tournach1a00Es lebe die Tourismo-Phobie!

Der Tourismus im spanischen Staat geht in ein Rekordjahr. Wenn Barcelona, Donostia, Malaga, Palma, Teneriffa, Bilbo, Zaragoza im vergangenen Jahr schon aus den Nähten geplatzt sind, müssen wir für dieses Jahr einen neuen Begriff ausdenken. Tourismus, Massen-Tourismus, Over-Tourismus, Giga-Tourismus – Wahnsinn. Venedig, Kanaren, Mallorca, Bilbo – immer mehr Menschen gehen in halb Europa auf die Barrikaden, um ihren Lebensalltag, ihre Nachtruhe, ihre Nachbarschaft und ihre Wohnungen zu verteidigen.

Unter “Massentourismus“ beziehungsweise “Overtourism“ versteht man das Phänomen, dass sich eine große Anzahl von Urlauber*innen an den gleichen Orten versammelt. Dadurch befinden sich in der Hauptsaison oft mehr Reisende als Einheimische an den jeweiligen Urlaubszielen. Ein normales Alltagsleben ist an diesen Orten völlig undenkbar.

(2024-09-06)

AMNESTIE FÜR SCHWARZBAUTEN

tournach1c06Im spanischen Staat die normalste Sache der Welt: wenn du für ein Projekt oder einen Bau keine Genehmigung hast, dann fang einfach mal an – wenn sie dich erwischen, zahlst du Strafe und hast trotzdem,was du wolltest. Oder besser: wenn sie dich ein paar Jahre lang nicht erwischen, verjährt die Schurkerei und du bist aus dem Schneider. Wir sprechen von Schwarzbauten auf Mallorca. Jetzt also doch: Amnestie für Schwarzbauten soll Ferienvermietung beinhalten - Die reaktionäre Volkspartei PP will die Amnestie für Schwarzbauten dahingehend nachbessern, dass diejenigen, die ihren Schwarzbau nachträglich legalisieren lassen, nicht die touristische Lizenz verlieren.

Kehrtwende in der Volkspartei PP auf Mallorca: Die Konservativen wollen nun doch ermöglichen, dass Eigentümer von Schwarzbauten im ländlichen Raum, die von der nachträglichen Legalisierung ihrer Immobilie Gebrauch machen, weiterhin Ferienvermietung anbieten können. Fraktionssprecher Sebastià Sagreras kündigte am Mittwoch (4.9.) an, dass seine Regierungspartei eine Eingabe zum sogenannten Gesetz zur Entbürokratisierung machen wolle, die eine solche Möglichkeit beinhalte. "Das bedeutet nicht mehr Gästebetten, weil diese bereits existieren und es ist kein weiterer Flächenfraß, weil es sich um bereits erbaute Häuser handelt", sagte Sagreras.

Ein Sozialist gab den Anstoß

Im bisherigen Gesetzestext stand ein Verbot für die Ferienvermietung in den Immobilien, die durch die Amnestie im ländlichen Raum nachträglich legalisiert werden. Vor wenigen Wochen hatte sich die Vereinigung der Ferienvermieter auf Mallorca, Febhabtur, mit dem Bürgermeister von Pollença, Martí March (Sozialisten) auf eine  derartige Eingabe geeinigt, um die "Legalität der touristischen Lizenzen beizubehalten".

Speziell in und um Pollença gibt es Hunderte dieser Häuser, die ohne Genehmigung erbaut wurden und sich der Ferienvermietung widmen, sagte der Präsident von Febhabtur, Miquel Cifre. Sollten sich die Eigentümer dafür entscheiden, ihre Häuser nachträglich zu legalisieren, würden sie automatisch die Lizenz für die Ferienvermietung verlieren - zumindest mit dem bisherigen Gesetzestext.

Enorme Zahl an Schwarzbauten mit Ferienvermietung

Rund ein Drittel der Ferienvermieter in Pollença, Alcúdia und Santanyí, so schätzt Cifre, befinde sich in dieser Situation. Offenbar hat das die PP überzeugt, beim Gesetz noch einmal nachzubessern. Pollenças Bürgermeister March verteidigt die Eingabe damit, dass die Rechtssicherheit für eine "in Pollença derart verwurzelte Aktivität" garantiert werden müsse. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die einen Bauverstoß "in Ordnung bringen", gleichzeitig ihre touristische Lizenz verlieren.

Dekret im Mai verabschiedet

Die Balearen-Regierung hatte die nachträgliche Legalisierung von Schwarzbauten im ländlichen Raum im Mai per Dekret verabschiedet. Legalisiert werden können nur Bauten, bei denen der Verstoß gegen das Baurecht mindestens acht Jahre zurückliegt und somit verjährt ist. Im Gegenzug für die Legalisierung werden von den Eigentümern die Zahlung von Gebühren und Steuern und die Durchführung von Umweltmaßnahmen verlangt. (MZ)

(2024-09-05)

DIE MEGA-KREUZFAHRT

tournach1c05Als wären Kreuzfahrt-Schiffe nicht schon gigantisch genug: jetzt gibt es auch noch Mega-Kreuzfahrt-Schiffe! Eines davon, der Kreuzer “Sky Princess“ eröffnet in Vigo den September mit insgesamt mehr als 23.000 Kreuzfahrt-Passagieren. Insgesamt sieben Schiffe werden den Hafen in den nächsten Wochen besuchen.

Mit dem Einlaufen des amerikanischen Mega-Kreuzfahrt-Schiffes Sky Princess, das am Dienstag in Vigo ankam, begann der September-Kreuzfahrt-Verkehr im Hafen der galicischen Küstenstadt, der nach Angaben der Hafenbehörde den Besuch von sieben Schiffen vorsieht. Diese Besuche werden sage und schreibe 23.000 Passagiere und 8.000 Besatzungs-Mitglieder nach Vigo bringen und große Teile davon in die Stadt ausspucken.

Nach Angaben der Agencia Marítima Antares befinden sich 3.582 britische Kreuzfahrt-Passagiere und 1.341 multinationale Besatzungs-Mitglieder an Bord der Sky Princess auf einer zwei-wöchigen Kreuzfahrt, die in Southampton begann und nach Zwischenstopps in Cádiz, Malaga, Ajaccio, Marseille, Gibraltar in Lissabon endet. Mit einer Länge von 330 Metern, einer Breite von 38 Metern und einem Gewicht von 141.000 Tonnen verfügt die Sky Princess über ein umfangreiches Freizeit- und Gastronomie-Angebot mit 8 Restaurants, 15 Cafés und Bars sowie 5 Schwimmbädern, einem Theater, einem Kasino, Diskotheken, einem Amphi-Theater unter freiem Himmel mit einer Riesenleinwand für Filme.

Die Sky Princess wurde 2019 eingeweiht und wird Vigo im April 2022 zum ersten Mal besuchen. Am 26. April wird uns ihr „großer Bruder“ und neues Flaggschiff der Princess Cruises-Flotte besuchen, die Sun Princess, mit 175.000 Tonnen und 345 Metern Länge, die im vergangenen Februar eingeweiht wurde und das neue Flaggschiff der Princess Cruises-Flotte wird.

Die Sky Princess wurde 2019 eingeweiht und besuchte Vigo zum ersten Mal im April 2022. Am 26. April wird die galizische Stadt vom “großen Bruder“ besucht werden, vom neuen Flaggschiff der Princess Cruises-Flotte, mit dem Namen “Sun Princess“. Jenes neue Star-Schiff weist 175.000 Tonnen auf, ist 345 Meter lang, und wurde im vergangenen Februar eingeweiht. Es handelt sich um das größte Kreuzfahrtschiff in der Geschichte der Reederei. Herzlichen Glückwunsch auch! Um bei den Superlativen zu bleiben … ein wundervoller Beitrag zum anti-ökologischen Massentourismus, der sowohl die Ozeane wie die Lebenswelten der besuchten Orte zerstört.

(2024-09-02)

VERBOT VON IMMOBILIEN-KÄUFEN DURCH AUSLÄNDER

tournach1c02Tui-Konzernchef Sebastian Ebel befürwortet Verbot von Immobilienkäufen durch Ausländer in touristisch attraktiven Regionen wie Mallorca. Der Spitzenmanager verweist im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Folgen des Massentourismus auf Dänemark, wo Deutsche keine Häuser zur privaten Nutzung kaufen können. Überraschendes Statement von Sebastian Ebel, Chef des Reisekonzerns Tui.

"Schwierig wird es dort, wenn der ausländische Tourist praktisch die ganzen Häuser wegkauft, weil er 10.000 Euro mehr hat", sagte er, in einem "Bild-Talk". "Und da verweise ich immer gern auf das dänische Modell. Ein Deutscher kann in Dänemark kein Haus für private Nutzung kaufen."Nun sind der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital Grundfreiheiten der EU. Das auch auf Mallorca immer wieder geforderte Verbot der Immobilienkäufe durch Nicht-Residenten gilt deswegen als kaum umsetzbar. Dänemark hatte 1992 seine Zustimmung zu den Maastrichter Verträgen davon abhängig gemacht, dieses Verbot beibehalten zu dürfen.

Frage des Wohnraums sei das zentrale Problem

 Ebel hält die Frage des Wohnraums für das zentrale Thema bei den Protesten gegen den Massentourismus auf Mallorca. "Es gibt diese Proteste, die sich gegen bestimmte exzessive Themen wie Erhöhung der Mieten und nicht vorhandenen Wohnraum, gestiegene Häuserpreise und Verkehrsaufkommen richten. Und das sollten wie unbedingt ernst nehmen, weil uns das genauso gehen würde."Die eigenen Kunden seien nicht das Problem. "Der Pauschaltourist geht in ein Hotel und nimmt niemandem das Haus oder Apartment weg, er wird mit dem Bus mit 50 Reisenden dort hingebracht - also nicht 50 Mal Individualverkehr - und er bleibt im Durchschnitt zehn bis elf Tage und nicht zwei oder drei."Im "guten Austausch" mit der ultrarechten Balearen-Regierung

 Wichtig sei zu schauen, "was bewegt die Leute, wie viel Tourismus wollen sie, welchen wollen sie nicht", so Ebel. "Letztlich sind es die Menschen, die dort vor Ort leben, die bestimmen, wie viel Tourismus sie wollen." Darüber sei man in einem "guten Austausch" mit den Verantwortlichen vor Ort.Es brauche eine "Gesamtstrategie", um die negativen Auswirkungen des Tourismus zu mindern", so der Tui-Chef, der in dem Gespräch nicht explizit auf das Thema Ferienvermietung eingeht. "Und das hat ganz viel mit Wohnraum zu tun - deswegen bauen wir für unsere Mitarbeiter oft auch Staff-Houses, wo sie wohnen können, aber auch der Polizist, der für neun Monate dort ist". Ebel hatte bereits zuvor in Aussicht gestellt, dass Tui auch selbst Wohnraum auf Mallorca schaffen könnte. (MZ)

(2024-08-31)

DER ALLERLETZTE MÄNNER-SPORT

tournach1b31Eine schottische Ministerin fordert die Schließung der spanischen Website, die sich über Balconing-Touristen lustig macht und deren Todesfälle zählt. “Die Briten enttäuschen NIEMALS. Jeder hat erwartet, dass die Könige dieses Sports wieder einmal die Nase vorn haben“, heißt es auf der Website des umstrittenen Balconing-Verbands der Balearen. Falls noch jemand nicht weiß, was Balconing sein soll: männliche Reiseidioten praktizieren seit Jahren den Sport, von Balkon ihres Hotels in der drei Stockwerke tiefer liegenden Swimming Pool zu springen. Manche treffen das Becken jedoch nicht oder haben sich nicht ausreichend versichert, dass da überhaupt Wasser drin ist. So kam es bereits zu vielen Todesfällen, die sehr unterschiedlich bewertet werden. Briten gelten als die Oberidioten dieses Sports.

Eine polemische Website mit schwarzem Humor ist in Großbritannien wegen ihrer Witze über zu Tode gekommene Balconing-Touristen unter Beschuss geraten. Eine schottische Ministerin hat die Schließung einer nach ihren eigenen Worten “absolut abscheulichen“ spanischen Website gefordert, auf der die Zahl der von Balkonen gestürzten Ausländer gezählt und nach Nationalität aufgelistet wird. Diese Forderung, von Medien wie The Times und The Guardian aufgegriffen, wurde wenige Tage nach dem Tod einer schottischen Jurastudentin auf Ibiza erhoben, die in dem von der Politik vertretenen Wahlkreis geboren wurde.

