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Im Schatten von Guggenheim

Seit seiner Gründung vor drei Jahren hat der baskische Bildhauer-Verband Eskuahaldunak mehr als 80 Ausstellungen organisiert, die 100.000 Besucher*innen angezogen haben. Mit diesen Ausstellungen, die allesamt in Kleinstädten zu sehen waren, hat der Verband das Ziel verfolgt, lokale Bildhauerinnen und Bildhauer sowie neue künstlerische Projekte bekannt zu machen. Guillermo Olmo, Vorsitzender des Bildhauer-Verbands Eskuahaldunak kritisiert die von offiziellen Stellen praktizierte Kunst-Förderung.

Eskuahaldunak Eskultoreen Elkartea ist ein baskischer Name, der in freier Übersetzung bedeutet: Befähigte Hände Bildhauer-Verband (esku = Hand / ahal = können / ahaldun = befähigt / eskultore = Bildhauer / elkartea = Verein).

Guillermo Olmo aus Amezketa in Gipuzkoa ist der erste amtierende Vorsitzende des baskischen Bildhauer-Verbands Eskuahaldunak, er kritisiert das von den Institutionen geförderte Kunst-Programm und steht großen Ausstellungs-Räumen äußerst kritisch gegenüber. Stattdessen plädiert er für kleinere Ausstellungen, wenn nicht gleich Kunst auf der Straße, kostenlos und für alle sichtbar und greifbar. Seiner Meinung nach hat das Guggenheim Museum in Bilbao eine künstlerische Linie vorgegeben, die für baskische Künstler sehr nachteilig ist. Baskultur.info dokumentiert und übersetzt ein Interview mit Guillermo Olmo, das von Alex Zubiria für die in Gipuzkoa erscheinende Tageszeitung Diario Vasco geführt und am 19. Oktober 2025 veröffentlicht wurde. (1)

Wie bewerten Sie die vergangenen drei Jahre seit der Gründung des Vereins?

Was wir unternommen haben, war für die Zunft der Bildhauer*innen seit Jahrzehnten dringend notwendig. In den letzten Jahren hat die Bildhauerei in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung verloren, was die Künstler dazu veranlasst hat, sich zusammenzuschließen und zu versuchen, den Sektor wieder zu beleben.

War es also eine Forderung der Bildhauer selbst?

Es hat einen großen Wandel in der Gesellschaft gegeben. Wir kommen aus einer sehr guten Zeit mit der Gruppe Gaur und bekannten baskischen Künstlern. Aber in den letzten Jahrzehnten haben sich die kulturellen Gewohnheiten und Konsum-Gewohnheiten enorm verändert. Es sind neue künstlerische Praktiken und eine andere Sichtweise auf Kunst und Kultur entstanden, und wir müssen uns an die aktuelle Situation anpassen. Es bleibt uns nichts anderes übrig.

Können Sie bitte ein paar Worte zur Gruppe Gaur sagen. Sicher ist dieses Projekt jüngeren Leser*innen nicht mehr geläufig.

Die Gruppe Gaur (baskisch: heute) war eine Vereinigung bildender Künstler, die 1966 in Gipuzkoa mit dem Ziel gegründet wurde, eine Verbindung zur internationalen Avantgarde herzustellen und den zeitgenössischen künstlerischen Dialog wiederzubeleben. Diese Gruppe ragte als Referenzpunkt der baskischen Kunstszene jener Zeit heraus und erlangte internationale Bekanntheit. Ihre erste Ausstellung fand 1966 in der Galerie Barandiarán in San Sebastián statt, an der die Künstler Amable Arias, Néstor Basterrechea, Eduardo Chillida, Remigio Mendiburu, Jorge Oteiza, Rafael Ruiz Balerdi, José Antonio Sistiaga und José Luis Zumeta teilnahmen.

