
Eine baskische Premiere
Der Pelota-Sport heißt nicht nur Pelota, sondern auch Baskisches Pelota, Pelota Vasca oder Euskal Pelota. Der Grund dafür ist schlicht, dass dieser Sport baskischer Nationalsport ist und nirgendwo so intensiv praktiziert wird wie hier. Insofern ist die Tatsache, dass bei der 20. Pelota-Weltmeisterschaft zum ersten Mal ein baskisches Team mitspielt, ein seltsamer Vorgang, der nur mit politischen Hintergründen erklärt werden kann. Denn wo es spanische Verbände gibt, werden baskische ausge-schlossen.
Pelota zu erklären ist nicht einfach, weil es eine Unzahl von Varianten gibt. Die bekanntesten: Jai Alai (Cesta Punta), Esku Pilota mit der Hand und Pelota Pala mit Holzschlägern, dazu das Trinkete im geschlossenen Raum.
Die Pelota-Weltmeisterschaft begannt am 15. Oktober 2026 in Argentinien und Uruguay mit einer großen Neuigkeit: Die Euskal Selekzioa nimmt zum ersten Mal offiziell teil, zusammen mit vierzehn weiteren Ländern. Es handelt sich um die 20. Ausgabe Pelota-Weltmeisterschaften, sie dauern bis zum 24. des Monats. Obwohl Pelota der baskische Nationalsport schlechthin ist, durfte eine baskische Auswahl bisher nicht teilnehmen. Grund dafür war das Veto des spanischen Pelota-Verbands, der mit Argus-Augen über sein Monopol wacht. Nicht etwa, weil das Baskenland kein eigenständiger Staat wäre, denn Schottland, Puerto Rico oder Wales erfüllen diese Kondition ebenso wenig. Um Mitglied in einem internationalen Verband zu werden ist die einzige Voraussetzung, dass alle Mitglieder einverstanden sind. In Verbänden, in denen es keine spanische Vertretung gibt, ist die baskische Mitgliedschaft kein Problem, Beispiel Taek-Wan-Do.
Warum nun doch?
Spanische Verbände müssten kein Veto gegen baskische Mitgliedschaften in internationalen Verbänden einlegen, doch sie tun es. Im Fall Pelota (baskisch: Pilota) war dies besonders schmerzhaft, weil es sich um den Lieblingssport der Baskinnen handelt. Und weil der spanische Verband vom Ausschluss der Baskinnen profiziert. 80% der „spanischen“ Teilnehmerinnen an Turnieren sind nämlich im Baskenland geboren, ohne sie wäre der spanische Verband ein Nichts, mit ihnen gehört er regelmäßig zu den Favoriten.
Dass mit dem Dogma gebrochen wurde, hat politische Hintergründe. Der Noch-Präsident Pedro Sanchez (PSOE) brauchte für seine Minderheits-Regierung die Unterstützung baskischer Parteien. Die wollten im Gegenzug Gegenleistungen. Eine war, das staatliche Dogma des Allein-Vertretungs-Rechts in internationalen Verbänden einzuschränken. Ausnahmen wurden per Gesetz festgelegt und betrafen solche Sportarten, die regional eine besonders große Tradition haben, sprich: Pelota und Surfen. Diese Änderung führte dazu, dass die Euskal Pilota Selekzioa in den Internationalen Verband aufgenommen wurde, gegen den erklärten Willen des spanischen Verbandes, der dagegen eine Klage angestrengt hat. Ein internationales Turnier vor dem Sommer war die Premiere, im Juni in Gernika bei der Liga der Nationen. Dort standen sich baskische Spieler*innen im Dienste Spaniens und baskische Spieler*innen im Dienste der Selekzioa gegenüber. Ein völliger Irrsinn eigentlich, aber so ist politisierter Sport! Die Selekzioa hatte am Ende knapp die Nase vorn, die Stimmung unter den Spielerinnen mit unterschiedlichen Trikots hätte besser nicht sein können. Nun die Weltmeisterschaft.
Im Folgenden ein kleiner Leitfaden, um dieses komplexe Turnier zu verfolgen, das sich durch eine Vielzahl an Kategorien und Fronton-Spielplätzen auszeichnet. Es geht um Fragen und Antworten, um den größten Pelota-Wettbewerb für National-Teams zu verfolgen, der über den sportlichen Wert hinaus einen exotischen Reiz besitzt und zeigt, wie sich das Baskische Pelota im Laufe der Geschichte über den ganzen Globus verbreitet hat.