Die Tote, die 19-jährige Emma Ramsay, befand sich im Urlaub in einem Hotel auf Ibiza, als sie Berichten zufolge von einem Balkon im sechsten Stockwerk stürzte. Die spanische Polizei erklärte, der Sturz werde als Unfall behandelt. Die Website, auf die verwiesen wird, nennt sich Balearic Balconing Federation, eine Plattform, die mit einer kräftigen Dosis schwarzen Humors das “Comeback“ britischer Touristen in ihrer Rangliste der Todesfälle und Verletzungen infolge von Balkonsprüngen auf den Balearen rühmt. GB liegt mit sieben Punkten an der Spitze, gefolgt von Deutschland und Spanien. “Die Briten enttäuschen NIEMALS“, teilten die Balconing-Chronisten ihren über 55.000 Followern mit. “Alle waren zuversichtlich, dass die Könige dieses Sports wieder an der Spitze stehen würden“.

Mit solchen düster-sarkastischen Feststellungen soll jetzt Schluss sein, jedenfalls wenn es nach Christina McKelvie gehen würde. Sie ist Schottlands Ministerin für Drogen- und Alkoholpolitik und greift die Website an. “Das ist absolut abscheulich, mein Mitgefühl gilt den Angehörigen derjenigen, die von dieser Organisation angegriffen wurden. Es ist verwerflich, dass jemand versucht, tragische Todesfälle auf so grausame Weise auszunutzen“, sagte sie.

Dass die Schottin ausgerechnet dann reagierte, als eine Landsfrau den Sturz nicht überlebte, wirft ein Licht auf ihr Nationalgefühl, nicht aber auf ein großes Hintergrundwissen. Denn die klammheimliche Sarkasmus-Freude über tote Balcon-Jumper hat selbstverständlich ihre Geschichte. Der Sport ist nichts anderes als eine der vielen Perversionen, die sich reisende Männer in touristischen Gebieten leisten, weil sie sich zu Hause nicht trauen. Im Urlaub die Sau raus! Da wundert es wenig, dass findige Kritiker die die der Webseite aus der Misere eine Tugend machen und die Todes- und Verletzungsfälle nicht nur bilanzieren, sondern Touristen direkt auffordern (in Worten und durch Graffitis), sich am Balconing-Sport zu beteiligen. Nach dem Motto “je größer die Zahl der Gefallenen, desto reduzierter der Massen-Tourismus“.

Dass es im Fall von Emma womöglich ein unfreiwilliger Ausrutscher war und kein absichtlicher Sprung, ist tragisch, erklärt aber nicht die Forderung der Politikerin. Denn die Ministerin fuhr fort: “Je früher die Organisation geschlossen wird, desto besser, und die sozialen Netzwerke sollten alle möglichen Schritte unternehmen, um solche bedauernswerten Inhalte von ihren Seiten zu entfernen“. Über die tödlichen Folgen des Massen-Tourismus, ganz besonders auf den Balearen, verliert Christina kein Wort.

Die einfachste Lösung wäre, dem Fisch (die Webseite) das Wasser zu entziehen (die Balkon-Springer). Wenn es keine Balconer (keine Vollidioten und keinen Massen-Tourismus) mehr gäbe, würden die Web-Betreiber ihre Publikation von alleine schließen, ohne Zutun der Ministerin. Die “Vereinigung“ selbst bezeichnet sich im Internet übrigens als “darwinistisch-touristenfeindlich“ und registriert solche Todesfälle seit 1999. Das Problem sei nicht die Veröffentlichung ihrer Klassifizierung, sondern der “Massentourismus“ und seine Folgen. Rest in peace, Emma.

(2024-08-25)

TOURISMUSPHOBIE IN SEVILLA

tournach1b25Im Sevilla-Stadtteil Santa Cruz wurde ein Eimer Wasser von einem Balkon auf eine Gruppe von britischen Touristen geworfen. Der Vorfall ereignete sich in der Calle Lope de Rueda und betraf etwa zwanzig Kreuzfahrt-Passagiere, die einen Ausflug nach Sevilla gebucht hatten, nachdem sie in Cádiz von Bord gegangen waren. Insbesondere eine Familie, die sich entschloss, sofort abzureisen. Die Reiseführerin, die die Gruppe begleitete, bedauert, dies sei “kein Einzelfall“ und erzählt, dass andere Kollegen während ihrer Arbeit in Santa Cruz und anderen Vierteln von Schubsereien, Anschreien und “Beleidigungen“ berichtet haben.

Der Tourismus ist für Sevilla unverzichtbar geworden, aber da es jeden Tag mehr Besucher gibt und der besuchte Raum der gleiche bleibt, führt er zu unbestreitbaren Problemen der Vereinbarkeit mit denjenigen, die nicht als Besucher*innen in der Stadt sind, sondern weil sie dort leben. Die Schwierigkeit der Koexistenz wird allmählich zu einem spürbaren Phänomen auf den Straßen. Die Rede von Touristenphobie ist unbestreitbar, wenn es zu Vorfällen kommt wie dem in Santa Cruz, dem touristischsten Viertel der Hauptstadt. Dort traf eine Gruppe von Briten auf einen Nachbarn, der sie von einem Balkon aus mit einem Eimer Wasser bewarf. Das Ergebnis: vier “tropfende“ Touristen, eine Familie, die die Tour verließ, während gegen Sevilla wütende Kritik geübt wurde, und eine verlegene Fremdenführerin, die so etwas in ihrer 25-jährigen Karriere noch nie erlebt hatte.

Der Vorfall ereignete sich am Eingang zum Viertel Santa Cruz von der Plaza Alfaro aus. Es handelt sich um eine sehr belebte und besonders enge Straße. Bei den Besucher*innen handelte es sich um etwa zwanzig britische Kreuzfahrt-Passagiere, die mit dem Schiff in Cádiz angekommen waren und einen Ausflug nach Sevilla gebucht hatten. Reiseleiterin Mercedes Míguez: “Plötzlich wurde ein Eimer Wasser von einem Balkon auf uns geworfen, und ein Mann und ein Ehepaar mit ihrer Teenager-Tochter waren tropfnass. Die Frau fing an zu weinen und ging weg“, erklärt sie.

“Sie sagte, dass man hier gegen Touristen sei und dass die Medien in Großbritannien viel über die Fremdenfeindlichkeit in Spanien berichten“, erinnert sich die Fremdenführerin. Sie versuchte, die Situation zu entschärfen, obwohl “es natürlich Absicht war“, wie sie zugibt. “Es war sehr unangenehm. Von nun an werde ich jedes Mal, wenn ich dort vorbeikomme, mit meinem Mobiltelefon eine Aufnahme machen“, sagt sie. Im Hotel gegenüber dem Balkon habe man ihr gesagt, dass das, was passiert sei, „zum wiederholten Mal vorgekommen“ sei.

“Der Besuch wurde fortgesetzt, aber er war ruiniert“, bedauert Míguez, die besonders verletzt ist, weil die Art von Touristen, aus denen die Gruppe bestand, aus einem Sektor stammt, der mit dem so genannten Qualitäts-Tourismus verbunden ist. “Die Kreuzfahrt-Passagiere lassen viel Geld hier, und sie stören uns überhaupt nicht, sie sind die charmantesten“, betont sie.

Die Fremdenführerin, die der “Vereinigung der Touristen-Informatoren von Sevilla“ (Asociación Unitaria de Informadores Turísticos de Sevilla, AUITS) angehört und bereits von der Fremdenverkehrs-Polizei und der Stadtverwaltung kontaktiert wurde, hat den Vorfall schnell an ihre Kollegen weitergegeben. Die waren alles andere als überrascht und begannen, von anderen Vorfällen zu berichten, die sie seit einiger Zeit, insbesondere seit dem Ende der Pandemie, erlebt haben. “Sie sagten, dass sie und die Touristen geschubst, angeschrien und beschimpft werden. Eine Kollegin von mir hat mir erzählt, dass sie gerade am Vortag geschubst wurde“, erzählt sie. Was ihr passiert ist, “ist offenbar auch anderen Kollegen in Santa Cruz passiert“.

“Das ist kein Einzelfall“, fügt sie hinzu. Die “Fremdenführer“ verstehen auch die andere Sichtweise, nämlich die der Nachbarn. “Ich verstehe einen Teil der Verärgerung. Ich verstehe, dass die Stadt so überfüllt ist und die Gruppen von Free Tours auch um Mitternacht noch herumschreien. Aber das Bild, das die betroffene Dame von Sevilla mitnimmt, ist nicht das vom schönen Sevilla. Mit einem Eimer Wasser zu werfen, ist keine Lösung“, stellt Míguez fest. Und was könnte die Lösung sein?

“Eine ist, die Besuchszeiten im Stadtteil zu überdenken. Ich verstehe, dass die Nachbarn nicht um Mitternacht in voller Lautstärke eine Free Tour erdulden können. Oder man reduziert die Anzahl der Gruppen: Die Höchstzahl bei offiziellen Führungen liegt bei 30 Personen, allein das ist schon eine Menge Chaos. Eine weitere Möglichkeit wäre, das Tragen von Ohrstöpseln für alle Gruppen vorzuschreiben, denn lautes Sprechen ist nicht dasselbe wie normales Sprechen“, antwortet sie.

Diese Vorschläge decken sich weitgehend mit denen der Anwohner selbst. Während der Amtszeit der PSOE hatten sich beide Seiten auf eine Liste “guter Praktiken“ geeinigt, die aber von der neuen ultrarechten Stadtregierung PP-VOX noch nicht in eine spezifische Verordnung für das Viertel umgewandelt wurde, wie María José del Rey, Vorsitzende der Anwohner-Vereinigung Santa Cruz, damals erklärte. Zu den Maßnahmen gehörten die Vermeidung von Menschen-Mengen an Orten mit hohem Verkehrs-Aufkommen oder von geringem Raum, die Nichtbehinderung von Gebäude-Eingängen oder des Durchgangs von Einheimischen, die Verwendung von Funkführern und Kopfhörern, das Verbot von Megaphonen und die Vermeidung von Erklärungen in der Nähe von Fenstern oder Haustüren. 

“Die Stadt braucht den Tourismus, aber wenn es noch zwei oder drei weitere Fälle gibt, wird die Tourismusphobie aufhören, weil der Tourismus sein Ende findet. Und Qualitäts-Touristen wollen keine überfüllten Städte“, sagt Míguez. (Quelle)

(2024-08-23)

JULI-TOURISMUS IM BASKENLAND

tournach1b23Sinkende Hotelauslastung bei steigenden Tarifen und gleichzeitigem Anstieg der Touristen-Wohnungen – das baskische Statistik-Institut Eustat stellt einen Rückgang der Hotelnutzer in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa fest. Damit wird der Trend der vergangenen Jahre gebrochen. Die Preise sind um 7,7% gestiegen. – Die Übernachtungen in den Hotelbetrieben der Autonomen Gemeinschaft Baskenland sind im Juli dieses Jahres um 1,8% angestiegen, obwohl die Zahl der Besucherinnen um 1,8% gesunken ist, womit der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre gebrochen wurde.

Zwei Faktoren könnten dies beeinflusst haben. Zum einen lag nach Angaben von Eustat der durchschnittliche Tagessatz bei 138,38 Euro, das sind 7,7% mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Andererseits sind private Toruismus-Wohnungen als Alternative zu Hotels deutlich im Kommen, auch wenn dies im Bericht nicht erwähnt wird. Wie Eustat erläuterte, lag die Belegungsrate im letzten Monat in den drei Provinzen insgesamt bei 71,6%, gemessen an den Schlafplätzen (1,2 Punkte weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres), und bei 80,7%, gemessen an den Zimmern (1,3 Punkte weniger).

Die 387.004 Ankünfte im siebten Monat dieses Jahres führten zu insgesamt 818.058 Übernachtungen. 55,4% der Ankünfte und 55,1% der Übernachtungen waren ausländischer Herkunft, mit einem Anstieg von 1,8% bei den Ankünften und 4,0% bei den Übernachtungen. Die Zahl der Ankünfte und der Übernachtungen inländischer Herkunft hingegen verzeichnete im Jahresvergleich einen Rückgang um 6,0% bzw. 0,9%.

