit anderen Gruppen und Einzelpersonen jeden September diesen Ort zu einem Treffpunkt für die verschiedenen Ausdrucksformen des antifaschistischen Gedenkens. Ein Treffen gegen das Vergessen, das sich auf die Überwindung des franquistischen Modells der Straflosigkeit konzentriert, das in der Phase des Übergangs zwischen Diktatur und Demokratie bestätigt wurde, nicht zuletzt mit dem Ziel, die Kräfte zu bündeln, um die von der Diktatur aufgezwungene Monarchie abzuschaffen.
Dieses Unternehmen war nicht einfach, denn Jahr für Jahr wurden die Gedenktafeln, die dort aufgestellt waren, durch faschistische Angriffe geschändet. Die Täter sind allen bekannt, aber keine Behörde hat je geeignete Maßnahmen ergriffen, um die Zerstörungen zu verhindern und die Schuldigen zu bestrafen. Trotz allem kehren Jahr für Jahr immer mehr Menschen an diesen Ort zurück, der für viele zu einem Bezugspunkt für den gemeinsamen Kampf für mehr Demokratie und mehr Freiheit geworden ist.
Am Mazucu beginnt jedes Jahr der Herbst politischer Aktivitäten für ein konsequentes und republikanisches Gedenken, in einer festlichen, pluralistischen und emotionalen Atmosphäre, um sich den Herausforderungen zu stellen, die bei der Verteidigung einer wirklichen Demokratie immer schwieriger werden. Darüber hinaus werden jedes Jahr die “María Jesús Suarez Rabanillo“-Preise für republikanische Werte verliehen, an Gruppen und Einzelpersonen, die sich durch ihren Kampf für die Freiheiten, den Republikanismus und den Antifaschismus hervorgetan haben – benannt nach einer verstorbenen Genossin, die eine der treibenden Kräfte hinter der Gedenk-Veranstaltung.
Mehrere Dutzend Menschen, Kommunist*innen, Anarchist*innen, Sozialist*innen versammelten sich am vergangenen Samstag, dem 21. September 2024, um diesen Tag zu begehen, der in der Zwischenzeit zu einer antifaschistischen Referenz in Asturien geworden ist. Die Verdienst-Preise wurden dieses Jahr verliehen an:
Die sechs von la Suiza
Sechs Personen wurden zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, zwei Jahre wegen angeblicher Behinderung der Justiz und 18 Monate wegen Nötigung. Darunter die Arbeiterin, die ihre Situation in der Konditerei La Suiza angeprangert hatte. Sechs Arbeitnehmer*innen, die in diesem Land wegen ihrer gewerkschaftlicher Betätigung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurden. Es handelt sich um den “Fall La Suiza“ und um ein halbes Dutzend Mitglieder der anarcho-syndikalistischen CNT, die nach einem von Unregelmäßigkeiten geprägten Prozess ins Gefängnis geholt werden könnten. Die Justiz, in erster Instanz vertreten durch einen Richter und später durch das Provinzgericht von Asturien, zeigte ihr Klassen- und gewerkschafts-feindliches Gesicht mit skandalösen Urteilen, die Streikposten und Arbeiter-Kundgebungen vor den Türen eines Privatunternehmens als Nötigung und Drohgebärden interpretierten.
Aida García Zapico, 89 Jahre alt
Aida ist eine Aktivistin der Kommunistischen Partei Spanines (PCE) und der Gewerkschaft Comisiones Obreras (CCOO), mit einer langen Geschichte von Kampf und Engagement. Aida wurde in Pozobal, Langreo, geboren und stammt aus einer linken Familie, die schon immer von ihrer politischen Orientierung geprägt war. Sie ist als “Aida la del Mapa“ bekannt, benannt nach dem Unternehmen, in dem sie als Gewerkschafts-Delegierte im Bereich Handel für die CCOO im Untergrund arbeitete. Damals war sie eine der Personen, die die ersten Handels-Tarife aushandelten. Als Parteikämpferin stand sie auf der Liste für die erste Legislaturperiode nach der Diktatur im Stadtrat von Langreo. Aida ist eine jener Frauen, die bis heute unverzichtbar sind.
