tournach2a00Urlaub in Balkonien

Kritik am Massen-Tourismus breitet sich immer mehr aus. Aufgescheucht durch die unerträglichen Situationen in Venedig oder Santorini und angeregt durch die Protest-Aktionen auf den Balearen oder den Kanarischen Inseln erkennen immer mehr Kollateral-Betroffene Stadt-bewohner*innen in Europa, dass nur Widerstand gegen die ungezügelte Tourismus-Werbung eine Hoffnung auf Besserung zulässt. Die Protestaktionen werden phantasievoller, die bürgerliche Presse fragt unverblümt: Wie konnte es nur dazu kommen!

Der Sommer 2024 bedeutete für viele Reiseziele erneut ein Rekordjahr. Doch statt die Sektflaschen zu entkorken runzeln die Tour-Manager immer häufiger die Stirn angesichts von immer mehr Protesten in immer mehr Orten, die von Massen-Tourismus überschwemmt werden.

(2024-10-31)

KATASTROPHEN-TOURISMUS

tournach2b31Eigentlich wären keine weiteren Beweise dafür nötig, große Teile der Tourismus-Aktivitäten als pervers, zerstörerisch, anti-ökologisch und anti-sozial zu bezeichnen. Doch Wirklichkeit ist der Tourismus-Phobie immer einen Schritt voraus und setzt ein Highlight nach dem anderen. Jetzt in Valencia, wo bekanntlich mehr als 100 Personen bei einem katastrophalen Unwetter ihr Leben verloren. Noch sind nicht alle Leichen geborgen, von Dutzenden von Verschwundenen ist die Rede. Doch all das hält Neugierige nicht davon ab, ihren Katastrophen-Tourismus zu praktizieren. Vielleicht springt ja eine Leiche dabei heraus …

Der Vulkan-Ausbruch auf La Palma vor wenigen Jahren gab bereits einen kleinen Eindruck davon, was ein solcher Katastrophen-Tourismus bedeutet. Vielen war es nicht genug, am Fernsehen oder in den Zeitungen zu verfolgen, wie Häuser und Ortsteile von der Lava verschluckt werden. Sie mussten selbst an die Front, mit dem eigenen Handy ein Foto machen. Es kam zu Kilometer langen Staus, wobei selbstverständlich auch Rettungskräfte behindert wurden.

In Valencia sind Such- und Räumungsarbeiten in vollem Gang, gleichzeitig werden Plünderungen gemeldet, es soll bereits 60 Festnahmen gegeben haben. Denn Plünderung ist illegal. Katastrophen-Tourismus hingegen ist es nicht, da helfen nur moralische Appelle. Denn Dutzende von Schaulustigen kamen in die Nähe der Schlucht von Torrent oder Picanya, um sich die Auswirkungen der Tragödie anzusehen. Die Stadtverwaltungen von l'Horta Sud haben den Einwohnern auf Anraten des Centre Coordinació Emergències GVA112 empfohlen, in ihren Häusern zu bleiben, da die Situation nach der Überschwemmung der Schluchten noch sehr kompliziert ist. Aber viele Neugierige haben sich bei Sonnenschein und einem schulfreien Tag auf die Straßen der verschiedenen Städte begeben, um die verheerenden Folgen des Unwetters zu begaffen und mit ihren Handys zu verewigen. In Picanya und Torrent gingen viele in die Nähe der Schlucht, um die Auswirkungen der Überschwemmung zu sehen, sogar mit Kindern. Die betroffenen Gemeinden fordern jene Schaulustigen auf, sich von den gefährlichen Gebieten fernzuhalten. In der Hauptstadt l'Horta Sud drängten sich heute früh Dutzende von Menschen um die Alaquàs-Brücke, die schwere Schäden erlitten hat, sowie um die neue Fußgängerbrücke. Auch auf der CV-36, sowohl auf der Autobahn Torrent als auch auf dem so genannten regionalen Korridor, waren Menschen zu sehen, die in aller Ruhe spazieren gingen – mit Blick auf die Todesfelder. Von Freiwilligen, die sich wie bei der Prestige-Ölpest oder auf La Palma zum Aufräumen gemeldet haben, war bisher nicht die Rede.

(2024-10-29)

AM TOURISMUS-MODELL “ERSTICKEN“

tournach2b29Marsch in Donostia gegen ein Tourismusmodell, “das uns erstickt“ – Eine große Demonstration, zu der die Plattform Bizilagunekin (baskisch: mit den Nachbar*innen) aufgerufen hatte und die von fünfzig Gruppen unterstützt wurde, forderte gestern die Beschränkung des Tourismus in Donostia: “zur Verteidigung unseres Lebens und unserer Stadt“. Das derzeitige Modell sei “die Gans, die nur für einige wenige die goldenen Eier legt“, während “die Mehrheit an den Folgen erstickt“.

Mehrere Hundert Demonstrant*innen beklagten insbesondere, dass “der Tourismus angeblich für alle etwas abwerfen sollte, in Wirklichkeit aber ein Wirtschaftsmodell ist, das uns erstickt“. Sie betonten, dass “wir infolge der Touristifizierung einen Wohnungsnotstand erleben und aus der Stadt vertrieben werden. Ein Wirtschaftssektor, der prekäre Arbeitsbedingungen schafft, frisst alle anderen Aktivitäten auf und bringt das Wirtschaftsmodell aus dem Gleichgewicht, die Kultur wird zur Ware, weil sie als einfaches Element zur Anziehung von Investitionen und Tourismus behandelt wird“, beklagten die Organisator*innen.

Weitere Auswirkungen sind “die Marginalisierung der baskischen Sprache und der baskisch-sprachigen Bevölkerung, die noch verstärkt wird, wenn Touristen und Sprachen aus dem Ausland Vorrang eingeräumt wird“. Der öffentliche Raum werde “so gestaltet und geformt, dass er allein dem touristischen Konsum dient“. Gleichzeitig werde “uns ein Mobilitätsmodell auferlegt, das auf Autos, Flügen und riesigen, zerstörerischen Infra-Strukturen basiert“. Kritisiert wurde auch, dass “ländliche Naturräume von unschätzbarem ökologischem Wert künstlich manipuliert werden“, die Zerstörung des historischen und architektonischen Erbes sei “eine Konstante und der lokale Handel wird geschädigt, seine Existenz wird in Frage gestellt, große Ketten und multinationale Unternehmen hingegen werden begünstigt“.

All diese Auswirkungen schwächen “die Gemeinschaftsnetze zwischen den Bewohnern der Stadt und die Beziehungen auf Nachbarschafts-Ebene“, sie verursachen “die Zerstreuung von Familien und Freundeskreisen, die Individualisierung und Entwurzelung“.

Aus diesem Grund fordern die Organisator*innen, dass “Maßnahmen zur Verringerung des Tourismus-Wachstums unerlässlich sind“. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören zum Beispiel “die Reduzierung der Ferienwohnungen bis zu ihrem Verschwinden“ und neben der Gewährleistung guter Arbeitsbedingungen im Tourismussektor auch die “Neuausrichtung des Wirtschaftsmodells durch die Erleichterung der Neuorientierung von Unternehmen und Arbeitnehmern auf andere Sektoren“.

Gefordert wurde auch, “die Einschränkung der Tourismus-Werbung und Förderung durch den öffentlichen Haushalt und die Reduzierung von allen Maßnahmen, die zugunsten der Tourismus-Unternehmen durchgeführt werden“. Die Kultur dürfe “nicht länger als reines Konsum- und Attraktions-Objekt betrachtet werden“. Vielmehr müsste die lokalen kreativen Netzwerke gestärkt werden.

Die Organisator*innen sprachen sich dafür aus, “der Verwendung der baskischen Sprache in allen Bereichen der Gesellschaft Vorrang einzuräumen“, die Straßen “zu einem Raum für Beziehungen, Begegnungen, Spiele, Spaziergänge, Ruhe im Alltag“ zu machen und das nachbarschaftliche Leben der Stadt zu stärken, “indem den Bewohnern, die sich von der Stadt aus und für die Stadt organisieren, Einrichtungen zur Durchführung von sozialen, kulturellen, Freizeit- und Gemeinschafts-Aktivitäten zur Verfügung gestellt werden“. Zu diesem Zweck ermutigten sie alle Nachbar*innen von San Sebastián, “aktiv zu werden, sich zu organisieren und weiter zu kämpfen“. (gara 2024-10-28)

(2024-10-18)

ROBIN HOOD IN ROM

tournach2b24Eine unbekannte Gruppe hat in Roms zentralem Stadtteil Circo Massimo mit Zahlen-Kombinationen ausgestattete Vorhängeschlösser abgerissen, in denen sich Schlüssel für Kurzzeitvermietungen von Tourismus-Wohnungen befinden. Nach der aktion wurde an der Stelle ein Robin Hood Hut hinterlassen. Wer sich nicht erinnert: Robin Hood hat nichts mit Rom zu tun, vielmehr mit England, er war der legendäre Gefürchtete, Geächtete und Verehrte Räuber, der die Reichen bestahl, um es den Armen zu geben.