Nach Provinzen

In Araba wurden 55.402 Ankünfte und 112.533 Übernachtungen gezählt, das sind 5,2% weniger Ankünfte und 3,5% mehr Übernachtungen als im Juli des Vorjahres. In Bizkaia war die Zahl der Ankünfte um 2,6% niedriger als im Juli 2023, während die Übernachtungen um 0,3% stiegen, mit insgesamt 173.746 Ankünften und 349.520 Übernachtungen. In Gipuzkoa wiederum wurden im gleichen Zeitraum 157.856 Ankünfte registriert, 0,2% mehr als im Juli 2023, mit insgesamt 356.005 Übernachtungen, 2,7% mehr als im gleichen Monat des Vorjahrs.

Nach Hauptstädten aufgeschlüsselt, stieg die Zahl der Übernachtungen in Donostia um 4,5% und sank in Gasteiz und Bilbo um 4,8% bzw. 3,1%. Die Gesamtzahl der Übernachtungen stieg im Vergleich zum Juli des Vorjahres in Donostia um 8,1% und in Gasteiz um 5,9%, während sie in Bilbao um 0,9% zurückging. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Hotel-Betrieben der Region lag im Juli 2024 bei 2,11 Tagen und damit höher als im gleichen Monat des Jahres 2023, wo sie 2,04 Tage betrug.

Durchschnittlicher Preis

Für die Hoteliers selbst sind die Nachrichten gar nicht so schlecht. Die Rentabilität, die anhand des durchschnittlichen Tagespreises (für ein Doppelzimmer mit Bad auf der Basis von Einzelzimmern) gemessen wird, erreichte 175,49 Euro in Gipuzkoa, 117,56 Euro in Bizkaia und 90,40 Euro in Araba. Nach Hauptstädten aufgeschlüsselt, lag die Quote in Donostia bei 212,30 Euro, in Bilbao bei 128,48 Euro und in Gasteiz bei 77,51 Euro. Der durchschnittliche Umsatz pro verfügbarem Zimmer (RevPar) lag im Juli 2024 in den Hotel-Betrieben der Region bei 111,71 Euro und damit um 6,0% höher als im gleichen Monat des Vorjahres. (gara)

(2024-08-22)

BARCELONA FÜLLT SICH MIT 5-STERNE-BETTEN

tournach1b22Mitten in der Debatte über die Überfüllung der katalanischen Hauptstadt mit Touristen steigen die Investitionen in Luxushotels in Barcelona sprunghaft an. Denn Barcelona ist zu einem Luxusziel geworden. Nach Angaben des Statistischen Instituts von Katalonien (Idescat) hat die katalanische Hauptstadt in den letzten zehn Jahren einen bemerkenswerten Anstieg der Zahl der Betten in Fünf-Sterne- und Luxushotels zu verzeichnen. So ist die Zahl dieser Betten seit 2012 um mehr als 50% gestiegen, von 8.600 auf mehr als 13.200 im Jahr 2022.

Das Wachstum im High-End-Sektor hebt sich von der Zunahme der Betten in Vier-Sterne-Hotels ab, die im gleichen Zeitraum um 18% von 26.420 Betten im Jahr 2012 auf 31.286 Betten im Jahr 2022 gestiegen sind. Insgesamt ist die Hotelkapazität in Barcelona in den letzten zehn Jahren um 26% gewachsen, wie aus den Daten der katalanischen Nachrichten-Agentur (ACN) hervorgeht.

Wie El Nacional hervorhebt, spiegelt dies nicht nur eine Veränderung des Tourismusmodells in Barcelona mit kaufkräftigeren Touristen wider, sondern ist auch ein Anziehungspunkt für Investoren, die auf dem Markt für Luxushotels ihre Chance suchen.

Expandierender Markt

In Barcelona gibt es derzeit 445 Hotels mit insgesamt 78.083 Betten, von denen 17% auf Fünf-Sterne- oder Luxushotels entfallen. Davon entfallen 6.717 Betten auf Luxushotels (8,6%) und 6.579 auf Fünf-Sterne-Hotels (8,4%). Obwohl diese Betten nur eine Minderheit der Gesamtzahl ausmachen, verläuft ihr Wachstum deutlich schneller als das der übrigen Kategorien, was von einem besonderen Interesse kaufkräftiger Touristen zeugt.

In einem Kontext, in dem die Debatte über die Überfüllung der Touristenströme weiterhin im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht, nehmen die Investitionen in Luxushotels in Barcelona weiter zu. Aus einer aktuellen Studie des Immobilien-Beratungs-Unternehmens CBRE geht hervor, dass die Investitionen in Luxushotels in der katalanischen Hauptstadt in der ersten Jahreshälfte fast 100 Millionen Euro erreicht haben, was 36% der Gesamtinvestitionen in diesem Sektor entspricht und damit über dem nationalen Durchschnitt (30%) liegt.

Als herausragende Transaktionen nennt das Beratungsunternehmen den Kauf der Luxushotels Miramar und La Florida durch das Unternehmen Atom sowie den Verkauf des Ocean Drive Barcelona mit 98 Zimmern. Diese Entwicklung hat ein wachsendes Interesse von Investoren in der Stadt geweckt, die in den Hotels des unteren Segments eine Chance sehen, ihre Position zu verbessern und ihre Preise zu erhöhen.

Die Löhne in diesem Sektor bleiben niedrig

Trotz des Aufschwungs der Luxushotellerie in Barcelona ist die Beschäftigungs-Situation der Arbeitnehmer in der Tourismusbranche nach wie vor prekär. Nach den neuesten Daten der Beobachtungsstelle für Tourismus in Barcelona waren im Jahr 2022 in der Provinz 298.398 Personen in diesem Sektor beschäftigt, was 11,3% der Gesamt-Beschäftigung entspricht. Fast die Hälfte dieser Beschäftigten erhielt jedoch Bruttolöhne von weniger als 1.000 Euro pro Monat.

Auch in Bezug auf das Geschlecht sind Lohnunterschiede festzustellen: Frauen erhalten im Durchschnitt 25% weniger als Männer (21.560 Euro pro Jahr gegenüber 28.807 Euro). Diese Zahlen verdeutlichen die Unterschiede in einem Sektor, in dem Expansion und Luxus im krassen Gegensatz zu den prekären Verhältnissen eines Großteils der Beschäftigten stehen. (LINK)

(2024-08-19)

DANKESCHÖN HOLLAND!

tournach1b19Jungs, das habt ihr gut gemacht, dieses Loch in die Wand des Hotelzimmers zu hauen – direkte Aktion, um einen netten Gemeinschafts-Raum zu schaffen, wo diese blödsinnigen Touristen-Räume immer so beengt eingerichtet sind. Jedenfalls habt ihr mit dieser Aktion deutlich gemacht, wie beschissen Tourismus funktioniert, wie beschissen sich viele der willkommen geheißenen Gäste sich benehmen, und wie Recht diejenigen haben, die klipp und klar sagen “Bleibt doch fort!“

Ich muss zugeben, überrascht und etwas angefasst gewesen zu sein, als ich die Nachricht las: “Neun Urlauber auf Mallorca festgenommen - In blinder Zerstörungswut haben neun junge Männer während ihres Urlaubs an der Playa de Palma an den Tag gelegt. Die Gruppe von Touristen aus den Niederlanden verwüstete ihre Zimmer in einem Hotel an der Playa de Palma. Die Gruppe junger Männer hatte auch die Flachbildfernseher zerstört und wurde kurz vor ihrer Abreise am Flughafen von der Nationalpolizei festgenommen.“

„Was soll das denn?“ war mein erster Gedanke, doch beim weiteren Nachsinnen entdeckte ich ganz andere Sichtweisen eurer von den bürgerlichen Medien so verächtlich dargestellten Aktion. Irre ich mich oder war es nicht so:

Als Bewohner von Amsterdam leidet ihr seit Jahren unter einem nicht länger zu ertragenden Massen-Tourismus, der euch einst nach eine durchzechten Nacht auf die Idee gebracht hat, es „denen doch mal gründlich heimzuzahlen“. Mit der Ökogruppe in euerm Stadtteil zusammen habt ihr den Plan entwickelt, in einen der Massen-Hotspots zu reisen und dort mit einer spektakulären Aktion auf die Situation weltweit in Punkto Massentourismus aufmerksam zu machen. Mallorca war dabei ein eher zufälliges Ziel, weshalb sich eure Umweltgruppe im Anschluss an die Aktion auch umgehen entschuldigt hat bei der Belegschaft des Hotels und der mallorquinischen Bevölkerung insgesamt.

“Angestellte des Hotels zeigten die neun Männer am Sonntag an, nachdem sie die Schäden in den Zimmern bemerkt hatten. Unter anderem hatten die jungen Männer, die zwei nebeneinander liegende Hotelzimmer bewohnten, in die Trennwand zwischen den Zimmern ein Loch geschlagen. Offensichtlich gelangten sie so von einem Zimmer in das andere. Auch mehrere elektronische Geräte in den Zimmern waren komplett zerstört“ – so, liebe Kollegen, wurde eure Aktion in den bürgerlichen Medien dargestellt, kein Wort von euren noblen Beweggründen.

Ihr habt deutlich gemacht, wo es mit dem Massentourismus lang gehen muss. Direkte Aktion, weltweite Schlagzeilen … dass ihr dabei persönliche Unbill in Kauf genommen habt, ehrt euch umso mehr, denn: “In Zusammenarbeit mit den Polizeikräften am Flughafen gelang es den Beamten, die Gruppe aufzuspüren und festzunehmen, kurz bevor die jungen Männer in ihren Flieger in die Niederlande steigen wollten. Sie mussten die Nacht von Sonntag auf Montag in einer Zelle der Nationalpolizei verbringen. Am Montagmorgen wurden die neun Männer dem diensthabenden Richter vorgeführt, der sie gegen eine Kaution laufen ließ.“ Bitte teilt uns doch die Kontonummer mit, an die Spenden geschickt werden können, um die Unkosten für die wahrlich revolutionäre Aktion beglichen werden. Wir danken euch ewig für den öffentlichen Anstoß, den ihr der internationalen Tourismus-Phobie-Bewegung gegeben habt. Gerne teilen wir euch und allen Gleichgesinnten Hotel-Adressen in Bilbao mit, zur Unterkunft – in Doppelzimmern! Dankeschön Holland!

(2024-08-18)

ORTE MIT DEN MEISTEN TOURISTEN AUF MALLORCA

tournach1b18In diesen Gemeinden auf Mallorca gibt es am meisten Urlauber pro Einwohner. Das spanische Statistik-Institut hat anhand von Handy-Daten das Verhältnis von Touristen und Einwohnerregister errechnet: Der Andrang von Mallorca-Urlaubern ist in Santanyí, Capdepera, Alcúdia, Deià und Estellencs - gemessen an der jeweiligen Einwohnerzahl in der Gemeinde - besonders groß. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der von Funkmasten registrierten Handydaten durch das spanische Statistik-Institut (INE).

Im Sommer würden zum Teil - gemessen an der Gesamtstatistik pro Monat - fünfmal mehr Urlauber als Einwohner registriert, wobei natürlich die wenigsten Besucher einen ganzen Monat bleiben. Die Tramuntana-Gemeinde Escorca (Pilgerstätte Lluc, Sa Calobra), die sehr weitläufig ist, aber mit 194 Personen nur wenige Einwohner hat, kommt gar auf ein Verhältnis von 70:1, wie die Statistik ergibt.

Die Zahlen im Einzelnen: In Santanyí wurden laut den Handydaten im vergangenen Juni 81.463 Urlauber registriert. Diesen steht eine Einwohnerzahl von 12.480 gegenüber. In der Gemeinde Capdepera mit dem Küstenort Cala Ratjada waren es 64.968 Touristen bei gleichzeitig 12.340 gemeldeten Einwohnern, in Alcúdia 102.153 Urlauber und 21.322 gemeldete Einwohner.

Ein Extremfall ist auch das Gebirgsdorf Deià mit seinen lediglich 675 Personen im Melderegister. Im Juni waren dort laut der Studie 3.524 Urlauber zu Gast. Und in Estellencs mit seinen 675 gemeldeten Einwohnern waren es 2.277 Touristen.

Die klassischen Urlauber-Hotspots im Südwesten von Mallorca dagegen spielen keine wichtige Rolle in der Statistik, da hier der großen Besucherzahl auch eine hohe Einwohnerzahl gegenübersteht. In der Großgemeinde Calvià (Peguera, Magaluf, Santa Ponça) waren es bei 53.162 Einwohnern 239.743 Urlauber, in der Balearen-Hauptstadt Palma bei 423.350 Einwohnern immerhin 397.977 Urlauber.

Der spanienweite Vergleich

Wenig überraschend ist das Ergebnis, dass die Urlauberdichte auf den Balearen im spanienweiten Vergleich besonders hoch ist. Gezählt wurden im Juni genau 2.072.816 Touristen, vor Katalonien (2.030.748), Valencia (964.028), den Kanaren (1.037.087) und Andalusien (1.332.819).