Die Gruppe Gaur entwarf ein transformatives Modell für die Produktion und Ausstellung von Kunst, dessen Umsetzung einen strukturellen Bruch mit den kulturellen Dynamiken der damaligen Zeit bedeutete und die Rolle des Künstlers und der Kunst als aktive Subjekte im kollektiven Konstruktionsprozess weckte. Ihr großes Ziel war es, die zeitgenössische Kunst in den Mittelpunkt der kulturellen und identitäts-stiftenden Prozesse jener Jahre des späten Franquismus zu rücken. Ihre Geschichte als gemeinsame Bewegung dauerte nur wenige Jahre, aber ihre Erinnerung als Schöpfer freier poetischer Sprachen regt weiterhin zu ungebundenen Vorstellungen an.

Sie stehen der aktuellen Situation der baskischen Bildhauerei etwas kritisch gegenüber.

Auf kreativer Ebene denke ich, dass wir uns in einer schöpferischen Zeit befinden, aber wir sind nicht in der Lage, dies der Gesellschaft zu vermitteln. Die würdigen Ausstellungsräume befinden sich in städtischen Zonen, vorwiegend in den Hauptstädten. Sie haben ein künstlerisches Programm, das im Allgemeinen auf Massen-Konsum ausgerichtet ist. Das Angebot ist eher auf Tourismus ausgerichtet als auf die baskische Bevölkerung, und wir baskischen Bildhauer passen nicht in diese künstlerische Linie. Ausländische Künstler werden sehr stark gefördert. Das Beispiel des Guggenheim-Museums ist skandalös, die Menge an Geld, die aus öffentlichen Kassen in eine private Institution fließt, die nicht einmal aus dem Baskenland stammt und deren Programm ausländische Künstler bevorzugt. Wir fühlen uns wie Künstler zweiter Klasse.

Ich nehme an, Sie beziehen sich auf zeitgenössische Künstler.

Ja, wir sind zeitgenössische Künstler. Es scheint, als würde nur eine bestimmte künstlerische Richtung ausgestellt, aber wir haben in den etwas mehr als drei Jahren unseres Bestehens fast 100.000 Besucher*innen erreicht, obwohl uns die Ausstellungsräume in den Städten verwehrt wurden. Wir ziehen von Gemeinde zu Gemeinde und haben ein Publikum von beachtlicher Zahl erreicht.

Es besteht also Interesse.

Selbstverständlich. Normalerweise gehören die Ausstellungen von Eskuahaldunak zu den meistbesuchten in den Ausstellungsräumen der Kleinstädte. Mir scheint, dass die Bevölkerung danach verlangt.

bildhau3Warum denken Sie, dass die großen Ausstellungsorte das einheimische Talent nicht anerkennen?

Vielleicht gibt es eine Art Komplex. Es scheint, als sei das, was von außerhalb kommt, immer besser, und es fehlt eine Wertschätzung der hiesigen Künstlerinnen und Künstler. Es ist schade, dass die große Mehrheit der Bevölkerung die Künstler von vor fünf Jahrzehnten kennt, aber die aktuellen Künstler nicht.

Könnte es sein, dass den baskischen Künstler*innen heute die internationale Perspektive fehlt?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Es gibt zwar eine künstlerische Avantgarde, aber sie geht Hand in Hand mit dem Kommerziellen und wird natürlich von den großen Kunstkonzernen geprägt, die kommerzielle Akteure sind. Baskische Künstler*innen hätten unterstützt werden müssen, was seitens der Institutionen unterlassen wurde. Es wurde kein Wert auf die Aufmerksamkeit der Medien gelegt. In den letzten Jahrzehnten wurde beispielsweise der baskischen Gastronomie viel Aufmerksamkeit geschenkt, das lässt sich gut vermarkten. Vor fünf Jahrzehnten war das auch so, aber es ging Hand in Hand mit der Bildhauerei, die die wichtigste künstlerische Disziplin war. Doch für nachfolgende Generationen gab es keine weitere Unterstützung. Wir haben hier kein Basque Culinary Center für Künstler. Es gab einige kleine Experimente, wie die Experimentelle Kunstschule von Deba (2) oder Arteleku (3), die über kurze Zeit funktioniert haben. Aber es gibt nichts Stabiles oder gut Programmiertes.

