73 items tagged "Kolumne"

  • Baskische Ansichten (K-58)

    kolu58a00Das Meer lacht sich kaputt

    “Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muss bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will“, schrieb Heinrich Heine einst über die wärmste Jahreszeit, zwischen 1797 und 1856 hatte er das Vergnügen eines Erdbewohners. Wie sich die Zeiten ändern. Heute müsste Heine schreiben: “Unser Winter ist nur ein weiß angestrichener Sommer, sogar die Schneeflocke muss bei uns in Isoliertüten gepackt werden, wenn sie nicht vor dem Niedergang schmelzen will.“

  • Baskische Ansichten (K-59)

    kolu59a00Alltag macht krank

    Nach so viel Fiesta und mehr als zwei Monaten Sommer müsste es verboten sein, einfach so ins kalte Wasser geworfen zu werden: zurück an das Montage-Band, das Lehrerpult, den Lieferdienst oder den unbequemen Schulstuhl. Es ruft die Pflicht im Kapitalismus. Malochen oder darauf zuarbeiten. Die Folge: Kurz-Depression, Entzugs-Erscheinungen oder eine erste Krankschreibung wegen eines imaginären Bandscheiben-Vorfalls. Doch das Leben geht weiter, bis zur nächsten Fiesta, bis zur nächsten Demonstration.

  • Baskische Ansichten (K-60)

    kolu60a00In der Geschichte graben

    Weiter werden im Baskenland Leichen aus dem Krieg ausgegraben und identifiziert. Ein Jahr Völkermord in Palästina hat auch in Euskal Herria tiefe Spuren hinterlassen. Antifaschisten werden vor Gericht gestellt, weil sie gegen faschistische Wahl-Akte protestierten. In den Altstädten von Donosti und Bilbo organisiert sich Widerstand gegen den mörderischen Massen-Tourismus, der normales Leben unmöglich macht. Zur Rettung eines Naturschutz-Gebiets hat sich eine Initiative gegen Haifische aufgemacht.

  • Baskische Ansichten (K-61)

    kolu61a00Winterliche Mobilisierungen

    Die gesellschaftliche Rechts-Entwicklung findet nicht allein in xenophoben oder homophoben Diskursen ihren Ausdruck, auch “mangelnde Sicherheit“ wird in die Schlacht geworfen. Dass Donostia “erstickt“ ist keine fehlgeleitete Metapher, sondern Ausdruck der Folgen des Massentourismus. Das Guggenheim-Projekt im Urdaibai-Schutzgebiet wurde vorübergehend auf Eis gelegt: wegen Hindernissen oder zur Vorbereitung einer Attacke aus dem Hinterhalt. In Grönland schmilzt das ewige Eis. Grönland ist überall.

  • Baskische Ansichten (K-62)

    kolu62a00Friede den Hütten

    Weihnachten in Valencia, wo der Schlamm noch fußhoch steht. Weihnachten in Gaza, wo weiter Bomben fallen wie Sternschnuppen. Weihnachten in Bilbao, wo 500 Obdachlose verzweifelt einen trockenen Platz für die Nacht suchen. Schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt? Black Friday in der Innenstadt. Alles billiger! Nimm drei – Zahl zwei! Kaufrausch-Rennen zum Betäuben künstlicher Konsumwünsche. Nie waren so viele flimmernde Lichter in den Straßen von Bilbao montiert, was sind wir alle doch glücklich.

  • Baskische Ansichten (K-63)

    kolu63a00Gestern am Abgrund

    Urte berri on – sagen Baskinnen, wenn sie treuherzig das alte Jahr verabschieden und für das neue von Herzen eine spürbare Besserung wünschen: “Jahr neu gut“. Nichts ist weiter von der Realität entfernt. 2025 beginnt mit einer kräftigen Preiserhöhung, Energie, Lebensmittel, Mieten – nicht jedoch bei den Einkünften. Die Armut-Reichtum-Schere der kapitalistischen Gesellschaften klafft weiter auseinander. Die Hoffnung lebt woanders: Rebellion, weil die Luft zum Atmen knapp wird (Frantz Fanon).

  • Baskische Ansichten (K-64)

    kolu64a00Kalt wie Grönland

    Der Februar ist nicht so kalt wie er sein müsste, aber der August war schließlich auch heißer als er sein müsste. Keine Logik, heiß und kalt. Ein kalter Ofen sorgt in Laudio (Araba) für heiße Gemüter, weil ein US-Multi die Glas-Herstellung einfrieren will, 171 Arbeitsplätze schmoren dabei weg. Auch die Streiks in den Schulen gehen in die heiße Phase, zu viel Stress und Schülerinnen, zu wenig Personal. Bei so viel Kälte sorgt nur noch die Kathedrale San Mames für akzeptable menschliche Wärme.

