(*) Thinking Football
Pionerinnen, Dalglish, Maradona

Das „Thinking Football“ Film Festival der Stiftung Athletic Club dreht sich um Fußball. Seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2013 hat das Festival zunehmend an Ansehen gewonnen und sich zu einem der weltweit bedeutendsten Fußball-Film-Festivals entwickelt. Die vierzehnte Ausgabe des Festivals findet vom 9. bis zum 14. November 2026 statt und umfasst insgesamt zehn Filme, darunter neun Spielfilme und einen Kurzfilm. Das Vermächtnis von Kenny Dalglish – das Highlight des Filmfestivals des Athletic.

Ein Film über den legendären Liverpooler Stürmer Kenny Dalglish, der sich mit der sozialen Kraft des schottischen Fußballs auseinandersetzt, ist das Highlight der 14. Ausgabe des „Thinking Football Film Festival“ (9. bis 14. November in Bilbao).

Wie gewohnt setzen sich die Filme des Festivals mit menschlichen Geschichten in der Welt des Fußballs auseinander. Der Kicksport dient dabei als roter Faden, der verschiedene Welten miteinander verbindet, mit dem Ziel, diese zu erklären und sie unter den Gesichtspunkten von Inklusion, Erinnerung, Identität und Gemeinschaft zu verstehen. „Wir haben viele Denkweisen verändert“, freute sich Galder Reguera von der Athletic-Stiftung, der gemeinsam mit Johana Ruiz-Olabuenaga, Leiterin des Sozialbereichs, das Programm vorstellte und sich über das Wachstum eines Projekts beglückwünschte, das sich nach Angaben der Organisatoren zu einer „weltweiten Referenz“ entwickelt hat.

Im Gegensatz zu den ersten Jahren, als lange gesucht werden musste, um Filme zu finden, die zum Charakter und zum Zweck des Festivals passten, ist Thinking Football nun an einem Punkt angelangt, an dem eine qualitative Auswahl aus dem gesamten eingereichten Material getroffen werden muss, um in fünf Vorführtage zu passen. Fünf Tage in diesem Jahr, weil am 11. November im spanischen Staat und im Baskenland wegen des Wohnungs-Notstands ein Generalstreik ausgerufen wurde. Daher werden die Filme am 9., 10., 12., 13. und 14. November gezeigt. Laut Athletic-Stiftung soll das Festival „unsere Art, den Fußball und auch den Verein zu verstehen, widerspiegeln. Denn Fußball ist Kultur, Inklusion und ein mächtiges Instrument des sozialen Wandels. Wir wollen Räume für Reflexion, Dialog und kritisches Denken schaffen.“ Daher verkörpern die ausgewählten Filme Werte, die über den Fußballplatz hinausgehen und in das Leben selbst vordringen, wo Geschichten entstehen, die es verdienen, erzählt und gehört zu werden.

Eine davon handelt von Kenny Dalglish, der Legende von Liverpool, Celtic und des Weltfußballs. Er spielte 13 Spielzeiten lang bei den „Reds“, zwischen 1977 und 1990 – eine Zeit, in der er drei Europapokale und acht Meisterschaften gewann, die zu den 35 Titeln gehören, die in seinen Vitrinen stehen. Der legendäre 75-jährige Stürmer leidet an Krebs und kann daher nicht in Bilbao sein. An seiner Stelle werden Teamkollegen und Freunde erscheinen. Über die enorme fußballerische Bedeutung des schottischen Stürmers hinaus beleuchtet der Film auch andere Facetten seines Lebens. „Vor Jahren haben wir einen Film namens ‚Kenny‘ gezeigt, der zudem das Festival gewann. Warum bringen wir erneut eine Geschichte über Dalglish? Weil er perfekt zeigt, was eine Legende bewirken kann, wenn sie sich ihrer transformativen Kraft und ihrer Verbundenheit mit der Gesellschaft bewusst wird“, erklärte Reguera, der zudem die Rolle des Oscar-prämierten Regisseurs Asif Kapadia hervorhob, der Werke wie „Amy“ (Winehouse), „Senna“ und „Diego Maradona“ geschaffen hat – ein Film, der ebenfalls gezeigt wird.