Die Overtourism-Debatte auf Mallorca wird in diesem Jahr besonders intensiv geführt, bei zwei Großdemonstrationen protestierten die Teilnehmer gegen die Auswirkungen des Massentourismus, insbesondere die Wohnungsnot. Die rechte balearische Landesregierung hat Arbeitsgruppen einberufen, die auf Grundlage von Vorschlägen aus der Bevölkerung Lösungen erarbeiten sollen. (MZ)

(2024-08-15)

TOURISTISCHE ÜBERFÜLLUNG IN SINTRA

tournach1b15Die Sättigung mit Touristen und Besuchern an Orten, die für die ansässige Bevölkerung ein Ärgernis darstellen, ist nicht nur ein Problem von Stränden wie Mallorca und Ibiza oder von Städten wie Madrid, San Sebastian, Barcelona oder Malaga. Das Phänomen hat sich in ganz Europa ausgebreitet, und mehrere Städte planen, Maßnahmen zu ergreifen, bevor es für das Phänomen keine Lösung mehr gibt. Venedig zum Beispiel hat bereits die Zahl der Gruppen begrenzt, die täglich durch die Straße gehen dürfen. Auch in Portugal, einem der beliebtesten Reiseziele Spaniens, beginnen sich Bewegungen gegen den Massentourismus zu formieren. Dies ist der Fall in Sintra, einer der meistbesuchten Städte des Nachbarlandes.

„Die Zunahme des Verkehrs, der Massentourismus und die daraus resultierende Verschlechterung der Lebensqualität der Menschen, die am Fuße des Sintra-Gebirges leben, veranlassten Anwohner und Geschäftsleute im vergangenen Jahr, Protestbotschaften an den Fenstern, Türen und Balkonen ihrer Häuser und Geschäfte anzubringen“, berichtet die Website lisboaparapessoas.pt.

Die Anwohner beschweren sich vor allem über das von den Touristenfahrzeugen verursachte Verkehrschaos. “Nach dem Mittag wird es noch schlimmer. Zwischen 40 und 70 Touristenfahrzeuge parken an der Kreuzung dieser Straße, ohne jemanden durchzulassen, und kein Polizist ist dort zu sehen, wo er sein sollte. Es gibt keine Vorschriften und jeder macht, was er will. Ich habe Kunden, die ihr Haus im Dorf verkauft haben, weil sie es nicht mehr ertragen konnten, hier zu leben. Ich habe schon viele Leute verloren, die mich anrufen und mir sagen, dass sie wegziehen müssen, weil sie nicht mehr parken können“, erklärt Paulo Pinto gegenüber den Medien. Paulo Pinto, Besitzer eines mehr als hundert Jahre alten Friseursalons im Stadtzentrum.

“Wir wollen, dass Sintra lebendig und bewohnt ist. Nein zum Massentourismus“, “Welterbe ja, Vergnügungspark nein!“ oder “Sintra: ein Stau im Paradies“ sind einige der Botschaften, die auf den Bannern zu lesen sind, die der Verein QSintra - In Defence of a Unique Site in der ganzen Gemeinde verteilt hat und die dringende Maßnahmen fordern.

(2024-08-14)

VIER MILLIONEN AUF EINEM QUADRAD-KM

tournach1b14Im italienischen Cinque Terre, einem Weltkulturerbe, werden die Züge teurer und die Fahrten werden reguliert, um den Massentourismus einzuschränken - Vor fast einem Jahrhundert wurde in Italien ein Weg angelegt, um Riomaggiore und Manarola zu verbinden, zwei der schönsten Dörfer von Cinque Terre in Ligurien. Es waren Gebiete von Bauern, die ihre Häuser zwischen schöne Felsen gehauen hatten, die aber trotz ihrer Nähe kaum miteinander interagierten: Sie waren isoliert.

Der Weg wurde zunächst Strada nuova genannt, die neue Straße, die die ersten Verbindungen zwischen den beiden Gemeinden herstellte - und zu den ersten "gemischten" Ehen führte. Und eines schönen Tages beschloss ein Wanderer, an einem Punkt entlang des Weges, mit einem eindrucksvollen Panoramablick, den Namen zu schreiben, unter dem er bis heute bekannt geworden ist. Es ist die Via dell'Amore, die Straße der Liebe.

Die schöne Straße war seit einem Erdrutsch im Jahr 2012 geschlossen, aber jetzt, nach Jahren der Restaurierung, wurde sie gerade für die Allgemeinheit geöffnet. Eine gute Nachricht für Liebhaber dieses Ortes, aber auch ein Grund zur Sorge für die Einwohner von Cinque Terre, die befürchten, dass mit der Förderung des Weges der riesige Touristenstrom noch schwieriger zu bewältigen sein wird. Etwa vier Millionen Touristen, von denen viele mit Kreuzfahrt-Schiffen kommen, die im Hafen von La Spezia anlegen, besuchen jedes Jahr Cinque Terre auf der Suche nach seinen wunderschönen Stränden und bunten Dörfern. Das Problem ist, dass sie alle auf einmal kommen, was zu Spitzenzeiten wie den langen Wochenenden im Frühjahr nicht tragbar ist. Im vergangenen Jahr konzentrierten sich die vier Millionen Touristen auf nur einen Quadratkilometer, das meistbesuchte Gebiet des Naturparks: "Bei den Kreuzfahrt-Passagieren ist das ein Problem, weil sie zur gleichen Zeit ankommen und die gleichen Orte besuchen wollen", sagt Fabrizia Pecunia, Bürgermeisterin von Riomaggiore. "Manchmal haben wir bis zu 15.000 Menschen in der Stadt. Um weitere Warteschlangen zu vermeiden, haben wir die Via dell'Amore nur nach vorheriger Anmeldung und mit gestaffelten Eingängen zugänglich gemacht, so dass nicht mehr als 400 Personen auf einmal kommen können".

Dies ist nicht die einzige Maßnahme. So wurde zum Beispiel der Sentiero Azzurro, die meistbefahrene Strecke im Nationalpark, die Vernazza und Monterosso al Mare verbindet, an Feiertagen nur in eine Richtung geöffnet. Außerdem gab es im April in der Region Ligurien Proteste gegen die Entscheidung, die Fahrpreise für den Zug zu erhöhen, der von März bis November die Dörfer der Cinque Terre miteinander verbindet und die Touristen in dieses Paradies bringt. Der Zug heißt Cinque Terre Express und benötigt nur 4-6 Minuten zwischen den einzelnen Haltestellen, aber in der Hochsaison kosten die Fahrkarten jetzt bis zu 32,50 Euro. "Verzeihen Sie uns die Erhöhung der Fahrpreise, wir haben nichts damit zu tun", heißt es auf Plakaten in den Dorfläden. Ganz in der Nähe gibt es das Beispiel Venedig, das mit einer Tagesgebühr von 5 Euro für Besucher ohne Hotel-Reservierung experimentiert. In Cinque Terre bedauert man, nicht die Kompetenz zu haben, diesem Beispiel zu folgen. "Wir sollten in der Lage sein, die 4 Millionen, die kommen, zu besteuern, nicht die 1 Million, die über Nacht bleiben", sagt Bürgermeisterin Pecunia. (LINK)

(2024-08-12)

BALLERMANN-STRAND BESETZT

tournach1b12Tourismus-Kritik auf Mallorca: Flagge, Volkstanz und gelassene Urlauber: So lief die "Besetzung" des Ballermann-Strands. Mehr als hundert Teilnehmer folgten am Sonntag (11.8.) dem Aufruf der Initiative Mallorca Platja Tour - Auf den ersten Blick ist nicht gleich zu erkennen, wer einfach Mallorca-Urlauber ist und wer an der Protestaktion #Ocupem-Les-Nostres-Platges mitmacht. Die Teilnehmer sind schließlich im Touristenlook an die Playa de Palma gekommen, bauen ebenfalls ihre Sonnenschirme auf und baden im Meer. "So soll es sein", sagt Vicenç, "das war die Idee der Aktion".

Der Mallorquiner ist kein Sprecher der Initiative Mallorca Platja Tour, die mit satirischen Aktionen darauf aufmerksam machen will, welche Folgen der Massentourismus für die einheimische Bevölkerung hat. Sie versteht sich als Bewegung ohne hierarchische Strukturen, die über die sozialen Netzwerke Aktionen ankündigt wie an diesem Sonntag (11.8.): Mit Bildern vom Tourismus aus den 1960er-Jahren riefen die Aktivisten dazu auf, sich zwischen 11 und 13 Uhr unter die Urlauber am Balneario 6 zu mischen - so wie der Ballermann 6 im Original heißt. Die Spaßaktion sollte darauf aufmerksam machen, dass sich viele Mallorquiner an diesem Strand schon lange nicht mehr wie zu Hause fühlten und ein außer Kontrolle geratener Massentourismus in seine Schranken gewiesen werden müsse.

Mehr als hundert Teilnehmer sind auszumachen. Einige Teilnehmer rollen ein großflächiges Transparent mit dem Motto "Lasst uns unsere Strände besetzen". Dann sind Xeremies zu hören, wie die mallorquinischen Dudelsäcke heißen, und ein paar Teilnehmer tanzen einen Volkstanz.

"Wir müssen beim Tourismus inne halten", meint Toni, der wie viel andere ein gelbes T-Shirt mit der Aufschrift "Mallorca Platja Tour" trägt. Vor 40 Jahren sei er noch hierher zum Baden gekommen, jetzt nicht mehr. Viele Strände Mallorcas seien überlaufen, da müsse ein Limit her. An der Playa de Palma zudem die Probleme des Sauftourismus. "Ich habe gerade einen Urlauber gesehen, der konnte nicht mehr geradeaus laufen", so der Mallorquiner, der sich gleichzeitig von Sprüchen wie "Tourist go home" distanziert: Tourismus ja, aber in geordneten Bahnen.

Ein bisschen Gegendemo

Mitten im Getümmel sitzt Urlauber Marco aus Berlin und nimmt die Aktion gelassen hin. Er habe Verständnis dafür, auch wenn ihn ein "Tourist-go-home"-Schild irritiert habe. "Ich habe niemandem etwas getan. Ich komme gerne nach Mallorca, und die Mallorquiner können auch gerne zu uns nach Deutschland kommen", meint er – können sie aber nicht mit ihren schlechten Löhnen aus der Tourismus-Beschäftigung. Er schiebt nach: "Ich würde es auch nicht gut finden, wenn dieser Sauftourismus in meiner Straße stattfinden würde." Die Xeremies-Musik wäre ihm jedenfalls lieber als die Ballermann-Hits, ein bisschen Folklore am Strand.

Wobei kurz darauf ein weiterer deutscher Urlauber hinter ihm sein Handtuch ausbreitet und selbst Musik aufdreht. Der Song "Ein Stern, der deinen Namen trägt" mischt sich jetzt mit den Xeremies-Klängen. "Ein bisschen Gegendemonstration", sagt der unerschrockene Badegast.

Vor allem ist es aber auch ein Medienspektakel. Spanische und deutsche TV-Sender sind mit Kameras vor Ort, einige Teilnehmer der Aktion wie auch Urlauber geben Interviews am laufenden Band.

Auch deutsche Teilnehmer

Ausdrücklich solidarisch mit der Aktion erklärt sich Rolf Hagen, der seit vielen Jahren mehrere Monate im Jahr auf Mallorca verbringt. Er sei dem Aufruf zu der Aktion gefolgt, als er davon in den Medien gelesen habe. "Es sind einfach zu viele Menschen", so der Kölner, der in einer Urbanisation der Nachbargemeinde Llucmajor wohnt. Von dort sehe er die große Zahl von Kreuzfahrtschiffen in Palmas Hafen, die weiter limitiert werden müsse, auch in der Ferienvermietung müsse eine wirksame Kontrolle her. Er komme gewöhnlich nicht an die die Playa de Palma, zum Baden ziehe er Naturbuchten weiter östlich vor.