“Wir haben diese Vorhängeschlösser entfernt, um den Verkauf der Stadt an den 'mordi e fuggi' Tourismus anzuprangern (hier erwische ich dich, hier töte ich dich), der die Menschen, die dort leben, auf der Straße zurücklässt“, heißt es in einer Erklärung, die die Aktivisten an die Stelle der Schlüssel klebten und die am Mittwoch von lokalen Medien veröffentlicht wurde. Der Protest fand im zentralen Bereich des Circo Massimo statt, wo die Gruppe der Protestler mit einem Bolzenschneider alle Vorhängeschlösser mit den Schlüsseln für Kurzzeit-Vermietungen durchtrennte und an deren Stelle den grünen Hut des heldenhaften Banditen, der in der englischen Folklore beschrieben wird, und einen Schriftzug hinterließ. “Kurzzeit-Vermietungen fressen die Langzeit-Vermietungen auf und nehmen den Familien den Platz weg“, hieß es in der Erklärung.

Mehr als 50 Millionen Besuche

In Rom ist die Zahl der Kurzzeit-Vermietungen in den letzten Jahren exponentiell gestiegen, von 18.870 im Jahr 2021 auf 31.657 im Jahr 2023, wie aus den Daten des römischen Tourismus-Beauftragten hervorgeht, der wiederholt ein Gesetz zur Begrenzung von Ferienwohnungen gefordert hat. In diesem Jahr wird Rom voraussichtlich die Rekordzahl von 50 Millionen Besuchern aus dem Jahr 2023 übertreffen, während die Zahl der Touristen im Jahr 2025 aufgrund des Jubiläums, der alle 25 Jahre stattfindenden Wallfahrt zu den päpstlichen Basiliken Roms, um weitere 30 steigen wird.

“Lasst uns das Jubiläum der Reichen sabotieren. Lasst uns die Spekulation sabotieren, um das Recht auf Wohnen zu verteidigen. Lasst uns das Jubiläum der Armen aufbauen“, forderten die Aktivisten. “Mehr als 50.000 Menschen befinden sich allein in der Hauptstadt in einer Wohnungs-Notlage, mehr als das Dreifache der 16.000 aus dem Jahr 2022. 18.500 Familien warten auf eine Unterkunft, Tausende sind von Zwangsräumung bedroht“, beklagten sie.

Sie wiesen darauf hin, dass in der Stadt rund 100.000 Wohnungen leer stehen, von denen mittlerweile die meisten für den Tourismus bestimmt sind. Am 17. Oktober demonstrierten viele Einwohner*innen und mehrere Verbände in Rom, um die Wohnverhältnisse in der Stadt anzuprangern, insbesondere im historischen Zentrum, das von einem immer gravierender werdenden Massentourismus besetzt wird.

(2024-10-17)

LANZAROTE GEGEN MASSENTOURISMUS

tournach2b17Eine Gruppe von Aktivisten, die für die Demonstration gegen Massentourismus am 20. Oktober werben, haben sich in das Hotel Papagayo Arena geschlichen, sie zeigten Transparente und Spruchbänder gegen die Einrichtung und gegen Massentourismus und verteilten Flugblätter. Die Aktion ist auf Bildern zu sehen, die in die sozialen Netzwerke gelangt sind, am Montag berichtete auch Televisión Canaria. Auf Transparenten in das Hotel, auf denen festgestellt wird, dass die Anlage illegal ist. Die anwesenden Touristen zeigten sich erstaunt und verängstigt auf ihren Liegestühlen am Swimmingpool. Einige Spruchbänder wiesen auch darauf hin, dass das Pool-Wasser nicht ihnen gehöre, sondern der Bevölkerung.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der bemerkenswerten Aktion kam es zu verschiedensten Reaktionen, die meisten davon gegen diese Art von Protesten, die mitunter als Straftaten dargestellt wurden, da die Protestierenden “gewaltsam“ in Privateigentum eingedrungen seien und unter den Besuchern “eine gefährliche Situation“ geschaffen hätten.

Auf den Spruchbändern standen in englischer Sprache Sätze wie “Unser Wasser ist in Ihrem Pool“ oder “Dieses Hotel ist illegal“. Die Touristen fühlten sich gestört, was sicher im Interesse der aktion lag. Vor ihrer Seite war sicherlich kein Verständnis zu erwarten – wer will sich auch schon gerne mit solchen unangenehmen Wahrheiten konfrontieren. Während des Protests setzten die Aktivisten die Dusche des Schwimmbads in Betrieb, oder füllten Karaffen, um auf die Wasserknappheit auf Lanzarote hinzuweisen, der ständige Unterbrechungen der öffentlichen Versorgung zur Folge hat. Verantwortlich dafür sind in erster Linien touristische Betriebe und Golfplätze, die zu ihrer Bewässerung endlos große Wassermengen brauchen. Der Hinweis in der Lokalpresse, dass dieses Wasser ja bezahlt würde, ist ein dümmliches Argument, denn die Wasservorräte auf Inseln sind bekanntlich beschränkt, insbesondere die Grundwasser-Vorräte.

Reaktionen auf die Nachrichten

Im Rathaus von Yaiza sagte der Stadtrat für öffentliche Arbeiten bei Radio Crónicas, dass er diese Art von Protest nicht verstehe. “Ich finde es überraschend, denn in Wahrheit entspricht diese Haltung nicht der aktuellen Situation. Es ist ein Problem, das auf die eine oder andere Weise gelöst werden muss, aber ich denke, dass es im Moment wichtigere Dinge gibt als diese Art von Demonstrationen“, sagte er in ignorantem Ton.

Er beklagte, dass die “von einigen Medien und politischen Kräften verursachte Verwirrung bei den Einwohnern Angst auslöst. Die politischen Parteien, die regiert haben, verwirren die Einwohner mit Presse-Mitteilungen und Reden, die nicht der Realität entsprechen. Viele Anwohner haben uns angerufen und gefragt, ob das Hotel abgerissen wird, was wir tun werden oder ob die Bewohner des Hotels auf die Straße geworfen werden. Einige der Medien, die mit politischen Parteien verbunden sind, verbreiten allen möglichen Unsinn, der nur Verwirrung und Unsicherheit für diese Leute bringt, die jeden Tag Opfer bringen, um ihre Familien zu versorgen. Wir als Politiker müssen ihnen Sicherheit, Klarheit und Transparenz in diesen sensiblen Fragen geben“, sagte er.

Die Sprecherin der PSOE von Lanzarote zeigte ihrerseits Verständnis für das Unbehagen der Demonstranten an der Situation und lehnte es ab, die Aktion zu kritisieren. “Ich habe davon gelesen. Ich kann die Wut der Leute verstehen, natürlich. Dieses Hotel ist illegal und wird seit 13 Jahren ohne Lizenz betrieben. Ich weiß fast nicht mehr, wie viele Jahre es schon steht. Und ich verstehe die Frustration der Leute angesichts dieses illegalen Hotels, mit dem ein Strand privatisiert wurde, weil es auf einer Straße gebaut wurde, die öffentlich zugänglich war. Das ist einer der Gründe, warum dieses Hotel nicht legalisiert werden kann. Denn solange diese Straße nicht zurückgebaut ist, kann es nicht legalisiert werden. Ich kann die Wut und Frustration der Bürger verstehen“, sagte die Sozialdemokratin.