„Die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen“

Dalglish war Trainer von Liverpool, als sich die Tragödie von Hillsborough ereignete – 97 Menschen starben, als sie gegen die Absperrungen gedrückt wurden. Und er war Trainer, als 35 Fans im Brüsseler Heysel-Stadion aufgrund einer Massenpanik ums Leben kamen. „Da hatte er zwei Möglichkeiten: sich abzuschotten, als ginge ihn das nichts an, oder eine aktive Rolle zu übernehmen“, überlegt Reguera. „Kenny Dalglishs Rolle, vor allem bei der Tragödie von Hillsborough, bestand darin, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, damit den bei jenem Finale ums Leben gekommenen Fans Gerechtigkeit widerfuhr und deutlich wurde, dass nicht die ‚Hooligans‘ das verursacht hatten, sondern andere Faktoren.“

Der Film über die schottische Legende wird den Auftakt des Festivals bilden, gefolgt von „The Club That George Built“, der bereits zuvor gezeigt wurde. Er erzählt die Geschichte eines Jungen, der die Entschädigung aus dem Unfall, der ihn an den Rollstuhl fesselte, nutzte, um den Verein seines Lebens vor dem Ruin zu retten. Der Film wurde in das Bildungsprojekt von Athletic aufgenommen. Anschließend stehen „Diego Maradona“ und „The Last Guest of the Holloway Motel“ auf dem Programm, eine bewegende Geschichte über Identität, Geheimnisse und Versöhnung, die den Spuren von Tony Powell folgt, einem ehemaligen Nachwuchstalent von Norwich, das jahrzehntelang verschollen war. Eines Tages wurde er in einem Motel in den Vereinigten Staaten aufgespürt, wo er in einer tiefen Depression steckte. Er war verheiratet, aber homosexuell, und verlor eines Tages seinen Partner, was seine psychische Gesundheit stark beeinträchtigte.

Das Festival setzt sich fort mit einer unglaublichen Geschichte über Tony Cascarino, einen ehemaligen irischen Nationalspieler, der auf der Suche nach seinen Wurzeln herausfand, dass seine Mutter in Wirklichkeit nicht seine leibliche Mutter war. Außerdem werden „Beacon of Hope: The Grenfell Athletic Story“, „El partido“ – der das Spiel zwischen England und Argentinien bei der Weltmeisterschaft 1986 erzählt –, „Shooting for Socrates“ und „Pioneras“ zu sehen sein, wobei letzterer den Abschluss des Festivals bildet. Der Film erzählt die Geschichte der Frauen, die sich Anfang der 1970er Jahre den gesellschaftlichen Normen in Spanien widersetzten, um sich in einer den Männern vorbehaltenen Sportart einen Weg zu bahnen. Der Eintritt ist kostenlos und die Eintrittskarten können über die Websites des Athletic und der Sala BBK heruntergeladen werden. (1)

(*) Thinking Football

PROGRAMM

Kenny Dalglish

„Kenny Dalglish“ ist ein intimes und bewegendes Porträt einer der größten Legenden der Fußballgeschichte. Unter der Regie von Asif Kapadia zeichnet der Dokumentarfilm das Leben und die Karriere von Kenny Dalglish anhand seiner eigenen Worte und außergewöhnlichen, bisher unveröffentlichten audiovisuellen Archivmaterialien nach. Von seinen Anfängen in Glasgow über seine goldene Ära in Liverpool bis hin zu seiner Schlüsselrolle in den schwierigsten Jahren des Vereins zeigt der Film nicht nur den erfolgreichen Fußballer und Trainer, sondern auch den Menschen, der zu einem Symbol für eine ganze Stadt wurde. Über den Sport hinaus ist es eine Geschichte über Führung, Gemeinschaft, Widerstandsfähigkeit und Vermächtnis. (Kenny Dalglish: 9. November / 19:00 – 21:00 Uhr. Regie: Asif Kapadia. Großbritannien, 2026. 104 Min.) (2)

The Club That George Built

Nach einem Unfall, der sein Leben auf den Kopf stellte, findet George Dowell seine Berufung darin, den Verein und die Mannschaft seiner Kindheit, den Worthing FC, neu zu gestalten. Der Film dokumentiert seine persönliche Schilderung, wie es ist, mit einer Behinderung zu leben, während er eine Karriere verfolgt und um den Aufstieg seines Vereins kämpft. (The Club That George Built: 10. November / 11:00 – 12:30 Uhr. Theo Lee Ray. Vereinigtes Königreich, 2024. 70 Min.)