In den letzten Jahren haben die wichtigsten baskischen Museen immer wieder Ausstellungen zu Jubiläen baskischer Künstler gezeigt.

Das ist ein großer Widerspruch. Es scheint, als würde die baskische Bildhauerei gefördert, aber wir haben wieder Ausstellungen zu den hundertjährigen Jubiläen von Chillida und Oteiza. Das ist sehr gut, weil wir uns an diese großen Künstler erinnern müssen, aber wir müssen auch die aktuellen Künstler wertschätzen.

Gibt es mehr Unterstützung seitens der Stadtverwaltungen und kleiner Institutionen?

Das ist offensichtlich. Die großen Kulturkonzerne haben kein Interesse an kleinen Orten. Sie interessieren sich nur für die großen Ausstellungsräume, die wir in Donostia haben, wie zum Beispiel im Kursaal oder im San Telmo Museum. Sie haben kein Interesse daran, in Orte von der Größe von Tolosa (20.000 Ew) zu kommen. Dort machen wir ein Angebot und werden gut aufgenommen.

Führt diese Situation zu einem Verlust der kulturellen Vielfalt?

Wenn wir nach Europa hinaus sehen, wird die klassische Bildhauerei nicht verachtet, sondern ist etwas Lebendiges. Natürlich koexistiert sie mit anderen Stilrichtungen, aber hier hat das Gewicht des Guggenheim-Museums von Bilbao eine künstlerische Linie geprägt, die für baskische Künstler sehr nachteilig ist.

Wie kann sich die baskische Bildhauerei an die heutige Zeit anpassen?

Es kann nicht dasselbe Angebot sein wie vor 50 Jahren, aber das machen wir bereits. Derzeit gibt es einen Unterschied zwischen der Bildhauerei, die heute gemacht wird, und der, die früher gemacht wurde. Die Materialien waren Stein, Eisen und Holz, aber heute wird jede Art von Material für die Bildhauerei verwendet. Es gibt andere Formate und Formen. In Gipuzkoa gibt es zum Beispiel Azken Muga (bask: Letzte Grenze) (4), das seit zehn Jahren ein Festival in der Natur mit vergänglicher Skulptur und vergänglichen Materialien veranstaltet. Es sind andere Formate und andere Schauplätze. Allerdings wurde diesen neuen Formen weder unmittelbar noch institutionell Aufmerksamkeit geschenkt. Von der Provinz-Regierung Gipuzkoa wurde keine Unterstützung für die Durchführung des einzigen multidisziplinären Festivals gewährt, das im gesamten Baskenland in der Natur stattfindet. Diese neuen Initiativen, bei denen darstellende und bildende Kunst miteinander verschmelzen, brauchen Unterstützung. Es handelt sich um ein Zusammenleben und nicht um eine Skulptur auf einem Sockel. Diese neuen Formate müssen unterstützt werden.

Diese Mischung aus Formaten kann neue Generationen ansprechen.

Ja, die neuen Generationen sind daran interessiert, bildende Kunst mit anderen darstellenden Künsten zu verbinden. Diejenigen von uns, die schon ein gewisses Alter haben, sind in ihrer Tätigkeit eher festgefahren. Deshalb ist es sehr wichtig, all diese Aktivitäten zu unterstützen.

Bislang haben Sie als Verband keine Hilfe von den Institutionen erhalten.