Was ist die Pelota-Weltmeisterschaft?
Es handelt sich um den vom Internationalen Verband für Baskische Pelota organisierten Wettbewerb, der alle vier Jahre ausgetragen wird. Die erste Ausgabe fand 1952 in Donostia statt (während des Franquismus); die bislang letzte wurde 2022 in Biarritz ausgetragen. Auch Kuba, Uruguay und Mexiko haben den Wettbewerb im Laufe der Jahrzehnte bereits ausgerichtet, alles Ländern, in denen es eine starke baskische Auswanderung gab und gibt.
Argentinien ist zum ersten Mal Hauptausrichter und hat die Veranstaltung unter dem Motto „Das Pelota kehrt nach Hause zurück“ ausgerichtet, was verdeutlicht, dass es sich um eine Sportart handelt, die in diesen von der baskischen Diaspora stark geprägten Gegenden tief verwurzelt ist. Die nächste Ausgabe (2030) ist in Bilbao und Gernika geplant. An der Weltmeisterschaft nehmen in der Regel Amateur-Pelotaris teil. Tatsächlich war dies bis 2018 sogar vorgeschrieben, doch seitdem ist die Teilnahme von Profis erlaubt.
Wie viele National-Teams nehmen daran teil?
Insgesamt wird es fünfzehn Teilnehmer geben, wenn auch nicht in allen Kategorien. Die „Euskal Selekzioa“ (Baskische Auswahl) feiert nach der offiziellen Anerkennung ihr Debüt; vorerst beschränkt sich sie auf Pelotaris aus Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, mit einigen Ausnahmen, die an zahlreiche Bedingungen geknüpft sind, die derzeit noch nicht erfüllt sind. Aus diesem Grund – oder weil sich die Sportler aus verschiedenen Gründen so entschieden haben – wird es auch baskische Vertreter in den spanischen und französischen Nationalteams geben, die baskische Herkunft wird auch in anderen Teams deutlich zu erkennen sein.
Neben den drei genannten Ländern werden bei dieser Weltmeisterschaft die USA, Chile, Argentinien, Mexiko, Kuba, Uruguay, Portugal, Paraguay, Brasilien, Peru, Bolivien und Costa Rica antreten. In einigen Fällen ist die Beteiligung sehr gering: So wird beispielsweise Portugal nur im Paleta-Cuero der Männer antreten, Costa Rica im Paleta-Goma der Männer und Bolivien im Frontball der Männer.
Wie viele Frontons gibt es bei dieser Weltmeisterschaft?
Der Wettbewerb findet in Buenos Aires und in Colonia del Sacramento statt, einer uruguayischen Stadt auf der anderen Seite des Río de la Plata mit 32.000 Einwohner*innen. Die Wettkämpfe finden auf insgesamt sechs Spielfeldern statt: zwei Trinquetes (einer für die Gummi-Disziplinen und einer für die Leder- und Hand-Disziplinen), sowie vier Frontons (einer mit 30 Metern, einer mit 36 Metern, einer mit 54 Metern und das Frontball-Spielfeld).
Wie viele Disziplinen gibt es?
Insgesamt werden 22 Disziplinen ausgetragen, davon 6 bei den Frauen. Im Trinquete werden die Disziplinen Parapelota, Paleta Gummi der Frauen und Männer, Hand Einzel und Paare der Männer, Xare sowie Paleta Cuero ausgetragen. Im 30-Meter-Frontón umfasst die Weltmeisterschaft Paleta Gummi und Frontenis, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.
Im kurzen Frontón, der einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird, stehen Medaillen im Einzel und Doppel mit der Hand, in der Paleta-Cuero, im Pala-Corto (alles nur bei den Männern), im Einzel-Cesta (Frauen und Männer) sowie im Parapelota auf dem Spiel. Und im langen Fronton, einem weiteren Schwerpunkt von besonderem Interesse, ist Cesta Punta (Jai Alai) an der Reihe. Es wird von Männern und Frauen gespielt, genau wie beim Frontball. Auffällig ist das Fehlen der Frauen-Hand-Disziplin, die bei der Nationenliga in Gernika noch gespielt wurde; vielleicht ist der Internationale Verband der Ansicht, dass diese Disziplin in anderen Ländern noch nicht ausreichend entwickelt ist.