Itziar Ituño
Sie mag Rot und Lila, sie mag Musik, sie tanzt und singt und sie liebt Katzen. “Ich wurde von berufstätigen Eltern aufgezogen und erzogen. Sie kennen mich vielleicht als Schauspielerin, aber ich bin auch viele andere Dinge“, sagt sie über sich selbst. Hinzugefügt werden muss, dass zu diesen “anderen Dingen“ auch das Engagement und die Bereitschaft gehören, sich für verschiedene Anliegen und soziale Kämpfe einzusetzen, darunter die Verteidigung der baskischen Sprache, die Verteidigung der Rechte baskischer politischer Gefangener, die Unterstützung des palästinensischen Widerstands, und selbstverständlich auch die Unterstützung des Kampfes für die antifaschistische Erinnerung. Was dazu geführt hat, dass sie immer wieder von reaktionären Medien angegriffen wurde und sogar Versuche unternommen wurden, sie aus ihrem Schauspiel-Beruf zu kicken und ihr die Arbeit, ihren Lebensunterhalt unmöglich zu machen. Was im Baskenland jedoch nicht gelungen ist. Und was Itziar nicht davon abgehalten hat, öffentlich ihre Solidarität mit jenen Anliegen zu bekunden, die sie für gerecht hält.
Samidoun
Diese Organisation ist ein solidarisches Netzwerk für Palästinensische Politische Gefangene, ein internationales Netz von Organisationen und Aktivist*innen, die sich für die Solidarität mit palästinensischen Gefangenen in ihrem Kampf um Freiheit einsetzen. Samidoun entstand aus dem Hungerstreik palästinensischer Gefangener in israelischen Gefängnissen im September-Oktober 2011 und aus der Notwendigkeit einer Struktur zur Unterstützung palästinensischer Gefangener. “Wir arbeiten daran, das Bewusstsein für palästinensische politische Gefangene, ihre Bedingungen, ihre Forderungen und ihren Kampf für ihre Freiheit, für ihre Mitgefangenen und ihr Heimatland zu schärfen und Ressourcen bereitzustellen. Außerdem organisieren wir Kampagnen, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Samidoun organisiert Veranstaltungen, Aktivitäten, Delegationen, Forschung, tritt für Informations-Austausch ein und baut Brücken zur Gefangenen-Bewegung in Palästina. Die Stimmen palästinensischer Gefangener, ehemaliger Gefangener, von Angehörigen und Unterstützer*innen von Gerechtigkeit und Menschenrechten sollen durch die Übersetzung, Austausch und die Verbreitung von palästinensischen Nachrichten, Interviews und Materialien verstärkt werden.“
“Mazucu ist antifaschistische Erinnerung, wie viele von uns sie verstehen. Sie wurde zunehmend zu einem kollektiven Instrument, um aus der Vergangenheit zu lernen, die Gegenwart zu verändern und die Zukunft zu gewinnen. Wir werden in diesem Jahr auf diesem Weg weiter voranschreiten, mit drei kurzfristigen Zielen: die Beibehaltung des asturischen Erinnerungs-Gesetzes; alle Organisationen des demokratischen Gedächtnisses und des Republikanismus in einem gemeinsamen kollektiven Rahmen zusammenzubringen; und mit einem klaren mittelfristigen Ziel: den republikanischen Kampf in eine Referenz zu verwandeln, um die Kämpfe für eine bessere und demokratischere Welt zusammen zu bringen. In einer politischen Zukunft, die per Definition keine Monarchie sein kann."
El Mazucu ist gestern, Mazucu ist heute, Mazucu ist morgen.
ANMERKUNGEN:
(1) “El Mazucu: Símbolo de libertad y del antifascismo” (Mazucu: Symbol von Freiheit und Antifaschismus). Zeitung Mundo Obrero, Autor: Alejandro López, Sekretär des kommunistischen Zelle von Llangreu und Juan Cigarría, Vertreter von FAMYR Asturien und Mitglied der spanischen KP. 2024-09-24 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Mazucu 2024 (mundo obrero)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-09-25)
