Manipulation gegen Solidarität
Internationale Stimmen wie Palestine Action oder UNWAR stehen unter politischem Dauerbeschuss, wenn sie den zionistischen Völkermord thematisieren und die imperialistische Unterstützung für den Apartheid-Staat Israel kritisieren. Insofern war vorauszusehen, dass die Genozid-Unterstützer eines Tages auch eine politische Kampagne gegen die Palästina-Berichterstatterin Francesca Albanese vom Zaun brechen. Repression erfuhr sie bereits genug, jetzt soll sie mit manipulierten Video-Aussagen abgesetzt werden.
Francesca Albanese, die UN-Sonder-Berichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, ist in ihrem Land Italien zu einer Meinungsführerin geworden, steht jedoch in den USA und der BRD auf einer schwarzen Liste.
Israel-freundliche Politiker:innen zusammen mit willfährigen Medien haben gemeinsam eine Kampagne gestartet, mit der die UNO dazu gezwungen werden soll, die UN-Sonder-Berichterstatterin für Palästina, Francesca Albanese, abzusetzen oder zu entlassen. Israel hat in seinem Vernichtungswahn in Gaza hunderte von Journalist:innen ermordet, um zu verhindern, dass sie über die Gräuel des Genozids berichten. Zum Schweigen gebracht werden sollen alle, die auch nur die mindeste Kritik an den schweren Menschenrechts-Verbrechen vor der Weltöffentlichkeit äußern. Erneut wurde Francesca Albanese zum Opfer einer Hetzkampagne gegen ihre Person. Mit der Publikation eines manipulierten Videos fordern die Außenministerien von Frankreich, Italien, Tschechien, der BRD und Österreich ihre Absetzung. Dokumentation der Kampagne bei Perspektive Online. (*)
Grund für den aktuellen Aufschrei ist eine angeblich per Video getätigte Aussage Albaneses. Das Video wurde von der israelischen Botschaft in Frankreich am 9. Februar auf verschiedenen Kanälen verbreitet. In einem Interview mit Al Jazeera soll sie gesagt haben, man erkenne, dass “wir als Menschheit einen gemeinsamen Feind haben“. Unmittelbar davor ist im bearbeiteten Video zu sehen, wie sie sagt: “Die Tatsache, dass ein Großteil der Welt Israel nicht gestoppt, sondern vielmehr bewaffnet, ihm politische Vorwände, politischen Zufluchtsort sowie wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung gewährt hat, stellt eine Herausforderung dar“. Der Zusammenschnitt suggeriert, Albanese hätte gesagt, dass Israel der “gemeinsame Feind“ sei. Eigentlich sagt sie jedoch etwas völlig anderes. Ganz bewusst stellt Albanese nämlich nicht einen einzelnen imperialistischen Staat wie Israel in den Vordergrund ihrer Kritik. Im ursprünglichen Interview spricht sie unmittelbar nach der Aussage zu Israel über die “Pro-Apartheid und Völkermord-Rhetorik in westlichen Medien“, einem schweren Schlag gegen das Völkerrecht und Herausforderungen für die internationale Gemeinschaft.
Anschließend erklärt sie, dass “wir, die wir weder über riesiges Finanzkapital noch über Algorithmen oder Waffen verfügen, erkennen, dass wir als Menschheit einen gemeinsamen Feind haben“. Sie kritisiert das imperialistische Weltsystem als Verursacher des Leids der großen gesellschaftlichen Mehrheit. Seine brutalsten Auswüchse in Form von Genoziden wie dem in Palästina sind laut ihr auch Chancen, diesen Missstand zu erkennen. Die Form von Widerstand, den es tatsächlich dagegen braucht, wird jedoch kein friedlicher Weg sein können, wie sie ihn benennt. “Alles, was über mich gesagt wurde, ist falsch und diffamierend“, bringt die italienische Juristin die Vorwürfe gegen sich gegenüber dem italienischen TV-Sender La7 treffend auf den Punkt.
Mittlerweile gibt es auf verschiedenen Plattformen jedoch Videos zu sehen, in denen das Original und das bearbeitete Video direkt im Vergleich gegenüber gestellt werden. Der manipulations-Schnitt im Video wirkt sehr amateurhaft. Außerdem lässt es die relevantesten Stellen der Rede weg. Das Video der israelischen Botschaft ist einfach als bearbeitet zu erkennen und mit der frei verfügbaren Originalquelle leicht widerlegbar. Damit ist es kaum möglich, dass sich die Außenministerien von fünf Staaten und deren Social-Media-Teams aus Versehen darauf beziehen. Denn schon länger gibt es von den engen Verbündeten Israels in Europa Kampagnen gegen Albanese.