  • Baskische Ansichten (K-65)

    kolu65a00aArbeit macht krank

    Unternehmer, Politik und rechte Medien haben das Thema Krankenstand im Baskenland schon länger als Speerspitze gegen die starken baskischen Gewerk-schaften ausgemacht. Absentismus wird der Sachverhalt genannt, den Begriff “blau machen“ kennen weder die spanische noch die baskische Sprache. Die Hafen-, Kreuzfahrt- und Industriellen-Stadt Getxo schlägt in den Abwesenheits-Statistiken alle Rekorde, vermeidet aber konsequent die Ursachensuche, 16 Prozent Arbeitsausfall ist eine beachtliche Leistung.

  • Baskische Ansichten (K-66)

    kolu66a00Vaterlands-Tage

    Vor 39 Jahren lehnte die Bevölkerung im Baskenland den Fortbestand des spanischen Staates in der NATO ab, selbiges geschah auch in Katalonien, in Nafarroa und auf den Kanarischen Inseln. Der Staat blieb dennoch im nord-atlantischen Kriegsverband, weil die übrigen Regionen anders stimmten. Nicht nur wegen dieses Erfolgs beim Referendum bleibt die antimilitaristische Bewegung stark. Beklagt wurde zuletzt vor allem die baskische Doppelmoral zwischen Bomben-Opfer der Nazis und aktueller Militärindustrie.

  • Baskische Ansichten (K-67)

    kolu67x00Für Frieden oder gegen Krieg

    Die Rüstungs-Debatte ist definitiv auch im spanischen Staat und im Baskenland angekommen. Auf unterschiedliche Art, doch wurde beiderseits schnell entschiedener Widerstand deutlich. Die baskische Anti-Kriegs-Bewegung hat drei Ziele fixiert: die einheimische Kriegs-Industrie, die erneut drohende Wehrpflicht, den Völkermord in Gaza und die anstehenden Sozialkürzungen. Dass der Kicker-Club Athletic in diesem Monat noch Europa-Cup-Sieger werden könnte wird angesichts dessen zum historischen Detail.

  • Baskische Ansichten (K-69)

    kolu69x0700Tanz und Vergnügen

    Ende Juni haben alle sozialen Bewegungen noch mal ihre letzten Reserven in die Waagschale geworfen, um ihre politischen Inhalte so heiß wie möglich durch den Sommer zu bringen. Denn im Juli ist alles anders: Ferien, Urlaub, Jaiak, Fiestas, Konpartsak, Kalimotxo, Konzerte, Thekenschichten, Entspannung. Oder Organisierung der lokalen Fiesta. Nichts ist wie vorher, nicht wie die übrigen 10 Monate. Zehn plus eins macht elf, dann kommt der August, an den sich im September niemand mehr erinnern will.

  • Baskische Ansichten (K-70)

    kolu70x00Bis zum Umfallen

    Wer im Baskenland dem Massen-Tourismus entfliehen will, macht im August Urlaub und fährt weit weg, um dem Massen-Tourismus an anderer Stelle am Laufen zu halten. Manche müssen im August Urlaub nehmen, weil der Betrieb schließt, ob sie nun Geld haben für eine Reise oder nicht. Wieder andere haben Urlaub, können aber auf keinen Fall weg, weil sie die örtlichen Fiestas auf keinen Fall verpassen wollen, das gilt für Gasteiz, Donosti und Bilbo, und für so manche anderen Orte wie Gernika oder Portugalete.

  • Baskische Ansichten (K-71)

    kolu71x00Zurück zur Maloche

    Wer nach den Fiestas keine Zeit zur Ruhe hatte, sollte sich vor dem Wiedereintritt in die abhängige Beschäftigung (Lohnarbeit) eine kurze Entziehungskur einlegen, um sich vom exzessiven August-Alkohol-Konsum zu erholen. Neben der kapitalistischen Ausbeutung wartet im September auch das erste Bewegungs-Hoch, mit dem soziale Bewegungen ihre sommerliche Untätigkeit in Sachen Politik wieder aufzuholen trachten. Die Beschleunigung von Null auf Hundert fällt wie immer schwer. Augen zu und durch.

  • Baskische Ansichten (K-72)

    kolu72x00Palästina ist überall

    Wenn die spanische Rechte den 12. Oktober als “Begegnung der Kulturen“ oder als vor ultra-Nationalismus triefenden “Tag der Hispanität“ feiert, schalten viele Ohren im Baskenland auf Durchzug. Oder sie erinnern ausdrücklich an den Völkermord an den indigenen Ureinwohner*innen des amerikanischen Kontinents, der nach 1492 auf die “Entdeckung“ durch Kolumbus folgte. Eigentlich ein bezahlter Feiertag, den jedoch viele (auch Gewerkschafter) nicht wollen und deshalb ganz bewusst arbeiten gehen.