Wir haben vier Jahre lang darum gebeten und noch immer nichts erhalten. Wir sind der Verband der Branche, daher bin ich der Meinung, dass wir eine Unterstützung hätten erhalten müssen, um die Aktivität wieder anzukurbeln. Trotz dieser prekären Lage haben wir fast 80 Gemeinschafts-Ausstellungen organisiert und bemühen uns, Kurse anzubieten. Das technische Wissen vieler Handwerksberufe, das für das künstlerische Schaffen genutzt wurde, besitzen Menschen in fortgeschrittenem Alter. Wir halten es für dringend notwendig, dass diese Menschen ihr Wissen an die neuen Generationen weitergeben. Wenn wir uns nicht beeilen, könnte dieses Wissen in zehn Jahren verschwunden sein.

bildhau4Laufen wir Gefahr, einen Teil unserer Identität zu verlieren?

Ganz klar. Mit dieser Ausrichtung, die uns offenbar von den Institutionen aufgezwungen wird, kommen keine baskischen Künstler*innen hervor, die im Ausland bekannt werden könnten. Wie soll das auch gehen, wenn man den lokalen Künstlern die großen Ausstellungsräume verwehrt? Jetzt ist zumindest María Cueto (5) in der Kutxa-Halle des Kursaals in Donostia (San Sebastian) zu sehen, aber wenn wir zurückblicken, war die letzte Ausstellung vor fünf Jahren oder noch länger. Wir können einen Mehrwert an Identität beitragen, das ist wichtig.

Hommage an Iñaki Olazabal

Eskuahaldunak Eskultoreen Elkartea hat für den 7. November im Alondegia Kultur Etxea in Zumaia eine Ausstellung zum Gedenken an den Bildhauer Iñaki Olazabal organisiert, der im vergangenen Mai 2025 im Alter von 65 Jahren verstorben ist. Olazabal, gebürtig aus Andoain, aber wohnhaft in Zumaia, entwickelte eine künstlerische Laufbahn, die durch seine Arbeit mit Zink geprägt war, was ihn dazu veranlasste, in verschiedenen Kunstgalerien im gesamten Baskenland und an anderen Orten wie dem Koldo Mitxelena Kulturgunea auszustellen.

ANMERKUNGEN:

(1) “El Guggenheim ha marcado una línea artística que ha sido muy perjudicial para los artistas vascos” (Das Guggenheim hat eine künstlerische Linie markiert, die für die baskischen Künstler sehr nachteilig war), Tageszeitung Noticias de Gipuzkoa, 2025-10-19 (LINK)

(2) Die Experimentelle Kunstschule von Deba wurde 1969 vom baskischen Bildhauer Jorge Oteiza gegründet und organisiert. Das konkrete Ziel dieser Schule war die technische und praktische Ausbildung in Bildhauerei, Gravur und Kunstguss nach dem Wachs-Ausschmelz-Verfahren auf experimenteller Basis. Ihre Gründung war damals ein wichtiger Schritt für die Kunstpädagogik im Baskenland, denn es war die erste Kunstschule, die avantgardistische Methoden in den Unterricht einführte, der bis dahin sehr akademisch geprägt war. (LINK)

(3) Zentrum für zeitgenössische Kunst, das der Provinz-Regierung von Gipuzkoa untersteht und sich im Stadtteil Loiola, Donostia-San Sebastián, befindet. Es wurde 1984 gegründet und ist ein avantgardistisches Zentrum und eine nicht-akademische Werkstatt-Schule, die Künstlern offensteht, es stellt Arbeitsräume, eine bedeutende Bibliothek und ein spezialisiertes Dokumentationszentrum zur Verfügung. (LINK)

(4) Azken Muga, Kunst- und Kultur-Festival in der Natur, Azkarate, Nafarroa (LINK) (LINK) (LINK)

(5) María Jesús Cueto Puente (Santander, Kantabrien, 20. Februar 1951) ist eine Künstlerin, die hauptsächlich Skulpturen und Gravuren aus verschiedenen Materialien wie Alabaster, Gusseisen und Papier schafft. Information zur erwähnten Ausstellung (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Koldobika Jauregi

(2) Guillermo Olmo (not.gipuzkoa)

(3) Azken Muga Festival

(4) Iñaki Olazabal (diario vasco)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-10-30)

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