Sie wird seit über zwei Jahren immer wieder für ihre Palästina-Positionen als Antisemitin diffamiert, oder, wie Wadephul sagt, sie habe sich “vielfach Ausfälle geleistet“ und sei “unhaltbar“. Als Albanese 2025 durch die Regierung der USA sanktioniert wurde, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts, man sehe “einige Positionen Albaneses sehr kritisch“. Zudem gehen sie noch viel weiter. Staaten wie Deutschland teilen die Forderung nach harten Sanktionen gegen die Berichterstatterin und wollen damit vor allem eins: Eine seit langem unbequeme Stimme endgültig mundtot machen (…)
Israels Kampf gegen UN-Organisationen
Die Kampagne Israels und Verbündeter gegen Albanese reiht sich ein in die Bekämpfung von UN-Institutionen, die in Palästina arbeiten. 2024 wurde das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) durch Israels Parlament verboten. Es hielt den Flüchtlingsstatus der vertriebenen Palästinenser:innen aufrecht, um ein Rückkehrrecht zu ermöglichen. Die Begründung Israels lautete damals, das Hilfswerk beschäftige Mitglieder der Hamas. Unter demselben Vorwand werden seit Anfang 2026 zahlreiche andere Hilfs-Organisationen gestoppt, die die sonst ausbleibende und überlebenswichtige Arbeit in Form von etwa Hilfslieferungen und medizinischer Versorgung im Gazastreifen leisteten.
Auch bei ihren Besuchen in Deutschland hat Albanese politische Repressionen erfahren. So wurden ihr Anfang 2025 reihenweise Absagen für einen Vortrag in Berlin erteilt, nachdem Uni-Leitungen von Politiker:innen unter Druck gesetzt wurden, um ihre Auftritte zu verhindern. Berlins Bürgermeister, Kai Wegner (CDU), machte öffentlich Druck gegenüber der Freien Universität, Albanese wieder auszuladen. Als schlussendlich die Tageszeitung Junge Welt ihr Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, rückte die Polizei an und erklärte die Veranstaltung zu einer Versammlung. So konnten sie das Hausrecht aushebeln und verschaffte sich Zugang zu den Räumlichkeiten. Durch die Belagerung wurde eine Drohkulisse aufgebaut, die auf einen klaren Angriff auf die Meinungs- und Versammlungs-Freiheit und deren Einschränkung abzielte.
“Gefahrenabwehr“ nannten es die Polizeibeamt:innen in Berlin, wenn sie einer international anerkannten UN-Expertin Angst machen wollten, weil sie unter anderem die Beschlüsse des Internationalen Gerichtshofs, im Gegensatz zur deutschen Regierung, konsequent vertritt und nicht zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil einen Genozid toleriert und ihn sogar maßgeblich unterstützt. Angesprochen auf ihre Erfahrungen in Deutschland erklärte Albanese anschließend in einem Interview, sie habe in den letzten drei Jahren “nirgendwo sonst so eine Normalisierung von Gewalt und Repressionen erlebt“.
Der staatliche Kampf gegen Palästina
So muss auch der neueste politische Angriff gegen Albanese eingereiht werden in zahlreiche ähnliche Versuche der Bekämpfung von Kritik an Genozid, Apartheid und Vertreibung. Eine Gruppe französischer Jurist:innen hat bereits eine Anzeige gegen die Verbreitung von Falsch-Informationen über Albanese erstattet. Das österreichische Außenministerium hat den Tweet mittlerweile wieder kommentarlos gelöscht. Der Angriff gegen Albanese wird nicht der letzte Angriff gegen Palästina-Solidarität bleiben, an dem Deutschland maßgeblich beteiligt ist. Auch in Deutschland muss deswegen klar gezeigt werden: Palästina-Solidarität war, ist und bleibt legitim und politisch richtig. Jegliche Versuche, diese zu delegitimieren und zu kriminalisieren, insbesondere durch das Verbreiten von Fake-News, müssen als solche entlarvt und politisch beantwortet werden.
ANMERKUNGEN:
(*) Dokumentation von Ausschnitten des Artikels “Politische Kampagne gegen Palästina-Berichterstatterin Francesca Albanese“, Perspektive Online, Autorin: Anna Müller, 2026-02-16 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Francesca Albanese (un news)
(2) Francesca Albanese
(3) Albanese (rtve)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-02-16)