Sie stellte klar, dass die Touristen keine Schuld an der umstrittenen Situation mit der Papagayo-Arena tragen, weil sie die legale Situation nicht kennen. “Die Touristen, die sich dort aufhalten, tragen keine Schuld an irgendetwas. Nein, sie sind nicht schuld, sie wissen nicht einmal, dass sie sich in einem illegalen Hotel befinden. Aber die Wahrheit ist, dass dieses Hotel von einem gebaut wurde, der wegen Korruption verurteilt wurde, und die Leute sagen, genug ist genug“, sagte sie mit Nachdruck. (cronicas de lanzarote)

(2024-10-15)

DEN HALS NICHT VOLL KRIEGEN

tournach2b15Trotz Massenprotesten: Palma steckt im Jahr 2025 noch mehr Geld in die Tourismuswerbung. Das Geld soll unter anderem in eine Werbekampagne in den USA investiert werden. Der Stadtrat in Palma hat am 14.10.2024 mit den Stimmen der rechten und ultrarechten Regierungsparteien PP und Vox beschlossen, den Etat für die Tourismusstiftung "Fundació Turisme Palma 365" von derzeit 1,3 Millionen Euro für das Jahr 2025 um 300.000 Euro zu erhöhen. Das vom stellvertretenden Bürgermeister verwaltete Tourismus-Dezernat der Stadt will damit die Werbung für die Nebensaison ankurbeln.

Zu den zusätzlichen Investitionen gehören unter anderem Fördergelder für ein Radsportevent, für den Hallenfußball, eine Werbekampagne in den USA sowie die Finanzierung einer Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Kreuzfahrt-Tourismus in Palma. Letztere soll dem von der Balearen-Regierung initiierten Runden Tisch zur Gestaltung der Zukunft des Tourismus vorgelegt werden.

Kritik aus der Opposition

Bei der Opposition kam der Beschluss – angesichts der monatelangen Debatten über die negativen Auswirkungen des Tourismus – erwartungsgemäß nicht besonders gut an. Der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten im Stadtrat warf den beiden Regierungsparteien vor, "auf einem anderen Planeten" zu leben. "Sie wollen Palma in ein Schaufenster verwandeln, obwohl es immer schwieriger wird, hier zu leben. Ich nehme an, sie sehen das nicht."

Er warf der PP vor, dem Tourismus eine übermäßige Bedeutung zuzusprechen. "Es geht nicht darum, einen ganzen Wirtschaftssektor zu dämonisieren, aber wenn dieser Ressourcen und öffentliche Räume für sich einnimmt, muss man ihn mindestens managen können." Er kritisierte, dass keine zusätzlichen Gelder für den Kampf gegen die Wohnungsnot eingesetzt werden.

Auch die Sprecherin der linken Öko-Partei Més per Palma ging hart mit der Stadtverwaltung ins Gericht. "Sie stellen dem sozialen Leid, das durch den Tourismus verursacht wird, noch mehr Geld zur Verfügung." Més per Palma brachte den Vorschlag ein, 20 Millionen Euro aus dem städtischen Überschuss in den Kauf von 100 Sozialwohnungen zu investieren. Das wurde abgelehnt.

So argumentiert die Stadtverwaltung

Der Tourismus-Beauftragte hingegen argumentierte, das Geld diene nicht nur dazu, mehr Urlauber nach Palma zu holen, sondern auch die Art des Urlaubers zu bestimmen, der angesprochen wird. Er warf der Opposition zudem Heuchelei vor, weil in der vergangenen Legislaturperiode ähnliche Maßnahmen getroffen wurden. (MZ)

(2024-10-12)

KANTABRIEN WILL NICHT IBIZA WERDEN

tournach2b12Kantabrien kopiert das Modell von Teneriffa, um nicht ”das Ibiza des Nordens“ zu werden - Im Mai letzten Jahres gingen Tausende von Kantabriern auf die Straße, um ihre Ablehnung gegenüber der Überfüllung mit Touristen zum Ausdruck zu bringen. Einer ihrer wichtigsten Slogans lautete, dass sie nicht “das Ibiza des Nordens“ werden wollten. Die Zahlen der Sommerbesuche in einigen Naturgebieten haben die Befürchtungen der Demonstranten bestätigt und die lokalen Behörden dazu veranlasst, Maßnahmen zu ergreifen, um den Tourismus in Naturgebieten einzuschränken, nach dem Beispiel anderer Reiseziele wie Teneriffa und seinem ”Machu Picchu“.

Anti-Tourismus-Mobilisierung hat Kantabrien erreicht: Tausende demonstrierten gegen Massentourismus

Laut El Periódico sind symbolträchtige Orte wie der Mammut-Baumwald von Cabezón de la Sal und der Faro del Caballo in Santoña (ein Leuchtturm) einem noch nie dagewesenen Druck ausgesetzt, was die Behörden dazu veranlasst hat, Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der Besucher zu begrenzen und diese Naturräume zu schützen.

Der erwähnte Wald, einzigartig in Europa, wurde täglich von mehr als 800 Menschen besucht, die sich zudem nicht sehr respektvoll verhielten, wie der Bürgermeister von Cabezón de la Sal erklärte. ”Wir gehen davon aus, dass einer von zehn Touristen eine Rotholzrinde mitnimmt“, sagte er. Der Faro de Caballo, der als Rocadragon aus der Fernsehserie Game of Thrones bekannt ist, leidet seinerseits unter totaler Überfüllung, was das Erlebnis für die Besucher zudem verschlechtert.

Daher arbeiten beide Städte mit der kantabrischen Regierung zusammen, um eine Kapazitäts-Begrenzung einzuführen. Im Leuchtturm wird bereits testweise eine Einlasskontrolle durchgeführt, während im Wald ab den nächsten Osterferien Drehkreuze installiert werden sollen, um die tägliche Kapazität auf etwa 300 Touristen zu reduzieren, die auf verschiedene Zeitfenster verteilt werden.

(2024-10-11)

KREUZFAHRT IM FLUGZEUG

tournach2b11Neben Weltraum-Trips im Sonderangebot gibt es nun einen besonderen Hit für ”Besserverdienende”: die Luxus-Weltreise als Pauschalurlaub. Besonders erfreulich: Die Kreuzfahrt im Flugzeug macht auch auf Mallorca halt: vom Jet in den Ballermann und zurück. Für den Spätsommer 2026 bietet die Hotelkette Four Seasons eine solche exklusive Rundreise an. Mit dem Qualitäts-Versprechen: garantiert kein Massen-Tourismus.

Haben Sie zufällig gerade 209.000 Euro zur Hand? Wollen Sie damit eine luxuriöse Reise antreten? Aber Sie haben keine Lust auf einen Individualurlaub, sondern sind lieber rund um die Uhr von anderen netten wohlhabenden Menschen umgeben? Dann sind Sie bei "Grand Horizons" genau richtig – einer Luxus-Weltreise der Hotelkette "Four Seasons", die auch in der britisch-deutschen Kolonie Mallorca halt macht.

Die Idee: Man steckt eine betuchte Reisegruppe in ein Flugzeug, betüddelt sie in der Luft mit allerlei Annehmlichkeiten und fliegt sie drei Wochen lang an verschiedene attraktive Reiseziele auf der ganzen Welt. Besucht werden unter anderem das für seinen Wein bekannte Napa Valley in Kalifornien, die japanische Hauptstadt Tokio, die malerische Ha-Long-Bucht in Vietnam und der Sündenpfuhl Bangkok. Von dort aus geht es über Istanbul nach Mailand. Nach personalisierten Stadtführungen durch die norditalienische Mode-Hauptstadt geht es weiter nach Mallorca.

Das erwartet die Besucher auf Mallorca

Auf der Insel nächtigt die Reisetruppe selbstverständlich im jüngst eröffneten Four Seasons-Hotel Formentor. Dort wird den Besuchern nicht nur ein Maximum an "Quiet Luxury" versprochen, sondern auch der Besuch von "versteckten Buchten", die auf einer exklusiven Bootsfahrt angesteuert werden. Auch wird man von einem Privatkoch über die schönsten Märkte der Insel geführt. Ein Besuch von Weinanbaugebieten mit Verkostung ist ebenfalls Teil des Pakets. Danach geht es für die Reisenden weiter nach Lissabon und von dort nach Montreal, wo eine "Mischung aus europäischer Geschichte mit nordamerikanischem Ambiete" wartet.