Wie viele Teilnehmer pro Kategorie?
In einigen Disziplinen treten lediglich vier Teams gegeneinander an, sodass die Entscheidung über eine Runden-Turnierphase erfolgt, bei der die beiden Erstplatzierten ins Finale einziehen. In den am stärksten besetzten Disziplinen gibt es acht Teilnehmer*innen, sodass zwei Gruppen zu je vier Teams gebildet werden, gefolgt von Halbfinalspielen zwischen den jeweiligen Erst- und Zweit-Platzierten. Es gibt auch Kategorien, in denen sechs Teams (zwei Gruppen zu je drei) oder sieben (eine Gruppe zu vier und eine zu drei) gegeneinander antreten.
In welchen Disziplinen tritt die „Euskal Selekzioa“ an?
Die „Euskal Selekzioa“ entsendet zu dieser ersten Weltmeisterschaft 41 Pelotaris und 9 Trainer*innen, um in 13 Disziplinen anzutreten. Hervorzuheben ist beispielsweise die Aufstellung der Auswahlspieler im Cesta: Eñaut Urreisti, Jon Ibarluzea, Unai Lekerikabeaskoa, Xabi Barandika, Aritz Erkiaga und Ortzi Aldazabal werden an den beiden Herren-Wettbewerben teilnehmen, während Elaia Gojenola, Eneritz Lizardi, Maia Goikoetxea, Maite Ortiz de Mendibil, Helena Barrenetxea und Maialen Aldazabal bei den Damenwettbewerben antreten. Im Hand-Pelota auf dem kurzen Fronton werden Beñat Azketa, Beñat Garmendia, Ekhi Irribarria, Eñaut Lizeaga, Gaizka Carregal und Oier Elorz das grüne Trikot tragen.
Wie viele „Euskal-Spanien“-Begegnungen stehen bevor?
Aufgrund der Ereignisse in Gernika und der darauf folgenden Wettkämpfe werden die Spiele zwischen dem baskischen und dem spanischen Nationalteam besonders spannend sein, auch wenn manchmal alle beiden oder alle vier der Spieler*innen aus dem Baskenland stammen.
In dieser ersten Phase treffen die Euskal Selekzioa und Spanien in den Disziplinen Einzel und Doppel, Paleta Cuero, Einzel (Männer und Frauen) im Cesta Punta, Doppel (Männer und Frauen) im Cesta, Xare und Paleta Gummi (Frauen) aufeinander. Das macht insgesamt neun Begegnungen, bevor sich zeigt, was die anschließenden Halbfinale und Endspiele bringen werden.
Bisherige Praxis
Erinnert werden muss an dieser Stelle, dass bei der vergangenen Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA sechs baskische Kicker Weltmeister wurden: Unai Simon, Aymeric Laporte, Mikel Merino, Nico Williams, Martin Zubimendi und Mikel Oyarzabal – ebenso viele stammten aus Katalonien, von Real Madrid war kein einziger Spieler dabei. Dies zeigt das heutige Wesen des Sports. Viele Basken und Katalanen haben öffentlich deutlich gemacht, dass sie, wenn sie die Wahl hätten, für ihr regionales National-Team spielen würden. Bestes Beispiel ist Carles Pujol, katalanischer Weltmeister von 2010. Ähnlich bei Pelota. Niemand kritisiert die Bask*innen, die internationale Erfolge mit der spanischen Auswahl suchen. Doch gab es immer auch solche, die auf internationale Medaillen verzichteten, weil sie dies nur im Namen eines baskischen Teams erreichen wollten. Das Eingansg-Foto zeigt die Mitglieder der Euskal Selekzioa bei ihrer Abreise von Bilbao nach Argentinien und Uruguay.
ANMERKUNGEN:
(*) „Leitfaden zum Verfolgen der ersten Pelota-Weltmeisterschaft mit der Euskal Selekzioa auf dem Spielfeld“ (Original: Guía para seguir el primer Mundial de Pelota con Euskal Selekzioa en cancha), Tageszeitung Gara, 2026-10-14 (LINK)
ABBILDUNG:
(*) Euskal Selekzioa (foku)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-10-16)