Viel wäre schon erreicht, wenn die politischen Institutionen die aktive Bewerbung von Mallorca als Reiseziel einstellen würden und nicht noch weitere Zielgruppen animieren, wie das jetzt mit Urlaubern aus den USA der Fall sei, meint Teilnehmer Eloy. Auch er macht deutlich, dass es hier nicht um turismofobia (Tourismusphobie) gehe, sondern darum, dass ein Gleichgewicht gefunden werden und etwa die herrschende Wohnungsnot wirksam bekämpft werden müsse. "Wir Mallorquiner können mit diesen Preisen nicht mithalten." (MZ)

(2024-08-09)

DEUTLICHERE WORTE

tournach1b11Die Mallorca-Zeitung Berichtet über die Proteste gegen Massentourismus auf der Insel: “Hässliche Schmierereien und ein Geh-heim-Auftrag am Auto“ heißt es zuletzt. Der Satz bezieht sich auf ein Graffiti, dass Wellen schlägt. “Bisher waren die Proteste sehr konstruktiv. Nun aber tauchen vermehrt Botschaften und Aufkleber mit deutlichen Anfeindungen auf. Hoteliers und Ferienvermieter sorgen sich ums Geschäft, doch einigen Aktivisten kommt der rauere Ton gerade recht“. Was war geschehen? “Kill a tourist“ ist die Botschaft, die an einer Wand auftauchte.

“Schlägt die Stimmung jetzt um? Bisher waren die Proteste gegen die Auswirkungen des Massentourismus auf Mallorca betont friedlich und glichen eher einem Sonntagsspaziergang, auch wenn Zehntausende Menschen den Aufrufen zu den bisher zwei Großdemonstrationen gefolgt sind. Die Wasserpistolen blieben trocken und die Urlauber am Rand der Strecke unbehelligt. Viele äußerten Verständnis für die Anliegen der Demonstranten.“ Die Redakteure machen sich also Sorgen.

“Verständnis“ ist das Stichwort, viele hatten Verständnis. Verständnis ist nett, verändert aber nichts. “Ihr habt ja Recht, aber …“ Verständnis ist Hinhaltetaktik. MZ beklagt: “Nun wird die Auseinandersetzung zunehmend aggressiver geführt, zumindest auf den Wänden. Inzwischen sind an mehreren Orten Schmierereien mit eindeutigen Botschaften aufgetaucht: ‘Kill a tourist‘ steht an einer Wand in Manacor.“ Die Botschaft ist klar, es soll provoziert werden, die Sprüher haben sicher keine Massaker a la Israel im Sinn. Doch sind sie mit Verständnis wohl nicht zufrieden.

Weniger klar ist die Formulierung des zweiten umstrittenen Graffitis: “Tourismus macht frei“ – auf Deutsch. MZ: “In Anlehnung an das Motto ‘Arbeit macht frei‘ in den Konzentrationslagern der Nazizeit in Deutschland wurde an mehreren Stellen in der Altstadt von Palma an die Wände gesprüht.“ Nazi-Touristen? Tourismus-Feinde? Zugedröhnte Ballermänner? MZ bringt beide Graffitis in Zusammenhang. “Vergleichsweise harmlos waren dagegen noch die Aufkleber mit der Aufschrift ‘Tourists go home‘, die Unbekannte auf die Windschutzscheibe des Mietwagens einer Urlauberfamilie in Bunyola klebten.

Gleich macht sich MZ an die polizeiliche Erkundungsarbeit. “Bei den Urhebern dürfte es sich um kleine militante Gruppen oder sogar Einzelpersonen handeln, die auch schon bei anderen Gelegenheiten in Erscheinung traten. Ihre Meinung dürfte auf der Tourismusinsel Mallorca kaum mehrheitsfähig werden.“ Mehrheitsfähig nicht, aber das erste Graffiti hat sein Ziel bereits erreicht, mithilfe der deutschsprachigen Zeitung wissen alle deutschen Touris, was angesagt ist.

MZ: “Allerdings machen die Botschaften der Tourismusbranche auf der Insel zunehmend Sorgen, auch wenn das die Verantwortlichen nicht in allen Fällen offen zugeben wollen. So versucht man etwa bei der mallorquinischen Hoteliers-Vereinigung FEHM abzuwiegeln.“ Schön zu hören, wer abwiegelt hat Angst oder etwas zu verstecken. Zwei zu Null für Mallorca. Eine Sprecherin sagt: “Es ist eine winzige Minderheit, die sehr laut schreit. Deshalb nimmt man sie wahr.“ Man sei sich zwar der Gefahr bewusst, dass “derartige Botschaften für Verunsicherung in den Quellmärkten sorgen könnten“. Allerdings könne man sich nun nicht zu jeder Schmiererei an einer Wand äußern.

Auch “Ferienvermieter machen sich Sorgen“, berichtet MZ. “Expliziter ist da schon María Gibert, die Sprecherin der Vereinigung der Ferienvermieter Febhabtur. Sie ist besorgt vor den Auswirkungen solcher Botschaften auf die Buchungszahlen. Bereits jetzt stehe man bei 15 bis 20 Prozent weniger Auslastung als im vergangenen Sommer.“ Ein gute Nachricht, die zeigt, was eine “verschwindend kleine Minderheit“ erreichen kann – sollte der Rückzug überhaupt auf ihr Konto gehen.

“Schriftzüge wie ‘Kill a tourist‘ hülfen da nicht und seien zum Teil für den Rückgang der Urlauber verantwortlich“, glaubt Gibert. “Momentan sind die Auswirkungen noch überschaubar, weil die Saison mitten im Gange ist“, erklärt sie. Die Tourismus-Promotorin erzählt allerdings auch von Stammgästen, die jedes Jahr ein Ferienhaus auf Mallorca mieten, in diesem Jahr aber ihre Buchung kurzfristig storniert hätten. Einen genauen Überblick über die Zahl der Stornierungen habe sie nicht, bislang seien es noch eher Einzelfälle. Doch Sorge habe sie im Hinblick auf die kommende Saison. Dann nämlich könnten sich viele Urlauber andere Reiseziele suchen, weil sie sich auf Mallorca nicht mehr willkommen fühlten. Oder besser zu Hause bleiben, nach dem neuen Motto der “Staycations“. Auch die Hoteliers sprechen von schwächeren Buchungszahlen als vor der Saison erhofft.

“Auch sonst ist die Verunsicherung bei den Urlaubern bereits zu spüren. Yoann Blanc, Miteigentümer von Alquilair, einer Firma, die Ferienvermietung anbietet, berichtet, dass er und sein Team seit Wochen Nachrichten von Gästen beantworten, die von der aktuellen Entwicklung besorgt seien. Die Debatte werde zunehmend emotional geführt. Davon zeugen auch Zuschriften, die die MZ erreichen.“ Auch die MZ lebt von Tourismus, sonst wäre sie nicht in deutscher Sprache verfasst.

Zufrieden über die Verunsicherung sind hingegen die Initiatoren der Proteste, den Organisatoren der verschiedenen Protestaktionen “ist eine gewisse Verunsicherung der Urlauber und ein eventuelles Ausbleiben von Gästen nur recht“. Zitat: “Das ist ja genau das, was wir erreichen wollen“, erklärt Pere Joan Femenia, einer der Sprecher der Bewegung “Menys turisme, més vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben). “Wir fördern zwar nicht, dass die Leute ‘Kill a tourist‘ an die Wände schreiben, aber wir verstehen, dass viele Menschen äußerst genervt von den Auswüchsen des Tourismus sind“, sagt Femenia. Derartige “Schmierereien“ (MZ) würden ausdrücklich hingenommen und nicht verurteilt. “Es ist schon klar, dass das manchen Menschen weniger gefällt, aber wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir offenbar deutlichere Worte finden“, sagt Femenia. Bisher habe die Politik keinerlei ernsthafte Schritte unternommen, um den Massentourismus in den Griff zu bekommen. So viel zum Thema “Verständnis“. Erschrocken zeigte sich Femenia über den Schriftzug “Tourismus macht frei“, auf den er bisher nicht aufmerksam geworden sei. Er könne sich nicht erklären, wer diesen Satz an die Wände gesprüht haben könnte. “Unsere Bewegung ist antifaschistisch, von uns kann das niemand gewesen sein“, so Femenia, der es für möglich hält, dass es sich um Trittbrettfahrer handeln könnte. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein Mallorquiner geschrieben hat.“ Dass sich die Stimmung weiter aufheizen und in möglichen Attacken gegen Urlauber niederschlagen könnte, davon geht Femenia derzeit nicht aus. (MZ)

(2024-08-08)

FAKE NEWS GEGEN DEN TOURISMUS

tournach1b08“Kommen Sie nicht nach Malaga, mehr als 1.500 Hai-Angriffe“ - Die Sättigung des öffentlichen Raums, der Anstieg der Lebenshaltungskosten, die Probleme bei der Mobilität und der Grundversorgung während der Hochsaison haben bei einigen Bewohnern der am meisten von Tourismus betroffenen Gebiete des Landes Empörung ausgelöst. Vor diesem Hintergrund hat sich in den letzten Jahren eine immer stärkere Bewegung der Ablehnung von Reisenden entwickelt. Dies wird als Touristik-Feindlichkeit bezeichnet, oder auch Tourismusphobie.

Steigende Mieten, Mobilitätsprobleme, immer volle Restaurants. Was für die einen gut ist, bedeutet für die anderen Probleme. Was für die Bewohner der touristischen Gebiete Geld, Kundschaft und kulturelle Bereicherung bedeutet, ist für sie gleichzeitig der schlimmste Albtraum. Die von Massentourismus am stärksten betroffenen Gebiete sind die Küstenregionen, wo die Einwohner sehen, wie sich ihre Städte durch den Tourismus verändern und ihr tägliches Leben beeinträchtigen. Unter ihnen entsteht eine Botschaft der Ablehnung.

Um den Massentourismus zu vermeiden, verbreiten einige Leute in den sozialen Netzwerken Falschmeldungen mit erfundenen Informationen. Das jüngste Beispiel ist ein Bild von Seelöwen, die Badegäste am Strand von Comillas in Kantabrien angreifen. Das Video hat sich viral verbreitet, stammt aber tatsächlich aus San Diego in den USA. Ein anderes Beispiel ist ein X-Nutzer, der vor Haiangriffen in Málaga warnt: “Bitteschön, Touristen, kommen Sie nicht nach Málaga, an der Costa del Sol wurden mehr als 1.500 Haiangriffe registriert“, schrieb er. Er fügte hinzu, dass mehr als 500 Touristen durch diese Angriffe ihr Leben verloren hätten. Nicht die einzige Meldung dieser Art, sie betreffen nicht nur Küsten-Gebiete. Ein anderer Nutzer derselben Plattform schrieb, dass das berühmte Madrider Viertel Malasaña nach “Kanalisation“ stinke. “Ich habe einen Touristen sagen hören, dass Malasaña wie eine Kloake riecht. Zuerst war ich wütend, aber dann habe ich gemerkt, dass es stimmt. Touristen, kommt nicht nach Malasaña!

Das sind alles Fake News, um Touristen davon abzuhalten, nach Spanien zu kommen. Botschaften, die von den einen gelobt, von anderen heftig kritisiert werden, weil sie der Meinung sind, dass dies nicht der richtige Weg ist, um dem Tourismus ein Ende zu setzen. Sie gehen davon aus, dass die Verbreitung von Fake News dem Tourismus-Sektor schaden kann. Einige Kreuzfahrtschiffe erwägen bereits, ihre Routen zu ändern, um das Wohlergehen ihrer Gäste zu gewährleisten. “Jede Unsicherheit oder Sorge darüber, wie man empfangen wird, kann künftige Entscheidungen beeinflussen“, sagt der Leiter der Cruise Lines International Association (CLIA). Er fügt hinzu, dass nur solche Häfen angefahren werden, aus denen eine Einladung vorliegt.

Demonstration in Palma

Rund 12.000 (nach Angaben der Nationalpolizei) und 50.000 (nach Angaben der Organisatoren) gingen in Palma de Mallorca auf die Straße, um gegen die touristische Überfüllung auf der Insel zu protestieren, gegen den Rückgang der Gehälter, den Verlust an Lebensqualität, gegen die Staus auf den Straßen und an den Stränden, gegen den Lärm, den Land-Verbrauch für Neubauten und die Preise für Wohnungen und Mieten. “Ziel dieses Protestes ist es, einen Kurswechsel herbeizuführen, denn die Menschen haben die Nase voll von einem Wirtschaftsmodell, das die Probleme nicht berücksichtigt, die der Tourismus für die Einwohner verursacht“, erklärte er. (antena3)

(2024-08-07)

SCHLAG GEGEN BUGGY-URLAUBER

tournach1b07Gemeinde auf Mallorca versperrt Weg mit großen Steinen. Die Zufahrt zum Küstenabschnitt s’Algar ist seit Mai verboten. Daran hat sich bislang aber niemand gehalten. Jetzt blockieren Steine den Weg.