Die "Grand Horizons"-Reise findet vom 31. August bis zum 23. September 2026 in der unternehmenseigenen "Four Seasons Private Jet Experience" statt. Der Flieger verspricht nicht weniger als den Glamour von Flugreisen aus vergangenen Zeiten zurück in die Gegenwart zu holen. Die Reiseveranstalter bitten mögliche Interessenten darum, bei einem Jahreseinkommen von weniger als einer Million Dollar oder Euro von Anfragen abzusehen. Drängt sich die Frage auf: kann Perversion denn überhaupt noch gesteigert werden? (MZ)

(2024-10-08)

TOURISTENVERMIETUNG ENTSCHEIDEN NACHBARN

tournach2b08Der Oberste Gerichtshof Spaniens hat soeben seine Rechtsprechung zur Befugnis von Gemeinschaften von Wohnungseigentümern vereinheitlicht, dabei ging es um das Verbot von Tourismus-Vermietungen. In zwei Urteilen bestätigte der Oberste Gerichtshof, dass eine Eigentümer-Gemeinschaft ein Veto gegen touristische Vermietungen einlegen kann. Voraussetzung ist, dass eine qualifizierte Mehrheit von 60 % der Eigentümer vorhanden sein muss. Der Gerichtshof weist auch darauf hin, dass in früheren Urteilen bereits festgestellt wurde, dass das Verbot bestimmter Nutzungen von Privaträumen in einer gemeinsamen Eigentumsanlage rechtmäßig und mit der Verfassung vereinbar ist.

Das Erstaunlichste in diesem Fall ist, dass es Richter gibt, die die Auffassung vertreten, dass für das Verbot einer touristischen Vermietung die Einstimmigkeit der Gemeinschaft erforderlich sei. Sie haben sich die Tatsache zunutze gemacht, dass das Gesetz von einer “Einschränkung oder Bedingung“ spricht und nicht von einem Verbot, um den Geist des Gesetzes zu verdrehen und dem Vermieter der Ferienwohnung de facto ein Vetorecht zu gewähren. Wie das Urteil des Gerichtshofs zeigt, würde in der Praxis, wenn Einstimmigkeit erforderlich wäre, die Weigerung des an Tourismus-Vermietung Interessierten ausreichen, um ein Verbot zu verhindern. Die übrigen Eigentümer (5, 10 oder 20) hätten keine Stimme mehr.

Eine Haltung, die die Vorschrift ihres Inhalts entleeren und jeden Versuch der Anwohnervereinigung, die Vermietung an Gelegenheits-Besucher zu beschränken, zunichte machen würde. Richter als Handlanger der Touristifizierung. All dies zeigt die langen Tentakel der Immobilien-Spekulation und ihre enorme Fähigkeit, juristische Auslegungen zu beeinflussen und die Entscheidungen der Gerichte zu beeinflussen. Doch die Gerichts-Mehrheit entschied anders.

Auf diese Weise hat der Oberste Gerichtshof die Selbstverwaltungs-Befugnis der Eigentümer-Gemeinschaften wiederhergestellt, die darüber entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen sie die Vermietung an Touristen zulassen oder nicht. Mit dieser Rechtsauslegung wird auch die Kraft des Gesetzes wiederhergestellt. Die Gemeinden verfügen wieder über ein wirksames Instrument, um Praktiken Einhalt zu gebieten, die ganze Stadtviertel zerstören und die Mieten außerordentlich teuer machen. (naiz)

(2024-10-06)

LANZAROTE REBELLIERT

tournach2b06Für den 20. Oktober wird auf Lanzarote zu einer Demonstration gegen den Massentourismus aufgerufen, im Touristenzentrum Puerto del Carmen. Die Demonstration wird am Sonntag um 12 Uhr am Hotel Fariones starten und entlang der “touristischsten Avenida der Insel“ bis zur Plaza de Las Naciones ziehen.

Die Plattform “Lanzarote hat eine Grenze“ hat für Sonntag, 20. Oktober, zu einer erneuten Demonstration gegen den Massentourismus aufgerufen. Die Vulkaninsel schließt sich damit den Demonstrationen an, zu denen am selben Wochenende auf Gran Canaria und Teneriffa aufgerufen wurde, als Nachfolge der Mobilisierungen, die bereits am 20. April dieses Jahres stattgefunden haben.

Fünf Monate nach den historischen Mobilisierungen vom 20. April stellen die organisierenden Gruppen fest, dass “Politiker und Institutionen weiterhin ein räuberisches Tourismus-Modell unterstützen“. Sie weisen darauf hin, dass “weiterhin auf unbegrenztes Wachstum gesetzt wird, während die Bevölkerung weiterhin unter den Folgen zu leiden hat: mehr Straßen, mehr Hotels, mehr Touristen, mehr Zerstörung von Ökosystemen, mehr prekäre Arbeit und mehr Armut“.

Der Aufruf kritisiert die Positionen der lokalen Vertreter als “heuchlerisch“ und weist darauf hin, dass die Politiker*innen zwar “von einem Umdenken des Modells sprechen, sich die Probleme aber weiter verschärft haben. So wurde versucht, die von Gerichten für illegal erklärten Projekte zu regulieren“.

In diesem Sinne werden alle aufgefordert, “die sensibel sind für den Schaden, den unser Land erlitten hat, am 20. Oktober mit mehr Kraft denn je auf die Straße zu gehen, um die Kritik wieder aufleben zu lassen und deutlich zu machen, dass sie gerade erst begonnen hat“. - “Wir werden nicht aufhören, bis wir den Wandel erreicht haben, den die Kanarischen Inseln brauchen“, heißt es in einer Erklärung. (lavozdelanzarote)

(2024-10-05)

MASSEN-TOURISMUS ALTSTADT BILBAO

tournach2b05Die zunehmende Umwidmung von bisherigen Mietwohnungen in Tourismus-Wohnungen und die Eröffnung von neuen Hotels sind zwei Seiten einer Medaille, die den Namen Massentourismus trägt. Die baskischen Behörden mussten bereits mehrfach eingestehen, dass die T-Wohnungen den Mietmarkt negativ beeinflussen, sodass die Schraube zurückgedreht werden musste. Doch gleichzeitig wird die Hotelschraube mit Macht angezogen – Hotels sind die Voraussetzung für die Organisation von Makro-Events, die Zehntausende oder gar Hunderttausende an einem Wochenende in die Stadt schwemmen. Davon wiederum profitieren die Airbnb-Wohnungen ebenfalls, weshalb es (bei einem Airbnb-Limit) zunehmend attraktiv wird, Wohnungen illegal zu vermieten.

Deshalb wurde in den vergangenen Tagen ein neues Luxushotel in Bilbao mit Aufklebern eingedeckt und mit Protesttafeln zugedeckt: wegen Überfüllung der Altstadt mit Hotels und Touristen. “Die Altstadt-Zone erstickt“, klagten gestern Verbände und Anwohner*innen des Viertels an, in dem auf 100 Einwohner*innen bereits 28 Tourist*innen kommen. Die Nachbar*innen umzingelten und tapezierten das vierte Luxushotel Letoh, das kürzlich in der Calle Correo in der Altstadt eröffnet wurde. Nach Ansicht der Sprecher*innen der Initiative ist das “kein Zufall“.

Die von der Nachbarschafts-Vereinigung Casco Viejo (Bihotzean) und SOS Alde Zaharra mobilisierten Teilnehmer*innen brachten zum Ausdruck, dass in der Altstadt 7.114 Personen leben, gleichzeitig werden im Viertel bereits 2000 Touristen-Betten angeboten. Das heißt, auf 100 Einwohner kommen 28 Touristen. Zu diesen Zahlen kommen noch die beiden im Monat September eingeweihten Hotels und die illegalen Tourismus-Unterkünfte (VT) hinzu; auch die legalen, nicht offiziellen, aber immer mehr werdenden “Erasmus“-Wohnungen sind dabei nicht mitgezählt.

Beide Organisationen prangerten an, dass es sich um einen “gut durchdachten Plan“ handele, um die angestammten Bewohner*innen zu vertreiben und “Geschäfte zu machen“; eine Haltung, für die vor allem die Stadtverwaltung von Bilbao verantwortlich gemacht wird, die wegschaue und den Wildwuchs zulasse. “Auf diese Weise werden sich einige wenige weiterhin auf unsere Kosten die Taschen füllen“, erklärten sie.

Während der Kundgebung gingen die Viertel-Nachbar*innen in das Hotel, um Plakate und Aufkleber sowie Informationen an die anwesenden Gäste zu verteilen. Sie warnten, dass sich die Altstadt in einer “Notsituation“ befinde, weil die touristischen Aufenthalte das Viertel “zerstören“ und die Bewohner vertreiben würden. “Wir haben das Recht, in unserem Viertel zu leben. Das Viertel wird von seinen Bewohnern gemacht“, erklärten sie.