Diego Maradona

Er war der Größte und fiel in den tiefsten Abgrund. Die Geschichte eines der größten Fußballer aller Zeiten aus der Perspektive von Asif Kapadia. Ein Dokumentarfilm, der auf der Grundlage von 500 Stunden bisher unveröffentlichtem Filmmaterial über die Karriere und das Leben des gefeierten Fußballers Diego Armando Maradona entstanden ist. (Diego Maradona: 10. November / 17:30 – 19:30 Uhr. Asif Kapadia. Vereinigtes Königreich, 2019. 125 Min.)

The Last Guest of the Holloway Motel

In den 70er Jahren war Tony Powell eines der großen Talente von Norwich City, bis er plötzlich aus der Welt des Fußballs verschwand und seine Karriere, seine Familie sowie zahlreiche unbeantwortete Fragen zurückließ. Jahrzehnte später lebt er im Holloway Motel in West Hollywood, dessen Manager und einziger Bewohner er ist. Als das Motel vor der endgültigen Schließung steht, sieht sich Tony gezwungen, sich der Vergangenheit zu stellen, die er hinter sich lassen wollte. Anhand einer Geschichte voller Geheimnisse, Verlust, Identität und Versöhnung zeichnet der Dokumentarfilm das außergewöhnliche Leben eines Mannes nach, der von Entscheidungen geprägt ist, die sein Schicksal für immer verändert haben. (Der letzte Gast des Holloway Motels: 10. November / 20:00 – 21:30 Uhr. Nicholas Freeman, Ramiel Petros. Großbritannien, 2025. 94 Min.)

Tony Cascarino: Extra Time

Ein Dokumentarfilm, der das außergewöhnliche Leben von Tony Cascarino nachzeichnet, dem Stürmer, der sich vom Friseurlehrling in Kent zu einer der großen Persönlichkeiten der irischen National-Auswahl und zu einem Idol des französischen Fußballs entwickelte. Unter der Regie von Sean Casey beleuchtet der Dokumentarfilm die Erfolge und Misserfolge einer Karriere, die von Toren, Weltmeisterschaften, Kontroversen und zweiten Chancen geprägt war. Anhand von Cascarinos eigenen Aussagen behandelt der Film Themen wie Ruhm, Identität, die Skandale, die seine Laufbahn begleiteten, und die persönlichen Folgen eines Lebens am Limit. Eine ehrliche Geschichte über Erlösung und den Preis des Erfolgs. (Tony Cascarino. Extra Time: 12. November / 18:00 – 19:00 Uhr. Sean Casey. Irland, 2025. 50 Min.)

Kutte

Ein zufälliger Fund auf einem Flohmarkt: eine alte Fußballfan-Weste, übersät mit Aufnähern und Sprüchen des SV Darmstadt. Wem gehörte sie? Und darüber hinaus: Was steckt hinter diesem Phänomen? Diese bunten, nie gewaschenen Jeans-Kleidungsstücke, die sowohl Heavy-Metal-Fans bei Konzerten als auch Fußballfans in den Stadien tragen. Eine humorvolle Reise, die Leidenschaft, Rivalität und das Gefühl der Zugehörigkeit erkundet. (Kutte: 12. November / 20:00 – 20:30 Uhr. Sylvie Hohlbaum. Deutschland, 2025. 15 Min.)

360 pieces

„360 Pieces“ (360 Teile) begleitet Olle, einen Mann, der von alten Puzzles aus den 1970er Jahren besessen ist, auf denen anonyme Menschen in der Zeit eingefroren sind. Als er ein Puzzle mit einer spannenden Fußballszene findet, begibt er sich auf die Suche nach den sechs Spielern, die auf dem Bild zu sehen sind, um herauszufinden, was aus ihnen geworden ist und was es bedeutet, in einer Szene verewigt zu werden. Stück für Stück entsteht eine Geschichte über Erinnerung, die Fehler, die ein Leben prägen, und die unsichtbaren Verbindungen, die Menschen über die Zeit hinweg verbinden. Ein ebenso faszinierender wie bewegender Dokumentarfilm über die Suche nach jenem Fragment, das dem Ganzen Sinn verleiht. (360 pieces: 12. November / 20:30 – 21:30 Uhr. Johannes Stjärne Nilsson. Schweden, 2025. 60 Min.)