Der Kampf gegen Buggies und Quads ist eines der Themen des Jahres auf Mallorca. Mit Felanitx hat sich nun eine weitere Gemeinde entschlossen, aktiv gegen die Ausflügler vorzugehen, bei denen es sich meist um Urlauber handelt. Das Rathaus versperrte einen Weg zum Küstenabschnitt s’Algar mit großen Steinen.

Bereits im Mai hatte das Rathaus von Felanitx in einer Verordnung entschieden, dass öffentliche Wege nicht mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden dürfen. Auch das Parken ist verboten. Einzig das Wenden ist erlaubt, falls man sich verfahren hat. Keiner hielt sich an die Regeln.

Viele Quad- und Buggy-Fahrer, oft handelt es sich um geführte Touren, hielten sich nicht an die Vorschrift. Um die Zufahrt zum Küstenabschnitt s’Algar nun zu blockieren, platzierte das Rathaus die Felsbrocken.

Zuletzt hatte auch die Gemeinde Andratx die Brummer auf öffentlichen Wegen verboten. In der Gemeinde Manacor blockierten Anwohner mit Strohballen die Straße, um die Buggies und Quads aufzuhalten. (mallorca zeitung)

(2024-08-06)

ZU HAUSE BLEIBEN!

tournach1b06Fotogene Städte wie Paris, Venedig, Barcelona, Donostia und Amsterdam, und jetzt auch Bilbao, Valencia und Madrid, leiden unter den negativen Auswirkungen des Massentourismus, mittlerweile auch Over-Tourismus genannt, weil er alle denkbaren und ertragbaren Grenzen sprengt. Zu den Problemen, die der Massentourismus mit sich bringt, gehören unter anderem die Beschädigung des kulturellen Erbes, steigende Preise, Vermüllung, Wassermangel, schwerwiegende Folgen für den Wohnungs-Markt und der Druck auf die öffentlichen Dienstleistungen.

Wer es noch nicht weiß: Von Massentourismus oder Übertourismus wird gesprochen, wenn zu viele Touristen bestimmte Orte besuchen und die Kapazität dieser Reiseziele, sprich die Aufnahme-Fähigkeit, “überschritten“ wird. Dieses Phänomen ist heute für viele Städte auf der ganzen Welt ein Grund zur Sorge.

In diesem Szenario wird der Begriff "staycation" in die Debatte geworfen, er besteht aus den Begriffen "stay" und "vacation". Diese Form des Urlaubs besteht darin, dass die Menschen ihre Ferienzeit genießen, ohne ihren Wohnort oder ihre nähere Umgebung zu verlassen. Angesichts des Over-Tourismus und der durch die Reiserei mit-verursachten Klimakatastrophe stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, in den Ferien die nahe gelegenen Orte zu genießen, um die bereits gesättigten touristischen Ziele zu schonen und gleichzeitig die eigene Umgebung dynamischer zu gestalten.

Vorteile von Aufenthalten

Der Begriff "Staycation" bezieht sich auf einen Urlaub, bei dem man sich entscheidet, zu Hause oder in der näheren Umgebung zu bleiben, anstatt weit weg zu reisen. Es handelt sich dabei um eine extreme Form des Nah-Tourismus, die in den letzten Jahren erheblich an Popularität gewonnen hat, insbesondere während der Covid-19-Pandemie, als Reise-Beschränkungen und gesundheitliche Bedenken die traditionellen Reiseformen einschränkten.

Urlaub zu Hause hat mehrere Vorteile:

(*) Diese Form des Urlaubs spart Geld, da die Kosten für Transport und Unterkunft entfallen.

(*) Sie reduziert den Stress, der mit der Planung und Organisation von Reisen verbunden ist.

(*) Sie erleichtert es, eine Auszeit zu nehmen, ohne die Komplikationen einer Reise zu einem weit entfernten Ziel (Reisezeit, Jetlag, Papierkram).

(*) Sie hilft, von den Alltagssorgen abzuschalten.

(*) Darüber hinaus ist diese Form des Urlaubs ein Beitrag dazu, den mit Flugreisen und anderen Langstrecken-Transporten verbundenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren und so zur Nachhaltigkeit beizutragen und zur Eindämmung des Klimawandels.

Positiv für die lokale Wirtschaft

Ein Urlaub in der lokalen Umgebung wirkt sich positiv auf die lokale Wirtschaft aus. Wenn Menschen für lokale Aktivitäten und Dienstleistungen Geld ausgeben, unterstützen sie die Wirtschaft ihrer Umgebung. Kleine Unternehmen, Restaurants, Geschäfte und lokale Attraktionen profitieren direkt von diesen Ausgaben. Diese Unternehmen bleiben nicht nur im Geschäft, sondern sie fördern auch das Gemeinschafts-Gefühl und die Wertschätzung für das Lokale.

Ein anschauliches Beispiel ist Amsterdam, wo die lokalen Behörden Besucher*innen dazu ermutigen, zu Hause zu bleiben, um den touristischen Druck auf das historische Stadtzentrum zu verringern. Stattdessen wird für Kultur- und Freizeitaktivitäten nur für Einheimische geworben, es werden Rabatte und Sonderangebote bei lokalen Attraktionen angeboten.

Schutz des Kultur- und Naturerbes

Urlaub vor Ort trägt zur Erhaltung des Natur- und Kulturerbes bei. Durch die Verringerung der Zahl ausländischer Touristen wird der Druck auf das Kulturerbe und die lokalen Ökosysteme verringert. Dies ist besonders wichtig für Orte, die von großen Touristenströmen besonders betroffen sind, im Baskenland wären in diesem Zusammenhang neben den Metropolen auch Gaztelugatxe, Zumaia, Gesaltza-Salinas zu nennen. Wenn weniger Besucher kommen, können die örtlichen Behörden einen wirksameren und nachhaltigeren Schutzplan umsetzen.

In Japan wird zum Beispiel daran gearbeitet, die Menschen dazu zu bringen, historische Stätten und Tempel in der Nebensaison zu besuchen. Dies trägt dazu bei, die Belastung in der Hauptreisezeit zu verringern und fördert den Respekt und das Verständnis für die lokale Kultur. Diese Maßnahmen tragen zur Erhaltung der lokalen Ressourcen bei und fördern den Respekt und die Verantwortung für das lokale Erbe.

Förderung des sozialen Zusammenhalts

Ferienaufenthalte stärken den sozialen Zusammenhalt, indem sie ein größeres Gefühl der Zugehörigkeit und der Gemeinschaft fördern. Durch die Teilnahme an lokalen Aktivitäten können die Bewohner mit ihren Nachbarn interagieren und Kontakte knüpfen, was die gegenseitigen Beziehungen stärkt. Sie bieten auch die Möglichkeit, die lokale Umgebung neu zu entdecken und zu schätzen, was ein Gefühl von Identifizierung und der Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft fördert.

Dies ist besonders wichtig in Städten, in denen das tägliche Leben sehr individualistisch sein kann und die sozialen Bindungen meist geschwächt sind. Zu Hause zu bleiben kann als Katalysator wirken und diese Bindungen wiederbeleben und eine Plattform für soziale Interaktion und kulturellen Austausch bieten. So kann beispielsweise die Organisation von gemeinsamen Veranstaltungen, lokalen Märkten und Kulturfestivals die Einwohner*innen dazu bewegen, aktiv am Leben ihrer Gemeinde teilzunehmen.

Förderung von Staycations

Um die positiven Auswirkungen dieser Art von Urlaub zu fördern, sollten lokale Behörden und Gemeinden wirksame Werbe-Strategien anwenden. Kampagnen, die sich an die Bevölkerung richtet, können die Attraktionen, Veranstaltungen und Aktivitäten vor Ort hervorheben und sie ermutigen, ihre unmittelbare Umgebung zu erkunden und zu genießen. Darüber hinaus können finanzielle Anreize wie Rabatte und Sonder-Aktionen den Urlaub in der heimischen Umgebung noch attraktiver machen.

Die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen zur Schaffung einzigartiger und individueller Erlebnisse kann Ihre Attraktivität ebenfalls steigern. Ein gutes Beispiel sind lokale Tourpakete, die Museumsbesuche, kulinarische Erlebnisse und Freizeitaktivitäten beinhalten. Diese Pakete können den Bewohnern ein Gefühl von Abenteuer und Entdeckung vermitteln, ohne dass sie weit reisen müssen.

Nicht-Reisen kann eine Alternative zum Massentourismus sein, die den Schutz und die Entdeckung der lokalen Umwelt ermöglicht. Es ist eine verträgliche Option für die Menschen und ihre Umgebung, sowohl körperlich als auch geistig. Nicht zu vergessen, dass sie die lokale Wirtschaft fördern und als Instrument für den Zusammenhalt und das soziale Engagement dienen.

Zu Hause ist es doch am schönsten, nicht wahr?

Jose Tomas Arnau Dominguez, Dozent für Sozialwissenschaften, Universität Europea; Maria Sánchez de Mora Vidal, Koordinatorin des Studiengangs Tourismus- und Freizeit-Management, Europäische Universität Valencia, Europäische Universität und Vanessa Pérez Rodríguez, Dozentin für Übersetzung und Tourismus, Europäische Universität. (cadena ser)

(2024-08-02)

WOHNUNGSNOT AUF MALLORCA

tournach1b02Das durch den Jahrzehnte andauernden Massentourismus entstandene Problem ist kurzfristig nicht in den Griff zu bekommen. Laut einer Studie ist die Wohnungsnot im gesamten spanischen Staat nirgendwo derart ausgeprägt wie auf Mallorca sowie den anderen Balearen-Inseln. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich die Probleme kurzfristig lösen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Immobilien-Markt von BBVA Research, der Plattform für Wirtschafts-Studien des gleichnamigen Kreditinstituts. Die politischen Maßnahmen, die derzeit ergriffen werden, gingen zwar in die richtige Richtung, hätten aber eine begrenzte Wirkung, die sich außerdem nicht kurzfristig zeigen werd.

So wird darauf verwiesen, dass zum Abschluss des ersten Quartals die Balearen und Madrid als einzige Regionen im Staat durchschnittliche Immobilienpreise aufwiesen, die über den Spitzenwerten der Immobilienblase von 2008 lägen. Auf den Inseln liege der Wert mit 25% sogar deutlich höher als in Madrid mit 5.

Ein weiterer Aspekt sei der deutliche durchschnittliche Preisanstieg, der sowohl 2023, als auch im laufenden Jahr verzeichnet wurde. Die Werte zwischen 8 und 9% seien auf den Balearen doppelt so hoch wie im spanischen Mittel. Nur die ebenfalls vom Tourismus gebeutelten Kanaren wiesen ähnliche Werte auf.

Neubauimmobilien

Spitzenwerte gibt es auf den Balearen auch hinsichtlich der Verteuerung von Neubau-Immobilien seit dem Jahr 2019. Laut dem Bericht lag der durchschnittliche Preis dieser Objekte im ersten Quartal dieses Jahres mehr als 30% über den Werten vor der Pandemie. Zwar wies die Region Valencia 2023 einen höheren durchschnittlichen Preisanstieg auf. Doch im laufenden Jahr sei auf den Balearen im Gegensatz zu anderen Regionen in Spanien keine Mäßigung dieser Entwicklung zu beobachten.

Der Markt der Bestandsimmobilien auf den Inseln hat sich laut dem Bericht ähnlich entwickelt, auch hier sei eine durchschnittliche Preis-Steigerung von 30% im Vergleich zu vor der Pandemie zu verzeichnen. Vor diesem Hintergrund müssen Familien im Schnitt 43% ihrer Einnahmen für den Kauf einer Wohnimmobilie verwenden. Dahinter folgen das Baskenland mit 38% und Madrid mit 32%.

Faktor ausländische Käufer

Dass keine baldige Besserung der Situation zu erwarten sei, liege an der geringen Zahl von Neubauprojekten auf dem Wohnungsmarkt. Die Studie verweist auf das begrenzte Angebot von Baufläche infolge der Insellage. Darüber hinaus gebe es durch das Interesse ausländischer Immobilien-Käufer mit deutlich höherer Kaufkraft (Reiche und Schwerreiche) einen ungleichen "Wettbewerb", der angesichts der Attraktivität von Mallorca als Urlaubsziel und Ferienhaus-Domizil weiter anhalten dürfte.