(2024-10-04)

BALEARISCHE ABSCHRECKUNGS-MASSNAHMEN

tournach2b04"Als Abschreckungsmaßnahme": Balearen-Regierung will Touristensteuer erhöhen. Ministerpräsidentin Marga Prohens, die PP-Politikerin, die mit den Faschisten von VOX koalierte, sorgte am Mittwoch (2.10.) im Parlament für einen Paukenschlag: Prohens kündigte an, die Steuer für nachhaltigen Tourismus, besser bekannt als Touristensteuer, in den Sommermonaten zu erhöhen. Dies diene nicht dazu, um mehr Einnahmen für die Balearen zu generieren, sondern "als Abschreckungsmaßnahme". Das Ziel: Es sollen weniger Urlauber in den Sommermonaten kommen.

Eine genaue Höhe nannte die Politikerin nicht. Dies dürfte im Februar 2025 im Rahmen des Dekrets veröffentlicht werden, das Notfallmaßnahmen gegen die Massifizierung der Inseln vorsieht und das Prohens bereits am Dienstag bei ihrer Rede zur Lage der Balearen angekündigt hatte.

Reduktion der Abgabe im Winter

Mit der Ankündigung der Erhöhung der Touristensteuer reagierte die Ministerpräsidentin auf den Vorwurf, sie habe zwar Notfall-Maßnahmen angekündigt, aber kein einziges Beispiel genannt. Wie Prohens am Mittwoch erklärte, werde die Erhöhung der Steuer auf die Monate Juni bis August angewendet werden. In den Monaten Dezember bis Februar werde man den Steuersatz dagegen senken. Residenten der Balearen sollen in Zukunft von der Steuer ausgenommen werden, wenn sie ein Hotel oder ein Ferienhaus auf einer der vier Inseln besuchen.

Die konservative Politikerin erklärte, sie sei nicht für ein negatives Wachstum des Tourismus (also Rückgang), betonte aber, man müsse Limits setzen. Deshalb werde man auch keine weiteren Lizenzen für die Ferienvermietung in Mehrfamilienhäusern vergeben.

Abwassergebühren für Großverbraucher erhöhen

Es war nicht die einzige konkrete Maßnahme, die Prohens ankündigte, nachdem die anderen Parteien auf ihre Rede vom Vortag geantwortet hatten. Die Politikerin erklärte unter anderem, man werde auch die Abwassergebühr für Großverbraucher erhöhen, für Privathaushalte dagegen senken.

Auch betonte sie erneut, wie wichtig der angekündigte Zug nach Llucmajor sei. Es sei eine erste Maßnahme, um das Verkehrschaos auf den Inseln zu bekämpfen. Nach einem Zwischenruf von einem Abgeordneten erklärte sie, warum sie das Straßenbahnprojekt vom Palma zum Flughafen der Vorgänger-Regierung gekippt hatte: "Es handelte sich um eine Tram für die Urlauber. Ich hingegen bin hier, um das Leben der Bewohner der Balearen zu erleichtern." (MZ)

(2024-10-01)

MASSENTOURISMUS-KRITIK BEIM FILMFEST

tournach2b01Die beiden katalanischen Humoristen und Schauspieler Berto Romero und Andreu Buenafuente waren zur Eröffnungsgala des Film-Festivals Zinemaldia in Donostia eingeladen. Und sie nutzten diesen Auftritt nicht ausschließlich für filmische Angelegenheiten, sondern nahmen die Tourismus-Politik der Stadtverwaltung San Sebastian ins Visier. Humorvoll versteht sich, und vor den Augen des Bürgermeister Eneko Goia. Sie schlugen vor, im Kursaal Wach-Schichten zu organisieren, damit sich keine deutsche Touristen breitmachen. Und erinnerten daran, dass aus dem ehemaligen Palacio Bellas Artes ein Luxushotel gemacht wird.

“Wenn die Gala vorbei ist, sollten wir uns abwechseln, damit immer jemand hier drin ist. Damit sie für die Abschlussfeier nicht noch ein paar deutsche Touristen mitbringen“. Mit diesen Worten prangerten Berto Romero und Andreu Buenafuente bei der Gala zum Auftakt des Internationalen Film-Festivals im Kursaal humorvoll die Wohnungsbau-Politik der Stadtverwaltung von Donostia an und die Probleme, das die Touristisierung der Stadt für die Bürger und auch für die Kultur mit sich bringt.

Buenafuente drückte seine Dankbarkeit dafür aus, in einer “so film-freundlichen Stadt“ wie Donostia zu sein und erinnerte daran, dass die Hauptstadt von Gipuzkoa den ältesten Kinosaal Spaniens, den Palacio de Bellas Artes, beherbergt. “Er soll in Touristen-Wohnungen umgewandelt werden“, beklagte der Komiker. “Wir wissen, wovon wir sprechen“, fügte er hinzu und verwies auf die Stadt, aus der sie kommen, Barcelona, die seit Jahren unter denselben Problemen leidet.

Das Bellas Artes-Gebäude in Donostia, Gegenstand eines langwierigen städtebaulichen Streits zwischen dem Unternehmen, dem es gehört (Sade), und der Stadtverwaltung, wird ein Haus der Curio-Kollektion beherbergen, das zur renommierten Hotelkette Hilton gehört. Donostia versteckt hinter seiner “unvergleichlichen Kulisse“ die umstrittene Geschichte seines erbauten und zerstörten städtischen Erbes. Eine Logik, die heutzutage durch ständige Abrisse beschleunigt wurde und deren wichtigstes Symbol der hundertjährige Palacio Bellas Artes ist.

Die Worte von Romero und Buenafuente blieben in den sozialen Netzwerken nicht unbemerkt, auch wenn es nur wenige im Kursaal wagten, zu applaudieren. Die Kritiker*innen des von der rechten Stadtregierung gepuschten Massentourismus-Modells nahmen die Worte dankend zur Kenntnis, vor allem jene, die seit Jahren gegen den schlafstörenden Krach in der Altstadt protestieren, der ihnen das Leben dort zur Hölle macht. (NAIZ)

(2024-09-21)

GB KASSIERT TOURI-EINTRITT

tournach2a21Ab April 2025 wird Großbritannien für alle Touristen eine Einreise-Genehmigung verlangen. Mindestens zwei Millionen Spanier werden davon u.a. betroffen sein und 12 Euro zahlen müssen, die die EU in ihrem Gebiet zu einem späteren Zeitpunkt als Antwort anwenden wird. Alle Touristen müssen ein Formular mit ihrer Identität ausfüllen und dafür rund zwölf Euro (zehn Pfund Sterling) bezahlen. Dies wird durch die neue elektronische Reise-Genehmigung vorgeschrieben, ein Verfahren, das dem an den US-Grenzen angewandten ähnelt. Die EU wird ihr eigenes System ebenfalls im Mai nächsten Jahres einführen.

Das System wird bereits für Reisende aus Katar, Bahrain, Kuwait, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Jordanien verwendet, die für die Einreise nach GB bereits eine Genehmigung benötigen. Es wird nun schrittweise auf die verbleibenden 83 Nationalitäten ausgeweitet, die derzeit kein Visum für die Einreise in das Vereinigte Königreich benötigen. Darunter Spanien. Abgesehen von Dienstreisen wird das System 2,2 Millionen Spanier betreffen, die zu Freizeitzwecken nach GB reisen: Sightseeing, Einkaufen, Kurzurlaub, Familienbesuche. Das Land empfing 2023 fast 38 Millionen Touristen aus aller Welt, ein Zuwachs von 21% im Vergleich zu 2022, dabei war Spanien das fünftgrößte Herkunftsland, mit Ausgaben in Höhe von 1,266 Milliarden Euro.

Die Genehmigung gilt mehrfach und ist 2 Jahre lang für Aufenthalte bis zu 6 Monaten gültig oder bis zum Ablauf der Gültigkeit. Visit Britain, die Organisation zur Förderung des Tourismus auf den Inseln, hat ein Kommuniqué in spanischer Sprache über die Entscheidung des Innen-Ministeriums veröffentlicht, das für die Grenzkontrollen zuständig ist. Alle Reisenden, auch Kinder und Babys, sowie Transitreisende benötigen eine Genehmigung. Die Staatssekretärin für Migration sagte, die Genehmigung solle den Tourismus nicht behindern, sondern “zu einem modernen Migrationssystem“ führen.

