albanese1Kolloquium Universität Navarra

Francesca Albanese: "Das ist Völkermord in Echtzeit. Die kollektiven Narben werden Generationen überdauern" - Israel hat das humanitäre Völkerrecht gebrochen, um den Völkermord in Gaza zu rechtfertigen. Dies ist eine der wichtigsten Schlussfolgerungen von Francesca Albanese, deren Vortrag in den Medien der öffentlichen Universität Navarra ausgestrahlt wurde. Die UN-Berichterstatterin ruft zum Handeln auf, um die Vernichtung des palästinensischen Volkes zu stoppen. (Kolloquium baskischer Universitäten).

Völkermord oder Genozid ist seit der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 ein Straftatbestand im Völkerstrafrecht, der gekennzeichnet ist durch die Absicht, auf direkte oder indirekte Weise “eine nationale, ethnische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu vernichten“.

Die UN-Berichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, Autorin eines Berichts, in dem sie Beweise für den Völkermord in Gaza vorlegt, hat angeprangert, dass Israels "völkermörderische Absicht" gegen das palästinensische Volk "so offenkundig ist, dass man nicht wegschauen kann, es muss bestraft werden". Sie prangerte den Völkermord als "die extremste Stufe" eines langen kolonialen Prozesses an, der "kollektive Narben hinterlassen hat, die Generationen überdauern werden".

Albanese nahm an der Konferenz "Die Universität im Angesicht des Völkermordes" teil, die vom Universitäts-Netzwerk für Palästina organisiert wurde und an diesem Mittwoch gleichzeitig an der UPNA und der baskischen Universität EHU/UPV übertragen wurde, sowie an vierzig weiteren Universitäten im spanischen Staat. An der Universität von Navarra verfolgte ein Auditorium voller Erwartung eine Präsentation, die über die konventionellen Grenzen eines bloßen Vortrags hinausging und sich zu einem dringenden Aufruf zum Handeln verwandelte, um den Völkermord in Gaza zu stoppen.

In einem mit Lehrern und Studenten gefüllten Saal begann die Autorin des Berichts "Anatomie eines Völkermords" mit einer detaillierten Analyse der erschütternden Situation in der Enklave. Neben den mehr als 33.000 palästinensischen Todesopfern durch die israelische Armee nannte Albanese weitere Zahlen, die den Völkermord belegen, sowie Zeugenaussagen, die den überwältigenden Statistiken eine menschliche Dimension verleihen.

"In diesen Monaten sind mehr Kinder getötet worden als in allen anderen Konflikten der letzten vier Jahre. Es gibt 71.000 Verletzte, Beschränkungen bei der Versorgung mit Lebensmitteln, Strom und sanitären Einrichtungen wie zum Beispiel der Erstversorgung von Neugeborenen", erklärte sie.

Die UN-Berichterstatterin wies darauf hin, dass die Lage im Norden des Gazastreifens äußerst ernst sei, wo kaum humanitäre Hilfskonvois ankämen und die Palästinenser dazu verurteilt seien, "Tierfutter und Gras" zu essen.

Seit Beginn der Offensive hat Israel "ein apokalyptisches Arsenal" eingesetzt, sagte sie und wies darauf hin, dass der zionistische Staat 25.000 Tonnen Sprengstoff eingesetzt hat, was "zwei Atombomben" entspricht.

Die Bodenoperation hat zwar das Muster verändert, aber Albanese kritisierte, dass "das Ausmaß der Gräueltaten" zunimmt. Sie erinnerte an die Zerstörung von "Häusern, zivilen Strukturen, Krankenhäusern, Moscheen und kulturellem Erbe", alles inmitten der ständigen "Erniedrigung" der palästinensischen Bevölkerung durch die israelischen Besatzungssoldaten, die Bevölkerung müsse "in den Trümmern wühlen, um ihre Toten zu finden". -"Die Palästinenser verhungern, während wir hier sprechen. Die kollektiven Narben werden Generationen überdauern", betonte Albanese.

Ein angekündigter und unterstützter Völkermord

Albaneses Bericht enthält genügend Beweise dafür, dass Israel einen Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung begeht, aber die Reaktion der so genannten "internationalen Gemeinschaft" sei gleich null. "Die meisten westlichen Länder haben Israel militärisch, politisch und wirtschaftlich unterstützt, während der Völkermord in Echtzeit übertragen wurde", sagte sie.