  • Baskische Ansichten (K-75)

    kolu75x00Mit besten Absichten

    Wer wollte nicht mit guten Absichten ins neue Jahr 2026 starten – neue Hoffnungen gegenüber alten Sorgen: Wird der Mietvertrag verlängert? Wird mein Gesundheits-Zentrum geschlossen? Gewinnt Athletic wieder den Pokal? Finde ich eine neue Wohnung? Komme ich mit meinen Einnahmen über die Runden? Wie kann ich meine Euskara-Kenntnisse verbessern? Kommen womöglich die Faschisten an die Regierung? Stehen wir am Abgrund oder lassen sich massive Aufrüstung und Kriege doch verhindern? Gu ta gutarrak!

  • Baskische Ansichten (K-76)

    kolu76x00Heiß-kalter Februar

    Die Landwirte laufen Sturm gegen einen EU-Vertrag mit den Mercosur-Ländern, weil es um ihre Existenz geht. Die baskischen Gewerkschaften bereiten einen Generalstreik für einen besseren Mindestlohn vor. Ein Werk im industrie-schwachen Amurrio droht mit Schließung. Ärztinnen sind im Streik für eine eigenen Tarifvertrag. Pflegerinnen in Gipuzkoa fordern Arbeitsverbesserungen. Die baskische Rechte zahlt ihren Preis für einen illegalem Abriss und abgelaufenen Spritzen. Dem kalten Februar drohen heiße Wochen.

  • Baskische Ansichten (K-77)

    kolu77x00Alle zum Streik!

    Der Generalstreik hat seinen Namen nicht daher, dass Generäle die Arbeit oder den Dienst verweigern würden. Im Gegenteil, ein Generalstreik richtet sich gegen die Generäle des Kapitalismus, die Ausbeuter in den Unternehmensbüros, die nicht einsehen wollen, dass schlechter Lohn nicht zu würdigem Leben ausreicht. Darum geht es am 17. März im Baskenland und Nafarroa, um einen Generalstreik für ein garantiertes Mindest-einkommen, das den baskischen Wirtschafts- und Preis-Verhältnissen angemessen ist.

  • Baskische Ansichten (K-78)

    kolu78x00Doppelmoral

    Vor 40 Jahren lehnte die Bevölkerung im Baskenland den Verbleib des spanischen Staates in der NATO ab, ähnlich in Katalonien, Nafarroa und auf den Kanaren. Doch die Mehrheit entschied das Gegenteil. Die friedenspolitischen Diskurse bei den anstehenden Gedenkveranstaltungen zum Krieg vor 89 Jahren (PNV) stehen in krassem Widerspruch zur Unterstützung der baskischen Rüstungs-Industrie durch dieselbe Partei. Für gutes Geld und das Argument der Arbeitsplätze wird jegliche Moral billig verscherbelt.

  • Baskische Ansichten (K-79)

    kolu79x00Klassen-Bewusstsein

    Woran erinnern wir uns im baskischen Mai? Die Auflösung von ETA. Ein Attentat in Lemoiz. Basterretxeas Geburtstag. Die Pariser Mai-Krawalle. Die Nazi-Kapitulation. Die Toten von Montejurra. Tasios Folter. Erster Generalstreik in Bizkaia. Der Streik der Lade-Arbeiterinnen. Die Everest-Expedition. Eva Forests Tod. Der Transport der Kriegskinder. Die Ezkaba-Flucht. Das Ategorrieta-Massaker. Louise Michel. Spaniens NATO-Eintritt. Salvador Puig Antich. Die Nakba in Palästina. Drei Tote in Almeria.

  • Baskische Ansichten (K-80)

    kolu80x0601Wohnen ist für Reiche

    Der Juni ist da! An wen oder was erinnert uns dieser Monat, der den Sommer im Gepäck trägt? An den Polizeimord an einer AKW-Gegnerin, den Tod von Gabriel Aresti, Periko Solabarria, Lauaxeta, Blas de Otero und Txabi Etxebarrieta, die Legion-Condor-Parade in Berlin, das Nazi-Massaker von Oradour, das ungeklärte Verschwinden von Naparra, die Geburtstage von Geronimo, Fidel und Che, den Fall von Bilbao 1937, das Urteil in einem spektakulären Vergewaltigungsfall, das Melilla-Massaker und die Naoin-Schlacht.

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