Das britische Verfahren ist identisch mit dem in den USA, das als eine der Maßnahmen zum Schutz des Landes nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 entwickelt wurde. Es kostet 19 Euro. Für Briten, die in das Gebiet der EU einreisen, gilt das Verfahren bisher umgekehrt nicht. Wer eine Reise unternimmt, braucht für maximal 90 Tage (innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen) kein Visum. Danach ein Visum, um den Aufenthalt zu verlängern. Die EU-Länder haben unterschiedliche Kriterien für den Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen. Einige verlangen eine Arbeitserlaubnis, andere erlauben es den Reisenden, eine Beschäftigung zu suchen. 875.000 Spanier reisten im Jahr 2023 zu Urlaubszwecken nach GB. Weitere 892.000, um Familie und Freunde zu besuchen. 38 Milliarden Euro kommen durch Tourismus in die britische Wirtschaft. (elcorreo)

(2024-09-15)

SCHNAUZE VOLL VON TOURISMUS

tournach2a15Umfragen zufolge unterstützt 66% der Bevölkerung des spanischen Staates die derzeitigen Anti-Tourismus-Proteste. Eine europaweite YouGov-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Menschen mit diesen Protesten sympathisiert und dass ein Drittel der spanischen Bevölkerung davon ausgeht, dass es zu viele ausländische Besucher in ihrer Region gibt.

Der spanische Staat ist das Land in Europa, das am stärksten von den Auswirkungen des Tourismus betroffen ist. Dies ist zumindest die allgemeine Auffassung, die aus einer Umfrage der Agentur YouGov hervorgeht. 32% der im Staat befragten Personen sind der Meinung, dass es in ihrer Region zu viele ausländische Touristen gibt. Die in Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und dem Vereinigten Königreich durchgeführten Untersuchungen dieser Statistik-Agentur zeigen eine weit verbreitete Sympathie für die neue Welle der Mobilisierung gegen die Touristifizierung.

In Katalonien, einem Gebiet, das jährlich nicht weniger als 32 Millionen Touristen empfängt, viermal die Bevölkerung dieser autonomen Gemeinschaft, nimmt der Anteil der Bevölkerung, die den Tourismus als unkontrollierbar wahrnimmt, stark zu. Hier sind bis zu 48% der Befragten der Meinung, dass es in ihrer Umgebung zu viele Touristen gibt.

Im Staat existiert auch die schlechteste Meinung über ausländische Touristen in Europa. Bis zu 28% der spanischen Bevölkerung haben eine negative Meinung über ausländische Besucher, das sind fast doppelt so viele wie im zweitschlechtesten Land auf der Liste, Italien, wo nur 15% eine negative Meinung über ausländische Touristen haben.

Aus der Umfrage geht auch hervor, dass 37% der Bevölkerung im Staat der Meinung sind, dass der Vermietungs-Sektor für Touristen mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt, während 45% eine negative Einstellung zu diesem Geschäft haben. Im Vereinigten Königreich liegt diese negative Einstellung gegenüber der Ferien-Vermietung bei 33%, in Frankreich bei 24%, in Dänemark bei 24% und in Deutschland bei 21%.

Im Gegensatz dazu ist die Kritik an Mega-Kreuzfahrten in Frankreich und Deutschland deutlich ausgeprägter, wo fast die Hälfte der Bevölkerung eine negative Einstellung zu dieser touristischen Aktivität hat. In Spanien sind der Umfrage zufolge nur 20% gegen Mega-Kreuzfahrten.

Die Unterstützung für die Mobilisierung und die Proteste der Anwohner und Einheimischen gegen Tourismus ist in allen untersuchten Ländern konstant, auch wenn Spanien erneut an der Spitze der Liste steht: Bis zu 66% der Bevölkerung empfinden “sehr viel“ oder “ziemlich viel“ Sympathie für diese neue Welle der Ablehnung des überbordenden Tourismus. Dicht gefolgt von Frankreich, Deutschland und Schweden mit jeweils 65% Zustimmung zu den Protesten und, ganz knapp dahinter, dem Vereinigten Königreich mit 57% und Italien mit 53%.

Die Maßnahmen, die laut YouGov am meisten befürwortet werden, sind die Begrenzung der Zahl der Touristen, die in beliebte Städte oder Reiseziele einreisen dürfen, das Verbot des Baus neuer Hotels an diesen Orten und die Einführung einer Vorab-Buchungs-Pflicht für den Zugang zu beliebten Reisezielen. (elsalto)

(2024-09-13)

MALLORCA-AUSLAND 1:8

tournach2a13Es handelt sich nicht um das Ergebnis eines Fußball-Spiels, sondern um einen erneuten Urlauberrekord auf Mallorca … Nach einem Fußball-EM-bedingten Rückgang im Juni kamen im Juli wieder deutlich mehr Reisende auf die Inseln: mehr als 7,6 Millionen ausländische Gäste – bei einer Bevölkerung von 930.000 einheimischen Personen; auf jede Mallorquiner*in kommen somit 8 Tourist*innen. Bei so viel Zuspruch müssten alle Insel-Bewohner*innen wohlhabend sein.

Auch wenn allenthalben Klagen aus der Tourismusbranche auf Mallorca zu vernehmen sind, dass die Umsätze in diesem Jahr deutlich zurückgegangen sind: Mallorca und die anderen Balearen-Inseln verzeichnen 2024 einmal mehr einen Urlauberrekord. Nach den neuesten Zahlen der balearischen Statistikbehörde Ibestat kamen in den ersten sieben Monaten des Jahres 10,7 Millionen Urlauber auf die Inseln und damit 5,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Allein im Juli waren es mehr als drei Millionen Reisende, mehr als zwei Millionen davon auf Mallorca. Insgesamt stieg die Zahl der Urlauber auf den Balearen im Juli zwar nur um ein Prozent, Mallorca allerdings verzeichnete einen Zuwachs von fünf Prozent. Auf Menorca, Ibiza und Formentera ging die Zahl der Gäste zurück.

Deutlich mehr ausländische Urlauber als Spanier

Die Zahl der ausländischen Urlauber ist weiterhin deutlich in der Überzahl im Vergleich zu den aus Spanien stammenden Gästen. Von den 10,7 Millionen Urlaubern in den ersten sieben Monaten des Jahres kamen 8,7 Millionen Reisende aus dem Ausland. Das sind rund sieben Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2023. Mallorca bekam davon 7,6 Millionen Urlauber ab, acht Prozent mehr.

Für spanische Reisende sind die Inseln inzwischen zu einem teuren Reiseziel geworden. Speziell die Flugpreise liegen vom spanischen Festland aus teilweise deutlich höher als aus Deutschland, gerade in der Hauptsaison. Das führte dazu, dass im Sommer bisher rund 13,2 Prozent weniger spanische Urlauber auf die Balearen kamen als 2023. Auch die Deutschen kamen wieder. Nach einem vorübergehenden leichten Rückgang im Juni (Fußball-EM in der BRD) waren die Deutschen im Juli den Balearen wieder treu. Knapp 700.000 deutsche Urlauber reisten an und somit 12,3% mehr als im Vorjahresmonat. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2024 kamen insgesamt 8% mehr Deutsche auf die Balearen. Dafür reisten 2,3% weniger Briten an als im Vorjahreszeitraum.

So viel geben die Urlauber aus

Die Deutschen zeigten sich auch spendabel und gaben mit 3,42 Milliarden Euro ganze 17,2% mehr aus als zwischen Januar und Juli 2023. Einen noch größeren Zuwachs bei den Ausgaben hatten die Franzosen mit 35% mehr und die Skandinavier mit einem Plus von 32%. Insgesamt ließen die Urlauber zwischen Januar und Juli 2024 mehr als 12,4 Milliarden Euro auf den Inseln. Bei einer Zahl von 1,24 Millionen Bewohner*innen aller Balearen-Inseln müssten alle dieser von Massen-Tourismus betroffenen Insulaner*innen unter demokratischen Verhältnissen um 10.247 Euros und 93 Cent reicher geworden sein. Wirtschafts-Wissenschaftler*innen werden diesem Kalkül widersprechen. Schade eigentlich – sonst könnten die Eiland-Bewohner*innen in zwei bis drei Jahren ihre Inseln zurückkaufen. (MZ)

(2024-09-09)

STAATSPAKT GEGEN TOURISMUS-PHOBIE

tournach2a09Nach Protesten gegen Wohnungsnot: Konservative fordern "Staatspakt gegen Tourismusphobie". Die Volkspartei PP zeigt sich angesichts der anhaltenden Proteste gegen die negativen Auswirkungen des Massentourismus, allen voran die Wohnungsnot, besorgt. Pünktlich nach den Sommerferien haben nun die Konservativen im spanischen Senat eine Initiative eingebracht, damit sich die politischen Parteien auf einen "Staatspakt gegen die Tourismusphobie" einigen.