Der Autor der Studie verweist auf die Maßnahmen, die die reaktionäre Landesregierung gegen die Wohnungsnot in Angriff genommen hat. So etwa flexiblere Vorschriften bei der Höhe und beim Volumen neuer Wohnungsbau-Projekte oder die Umwandlung von Ladenlokalen in Wohnungen, wenn im Gegenzug die Preise gedeckelt werden. Angekündigt für den Herbst ist zudem eine staatliche Garantie, die Risiken auf dem Mietmarkt absichern soll. Derlei Maßnahmen gingen in die richtige Richtung, ihre Wirkung sei aber begrenzt und nicht unmittelbar.

Die Wohnungsnot auf den Balearen gilt derzeit als größte politische Herausforderung und steht im Zentrum der Proteste gegen den Overtourism. Der Massentourismus führt zu einer dramatischen Prekarisierung der im Bereich arbeitenden Personen und zu einer Vertreibung der weniger zahlkräftigen einheimischen Bevölkerung durch Engländer und Deutsche, die die Preise in die Höhe treiben. (MZ)

(2024-07-29)

VOM WESEN DES MASSEN-TOURISMUS

tournach1a29Vom nährenden und modernisierenden Tourismus zur invasiven und anti-nachhaltigen Touristifizierung. Der Tourismus-Sektor, der uns “ernährt“ hat, tut dies auch weiterhin, er ist ein gesunder Wirtschaftszweig. Aber was den Sektor ernährt, der uns modernisiert hat, ist die wachsende Tourismus-Phobie angesichts der Gefahr, dass der Tourismus zum Albtraum wird.

Wenn ein unerwünschter Besucher vor Ihrer Tür steht, haben Sie drei Möglichkeiten: nicht aufmachen, sich höflich entschuldigen oder die Tür vor der Nase zuschlagen. In diesem Jahr werden rund 91 Millionen Touristen zu uns (in den spanischen Staat) kommen, fast doppelt so viele wie Menschen da leben. Das Problem einer möglichen Vertreibung ist, dass sie nicht allein kommen: Sie bringen rund 200 Milliarden Euro mit, 13% des Brutto-Inlands-Produkts BIP und 20% der direkten und indirekten Beschäftigung. Eingeladen von offizieller Seite, manche legen sogar den roten Teppich aus.

Es gibt auch solche, die das nicht wollen, denn diese „offiziellen Stellen“ befinden sich in einem makro-ökonomischen Niemandsland, in dem sie nicht wissen oder ignorieren, was jeden Tag auf der Straße passiert: Der Tourismus wurde “touristifiziert“, und es gibt keinen Ort im Land, der etwas zu bieten hat und sich nicht “touristifizieren“ will. Tourismus anbieten, vom Tourismus leben, touristifiziert  werden, im Tourismus ersticken.

Touristifizierung ist ein Begriff, den der französische Geograf Rémy Knafou in Anlehnung an den Begriff Gentrifizierung (von englisch “gentry“: Oberschicht, Großbürgertum) geprägt hat, der die städtische Verdrängung einer wohlhabenden Gesellschaftsschicht zum Nachteil einer anderen, weniger kaufkräftigen Schicht bezeichnet. Für die Stiftung “Español Urgente“ (Fundéu) bezeichnet die Touristifizierung die Auswirkungen der touristischen Überfüllung auf das kommerzielle und soziale Gefüge von Stadtvierteln oder Städten, Touristifizierung ist der Prozess, durch den ein Reiseziel touristisch wird.

Auf der Straße setzen die Tourismus-Betroffenen dies in einen Slogan um: “Weniger Tourismus, mehr Leben“. Der Slogan leitete die Demonstration von 10% der Bevölkerung von Palma de Mallorca am 21. Juli, eine Demonstration gegen den invasiven Tourismus, der eine “Tourismus-Phobie“ zu nähren beginnt, die sich zu radikalisieren droht. Denn das verborgene Gesicht des Tourismus bedeutet Druck auf den Wohnungs-Markt, weil Wohnnutzung durch touristische Nutzung eingeschränkt wird, Druck auf öffentliche Dienstleistungen und die teilweise erdrückende Besetzung öffentlicher Räume, die Ausbeutung und prekäre Beschäftigung von Tourismus-Beschäftigten, insbesondere von Migrant*innen.

Ein doppeltes Dilemma: “Wir“ sind ein Land, in dem der Dienstleistungs-Sektor 70% des BIP ausmacht und der Tourismus 32% der Unternehmen des Sektors. Mit anderen Worten, wenn eine Katastrophe den Tourismus bedrohen würde, wäre die spanische Wirtschaft hoffnungslos bankrott. Die Jahre der COVID-19-Pandemie waren bereits schreckliche Anzeichen: Der Anteil am BIP sank auf 5,8% im Jahr 2020 und auf 8% im Jahr 2021. Einige Zahlen der Welt-Tourismus-Organisation: Spanien ist das am zweithäufigsten besuchte Land der Welt, hinter Frankreich, das bei Übernachtungen und Einnahmen überholt wird, wobei die Vereinigten Staaten an erster Stelle stehen. Mit anderen Worten: Ein großer Teil unseres Essens wird uns vom Tourismus serviert.

(2024-07-27)

AUSGANGSSPERRE AUF SANTORIN

tournach1a27Auf der griechischen Insel Santorin hat der Massentourismus die örtlichen Behörden zu drastischen Maßnahmen veranlasst. Der Bürgermeister hat die Einwohner*innen aufgefordert, wegen des überwältigenden Zustroms von Touristen in ihren Häusern zu bleiben. Insbesondere in dem malerischen Dorf Oia, das für seine spektakulären Sonnenuntergänge bekannt ist. Mit einer ständigen Bevölkerung von nur 15 000 Einwohnern empfängt Santorin jährlich mehr als 5,5 Millionen Besucher, was zu einer völlig untragbar überfüllten Umwelt führt.

Das Problem der Überfüllung durch Touristen auf Santorin ist nicht neu, hat aber ein kritisches Ausmaß erreicht. Im Jahr 2023 wurde die Insel von 800 Kreuzfahrtschiffen angefahren, die allein schon 1,3 Millionen Touristen mitbrachten. Darüber hinaus verzeichnete der Flughafen der Insel mit mehr als 811.000 Passagieren einen Rekord an internationalen Ankünften, der die Zahlen vor der Pandemie weit übertraf.

Maßnahmen

Der griechische Ministerpräsident Mitsotakis hat das Problem aufgegriffen und Pläne zur Begrenzung der Ankünfte von Kreuzfahrtschiffen auf Santorin und Mykonos, den beiden am stärksten vom Massentourismus betroffenen Inseln, angekündigt. Diese Maßnahmen, die bis zum Jahr 2025 umgesetzt werden sollen, könnten Beschränkungen für Anlegeplätze und Ausschreibungen von neuen Liegeplätzen für Schiffe beinhalten. Mitsotakis betonte, dass Santorin “die Insel ist, die am empfindlichsten auf den Tourismus-Druck reagiert“, dass die Maßnahmen notwendig sind, um die Sicherheit und die Lebensqualität auf der Insel zu erhalten.

Die Überlastung durch den Tourismus hat erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben der Einwohner von Santorin. Nikos Zorzos, der Bürgermeister der Insel, forderte, keine weiteren Bau-Genehmigungen für Hotels und anderen touristischen Einrichtungen zu erteilen. Er prangerte die übermäßige Bebauung der Insel an, 20% der Fläche sind bebaut, was sogar die Dichte der Region Attika übersteigt, in der 50% der griechischen Bevölkerung leben.

Der Verkehr ist ein weiteres Problem. In der Hochsaison ist die Insel mit einem 500 Bussen, 4.000 Kleinbussen und Lieferwagen sowie hunderten von Quads überlastet, was in den engen Straßen der Hauptstadt und anderen Touristenorten zu einem Verkehrschaos führt. Außerdem steht die Infrastruktur von Santorin wegen der Überfüllung kurz vor dem Zusammenbruch.

Der Wasserverbrauch auf der Insel hat sich in den letzten Jahren verdoppelt, der Stromverbrauch ist von 32,5 MW im Jahr 2019 auf 59 MW im Jahr 2023 gestiegen, für dieses Jahr wird aufgrund der hohen Temperaturen ein Anstieg auf über 65 MW prognostiziert. Diese Probleme wurden auf der Konferenz “Insularität und Nachhaltigkeit: Inseln am Rande des Zusammenbruchs“ diskutiert, die von der Ägäis-Universität organisiert wurde.

Vorschläge und Kritikpunkte

Einige Stimmen schlagen die Einführung einer Touristensteuer für Besucher vor, die mit einem Kreuzfahrtschiff anreisen. Nach griechischem Recht darf diese Gebühr jedoch 0,35 Euro pro Passagier nicht überschreiten, ein Betrag, der nicht ausreicht, um die anfallenden Kosten, wie etwa die Müllabfuhr, zu decken.

Matthew Argyros, ein Weinproduzent auf Santorin, hat darauf hingewiesen, dass der Tourismus die Weinberge der Insel zerstört. Die Nachfrage nach Unterkünften hat die landwirtschaftlichen Flächen verteuert, und die Trauben-Produktion ist in den letzten zwei Jahrzehnten um fast 50% zurückgegangen.

Die Situation auf Santorin ist ein deutliches Beispiel für das Dilemma, in dem sich der Massentourismus befindet. Er ist zwar eine wichtige Einkommens- und Beschäftigungsquelle, stellt aber auch eine große Herausforderung für die Nachhaltigkeit und die Lebensqualität der Einwohner dar. “Die lokalen und nationalen Behörden ergreifen Maßnahmen, um diese Interessen auszugleichen und die Insel für künftige Generationen zu schützen.“ (A3)

(2024-07-22)

MALLORCA GEGEN MASSENTOURISMUS

tournach1a22Über 20.000 Menschen demonstrieren auf Mallorca gegen Massentourismus und Wohnungsnot. Von ganz Mallorca kamen die Demonstranten am Sonntagabend (21.7.) ins Zentrum von Palma. - Auf Mallorca haben am Sonntagabend (21.7.) Tausende Menschen an einer Großdemonstration gegen den Massentourismus und seine Auswirkungen teilgenommen. Die Polizei erhöhte im Laufe des Abends wiederholt ihre Schätzung der Teilnehmerzahl. Um 21.45 Uhr war schließlich von "über 20.000 Personen" die Rede. Die Veranstalter sprachen von 50.000 Demonstranten.

Unter dem Motto "Canviem el rumb. Posem límits al turisme" (in etwa: "Lasst uns den Kurs wechseln. Dem Tourismus Grenzen setzen") hatten 111 verschiedene Organisationen und Vereinigungen zu der Kundgebung aufgerufen. Schon weit vor dem offiziellen Start um 19 Uhr fanden sich Scharen von Teilnehmern der Protestveranstaltung an der zentralen Plaça d'Espanya ein. Von dort aus setzte sich der Zug der Demonstranten in Bewegung, um durch die Innenstadt Palmas zu ziehen.

Anders als verschiedentlich erwartet, waren es nicht deutlich mehr Teilnehmer als bei der ersten Großdemo im Mai. Damals waren knapp 15.000 Menschen dem Aufruf des Tauschrings Banc de Temps de Sencelles gefolgt. Einer der Organisatoren, Pere Joan Femenia, äußerte sich am Sonntagabend eher verhalten zu dem Zulauf. Zwischen den Zeilen hört man heraus, dass er mit noch mehr Menschen gerechnet hatte. "Es ist nicht leicht, Leute auf Mallorca zu mobilisieren", so der Aktivist, der auch bei "Fridays for Future" mitmischt.

Friedliche Stimmung, Performances und besprühte Schaufenster

Die Stimmung vor Ort: Gelöst und friedlich. Auch zahlreiche Kinder liefen beim Umzug mit, der über die Fußgängerzone Carrer Sant Miquel und die Plaça Major bis zum Rathausplatz zog und dann weiter in Richtung Passeig del Born. Dort wurde ein Manifest verlesen. Im Vorfeld der Demo hatten Aktivisten auf die Fassaden einiger Immobilienagenturen Parolen gegen die Spekulation gesprüht.

Auch zahlreiche Urlauber verfolgten die von Musikgruppen begleitete Demonstration. Einige klatschten sogar Applaus und filmten die Demonstranten mit ihren Handys, andere schienen sich eher unwohl zu fühlen. Urlauberinnen aus Heidelberg, die mit der MZ sprachen, konnten die Motive der Demonstranten nachvollziehen. "Es sind dieselben Probleme wie überall auf der Welt an beliebten Orten", so eine der Frauen.