"Völkermord ist ein Prozess. Er beginnt mit Entmenschlichung und endet mit Zerstörung. Er ist die extremste Stufe eines langen kolonialen Prozesses, und er findet statt, seit die Palästinenser ihrer Heimat beraubt wurden. Es ist eine Tragödie mit Vorankündigung", betonte sie.

Sie sagte, dass Völkermord durch "spezifische Handlungen zur Vernichtung einer nationalen, ethnischen oder religiösen Gruppe" definiert sei und fügte hinzu, dass für Israel "alle Menschen in Gaza der Feind" seien.

"Diese Rhetorik hat alle Teile der israelischen Gesellschaft durchdrungen. Die Tatsache, dass hochrangige israelische Beamte die Soldaten systematisch dazu aufriefen, die Bevölkerung des Gazastreifens zu vernichten, ist ein überzeugender Beweis für diesen völkermörderischen Hinweis", sagte sie.

Was tun angesichts des Völkermordes und seiner Propaganda?

In einer eindringlichen Rede wies Albanese darauf hin, dass die wichtigste Schlussfolgerung aus den Geschehnissen in Palästina darin besteht, dass "Israel die grundlegenden Regeln des humanitären Völkerrechts absichtlich verletzt hat, um die völkermörderische Gewalt gegen das palästinensische Volk zu legitimieren und zu verschleiern".

Indem es die Unterscheidung zwischen geschützten Zivilisten und Kombattanten verwischt, hat Israel die gesamte palästinensische Bevölkerung als "menschliche Schutzschilde" bezeichnet und den Tod von Zivilisten, die inmitten der Bomben humanitäre Hilfe suchten, als "Kollateralschaden" bezeichnet, so Albanese.

Die UN-Berichterstatterin hat sich nicht nur darauf beschränkt, die Probleme zu skizzieren, sondern auch mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt. Albanese verwies auf Maßnahmen wie den Entzug der diplomatischen Anerkennung, Sanktionen gegen hochrangige Beamte, Wirtschaftssanktionen oder die Aussetzung der institutionellen Beziehungen wie das Assoziierungs-Abkommen der EU mit Israel.

"Es liegt in unserer Verantwortung, uns daran zu erinnern, dass die Völkermord-Konvention eine Norm zur Verhinderung der Begehung von Völkermord enthält, eine Realität, die der Internationale Gerichts-Hof IGH anerkannt hat", bekräftigte sie.

"Israels Realitätsfremdheit und seine Ausnahme-Praxis sind nicht länger haltbar. Es ist jetzt an der Zeit zu handeln, es ist an der Zeit, einen Schritt zurück zu gehen, damit die Palästinenser nicht alles verlieren", sagte Albanese.

Universitätsnetzwerk für Palästina

Die Videokonferenz von Francesca Albanese wurde von der UPNA und der UPV/EHU sowie von vierzig spanischen Universitäten verfolgt. Sie wurde vom University Network for Palestine organisiert, das beklagte, dass viele Uni-Rektorate versucht hätten, die Durchführung der Konferenz zu be- und verhindern (in Sevilla zum Beispiel, eine von Faschisten und Post-Franquisten regierte Region).

Das Universitätsnetzwerk für Palästina ruft die Universitäts-Gemeinschaft dazu auf, eine einheitliche Stimme zu erheben und eine Antwort auf den von der israelischen Besatzung verübten Völkermord in Palästina im Einklang mit dem Völkerrecht zu fordern.

Es fordert außerdem die Universitäts-Behörden und das spanische Universitäts-Ministerium auf, jegliche Zusammenarbeit mit Unternehmen und Institutionen des Staates Israel zu überprüfen, auszusetzen oder zu beenden, bis die Verletzungen des Völkerrechts in Palästina beendet sind.

ANMERKUNGEN:

(1) “Albanese: Es un genocidio en tiempo real; las cicatrices colectivas durarán generaciones (Albanese: Das ist Völkermord in Echtzeit; die kollektiven Narben werden Generationen überdauern), Tageszeitung Gara, 2024-04-11) (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Francesca Albanese (publico)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-04-11)

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