So argumentiert die PP

In der Begründung für diesen Schritt heißt es: "Etwas läuft falsch, wenn Bewegungen entstehen, die den Tourismus als zerstörerisch und störend für die Einheimischen charakterisieren. Dieses Denken entspricht eher unsachlichen Ignoranten als Organisationen, die sich um die Zukunft Spaniens sorgen. Und es sorgt für Tourismusphobie." Ziel der Eingabe sei es derweil, eine Branche zu verteidigen, die "Wohlstand und Arbeitsplätze generiert – und es demokratisiert unsere Dörfer und Städte."

Kritisch zeigt sich die Initiative deshalb unter anderem gegen die Demonstrationen der vergangenen Monate. Auf Mallorca, aber auch auf den Kanaren oder in Katalonien hatten immer wieder Zehntausende Menschen gegen die negativen Auswirkungen des Massentourismus protestiert. "Jedes Graffiti, jeder gewalttätige Angriff (von denen keiner bekannt ist – Anm. MZ) und jede Massendemo ist höchst unverantwortlich und schadet dem guten Ruf Spaniens im Ausland." Dank eines parteien-übergreifenden Paktes sollen die Spanier auf PP-Wunsch wieder an ihre Gastgeber-Qualitäten erinnert werden.

Was wohl die Mallorca-PP darüber denkt?

Doch nicht nur das: Auch spezielle Steuern und Abgaben für Urlauber und Moratorien auf Gästeplätze sind für die Autoren der PP-Initiative Tourismusphobie. Das dürfte bei den Kollegen der PP auf den Balearen für Staunen sorgen. Denn die 2017 eingeführte Steuer für den nachhaltigen Tourismus ist mittlerweile auch bei den Konservativen Konsens. Und das von der linken Vorgängerregierung eingeführte Moratorium auf neue Gästebetten wurde von der PP ebenfalls beibehalten.

Zudem hatte die Regierung von Marga Prohens immer wieder betont, man respektiere die Demonstrationen und sehe auch die Notwendigkeit, Maßnahmen einzuführen, um das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Urlaubern konfliktärmer zu gestalten. Konkret war die Rede davon, dass Limits notwendig seien. (MZ)

(2024-09-08)

MEHR TOURISTEN-WOHNUNGEN IN BILBO

tournach2a08Die Ankündigung weiterer Beschränkungen für Tourismus-Wohnungen beschleunigt deren Expansion in Bilbao - Die Ungewissheit über eine Änderung der entsprechenden Vorschriften animierte die bisher Unentschlossenen, die in den letzten Monaten 59 Wohnungen für touristische Nutzung angemeldet haben. Die Zahl der Tourismus-Wohnungen in Bilbao steigt somit weiterhin enorm. Die Ungewissheit über die neuen Vorschriften, an denen der Stadtrat von Bilbao arbeitet, um solche Wohnungen weiter einzuschränken, hat die Zahl der Genehmigungs-Anträge nicht gebremst. Ganz im Gegenteil.

Die Tatsache, dass die Änderung des PGOU Bebauungs-Plans, an der die Stadtverwaltung derzeit arbeitet, diese Art von Unterkünften in Zukunft verbieten könnte, hat die Zögerlichen angespornt. Vielleicht auch jene, die die Vermietung bislang illegal betrieben haben. “Vor dem Sommer wollten viele Leute vorsichtshalber eine Genehmigung einholen, und jetzt fragen viele an, weil sie ihren Urlaub in einer Touristenwohnung verbracht haben und dies als Chance gesehen haben“, sagt Amaya Vildósola, Architektin bei MKR Soluciones, einem Unternehmen, das sich mit der Bearbeitung von Genehmigungen beschäftigt. Als im Mai neue Beschränkungen angekündigt wurden, waren 968 Immobilien registriert, jetzt sind es 1.027, also 5,74% mehr.

“Es ist die Zeit hoher Nachfrage“, bestätigt Vildósola, die in den letzten Wochen Anfragen von Kunden bearbeitet hat, die sich nach der Nutzung von Airbnb oder Booking für eine Ferienwohnung während ihres Urlaubs daran erinnert haben, dass auch sie selbst von diesem Modell profitieren könnten. “Einige sagen, dass sie die Lizenz nicht nutzen werden, aber wenn man sich beim REATE – dem Baskischen Register für touristische Unternehmen und Aktivitäten – anmeldet, verlangen sie, dass man mindestens zwei Vermietungen im Jahr hat“, sagt der Architekt, der bestätigt, dass es derzeit viele Zweifel unter den potenziellen Vermietern gibt.

“Es gibt eine Kampagne gegen Tourismus-Wohnungen und sie haben Angst, dass sich die Vorschriften ändern, nicht nur die der Gemeinde, sondern auch die der baskischen Regierung oder sogar der Staats-Regierung“, erklärt sie die Bedenken ihrer Kunden.

Während der Plenarsitzung im Mai kündigte der Stadtrat von Bilbao an, dass er seinen Nutzungsplan ändern werde, um die Präsenz von Tourismus-Wohnungen in der Stadt weiter einzuschränken. Die erste Einschränkung im Jahr 2017, als es noch weniger als zweihundert gab, sie sah vor, dass diese Wohnungen nur im ersten Stockwerk untergebracht werden dürfen. Und im Fall der Altstadt und dem Stadtteil Bilbao La Vieja wurde beschlossen, dass nicht mehr als eine solche Wohnung pro Portal angemeldet werden durfte. Seitdem hat die Verbreitung dieser Art von Unterkünften den Stadtrat jedoch dazu veranlasst, strengere Maßnahmen zu ergreifen, er arbeitet bereits mit technischer Unterstützung an der Ausarbeitung des Textes, der die Beschränkungen auf der Grundlage von Daten nach Stadtteilen und Bezirken präzisieren wird. Bürgermeister Aburto kündigte Mitte August an, dass eines der Ziele, an denen gearbeitet wird, darin besteht, dass für Touristenzimmer die gleichen Beschränkungen gelten sollen wie für Wohnungen.

Verordnungen

Aber nicht nur in Bilbao ändern sich die Vorschriften, auch viele Gemeinden in Bizkaia entscheiden sich angesichts der großen Zahl von Tourismus-Wohnungen für Beschränkungen ein: in Gemeinden wie Mundaka, Lekeitio, Getxo und Sopela. “Wenn sich ein Kunde an uns wendet, der eine Ferienwohnung einrichten möchte, prüfen wir als Erstes, ob die Eintragung im REATE sinnvoll ist“, sagt Vildósola, denn eine Eintragung bei der baskischen Regierung, um hinterher festzustellen, dass es eine Beschränkung gibt, sei wenig sinnvoll. “Es gibt Leute aus Bilbao, die eine Wohnung im zweiten Stockwerk angemeldet haben und am Ende keine Genehmigung erhalten haben“, sagt die Architektin, der gegen eine Gebühr von 300 bis 350 Euro alle Verfahren durchführt.

Die Ungewissheit über die Vorschriften lastet auf den Eigentümern, denn es ist nicht bekannt, ob die Verordnungen rückwirkend angewendet werden. “In Getxo wurde am 12. August eine spezifische Änderung des Nutzungs-Plans herausgegeben, und derzeit können nur Tourismus-Wohnungen mit unabhängigem Zugang vermietet werden“, sagt Amaya Vildósola, die versichert, dass es keine Spezifizierung bezüglich der Wohnungen gibt, die bereits vorher im REATE registriert waren. “Wir müssen uns an das Rathaus wenden, um zu sehen, was mit diesen Wohnungen geschieht, denn vielleicht lassen sie sie außerhalb der gesetzlichen Bestimmungen, aber sobald sie ihre Lizenz verlieren oder abgemeldet werden, gibt es keinen Rückweg“, sagt sie. In diesem Sinne versichert sie, dass die Vorschriften ständig geändert werden, “weil die Tourismus-Wohnungen im Mittelpunkt stehen und die Gemeinden unruhig sind“.