Für Aufmerksamkeit sorgten auch Performances mit Schauspielern und Kostümen zum Thema Luxus- und Qualitätstourismus

Die Veranstalter fühlen sich von der konservativen Landesregierung nicht genug gehört - obwohl diese selbst vor einigen Monaten überraschend einen Richtungswechsel in der Tourismuspolitik hin zu mehr Nachhaltigkeit verkündete. "Die Politik wird weiter den Diskurs des Qualitäts- und Luxusurlaubers forcieren. Wir wollen aber nicht, dass der Urlaubertyp einfach wechselt, wir wollen einen übergreifenden sozioökonomischem Wandel“, sagte einer der Veranstalter, der 15-jährige Jaume Pujol im Vorfeld im MZ-Interview.

Dabei geht es den Demonstranten nicht darum, den Tourismus auf der Insel abzuschaffen. Auch gegen Urlauber allgemein habe man nichts, versicherten zahlreiche Demonstranten am Sonntagabend gegenüber der MZ. Stattdessen gehe es darum, darauf aufmerksam zu machen, wie sehr die Lebensqualität der Einwohner unter den ausufernden Massen leide. Vor allem der Wohnraummangel und die horrenden Mietpreise, die durch Ferienvermietung und Zweithaus-Tourismus in die Höhe getrieben werden, bereiten den Menschen Sorgen.

Aufruf zu Respekt vor den Urlaubern

Vor einigen Tagen hatte der Sprecher der balearischen Landesregierung, Antoni Costa, die Demonstranten dazu aufgerufen, Urlauber und Passanten nicht bei ihren Rundgängen durch die Stadt zu "unterbrechen" und sie zu "respektieren". In Barcelona hatten Protestler bei einer ähnlichen Veranstaltung mit Wasserpistolen auf Touristen geschossen. Diese Aufforderung wurde von den Veranstaltern nicht wiederholt. Jeder solle das tun, was er für richtig halte, so Mitorganisator Pere Joan Femenia.

In den vergangenen Monaten hatte es in Spanien mehrfach Demonstrationen gegen Massentourismus und seine Folgen wie Wohnungsnot, Ressourcen-Knappheit und Umweltbelastung gegeben. Den Auftakt machten im Frühling Demonstrationen auf den Kanaren. Auch die Situation auf Mallorca stößt bei den internationalen Medien auf großes Interesse. Aus Deutschland waren zu der Demonstration zahlreiche Journalisten angereist. (MZ)

(2024-07-19)

MASSEN-TOURISMUS, MASSEN-LEIDEN

tournach1a19Von Barcelona bis Dubrovnik bedroht das Phänomen des “Übertourismus“ unseren Urlaub. Oder: Wir selbst bedrohen unseren Urlaub. Denn wenn wir Massen-Tourismus (zurecht) als störend empfinden, stehen wir uns selbst im Wege, bedrohen wir uns selbst. Denn wir sind ein Teil des Massen- oder Über-Tourismus. Abgesehen von denen, die wir besuchen und die niemand fragt. Die Debatte über die Fähigkeit einiger Städte, den Anstieg der Besuchszahlen zu bewältigen, hat sich im Zuge der Pandemie verschärft.

Übertourismus (englisch: Overtourism) wird von der Welt-Tourismus-Organisation UNTWO definiert als: „Die Auswirkungen des Tourismus auf ein Reiseziel, die die Lebensqualität der Bürger und die Qualität der Besuchserfahrungen übermäßig beeinflusst, und zwar in einem Ausmaß, dass sie das tägliche Leben der Einwohner und die Fähigkeit der Besucher, das Reiseziel zu genießen, stört“.

Der Sommer hat begonnen, die Themen Urlaub und Reisen sind in aller Munde. Für viele Reiseziele beginnt jetzt die Hochsaison. Doch was für die einen ein Synonym für Vergnügen, empfinden andere als Kollektivstrafe. Besorgniserregend ist die mancherorts zu beobachtende Überfüllung mit Besucher*innen, die als “Overtourism“ bezeichnet wird. Es wird bereits von einem anderen (für die Reiseveranstalter auf andere Art Besorgnis erregenden) Phänomen gesprochen: der Tourismusphobie. Im spanischen Staat haben die Bewohner*innen der Kanarischen Inseln ihre Stimme erhoben, weil sie die Nase voll haben. Barcelona hat damit begonnen, den Tourismus zu bremsen. Die Balearen erheben bereits eine Tourismus-Steuer für Besucher*innen der Inseln. Sevilla erwägt, für den Zugang zur Plaza de España Gebühren zu erheben … Die Liste der Versuche, die Probleme in den Griff zu kriegen, ist lang – die Liste des Scheiterns dieser Maßnahmen ebenfalls. Denn Zusatz-Steuern oder Besuchs-Beschränkungen gehen das Problem des Übertourismus nicht an der Wurzel an, sie sind allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Den die Reise-Manie geht unvermindert weiter und sucht sich “wegen Überfüllung“ immer neue Opferorte.

Die Situation geht lange vor die Zeit der Pandemie, als viele der Probleme, die jetzt explodiert sind, bereits zu beobachten waren: steigende Mieten, Vertreibung von Bewohner*innen aus ihren Vierteln, Probleme im Lebensalltag, den öffentlichen Raum zu nutzen, ein Anstieg der CO2-Hinterlassenschaften und die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen aufgrund der Zunahme der sich stark verändernden Zahl der anwesenden Personen.

Die Covid-Restriktionen wirkten wie ein Schutzwall. Und als sich ein Ausweg aus der Pandemie abzeichnete, ging es den Volkswirtschaften vor allem darum, den Wirtschaftsmotor wieder anzukurbeln. Der Tourismus brauchte einen kräftigen Schub. “Damals ging es vor allem darum, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen“, erklärt Luis Alfonso Escudero, Professor für Geografie an der Universität der Balearen. Daher wurden viele der Vorschläge für einen nachhaltigeren Tourismus, die bereits 2019 gemacht wurden, auf “auf Eis gelegt“, einschließlich der Regulierung.

Die Zahlen

85 Millionen internationale Touristen besuchten den spanischen Staat im Jahr 2023, 18,7% mehr als im Vorjahr und 1,9% mehr als im letzten Jahr vor der Pandemie (2019), was die Erholung des Sektors zeigt. Laut Eurostat-Daten wurden im vergangenen Jahr europaweit 2,92 Milliarden Übernachtungen gezählt. Die höchsten Zuwächse gab es in Deutschland mit 32,8 Millionen und in Spanien mit 32,3 Millionen. Weitere “Trend-Länder“ waren Malta und Zypern, wo dieser Bereich um 20 % wuchs.

Dubrovnik empfing 2019 statistisch gesehen 36 Touristen pro Ew, die Stadt führt die Rangliste der beliebtesten Reiseziele von Holidu, einer Suchmaschine für Ferienunterkünfte, an. Barcelona, Sevilla und Madrid gehören zu den 35 am stärksten überlaufenen europäischen Städten. Die Liste der spanischen Gemeinden mit Übertourismus wird von Peñíscola (Valencia) angeführt, gefolgt von Albarracín (Aragón) und Sant Llorenç des Cardassar (Balearen).

Der Geograf Escudero fügt hinzu, dass ein weiteres unerwartetes Phänomen hinzugekommen ist: der so genannte Champagner-Effekt. Nachdem wir monatelang nicht die Häuser verlassen und nicht frei reisen konnten, verspürten viele nach der Aufhebung der Beschränkungen ein unbändiges Verlangen nach “Erlebnissen und Aktivitäten“ (zumindest all jene, die sich das auch leisten können, was beileibe nicht alle sind). Das führte zur aktuellen Situation: Wer das Geld dazu hat, sucht sich für jedes Wochenende ein anderes Reise- oder Ausflugsziel. Pablo Díaz, Dozent für Wirtschafts-Wissenschaften an der Universitat Oberta de Catalunya (Offene Universität von Katalonien, UOC), nennt dies den “Rache-Effekt“ – Rache, von wem gegen wen?

“Die Massifizierung des Tourismus ist ein vielschichtiges Problem“, sagt Asier Baquero Pérez de Onraita, akademischer Leiter des Master-Studiengangs Innovation im Tourismus an der Internationalen Universität von La Rioja (UNIR). "Die Tourismuspolitik, die bestimmte Reiseziele intensiv fördert, ohne die Tragfähigkeit dieser Orte zu berücksichtigen, spielt eine wichtige Rolle. Darüber hinaus verschlimmert das Fehlen eines nachhaltigen Tourismus-Managements und einer angemessenen Stadtplanung die Situation", erklärt er (…) (LINK)

(2024-08-18)

NÄCHSTE AKTION GEGEN MASSEN-TOURISMUS

Den Aktivist*innen gegen Massentourismus auf Mallorca gehen die phantasievollen Ideen nicht aus: jetzt wurden an einer beliebten Naturbucht "Strafzettel" für Urlauber verteilt. Die Aktivist*innen betonen, dass einzelne Urlauber nicht das Problem seien, vielmehr kritisieren sie ein System, das auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruht.

Der Protest auf Mallorca gegen die Auswirkungen des Massentourismus geht weiter. Nun ist die antikapitalistische Gruppe Caterva wieder mit einer Aktion in die Öffentlichkeit getreten. An der Landstraße zur beliebten Naturbucht Cala Varques, die einst ein Aussteiger-Paradies war, längst aber täglich von hunderten Besuchern in Beschlag genommen wird, verteilten die Aktivisten "Strafzettel". Als die Badegäste vom Strand kamen, fanden sie an ihren Wagen – in der Mehrzahl Mietwagen – ein Knöllchen in Höhe von 300 Euro vor. Ihr Vergehen laut Strafzettel: "Beitrag zur Zerstörung Mallorcas". - "Wir wollen die Urlauber auf das Unwohlsein der Mallorca-Bevölkerung hinweisen", erklärten die Aktivist*innen in einer Pressemitteilung. Sie wollten die "Monokultur des Tourismus mit einem Hauch von Humor und Satire" bekämpfen.

QR-Code auf dem Strafzettel

Der Strafzettel ist mit einem QR-Code versehen. Wer den Link ansteuert, kann zwischen drei Sprachen – Katalanisch, Englisch, Deutsch – wählen. Die Website simuliert einen "Hackerangriff", bei dem unter anderem "der Rückflug umgebucht" wird und "alle Mallorca-Fotos von Instagram gelöscht" werden. Danach taucht eine Seite mit einem kurzen Text auf, in dem die Kritik an der heutigen Form des Massentourismus auf der Insel erklärt wird. Die Seite lässt sich unter diesem Link aufrufen.

Auch blieb es nicht bei den Strafzetteln: die Aktivist*innen informierten ankommende Badegäste auch darüber, entlang der Landstraße, an der üblicherweise die Autos stehen, nicht geparkt werden darf – ein Umstand, der den Tatsachen entspricht, aber von den Massen an Strandbesuchern seit Jahren komplett ignoriert wird. Einige Autos seien jedenfalls wieder weggefahren, wird berichtet. Für die Protestler*innen ist dies ein Beweis dafür, dass die zuständige Gemeinde Manacor und der Inselrat durchaus Möglichkeiten hätten, die Überfüllung von Naturbuchten zu bekämpfen, wenn nur der politische Wille da wäre. "Dann müsste man nicht mal Strafen ausstellen", stellen sie fest.

"Einzelne Urlauber nicht das Problem"

Die Aktivisten betonen, dass einzelne Urlauber nicht das Problem darstellen. Das herrschende Tourismus-Modell beruhe vielmehr auf der Ausbeutung der Arbeiterklasse und der Natur, um einige wenige reich zu machen. Besonders kritisch zeigten sich die Aktivisten mit der reaktionären Regierungspartei PP. Diese mache die weniger wohlhabenden Urlauber für die Überfüllung verantwortlich und setze voll auf den Luxustourismus einer kleinen reichen Oberschicht.

Die Aktivist*innen von Caterva hatten sich schon im vergangenen Sommer durch eine tourismus-kritische Spaßkampagne an verschiedenen Stränden der Insel in Szene gesetzt. Damals warnten englischsprachige Schilder vor gefährlichen Quallen oder informierten Badegäste darüber, dass die Route zur ersehnten Bucht zwei Stunden und 53 Minuten dauern würde. Anfang Juni gab es in Alaró einen Zwischenfall, bei dem ein Mietauto zerkratzt wurde. Ein Aufkleber am Tatort stellte einen Zusammenhang zu Caterva her. Bislang gibt es aber keine Hinweise darauf, dass es sich um eine Kampagne der Spaßaktivisten gehandelt hat. (MZ)

ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-07-18)

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