Beacon of Hope: The Grenfell Athletic Story

„Beacon of Hope: The Grenfell Athletic Story“ erzählt die inspirierende Geschichte eines Fußballvereins, der nach dem verheerenden Brand im Grenfell Tower im Jahr 2017 gegründet wurde. Anhand der Begleitung einer entscheidenden Saison zeigt der Dokumentarfilm, wie das Team zu einem Treffpunkt für eine Gemeinschaft wurde, die von Verlust und Trauer geprägt ist. Grenfell Athletic ist mehr als nur ein Verein – er steht für die Fähigkeit des Sports, Verbindungen, Widerstandskraft und Hoffnung zu schaffen. Ein bewegendes Porträt der transformativen Kraft des Fußballs, wenn eine Gemeinschaft sich neu aufrichten muss. (Beacon of Hope: The Grenfell Athletic Story: 13. November / 18:00 – 19:00 Uhr. Theo Lee Ray. Großbritannien, 2025. 59 Min.)

Das Spiel

Der Film rekonstruiert das legendäre Duell zwischen Argentinien und England im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1986 – ein Spiel, das über den Sport hinausging und zu einem historischen Ereignis wurde. Anhand bisher unveröffentlichter Archivaufnahmen und der Aussagen der Protagonisten beider Teams untersucht der Film, wie diese neunzig Minuten Fußball von Politik, kollektivem Gedächtnis und der einzigartigen Persönlichkeit von Diego Armando Maradona geprägt wurden. (Das Spiel: 13. November / 20:00 – 21:30 Uhr. Juan Cabral, Santiago Franco. Argentinien und Vereinigtes Königreich, 2026. 91 Min.)

Shooting for Socrates

„Shooting for Socrates“ versetzt einen 9-jährigen Jungen ins unruhige Belfast des Jahres 1985, der seine gespaltene Welt durch den Fußball und die philosophischen Lehren seines Vaters interpretiert, während sich die nordirische National-Auswahl auf das Spiel gegen Brasilien bei der WM 1986 vorbereitet. Die Erzählung verbindet menschliches Drama mit dem Kampfgeist einer bescheidenen Auswahl in einer Geschichte im Stil von David gegen Goliath. Mit soliden Darstellungen wurde der Film als optimistisch und bewegend beschrieben, attraktiv besonders für Liebhaber des Fußballs und des „Underdog“-Kinos. (Shooting for Socrates: 14. November / 18:00 – 19:30 Uhr. James Erskine. Vereinigtes Königreich, 2015. 91 Min.)

Pioneras

Im Spanien der frühen 70er Jahre, als der Franco-Regime noch fest die repressiven Zügel in der Hand hatte, beschließt eine Gruppe junger Mädchen, Fußball zu spielen – in einem Land, das ihnen keinen Platz in diesem Sport einräumt. Auf ihrem Weg finden sie einen unerwarteten Verbündeten: einen ebenso mutigen wie visionären Sportpromoter. Gemeinsam und entgegen allen Erwartungen stellen sie sich dem System entgegen und legen den Grundstein für einen Kampf, der die Geschichte des Frauenfußballs im spanischen Staat für immer verändert hat. (Pioneras: 14. November / 20:00 – 22:00 Uhr. Marta Díaz de Lope Díaz. Spanien, 2026. 106 Min.) (2)

ANMERKUGNEN:

(1) “Das Vermächtnis von Kenny Dalglish – das Highlight des Filmfestivals des Athletic” (Original: El legado de Kenny Dalglish, el plato estrella del festival de cine del Athletic), Tageszeitung El Correo, 2026-10-19 (LINK)

(2) Thinking Football, offizielle Webseite Athletic Bilbao (LINK)

ABBILDUNG:

(*) Thinking Football

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-10-21)

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