Andere Instrumente

Eine der wirksamsten Möglichkeiten, die Einrichtung von Tourismus-Wohnungen einzuschränken, liegt derzeit in den Händen der Haus-Eigentümer-Gemeinschaften, die ein Veto gegen diese Unterkünfte in ihren Gebäuden einlegen können. Aber nicht auf die übliche Weise. Das horizontale Eigentumsgesetz sieht vor, dass eine Dreifünftel-Mehrheit erforderlich ist, um die Beschränkung durchzusetzen, eine einfache Mehrheit reicht also nicht aus. „“Das erfordert aber ein Satzungs-Änderung der Hausgemeinschaft, die notariell bestätigt werden muss“, erklärt Vildósola. Viele Hausgemeinschaften machen den letzten Schritt nicht, weil die Satzungsänderung den Gang zum Notar und Kosten zwischen 1.500 und 2.000 Euro bedeutet. “Viele wollen dieses Geld nicht ausgeben und lassen das Verbot nicht eintragen“, erklärt sie.

Die Architektin weist auch darauf hin, dass es entgegen der landläufigen Meinung nicht ausreicht, wenn der Widerspruch der Anwohner im Protokoll festgehalten wird. “Wenn er nicht im Grundbuch eingetragen ist, ist das Verbot ungültig, weil es nicht öffentlich gemacht wurde“, sagt sie. Das ist einer der Gründe, warum sich die Hausbesitzer trotz des großen Widerstands letztlich doch nicht gegen die Beherbergung von Touristen entscheiden. (QUELLE)

(2024-09-07)

ALBANIEN ALS TOURISTISCHES LUXUS-ZIEL

tournach2a07Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner will Albanien in ein touristisches Luxusziel verwandeln. Der ehemalige Berater des früheren US-Präsidenten konzentriert sich jetzt auf sein Immobiliengeschäft. Und er expandiert auf den Balkan: Die Adriaküste Albaniens, eines der letzten unberührten Gebiete am Mittelmeer, ist das neue Ziel seines besonderen Monopols. Er plant, bis zu 1 Milliarde Dollar zu investieren, aber nicht alles läuft so glatt, wie er gehofft hatte.

In einer idyllischen Ecke der südlichen Küste Albaniens, in der Nähe der Stadt Vlora, plant Jared Kushner den Bau eines Tourismus-Komplexes auf geschütztem Land, einem Gebiet, das von den Einheimischen für seine ruhigen Pinienwälder, Olivenhaine, Wanderwege und einsamen Strände geliebt wird. Ein Traum-Standort im Süden des Landes, am Eingang zur Adria, der von einigen bereits als die “Malediven Europas“ bezeichnet wird. Kushner plant noch zwei weitere Projekte: eines auf einer nahe gelegenen albanischen Insel in Vlora und ein weiteres in einer ehemaligen Kaserne in Serbiens Hauptstadt Belgrad.

Auch wenn seine Investitionen von bis zu 1 Milliarde Dollar für die lokale Wirtschaft attraktiv sein könnten, hat Trumps ehemaliger Berater die Einheimischen aufgeschreckt, die befürchten, dass das Projekt die Umwelt schädigen wird. Sie könnten das Geld gut gebrauchen, denn seit dem Fall des “Kommunismus“ im Jahr 1990 hat Albanien mit wirtschaftlicher und politischer Instabilität zu kämpfen, die die junge Bevölkerung zur Auswanderung getrieben hat. Die Berg-Landschaften und die unberührten Küsten ziehen immer mehr Touristen an, die viertgrößte Zunahme weltweit: 2023 werden laut der Welt-Tourismus-Organisation mehr als 10 Millionen Menschen Albanien besuchen, 35 Prozent mehr als 2022 und 56 mehr als 2019. Aber die Bewohner*innen scheinen nicht bereit zu sein, alles dafür preiszugeben. Die Touristen, die das Land empfängt, kommen hauptsächlich auf der Suche nach neuen Alternativen zu den gesättigten Reisezielen Griechenland und Kroatien, und es ist durchaus attraktiv, dass diese albanischen Optionen billiger sind ... oder exklusiver, ruhiger und luxuriöser. Das ist die Goldgrube, die Trumps Schwiegersohn ausgemacht hat.

Auf Sazan Island plant Kushner, sogar auf den Klippen zu bauen, wobei die großartige Aussicht ein unbezahlbarer zusätzlicher Luxus in den ohnehin schon luxuriösen Villen ist. Trotz der anfänglichen Proteste gegen seine Projekte scheint Kushner nicht allzu beunruhigt zu sein: Er ist zuversichtlich, dass es fast nichts gibt, was nicht mit Geld gekauft werden kann. So präsentierte er seinen Investitions-Plan nur wenige Wochen, nachdem das albanische Parlament ein Gesetz geändert hatte, das es der Regierung nun erlaubt, Genehmigungen für den Bau von Fünf-Sterne-Hotels oder Tourismus-Komplexen in Schutzgebieten zu erteilen – genau wie die von Kushner geplanten. Die sind in der Simulation seiner Investment-Firma Affinity Partners zu sehen sind, die diesen Bericht eröffnet.

Unternehmer und Urlauber in Europa

Jared Kushner und Trump-Tochter Ivanka sind seit 2009 verheiratet. Seit ihrer Entfremdung von Donald Trump nach dem Angriff auf den Kongress ist Ivanka Mitglied eines neuen Clans – des Kushner-Clans. Sie sind Stammgäste an der Adria- und Balkan-Küste. Kushners Plan (er hat versprochen, die Umwelt nicht zu schädigen) sieht Jachthäfen, Swimmingpools und exklusive Luxusvillen vor, mit dem Ziel, die Stadt Vlora in ein “Tourismusziel der Spitzenklasse“ zu verwandeln. Ermal Dredha, der Bürgermeister der Stadt, steht dem Projekt offen gegenüber: “Wie sollen wir ohne Investitionen all die Menschen anziehen, die nach Albanien kommen und Vlora wählen? Die nahegelegene geschützte Halbinsel Zvërnec, ein integraler Bestandteil des Ökosystems des Flusses Vjosa, ist ein weiterer Wunsch von Trumps Schwiegersohn. Die Narta-Lagune im Herzen des Deltas ist ein wichtiges Brut- und Nahrungs-Gebiet für die bekanntesten Vögel Südosteuropas, wie den Schwarzbrauen-Pelikan, den Rosa-Flamingo und den Löffler, für die die Lagune eine der wichtigsten Stationen auf ihrem Weg nach Nordafrika ist, entlang der so genannten Ariatischen Flugroute. Kushner und Ivanka waren in der Trump-Administration aktiv, haben sich aber distanziert und sind aktuell nicht an seiner Wahl-Kampagne beteiligt.

Die Umwelt-NGO PPNEA sieht die Projekte anders und bereitet sich auf das Schlimmste vor: “Es ist eine Schande, dass dieses Gebiet den nächsten Generationen nicht mehr zum Genuss zur Verfügung stehen soll“, sagen sie. In zehn Jahren wird dies ein grauer Betonplatz sein“. Auch in Serbien, wo der Schwiegersohn ein Luxusprojekt auf dem Hauptquartier der ehemaligen jugoslawischen Volksarmee finanzieren will (das bis 1999 von der NATO im Rahmen der Luftangriffe gegen die serbischen Gräueltaten im Kosovo bombardiert wurde), haben mehr als 26.000 Menschen gegen die Pläne von Affinity unterschrieben.

Dabei geht es um den Bau eines Hotels, von Wohnungen, Geschäften und Büroräumen in zwei Gebäuden, die eine geschützte Kulturstätte im Zentrum Belgrads bilden. Kushners drittes Projekt sieht den Bau eines Luxushotel-Komplexes auf der Insel Sazan vor, die auf jenem Teil der Insel liegt, der zum Meeres-Nationalpark Karaburun-Sazan gehört, der seit 2010 für seine ökologische Bedeutung und Artenvielfalt anerkannt ist. Vorerst lassen die Debatten über diese Pläne noch auf sich warten, aber es ist zu befürchten, dass der Kushner, trotz der Proteste der Albaner, in jeder der betroffenen Regionen das Gesicht dieses Teils des Mittelmeers definitiv verändern wird. (baskinfo)

ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-09-07)

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